Tipps und Tricks für das Stillen eines im Mundbereich hypotonen (schwachen) Säuglings
 
 
 

Wie erkennt man, dass der Säugling im Mundbereich hypoton ist?


 
 
- Das Kind saugt schlecht oder gar nicht an der Mutterbrust.

- Auch das Saugen an der Flasche ist erschwert oder klappt gar nicht.

- Eventuell funktioniert der Saugschluss nicht richtig, d.h. es entsteht beim Saugen kein Vakuum (z. B. könnte
   im Mundwinkel eine Lücke bleiben)).

- Manche hypotonen Kinder haben gar keinen Saugreflex, bei anderen fällt dieser schwächer aus.

- Manchmal fehlt auch der Suchreflex, jedoch nicht immer.

- Das Kind nimmt allzu rasch ab, wenn sein Problem unerkannt bleibt. (Unser Sohn zeigte nicht einmal, dass
   er Hunger hatte, sondern schlief die meiste Zeit!)

- Das Philtrum (Bereich zwischen Oberlippe und Nase) sieht flacher aus als bei gesunden Kindern.

- Die gesamte Gesichtsmuskulatur kann weniger "aktiv" sein (weniger Mimik).

- Eventuell fiel das Kind bereits durch verminderte oder - anderswo - verstärkte Muskelaktivität (Muskeltonus) auf (vor oder nach der Geburt), vielleicht waren die Arme und Beine vermehrt ausgestreckt im Vergleich zu denen gesunder Säuglinge.

- Das Kind lächelt weniger bis gar nicht.
 
 

Was kann man tun, um das Kind eventuell dennoch stillen zu können?




- Haben Sie viel Geduld, bleiben Sie "cool"!

- Fühlen Sie sich nicht vom Kind abgelehnt! (Es kann nicht oder schlecht lächeln/saugen, es würde es
   liebend gern tun!!!)

- Stellen Sie sicher, dass das Kind zunimmt (dazu reicht es, wenn es sich nicht allzu oft verschluckt (Hand
   zum Rückenklopfen bereit halten!)). Ein Kind, das nicht saugen kann, aber schlucken, muss nicht
   sondiert werden (Schlauchernährung durch die Nase bis in den Magen) - oft reicht eine Flasche mit großem
   Saugerloch! (Eventuell Breisauger verwenden!)

- Sollte es wirklich nötig sein, dass Ihr Kind in die Kinderklinik kommt, sollten Sie darauf achten, dass nur
   dann sondiert wird, wenn es gar nicht mehr anders geht! Erfahrungsgemäß lernen die Kinder sonst das
   Saugen noch schlechter, weil der "Anreiz" fehlt!

- Am besten abpumpen (mit guter elektrischer Milchpumpe - am besten mehrere durchprobieren!) und
   den Milchfluss anregen (ich fand Milchbildungstee super - Bezugsquelle bei Apotheke oder Hebamme
   erfragen)!

- Da das Saugen eines Babys mehr anregen würde als das Abpumpen, muss man öfter pumpen als es
   normalerweise saugen würde (bis zu einmal pro Stunde tagsüber, nachts etwas weniger). So kann man
   auch nach Wochen noch mit Muttermilch füttern bzw. ggfs. mit dem Stillen anfangen und das Baby
   kommt so in den Genuss der wertvollen Muttermilch. Allerdings braucht man sehr viel Ausdauer und
   reichlich Unterstützung und Entlastung. Man muss die ganze Zeit mit dem Baby üben (wenigstens drei-
   mal am Tag / zusätzlich zum Abpumpen)! Das kostet extrem viel Nerven, Kraft und Schlaf! Aber man
   kann sich wenigstens damit trösten, dass das Baby von Anfang an Muttermilch bekommt, die ja
   Abwehrstoffe gegen verschiedenste Krankheiten enthält, und außerdem entwickeln Stillkinder weniger
   Allergien als andere.
 
 

Übungen für Sie und das Baby



- Massagen im Mundbereich nach Anleitung durch Hebammen, KrankengymnastInnen, Ärzte - und
   durch Laktations- oder Stillberaterinnen können helfen, den Muskeltonus zu verbessern.

- Versuchen Sie zu stillen, so oft Sie es aushalten, dass es zu Misserfolgen kommt (vor allem in den
   ersten Wochen)! (Es klappt weit häufiger, als die meisten Fachleute meinen! Bei unserem Andy
   hatten alle die Hoffnung aufgegeben - und er hat hnen dennoch nach fünf Wochen gezeigt, was er kann! /
   Übrigens hörte ich von der Mutter eines Kindes mit Down-Syndrom, ihr Kind habe es ebenfalls nach
   fünf Wochen geschafft!)

- Bequemlichkeit ist bei den vielen Übungen besonders wichtig (z. B. Stillkissen verwenden!), denn man
   möchte sich ja nicht zusätzlich mit Rückenschmerzen plagen!

- Viel Unterstützung durch Partner/Familie - das Stillen bzw. die Stillversuche allein reichen vollauf als (wichtige!)
   Aufgabe aus! Und Stillen ist, wenn es erst klappt, die beste Gymnastik für den Mund Ihres Säuglings -
   z. B. zur Vermeidung/Verminderung von Sprachproblemen (Artikulation), bedingt durch die Hypotonie.

- Brustwarze eventuell von hinten durch den Warzenhof mit dem Daumen stützen, damit sie besser im Mund
   bleibt.

- Ggfs. durch entsprechendes Lagern des Babys dessen Mundschluss verbessern (evtl. von Laktations-
   beraterin zeigen lassen!).

- Evtl. kurz anpumpen, um den Milchfluss zu verbessern, bevor man versucht, das Baby zu stillen (Aktivierung
   des Milchspendereflexes). So ist es leichter für den Säugling, mit dem Saugen zu beginnen.

- Versuchen Sie, einige der Übungen zusammen mit Ihrem Partner zu machen. Er kann zum Beispiel
   versuchen, das benötigte Vakuum (Saugschluss) herbeizuführen (die Brust gegen den Mund (aber nicht die
   Nase!) des Babys zu drücken oder beim Positionieren des Babys zu helfen.

- Durch kombinierte Flaschenfütterung (gegen den Hunger Ihres Babys bzw. um sicherzustellen, dass Ihr Baby
   ausreichend schnell genügend zunimmt) und dem sogenannten Finger-Feeding (evtl. abwechselnd) können Sie
   Ihr Baby füttern, bis es saugen gelernt hat. (Finger-Feeding ist eine Methode, mit der man das Baby mit
   abgepumpter Muttermilch mittels einer Art von Spritzen-Schlauch-Hilfsmittel füttern kann und welches man
   verwendet, um Milch in den Mund Ihres Babys zu "injizieren". Es bewahrt Ihr Kind davor, sich allzu sehr
   an das Trinken aus der Flasche zu gewöhnen. Laktationsberaterinnen und Hebammen zeigen Ihnen, wie das
   geht!

- Es wäre gut, wenn Sie sich mit einer Still- oder Selbsthilfegruppe in Kontakt setzen würden. (Fragen Sie die
   Hebamme, wo...).
 
 

Und: Geben Sie niemals zu früh auf!

Denn selbst wenn Sie Ihr Baby nur teilweise stillen können - oder auch schon die Tatsache, dass Sie ihm Ihre Muttermilch (per Finger-Feeding oder, wenn es nicht anders geht, mittels Fläschchen) geben können, stärkt Ihr Selbstbewusstsein und kann Sie und Ihr Kind einander näher bringen. So bekommen Sie ein Stück jener "Normalität" zurück, die Sie sich während Ihrer Schwangerschaft erträumt hatten!

Natürlich kann das Stillen Ihr Baby nicht gesund machen, aber es kann ihm durchaus Entwicklungsanreize geben: Obwohl ich ganz und gar nicht immer "cool" war und in den ersten Tagen und Wochen, als ich dachte, mein Baby lehne mich ab, auch manchmal ungerechtfertigte Dinge zu ihm gesagt habe, hat sich Andy, wenn man bedenkt, was für eine Krankheit er hat, sehr gut entwickelt. Und die schwierige Lektion, das Saugen an der Brust zu lernen, hat mit Sicherheit ein gutes Stück dazu beigetragen!

Übrigens, liebe Papis, ein gutes Stillbuch wäre jetzt sicher ein passendes Geschenk zur Unterstützung für Ihre Frau!

Ich wünsche allen Beteiligten viel Glück und alles Gute bei den Stillübungen!