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Einsatz im Winter

 

   

Der Einsatz im Winter stellt besondere Anforderungen an den Scharfschützen. Ihm machen besonders Kälte und Nässe zu schaffen, was seine Einsatzfähigkeit stark beeinflusst. Wir wollen uns in diesem Artikel mit den Besonderheiten im Wintereinsatz befassen, um Schäden an der Gesundheit zu verhindern bzw. zu vermindern.
Auch sämtliche andere Soldaten und Menschen, die sich bei widrigen Witterungsbedingungen draußen aufhalten, können von folgenden Inhalten profitieren.

Betrachten wir vorab, welche Auswirkungen falsche Vorbereitung und Ausrüstung haben kann. An Kälteschäden gibt es zum einen die Unterkühlung und zum anderen die Erfrierungen. Wie äußert sich was und was kann man dagegen machen?

Unterkühlung
Die Körpertemperatur liegt im Regelfall bei 37°C, liegt sie darunter, dann liegt eine Unterkühlung vor. Diese entsteht meist bei Kälte in Kombination mit Nässe und Wind, so z.B. kann ein Sturz in kaltes Wasser, ein Wetterumschwung oder ein Notbiwak böse Überraschungen mit sich bringen.
Es gibt vier Unterkühlungsstadien, die nach ihren Merkmalen zu differenzieren sind.

1. Stadium:
Körperkerntemperatur 37-34° C
Kennzeichen sind Blässe, Zittern, waches Bewusstsein bis Erregung, Atmung und Puls sind schneller als sonst

2. Stadium:
Körperkerntemperatur 34-30° C
Kennzeichen sind Schläfrigkeit und Teilnahmslosigkeit, Muskelstarre (auch im Gesicht), kein Schmerzempfinden, Atmung und Puls langsam (später auch unregelmäßig)

3. Stadium:
Körperkerntemperatur 30-27° C
Kennzeichen sind Bewusstlosigkeit, keine Reflexe mehr, weite Pupillen, schwacher und unregelmäßiger Puls, Atempausen

4. Stadium:
Körperkerntemperatur unter 27° C
Kennzeichen sind Atem- und Kreislaufstillstand

Erste Hilfe (im Überlebensfall auch bis zur „letzten Hilfe“)
Optimal ist immer die Behandlung durch Fachpersonal (Sanitäter, Ärzte), aber leider ist dies im Notfall nicht immer möglich, so dass zumindest Erste Hilfe geleistet werden muss, um den Geschädigten zurück in die Zivilisation zu führen oder auf Hilfe zu warten.
Wiederbelebung bei Bedarf versteht sich von selbst, da die sonstigen Maßnahmen ansonsten sinnlos sind.
Der Körper muss vor weiterer Auskühlung geschützt werden, so z.B. durch einen Windschutz, Wechsel- bzw. Extrakleidung, Einwickeln in Decken, Alu-Rettungsfolien etc.! Durch die eigene Körperwärme kann man den geschädigten Körper erwärmen oder man fertigt für seinen Körperkern Flaschen mit heißem Wasser an (zum Auflegen). Darüber hinaus kann man warme Getränke verabreichen.
Kurz nach der Aufwärmung gilt: kein Alkohol und keine Bewegungen – (Erwärmungskollaps droht). Der Körper muss sich erst wieder „normalisieren“.

Erfrierungen:
Besonders gefährdet sind Körperextremitäten, so wie Zehen, Finger, Nase und Ohren, denn für sie gilt: relativ große Oberfläche und schlechte Blutversorgung.
Erste Anzeichen für eine Erfrierung sind Blässe, Kälte und Gefühllosigkeit (zu wenig Durchblutung)

Erfrierungen 1. Grades:
Wachsartige Blässe, Kälte, Gefühllosigkeit mit Gewebsschädigung, manchmal schon hartgefroren

Erfrierungen 2. Grades:
Blaurote Hautverfärbung, Blasenbildung

Erfrierungen 2. und 3. Grades an den Händen

Erfrierungen 3. Grades:
Schwarzes, abgestorbenes Gewebe

Erste Hilfe
Wenn gleichzeitig Unterkühlung des gesamten Körpers vorliegt, ist diese vorrangig zu behandeln! Die erfrorenen Körperteile sind durch eigene Körperwärme aufzuwärmen (z.B. Hände unter die Achselhöhle stecken). Aktive Gymnastik und Körpermassagen (vom Herzen ausgehend) sind hilfreich, um die Blutzirkulation zu verbessern. Allgemeine Wärmezufuhr durch Extra-Bekleidung und warme Getränke. Auf die erfrorenen Körperstellen nasse und wärmer werdende Umschläge aufbringen. Verband anbringen (möglichst keimfrei) und den Körperteil vor weiterer Kälte schützen.
Nicht mit Schnee einreiben! Erfrorene Gliedmaßen oder Körperteile können leicht abbrechen. Vorsicht ist geboten.

Vorbeugung:
Warme Bekleidung, welche nicht zu eng sitzt. Kopf warm halten, denn über ihn geht die meiste Wärme verloren. Schuhe möglichst wasserdicht. Regelmäßige Fußpflege (Trockenhalten), keine Metalle mit nackter Haut berühren. Darüber hinaus viel Bewegung, nicht einschlafen und keine Körperteile abschnüren oder sonstiges.
Für die Bekleidung gilt:
Sauber- und Trockenhalten
Überhitzen vermeiden
Schichten tragen (siehe Zwiebelprinzip)

Wir wollen nun versuchen diese Kälteschäden durch Vorbeugung und geeignete Ausrüstung zu verhindern. Es gibt aber auch noch andere wissenswerte Dinge über kalte Temperaturen.

Der Windchillfaktor:
Zur Vorbereitung eines Einsatzes wird man auch die Wettervorhersage bzw. die Klimaregion beachten. In der Wüste ist andere Ausrüstung gefragt als im Gebirge. Die gemessene Temperatur kann jedoch über die gefühlte Temperatur hinwegtäuschen, da der Wind einen großen Einfluss auf das Kälteempfinden hat.
Um die Windchill-Temperatur auszurechnen haben Wissenschaftler eine Formel aufgestellt:
Die Windchill-Temperatur = 33 + 0,045 * (10,45 + 5,2735 * (Wurzel aus Windgeschwindigkeit in km/h) – 0,2778 * Windgeschwindigkeit in km/h) * (Lufttemperatur – 33)
Bei einer Windgeschwindigkeit von 10 km/h fühlen sich –10° C demnach an wie –14° C! Die obenstehende Formel sei aber nur wegen der Vollständigkeit genannt, denn entscheidend ist das Wissen um den Einfluss des Windes. Kann man diesen Einfluss ausschalten oder vermindern (winddichte Kleidung), dann ist der Windchill-Faktor fast ohne Bedeutung.
Wir merken uns: winddichte Kleidung spart Energie und vermindert das Auskühlen des Körpers!

Zwiebelprinzip:
Die Ausrüstung bzw. Kleidung sollte gerade im Winter überlegt gewählt werden. „Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung“ sollte der Spruch eines jeden Menschen sein, der in Betracht zieht bei widrigen Witterungsbedingungen nach draußen zu gehen.
Mehrere dünne Lagen sind besser als wenige dicke! Dies ist der Leitspruch des Zwiebelprinzips. Die Luftschichten zwischen den einzelnen Bekleidungslagen isolieren hervorragend und zusätzlich kann man sich durch An- und Ausziehen von Schichten auf verschiedene Klimabedingungen anpassen. So verhindert man Kältegefühl oder ein Überhitzen.
Die Schichten können sich wie folgt zusammensetzen.

Lage 1:
Klimaunterwäsche: isolierende Wirkung, Schweiß soll vom Körper wegtransportiert werden (nach außen). In Kombination mit anderen Funktionsmaterialien (Fleece, Gore-Tex, etc.) ist die Wahl der Unterwäsche besonders wichtig, da die Funktionsmaterialien nur so ihre volle Wirkung erzielen können. Unterwäsche sollte eng anliegen und Bewegungsfreiheit garantieren. Kunstfaser nehmen meist kaum Feuchtigkeit auf und trocknen somit auch sehr schnell – dies ist bei körperlicher Belastung wichtig, vor allem, wenn man nur begrenzt Wechselwäsche zur Verfügung hat.
Socken: Socken für kalte Regionen haben häufig einen hohen Wollanteil, gepaart mit Kunstfasern (auch hier gilt: Feuchtigkeit weg vom Körper), z.B. Falke TK4

Lage 2:
Fleecebekleidung: isoliert gut, nimmt kaum Feuchtigkeit auf, ist leicht, pflegeleicht
Hosenfutter bei extremer Kälte ohne viel Bewegung

Lage 3:
Hose, im militärischen Bereich meist eine Feldhose (Tipp: KSK Kommandohose)
Jacke bzw. Smock; bei wenig Aktivität auch mit Innenfutter (Fleecejacke mit Windstopper oder KHS Slekajacket etc.)
Schuhe: BW Bergschuhe, Haix Tibet oder für extreme Temperaturen Stiefel nach kanadischer Art (sog. Kanada-Stiefel)

Lage 4:
Diese Schicht ist der Wetter- und Windschutz! Goretexjacke und -hose schützen vor Nässe und Kälte, beides sollte groß genug ausfallen, um über den anderen Schichten getragen werden zu können
Auch bei den Handschuhen bietet es sich an ein Modell mit Membranausstattung zu benutzen

Lage 5:
Die äußerste Lage besteht im Winter aus einem Schneetarnanzug

Planung:
Vor dem Einsatz sollte man sein Bekleidungssystem zusammenstellen und möglichst auf Übungen getestet haben, um keine bösen Überraschungen zu erleben. Wer weiß, welches Wetter ihn erwartet kann sich besser vorbereiten als derjenige, der sich unwissend auf den Weg begibt. Auch die Marschstrecke etc. sollte im Voraus geplant werden. Wo laufe ich vor Wind geschützt? Wo droht Lawinengefahr? Ist die Eisdicke stark genug, um mich mit Gepäck zu tragen?
Von Interesse sind auch die Möglichkeiten Bekleidungsschichten unter Deckung abzulegen oder anzuziehen. Bei einer kilometerlangen Annäherung an eine Lauerstellung kommt man ziemlich ins Schwitzen und sollte vermeiden ein Hosenfutter zu tragen. Vier Stunden in der Lauerstellung bei minus 20° C zu verbringen ohne Hosenfutter wäre zwar nicht unbedingt tödlich, aber auch nicht angenehm.
Von Zeit zu Zeit ist es auch möglich in einer Winterstellung den Schlafsack zu benutzen. Dies ist die komfortabelste Lösung des Kälteproblems. Hier ist besonders auf eine gute Bodenisolation zu achten.

     

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last modified: 15.11.2003 16:09
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