Internationale Jugendbegegnung, Pare-Weilheim, Tanzania 1998
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3 1/2 Wochen Tanzania

Bericht einer Jugendbegegnung in Afrika
Sommer 1998

Inhalt

Handeln statt reden ...

...das war es, was sieben Jugendliche des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Weilheim vorhatten. Einige Missionsbeauftragte des Dekanats, hatten die Idee im Sommer 1998 ein "Workcamp" im Nordosten Tanzanias zu veranstalten. Ziel war die Pare-Diözese im Bergland unweit des Kilimanjaro-Massivs. Seit 1976 sind das Dekanat Weilheim und Pare partnerschaftlich miteinander verbunden. Neben der Partnerschaft auf Dekanatsebene gibt es einige Gemeinden, die auch direkte Partnerschaften zu Gemeinden in Pare unterhalten. Vor allem in diesen Gemeinden wird in jährlichen Partnerschaftsgottesdiensten die Verbundenheit mit den tanzanischen Mitchristen lebendig gehalten. So hatte es auch schon viele Besuchsreisen hin und her gegeben und der Jugendsekretär der Pare-Diözese, Pfarrer Samuel Malaki, hatte 1983/84 ein Studienjahr in Weilheim verbracht. Im kleineren Rahmen unterstützt das Dekanat die Arbeit seiner tanzanischen Partnerkirche auch finanziell. Jugendliche hatten allerdings bis dato mit dieser Art Zusammenarbeit herzlich wenig "am Hut".

Um deshalb diese Verbindung auch für junge Leute lebendig zu machen, begann die Suche nach interessierten Teilnehmern, die unter der Leitung von Pfarrer Robert Maier aus Weilheim für dreieinhalb Wochen nach Afrika aufbrechen sollten.

Unter dem Motto "Kupanda tumaini pamoja", was soviel heißt wie: "Miteinander Hoffnung pflanzen", sollte es darum gehen, gleichaltrigen Jugendlichen dieses anderen Kulturkreises zu begegnen, zusammen mit ihnen Erfahrungen zu sammeln und diese Erfahrungen weiterzutragen.

Der heute moderne Begriff "Globalisierung" sollte damit nicht zuletzt eine alternative und jugendgerechte Umsetzung finden, indem junge Leute mit einer gleichstarken tanzanischen Partnergruppe gemeinsam ein Kirchenbüro in Kikweni auf einer Paßhöhe der Nordpareberge bauen sollten. Auch ging es darum, Alltag, Sitten und Gebräuche nicht nur kennenzulernen, sondern auch er-leben zu dürfen. Nicht Entwicklungshilfe oder Missionsarbeit war also das Ziel, sondern gemeinsam voneinander zu lernen und die Lebenssituation der Partner in Afrika wie auch umgekehrt in Deutschland zu verstehen. Der Gedanke weltweiter ökumenischer Partnerschaft war dabei leitend. Über die Begegnung hinaus sollten die individuellen Erlebnisse dann in der Nacharbeit ins Bewußtsein der Menschen hier in Deutschland gebracht werden. Für das Jahr 2000 wurde von vorn herein ein Gegenbesuch unserer Partnergruppe in Deutschland eingeplant.

Im Herbst 1997 wurden aus einer Reihe von vorgeschlagenen Teilnehmern aus den Kirchengemeinden des Dekanats sieben Jugendliche ausgewählt. Dabei fiel es alles andere als leicht, dem einen oder anderen abzusagen. Doch die strengen Förderungsrichtlinien machten das nötig. Die Teilnehmer waren allesamt Schüler zwischen 18 und 20 Jahren und in ihren Gemeinden als JugendleiterInnen engagiert. Mit von der Partie waren Mario Kristl aus Bernried, Brigitte Jordan aus Polling, Dorothee Jordan aus Eschenlohe, Franziska Walser aus Starnberg, Hanna Hiltermann aus Weilheim, Dorothea Zelinsky und Marlies Linke - beide aus Kaufering.

Pfr. Robert Maier

Jugendbegegnung in Afrika

Was bringt's außer action und tollen Erlebnissen?

Der afrikanische Kontinent ist im Bewußtsein der meisten Europäer mit einem sehr negativen Image vorbesetzt. Nur zu gern bedienen sich auch seriöse Nachrichtenagenturen dieser negativen Erwartungshaltung ihrer Zuschauer und Leser. Ausführliche und zum Teil überzogene Darstellungen von auftretenden Krisen, Berichte über Naturkatastrophen, Korruption und Mißwirtschaft erzeugen ein verzerrtes Bild dieses Kontinents. Das "normale" Afrika wird kaum wahrgenommen.

Das gemeinsame Leben und Arbeiten an einem Projekt von zwei Jugendgruppen aus Europa und Afrika ermöglicht dagegen die Auseinandersetzung mit dem Leben in beiden Kontinenten aus einem ganz anderen Blickwinkel.

Die enge Zusammenarbeit an einem konkreten Projekt schafft der Gruppe für eine begrenzte Zeit eine Basis, durch die ein partnerschaftlicher Umgang erst möglich wird. Ohne das sonst fast zwangsläufige soziale Gefälle zwischen Weiß und Schwarz bereitet diese partnerschaftliche Atmosphäre beiderseits den Boden für intensive interkulturelle Lerneffekte. Die eigenen Lebensumstände und der persönlche Glaube rücken plötzlich in einen anderen Kontext und werden kritisch hinterfragbar.

In der Auseinandersetzung vor Ort mit den Ursachen des Nord-Südgefälles und seinen Auswirkungen sowie der Tatsache, daß seit vielen Jahren erheblich mehr Geld aus Afrika in die Industrieländer fließt als umgekehrt, werden weltwirtschaftliche und ethische Fragen konkret. Vor allem aus solcher Betroffenheit junger Menschen können neue Perspektiven für ein gerechteres Zusammenleben in unserer gemeinsamen Welt erwachsen.

Pfr. Robert Maier

Mitten in der Nacht ging's los

Aus allen Teilen des Dekanats kommend trafen wir uns in der Nacht auf Dienstag, den 28. Juli 1998, um gemeinsam nach Afrika aufzubrechen. Mit dem Bus ging es zunächst nach Nürnberg, um dort das Flugzeug zu besteigen. Wir, die Gruppe von 7 Jugendlichen zwischen 18 und 20 Jahren aus dem Dekanat Weilheim und ihr Leiter Pfarrer Robert Maier stießen in Afrika auf eine ebenso große Gruppe, die ebenfalls überwiegend aus Frauen bestand. Deren Altersspanne war allerdings etwas größer: von 18 bis 26 Jahren. Diese Gruppe wurde von Pfarrer Malaki geleitet und vom Evangelisten Eliewaha begleitet. Über zwei Wochen lebten wir zusammen in einem leerstehenden Haus in Kikweni, einem kleinen Ort in den Parebergen, arbeiteten zusammen auf der Baustelle eines zukünftigen Dekanatsbüros, kochten gemeinsam am offenen Feuer und erlebten die Bereicherungen und auch die Schwierigkeiten einer Partnerschaft mit Menschen aus einer anderen Kultur, mit anderen Lebensgewohnheiten und anderem Lebensstandard. Nach zwei Wochen Arbeit lernten wir noch eine ganz andere Bevölkerungsgruppe Tanzanias kennen: Die Massai, die als halbnomadische Viehhirten eine ganz eigene Kultur haben, sind wiederum sehr verschieden von den Bewohnern der Pareberge. Unsere Reise wurde abgeschlossen mit dem fast obligatorischem Besuch von zwei der Nationalparks Tanzanias.

Die ersten Vorbereitungen fanden schon eineinhalb Jahre vor Beginn der Reise statt. Für uns als Gruppe ging es richtig im Januar los, am ersten unserer drei Vorbereitungswochenenden, die noch durch verschiedene Abendtreffen ergänzt wurden. Durch Planspiele wurden wir auf das vorbereitet, was uns auf der Fahrt begegnen könnte. ("Was tust du, wenn dir jemand ein lebendiges Huhn zum Schlachten schenkt?"). Wir übten uns in den wichtigsten Ausdrücken auf Kisuaheli (Habari - nzuri, etc.).

Besonders hilfreich (ermutigend?) waren auch die Hinweise auf Tanzanias Tierwelt (Kakerlaken, Skorpione, Flöhe, Läuse...). So konnte jedenfalls keiner von uns sagen, er hätte nicht gewußt, worauf wir uns einlassen. Aber wir arbeiteten auch inhaltlich, bereiteten Referate zu Themen wie "die Wirtschaft Tanzanias" vor, um uns einen Überblick über Religion, Kultur, Traditionen, Kunst, Geschichte unseres Reiseziels zu verschaffen. Ein immer wiederkehrendes Thema war auch die Schwierigkeiten und Möglichkeiten von Entwicklungspolitik. Uns beschäftigte aber ebenso die Suche nach Spendern, denen an dieser Stelle noch einmal herzlich für ihre Unterstützung gedankt sei. Wir waren alle sehr gespannt und neugierig auf unser Partnerland und die Gruppe.

Nur wenige von uns kannten sich, als wir uns das erste Mal trafen, um uns auf die Jugendbegegnung vorzubereiten. Einiges war allen Gruppenmitgliedern gemeinsam: alle sind als Jugendleiter bei der evangelischen Jugend engagiert und alle haben ihr Abitur entweder gerade hinter sich oder demnächst vor sich. Ansonsten waren wir wohl ziemlich verschieden. Aus mehr ländlichen und mehr städtischen Orten unseres Dekanats, aus liberal und aus charismatisch geprägten Gemeinden, mit den verschiedensten Berufswünschen von Schauspielerin bis zur Stewardess, Vegetarier und Fleischfresser, Singbegeisterte und Gesangsmuffel. Wir hatten uns alle freiwillig aus Interesse zu dem Projekt gemeldet. Das unterschied uns wesentlich von unserer Partnergruppe. Diese Jugendlichen waren von den Pfarrern ihrer Gemeinden ausgewählt worden, an diesem Projekt teilzunehmen. Sie hatten alle ihre Schulausbildung in der Secondaryschool hinter sich gebracht, machten teils eine Lehre, arbeiteten teils zu Hause in den Familien mit. Eine Tanzanerin arbeitete als Lehrerin. Auch die Jugendlichen aus Tanzania waren über das Projekt zusammengekommen und hatten sich zuvor nur bei einem Vorbereitungstreffen gesehen.

Wir hatten für diese Jugendbegegnung ein eigenes T-Shirt entworfen und für alle Gruppenmitglieder mitgebracht, um auch nach außen zu zeigen, daß wir, Deutsche und Tanzanier, eine Gruppe sind. Im täglichen miteinander war es oft schwieriger, sich als eine Gruppe zu begreifen, aber wir denken, wir haben es geschafft.

Lebensumstände

Lebensumstände sind "Umstände", die in Verbindung mit dem normalen Leben auftreten. Wie umständlich Leben sein kann, haben wir in unserem Workcamp-Alltag nur zu gut mitgekriegt.

Unser Übernachtungshaus war im Endeffekt Luxus, denn eigentlich hatten wir mit Zeltunterkunft gerechnet. Wir hausten in einem Haus weit über dem sonst in Kikweni üblichen Standard: ein fest gemauertes Steinhaus mit abgeteilten Räumen und vor allem mit Elektrizität! Darüber hinaus wurde extra zur Bewachung unseres Hauses ein Nachtwächter angestellt. Unserer tanzanischen Partnergruppe besorgten wir im Vorfeld einige Matratzen, da sie nicht wie wir mit Isomatten ausgerüstet waren.

Die neuen Lebensumstände fingen für uns bereits morgens an: Schnell wurde uns bewußt, daß wir auf unsere gewohnte Morgendusche verzichten und uns mit einer spärlichen Katzenwäsche unter den strengen Augen der Wasserreservoirhüter zufrieden geben mußten. Zurecht war das Wasser in unserem Übernachtungshaus streng rationiert, da sich schnell das Schleppen von 20 Liter Eimern von der zehn Minuten entfernten Wasserquelle hinauf zu unserem Schlafhaus als ein äußerst anstrengendes Unterfangen entpuppte.

Das Feuer in der Küche mußte morgens um 6.30 Uhr bereits brennen, sollte der Frühstückstee pünktlich auf dem Tisch stehen. Die Küchengruppe mußte also mit unserem allseits beliebten Gockel aus den Federn. Aber auch alle anderen waren dann so gut wie wach, da die tierische Geräuschkulisse weiteres Schlafen kaum zuließ.

An sich sollte um 7.15 Uhr die Andacht und um 8 Uhr die Baustellenarbeit starten, aber die Lebensumstände waren halt "pole pole" (langsam). Allein der Fußmarsch vom Schlafhaus zur Küche samt Eßhaus brauchte 10 Minuten, ebensolang ging es dann weiter zur Baustelle. Und das dauert halt alles. Deshalb brachte das Küchenteam den Tee um 11 Uhr auch in einer großen Kiste zur Baustelle. Und wenn die Arbeit auf der Baustelle halt nicht so üppig war, weil die "Fundis" lieber alles allein machen wollten, dann dauerte die Teepause eben auch ein bissel länger. Um 2 Uhr war Mittagessen - hurra! - ab 13.30 Uhr bröckelte die Arbeitsmoral rapide.

Nach dem Mittagessen gegen Spätnachmittag, von einem mühsamen Arbeitstag in die "eigenen vier Wände" zurückgekehrt, war der Tag noch lange nicht gelaufen. Verschmutzt von der Arbeit auf der Baustelle stand nun eigene Körperwäsche sowie die der Klamotten an. Dies stellte sich anfangs als eine schwierige Aufgabe dar. Als Europäer ist man nunmal nicht daran gewöhnt Kleidung und sich selbst unter den Augen von Tanzaniern zu waschen. Doch Not macht ja bekanntlich erfinderisch und Übung den Meister. So lernten die Mädchen unserer Gruppe schnell mit Hilfe von Kangas eine Art Paravant zu basteln und unter dessen Schutz ungestört von fremden Blicken zu planschen.

Später war noch Wasserholen angesagt. Jeden zweiten Tag stand eine mehr oder weniger umständliche Expedition zu der einen Kilometer entfernten großen Wasserquelle an. Diese nutzten wir ausschließlich, um unsere Tonnen für den täglichen Wasserverbrauch für Küche und Abwasch neu zu füllen. Da es sich hierbei um beträchtliche Wassermengen handelte, mieteten wir extra zu diesem Zweck einen Pickup an, um die Tonnen transportieren zu können.

Manchmal war noch ein Ausflug oder Gemeindebesuch drin. Aber da es schon um 18 Uhr dunkel wurde, war damit der Nachmittag schon so gut wie vorbei, und wir fielen nach Abendessen und Abendprogramm vollkommen geplättet auf unsere Matratzen und Isomatten.

Mario Kristl

Typischer Tagesablauf

1....wie es hätte sein sollen...2....wie es wirklich war...
06.30 hAufstehen bzw. Arbeitsbeginn für das Küchenteam07.00 hDie ersten kriechen langsam aus ihren Schlafsäcken
07.15 hMorgenandacht 07.45 hMorgenandacht mit (immer noch) nur der Hälfte der Teilnehmer
07.30 hFrühstück 08.00 hFrühstücksbeginn (erstmal ohne Tee, da das Wasser noch nicht kocht)
08.30 hArbeitsbeginn 09.00 hWir sind endlich auf der Baustelle
10.00 hNach einigem Warten kommt das Material
11.00 hTeepause 10.45 hTeepause nach einer 3/4 h Arbeit
11.30 hwieder Arbeit
14.00 hArbeitsende 13.30 hIn Erwartung des Mittagessens lassen die ersten die Kellen aus der Hand fallen
14.15 hMittagessen 14.30 hMittagessen
15.00 hBeginn des freien Nachmittags15.30 hAufbruch zu (wahlweise):
- Gemeindebesuch
- Tee-Einladung
- Wäsche waschen
19.00 hRückkehr und warten auf das Abendessen
18.30 hAbendessen 20.00 hAbendessen
19.30 hProgrammbeginn 21.00 hlängere Diskussionen
entweder findet das Abendprogramm statt oder es entfällt wegen Müdigkeit
22.00 hAbendandacht 22.00 hAbendandacht
23.00 hNachtruhe 23.00 hDie ersten Schreie nach Nachtruhe werden laut
24.00 hDie letzten Tanzanischen Witze verstummen

Die Baustelle

Die Baustelle befand sich einen ca. 10-minütigen Fußmarsch durch Bananenhaine und wilder Tropenlandschaft von unserem Nachtlager entfernt. Wir starteten die erste Besichtigung am frühen Morgen des 30. Juli. Das kleine Bergdorf namens Kikweni sollte ein neues Dekanatsbüro bekommen (für die Gemeinden Ukweno). Anfangs war die Rede von einem kleinen Bürogebäude. Doch nach der Ankunft an der Baustelle stellte sich heraus, daß es sich um ein ziemlich großes Verwaltungsgebäude handelte. Die Grundmauern des Workcamp-Projekts waren bereits gemauert, so daß die Grundrisse des Baukomplexes schon erkennbar waren. Baumaterial wie Mauersteine und ein Wasserbassin waren bereits vorhanden. Jedoch waren die Baukenntnisse unserer Workcampgruppe ziemlich dürftig. Zu unserem Pech erfuhren wir, daß Thomas Caspari, der in Tanzania lebende deutsche Architekt, der zu uns stoßen sollte, an Malaria erkrankt war und so die Bauleitung nicht übernehmen konnte. Also war das fachmännische Wissen der Fundis (örtliche Bauarbeiter) überlassen. Als erstes ging es nun daran, ein Baugerüst um die angedeuteten Grundmauern zu errichten. Dies wurde so bewerkstelligt, daß wir Eukalyptusbaumstämme, die bereits von Ortsansässigen gefällt worden waren, jeweils zu zweit aus dem Wald geholt und zur Baustelle geschleppt haben. Diese Stützen haben wir ca. einen Meter neben der Grundmauer senkrecht in den Boden eingegraben, allerdings nicht mit für uns gewohnten Spaten, sondern mit langen Macheten. Als nun alle Baumstämme um den Grundriß des Gebäudes aufgestellt worden waren, ging es an die eigentliche Maurersarbeit. Handwerkszeug wie Maurerkellen, Glätter und Wasserwaagen hatten wir mitgebracht und an die einzelnen Fundis und Teilnehmer verteilt. Nach einer kurzen Einweisung in Sachen Mauern ging es dann richtig los. Nach anfänglichen Schwierigkeiten wie z.B. Zementmischen und den Umgang mit den oben genannten Werkzeugen erlernen, ging es für den Anfang relativ gut voran. Jedoch mußten wir uns erst mit der am Bau bestehenden Hierarchie zurechtfinden. Es schien, daß gewisse Tätigkeiten nur den Fundis vorbehalten waren - wie z.B. das Ausloten und Setzen von Mauersteinen. Falls man sich anmaßte, diese Arbeit selbstständig auszuführen, wurde dies mit einem Runterschmeißen des eben gesetzten Steines bestraft. Der Fundi nahm aber im Anschluß genau den gleichen Stein und setzte ihn mit Facharbeiterhand an genau die gleiche Stelle. So hat eben jeder seinen Stolz. Uns blieb somit die Aufgabe des Verfugens der vom Fundi gesetzten Steine. Ein weiteres Phänomen konnten wir bezüglich der Arbeitsgeschwindigkeit feststellen, die je nach Wetterlage oder Lust zu differieren schien. Es wurde fünf Tage die Woche gearbeitet, um ein einigermaßen gutes Arbeitsergebnis zu erzielen. Manchmal gab es aber auch Vorfälle, die einen bitteren Beigeschmack hervorriefen. Unter anderem war eines Tages einiges an Handwerkszeug wie Wasserwaage und diverse Kellen auf mysteriöse Art und Weise verschwunden. Durch Klarstellungen unsererseits, daß es ohne Werkzeug nicht möglich ist, ein Haus zu bauen, tauchten die Utensilien genauso schnell, wie sie verschwunden waren, wieder auf.

Die Teilnehmerzahl der Fundis verdoppelte sich aufgrund unseres nahenden Abreisedatums ansehnlich, da sich die Aussicht auf ein üppiges Mittagessen in der nachfolgenden Zeit natürlich wieder massiv verschlechtern würde. Also mußte die verbleibende Zeit gut ausgenutzt werden, was sich in dem großen Andrang zu den Essenszeiten bemerkbar machte.

Unser Ziel, die Innen- und Außenwände des Gebäudes soweit zu setzen, daß der Ringanker gelegt werden kann, rückte in greifbare Nähe. In den letzten Tagen gelang es uns auch wirklich, das Projekt soweit fertigzustellen, daß nur noch der Dachstuhl und Installationstätigkeiten bewerkstelligt werden müssen. Nach tanzanischen Gepflogenheiten kann dies allerdings noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Ob wir das vollendete Gebäude, das wir aufgrund gewisser kirchenpolitischer Umtriebe des tanzanischen Jugendleiters auch "Malaki-Repräsentationsbau" nannten, jemals zu Gesicht bekommen werden, wird uns die Zukunft zeigen.

Tanzanische Küche

Reis und Bananen. Das war es, was wir hauptsächlich als Mahlzeit während unseres Workcamps erwarteten. Vor allem, da sich unter uns fünf Vegetarierinnen befanden. Obwohl wir natürlich auch diese zwei Nahrungsmittel serviert bekamen, zeigte sich die tanzanische Küche durchaus variationsreicher.

Um tagtäglich 25 bis 30 Leute zu bekochen, wurde gleich zu Beginn des Workcamps beschlossen, eine Küchengruppe einzuteilen, die sich aus fünf bis sechs Leuten (Tanzanier und Deutsche gemischt) zusammensetzte und jeweils alle zwei Tage neu gebildet wurde. In der Küchengruppe eingeteilt zu sein war beileibe nicht weniger anstrengend als auf der Baustelle zu arbeiten. Schon eine Stunde vor dem angesetzten Zeitpunkt für das Frühstück mußte man in der Küche sein, um Feuer zu machen und Wasser aufzusetzen. Ein Topf voll Wasser dauert nämlich eine geschlagene Stunde, bis er auf dem Drei-Steine-Herd kocht. In der Zwischenzeit wurde der Frühstückstisch mit Weißbrot, gesalzener Margarine - "Blue Band" genannt -, Instantkaffee, Tee, Milch und Zucker gedeckt. Manchmal gab es auch Marmelade - die wir aber nur sehr selten zu kaufen bekamen - bzw. frisches Obst wie zum Beispiel Bananen, Orangen, Papaya, Ananas oder auch mal Avokado-Mus. Zudem mußte man vor dem Frühstück noch das Geschirr vom Abendessen mit Kernseife und Blättern, die wir als Spüllumpen verwendeten, abwaschen. Nach der morgendlichen Mahlzeit war keine Pause drin: man mußte wieder abspülen, und die Arbeiter auf der Baustelle wollten zwischen 10 und 11 Uhr vormittags Tee mit Milch und Zukker, sowie geröstete Erdnüsse oder einen anderen Imbiss serviert bekommen. Das Küchenteam packte also Thermoskannen, Tassen etc. in eine Pappkiste, die sie zur Baustelle hinüber trug. Kaum in unserem Kochhaus zurück mußte es schnell gehen, damit das Mittagessen so einigermaßen pünktlich um 14 Uhr auf dem Tisch stand. Wenn die Speisung der hungrigen Arbeiter vorbei war, konnte man aber auch nicht richtig ausruhen - nein - es war mal wieder Abspülen angesagt und gleich danach mußte man mit den ersten Vorbereitungen für das Abendessen beginnen, damit das nicht zu spät begann. Doch die für uns neue Zeiteinteilung beim Kochen war nicht der einzige Unterschied zur europäischen Küche, auf den wir uns einstellen mußten. Das Zubereiten der Speisen auf offenem Feuer verlangt auch seine Übung, denn es ist eine Kunst für sich, das Feuer an drei Kochstellen gleichzeitig anzubehalten, für Holznachschub zu sorgen, versuchen, dem ständig in den Augen beißenden Rauch aus dem Weg zu gehen, um am Abend nicht völlig durchgeräuchert zu riechen, überall umrühren und so weiter. Wenn wir gemeinsam alles auf die Reihe gebracht hatten, dann konnten wir für die Mittags- bzw. Abendmahlzeiten in etwa folgende Gerichte auf den Tisch bringen:
- Pure - ein Eintopf aus Bohnen und Mais
- Kochbananen
- Reis, Kartoffeln und andere Wurzeln oder Ugali - mit Wasser gekochtes Maismehl - zusammen mit Bohnen, Weißkraut oder Spinat


- Pilaw - gewürzter Reistopf mit Rindfleisch
- Chapati - pfannkuchenähnliche Fladen, die mit Gemüse gegessen werden

Zweimal kochten wir auch Spaghetti, die wir in einem größeren Dorf aufgetrieben hatten. Dabei stellten wir fest, daß die Tanzanier es wirklich nur gewohnt sind, mit einem Löffel oder mit den Fingern zu essen und das Spaghettiessen mit Gabel und Löffel äußerst komisch und auch kompliziert fanden.

Wenn wir in einer Gemeinde oder von einer Familie zum Tee eingeladen waren, wurden uns meistens Bananen, geröstete Erdnüsse, Chapati oder auch die krapfenartigen Mandasi angeboten.

Wir haben bald gemerkt, daß Kochen und Essen in Tanzania eine viel zentralere Rolle als bei uns in Deutschland spielt. Das liegt einmal daran, daß dort das ganze Leben pole-pole (langsam) geht und alles seine Zeit braucht - das Kochen natürlich besonders. Daher müssen tanzanische Frauen fast den ganzen Tag in der Küche verbringen, um für die Familie Essen zuzubereiten. Außerdem sehen die Menschen dort ihre Nahrung noch als viel bedeutenderen Lebensinhalt als bei uns. Durch unseren modernen Lebensstil geht es immer schneller, eine Mahlzeit fertigzustellen. Weiter können wir überall zu fast jeder Zeit alles, was unser Herz begehrt, einkaufen. Uns ist sehr schnell bewußt geworden, welchen Luxus wir daheim doch genießen können. Wir haben die Möglichkeit, uns gesunde Lebensmittel auszusuchen, die uns ausreichend mit Vitaminen und Nährstoffen versorgen und zudem noch hervorragend schmecken. Diese Alternativen gibt es in Tanzania nicht. Man steht einem begrenzten Nahrungsmittelangebot gegenüber und muß schauen, was sich daraus machen läßt. Zugegeben, mit etwas Phantasie und Kocherfahrung kann man eine ganze Menge daraus machen (mehr als die Tanzanier traditionellerweise tagtäglich kochen!), was auch ganz passabel schmeckt und satt macht. Doch auf die Dauer ist es unter diesen Umständen kaum möglich, sich abwechslungsreich und ausgewogen zu ernähren. Zudem ist nicht alles, was es in dem ohnehin schon bescheidenem Angebot der Lebensmittelläden zu finden gibt, für die durchschnittliche Bevölkerung erschwinglich. Für uns Europäer waren die Preise zwar spottbillig und es machte uns große Freude, auf dem Markt, der zweimal wöchentlich in unserem Dorf stattfand, eine Ananas für umgerechnet 15 Pfennige zu erstehen, doch das Einkommen der Einheimischen ist so gering, daß selbst diese Preise oft noch zu hoch sind. Das Angebot auf den Märkten besteht übrigens hauptsächlich aus Obst und Gemüse. Viele Obstsorten, wie Ananas, Bananen, Orangen, Mandarinen oder Papaya kannten wir schon von zu Hause, doch wir konnten auch ganz neue Früchte kosten, so zum Beispiel die riesengroße Fenessi. Beim Gemüse war es ähnlich: Paprika, Weißkraut, Zwiebeln, Tomaten, Karotten und Gurken waren uns vertraut, doch bestimmte Spinatgewächse oder Süßkartoffeln aßen wir zum ersten Mal in unserem Leben. Was man noch herausstellen muß: Zucker, Brot, Milch, Fleisch oder Instantkaffee sind hier pure Luxusgüter. Was uns als einfaches Essen und Grundnahrungsmittel vorkam, empfanden die Tanzanier als Festschmaus. Da war es logisch, daß unsere Partnergruppe stets einen dementsprechend guten Appetit gezeigt hat.

Mir ist in dieser Zeit wieder klar geworden, wie verrückt und überflüssig viele unserer westlichen Ansprüche - gerade bezüglich unserer Ernährungsgewohnheiten - sind. Anstatt sich Gedanken darüber zu machen, wie man am besten ein neues "Designfood" auf den Markt bringen kann, sollte man sich lieber für eine gerechtere Nahrungsmittelverteilung auf der Erde einsetzen.

Marlies Linke

Rezept für MandasiRezept für Chapati
3 Tassen Mehl
3 Eier
etwas Milch
1 Tasse Zucker
1 Tl Backpulver
Mehl
1 Prise Salz
kaltes Wasser
1-2 Eier, wenn vorhanden
Die Eier mit dem Zucker verrühren und abwechselnd das mit Backpulver vermischte Mehl und Milch hinzufügen, bis ein geschmeidiger Teig entstanden ist. Aus dem Teig werden nun etwa eigroße Bällchen geformt, die in heißem Öl herausgebacken werden. Das Mehl mit dem Salz und evtl. den Eiern vermischen und mit kaltem Wasser zu einem festen Teig kneten. Aus dem Teig werden nun Kugeln geformt, die mit einer Sodaflasche (!) kreisförmig ausgerollte werden. An einer Stelle wird der Kreis nun bis zur Mitte eingeschnitten um den Teig mehrmals zusammenzuklappen. Das Ganze wird nun ein zweites Mal ausgerollt und anschließend mit heißem Fett von beiden Seiten gebacken.

Sprachbarrieren?

Drei Mädchen aus der Gruppe, Mini, Marlies und ich, hatten uns noch aus einem ganz anderen Grund auf Tanzania gefreut. Wir wollten endlich unsere Kisuaheli Kenntnisse aus dem Sprachkurs bei Frau Caspari im Missionswerk Neuendettelsau am "lebenden Objekt" ausprobieren.

Nachdem wir im Kurs sogar so schwierige Aufgaben wie "Verneinung in der Zukunft" mit Personalpronomen (z.B. Er wird ihr die süße Frucht nicht geben.) gemeistert hatten, fühlten wir uns jeder Herausforderung gewachsen.

Schon im Flugzeug erlebten wir jedoch den ersten Rückschlag: Von der Ansage der Stewardessen verstand ich kein Wort! Aber wer braucht schon Wörter wie "Sichselbstaufblasendeschwimmweste" oder "Seitennotausgangsrutschenlichter", wenn er in Tanzania ein Kirchenbüro baut? Doch dieser anfängliche Enthusiasmus legte sich in den ersten Tagen recht schnell.

Kisuaheli wird extrem schnell gesprochen, so daß ich die zum Verstehen nötigen Zeitsilben nicht heraushören, geschweige denn auf den Wortstamm schließen konnte. Die Grammatik ist nämlich so aufgebaut, dass vor einen Wortstamm wie -ona (sehen) eine Silbe für die Person (z.B. ni- für ich) und eine Silbe für die Zeit (z.B. ta- für Zukunft) gestellt wird. "Ich werde sehen." hieße also "Nitaona". Das ist aber erst das Grundgerüst des Satzes, in das sich meistens noch einige andere Silben einfügen lassen. Eigentlich ist der Aufbau schon recht logisch, nur leider sehr verschieden von dem der deutschen Grammatik. Deshalb war es für uns am einfachsten, die Standardsätze für Vorstellung oder Begrüßung gleich auswendig zu lernen. Wenn ich doch einmal versuchte, selber etwas anderes zusammenzustopseln, stoppte mich das Gelächter meistens schon, bevor ich zu Ende gesprochen hatte.

Allerdings ist auch für die meistens Tanzanier Kisuaheli eine Fremdsprache. Als Kinder lernen sie zuerst nur den Dialekt ihrer Region (z.B. Kipare in den Pare-Bergen), in der Grundschule dann Kisuaheli und in der weiterführenden Schule Englisch. Die einzelnen Dialekte unterscheiden sich so stark, daß sich zwei Leute aus unterschiedlichen Gebieten Tanzanias in Kisuaheli verständigen müssen, weil sie die Muttersprache des anderen nicht verstehen können.

Vielleicht liegt es auch daran, dass Englisch für die meisten schon die zweite Fremdsprache ist, unsere Partnergruppe konnte sich auf jeden Fall nur begrenzt damit verständigen. Das fing schon bei der Aussprache an: An jedes Wort, das mit einem Konsonanten endete, hängten sie grundsätzlich ein "i" an (z.B. handi, smalli, lefti, goodi usw.), was das Verstehen für uns schon mal schwerer machte. Aber auch beim Wortschatz reichte es nur zu bruchstückhaften Gesprächen, über alltägliche Sachen.

Vielleicht das größte Problem war aber, daß es in Tanzania anscheinend als unhöflich gilt, Unverständnis zuzugeben und ein zweites Mal nachzufragen. Deshalb waren wir immer heilfroh, wenn wir Pfr. Alexander Mielke oder die Volontärin Susanne als Übersetzer zur Verfügung hatten. Ohne sie hätte es wohl wesentlich mehr Mißverständnisse gegeben.

Franziska Walser

Kleiner Kisuaheli Sprachkurs

Salaam! Jambo!Hallo!
Habari gani?Wie geht's?
Nzuri.Gut.
Karibu!Willkommen!
Asante sana!Danke sehr!
Mimi ninaitwa ...Ich heiße ...
Ninatoka ...Ich kommen aus ...
Mimi ni Mchristo.Ich bin Christ.
Tuombe!Laßt und beten!
Karibu chakula!Guten Appetit!
Sinakula nyama.Ich esse kein Fleisch.
NdiziBanane
ChaiTee
KarangaErdnüsse
Safi!Super!
Fundi(Profi-)Handwerker
Lala salama!Schlaf gut!
Kwa heri!Auf Wiedersehen!
Tutaonana!Bis bald!
NdioJa
HapanaNein
WazunguWeißgesicht

Zwei Welten begegnen sich

Wenn Menschen zweier so verschiedener Kulturen sich begegnen ist das ein kleines Abenteuer. Jeder, der das Risiko eingeht, dieses Abenteuer zu wagen, wird die Erlebnisse, die er dabei macht anders deuten. Denn bei Erfahrungen, die die Seele anrühren, ist es schwer von Objektivität zu sprechen. Hier mein Versuch, meine und vielleicht auch etwas unsere Eindrücke und einige Folgerungen aus diesem Abenteuer aufzuschreiben.

"Dauernd diesen Maispampf essen!" "Beim Kochen laufen einem ständig die Tränen runter vom beißenden Qualm, den das nasse Eukalyptusholz beim Verbrennen macht." "Das Wasser ist auch schon wieder alle! Das heißt also nach der Arbeit wieder neues von der Wasserstelle holen und mit den 20l-Eimern den Berg hochschleppen." "Von den Essensvorräten ist auch schon wieder `was verschwunden und die Milch ist zur Hälfte weg, und wie immer weiß keiner werĘs war und wohin die Sachen gekommen sind!"

Einige Klagen, die so oder ähnlich während unseres Workcamps manchmal im Raum standen. Das soll nun nicht den Eindruck erwecken, als sei dies der Tenor unseres Aufenthalts inTanzania gewesen. Aber es macht deutlich, daß Partnerschaft einerseits ein leicht dahingesagtes Wort ist, daß aber der Versuch, dieses Wort in die Praxis umzusetzen, nicht immer ganz einfach ist.

Nicht einfach, weil wir Menschen sind; Menschen einer bestimmten Kultur und Prägung. Wir sind keine unbeschriebenen Blätter oder Wesen, die sich einem Gegenüber oder einer Situation völlig neutral, unvoreingenommen und absolut aufgeschlossen nähern könnten. Denn jeder von uns bringt sich selber mit ū seine Person, seinen Charakter und nicht zuletzt die Art und Weise wie er/sie gelernt hat, diese Welt zu verstehen und zu lieben. Und das heißt, daß wir damit an unsere Lebenswelt bewußt oder unbewußt auch Erwartungen stellen, die sagen, wie eine lebenswerte Welt für uns ū und damit auch für andere, so glauben wir oft ū auszusehen hat.

Das wird nirgendwo deutlicher, als dort, wo Menschen sich aufmachen, um aus ihrer Lebenswelt heraus in eine andere zu gehen, um dort ū wenngleich als Gast ū zu leben, den Menschen dort zu begegnen und dabei Erfahrungen zu sammeln.

Und so ging es letztlich und endlich auch uns, wie die in Worte gefaßten Gedanken zu Beginn dieses Artikels zeigen. Es sind Gedanken, die zwar einige negative Stimmungen während des Workcamps einfangen, die aber gerade deswegen auch dazu gehören, weil sie ein Teil von uns selber sind. Sie haben ebenso wie die vielen positiven Eindrücke, die wir in diesem bislang für uns fremden Land sammeln konnten, gewiß ihre Gründe. Gründe, die wir vielleicht weniger, wie es scheinen mag, in den äußeren Umständen suchen müssen als vielmehr in uns selber. D.h. in uns Menschen hier wie dort, in Europäern wie in Afrikanern.

Oft sind es Weltanschauungen und Vorurteile aus dem 19.Jhd., die noch heute unbemerkt unser Bild von Afrika prägen. Wie für viele Europäer alle Afrikaner schwarz und damit alle gleich sind, haben noch heute die wenigsten Abendländer eine Vorstellung von der kulturellen Vielfalt, die der afrikanische Kontinent birgt. Kulturen, die nicht selten ebenso alt wie die unserige sind; die aber anders sind und deshalb oft verkannt werden. Wir sind dabei, so meine ich, ū ob wir wollen oder nicht ū Erben eines Rollenverständnisses, das seitens der Europäer seit über 100 Jahren gegenüber Afrika und seinen Menschen eingeübt wurde. Gemeint ist damit unsere Rolle als Geber gegenüber der Rolle des zu Dank verpflichteten Nehmers dort; die Rolle des allwissenden Lehrers hier gegenüber der Rolle des bemühten aber oft unverständigen Schülers dort; die Rolle des Herrn gegenüber der des Dieners. Und so sind wir ū einmal ehrlich ū wenn wir fremde Länder bereisen, mit Verbesserungsvorschlägen ziemlich schnell bei der Hand.

Die "reichen Onkels/Tanten aus Amerika" und die "armen Kinder in Afrika"

Aber schließlich kommen wir ja auch aus einem Land, das mit erfolgreichem Wirtschaften seine Erfahrung hat. Und dann kann es doch nichts Schlechtes sein, dem anderen zeigen zu wollen, wie das geht. So mag hier ein berechtigter Einwand lauten. Es ist ein Argument, das zu kurz greift, weil es die Würde des anderen nicht genügend achtet, ebenso wie es umgekehrt naiv ist, zu sagen, wir müßten und wir könnten uns, wenn wir nur wollten, als Europäer und Afrikaner von gleich zu gleich begegnen. Denn die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen uns sind nicht so einfach vom Tisch zu wischen, geschweige denn, zu ignorieren. Und die Macht des Geldes wird uns spätestens dann wieder deutlich, wenn wir tatsächlich versuchen, dem, der weit weniger hat als wir, gleich zu sein. Der große Unterschied zwischen Haben und daran gewöhnt sein auf der einen Seite und dem Nicht-Haben auf der anderen Seite macht das Miteinander schwer. Es macht uns zu Menschen, die von völlig verschiedenen Lebensvoraussetzungen ausgehen. D.h. von Vorassetzungen im Blick auf das, was sich einer leisten kann und welchen Stellenwert deshalb für ihn das Vorhandensein von Geld und seine gewohnheitsmäßige Ausgabe einnehmen.

Die Folge davon ist dann das Reiche-Onkel/Tante-aus-Amerika-Gefühl, das mich auch diesmal befiehl, als wir ankamen und uns zusammen mit unseren tanzanischen Partnern in unserem "Schlafhaus" häuslich einrichteten. Das Auspacken unserer Rucksäcke mag manchem der Tanzanier wie das Öffnen einer Wundertüte oder dem Ausschütten eines Füllhornes gleichen. Hilflos bin ich mit der Frage konfrontiert, wieviel von meinem "Reichtum" sehen zu lassen, hier nun gut und sinnvoll ist. Genauso wie es schwierig zu entscheiden ist, welche Gastgeschenke, die wir unseren Partnern am Ende geben wollen angemessen, d.h. nicht zu viel und nicht zu wenig sind.

Ist für uns Europäer der Vorgang des Kaufens zur alltäglichen Gewohnheit geworden, so stellt er für die meisten Tanzanier etwas Besonderes und oft so etwas wie Luxus dar. Wegen der oft zu geringen Arbeitslöhne unterhalten die meisten Familien, wie auch die Familien unserer Partnergruppe, nach Möglichkeit neben ihrem regulären Broterwerb eine "Shamba". D.h. eine Art Gartenfeldbau zur Erzeugung von Obst, Gemüse und Getreide, um die eigene Versorgung zu sichern und durch den Verkauf auf den Märkten einen dringend notwendigen Zugewinn zu erwirtschaften. Die Kuh im kleinen Stall neben dem Haus oder die Ziege im Pferch, so sich jemand solche Tiere leisten kann, sorgen für Milch, die einen großen Wert darstellt.

Schauen wir im Vergleich dazu auf unsere Kosumgewohnheiten und Lebensvoraussetzungen, stellt sich unwillkürlich die Frage, wie wir mit solchen Unterschieden umgehen sollen. Überschwengliches Mitleid ist gewiß die falsche Reaktion, ebenso wie ein unsererseits als Habende nach außen zelebriertes Schuldbewußtsein meines Erachtens ein heilsamer Weg sein kann. Denn dann braucht sich keiner zu wundern, wenn der "Arme und Schwache" lernt, seine Armut und Schwachheit umgekehrt als Machtinstrument einzusetzen und entsprechend zu fordern lernt. Eine echte Partnerschaft, die ja von der Utopie von Gleich zu Gleich ausgeht, ist so nicht möglich. Vielleicht sollten wir versuchen, die Dinge zunächst einmal einfach so zu nehmen, wie sie nun mal sind, und möglichst natürlich mit dieser Situation umzugehen. Guter Rat ist allerdings teuer, fragt man sich, wie dieser Versuch anzupacken ist. Denn das flaue Gefühl, daß da irgendetwas nicht stimmt, daß da irgendetwas schief liegt, wird sich immer wieder melden. Und vielleicht findet sich dann so mancher in der Rolle des reichen Jünglings wieder, zu dem Jesus sagt, er solle hingehen, alles verkaufen, was er habe, und ihm nachfolgen; woran der Jüngling scheitert, sich traurig umdreht und geht.

Die Suche nach dem, worauf es ankommt.

Sicherlich ist es so, daß wir uns, zumindest, was das finanzielle und wirtschaftliche betrifft, aus unserer "Geberrolle" in nächster Zukunft niemals ganz werden verabschieden können und meiner Meinung nach auch nicht dürfen. Aber soll hier eine echte Begegnung, ein echter Austausch, ein Geben und ein Nehmen, kurz eine echte Partnerschaft, die nicht nur Paten schafft, geschehen und gelebt werden, dann müssen wir versuchen, die Vorraussetzungen dafür zu schaffen, nicht zuletzt in uns. Das heißt wir müssen offen werden für und aufmerksam auf das, was uns der Partner geben kann. Wir müssen auf einen Weg helfen lassen heraus aus unserer wohlständischen Betriebsblindheit. Weg von der geistigen Gewißheit eines gesicherten und in jeder Hinsicht versicherten Lebens. Wir müssen neu lernen, was es heißt, jeden Tag unseres Lebens neu und bewußt aus Gottes Hand zu empfangen. Oder profan ausgedrückt: wir müssen wieder begreifen, daß wir vor allem auf das angewiesen sind, was wir uns nicht selber schaffen können, sondern, was wir nur empfangen können. Unser Leben, unsere Fähigkeit , uns zu freuen, es schön zu finden, mit anderen Menschen zusammen zu sein und vieles mehr. Denn da sind wir Menschen alle gleich. Da werden aus zwei Welten eine und aus Tanzaniern und Deutschen einfach Menschen.

Partnerschaft elementar?!

Das erinnert mich an den Brief, den mir Asifiwe, eine Teilnehmerin aus der tanzanischen Partnergruppe, einige Wochen nach unserem Workcamp schrieb. Wo es in einem Satz hieß: "Ich möchte die Gelegenheit nutzen hier unserem allmächtigen Gott zu danken, dass er uns bis heute am Leben erhalten hat." Und es erinnert mich an einen Tagebucheintrag aus unserer Weilheimer Gruppe, wo Mini schrieb: "Interessant ist, dass einem hier Dinge auffallen, die zuhause nie ins Auge stechen würden. Ich meine ganz kleine, unscheinbare Dinge. ... Kein großes Ereignis, nein. Doch wenn man länger darüber nachdenkt, merkt man, wie sich die Augen hier schärfen. Klar, vielleicht liegt das nicht an Afrika, sondern an der fremden Umgebung an sich, aber Fakt ist, dass ich wundervoll tiefblaue Schmetterlinge, einen Vogel mit feuerrotem Schnabel und verschiedene Wolkenformationen beobachte und wahrnehme. Ich werde offen für Kleines." So verschieden diese Worte und so unvergleichlich die Gedanken und Gelegenheiten, die dahinter stecken, auch sind, gleich ist ihnen, daß sie Wesentliches wiedergeben. Daß sie beispielhaft für eine Bewußtseinsebene stehen, auf der sich Menschen begegnen und verstehen können, und seien sie sich noch so fremd, noch so verschieden und sprächen sie auch die gegenseitig unverständlichsten Sprachen. Es ist die Offenheit und das Feingefühl für das Wesentliche.

Damit solch eine Offenheit eine Chance hat, ist es wichtig, daß Partnerschaft und Miteinander von Menschen so verschiedener Kulturen, Welten, oder wie man es auch nennen will, bei viel elementareren Dingen beginnen müssen, als das in der Regel geschieht.

Es gelingt nicht immer, sich verständlich zu machen.

Oft stießen wir beim Versuch, diese Offenheit zu leben und uns auszutauschen, an Grenzen, die uns zunächst ganz einfach die Sprache setzte. Wir konnten kaum Kiswahili und das Englisch der Tanzanier reichte manchmal nicht aus, damit wir uns im Blick auf die eine oder andere Sache verständlich machen konnten. Grenzen setzte uns aber auch unsere Vorstellungskraft. Konnten sich die unter uns, die noch nie zuvor in Afrika waren verständlicherweise kaum vorstellen, wie es dort wirklich sein würde, so ist es umgekehrt für einen Tanzanier, der noch nie in Europa war, umso schwerer, sich das Leben bei uns, in unserer reizüberfluteten Welt mit allem, was dazugehört, vor Augen zu führen. In Europa ist es üblich und aufgrund des Medienangebotes auch kinderleicht, sich mit fremden Ländern, der Natur und den Dingen dort zu beschäftigen Für die Menschen in den meisten Teilen Afrikas gilt gerade das Gegenteil. Zeitungen, Fernsehen, Radio, Telefon sind Luxusartikel, die nicht annähernd jedermann zu Verfügungstehen. Die täglichen Notwendigkeiten des Lebens füllen zudem den Tag, daß wenig Zeit bleibt für das, was wir unter geregelter Freizeit verstehen.

So mußten wir die Erfahrung machen, wie schwer es war, auf manche Fragen nach unserem alltäglichen Leben zu antworten. Etwa darauf, wie wir wohnen, wie wir kochen, wie wir das mit dem Winter machen, den es doch bei uns geben soll, oder aber, was eine Heizung ist und wie eine Küche mit Elektroherd aussieht. So gelang es uns des öfteren nicht, uns verständlich zu machen, weil der eine eben gar nicht vermitteln konnte, wovon er spricht, da der andere es schlicht und ergreifend nicht kannte. Darüber hinaus spielen in Tanzania Dinge, die bei uns höchste Bedeutung haben, für das Leben des einzelnen oft kaum eine Rolle, was umgekehrt sicher auch oft der Fall ist. Gehört etwa für uns das Geburtsdatum, die Feier des Geburtstages und das Wissen um das eigene Alter unabdingbar zu unserer Identität, so scheint es für viele Tanzanier eine absolute Nebensache zu sein.

Nicht aufregen, nur wundern!

Bei Unterhaltungen und im alltäglichen Miteinander stießen wir immer wieder auf Dinge und auf Einstellungen, die uns als Menschen verschiedener Kulturen unterscheiden. Wir lernten, das Anderssein des anderen verstehen, ohne es im gleichen Atemzug als gut oder schlecht zu qualifizieren, oder aber es ändern oder uns anpassen zu wollen. Sicherlich, das gelang nicht immer. Vor allem dann nicht, wenn unsere Partner manchmal nach scheinbar gut afrikanischem Motto verfuhren: "Wenn etwas da ist, dann muß ich sehen, daß ich etwas davon abbekomme, bevor es wieder weg ist." Der Eigennutz stand hier manchmal vor dem Gemeinnutz. Konkret: wenn die Milch für den Vormittagstee plötzlich verschwunden war und später halb ausgetrunken wieder auftauchte; wenn unsere "Pare-Girls" sich zur Schönheitspflege am mühselig ins Schlafhaus transportierten Wasser überreichlich bedienten; oder wenn immer wieder hier und da unerklärliche Defizite in unserer Speisekammer zu verzeichnen waren.

Gut und hilfreich war da Alexander Mielkes Rat und Erfahrung, der uns zum besseren Verständnis aus seiner nun fünfjährigen Zeit als Missionar hier in Pare viele Hintergründe aufschlüsseln konnte. "Nicht aufregen, nur wundern!" Ein lapidar klingender, aber dennoch sehr tiefgründiger und auch wichtiger Ratschlag von ihm. Denn wer den Menschen und Kulturen Afrikas begegnen will, kommt mit Ungeduld und vorschneller Erregbarkeit nicht weiter. Es kostet nur unnötig Nerven.

Partnerschaft bedeutet, daß man sich versteht.

Partnerschaft bedeutet deshalb, daß man sich versteht. Und verstehen heißt auch, sich verstehen können, sich verstehen lernen und den Versuch zu wagen, dieses Verstehen zu leben. Doch dazu braucht es meiner Meinung nach den Versuch, eine gemeinsame Sprache zu finden, den nicht müde werdenden Versuch, sich gegenseitig verständlich zu machen mit unserer ganzen Person. Denn nur so hat die Utopie einer multikulturellen Gesellschaft eine Chance. Und von einer immer globaler werdenden Welt zu reden, ohne an dieser Utopie zu arbeiten, macht keinen Sinn. Die Verlierer stehen dabei schon im vorhinein fest. Und "kulturromantische" Vorstellungen von einem unberührten Afrika, dessen Ursprünglichkeit der Tourist aus dem Industrieland bewundert wie im Zoo; Vorstellungen, die dann insgeheim davon träumen, dieses romantische Bild doch zu erhalten, indem man die Menschen dort, wie es so schön heißt, "in Ruhe läßt", ist, gelinde gesagt, verantwortungslos. Denn das hätte man sich dann wenigstens schon viel früher überlegen müssen.

Nein, ich meine vor dem Hintergrund der gemachten Erfahrungen, daß Partnerschaft mit den Menschen der sogenannten Dritten Welt eine unumgängliche Notwendigkeit ist. Jedoch Sinn macht sie nur dort, wo sie wirklich konkret wird. So muß auch kirchliche Partnerschaft in Form von Gemeindepartnerschaften und Dekanatspartnerschaften konkreter und enger werden. Ein Weg könnte dabei vielleicht sein, wegzukommen von "allgemeinen" Partnerschaften, die eben gerade vor allen Paten und Patenkinder schaffen, ohne an der Situation viel zu verändern. Wo oft die Frage im Raum steht: Nun, wofür sollen wir denn Geld sammeln, und wird das dann auch wirklich dort gebraucht? Man sollte auf konkrete Ziele mit Zukunft zugehen. Sinnvoll wären da meines Erachtens die zielgerichtete Unterstützung von Schul- und Bildungsprojekte unter dem Dach der Kirche in einem Land wie Tanzania, wo durch die Staatsverschuldung die Existenz mancher der qualitativ hochwertigen Schulen und Kindergärten bedroht ist. Denn Bildung ist einer der wertvollsten Güter, die man einem Menschen mitgeben kann, damit er sein Leben ohne fremde Hilfe leben kann. Und es ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, daß Partnerschaft wachsen kann, daß wir uns verstehen können und daß wir dann neue partnerschaftliche Wege miteinander und voneinander gehen lernen.

Pfr. Robert Maier

Spiritualität

Das Vater Unser auf Kisuaheli,
wie es in Tanzania gebetet wird:

Baba Yetu uliye mbinguni,
Jina lako litukuzwe,
Ufalme wako uje.
Mapenzi yako yatimizwe
hapa duniani kama huko mbinguni;
Utupe leo riziki yetu,
Utusamehe makosa yetu,
kama sis tunavyowasamehe waliotukosea.
Usitutie majaribuni,
lakini utuokoe na yule mwovu.
Kuwa ufalme ni wako,
na nguvu,
na utukufu
hata milele.

Amini.

Über die Glaubenswelt der Christen in den Pare-Bergen zu berichten, ist nicht einfach, da wir nur einen knappen Monat dort waren.

In dieser Zeit haben wir zwar viele kleine Einzelheiten ihres Glaubens kennengelernt und auch viele Details entdeckt, in denen ihre christlichen Lebensanschauungen von den unseren abweichen, doch war es eben nur ein subjektiver, kurzer Eindruck.

Dieser Bericht ist ein zusammengetragenes Konglomerat eben solcher subjektiver Eindrücke und Erlebnisse, die nur einen Teil des Ganzen widerspiegeln. Vielleicht ist es jedoch ein interessanter Einstieg.

Beten

Gebetet wird viel und oft in den Pare-Bergen.

Jeden Morgen begannen und jeden Abend beendeten wir als Gruppe den Tag mit einer kleinen Andacht. Ob unsere tanzanischen Freunde dies jedoch auch von zu Hause so gewöhnt waren, blieb uns verschlossen. Es schien für sie jedoch weniger eine Neuheit zu sein als für uns.

Wichtiger jedoch als Abend- und Morgengebet ist das Tischgebet. Vor jeder Mahlzeit, auch wenn diese nur aus Tee und Erdnüssen besteht, wird ein Tischgebet gesprochen. Meist übernimmt diese Aufgabe die Gastgeberin bzw. Köchin. Anders als bei uns zählt nicht, ob alle um den Tisch versammelt sind und nun bereit sind, einige Minuten ruhig zu werden, um Gott für die Speisen zu danken, sondern das Essen an sich muss "be-betet" werden. Ob dabei alle schon zu Tische sitzen, spielt keine Rolle. Wer zu spät kommt, muss nicht mehr beten, denn der Segen Gottes für das Essen wurde ja schon erbeten.

Neu für uns war auch die Geschwindigkeit, mit der Gebete verlesen bzw. auswendig hergesagt werden. Natürlich klingt eine Sprache immer viel schneller, solange sie unbekannt ist, doch die Pare können wirklich unglaublich schnell beten. Wir bedauerten dies oft, denn es vermittelte eher den Eindruck des unbedachten Runterleierns anstatt eines bewussten Betens.

Beim Beten des "Vater Unser" jedoch, das die Pare auf Kisuaheli und wir gleichzeitig auf Deutsch aufsagten, kamen wir am Ende meist ziemlich genau mit "...hata milele. Amin" und "...in Ewigkeit. Amen" an.

Gottesdienst

Der sonntägliche Gottesdienst scheint den Pare hoch und heilig zu sein. Alle kommen, ob groß oder klein, alt oder jung. In jedem noch so kleinem Ort gibt es eine Kirche und die Kirchenbesucher strömen von überall her. Manche haben lange Strecken zurückzulegen, doch ein Gottesdienst beginnt nicht, bevor nicht die Kirche bis zum Rand gefüllt ist, noch gut ein Drittel der Besucher vor den Toren der Kirche Platz gefunden hat und wirklich alle da sind.

Dass ein Gottesdienst eine besondere Feierlichkeit darstellt, zeigt sich nicht nur an der großen Teilnahme, sondern auch an den Leuten selber. Jeder, und sei er auch noch so arm, zieht am Sonntag seine beste Kleidung an, die am Tag zuvor noch einmal aufgebügelt wurde. Die Frauen machen sich gegenseitig ihre Haare zurecht und in den Kirchen blitzt und strahlt es vor Sauberkeit und Farbe.

Nachdem also alle Kirchenmitglieder eingetroffen sind, beginnt ein drei bis dreieinhalb stündiger Gottesdienst, der einem Gottesdienst hier bei uns sehr ähnelt. Gebete, Kyrie, Gloria, Lesung, Glaubensbekenntnis, Predigt etc. stehen in eben derselben Reihenfolge wie bei uns. Man weiß also immer genau, wo man sich gerade im Gottesdienstablauf befindet, auch wenn man Kisuaheli nicht versteht.

Anders ist jedoch Dauer des Gottesdienstes, bedingt durch die zahlreichen Kollekten. Man gibt nicht eine einmalige Spende, sondern es gehen zu verschiedenen Zeiten verschiedene Körbe durch die Reihen, in die man seinen Obolus aufteilt. Die Kollekte jedes Korbes ist für unterschiedliche Projekte bestimmt, z.B. für den Jugendchor, eine Gitarre u.ä..

Auch die vielen Lieder ziehen den Gottesdienst in die Länge. Jede Kirchengemeinde hat mindestens drei Chöre: einen Jugendchor, einen Frauenchor, einen gemischten Chor etc. und jeder Chor steht mehrmals zum Singen auf.

Mit dem Ausgangslied versammelt sich die Gemeinde auf dem Vorplatz der Kirche. Dort wird nach weiteren Liedern eine Versteigerung abgehalten. Versteigert werden Lebensmittel, von einer Flasche Ziegenmilch und Zuckerrohr bis hin zum lebenden Hühnchen. Steigern kann jeder, natürlich zu überteuerten Preisen (gemessen am Marktpreis). Das ersteigerte Geld kommt der Kirche zugute und der Ersteigernde bekommt seine Ausgaben als Kirchensteuer verrechnet. Anders als in Deutschland gibt es in Tanzania keine vom Staat erhobene Kirchensteuer. Jeder einzelne kann am Anfang eines Jahres selbst festlegen, wieviel Kirchensteuern er im kommenden Jahr bezahlen kann. Dieser Betrag wird aufgeschrieben und durch Barzahlungen und Versteigerungen übers Jahr hin abgestottert.

Einmal erlebten wir eine Taufe, die während eines Gottesdienstes abgehalten wurde. "Während des Gottesdienstes" ist hier wörtlich zu verstehen, denn die Taufe an sich war binnen fünf Minuten über die Bühne gegangen, ohne dass jemand großes Aufheben wegen dieser Feierlichkeit gemacht hätte. Kinder werden tagtäglich geboren und es gibt so viel mehr Kinder in jeder Familie als hier, so dass es dafür keinen extra Taufgottesdienst oder eine besondere Zeremonie gibt.

Auffallend ist jedoch die Namensgebung. Man hört wenig afrikanische Vornamen, sondern vor allem christliche und biblische. Der Dekan der Gegend um Kikweni war besonders einfallsreich gewesen bei der Taufe seiner Kinder. Sie hießen u.a. Jubilate, Heavenlight und Advent.

Ähnlich wie bei einer Taufe erregt der Tod eines Christen anscheinend auch wenig Aufsehen. Tod und Leben stehen in Tanzania, wo Geburtenrate und Kindersterblichkeit hoch sind, eng beieinander und sind alltäglichere Ereignisse wie bei uns.

Einige von unserer Gruppe durften an einer Beerdigung teilnehmen. Sie wurde im Bananenfeld des Verstorbenen abgehalten, wo er auch beerdigt wurde. Eine Beerdigung läuft nach einem ähnlichen Schema wie bei uns ab, nur weniger pompös und dramatisch.

Bibelunterricht

Schnell haben wir Deutschen gemerkt, wie bibelsicher unsere Partnergruppe war. Auch hat jeder seine eigene Bibel, sofern er eine besitzt, im Gottesdienst dabei, um der Lesung direkt folgen zu können.

Die Kinder lernen von klein an die Bibel zu benützen. In eigenen Bibelstunden wird ihnen diese Kenntnis vom Ortspfarrer oder einem seiner Hilfspfarrer vermittelt. Das Studieren der Bibel scheint bei den Jugendlichen dort mehr als bei uns zum aktiven Christsein dazuzugehören.

 

Singen

Wir erlebten unglaublich viele Chöre in den Pare-Bergen. Singen ist eines der wenigen Freizeitangebote dort. Doch nicht nur in den Chören wird gesungen, auch Küche, Feld oder Busfahrt eignen sich hervorragend dafür. Eigentlich hat unsere Partnergruppe ständig und in jeder freien Minute gesungen mit für europäische Ohren ungewöhnlichen, aber sehr fröhlichen Stimmen, die uns immer wieder mit ihrer Begeisterung mitrissen.

Doch Singen kann leider auch ganz anders sein: Die sonst so vor Lebensenergie übersprühenden Gesänge klangen innerhalb eines Gottesdienstes oder eines Chorwettbewerbes unmotiviert. Dort wurden zu unserem Erstaunen fast ausschließlich deutsche Kirchenlieder und alte Choräle angestimmt, die mit steifer Haltung und ohne rechte Singfreude vorgetragen werden. Zwar haben die Lieder Kisuaheli-Texte, doch es ist unverkennbar, dass sie nicht aus ihrer eigenen Kultur entsprungen sind. Es schien den Pare auch selbst nicht so gut zu gefallen, wie die Lieder, die sie zum Vergnügen singen. Bei einigen Chören bei einem Chorwettbewerb beobachteten wir, dass es durch die Reihen eine unmotivierte und unbegeisterte Art des Singens war, die aufoktroyiert schien.

Spiritismus

Über jeglichen Glauben an Geister, geheime Kräfte oder Formen des Aberglaubens konnten wir in den Pare-Bergen so gut wie nichts erfahren. Christen wären nicht spiritistisch und hätten die Formen ihres früheren Glaubens abgelegt, wurde uns erklärt.

Nur eine Begebenheit zeigte uns, dass es wohl doch Aberglauben gibt. In den ersten Tagen des Dekanatsbürobaues wurde uns berichtet, welche Bedeutung die Wahl des Bauplatzes habe. Ein Gerücht besage, dass dieser Platz früher dafür verwendet worden war, beim Geschlechtsverkehr in flagranti ertappte, unverheiratete Paare aufeinander zu legen und mit einem Pfahl, der durch sie hindurchgerammt wurde, zu bestrafen.

Es sei also ein hervorragender Platz, um zu zeigen, dass Christen nicht an derartige verruchte Plätze glauben und sich über jegliche Formen des Aberglaubens hinwegsetzen.

In wie weit nun doch so mancher Christ noch an dies oder jenes glaubt, sei dahingestellt. Ein öffentliches Bekenntnis zum Spiritismus wird von der Kirche jedenfalls untersagt.

Kirchliche Tabus

Alkohol ist tabu. Nein, er ist nicht nur tabu, sondern es ist sogar eine Sünde ihn zu trinken. Ein guter Christ trinkt keinen Alkohol, so wurde uns gesagt.

Auch biblisch belegen konnte man uns dies, denn, so die Erklärung, habe Jesus bei seiner Verwandlung von Wasser zu Wein bei der Hochzeit zu Kanaan zwar Wasser verwandelt und es war auch wirklich Wein daraus geworden, doch Jesus habe keinen Alkohol in den Wein getan.

Zwar hat das Christentum in Tanzania erfolgreich die Vielehe abgeschafft, doch eine "Ehe ohne Trauschein" ist in den Augen der Pare-Christen absolut unmöglich und unsittlich. Aber es ist anscheinend kein Problem in jungen Jahren eine(n) FreundIn zu haben, doch vorehelicher Geschlechtsverkehr, sowie ein gemeinsames, voreheliches Domizil außerhalb der Sippe verstößt dort anders als bei uns gegen jegliche christlichen und kirchlichen Moralvorstellungen.

 

Insgesamt hatten wir den Eindruck, dass es wohl mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede zwischen Christen in Pare und in Deutschland gibt. Beim zweiten und dritten Blick entdeckt man jedoch zahlreiche Feinheiten, die zeigen, dass evang. Christen in verschiedenen Teilen der Welt doch nach unterschiedlichen Glaubensinhalten leben. wie zum Beispiel beim Thema Alkohol. Allerdings...Obwohl man uns gesagt hatte, dass Christen in Pare keinen Alkohol tränken, konnten wir beobachten, wie einige unserer tanzanischen Mitchristen sich hin und wieder ein Glas Bier gönnten.

Für uns war es schwer zu unterscheiden, ob es sich um eine bigotte Handlung oder um eine individuelle und freizügige Glaubensauslegung handelte.

Mini Jordan

Es gab ja nicht nur Arbeit

Freizeit - Abendprogramm - Nationalparkbesuche

Zuerst ist vielleicht einmal zu sagen, daß wir vorhatten, wesentlich mehr in dieser Richtung zu machen. Drei von uns hatten sich schon in Deutschland urige Programmpunkte ausgedacht, von denen sie glaubten, daß sie interessant sind. Aus verschiedenen Gründen haben wir aber das meiste gar nicht durchgeführt.

In Kikweni angekommen bauten wir am ersten Tag sogar nachmittags, so daß wir abends ziemlich erschöpft in die Betten fielen. Schließlich war keiner (oder fast keiner) von uns körperliche Arbeit gewohnt. Aber nachdem wir in Übereinkunft mit den Fundis und im Blick auf örtliche Gepflogenheiten in den ersten Tagen beschlossen hatten, den Arbeitstag bereits um 14 Uhr zu beenden, hatten wir den Nachmittag frei für freizeitliche Aktivitäten. Wenn wir nicht gerade irgendwelchen Gemeinden einen Besuch abstatten mußten, nutzten wir die Zeit oft dazu, unsere Kleider zu waschen. Wer hätte gedacht, daß man so lange dazu braucht! Anfangs wuschen wir alles noch mit biologisch abbaubarer Seife. Aber nachdem der rote Sand sich absolut nicht auswaschen ließ, griffen wir zu härteren Mitteln: wie die Tanzanier benutzten wir ab jetzt OMO oder FOMA - die einheimischen Waschmittelsorten. Auch um uns selber zu waschen, mußten wir uns so einiges einfallen lassen, da die Pare von Natur aus recht prüde sind. Wir konnten uns nicht einach ausziehen und waschen, sondern mußten uns dezent verbergen, indem wir uns mit drei Kangas umĘs Flüßchen stellten. Einer setzte sich dann in die Quelle und die restlichen gossen mit Eimern Wasser über ihn. Es war zwar kalt, aber eine gute Ersatzdusche. Eine weitere schöne Erfahrung war das Spielen mit der Dorfjugend. Einer von uns packte den Indiaka aus, wir spielten ein bißchen und im Nu war der Platz voll von Kindern und Jugendlichen des Dorfes, die mitgemacht haben. Es hat uns unheimlich viel Spaß bereitet, zu sehen, wie sich diese Kinder über ein so einfaches Spiel freuen können.

Schön war es auch, in der freien Zeit die Gegend zu erkunden. Es ging durch Bananenplantagen, über kleine Flüßchen und meist an Häusern vorbei, da die Pare-Berge sehr dicht besiedelt sind. Leider hatten wir daher nie das Glück, irgendwelche seltenen Tiere der Gegend zu erblicken. Dafür wird man selbst überall angekuckt, denn die Leute lassen alles liegen und stehen, um die "Wazungus" zu sehen. Oft hat uns diese - wenn auch verständliche - Neugier sehr genervt. Wenn wir uns zum Beispiel auf irgendeine Wiese zum Lesen oder Schlafen zurückgezogen haben, waren sofort wieder 20 Kinder um uns, denen es nicht langweilig wurde, uns zuzuschauen. Und das, auch wenn wir uns noch so bemühten, uns schlafend zu stellen. Nette Bekanntschaften mit Einheimischen waren aber auch dabei. Ein paar von uns durften einmal sogar eine Mine besichtigen. An einem Tag ließen wir die Arbeit ausfallen und gingen gemeinsam auf den Kamwala, den höchsten Berg der nördlichen Pare-Berge. Von Kikweni aus konnte man ihn schon vorher stets wunderbar sehen. Anfangs gab es zwar ein paar Schwierigkeiten, diese Tour zu planen, da es für die Partnergruppe anscheinend ein Problem war, das Mittagessen ausfallen zu lassen. Aber nach einiger Zeit gaben sie sich doch mit dem Lunch-Paket, bestehend aus Früchten und Mandazi, zufrieden. Wir hingegen machten uns weniger um das Essen Sorgen, als um das Schuhwerk der Tanzanier, denn allesmt hatten sie ihre schicken, aber leichten Schuhe angezogen. Wir dagegen waren mit fetten Bergschuhen ausgerüstet. Erstaunlicherweise kamen alle ganz gut mit ihren Schuhen zurecht. Wahrscheinlich sind sie es gewohnt, so herumzulaufen. Geführt wurden wir von zwei Einheimischen. Unsere Partnergruppe sang und unterhielt sich die ganze Zeit in einer wahnsinns Lautstärke. Nichts für solche, die es gewöhnt sind, genüßlich einen Berg zu erklimmen und dabei die Natur zu genießen. Der Gipfel war leider in Wolken, so daß uns eine tolle Aussicht nicht vergönnt war. Aber immerhin konnten wir Kikweni und Co. von oben erspähen.

An unserem zweiten freien Tag fuhren etliche von uns mit dem völlig überfüllten Bus nach Mwanga. Die Fahrt dauerte ewig und war bei den schlechten Straßenverhältnissen sehr anstrengend. Obwohl der Ort relativ klein ist, kam er uns gegenüber Kikweni wie eine Großstadt vor. Es gab viele Geschäfte, Bars usw., und wir machten uns gleich auf, ein paar schöne Kangas zu kaufen. Dann kehrten wir in ein kleines Touristenrestaurant ein und aßen für DM 1,50 Bananenpampfe und tranken mit Kardamon gewürzten Tee. Hier gab es auch einen Fernseher, und wir erfuhren zum ersten Mal etwas von den Bombenanschlägen in Dar es Salaam und Nairobi. Anschließend trafen wir unsere "Mädels", denen wir die Busfahrt bezahlt hatten, da sie sonst nicht mit nach Mwanga gekommen wären. Zusammen gingen wir über den Markt, kauften Gewürze und brachen dann nach Hause auf. Wir Deutsche sprangen sofort in den Bus, weil wir Angst hatten, daß er ohne uns losfährt. Doch obwohl der Bus schon übervoll war, stand er - bei laufendem Motor natürlich - noch ewig da und wartete. Unsere Afrikanerinnen schauten sich ohne Eile noch in verschieden Läden um und tranken Soda. Hier darf man halt nicht mit deutscher Pünktlichkeit kommen. Nach einer schrecklichen Rückfahrt, bei der wir den Fleischgestank aus der Tüte einer alten Frau, die auf meinen Füßen saß, kaum aushalten konnten, kamen wir in Kikweni an und kehrten alle auf eine Soda in die Evergreen Beach Bar ein. Diese Bar, in die wir anfangs ganz brav nicht hineingegangen sind, da Alkoholgenuß unter tanzanischen Christen verpöhnt ist, suchten wir zum Schluß des Workcamps des öfteren auf. Die Atmosphäre war zwar ein bißchen kalt und ungemütlich, aber dafür schmeckte das Bier. Hier stellten wir fest, daß gar nicht alle Einheimischen so gegen Alkohol eingestellt sind, denn sogar ein paar von unserer Partnergruppe tranken mal ein Guiness mit uns.

Abends waren wir meistens zu geschafft, um noch viel Programm zu machen. Einmal redeten wir recht gezwungen über Deutschland. Wir zeigten Bilder, erzählten und beantworteten Fragen über das deutsche Schulsystem, das Dritte Reich, den Ost-West-Konflikt und deutsches Familienleben. Durch die Anwesenheit der ganzen Pfarrer und Betreuer wurde das Gespräch aber nie richtig locker. Die ungezwungenen und interessanten Gespräche führten wir dann meist außerhalb des festen Rahmens. Wir Mädchen unterhielten uns über Beziehungen, Frauenprobleme, Heirat und Beschneidung. Erstaunlich war, daß bei diesen Themen die Sprachbarriere nicht mehr so groß zu sein schien. In großer Runde - jedoch ohne afrikanische Pfarrer - unterhielten wir uns dann nochmal über Schönheitsideale. Es stellte sich heraus, daß unsere Vorstellung von der idealen Frau und vom idealen Mann ziemlich auseinandergehen. Ein großer Unterschied besteht wohl darin, daß die afrikanischen Lebenspartner unbedingt an Gott glauben müssen. Dieser Abend war sehr vrgnüglich.

An einem anderen Abend sagen uns die Afrikaner noch einige von ihren Liedern vor, wozu sie tanzten. Wir Deutschen lernten das "Jesus fährt im Auto"-Lied und sangen es sogar auf Kiswahili.

Einige von uns schliefen nachts bei sternenklarer Nacht draußen unter freiem Himmel. Machmal war es zwar recht frisch und ungewohnte Geräusche hallten durch die Nacht, doch die Gedichte und Geschichten, die wir uns gegenseitig vor dem Einschlafen vorlasen, entschädigten dafür.

Für unseren letzten Abend in Kikweni hatten wir uns etwas besonderes ausgedacht. Wir machten eine Bowle aus Ananas, Fenessi und Soda, backten Stockbrot am Feuer und machten auf diese Weise an unserer Baustelle eine kleine Abschlußparty. Wir saßen im Kreis um das Lagerfeuer, aßen, tranken, unterhielten uns und sangen. Für die Afrikaner war diese Lagerfeuerromantik etwas ganz Neues.

Am nächsten Tag fuhren wir von Kikweni nach Same, wo wir das verhältnismäßig große Warenangebot genossen. Sogar Schokolade gabĘs da! Dann fuhren wir zu den Massai. Dort angekommen zeigten wir den kleinen Kindern gleich ein paar Luftballons. Zuerst bekamen sie Angst, als wir sie auf sie zu fliegen haben lassen, aber dann waren sie ganz begeistert. Leider gibt es in der Steppe so viele Dornen, die den Luftballons ein wenig zu schaffen machten. Aber es war wieder einmal schön zu sehen, mit wie kleinen Dingen man diesen Kindern eine große Freude machen kann.

Am Abend kam dann wieder - diesmal spontan - ein Gespräch über Deutschland zustande. (Leider waren die Massai-Frauen nicht dabei.) Als sie Bilder von Schnee sahen, waren sie sehr erstaunt, doch die erste Frage, die sie uns stellten, war, was die Tiere dann im Winter fressen und was wir selbst machen, wenn nichts wächst. Daß man an so etwas denken muß, können wir uns schon gar nicht mehr vorstellen.

Lustig war auch, daß die "Alten" uns fragten, was wir denn gemacht hätten, nachdem wir ein bißchen in der Steppe spazieren gegangen waren. Sie konnten sich nicht vorstelllen, daß man einfach so zum Spaß in der Natur herumgeht. Trotzdem begleiteten uns drei von ihnen am nächsten Tag zum Ruvu-Fluß, um einen Wanderung zu unternehmen. Angeblich sollte es hier Krokodile in Massen geben, doch leider bekamen wir keines zu Gesicht und sahen "nur" Affen und schöne Vögel.

So richtig viele Tiere sahen wir dann im Tarangire-Nationpark. Die wollten uns dort zwar erst nicht reinlassen, da wir zum Bezahlen zerknickte Reiseschecks hatten, aber irgendwie gingĘs dann doch. Nachdem dann noch der platte Reifen gewechselt war, begannen wir endlich unsere Safari. Erstmal sahen wir ein paar schöne, erst kürzlich beschnittene Massai, die ganz schwarz gekleidet und im Gesicht weiß bemalt waren. Später sahen wir endlich Tiere. Unheimlich viele Elefanten, die unserem Landcruiser hinterherrannten und vor denen wir dann doch etwas Angst bekamen. Außerdem konnten wir Zebras, Vögel, Giraffen, Strauße, Dik-diks, Wasserböcke und sogar ein paar Affen sehen. Einen König der Tiere - also einen Löwen - trafen wir leider nicht an. Die Landschaft im Park war unglaublich eindrucksvoll. Riesige dicke Bäume - Baobabs und Schirmakazien - in einer endlose Weite. Als wir in der Lodge beim Soda saßen, kam man sich bei der Aussicht vor wie in einem IMAX-Kino. Es war unglaublich, so etwas in natura zu sehen. An unserem letzten gemeinsamen Tag fuhr dann ein Teil von uns in den Arusha-Nationalpark. Der Rest deckte sich beim Shoppen in Arusha-City mit Kangas, Schmuck und Holzschnitzereien ein.

Hanna Hiltermann

Gemeindebesuche

Auf Gemeindebesuche waren wir bestens vorbereitet, vor allem Singen hatten wir kräftig geübt. Sogar den kleinen grünen Kaktus konnten wir vielstimmig. Umso gespannter waren wir, was uns bei den Gemeindebesuchen dann wirklich erwarten würde.

Den ersten Gottesdienst erlebten wir in Mamba - dem Dorf, in dem sich auch unser Schlafhaus befand. Vom Ablauf her war der Gottesdienst teilweise nicht viel anders als ein evangelischer Gottesdienst bei uns zu Hause. Der entscheidende Unterschied lag allerdings in der Dauer, denn ein tanzanischer Gottesdienst dauert mindestens drei Stunden. Das ist auch irgendwie verständlich, wenn dreimal eine Kollekte eingesammelt wird, stets Leute getauft werden und gleich auch noch eine Orgelweihe (eigentlich war es ja eine Keyboard-Weihe) mit eingebaut wird. Nach dem Gottesdienst wurde die Kollekte durch eine Versteigerung der gespendeten Naturalien aufgebessert. Zuckerrohr, Eier und sogar Hühner wechselten dort den Besitzer. Und das alles dauert natürlich.

Die weiteren Gottesdienste verliefen alle recht ähnlich. Zweimal nahmen wir im Anschluß an die Messe noch an Chorfestivals teil. Überraschend und auch gleichzeitig etwas traurig war, daß die Chöre nicht ihre traditionellen Lieder vorgetragen haben, sondern größtenteils nach den Melodien deutscher Kirchenlieder gesungen haben. Besonders verwunderlich war, daß alle der zahlreichen Chöre als Pflichtstück "Jesu, meine Freude" singen mußten. Es paßt unserer Meinung einfach nicht so gut, wenn Tanzanier einen Bachchoral singen. Ihre Stimmen sind so schön, doch viel besser für ihre eigene Chormusik geeignet! Die Gemeindeempfänge ohne Gottesdienst fielen recht unterschiedlich aus. Das einzige, was überall gleich war, war die Bewirtung: Ndizi, charangas und chai (Bananen, geröstete Erdnüsse und Tee). O.k. - manchmal gab es auch Soda anstelle von Tee. Ansonsten waren die Besuche - wie schon gesagt - sehr verschieden. In Kifula - der Gemeinde von Dekan Mshana, der uns während der ganzen Zeit begleitete - war sehr interessant, da wir ein Maismühlenprojekt besichtigen konnten und sogar in den Genuß kamen, den hiesigen Posaunenchor zu hören. Ganz besonders schön war, daß der Dekan uns mit in sein Privathaus nahm, wo wir seine Familie mitsamt der Kinderschar kennenlernen durften. Das Ambiente war klasse und im Hintergrund dudelte im Radio afrikanische Musik. Als Highlight des Tages wurden uns noch die einzelnen Schritte der örtlichen Kaffeeproduktion vorgeführt. Zuerst werden die Kaffeebohnen geschält, dann an der Sonne getrocknet, geröstet und abschließend gestampft, was wir sogar mal selbst ausprobieren durften! In Same dagegen - der Partnergemeinde von Weilheim - war die Atmosphäre bei weitem nicht so entspannt und offen. Zwar wurden wir freundlich empfangen und köstlich bewirtet, aber es fehlte das gewisse Etwas. Man hatte das Gefühl, daß alle nicht so recht wußten, was man miteinander anfangen sollte.

Eigentlich hatten wir damit gerechnet, jeden Tag mindestens eine Gemeinde oder Gottesdienst besuchen zu müssen. Recht angenehm überrascht waren wir daher, daß sich diese Befürchtungen nicht erfüllten. Innerhalb der ersten zwei Wochen hatten wir nur zwei Gottesdienste und ebensoviele Gemeindebesuche absolviert. Am Ende unseres Aufenthaltes in den Pare-Bergen kam es dafür um so geballter. Nach der anstrengenden Arbeit auf der Baustelle freuten wir uns z.B. einmal auf einen freien Nachmittag, den wir zum Waschen, Lesen oder Schlafen verwenden wollten. Doch halb Pare hatte langsam begriffen, daß wir nur noch kurz da sein werden, weshalb uns die Einladungen nur so ins Haus flatterten. Pfarrer Malaki wollte uns unbedingt noch seiner Pfarrei vorstellen, Pfarrer Msirai war ebenfalls ganz erpicht darauf, zumindest ein paar Vertreter von unserer Gruppe als Gäste begrüßen zu dürfen und auch in Msangeni mußten wir noch auftauchen. Angela - ein Mädchen unserer Partnergruppe - überbrachte uns die Nachricht, daß ihre Familie sich riesig freuen würde, uns bei sich zu Hause begrüßen zu dürfen. Nicht zu vergessen unser direkter Nachbar, der mit uns am Nachmittag bei einer Teeeinladung plauschen wollte. Auch wenn es manchmal etwas stressig war, war der größte Teil der Einladungen wirklich sehr nett, so daß man die langweiligen Ausnahmen gerne vergessen hat. Trotzdem wäre es angenehmer gewesen, die Besuche gleichmäßiger über unseren Aufenthalt zu verteilen.

Ein positiver Aspekt der vielen Empfänge muß noch erwähnt werden: Unsere Kisuahelikünste verbesserten sich mit jedem Mal und am Ende konnte sich jeder von uns zumindest perfekt vorstellen: "Ich heiße.... und komme aus.....und mache im Moment ....". Wenn man das zehnmal gesagt hat, fällt es einem gar nicht mehr so schwer...!

Piete Jordan

Massai

Nach dem Workcamp in den Parebergen durften wir für zwei Tage in die Massaisteppe. Pfarrer Alexander Mielke nahm uns mit in einen seiner Gemeindesprengel, der in der Nähe des Ruvu-Flusses liegt. Die Massai sind Halbnomaden. Sie leben in der Steppe und ernähren sich in erster Linie von der Milch, dem Blut und dem Fleisch ihrer Rinder, Ackerbau kennen sie kaum. Dabei stehen sie auf dem Standpunkt, daß Gott ihnen bei der Schöpfung alle Rinder der Welt zugedacht hat, und so kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Konflikten mit benachbarten Volksstämmen, denen sie des öfteren Vieh "stahlen", im Glauben, ihr Eigentum zurückzufordern. Das brachte ihnen den Ruf von Dieben ein, und daher sind sie bei anderen Volksstämmen nicht sehr beliebt.Um in der Steppe zu überleben, sind sie sehr aufeinander angewiesen und haben so ein starkes Gemeinschaftsgefühl und großen Stolz entwickelt.

Bei unserer Ankunft in der Massaisteppe wurden wir sehr herzlich empfangen. Besonders toll ist, daß sich die Massai noch meist gemäß ihrer Tradition kleiden. Die Männer tragen knallrote Leinenstoffe, rot als aggressive Farbe, und die Frauen blaue, violette oder schwarze, in Farben des Regens und der Fruchtbarkeit. Zudem verleiht diesen sehr schönen, hochgewachsenen und schlanken Menschen der viele Schmuck an Hals, Armen Beinen und Ohren ein recht "exotisches" Aussehen. Sie sind offen und freundlich, und nachdem wir begrüßt worden waren, wurden wir mit Tee und Mandasi bewirtet. Der Tee war mit viel Milch und Zucker - als Zeichen großer Gastfreundlichkeit - zubereitet.

Anschließend feierten wir alle zusammen Gottesdienst. Da die Kirche bei der letzten Regenzeit zerstört worden war, mußte die Gemeinde in ihre alte Kirche ausweichen, eine von einer Hecke umzäunte Schirmakazie mit Bänken drunter. Wie üblich dauerte der Gottesdienst drei Stunden. Pfarrer Robert Maier predigte in Englisch, was von Pfarrer Alexander Mielke in Kisuaheli und vom Evangelisten der Gemeinde in Kimassai übersetzt wurde. Der Massaichor - nur aus Frauen bestehend - sang viele rhythmische und mitreißende Lieder. Unsere Partnergruppe aus den Parebergen antwortete mit eigenen Kirchenliedern. Nach gemeinsamer Feier des Abendmahles zog die Gemeinde aus und bildete vor der "Kirche" einen Kreis, bei dem jeder an jedem vorbeiging, und ihm die Hand gab oder den Kindern die Hand auflegte. Das ist eine nette Geste, weil man sich dabei näher kommt. Nach dem Gottesdienst war dann Zeit zum Beschnuppern. Die Massai waren ganz angetan von den langen bzw. blonden Haaren von einigen unserer Gruppe und wollten sie gerne einmal anfassen und fühlen. Auch eine mitgebrache Blockflöte zog viel Aufmerksamkeit auf sich.

Am Nachmittag stellten wir unsere Zelte auf, und nach dem Abendessen im Freien bei Sonnenuntergang saß man zusammen, schaute mitgebrachte Fotos an und klärte Fragen wie: "Was macht ihr denn mit den Tieren, wenn es schneit?"

Der anschließende Abend war ein tolles Erlebnis: Die Massai luden uns ein, mit ihnen zu tanzen. Wir standen im Kreis: etwa 50 Massai, Pare und Deutsche - Beleuchtung lieferte nur eine Kerosinlampe. Die Massai begannen zu singen und tanzen. Unter den Text der Lieder mischten sich Stampfen und rhytmisches Brummen, Stöhnen und Rufen. So nach und nach lernten wir mitzutanzen, die Schultern zu reiben und im Rhythmus hochzuhüpfen. Es war sehr aufregend und nach dem langen Abend fielen wir müde in unsrer Zelte.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück brachen wir mit etwa 15 Leuten zum Ruvu-Ufer auf, um die Landschaft und die Tiere dort kennenzulernen. Wir kamen an einigen Bomas, den Siedlungen der Massai, vorbei, die aus etwa 10 Hütten bestehen, die von den Frauen gebaut werden. In der Mitte der Boma ist jeweils der Viehstall aus Dornenhecken, der von den Männern gebaut wird. Die Frauen leben immer im Dorf, kümmern sich um die Kinder und verwalten das Vieh, das wiederum den Männern gehört.

Bei der Ankunft am Ruvu waren wir sehr überrascht: Hier waren auf einmal Pflanzen und Tiere wie an einer Oase: Affen, viele Vögel, große Bäume und verschiedene Blumen. Die Landschaft ist ein richtiger Kontrast zur kargen Steppe.

Zurück in unserer Boma, hieß es nun Zelte abbrechen und Abschied nehmen, was uns nach zwei gemeinsamen Tagen nicht ganz leicht fiel.

Dorothea Zelinsky

Tanzania-Alphabet

A
Afrika - Amsterdamer Flughafen - Avokado - Alexander Mielke - Arusha - Ananas - asante sana - Arusha-Nationalpark - arbeiten - Affenbrotbaum - Antilopen
B
Bananen - Baustelle - Baobab - Blue-Band-Margarine
C
Chapati - Chorfestivals - Coca-Cola-Ortsschilder - Chai trinken
D
Dar es S„alaam - Dekan Mshana - Dreisteinkochstelle mit offenem Feuer - Durchfall - Duschen ist Luxus!
E
Eier bis zum Umfallen - Evergreen Beachbar mitten in den Bergen - Englisch reden - Elefanten
F
Fundis - Fenessi essen - freier Tag ? - Feuer in der Steppe
G
Globulis von Minis home”pathischer Reiseapotheke - Giraffen
H
"Haraka haraka haina baraka" ("Immer locker bleiben.") - hübsche Massaikrieger - Haare waschen mit Rei in der Tube
I
Indiaka spielen mit der Dorfjugend - Indischer Ozean
J
Jesus-Kanga von Christina
K
"Kupanda tumaini pamoja" - Krokodile - KLM-Fluglinie - Kisuaheli - Kilimanjaro - Kaffeeplantagen - Kangas und Kitenge zum Anziehen kaufen - Kakerlaken auf dem Klo - Kikweni - Karten schreiben bis zum Umfallen - Kernseife
L
Landcruiser fahren - Löffel als einziges Eßbesteck
M
Massaisteppe - Moskitonetz - Mikropurgeschmack im Trinkwasser - Malariaprofylaxe schlucken - "Miteinander Hoffnung pflanzen"
N
Nationalparks anschauen
0
Orangen
P
Pure oder andere Pampfe zum Essen - Papaya - Pare-Berge - Plastikgeschirr - pole-pole! : immer nur sch”n langsam - Pili-Pili oder andere Würze sind in den Bergen gänzlich unbekannt
Q
Quelle zum Wasser holen, waschen, "duschen"...
R
Reis - rote Straßen und Wege - Reisef¨hrer lesen - Reiseapotheke
S
Stopfbrot essen - Same - Schulen besuchen - "safed water" - Seidenstrümpfe im Geschenkpäckchen
T
Tanzanische Schillinge
U
Ugali essen - Ujerumani (Deutschland)
V
Verstopfung - Volonteer Susanne - Vollmonderhellte N„chte und gleichzeitig "Der Mond ist aufgegangen" vierstimmig singen
W
Wasserfilter - "Wazungu" nachgerufen bekommen
X
x-mal sich auf Kisuaheli vorstellen
Y
Yesu
Z
Zebras - Zuckerrohr - Zeit spielt keine Rolle - Zipp-off-Trekkinghosen

Lebenswertliste

  1. den Kilimanjaro sehen
  2. von Vollkornbrot mit Käse träumen
  3. auf dem Dach von Alexanders Landcruiser mitfahren
  4. einmal auf der Baustelle selber einen Stein setzen d¨rfen
  5. in klaren Nächten draußen schlafen
  6. bei einem Gemeindebesuch mal etwas anderes als Bananen und Karangas bekommen
  7. Massai !!!
  8. "Duschen" an der Quelle
  9. sehen, wie sich jemand über einen Volleyball freuen kann
  10. heimlich den farbenfrohen Markt fotografieren
  11. neue exotische Fr¨chte kennenlernen
  12. auf dem Marktplatz mit den Dorfjugendlichen und -kindern Indiaka spielen
  13. Spaghetti !!!
  14. vom Dekan gezeigt bekommen, wie man Kaffee herstellt
  15. Eltern, die sich auf einen freuen
  16. tanzanische Beautyshow bewundern ( Zöpfchenfrisuren)
  17. Aussicht auf eine Waschmaschine in Same
  18. mal ein frisches T-Shirt oder eine frische Unterhose anziehen
  19. alle Postkarten geschrieben haben
  20. Klo ohne Kakerlaken oder Fliegen
  21. mit Tanzaniern um die Tische tanzen
  22. kein Durchfall und keine Verstopfung

Impressum

Herausgeber: Evang.-Luth. Dekanat, Karl-Böhaimb-Str.4, 82362 Weilheim
Redaktion: Marlies Linke, Franziska Walser, Robert Maier (v.i.S.d.P.)

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