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Sowohl
in den Balkankriegen, als auch im Kosovokrieg wurde das jugoslawische
M76 Scharfschützengewehr von allen Kriegsparteien eingesetzt und
hat sich dort durchaus bewährt. Dieses halbautomatische SSG, welches
Ende der 70iger Jahre auf Basis der AK-47/74 und des SVD entwickelt wurde,
wird von der Firma Zavodi Crvena Zastava (ZCZ) hergestellt.
Auf diesem Bild ist das Zielfernrohr auf dem M76 zu erkennen, es ist dem
PSO-1 des Dragunovs sehr ähnlich
Vereinfach könnte man sagen, dass das M76 eine AK mit längerem
und schwererem Lauf ist und dabei für die deutsche Mauser-Patrone
7,92 x 57 mm eingerichtet ist. Die 7,92 x 57mm Patrone weißt für
den Scharfschützeneinsatz bessere ballistische Daten auf, als die
AK-47 Patrone 7,62 x 39 mm. Zudem war die 7,92 x 57 mm Patrone, auch 8x57
genannt während und nach dem Zweiten Weltkrieg eine beliebte Patrone
in Ex-Jugoslawien, die u.a. in dem M48, einem K98 Nachbau, verwendet wurde.
Die Waffenfirmen aus Jugoslawien beabsichtigten zusätzlich auf dem
Exportmarkt Fuß zu fassen, was ihnen durch die Verwendung von „westlichen“
Munitionsarten gelingen sollte. Ein größerer Export vor dem
Zerfall Jugoslawiens ist allerdings ziemlich unwahrscheinlich. Dennoch
wurden zwei weitere Exportmodelle in 7,62 mm x 54 R und .308 Win. angeboten.
Das SVD arbeitet aufgrund der 7,62 mm x 54 R mit einem kurzen Impulsweg
des Gassystems, während das M76 einen langen Impulsweg verwendet
und somit näher an das Kalaschnikow-System heranrückt. Auch
sonst entspricht das Gassystem das der Kalaschnikows, wenn auch die Gasöffnung
etwas weiter vor dem Patronenlager in die Laufwandung eingearbeitet ist.
Das M76 hat einen 550 mm langen Lauf, auf den ein großer Mündungsfeuerdämpfer
aufgedreht ist, der stark an die des Maschinengewehres PK erinnert. Wie
beim SVD kann man ein Bajonett aufsetzen. Den Mündungsdämpfer
kann man abschrauben, um Gewehrgranaten zu verschießen oder einen
Schalldämpfer zu verwenden.
Detailaufnahme der Mündungsbremse
Die ersten Modelle verfügten über einen Schichtholzschaft, der
den AK-Waffen ziemlich ähnlich war, aber ergonomisch viel besser
angepasst war. Man verwendete also nicht den Skelettschaft des SVDs und
benutzte einen Pistolengriff. Neuere Modelle, die nach den Balkankriegen
1995 entwickelt wurden, verfügen nun über Kunststoffschäfte,
in deren Schaft man Stauplatz für ein Reinigungsset etc. hat. Diese
Version ist ca. 500g leichter als das Modell mit Holzschäften. Zusätzlich
ist eine Variante mit Klappschaft, so wie bei der neuen Dragunov, bekannt.
Das M76 Scharfschützengewehr hat eine offene Visierung (Kurvenvisier),
die bis 300m reicht und die Verwendung der Waffe bei Ausfall der Optik
gestattet. Bei aufgesetzter Optik ist die offene Visierung leider nicht
zu verwenden, wobei man in kürzerster Zeit die Montage samt Optik
abnehmen kann. Als Standartoptik wird ein jugoslawisches Zielfernrohr
4 x 24 auf eine Seitenmontage aufgesetzt. Dieses ZF gleicht der PSO-1
Optik des Dragunovs. Allerdings verwendet es kein batteriebetriebene Absehensbeleuchtung,
sondern eine Tritium-Beleuchtung, um die Waffe auch bei schlechten Lichtverhältnissen
einzusetzen. Die Montageschiene kann auch andere Optiken aufnehmen, so
z.B. ein passives 5 x 80mm Nachtsichtgerät der 2. Generation, welches
bis ca. 500m eingesetzt werden kann (Vollmond und klare Sichtverhältnisse
vorausgesetzt). Auch andere ZF`s können auf die Montageschiene aufgesetzt
werden. Dieser Vorgang dauert bei Ungeübten ca. zehn Minuten, ansonsten
etwa fünf.
Auf dem Bild kann man ein M76 mit Kunststoffschaft und großem Zielfernrohr
erkennen.
Die Einsatzschussweite liegt, Erfahrung und Ausbildung des Schützen
vorausgesetzt, bei etwa 1000 Metern. Auf 500m kann man z.B. eine Bierdose
treffen oder auf 900m ein 50x50cm großes Ziel. 800m für ein
Mannziel sind wohl realistisch.
Die Waffe wird aus einem 10 Schuss fassendem Stangenmagazin gespeist.
Für Linksschützen ist sie nur sehr bedingt geeignet. Zum einen
ist die Seitenmontage ein nicht unbedingt positiver Aspekt, zum anderen
wirft der Selbstlademechanismus die Hülsen weit aus, was man auch
bei der Stellungswahl beachten sollte. Für Rechtsschützen schießt
sich die Waffe sehr angenehm und der Rückstoß erleichtert das
erneute Zielauffassen.
Der Preis der Waffe liegt zwischen 1400 und 1750 Euro, je nach Zielfernrohr.
Wenn man den Durchschnittslohn eines serbischen Bürgers von 130 Euro
betrachtet ein recht hoher Preis.
Technische
Daten:
Kaliber: 7,92 mm x 57 Mauser, wahlweise auch andere
System: halbautomatischer Gasdrucklader
Länge: 1135mm
Gewicht: 3,97 kg (leer)
Lauf: 550 mm; 4 Züge; Rechtsdrall; Dralllänge 240mm
Anfangsgeschwindigkeit: 720 m/s
Neben dem M76 verwenden serbische Scharfschützen als Sekundärwaffe
eine CZ99 (Kopie der SigSauer 226) in 9mm Para. Diese Waffe fasst 15+1
Schuss und wird vom selben Hersteller wie das M76 gefertigt.
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