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Monatsspruch August 2013

Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt,

hast mir das Trauergewand ausgezogen

und mich mit Freude umgürtet.

Psalm 30,12


Andacht zum Monatsspruch

Der Psalmist David hätte es in unserer Gesellschaft schwer gehabt. Er klagt, er trägt öffentlich Trauerkleidung, dann aber tanzt er in aller Öffentlichkeit und ist in Partystimmung.
Soviel emotionale Unausgeglichenheit wäre für uns vielleicht doch zu viel gewesen. David käme uns ein bisschen sprunghaft vor. David wäre für unsere Gesellschaft eine schlichte Überforderung. Wir leben in einer Zeit, in der kaum noch feste gesellschaftliche Konventionen zum Trauern, zur Bekleidung, zum öffentlichen Benehmen existieren.

Der Abbau der gesellschaftlichen Normen hat nicht zu mehr Freiheit geführt, sondern zu mehr Verunsicherung.
Da wir nicht mehr sicher sind, wie die Menschen um uns reagieren, zeigen wir lieber wenig Emotionen.
So bleiben viele heute mit ihrem Schmerz und mit ihrer Freude alleine.

Davids Verhalten begeistert mich. Er findet für beide Seelenzustände eine Sprache, einen Weg nach außen. Er findet einen Weg, seine Seele zu entlasten, den Druck aus seiner Seele herauszulassen. Er kann klagen. Er hat Angst vor seinen Feinden (V2) und vor seiner Krankheit (V3). Die Angst wird so dominant, dass er sich bereits als einen toten Menschen sieht (V10). Er findet über die Klage einen Weg, die Angst seiner Seele loszuwerden: Er zieht die entsprechende Trauerkleidung an und klagt und weint. Nachdem sich sein Schicksal wendet, wird der Tanz zum Ausdruck der Freude in seinem Herzen. Er tanzt und bezieht dadurch auch andere Menschen in seine Freude mit hinein, denn in Israel tanzte man immer im Kreis mit anderen Menschen zusammen. Klage und Tanz waren Wege, über die Davids Freude und Trauer sein Herz verlassen konnten.
Der Druck blieb nicht in seinem Herzen hängen, sondern durfte an die Oberfläche kommen.

Der Monatsspruch hat eine dreifache Ermutigung für uns:

Mut zur Ehrlichkeit.
David ist ehrlich mit sich selbst.
Er gibt seine Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit zu.
Er ist nicht so stark, dass er seine Feinde und seine Krankheit ignorieren könnte.
Er verbirgt seinen Zustand nicht.
Er ist ehrlich und so kann seine Seele atmen.
Die ganzen Gefühle und Ängste ausatmen und die Verheißungen Gottes einatmen. Liebe Leserinnen und Leser, ich ermutige euch zur Ehrlichkeit euch selbst gegenüber. Man muss nicht immer stark sein und es muss nicht immer alles gut laufen. Ehrlichkeit ist der erste Schritt zur Heilung der Seele.

Mut zum Beten.
Der Adressat der Klagen von David war Gott selbst.
In Psalm 30 spricht er die ganze Zeit Gott an.
Er beklagt sich bei Gott.
Ihm vertraut er seine Gedanken und Gefühle an.
David ist mit seinen Ängsten und auch mit seiner Freude bei Gott.
Von ihm erwartet er Verständnis und Änderung.

Liebe Leserinnen und Leser, bei Gott sind wir mit unseren Gefühlen am besten aufgehoben.
Er versteht uns am besten, er kennt uns am besten.
Er kann uns helfen und unsere Seele entlasten und uns Frieden geben.
„Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt“ bekennt David.

Mut zur Öffentlichkeit, zur Gemeinschaft.
David trauert und freut sich zusammen mit anderen Menschen.
Er braucht Unterstützung.
Manchmal höre ich den Einwand: "Warum soll ich andere mit meinen Sorgen belasten? Reicht es nicht, dass Gott weiß, wie es mir geht? Warum soll ich mich vor den anderen Menschen entblößen? Sie könnten plötzlich anders über mich denken, ich war doch immer der fröhliche und lustige Mensch."

Dabei ist es viel wichtiger in Zeiten der Angst und Not, die eigenen Gefühle nicht zu verdrängen, sondern ihnen einen Weg nach oben, nach außen zu ermöglichen.
Besonders ermutigen möchte ich euch, neue Wege für eure Seele zu finden. Welche Wege haben wir, unserer Angst, dem inneren Druck nach außen Luft zu verschaffen? Wie können diese sich Luft verschaffen? Welche Wege haben wir, unsere Freude zum Ausdruck zu bringen? Es lohnt sich einen Augenblick darüber nachzudenken.
Liebe Leserinnen und Leser, Angst zu haben, sich Sorgen zu machen ist nicht peinlich, sondern normal. Es kann eine Erleichterung sein, jemandem, einem Menschen des Vertrauens, unsere innere Welt zu öffnen. In der Gemeinde haben wir das besondere Privileg und den besonderen Auftrag, füreinander da zu sein, Schmerz und Freude mitzutragen.

Aus der Biographie Davids wissen wir, dass er ein großer und mächtiger König war. Doch trotzdem hatte er immer wieder mit Schwierigkeiten in seiner Familie und in seinem Land zu kämpfen. Was ihn in seinem Hin und Her zwischen Angst und Freude getröstet hat, soll auch uns trösten und stärken: Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten. Psalm 46, 2

Pastor Johann Vollbracht



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