Schon von weitem sichtbar, überragt der Turm der Klosterruine die Ortschaft Göllingen - letzte, freilich eindrucksvoller Rest der Anlage, die im Mittelalter von hoher Bedeutung für die Umgebung war. Denn das Benediktinerkloster, das wahrscheinlich im 10. Jahrhundert gegründet worden war und dem hessischen Hersfeld unterstand, war ein wichtiger kultureller und wirtschaftlicher Faktor
des Kyffhäusergebietes.Die Mönche betrieben Weinbau und Fischzucht und erwiesen sich in der Anlage des Wipperkanales nach Frankenhausen - für die damalige Zeit ein technisches Meisterwerk - auch als tüchtige Ingenieure.

1525 von den aufständischen Bauern geplündert, wurde das Kloster 1571 aufgehoben und in eine Domäne umgewandelt, die seit dem Westfälischen Frieden (1648) als Besitz von Hessen - Kassel im Dorf lag, das wiederum den Schwarzburgern gehörte.

Erst 1816 kam diese Enklave an Schwarzburg - Sondershausen. Mit der Geschichte des Göllinger Klosters eng verbunden ist die Gestalt des H I. Günther des Eremiten (9. Oktober). Der fromme Graf, dessen Geschlecht wahrscheinlich mit den frühen Schwarzburgern gleichzusetzen ist, trat in den Benediktinerorden ein und leitete zwei Jahre lang die Propstei von Göllingen, die von seiner Familie durch Stiftungen reich gefördert worden war. Danach zog er sich in die Einöde bei seinem Eintrittskloster Niederaltaich zurück; dort und in Ungarn gründete er weitere Klöster. Als Verwandter des Kaisers und Pate der böhmischen Herzogsfamilie vermittelte er in kriegerischen Konflikten beider Herrscher. Auch die Legende hat sich des heiligen Einsiedlers bemächtigt; sie berichtet von einem Besuch Günthers am Hof Stephans von Ungarn, mit dem der Eremit ebenfalls verwandt war. Beim festlichen Mahl wurde ein gebratener Pfau aufgetragen. Der Einsiedler hatte aber gelobt, sich des Fleisches zu enthalten. Sollte er sein Gelübde brechen oder seinen königlichen Gastgeber kränken? In seiner Not bat er Gott um Hilfe - und siehe, der Pfau wurde lebendig und flog davon. Nach der Umwandlung des Klosters in eine Domäne nahmen die Klosterbauten erheblichen Schaden; sie wurden im
17. Jahrhundert in ein Pächterhaus und Stallungen umgewandelt; über dem Friedhof der Mönche entstand die Schäferei. Die Klosterkirche diente als Steinbruch für eine neue Dorfkirche. Auch der Turm wurde zu landwirtschaftlichen Zwecken genutzt; er wurde zum Speicher, die Krypta zum Bierkeller. Außer den Grundmauern der Kirche, die z.Z. erforscht werden, blieb der spätromanische Westturm erhalten, der sich vom Viereck zum Oktogon wandelt; seine Mauern sind durch Rundbogenfriese und Lisenen gegliedert. Die quadratische Krypta wird von vier Säulen mit Würfel kapitellen getragen. Harmonie der Proportionen und Qualität der Steinmetzarbeit zeigen, welches Kleinod romanischer Architektur in Göllingen verloren ging.


Am Flußarm der Wipper, wo Windleite und Hainleite getrennt werden, liegt der Ort Göllingen, mit der höchsten Einwohnerzahl der VG "Kyffhäuser". Im Hersfelder Güterverzeichnis wurde er 786 Göll oder Gel-Teich genannt. Der Ort birgt ein wundersames Kleinod, den prächtigen Bau des Klosterturmes. Das Kloster des heiligen Wigbert nahm im Mittelalter einen hohen Stellenwert ein und wurde wahrscheinlich im 10. Jahrhundert gegründet. Die Mönche betrieben dort Weinbau und Fischzucht.

Etwa um die 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde die Kirche nach einem begabten, vielgereisten Baumeister errichtet. Der Turm ist bis heute noch erhalten und dient als Wahrzeichen des Ortes. Im Bauernkrieg 1525 wurde das Kloster z.T. zerstört. Nach dem 30jährigen Krieg wurde es in ein weltliches Leben umgewandelt, 1816 ging es an das Fürstenrum Schwarzburg-Rudolstadt über.

Der achteckige Klosterturm mit seiner 16-Säulen-Krypta ist von großer geschichtlicher Bedeutung für den Kyffhäuserkreis und für Deutschland überhaupt. Man müßte bis Spanien oder Sizilien reisen, um ähnliche Schönheiten zu finden.

Nicht weit vom Bahnhof Göllingen finden wir die Abzweigung der Kleinen Wipper, ein künstlicher Flußlauf, hier verschwindet der Flußarm in den Hanfenberg und fließt ca. 530 m durch einen Tunnel. Dieses technische Meisterwerk soll von Mönchen erbaut
worden sein, ein genauer Zeitpunkt ist nicht bekannt. Das älteste urkundliche Zeugnis stammt aus dem Jahre 1404.

Ungefähr 1 km vor Bendeleben tritt der Wipperarm wieder aus dem Berg und fließt in Richtung Barbarossa-Höhle nach Frankenhausen. Der Flußarm war für die Stadt von großem Nutzen für Mühlen und Siedehäuser.

Im November 1998 hatte das Hochwasser das Trennbauwerk zur Kleinen Wipper weggerissen, so daß die 17 km lange Kleine Wipper kein Wasser mehr erhielt. Nach umfangreichen Rekonstruktionsarbeiten konnte die neue Staumauer am 19.08.1999 wieder eingeweiht
werden.