PRESSE
Ein wenig hat es bereits im Blätterwald gerauscht. Hier eine Auswahl von Berichten über den SNFB.
Some articles about SNFB.
zu unseren Pressemitteilungen to our own press releases
Berliner Zeitung 11.4.2005
Lübecker Nachrichten 11.4.2005
GT 12.4.05
N3 (VT) 12.4.05
HNA 14.4.05
NDR 18.4.05
FAZ 1.5.2005
37° 05/2005
Die Zeit 18.8.2005
(aus: Christoph Biermann "Fast alles über Fußball")
SAT 1 9.5.05
Göttinger Wochenzeitung 05/2006
GT, 12.4.2005

Göttinger Wochenzeitung, 12.5.2005
Zwischen Fankultur und Provokation
Von Norman Seibert
Mit der Gründung eines eigenen Verbandes vor zwei Jahren, dem Südniedersächsischen Fußballbund, kurz SNFB, haben sich Göttinger Fußballfans eine weiterführende Präsentationsplattform geschaffen. Denen, die nur Fußballverbände wie den DFB, die UEFA und die FIFA kennen, mag dieser alternative Verband zunächst obskur, vielleicht sogar als Spinnerei erscheinen. Aber wie bei vielen Dingen, die auf den ersten Blick kurios wirken, hat auch der SNFB einen tieferen Sinn, der zwischen Spaß am Fußball, Provokation der bestehenden Verbandstrukturen, Fankultur und der eigenen Verbandsarbeit steht.
Der Verband und seine Macher Philipp Rösener, Oliver Sauer und Christopher Pauer kommen aus der Fanszene um „Göttingen 05“, die nach der Insolvenz des Vereins durch die Aktion „Fans ohne Verein“ bundesweit bekannt wurde. Heute hat die Fußballspaßguerilla an der Benzstraße in Geismar ein neues zu Hause gefunden. „Aus unserem Umfeld erhalten wir auch die meiste Unterstützung. Der Personenkreis ist etwa fünfzig Personen stark. Mit ihnen zusammen wollen wir für den Fußball der Region arbeiten, aber alternativ zu der bis jetzt praktizierten Form“, so ihr Pressesprecher Christopher Pauer über die Struktur und Linie des Verbandes
Initialzündung für die drei O5er, Verbandsarbeit zu leisten, lieferte Luc Misson. Der belgische Rechtsanwalt fand europaweite Beachtung durch die Vertretung des Fußballprofis Jean-Marc Bosmann vor dem europäischen Gerichtshof. Die Auswirkungen des „Bosmann Urteils“ auf Transferregelungen und Ausländerbeschränkungen in Mannschaftssportarten sind vielen vertraut. Das Misson 2003 auch treibende Kraft beim der New Federation Board war, einem Verband, „der allen helfen will, die die FIFA vergessen hat“, wie Misson sagt, ist den meisten fremd. Mittlerweile versammeln sich unter dem Dach der NF etwa achtzig Fußballverbände und Volksgruppen, die nicht von der FIFA anerkannt werden, aber hier international eine Vertretung finden.
Von dieser Idee angesprochen, nahmen die Drei Kontakt mit der NF auf. Philipp Rösener und Oliver Sauer ließen es sich nicht nehmen, im letzten Jahr auf eigene Kosten zum zweiten Verbandstreffen nach London zu fahren, um ihre Aufnahme zu beantragen. Die Arbeit hat sich gelohnt, denn seit April ist der SNFB offizielles Mitglied der NF.
In der Zusammenarbeit mit dem NF sehen sie eine Chance, jenen Fußball auf internationaler Ebene zu unterstützen, der Abseits von ausuferndem Kommerz und Mediendominanz den Ball rollen lässt. „In unseren Augen muss man Fußball kritisch betrachten können, wir wollen die Sicht der Fans zur Politik der etablierten Verbände ins richtige Licht rücken und Länder wie z.B. Tibet sollte man schlicht unterstützen“, kommentiert Pauer ihre Arbeit.
Mitunter neigen die Aktionen des Südniedersächsischen Fußball Bundes nicht dazu, Ruhe und Frieden im Göttinger Fußball herzustellen. Provokationen gehören zu ihrem Repertoire, auf sich aufmerksam zu machen. Oder Verwirrung zu stiften, wie bei der WM Quartier GmbH aber auch bei der mexikanischen Nationalmannschaft, die sie im Vorfeld des Confed-Cups zu einem Freundschaftsspiel einluden. Die Mexikaner zweifelten in diesem Moment, mit der WM Quartier GmbH den richtigen Ansprechpartner in Göttingen gefunden zu haben. Nun haben sich die Wogen geglättet und ein Schmunzeln huscht über das Gesicht. Es bleibt abzuwarten, Mit welchen Überraschungen der SNFB während der WM aufwartet, bleibt abzuwarten.
Ein großes Ziel hat der SNFB in diesem Jahr noch: Den VIVA-World Cup der NF im November auf Nordzypern. „Wenn wir das finanziell stemmen können, werden wir dort in den Verbandsfarben schwarz, gelb und grün auflaufen“, meint Pauer.
HNA, 13.4.2005
Nationalelf für Südniedersachsen
GÖTTINGEN. Um Ideen waren sie nie verlegen. Als der "1. SC Göttingen 05" noch in der Oberliga kickte, unterstützten die 05-Fans den inzwischen Pleite gegangenen Klub mit durchaus ungewöhnlichen Methoden und Gesängen. Nach der 05-Insolvenz nannten sie sich "Fans ohne Verein", ließen sich via Internet für ein paar Bier und Fahrtkosten-Erstattung mieten, gerieten so bundesweit in die Schlagzeilen. Jetzt sorgen einige der Ex-05-Fans wieder für skurrile Aufmerksamkeit.
In Südniedersachsen soll eine Nationalmannschaft aufgebaut werden, die diese Region fußballerisch vertreten soll. Deshalb gründeten Philipp Rösener (37, Präsident), Oliver Sauer (37, Vize) und Christopher Pauer (28, Pressesprecher) den "SüdNiedersächsischen Fußball-Bund" (SNFB) " und dies ist kein verspäteter April-Scherz. "Da steckt ein gewisser Ernst hinter", sagt Jura-Student Pauer. "Und die Hoffnung, Nationalspieler zu werden."
Angestrebt wird vom "SNFB" (im Logo wiehert ein belgisches Brauerei-Pferd in Anspielung auf das Niedersachsen-Ross) eine baldige Mitgliedschaft im Non-FIFA-Board. Dieser 2003 gegründete Zusammenschluss von Verbänden, die nicht vom Weltfußballverband FIFA anerkannt werden, plant, eine eigene WM auszurichten. "Eine Entscheidung über die Mitgliedschaft des SNFB wird voraussichtlich am 11. Juni in London fallen", heißt es in einer Presseerklärung von Pauer. "Philipp Rösener wird in London wohl vertreten sein", so der Pressesprecher über SNFB-Boss, der im Hauptjob Sozialarbeiter in Duderstadt ist.
Hintergrund der SNFB-Gründung ist auch, so Pauer, "die derzeitige DFB-Politik zu ärgern". Bundestrainer Jürgen Klinsmanns Team habe eigentlich nur eher schwache WM-Vorbereitungsspiele gezeigt, aber schon 300000 Euro WM-Prämie pro Mann ausgehandelt. Pauer: "Das sind Sachen, die normale Fans nerven." Auch wollen die SNFBer sehen, wie eine "Reizfigur wie DFB-Chef Mayer-Vorfelder" auf ihren Zusammenschluss reagiere.
Neben den drei "Spitzenfunktionären" zählen noch etwa 20 Mann "aus dem 05-Umfeld", so Pauer", zum SNFB, der "ohne rechtliche Basis" existiere. "Zur Zeit bemühen wir uns außerdem intensiv um ein Testspiel in Göttingen gegen ein Land, das bereits seit längerem Mitglied der Non-FIFA ist", berichtet der SNFB.
Zu den Gründungsmitgliedern zählen übrigens Andorra, Monaco, Hongkong, Gibraltar, Grönland und Tibet. Mittlerweile sind auch die Falkland- und Osterinseln, Guadeloupe, Jersey, die Bretagne, Korsika, das Baskenland, Kurdistan, Lappland und nicht zu vergessen der Vatikan dabei. Pauer: "Wenn Schottland ein eigenes Team stellt, dann kann SüdNiedersachsen dies auch."
Und überhaupt: "Vielleicht können wir ja gegen Mexiko spielen", sagt Pauer. Die Mittelamerikaner sind im Juni in Göttingen zu Gast, um sich auf ihre Spiele im Confederations-Cup in Hannover vorzubereiten. Doch selbst ein Spiel der SNFB-Auswahl (Pauer: "Dafür gibt's ein Casting") gegen die gefürchteten Osterinseln dürfte die darnieder liegende südniedersächsische Fußball-Szene mit Sicherheit bereichern."(HAZ/GSD)
HNA, 29.6.2005
Fans bauen Tribüne für sich selbst
Von Helmut Anschütz
göttingen. Mit ausgefallenen Ideen machen sie weiter auf sich aufmerksam. Für Reisekosten und ein paar Bier haben sich die "Fans ohne Verein" vom ehemaligen Traditionsklub 1. SC Göttingen 05 (inzwischen nicht mehr existent) von Anhänger-schwachen Vereinen zwecks lautstarker Anfeuerung mieten lassen. Jetzt realisierten sie ihr jüngstes "Projekt": Sie haben sich eine Tribüne gebaut.
Auf der einen Längsseite von Bezirksklassen-Klub RSV Göttingen 05, der (bevorstehenden) Fusion aus FC Göttingen 05 und RSV Geismar, prangt jetzt an der Göttinger Benzstraße eine 40 Meter lange Stehtribüne. "Dafür haben wir etwa eine Woche gebraucht", sagt Christopher Pauer, der mit bis zu 40 Anhängern und zahlreichen Helfern am Bau beteiligt war. Auch die Vorständler packten dabei kräftig an. So halfen unter anderem auch Hartwig Magerhans (bislang 1. Vorsitzender des bisherigen RSV Geismar) sowie Vorstandskollege Hartwig Vogelsang mit.
Erde musste ausgehoben werden, per Bagger und per Hand. Beton wurde gemischt, um die Kantensteine zu setzen. Steine mussten geschleppt werden, um die Stufen zu pflastern. Alles unter fachmännischer Anleitung. Als Architekt hatte Roland Schum die kleine Tribüne konzipiert, als "Bauleiter" führte Willi Kurre, auch "im richtigen Leben" in der Baubranche tätig, die "Oberaufsicht". Co-Trainer Matthias Weise leistete wie auch die Spieler Sören Heuer und Tobias Plähn seinen tatkräftigen Beitrag. "Jetzt hat der Platz wenigstens ein bisschen Stadion-Flair", meint Pauer, der auch Vorstandsmitglied des von den 05-Fans initiierten "Südniedersächsischen Fußball-Bundes" (SNFB) ist, der die Region Südniedersachsen mit einer Nationalmannschaft international vertreten will.
Pressesprecher Pauers Vorstandskollegen Philipp Rösener (Präsident) und Oliver Sauer (Vizepräsident) waren vor kurzem bei einer Tagung des Non-FIFA-Boards (Zusammenschluss nicht durch die FIFA anerkannter Verbänden) in England, bei der der SNFB als provisorisches Mitglied aufgenommen wurde. Bis Ende des Jahres wird nun entschieden, ob der SNFB als vollwertiges Mitglied aufgenommen wird.
Zu den Non-FIFA-Board-Mitgliedern zählen u.a. solche Exoten wie die Falkland- und Osterinseln, die Bretagne, Korsika, Lappland, Guadaloupe, Kurdistan und auch Tibet, gegen das bis Ende Oktober das erste "Länderspiel" ausgetragen werden soll. Die Tibetaner sind im Herbst auf einer Europa-Tournee, so Pauer. (GSD)
Der Schlafende Riese Nr. 16, Juli 2006:
2nd N.F.-Board Ordinary General Assembly on Saturday June 11, 2005 in London!
Von Oliver Sauer
Es gibt die unterschiedlichsten Gründe, warum die südliche Region unseres schönen Niedersachsens, auch fußballerisch vernachlässigt, nein, eher fahrlässig missachtet wird. Der südlichste Zipfel Norddeutschlands, im Dreiländereck von Hessen, der Zone und eben Niedersachsens gelegen, von der Zonenrandgebietsförderung gekappt und von der Weltverschwörung FIFA-DFB-NFV schon immer gegängelt und am eigentlich unvermeidlichen Aufstieg in die Weltklasse, welches nun mal unser verdammter Auftrag ist, gehindert. Dazu eine WM, die noch mal eine Zugabe an Kommerz und Überwachung bekommt, gläserne Bürger, die als „Fans“ getarnt der Markforschung der Zentralregierung Berlins dienen und vom Fußball entfernt werden. Dem galt es entgegen zu steuern, also wurde auf einer Party in der Cocktailbar im JuZI nicht nur unser Unmut geäußert, sondern mal eben die Unabhängigkeitserklärung Südniedersachsens (niemals erwachsen!) deklariert! Zugegeben, schon vorher wurden erstmal in bester pseudo-demokratischer, weißrussischer Manier die Posten vergeben: Philipp erklärte sich spontan zum Präsidenten, der mediengeile Chrossi wurde als Pressesprecher eingesetzt und da es in Ermangelung solch einflussreicher Posten wie Politkommissar oder Verteidigungsminister nur noch den Vize-Präsidenten gab, wurde ich feierlich mit einem Beck`s mal eben zum Stellvertreter Philipps gekürt. Nach Wochen der Untätigkeit wurde uns klar, dass sich keine Sau für uns interessiert, wenn wir a): Kein Land, b): Keine Bevölkerung und c): Keine Nationalmannschaft haben. Also ließen wir unserer großspurigen Ankündigung Taten folgen. Das Land, welches wir vertreten, ist klar: Südniedersachsen, zwischen Harz und Weserbergland gelegen, mit der Hauptstadt Göttingen. Dazu gehören natürlich alle Menschen, die dort leben, sowie alle Supporters Crew Mitglieder. Nationalmannschaft? WIR! Wappen? Belgisches Brauerei Pferd! Landesfarben? Die vom Verein: Schwarz-Gelb-Grün! Während unser Pressesprecher den „Bossman“- Anwalt Jean-Luc Kit (Anmerk. d. Pressesprechers: Der Anwalt heißt Luc Misson, ist aber ebenfalls im N.F.-Board tätig.) in Frankreich anschrieb und unser Interesse am N.F.-Board anmeldete, verkündete er gleich mal in der örtlichen und überregionalen Presse unsere Unabhängigkeit, verbunden mit der Gründung eines eigenen Fußballbundes inklusive Nationalteam! Angetrieben von der rund um die Welt gegangenen Story der „Fans ohne Verein“ stiegen auch gleich mal ein paar Zeitungen drauf ein. Weniger der DFB, welcher doch glatt unsere Bekanntgabe des eigenständigen Fußballbundes ebenso ignorierte, wie unsere Einladung zu einem freundschaftlichen Vergleich unserer beiden Nationalmannschaften auf dem Fußballplatz an der Benzstraße oder im Jahnstadion, welche wir beide mal eben zu unseren Nationalstadien ausriefen. Aber das N.F.-Board in Form unseres Freundes Jean-Luc meldete sich schneller und positiver als erwartet, sicherlich auch, weil sie einen Vertreter aus Deutschland sehr gern in ihren Reihen wähnten. Die Telefongespräche zwischen Jean-Luc und uns gestalteten sich etwas schwierig, weil sein deutsch und auch sein englisch ungefähr unserer Beherrschung der französischen Sprache entspricht….Als uns die Einladung zum 2. Ordentlichem Kongress nach London ins Haus flatterte, entschieden sich unser Präsident und sein Vice-President spontan zu einer Reise ins Herz des Fußballs. Sofort erinnerte ich mich an Gerd Dembowskis Besuch als Baff/Fare-Vertreter auf dem FIFA-Kongress in Buenos Aires. Edles Bankett, feierliche Reden, besoffene Landesvertreter und ein Diego Maradona, der aus der Tiefe des Raumes im Nebelschleier auf dem Kongress (geträumt) auftaucht, alles inklusive eines Nobelhotels mit lecker Geschenken. Außerdem London, schon lange nicht mehr da gewesen. Die erste Ernüchterung trat ein, als wir feststellten, dass wir die Reise sowie die Unterbringung in einem billigen Hotel in Luton selbst bezahlen mussten. Wir hatten wie angefordert eine kleine Mappe mit der Beschreibung unserer Region, unserer Nationaltrikots, des Landesverbandes und einer Satzung (welche ich aus eigenen Grundsätzen, sowie verschiedenen Satzungen eines Sport-, Angler- und Taubenzüchtervereins zusammengezimmert hatte) im Gepäck, aber eine feierliche Rede, mit welcher wir uns vorstellen und bei unseren Gastgebern auf dem zu erwartenden fetten Kongress bedanken wollten, fehlte noch. Nachdem wir am Freitag in unserer, für Präsidenten enttäuschenden Herberge eingecheckt hatten, wollten wir kurz eine örtliche Pinte aufsuchen und mal eben schnell dieses bedeutungsschwangere Dokument verfassen. Nach nur 5 Pints, für jeden von uns, hatten wir die wichtigsten Auszüge unserer Satzung, sowie einige weitere Seiten mit beeindruckend schönen Worten auf englisch beschrieben und freuten uns leicht aufgeregt auf den folgenden Kongresstag in der Hauptstadt Englands. Während wir davon träumten, wie wir im Blitzlichtgewitter der internationalen Presse über den Roten Teppich stolpern, um im beeindruckend kitschig geschmückten Prunksaal eines Nobelhotels mitten im Herzen der Millionenmetropole unsere gierig erwarteten Worte aufgesogen werden, versanken wir in einem dunklen Strom called Guinness! Diese Kneipe sah uns nicht zum letzen Mal! Am nächsten Morgen konnten wir uns, nicht nur dank des etwas angeschlagenen Konzentrationsvermögens, kaum auf eine passende Garderobe einigen. Die Wahl viel auf Schuhe mit Stahlkappe, schwarze Hose, unsere „Cider-Boiz“ -Polohemden, Harrington und um den Sitz unserer Kurzhaarfrisur brauchten wir uns eh keine Sorgen machen (London, 20 °C…) In Luton, auch Klein-Pakistan genannt, wurden in der vorangegangenen Nacht sämtliche Frauen auf Werbeplakaten, mittels Farbeimer und Pinsel mit einer Totalverschleierung versehen, die Bewohner beäugten uns genau und bestaunten unsere, dem Anlass angemessene Kleidung. Während uns die letzten Engländer begeistert aus ihren Autos anhupten und freundlich winkten! Ob das alles unserem auch antirassistischen Anlass entsprach, wollen wir mal dahin gestellt lassen. Aber um den Muselmanen an sich und in der westlichen Hemisphäre im Besondern, hatte ich ja schon mit dem Präsidenten am Abend vorher, zwischen dem 10. und 12. Guinness eine hitzige Debatte geführt. Eine Stunde später waren wir in London, ein freundlicher älterer Herr wollte unbedingt ein Foto von uns beiden machen (bei den zwei Prachtgestalten kein Wunder), verlangte allerdings einen etwas erhöhten Tarif und obwohl er uns die Fotos natürlich in unsere südniedersächsische Heimat geschickt hätte, verzichteten wir dankend. Es dauerte nicht lange und wir hatten tatsächlich eine Einfahrt ins „INTERNATIONAL“ gefunden. Doch wat war das, ich meine der Engländer und seine Affinität zu den beiden Weltkriegen und dem deutschen Landser im Besondern ist nichts neues, aber deshalb einen im Maßstab 1:3 nachgebauten Königstiger-Panzer, wild knatternd vor den Eingang zum Kongress zu stellen? Tja, und die vielen Menschen die da waren, füllten auch die Hallen im unteren Bereich des Hotels, allerdings weniger wegen Fußball, als vielmehr wegen der Miniatur - Schützengräben der Schlachtfelder Flanderns. The „War Toys Exhibition“! Super Anfang. Im zweiten Stock entdeckten wir einen kleinen Flur und einige seriös gekleidete Damen und Herren, die ebenfalls darauf warteten, dass der Versammlungsraum geöffnet wird. Das ausladende Buffet schrumpfte jetzt schon geistig auf einige Schnittchen zusammen, aber immerhin gaben die Vorsitzenden des N.F.-Boards gerade vorab eine Pressekonferenz. Für BBC, eine Zeitung und einen Dokusender. Immerhin. Als wir eingelassen wurden, entdeckten wir unsere amtlichen Schildchen auf unseren Plätzen: President and Vice-President of the South Lower Saxonian Football Federation! Cool! Obwohl wir nicht im geringsten einen coolen Eindruck machten, denn da wir etwas spät los gekommen sind, der Lift in der U-Bahn „ewig“ auf sich warten ließ, bestimmte der Präsident „die paar Stufen“ eben mal zu Fuß zu meistern. Im Laufschritt stellten wir fest, warum die Londoner während der Bombennächte im 2. Weltkrieg hier einen relativ sicheren Unterschlupf fanden. 20.000 Meilen unter dem Meer sag ich nur! Im total stickigen Saal lief mir das Bier der letzten Nacht noch ca. eine weitere halbe Stunde aus sämtlichen Poren. Während sich die Vertreter der Westsahara neben mir wahrscheinlich den Arsch abfroren. In einer größeren Runde in einem schmalen Saal saßen ca. 35 Vertreter der seltsamsten Ländchen (u.a. Lappland, Okzitanien, Kurdistan, Monaco, Westsahara, Nord - Zypern, Tschetschenien, Jersey, WIR, Chagos…), stellten sich vor und der Vorstand verkürzte den Kongress gleich mal mit dem ersten Tagesordnungspunkt. Unsere feierliche Rede, welche wir auf der Zugfahrt nach London noch mal leserlich abschrieben, wollte hier keiner hören. Dann wurde es aber tatsächlich etwas ernster. Es wurden Regularien für Länderspiele abgesprochen (Bericht und mindestens 50 Euro oder waren es jetzt 5% oder 10% der Eintrittsgelder ans N.F.-Board), der VIVA-Weltpokal, den ein französischer Künstler entworfen hat (ziemlich unförmig und eher an einen Antifa-Cup erinnernd), wurde vorgestellt und wir hielten ihn von allem abgelenkt stolz in unseren Händen! Denn das war ein weiterer Tagesordnungspunkt, es ging um die erste offizielle WM der Nicht - FIFA Mitgliedsländer auf Nord- Zypern. Eine Frage war z.B. wie ernst der Charakter dieser Veranstaltung sein soll bzw. ob Profi- Spieler eingesetzt werden dürfen. Es gibt nämlich Länder, die haben vom Verband dessen Landes auf dem sich ihr Territorium befindet eine Erlaubnis dies zu tun. Spieler der französischen Profi-Ligen dürfen durchaus für Monaco antreten. Die Lappen bzw. Samen, wie sie korrekt bezeichnet heißen, besitzen in Skandinavien einen besonderen Status als Kulturnation, so dass sich in den Reihen der Nationalmannschaft Lapplands angeblich zwei norwegische Nationalspieler befinden sollen, sowie einer aus der englischen Premiership. Auf der anderen Seite gibt es „Länder“, die ganz andere Probleme diesbezüglich aufweisen. Kurden und Tschetschenen können derzeit kein offizielles Länderspiel, schon gar nicht auf ihrem Territorium ausführen, weil zum einen Krieg herrscht, zum anderen die derzeit „Aufsicht“ führenden Besatzer ihnen mal kurz demonstrieren würden, wat Repression bedeutet. Die Nord-Zyprioten wiederum wollten Leistungsfußball, die WM, Reputation als Ausrichter eben jener für ihr Ländchen und (dies haben wir dem Vertreter Nord-Zyperns einfach mal unterstellt) einen schwunghaften Waffen- und Mädchenhandel. So sympathisch erschien er uns jedenfalls. Die Diskussion um den Leistungsfußball im N.F.-Board schien gerade etwas ausufernder zu werden, als einer der beiden, in ihrer kunterbunten Tracht erschienenen Lappen aufstand und völlig unvermittelt einen undefinierbaren Sing-Sang zelebrierte. Erinnerte in der Tat ein wenig an Indianergesänge aus den alten Winnetou Filmen. Nachdem er einige Minuten so vor sich hin sang, erklärte er der versammelten und ein wenig staunenden Gemeinde, dass er damit den Kongress wieder beruhigen und auf den eigentlichen Kern des Themas zurückführen wolle. Das hat auch tatsächlich funktioniert. (Werde ich bei der ein oder anderen „Konsensdiskussion“ im AJZ auch einführen!!) Später erklärte uns der Mann, dass jeder Lappe bzw. Same seinen eigenen Gesang dieser Art, vom Vater weitergereicht, besitzt! Unter dem Tagesordnungspunkt „New Federations members“ hielten wir doch noch einen kleinen Beitrag, in dem wir unsere Motivation klarstellten: Spaß am Fußball, Unterstützung der Länder, die in die FIFA aufgenommen werden wollen, gleichzeitig den DFB ärgern, auch weil uns der ganze Kommerz beim Fußball auf die Nerven geht und den völkerverbindenden Charakter der ganzen Sache herausstellen wollten. So ähnlich wurde dann auch der Punkt WM abgeschlossen. Sowohl bei der WM, als auch beim N.F.-Board allgemein können Länder und Regionen teilnehmen, ob sie nun ernsthaft eine Unabhängigkeit anstreben, inklusive einer eigenen Befreiungsarmee oder eher eine Spaßguerilla besitzen und gerne gegen den Lederball kicken. Es soll keine chauvinistische Veranstaltung mit übertriebenem Nationalismus werden, sondern den völkerverbindenden Charakter des Fußballs herausstellen. Aber die Situation könnte sich meiner bescheidenen Meinung nach auch mal schnell verschärfen und eventuell auch mal zu Verwicklungen auf höherem politischen Parkett führen. Man denke nur an den Streit zwischen China und Dänemark, als Tibet das erste offizielle Länderspiel gegen Grönland ausgetragen hat. Apropos Tibet. Die hatten für Herbst 2005 eine Europatournee angekündigt und so sprachen wir sie in London an, ob sie nicht zu einem Länderspiel nach Göttingen kommen wollten. Im Vorfeld hatten wir uns schon einige Gedanken gemacht, wie wir eine Art Kulturprogramm (mit tibetanischer Küche und Infos über Tibet als auch den SNFB) um das Spiel aufziehen könnten, teilten denen unsere Vorstellungen mit und verabredeten uns locker. Leider ist es bekanntlich nicht zu diesem Spiel gekommen, weil Tibet einfach nicht da war bzw. sie sich auch nie wieder gemeldet haben! Ferner hat es Überlegungen gegeben, im Rahmen des mexikanischen WM- Quartiers in Göttingen, ein Spiel gegen Chiapas zu veranstalten. Das hat sich leider auch aus verschiedenen Gründen zerschlagen, u.a. wegen Anreiseschwierigkeiten vom Subcomandante ihm sein Team! Am Ende des Kongresses gab es natürlich noch das obligatorische Gruppenbild und einige Getränke (Das Buffet war übrigens gar nicht vorhanden!). Lustig war noch, als mich der Vertreter der Westsahara in perfektem deutsch ansprach, ob Göttingen nicht in der Nähe des Harzes sei? Auf meine verwunderte Rückfrage woher er das wüsste, gab er mir zur Antwort, dass er in Deutschland studiert hat und dort immer im Winterurlaub war! Sachen gibt es. In dem wohligen Gefühl in die Weltgemeinde des großen Fußballsports aufgenommen worden zu sein, zogen wir irgendwann in die Londoner City, in der wir schon zur Mittagspause nicht nur einen alten Freund und nun Exil-Göttinger aus Köln getroffen haben, es sollte doch tatsächlich ein Ska-Konzert mit einer Specials - Coverband stattfinden. Diesen Ort suchten wir auf und amüsierten uns prächtig. Völlig nass getanzt und leicht beschwippst, bestiegen wir die Bahn Richtung Luton, trafen einige angetrunkene Engländerinnen, verstanden uns prächtig und als wir umsteigen mussten bzw. der erste Zug von dannen fuhr und wir auf den nächsten warten mussten, stellten wir überrascht fest, dass soeben unsere gesamten Unterlagen ebenfalls den Bahnhof inkl. Zug verlassen hatten. Da wir wenigstens noch wussten, wo sich unsere Unterlagen von uns verabschiedet hatten, konnten wir dies am nächsten Tag der englischen Bahn mitteilen. Die wollten uns den Kram auch nachsenden, dass ist aber bis zum heutigen Tag leider nicht geschehen. Überrascht waren wir auch bei unseren „Nachforschungen“ am nächsten Tag, als wir die U-Bahn spontan verlassen mussten: Bombenalarm! Die Londoner haben das sehr gelassen hin genommen und niemand hat das so richtig ernst genommen. Umso schockierter war ich ca. 3 Wochen später, als sich vier Vollpfosten in London und u.a. auch in eben jener Station in die Luft sprengten, um zufällig Anwesende in Stücke zu reißen. Völlig bitter! Anyway, in London haben wir jedenfalls mitgeteilt, das wir an der WM in Nord- Zypern zwecks Geldmangels unseres Verbandes nicht teilnehmen können. Vor kurzem hat uns aber die Anfrage erreicht, ob wir uns das nicht noch mal überlegen wollen. Also suchen wir händeringend Sponsoren für dieses Unternehmen, es wird ein Auswahltraining stattfinden, in dem wir erstmal nur Spieler aus unseren Reihen bevorzugen wollen (wenn schon nicht Weltmeister, wollen wir doch wenigstens mit der uns eigenen Art von Humor und Weltoffenheit auffallen) und harren erstmal der Dinge, die dann kommen. Aber es dürfte tatsächlich am Geld scheitern, da pro Kopf mit ca. 1000 Euronen gerechnet werden muss. Und das übersteigt die Liquidität unserer meisten Nationalspieler bei weitem! Trotzdem, der Kongress war interessant, hat Spaß gemacht und die meisten Vertreter, ebenso wie übrigens auch das Präsidium (Christian Michelis – President, Jean-Luc Kit – Vice-President, Luc Mission – General Secretary, Thierry Marcade – Treasurer) waren sehr nette Gesellen, wir wurden ernster genommen (obwohl sie uns schon richtig eingeschätzt haben), als wir dachten und wir werden locker am SNFB dran bleiben und irgendwann endlich mal unser erstes offizielles Länderspiel machen. Über unsere Hymne haben wir uns übrigens auch schon Gedanken gemacht: „Meine Damen und Herren, erheben Sie sich bitte jetzt von ihren Plätzen für die Hymne Südniedersachsens!“ Und dann kommt: Erstmal nichts! Nur die herrliche Stille unserer (Rest-) Wälder, interruppiert vom Plätschern eines Bächleins und dem Krächzen einer Trappe! Habt ihr schon mal gehört wie sich das Krächzen einer Großtrappe anhört: Wie das Kotzen und Furzen eines ausgewachsenen Punkers inne Kloschüssel! In diesem Sinne, Sport frei!
Provisorische Mitglieder bzw. Vollmitglieder sind z.B.: Tschagosinseln, Sansibar, Westsahara, Tschetschenien, Okzitanien, Roma, Sealand, Molukken, Grönland, Gibraltar, Tibet, Tuvalu, Vatikanstadt, Weihnachtsinseln, Katalonien, Baskenland, Jersey, Isle of Man, Kokosinseln, Kosovo, Falklandinseln, Mikronesien, Monaco, Martinique, Lappland, Südniedersachsen…..
PS: Da auch dieser Artikel schon vor einiger Zeit geschrieben wurde (Die erste Ausgabe nach der Stunde Null wurde eben mal vom Saisonende auf den Anfang der neuen, also dieser Saison verschoben.) gab es dann doch einige Neuigkeiten. Die VIVA-WM soll nun doch nicht mehr in Nord-Zypern stattfinden, sondern wohl entweder in London, Paris oder Frankfurt a.M. (möglicherweise auch Süd-Frankreich oder Den Haag), was uns eine Teilnahme dann doch wieder in den Bereich des Machbaren bringt. Außerdem wurde uns mittlerweile eine offizielle Urkunde zugeschickt: Wir sind jetzt ganz offizielles und vollwertiges Mitglied im N.F.-Board!!!! FORZA SNFB!!
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