Debian auf dem Acer Travelmate 292LMi

Diese Seite beschreibt kurz meine Erfahrungen bei der Installation und Konfiguration von Debian GNU/Linux auf dem Acer Travelmate 292LMi. Ich benutze Debian unstable, aber im Wesentlichen sollte der Inhalt dieser Seite auch auf beliebige andere Distributionen übertragbar sein.

Übersicht über die Hardware

Mehr Details zur Hardware finden sich noch in der Ausgabe von /proc/cpuinfo, dmesg und lspci.

Installation und Konfiguration

Die Debian-Netzwerkinstallation verlief ohne grosse Auffälligkeiten. Alle essentiellen Hardwarekomponenten laufen in der Standardinstallation soweit, dass der Computer benutzbar ist. Spezielle Anpassungen und Hürden sind im Folgenden kurz beschrieben:

Software

Der Debian-Standardkernel wurde durch einen selbstkompilierten ersetzt. Dieser Schritt ist allerdings nicht unbedingt nötig, der Debian-Kernel sollte genauso funktionieren. Momentan läuft 2.6.11.2 mit swsusp2-Patch, die entsprechenden Optionen finden sich in der .config. Die Software wurde praktisch ausschließlich aus dem Debian-unstable-Archiv installiert, mit Ausnahme einiger Pakete (acerhk, ipw2200, Xorg, mplayer), auf die später eingegangen wird.

CPU und Powermanagement

Die Speedstep-Funktionen des Pentium-M funktionieren mit den Kernel-Treibern, als Userspace-Dämon verwende ich powernowd, um die CPU-Frequenz lastabhängig automatisch zwischen 600 MHz und 1500 MHz zu regeln. Die Akkulaufzeit liegt so im normalen Betrieb (mittlere bis leichte CPU-Auslastung) bei etwa 3.5 h, der Lüfter springt nur bei hoher CPU-Last an, und bleibt auch dann im Vergleich zu manch anderem Notebook relativ leise. Bei nichtlaufendem Lüter ist das Notebook fast unhörbar.

ACPI funktioniert im Wesentlichen, hat aber ein paar Macken. Liest man beispielsweise mittels des Befehls acpi den Akkustatus aus, so ist das Ergebnis bei den ersten beiden Abfragen immer 51%, ab der dritten Abfrage wird der richtige Wert ausgegeben, warum auch immer. Kritische ACPI-Bugs gibt es aber keine, auch der Ein/Aus-Schalter (power-switch) und der Deckelschalter (lid-switch) erzeugen die passenden events, die vom acpi-Dämon verarbeitet werden können. Die Hintergrundbeleuchtung läßt sich mittels DPMS zum Stromsparen abschalten.

Weniger Glück hatte ich bisher mit den diversen Suspend-Modi. Aus Suspend-To-RAM scheint der Computer nicht mehr richtig aufzuwachen, bei Suspend-To-Disk (swsusp2) wacht er zwar wieder auf, das Display zeigt aber nur Müll an. Da ich die Suspend-Modi so gut wie nie benutze, hab ich mich darum aber noch nicht weiter gekümmert.

Grafik

Für die Textkonsole steht der radeonfb-Treiber des Kernels zur Verfügung. Dieser erkennt automatisch die Display-Auflösung von 1400x1050 und liefert so eine schöne große Konsole. Für die grafische X-Oberfläche hat man 3 drei mögliche Treiber zur Auswahl:

Erstere Option ist bei jeder Distribution schon enthalten und liefert stabile und umfassende Unterstützung im 2D-Bereich inclusive Video-Overlay und sehr flexiblen Mehrmonitorkonfigurationen. 3D-Support ist in Arbeit, befindet sich momentan aber noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium. Da von ATi keine Spezifikationen über die Chip-Hardware veröffentlicht sind, ist auch fraglich, ob der freie Treiber jemals die Hardware voll unterstützen wird.

Die zweite Option wird von ATi selbst entwickelt. Die Treiber sind kostenlos und basieren ebenfalls auf XF86/Xorg und DRI, sind allerdings nur in Form von Binärpaketen ohne Quellcode verfügbar.

Die letzten erhätlichen Treiber der Firma Xi Graphics sind ebenfalls nur in binärer Form erhätlich, außerdem sind sie nicht kostenlos. Xi Graphics verspricht für sein Geld professionelle OpenGL-Treiber mit hoher Leistung und Stabilität und Features, die XF86 nicht bieten soll.

Wer, wie ich, keine Lust hat, für Grafiktreiber zu bezahlen, dem bleiben also nur die ATi-eigenen und die Open-Source-Treiber zur Auswahl. Die ATi-Treiber hab ich nur kurz angetestet, und dabei festgestellt, dass sie nicht zusammen mit dem radeon-Framebuffer-Treiber aus dem Kernel (radeonfb) verwendet werden können, da dies zum Absturz führt. Ich verwende daher (zumindest im Moment) die freien Treiber. Das in Debian enthaltenen XFree86 habe ich durch die aktuelle cvs-Version von Xorg ersetzt. Die Treiber laufen stabil, der externe Monitorausgang läßt sich wahlweise als Klon des LCD betreiben, oder als zusätzlicher Bildschirm, wahlweise mit oder ohne Xinerama. 3D-Support fehlt allerdings (noch?). Wer Interesse hat, kann auch meine xorg.conf anschauen.
Update (2005-02-20):
Mit der aktuellen cvs-Version von Xorg scheint die Erkennung des externen Monitors nicht ordnungsgemäß zu funktionieren. Dafür hab ich den rudimentären 3D-Support des r300.sf.net-Projektes zum laufen gekriegt. Hier wird sehr aktiv entwickelt, fast täglich erscheinen Patches die die Funktionsvielfalt verbessern und Fehler beseitigen.

Der TV-Ausgang funktioniert mit den proprietären ATi-Treibern in voller Funktionalität (angeblich, hab ich nicht selber getestet). Mit Einschränkungen läßt er sich auch ohne diese Treiber in Betrieb nehmen. Dazu braucht man das kleine Hilfsprogramm (atitvout) und benutzt dann den vesa-Videoausgabemodus (-vo vesa) von mplayer:

Am einfachsten schreibt man diese paar Zeilen in ein kleines Skript (Beispiel). Falls nach dem Ende des Videos Zeichenmüll auf dem Bildschirm verbleibt, einfach schnell mittels Ctrl-Alt-Fx auf eine andere Konsole umschalten, und dann wieder zurück. Allerdings läßt sich bei dieser Methode kein Overscan-Modus aktivieren, es bleibt also ein kleiner schwarzer "Trauerrand" ums Bild.

Optisches Laufwerk

Das integrierte Multiformatlaufwerk brennt und liest DVD+/-R, DVD+/-RW, CD-R, CD-RW. Der Betrieb gelingt ohne Auffälligkeiten mit den üblichen Programmen. Geteste habe ich mit cdrdao, cdrecord und growisofs.

Update 2005-06-05: Das Laufwerk wollte bei mir nicht mit 8x-kompatiblen Medien zusammenarbeiten. Abhilfe schaffte das Flashen einer neuen Firmware von Toshiba. Für den Update-Vorgang ist leider Windows erforderlich.

Eingabegeräte

Das integrierte Synaptics-Touchpad funktioniert mit grundlegender Funktionalität ohne weitere Treiber. Mit Hilfe eines speziellen Treibers für XFree86/Xorg bekommt man zusätzliche Funktionalität wie Mehrfinger-Erkennung und Scroll-Leisten, so dass ich die Installation nur empfehlen kann.

Die Tastatur ist, nach kurzer Eingewöhnungsphase, recht ordentlich. Um die Sondertasten benutzen zu können, muss der Acer-Hotkey-Treiber installiert werden. Da dieser offenbar das Modell des Notebooks nicht richtig erkennt, müssen die Modulparameter force_series=290 use_dritek=1 mit angegeben werden. Wenn alles klappt, sollten die Sondertasten (P1, P2, WLAN-Killswitch, Fn-X-Kombinationen) Key-Events produzieren. Diese kann man dann nach Belieben weiterverarbeiten. Ich habe zum Beispiel den Keycodes Namen zugewiesen (siehe tm290_sondertasten), diese werden beim Starten von X an xmodmap übergeben, mittels des Befehls xmodmap tm290_sondertasten in der ~/.xinitrc. Als Window-Manager verwende ich icewm. In der ~/.icewm/keys kann ich den verschiedenen Sondertasten so Aktionen zuweisen (Beispiel für keys). Kurioserweise liefert Fn-F5 keinen Keycode unter Linux, im Gegensatz zu Windows. Dafür liefern Fn-F6, Fn-F7, Fn-F8, Fn-F9 Events, obwohl diese Tasten nicht "blau beschriftet" sind. Ebenso liefern Fn-CursorUp und Fn-CursorDown keine Events. Da die Einstellung der Display-Helligkeit mittels dieser Hotkeys aber auch so funktioniert, ist das nicht weiter tragisch. Gleiches gilt für die Scroll-Lock, Num-Lock und Pad-Lock-Tasten, die offenbar ebenfalls per BIOS gesteuert werden. Die in der keys-Datei definierten Aktionen mute_unmute und xmms_play_pause sind selbstgebastelte Skripte, wer Interesse dran hat, kann sie sich mal ansehen (mute_unmute, xmms_play_pause).

LAN

Der Realtek-Chip für das 10/100 Mbit LAN läft ohne Probleme mit dem 8139too-Treiber.

WLAN

Für den verbauten Intel 2200BG Chip gibt es verschiedene Treiber. Ich setze den nativen Linux-Treiber ein, ndiswrapper habe ich nicht ausprobiert. Der ipw2200-Treiber funktionierte beim Testen ohne Probleme. Man braucht allerdings auch noch den Treiber für die Unterstützung der Acer-Sondertasten, da der WiFi-Killswitch an der linke Gehäuseseite kein Hardware-Schalter ist, sondern per Software arbeitet. Das ipw2200-Projekt ist sehr aktiv, es lohnt sich also, öfter nach neuen Treiberversionen mit vielleicht verbesserten oder neuen Funktionen zu schauen.

Update 2005-06-01:
Arne Wöhler hat mir ein kleines Skript zur Konfiguration unterschiedlicher WLAN-Profile geschickt. Dieses setzt installierte wireless-tools voraus, und natürlich einen funktionierenden Treiber.

Sound, Modem, USB

Der AC97-Sound-Chip funktioniert problemlos mit dem i8x0-ALSA-Treiber. OSS sollte auch funktionieren, habe ich aber nicht probiert. Die eingebauten Lautsprecher klingen recht blechern, über Kopfhörer ist der Klang gut, den Mikrofoneingang habe ich selber bisher nicht getestet, laut Arne Wöhler funktioniert er aber einwandfrei. Danke an Arne für die Info an dieser Stelle.

Die Treiber für das interne Modem benötigen das Debian-paket slmodem-daemon und entweder den ALSA-i8x0-Modemtreiber, oder den im Pake slmodem-source zu findenden alternativen Treiber. Die Module lassen sich zwar ohne Fehlermeldungen laden, ich habe es allerdings nicht geschafft, eine Verbindung aufzubauen.

USB scheint problemlos zu funktionieren, zumindest mit einer USB-Maus und diversen USB-Speichersticks, auch mit USB 2.0-Geschwindigkeit.

Firewire, PC-Card, Parallelport, IRDA

Diese Komponenten habe ich mangels Peripheriegeräten noch nicht getestet.

Fazit

Mit Ausnahme einiger Kleinigkeiten laufen alle integrierten Geräte zufriedenstellend unter GNU/Linux. Verbesserungswürdig ist der ACPI-Support, insbesondere die Suspend-Modi. Insgesamt halte ich das Notebook aber für empfehlenswert, um es unter Linux zu betreiben. Nicht zuletzt sei auch auf die zahlreichen weiteren Installationsanleitungen für dieses und ähnliche Geräte verwiesen, die sehr viele nützliche Informationen enthalten. tuxmobil.de und tuxmobil.org bieten hier eine große Übersicht.

TuxMobil - Linux on laptops, notebooks, PDAs and mobile phones