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Fazit:

Die Kapverden empfehlen sich als Ziel für Individualisten. Etwas vorheriger Afrikakontakt kann nicht schaden. Aber auch aufgeschlossene Neulinge sollten gut zurecht kommen. Man muss sich halt auf afrikanische Verhältnisse einstellen.

Eine Verständigung auf Deutsch ist auf allen Inseln aussichtslos. Englisch ist mühsam, wird aber quer über alle Inseln und quer durch alle Bevölkerungsschichten von Einigen gesprochen. Französisch geht ganz gut, aber am besten natürlich portugiesisch.

Das Klima ist ausgeglichener, aber auch wärmer als die Kanaren. Kühle Nächte erlebt man nur in den Höhenlagen der Inseln. In der Regenzeit (Juli – September) mutiert das heiße Klima, auf allen Inseln mit regelmäßigem Niederschlag, zu „White Mans Grove“ Wetter. Über 30 Grad und über 80% Luftfeuchte. Menschen mit Sonnenallergien, Kreislaufproblemen oder ähnlichem sollten sich die Sache besser noch mal überlegen.

Die Restaurants sind vergleichbar mit Deutschland, etwas günstiger, gleichwertig oder billig je nachdem was man bestellt und wo man wohnt. Ein mittleres Gericht etwa bei 5-9 €.

Wasser:
Nirgendwo ist Leitungswasser Trinkwasser. Immer Zähneputzen mit Flaschenwasser. Die Wasserqualität hängt ab von der Insel, der Jahreszeit und der Art der Unterkunft. Das öffentliche Netz, so fern es eines gibt, speist sich auf den trockenen Inseln aus den Entsalzungsanlagen auf Umkehrosmose oder auf Destillationsbasis, gepuffert durch Zisternen. Das Wasser auf Santiago und das per Tanklaster gelieferte Wasser auf Sao Vicente war von der Farbe und Geruch her einwandfrei. Wir haben es abgekocht und für Essen, Kaffe und Suppe verwendet. Das Wasser auf Sal war fürchterlich, es kam gelb aus der Leitung. Der Pool wurde nicht mit Leitungswasser sondern mit extra Tankwagen gefüllt, sonst hätte man nämlich keinen Grund mehr gesehen. Auf Sal haben wir unseren Kaffe und unser Essen mit Wasser aus 5 L Kanistern gekocht. Wir haben, wie in keinem anderen Land bisher darauf geachtet – kein Eis, kein Salat, keine Garnierung zu essen und das Obst zu schälen oder mit Flaschenwasser abzuspülen.

Tipps zur Planung und für unterwegs
Die Kunst eines gelungenen Kapverden Urlaubes liegt wesentlich in einer sinnvollen Planung. Wer nicht nur sehen sondern erleben will, sollte grob mit 1 Woche pro Insel rechnen. Sal etwas weniger. Es ist zu bedenken, dass jeder Inselwechsel ½ - 1 Tage Transfer Zeit kostet (Packen-Flughafentransfer-Wartezeit-Flug (nicht immer pünktlich) –Unterkunftstransfer -auspacken), zzgl. ½ Tag „Neuorientierung“ am Aufenthaltsort. Man kann viel Zeit sparen, wenn Flüge sinnvoll gelegt werden. Es ist teuer und uneffektiv, wenn Inselhopping nur jedes Mal über Zwischenaufenthalte auf Santiago zu realisieren sind. Baden im Meer am Sandstrand wird viele Monate durch starke Winde oder Saharastürme getrübt (November – Juni). Versuchen sie bereits im Vorfeld ihre Freizeitaktivitäten (Wandern, Tauchen, Angeln usw.) mit den unterschiedlichen jahreszeitlichen Bedingungen und den sehr verschiedenen Inselbedingungen abzugleichen. Reiseführer bieten hier leider kaum Anhaltspunkte, erfahrene Reisebüros und Internetforen können helfen.

Geld:
Der feste Wechselkurs zum Euro führt in Santa Maria dazu, dass man fast überall in Euro bezahlen kann, ohne einen besonders schlechten Kurs zu haben. Genauso bekommt man beim Bezahlen mit Escudos gelegentlich Euro als Wechselgeld. Auf allen anderen Inseln, die wir besuchten, gilt das nicht. Bezahlung nur mit Escudos. In Internationalen Hotels mit Kreditkarte (vorzugsweise VISA), in deutschen Gästehäusern mit Euros auf Nachfrage. Das Abheben von Escudos mit Kreditkarte war 2006 auf 20.000 Esc begrenzt (180€). Da sehr hohe Gebühren anfallen empfiehlt es sich eine Visa Card zu haben, die weltweites kostenloses Abheben garantiert. Das spart im Jahr schnell mal über 50€ Gebühren und ist selbst im Euroraum besser als eine EC Karte.

Sicherheit

Wir empfanden die Kapverden als ausgesprochen sicheres Reiseland für weiße Europäer. Fehlende Sicherheitsanlagen an Hotels und Privathäusern tragen diese Botschaft auch nach draußen.
 

Wanderfreunde, eine Zielgruppe der Kapverden werden durch die klimatischen Extreme arg strapaziert, uns ist es eigentlich unverständlich, dass es so viele Vorschläge für Wanderungen gibt. Die Versorgung ist über „Tante Emma Läden“ und Minimercados fast überall gesichert. Das heißt es gibt keine TIC TAC, aber zur Not überall Beutelsuppen. Das Einkaufen erfordert also nur etwas Umorganisation und die Rückkehr vom Wocheneinkauf zum Tageseinkauf. Einen richtig großen Supermarkt haben wir nirgends gesehen. Wenn kann es den höchstens in der Hauptstadt Praia geben. Die Inseln sind kein billig zu bereisendes Land. Die Transferkosten sind hoch – Flugzeug, Taxi, selbst regelmäßige Alguer Fahrten gehen ins Geld. Die Lebensmittelpreise sind durch den hohen Exportanteil ebenfalls sehr hoch. Auch auf den Märkten ist es nicht billiger. Dazu mussten wir feststellen, dass die Qualität und das Angebot in einigen Geschäften besser ist als auf dem Markt. Das betrifft z.B. Tomaten und Paprika. Günstiger wird es erst bei Grundnahrungsmitteln (kg-weise), was für Touristen aber kaum praktisch ist.

Investment
Auf Capo Verde herrscht Goldgräber Stimmung, was den Tourismus und Investitionen angeht. Diese waren in den letzten Jahren jedoch nicht überall von Erfolg gekrönt. Bei allem Sonnenschein und warmen Wasser, kann ich die entsprechende Preisentwicklung jedoch nur schwer nachvollziehen. Sal ist die Insel, die bisher den größten touristischen Schritt gemacht hat, in Kürze folgt Boa Vista. Wir haben vor Ort Deutsche getroffen, die seit 10, 20 oder 25 Jahren hier leben und gebaut haben, ebenso wie Jene die jetzt diesen Schritt wagen. Wer hätte nicht gern ein Häuschen in 1. Strandlage. Oder besser etwas das man Villa oder Casa benennen kann. Die Kosten in Santa Maria dürften so bei 400.000 liegen, einfacher europäischer Standard. Dafür bekommt man ein Land ohne Euro, ohne deutsche Botschaft, ohne europäischen Supermarkt, nur begrenztes Lebensmittel- und Industriewarenangebot, Lebenserhaltungskosten nur knapp unter mittlerem europäischem Niveau, kein Trinkwasser, regelmäßige Stromausfälle, keine einzige asphaltierte Straße im Ort. Für eine solche Investitionssumme, wenn sie nicht spekulativ gesehen wird, ist die Infrastruktur einfach unzureichend. Der Preis für das von uns gemietete Appartement liegt bei 60.000 €. 65m², Bad ohne Fenster, die 2 anderen Fenster mit Blick in einen Lichtschacht Korridor. Ein Ferienappartement, aber nicht zum Wohnen gebaut. Keine Anschlüsse für Waschmaschine oder Geschirrspüler, das E-Netz verkraftet kaum eine zusätzliche Mikrowelle. Die Wände sind grundsätzlich schief, die Fliesenarbeiten nicht immer fachgerecht. Billigste Bausubstanz. Hier sind immer über 25° Grad, doch die Klimaanlage kämpft gegen Einfachfenster ohne Wärmeschutztönung. Es gibt weder Schallschutz noch Wärmeisolierung. Da es kein Holz gibt werden selbst Schrägdächer aus Beton gegossen und die Dachziegel aufgemauert.
Wenn man sich die angebotenen Appartements im Rohbau betrachtet, wozu reichlich Gelegenheit bestand, formt das Gehirn Begriffe wie Pfusch und Bauruine. Da kein Gebäude älter als 10 Jahre ist fällt das derzeit noch nicht auf.
Kann man alles machen und offensichtlich finden sich Käufer die dafür Mitteleuropäische Preise zahlen. In einem Land mit 350 Sonnentagen, 25°Grad Mindesttemperatur und seiner wackeligen Stromerzeugung durch Generatoren, wird die Warmwassererzeugung neuer Appartementanlagen oft gelöst durch – stromfressende Warmwasserboiler. Weil es das billigste in der Anschaffung ist.
Interessenten sei wohl am besten empfohlen selber zu bauen und sich vorher gründlich mit jenen zu unterhalten die dies hinter sich haben. Die LKW Ladung Sand (ordentlich gewaschen, also ohne Salz) soll zwischen 30 € und 300€ schwanken..
Würde man mich fragen, auf welcher Insel ich bauen würde – würde ich Santiago empfehlen (ohne alle Inseln besucht zu haben). Auch wenn die Preise hier schon deutlich anziehen. Hauptstadt mit guter Versorgungssituation, eigene Agrarproduktion, bestmögliche Krankenversorgung (Privatklinik), internationalen Flughafen, mittelfristig kein Pauschaltourismus. Santiago ist die grünste, größte und abwechslungsreichste Insel die wir besucht haben.

Boeing 757 TACV 01