next up previous contents index
Weiter: Gerhard Franz Langenbergs Söhne Nach oben: Die Baumeisterfamile Langenberg Zurück: Peter Theodor Langenberg   Inhaltsverzeichnis   Stichwortverzeichnis

Der Kirchenbaumeister Gerhard Franz Langenberg

Portrait Gerhard Franz Langenberg Gerhard Franz Langenberg wurde am 29. November 1842 morgens sieben Uhr als Sohn des Maurermeisters, Steinmetzen und Ziegeleibesitzers Peter Theodor Langenberg und dessen Ehefrau Christine Wilhelmine geborene Commeßmann in Xanten, Rheinstraße, Haus Nr. 235, geboren. Am 30. November, dem Donnerstag vor dem ersten Adventssonntag, taufte den Knaben der katholische Pfarrer Johann Theodor Theißen. Taufpaten waren Heinrich Commeßmann, ein Bruder der Mutter, und Elisabeth geborene Goßens, Frau des Gerhard Paßen aus Menzelen.

Gerhard Franz war zunächst Schüler seines Vaters und arbeitete in der Werkstatt hinter dem Hause als Steinmetz. Um die Jahrhundertwende gab es auf dem Xantener Friedhof noch Grabsteine von seiner Hand.

Vorübergehend soll er als Eleve unter der Oberleitung des Regierungs- und Baurates Karl Albert Krüger, geboren am 23. Februar 1803 in Potsdam, gestorben am 19. Juli 1875 in Wesel, eines Freundes der Familie Schinkel, und unter der örtlichen Bauleitung des Kreisbaumeisters Carl Cuno bei den Restaurierungsarbeiten am Xantener Dom beschäftigt gewesen sein. Die damalige Wiederherstellung der Stiftskirche St. Viktor inspirierte ihn, den Beruf eines Kirchenbaumeisters zu ergreifen. Bei der Bauhandwerkerprüfung hatte er folgende schriftliche Aufgabe erhalten: Entwurf einer gotischen Steinfassade für das Rathaus in Xanten. [107] Im Alter von zwanzig Jahren entwarf Franz Langenberg für den Bauunternehmer Mitlacher in Düsseldorf das erste Haus, und zwar in neugotischem Stil. Es wurde an der verlängerten Grün- und Steinstraße errichtet. Im Xantener "`Boten für Stadt und Land"' vom 11. April 1863 wird folgendes ausgeführt: "`Unser Landsmann F. Langenberg, Sohn des hiesigen Maurermeisters Herrn Th. Langenberg, hat den Plan zu einem im rein gothischem Style aufgeführtem Hause entworfen und den Bau desselben geleitet. Es freut uns, unseren Mitbürgern versichern zu können, daß erwähntes Gebäude eine der schönsten Zierden Düsseldorfs ist."' Anschließend wird aus einer Düsseldorfer Zeitung zitiert: "`Schade ist es, daß das herrliche Gebäude, das sich namentlich durch seinen an Schnitzwerk reichen Balkon auszeichnet, nicht auf einem freien Platz steht! Zu wünschen wäre es, wenn auch andere Baulustige ähnliche Gebäude aufführten, um so der fatalen Monotonie, unter der wir schon so lange zu leiden haben, ein Ende zu machen."' [108]

Der Kalkarer Vikar J.A. Wolff, der sich um die Erforschung der Kalkarer Pfarrkirche St. Nikolai sehr verdient gemacht hat, ließ 1868 den preußischen Hofphotographen Friedrich Brandt aus Flensburg an den Niederrhein kommen. Am 23. Juli nahm er unter Wolffs Leitung die Kunstwerke in der Kalkarer Pfarrkirche, im September diejenigen in der Xantener Stiftskirche St. Viktor auf. Von beiden Kirchen ließ Wolff auch Grundrisse anfertigen, die er dann durch Brandt photographieren ließ. In bezug auf Xanten schrieb Wolff: "`Den Grundriß habe ich eigens von einem Xantener Architecten machen lassen."' Unter der Skala liest man: "`aufg. u. gez. v. Franz Langenberg."' Friedrich Gorissen, der die Photographien entdeckt hat, führt zu dem Xantener Grundriß aus: "`Skala und Schrift helfen uns, den Zeichner des von Wolff seinem Buche beigelegten Grundrisses der Kalkarer Nikolaikirche als denselben Franz Langenberg zu bestimmen."' Auf einer der Photographien, und zwar auf derjenigen vom Kreuzganghof in Xanten, ist vor dem Hochkreuz Vikar J.A.Wolff und rechts daneben mit Pfeife Franz Langenberg zu sehen. [109]

Franzens Vater Peter Theodor Langenberg hätte es gerne gesehen, wenn sein ältester Sohn sein Baugeschäft übernommen hätte. Franz jedoch strebte nach Höherem. Nach Auseinandersetzungen mit seinem Vater wurde er Mitarbeiter des bekannten Kirchenbaumeisters Heinrich Johann Wiethase, geboren am 9. August 1833 in Kassel, gestorben am 9. Dezember 1893 in Köln, der seinerseits Schüler Ungewitters an der Kunstschule in Kassel war. Wiethase, ein Junggeselle, Schinkelpreisträger von 1861, der, obwohl er evangelisch war, hauptsächlich katholische Kirchen entwarf, sagte einmal zu Franz Langenberg: "`Sie sind durch nichts aus der Ruhe zu bringen."' Heinrich Wiethase, der sein Architekturbüro in Köln, Perlengraben 86, hatte, benötigte für seine Kirchenneubauten, Erweiterungen, Restaurierungen und Ausstattungen am Niederrhein einen örtlichen Bauleiter. Diese Aufgabe übernahm gegen Ende der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts Franz Langenberg.

Es folgen nun einige Bauten Wiethases, bei deren Ausführung Franz Langenberg als örtlicher Bauleiter mitwirkte:

  1. Hönnepel bei Kalkar, katholische Pfarrkirche St. Reginfledis: Heinrich Wiethase entwarf den steinernen Aufsatz auf dem Hochaltar in neugotischen Formen (1869/70).
  2. Duisburg-Ruhrort: Erweiterung der katholischen Pfarrkirche St. Maximilian (1869/71).
  3. Homberg; katholische Pfarrkirche St. Johann (1869-71).
  4. Wardt bei Xanten: Restaurierung der katholischen Pfarrkirche St. Willibrord.
  5. Vynen bei Xanten: Erweiterung der katholischen Pfarrkirche St. Martin durch zwei Querschiffarme (1870).
  6. Ginderich: Erweiterung der Pfarrkirche St. Maria durch eine Sakristei, eine Vorhalle an der Südseite und ein Treppentürmchen neben dem Westturm (1870).
  7. Spellen bei Voerde: Restaurierung der katholischen Pfarrkirche St. Peter (1872).
  8. Grieth: Ausstattung der katholischen Pfarrkirche St. Peter und Paul (1872/73).
  9. Duisburg: Katholische Pfarrkirche St. Joseph (1870 - 1874).
  10. Alpen: Katholische Pfarrkirche St. Ulrich (1873).
  11. Niedermörmter: Katholische Pfarrkirche St. Barnabas. Wiederherstellung des Turmgewölbes und der Orgelbühne (1874).
  12. Kevelaer: Restaurierung der Gnadenkapelle (1874).
  13. Haldern: Erweiterung der katholischen Pfarrkirche St. Georg durch Chor und Anschlußjoche (1874 - 1876).
  14. Menzelen: Restaurierung der katholischen Pfarrkirche St. Walburgis (1875).
  15. Veen bei Xanten: Katholische Pfarrkirche St. Nikolaus. Ausstattung, Mensa für den Hochaltar und ein Klappaltar.

Als Wiethases Mitarbeiter war Franz Langenberg mit Restaurierungs- und Ausstattungsarbeiten am Altenberger Dom in Odenthal betraut. Hier heiratete er am 29. April 1874 Sibylle Sturm, geboren am 17. Juni 1852 in Köln, gestorben am 13. Mai 1893 in Bonn. Dieser Ehe entstammten sechs Kinder: Sibylle, Julius, Theodor, Franz, Maria und Anna Maria, genannt Jenny. Die Tochter Sibylle heiratete 1896 den Kirchenbaumeister Johann Adam Rüppel, einen ehemaligen Mitarbeiter Franz Langenbergs. Die Söhne Julius, Theodor und Franz, deren Leben und Werk später dargestellt wird, wirkten seit 1904 als Architekten in Kassel, die Tochter Maria starb bereits im Jahre 1905, die jüngste Tochter Anna Maria (Jenny), heiratete mit 21 Jahren den Weseler Zeitungsverleger Peter Jakob Ingendaay. 1874 bis zu seiner Eheschließung lebte Franz Langenberg im Kölner Pantaleonsviertel, 1875 wohnte er in Köln, Severinstraße 21, 1876 und 1877 in Köln, Unter Kahlenhausen 25/27, 1877 bis 1882 in Melaten bei Köln, 1882 bis 1884 im Weinhaus Bellinghausen in Königswinter, 1885 bis 1888 in Bonn, Breitestraße 37c, Ecke Paulstraße, jetzt Nr. 87, 1888 bis zu seinem Tode im Jahre 1895 im Hause Bonn, Rheinwerft 23c. Er starb, bevor er sein im Bau befindliches neugotisches Haus in der Rosenstraße beziehen konnte.

Schloss Drachenburg Königswinter Schloss Drachenburg 6 In den Jahren von 1882 bis 1884 erbaute Franz Langenberg zusammen mit den in Düsseldorf ansässigen Architekten Bernhard Tüshaus, geboren am 27. November 1846 in Münster, gestorben am 19. Januar 1909 in Düsseldorf, und Leo von Abbema, Tüshausens Schwager, geboren am 12. August 1852 in Düsseldorf, sowie dem in Paris lebenden Kölner Architekten Wilhelm Hoffmann für den Baron Stephan von Sarter ein Traumschloß am Rhein, die Drachenburg in Königswinter. Sarter, geboren am 20. Dezember 1833 als Gastwirtssohn in Bonn, siedelte als Börsenmakler 1856 nach Paris über und gehörte bald, da er ein Finanzgenie war, den Kreisen der Pariser Hochfinanz an und befreundete sich, weil er sich intensiv mit den Suezkanalaktien beschäftigte, mit Ferdinand de Lesseps. Sarters hervorragendste Leistung war die Mitbegründung und Finanzierung des Panamakanalunternehmens. Im Jahre 1881 wurde Sarter gegen eine Summe von 40.000 Mark vom Herzog Georg von Sachsen-Meiningen in den Freiherrnstand erhoben. Sarter starb Ostern 1902 in Paris, wurde jedoch auf dem Königswinterer Friedhof beigesetzt. Sarter hatte am Fortgang der Arbeiten lebhaften Anteil genommen. In der Frankfurter Zeitung steht 1884 zu lesen: "`Die Leitung des Baues und die innere Ausstattung übertrug der kunstsinnige Bauherr, der sich um jede Einzelheit des Unternehmens kümmerte und an der gelungenen Ausführung des Ganzen sehr wesentlichen Anteil hat, dem im Dekorativen höchst erfindungsreichen und geschmackvollen Baumeister Franz Langenberg in Köln."' Die Ausführung des Baues der Drachenburg oblag dem Königswinterer Maurermeister Scheidgen, dessen fachliche Tüchtigkeit Sarter sehr schätzte. [110]

Da die Bauleitung die Anwesenheit Franz Langenbergs in Königswinter erforderlich machte, quartierte er sich im Hotel und Weinhaus Bellinghausen ein, das er auch durch neue Restaurationsräume erweiterte, die jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg der Spitzhacke zum Opfer fielen.

1884 erbaute Franz Langenberg für den Commerzienrat Arthur Camphausen (1839 - 1921), Bankier in Köln, in Mehlem eine Villa (Villa bella Vista) und 1895 einen Gartenpavillion.

Hirschburg Luftbild 01 Die Errichtung des Schlosses Drachenburg regte den aus Düsseldorf stammenden Rentier Jakob Hubert Biesenbach, Sarters Schwager, der mit dem Baron nicht nur verwandt, sondern auch eng befreundet war, an, eine eigene schloßähnliche Villa am westlichen Hang des Hirschberges oberhalb der Drachenfelser Fahrstraße zu bauen. Der in der Flur "`Vor der Hirschburg"' von Franz Langenberg errichtete Prachtbau ist wie die Drachenburg in neugotischem Stil erbaut worden. Während die Außenhaut der Drachenburg ausschließlich aus rotem Sandstein besteht, ist die Hirschburg mit gelben Verblendsteinen verkleidet. Die dekorativen Architekturelemente sind jedoch auch hier in Buntsandstein gestaltet worden. Biesenbach erwarb die Parzellen am Hirschberg 1883. Mit dem Bau muß 1884 begonnen worden sein. Im Frühjahr 1885 berichtete die "`Kölnische Volkszeitung"' über die in letzter Zeit in Königswinter entstandenen Neubauten und wies dabei auf das Schloß Drachenburg und die Hirschburg hin.

Da die Versorgung der Hirschburg mit Brunnenwasser unzureichend war, legte Biesenbach 1886 von dem auf Sarters Grund und Boden liegenden Bergbronnenquell eine Wasserleitung an, die weite Strecken über Sarters Eigentum verlief. Das führte dazu, daß Sarter und Biesenbach sich verfeindeten. Das "`Echo des Siebengebirges"' führte am 12. Dezember 1900 folgendes aus: "`Das neben der Drachenburg gelegene Besitztum, die Hirschburg, gereicht dem Gebirge zur Zierde. Auch diese Verschönerung ist das Werk eines Privaten; Herr Jakob Biesenbach hat vor etwa 15 Jahren dieses Schlößchen erbaut und ehedem unbeachtetes Waldgelände in herrlich wertvolle Anlagen umgestaltet. Nicht allein dem Besitzer, sondern jedem naturverständigen Besucher des Siebengebirges gereicht der Anblick des aus üppigem Waldgrün hervorlugenden Schlößchens zur Freude."' Am 20. April 1900 verkaufte Biesenbach für 225000 M die Hirschburg an den Kölner Kommerzienrat Gustav von Mallinckroth. Dessen Erben veräußerten das Schlößchen am 27. April 1910 an den in Köln-Mülheim ansässigen Kommerzienrat Paul Charlier für 315000 M, von dem am 24. Mai 1939 die Mannesmann-Röhrenwerke die Villa erwarben, die hier ein Erholungsheim für ihre Mitarbeiter einrichteten. [111]

1885 entwarf Franz Langenberg ein Schloß, das in Verviers, Belgien, gebaut wurde.

Wintermuehlenhof Koenigswinter 1886/87 nahm er für Ferdinand Mülhens (4711) am Wintermühlenhof in Königswinter umfangreiche Um- und Neubauten in neugotischem Stil vor, nachdem er bereits 1875 in Köln-Ehrenfeld für die Firma Mülhens ein Fabrikgebäude errichtet hatte.

Im Jahre 1886 baute er in Dollendorf das Haus Flemming.

Bonn Klais Orgelbau 622 Für seinen Freund, den Orgelbaumeister Johannes Klais (1852-1925), entwarf er das Wohn- und Fabrikgebäude an der Kölnstraße in Bonn.

Bereits im Jahre 1882 hatte Franz Langenberg in Rheinbach sein erstes Konvikt gebaut, das 1890 erweitert wurde. [112]

Schon im Jahre 1879 hatte Langenberg Pläne für die Kirche St. Michael in Duisburg-Meiderich geliefert, nach denen die Kirche von 1883 bis 1885 errichtet wurde. [113]

Er legte auch Pläne für den Bau der Kirche St. Marien im Bonner Norden vor. Die Initiative zur Errichtung dieser Kirche ging von dem Fabrikanten Greve-Stirnberg und vier anderen Privatleuten aus. Der Vorsitzende des Marienbauvereins, der geistliche Religionslehrer am städtischen Realgymnasium Joseph Carl Maria Prill, geboren am 9. Juni 1852 in Beuel, legte ebenfalls Pläne vor, die den Entwürfen Langenbergs vorgezogen wurden. Prill hatte als Autodidakt schon vorher die Beueler Kirche St. Joseph entworfen. Er starb am 8. Oktober 1935 in Haus Hollenberg bei Lohmar. Die Ausführung des Kirchenbaus lag in den Händen des Bauunternehmers Joseph Strecke, geboren am 25. April 1835 in Hassitz (Schlesien), gestorben am 20. April 1896 in Bonn. Die Grundsteinlegung erfolgte am 14. August 1887. [114]

1887 bis 1891 leitete Langenberg die Wiederherstellung der Kirche und des Klosters in Pützchen nach einem Brand am 23.07.1887.

St. Sebastian (Bonn-Poppelsdorf) SW St. Sebastian (Bonn-Poppelsdorf) Innenansicht St. Sebastian (Bonn-Poppelsdorf) N Da die Poppelsdorfer Kapelle von 1812 bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts den Erfordernissen nicht mehr entsprach, gründete der Kaplan Franz Anton Weiser am 2. November 1863 einen Kirchenbauverein, der am 5. Oktober 1881 für 20656,95 Mark das Kirchengrundstück an der heutigen Kirschallee erwarb. Dadurch, daß der Verein weitere 15000 Mark bereitstellte, ermutigte er den Kirchenvorstand, am 7. Oktober 1887 zu beschließen, eine neue Kirche zu bauen. Der Entwurf Franz Langenbergs wurde am 16. Juni 1888 genehmigt. Der Baumeister sah für den ersten Bauabschnitt, der 840 qm umfaßte, Kosten in Höhe von 73000 Mark vor. Am 23. September 1888 wurde durch den Herrn Oberpfarrer Neu unter Assistenz des Pfarrektors Theodor Hubert Hürth (1841-1903) der Grundstein gelegt, nachdem die Mauern die Sockelhöhe bereits erreicht hatten. Am 28. September 1890 war der erste Bauabschnitt vollendet. Die Baukosten dieses Bauteiles betrugen 71891,18 Mark. Am 16. September 1896 nahm der damalige Weihbischof und spätere Erzbischof von Köln Antonius Fischer die feierliche Konsekration vor, nachdem die Rektoratskirche am 20. Juni 1893 zur Pfarrkirche erhoben worden war. Nach Langenbergs Entwurf für die Kirche St. Sebastian in Poppelsdorf, das am 1. Juni 1904 nach Bonn eingemeindet wurde, war eine dreischiffige Basilika im Übergangsstil mit fünf Langhausjochen, einem Querschiff und einem vorgesetzten Turm, zwei oktogonalen Glockengeschossen auf quadratischem Unterteil, vorgesehen. Weil die Mittel nicht reichten, konnten 1890 nur drei Langhausjoche gebaut werden. An Stelle eines Turmes mußte sich die Gemeinde mit einem Dachreiter begnügen, der die drei kleinen Glocken der alten Sebastianskapelle aufnahm. Er wurde im Jahre 1952 entfernt. Als um die Jahrhundertwende die finanzielle Situation der Gemeinde es erlaubte, die Kirche zu vergrößern und zu vollenden, beschloß der Kirchenvorstand unter Pfarrer Anton Pattoni (* 27. 5. 1852 in Jülich, + 28. 11. 1935) auf einer Sitzung am 13. Juni 1904, den Kölner Regierungsbaumeister Heinrich Krings (* 2. 8. 1857 in Köln, + 8. 1. 1925 in Köln) die Vollendung der Kirche zu einer Bausumme von 110000 Mark zu übertragen. Sein Vorentwurf, der eine Erweiterung der Kirche um ein Joch und eine Doppelturmanlage mit einem 56 m hohen Turm auf quadratischem Grundriß mit achteckigem Turmhelm und einem kleinen oktogonalen Turm vorsah, gefiel der Baukommission der Gemeinde. In einer Erläuterung zum Erweiterungsbau vom 15. Juni 1904 begründete der Regierungsbaumeister seinen Entwurf damit, daß die Kirchengemeinde ein großes Geläut, eine geräumige Orgelempore und einen Proberaum für den Kirchenchor wünsche. Seine Skizze schließe sich "`notgedrungen an die bisherigen Formen an, die an die Backsteingotik der hannoverischen Schule des vorigen Jahrhunderts durchgeführt sind, wobei eine den rheinischen Verhältnissen mehr angepaßte Detailbildung Platz greifen soll."' In Wirklichkeit hat sich Franz Langenberg weniger von den Architekturtheorien der hannoverischen Schule und ihres Hauptvertreters Konrad Wilhelm Hase (1818 - 1902), der sich für die Wiederbelebung der norddeutschen Backsteingotik einsetzte, beeinflussen lassen als vielmehr von der Backsteingotik seiner niederrheinischen Heimat, die er bei Restaurierungsarbeiten sehr genau kennengelernt hatte. Als Kölner wird Krings, die reichdetaillierte Natursteinaußenhaut des Kölner Domes vor Augen, weniger Verständnis für Backsteinbauten, die auf Grund des Materials nur in beschränktem Umfang eine Detailbildung zulassen, aufgebracht haben als ein Baumeister vom Niederrhein. Der Architekt Paul Vosen (* 16. 6. 1845, + 16. 10. 1911 in Bonn), der allein in der Südstadt 22 Wohnhäuser errichtete, hat in einem Gutachten vom 16. Februar 1906 Bedenken gegen Kringsens Erweiterungspläne vorgebracht. Darin heißt es: "`Die an den Glockenturm angebrachten Fialen gehören nicht hierher, ebenso die weitausladenden Strebepfeiler. Ganz besonders aber ist es der unschöne Helm des Glockenturmes, welcher fremdartig in Erscheinung tritt und im Widerspruch mit den Architekturformen des vorhandenen Baues steht. Auch die Formgebung des Treppenturmes ist nicht schön."'

Trotz dieses Gutachtens hielt der Kirchenvorstand an den Plänen des Kölner Regierungsbaumeisters fest. Krings genoß in Köln hohes Ansehen. In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts hatte er auf dem Salier- und dem Hohenzollernring prunkvolle Wohnhäuser im Stile der Neurenaissance errichtet. Auch das Gebäude des Euskirchener Gymnasiums ist sein Werk. In bezug auf den Kirchenbau hatte er sich mit den Kirchen St. Pantaleon in Brühl-Badorf und St. Matthias in Neuwied einen Namen gemacht. Der Erweiterungsbau der Kirche St. Sebastian, der in den Jahren 1908/09 errichtet wurde, hat wie der ältere Bauteil eine Außenhaut aus roten Verblendsteinen. Säulen, Fialen, Abdeckungen und Wasserschläge sind aus Tuffstein hergestellt worden, während im älteren Bauteil kein Naturstein Verwendung fand. [115] Wenige Jahre nach dem Bau der Kirche St. Sebastian wurde die Verwendung der roten und gelben Verblender entschieden abgelehnt. So schrieb im Jahre 1913 der Architekt Aloys Böll, ein Onkel des Schriftstellers Heinrich Böll: "`Die gewöhnlichen, zumeist als Kernbaustoff verwendeten Ziegelsteine oder knallroten oder zitronengelben häßlichen Verblendsteine haben leider vielen Kirchen ein wirklich abschreckendes Äußere gegeben."' [116] Wenn man die Kirche St. Sebastian betritt, fällt der Blick auf den polygonalen Chor mit fünf großen Rundbogenfenstern, der fünf Seiten eines Zehnecks zeigt. Kräftige, gedrungene Rundsäulen mit Blattknospenkapitellen aus Terrakotta tragen die Längsseiten des Hauptschiffes. Die Säulen aus roten Backsteinen waren ursprünglich unverputzt. Manchen Gläubigen erschien die Kirche später zu rot, so daß der Kirchenvorstand am 17. Juli 1914 beschloß, die Backsteinsäulen mit einem Muschelkalküberzug zu versehen. Unverputzte Säulen aus gelben Verblendern sind heutzutage noch in Langenbergs Niederkasseler Kirche zu sehen. Am Obergaden über den Spitzbogen der Arkaden und den Blendtriforien lassen Fächerfenster Tageslicht einfallen. Die rechteckigen Langschiffjoche weisen Kreuzrippengewölbe auf. Die Joche sind durch Rippen voneinander getrennt. Die roten Ziegelsteinrippen sind unverputzt. Rote Ziegelsteine sind ebenfalls am markanten Triumphbogen vor dem Chor, wo früher ein Triumphkreuz hing, an den Triforien und den Arkaden sichtbar. Franz Langenberg hat bei mehreren Kirchen im Inneren Verblendsteine unverputzt in Erscheinung treten lassen. Das Sterngewölbe der Vierung ist durch Gurte eingerahmt. Die Kompartimente der Seitenschiffe sind quadratisch und empfangen ihr Licht durch jeweils drei Spitzbogenfenster, einem großen in der Mitte und zwei kleinen links und rechts. Die Glasgemälde der Seitenschiffe, die erstaunlicherweise den Zweiten Weltkrieg überstanden haben, hat Pfarrer Hürth auf Grund einer frommen Stiftung 1897 bei Dr. H. Oidtmann in Linnich in Auftrag gegeben. Die Seitenschiffe enden in dreiseitigen Nebenchören. Auf jeder der beiden Querschiffassaden öffnet sich eine große Rosette über drei Spitzbogenfenstern. Diese Querschiffrosetten sind bei den meisten Kirchen Langenbergs festzustellen. Franz Langenberg hat nicht nur den Kirchenbau selbst entworfen, sondern auch die Ausstattung: den Hauptaltar, die Kommunionbank, die Kanzel, die Beichtstühle und das Orgelgehäuse. Der Hauptaltar, der 5000 Mark kostete, und die Kanzel wurden 1891 von Karl Esser aus Aachen angefertigt. Die Figuren des Hauptaltares stammen vermutlich vom Kölner Bildhauer Joka, der mit Esser zusammengearbeitet hat. Joka schuf auch die große Madonna mit Kind, Krone und Zepter, die 1891 der Gemeinde von einer Gönnerin geschenkt wurde. Sie stand ursprünglich im linken Nebenchor, heute steht sie auf einem Marmoraltar in der kleinen Hochkapelle am rechten Seitenschiff. Die Kommunionbank und die zwei Beichtstühle zu je 440 M wurden vom Bildhauer Nikola jr., Bonn, und den Schreinermeistern Liebertz und Heinrich Mirrenfeld aus Flerzheim ausgeführt. Hauptaltar und Kanzel wurden vor einigen Jahren entfernt, die Beichtstühle entdekoriert. Die 80 cm hohen Figuren der vier Evangelisten vom Hauptaltar, die wahrscheinlich vom Bildhauer Joka stammen, haben an der rechten Wand der Sakramentskapelle, die sich zur Rechten des Hauptchores befindet, Aufstellung gefunden. Die vier großen Eichentafeln der Kanzel, in welche die vier Evangelisten eingeschnitzt sind, hat man in den Schrank der Sakristei eingebaut. Aus der Zeit unmittelbar nach der Fertigstellung des ersten Bauabschnittes stammen auch noch folgende Ausstattungsstücke und Kultgegenstände: Statuen der hll. Antonius und Joseph, die vom Kölner Bildhauer Joseph Fink geschnitzt und vor 1900 erworben wurden, die vierzehn Kreuzwegstationen aus Terrakotta, die 1892 in der Kunsthandlung Th. Schülter in Köln, dem St. Josephsinstitut für kirchliche Kunst, bestellt wurden, sowie den achteckigen Taufstein aus belgischem Granit, den die Gemeinde 1894 bei der westfälischen Marmor- und Granitfirma G.Dassel in Allangen erwarb.

Am 1. Oktober 1975 genehmigte das Erzbistum eine Restaurierung der Kirche, die vom Dechanten Gregor Neumann mit Umsicht und Verständnis für die Kunst des Historismus durchgesetzt worden ist. Die Durchführung der Restaurierung oblag dem Architekten Toni Kleefisch, Bonn. [117]

Bonn-Dottendorf, St. Quirinus 4 In denselben Jahren erbaute Franz Langenberg die katholische Pfarrkirche St. Quirinus in Dottendorf, das seit 1904 nach Bonn eingemeindet ist. Am 19. August 1888 wurde der Grundstein gelegt. Die Urkunde über die Grundsteinlegung hat folgenden Wortlaut:

In nomine sanctissimae et individuendae Trinitatis Anno Domini millesimo octingentesimo octuagesimo octavo Dominica XIII. post Pentecostem, die nono decimo Augusti Pontificatu S.s. Leonis , Pp.XIII., Guilelmo II. Germaniae imperatore, Borussiae rege, Rev. et Illustr. Dom. Philippo Krementz archiepiscopo Coloniensi, Rev. D. Carolo Neu, Parocho ad S.Martinum Bonnae decano ruri, Josepho Pleimes, Parocho in Dottendorf, lapis primarius novae ecclesiae in Dottendorf benedictione peracta hic positus est. In cuius memoriam hoc documentum parochiali sigillo signatum manu propria subscribsimus.
Josephus Pleimes, parochus in Dottendorf Augustinus Altengarten, Parochus in Friesdorf

Im März des Jahres 1890 war der Bau fertiggestellt. Am 4. Mai 1890 weihte Herr Dechant Neu die Kirche ein. Am 23. Juli 1891 vollzog Weihbischof Antonius Fischer die feierliche Konsekration.

Die Kirche St. Quirinus ist wie die Pfarrkirche St. Sebastian in Poppelsdorf eine dreischiffige Basilika im Übergangsstil mit Querschiff. Der 37,40 m hohe Turm ist vorgesetzt. Durch das Hauptportal im Turm betrat man früher die Kirche. Als in den Jahren 1966 bis 1968 die Kirche durch Werner Ingendaay, einen Enkel Franz Langenbergs, erweitert wurde, verlegte der Architekt das Hauptportal in den Erweiterungsbau und ließ das ehemalige Hauptportal durch eine durchbrochene Betonmauer schließen. Der Chor, fünf Seiten eines Zehnecks, hatte fünf große Rundbogenfenster. Dem Chor entsprechend, schlossen die Querflügel im Fünfeck ab. Diese Lösung kommt bei den anderen Kirchen Langenbergs nicht vor. Im Zuge der Erweiterung wurden der Chor und die rechte Seitenapsis abgerissen und die linke Seitenapsis zum Altarraum umgestaltet. Im erhaltenen Hauptschiff fällt der Stützenwechsel zwischen scharfkantig gegliederten Pfeilern und Säulen auf. Das Mittelschiff hat im Obergaden an jeder Seite zwei Fächerfenster, die Seitenschiffe haben je vier Rundbogenfenster. Die äußere Länge der Kirche betrug vor der Erweiterung 30 m, die Breite im Querschiff 19 m, im Langhaus 13 m. Die Kirche kostete im Rohbau 36000 M. Die Ausführung oblag dem Maurermeister Jakob Fischer. "`Überhaupt ist die gesamte Anlage bei aller Einfachheit auf möglichste Mannigfaltigkeit in der Formbildung berechnet. Sie wird stark belebt durch Verwendung gelber Verblendsteine an den Pfeilern, Gurten und Gewölberippen sowie im Äußeren an den Fensterbrüstungen."' Die Innenausstattung schuf der Aachener Bildhauer Karl Esser. [118] Bereits im Jahre 1889 plante Franz Langenberg die Erweiterung der Kirche St. Martin in Rheinbach, die jedoch erst 1904/05 durch seinen Schwiegersohn Johann Adam Rüppel ausgeführt wurde.

Collegium Albertinum Bonn 2008-07-20 01 In den Jahren 1890 bis 1892 leitete Franz Langenberg den Bau des Bonner Theologenkonviktes Collegium Albertinum. Während des Kulturkampfes war im Jahre 1875 das Bonner Konvikt geschlossen worden. 1887 wurde es neu gegründet. Zu Beginn des Wintersemesters 1887 konnten die ersten Theologen in das Haus der Jesuiten am Hofgarten einziehen. Erster Leiter des neuerrichteten Konviktes wurde Dr. Franz Düsterwald, der viele Jahre Kaplan an St. Alban in Köln gewesen war. Bei der Suche nach einem für eine größere Zahl von Theologiestudenten geeigneten Gebäude hatte man keinen Erfolg. Die Leitung des Erzbistums faßte nun den Entschluß, einen Neubau zu errichten. Am 18. Februar 1889 konnte mit den Eheleuten Schaaffhausen ein Kaufvertrag für ein zwischen Koblenzer Straße (heute Adenauerallee) und Rheinufer gelegenes Grundstück abgeschlossen werden. Johannes Richter, genannt Jodokus, Eisenbahnbau- und Betriebsinspektor, geboren am 1. April 1842 als zweiter Sohn eines angesehenen Arztes in Koblenz, schuf im Jahre 1889 zwei Entwürfe für das Konvikt, von denen der zweite angenommen wurde. Richter starb plötzlich nach der Fertigstellung seines zweiten Entwurfes in der Nacht vom 31, Dezember 1889 zum 1. Januar 1890 in seiner Bonner Wohnung Schillerstraße 1 (heute Johannes-Henry-Straße), nachdem er vier Jahre vorher sein Amt als Stadtbaumeister in Aachen, das er nur kurze Zeit innehatte, niedergelegt hatte. Er fand seine letzte Ruhestätte auf dem alten Kessenicher Friedhof, wo sein Grabdenkmal heute noch zu sehen ist.

Richter hatte sich nicht nur durch den Bau des Neusser Bahnhofs und der Bahnhöfe der Bonn-Euskirchener Strecke, die er im Stile hochgiebliger rheinischer Bauernhäuser entwarf, sondern besonders durch den Entwurf der Pfarrkirche St. Nikolaus in Kessenich einen Namen gemacht. [119] Nach Richters Tode erhielt Franz Langenberg den Auftrag, Richters Entwurf zu überarbeiten und die Bauleitung zu übernehmen. Philipp Krementz (1819 - 1899), der damalige Erzbischof von Köln, der vorher Bischof von Ermland in Ostpreußen gewesen war, hatte eine Vorliebe für die ostpreußische Backsteingotik. Ihm schwebte die Idee einer "`Gottesburg am Rhein"' vor, ähnlich der berühmten Marienburg des Deutschen Ritterordens an der Nogat in Westpreußen. Der Erzbischof legte Franz Langenberg nahe, Stilelemente der ermländischen Backsteingotik in seinem Entwurf zu berücksichtigen. Auch sollten Konvikt und Kirche durch einen Gebäudeteil miteinander verbunden werden. [120] 1890 erfolgte die Baueingabe nach den Plänen Franz Langenbergs. Während Richter ein geschlossenes Quadrum vorgesehen hatte, wurde eine u-förmige Anlage ausgeführt. [121] Am 4. Mai 1890 nahm Weihbischof Antonius Fischer die Grundsteinlegung vor. "`Es erfolgte zunächst die Segnung des Grundsteines und der Fundamente durch den Herrn Bischof, Verlesung der Einweihungsurkunde durch den Herrn Director Düsterwald und Unterzeichnung derselben durch den Herrn Bischof, die Geistlichkeit und den Erbauer des Convictes, Herrn Architekten Langenberg."' [122] Die Ausführung des Baues hatten die Maurermeister Kümpel und Krämer übernommen. [123] Am 28. April 1892 konnte die Kapelle benediziert werden, am 8. Mai desselben Jahres wurde das Konvikt durch den Erzbischof Dr. Krementz und den Weihbischof Dr. Fischer feierlich eröffnet. Zum Sommersemester 1892 bezogen die ersten Studenten das neue Konviktsgebäude, das bereits im Jahre 1891 Albertus Magnus als Patron erhalten hatte. Die Konsekration der Kapelle durch den Erzbischof Krementz erfolgte am 3. Mai 1894 (dem Fest Kreuzauffindung) auf den Titel des Heiligen Kreuzes. Bereits am 24. Januar 1896 berichtete die Deutsche Reichszeitung, daß das erzbischöfliche Konvikt durch einen bedeutenden Anbau erweitert worden sei. Der Entwurf zu dem südlich anschließenden Erweiterungsbau stammt wieder von Franz Langenberg. Nach dessen Tode lag die Ausführung in den Händen seines Schwiegersohnes Johann Adam Rüppel. In den Jahren 1898/99 wurden durch Franz Statz (1848 - 1930) die Seitenflügel um jeweils fünf Achsen erweitert.

In denselben Jahren leitete Franz Langenberg den Bau des Marienhospitals auf dem Venusberg bei Bonn. Im Jahre 1881 waren auf Veranlassung des damaligen Poppelsdorfer Pfarrverwesers Theodor Hubert Hürth (1841 - 1903) Schwestern aus dem Orden der armen Franziskanerinnen von der ewigen Anbetung aus Olpe i.W. nach Poppelsdorf gekommen, um den neugegründeten Kindergarten zu leiten. Nachdem ein edler evangelischer Herr namens Rudolf Jung den Franziskanerinnen am Hange des Venusberges ein Grundstück zum Bau eines Hospitales und 6000 M geschenkt hatte, konnte am 6. Juli 1890 der Grundstein für das Krankenhaus, das der Aachener Architekt Joseph Hürth entworfen hatte, gelegt werden. Am 25. März 1892 wurde das Haus eingeweiht und am 1. Mai 1892 eröffnet. Das Hauptgebäude ist 32 m lang und 16 m breit. Das Spital hatte damals Raum für 180 bis 200 Patienten. Bald erwies sich das Krankenhaus als zu klein, so daß bereits 1896 Seitenflügel erbaut wurden. 1904 kam der große Antoniusbau hinzu. Im Jahre 1913 nahmen 3500 Patienten das Krankenhaus in Anspruch. Am 13. Mai 1914 legte der Poppelsdorfer Pastor Anton Pattoni den Grundstein zur verhältnismäßig großen Krankenhauskirche, die der Architekt August Scheidgen, geboren 1866 in Rheinbreitbach, gestorben 1948 in Bonn, ein Schüler des Mainzer Diözesanbaumeisters Ludwig Becker, entworfen hatte. Scheidgen hatte sich durch Kirchenbauten in Polen und Brasilien einen Namen gemacht. Im Jahre 1926 erweiterte Scheidgen das Hospital. Damals entstand der große spitzbogige Pforteneingang. Am 10. Juni 1927 wurde das Krankenhaus feierlich wiedereröffnet. [124]

Vochem-Sankt-Matthäus-b Im Oktober 1890 entwarf Franz Langenberg die katholische Pfarrkirche St. Matthäus in Brühl-Vochem, die in den Jahren 1892 bis 1894 gebaut wurde. Bei dieser Kirche handelt es sich um eine in Feldbrandziegeln ausgeführte dreischiffige neugotische Hallenkirche mit vorgesetztem axialem Westturm und einem Chorpolygon aus fünf Seiten eines Achtecks. Der unten quadratische Turm ist im oberen Teil in ein achteckiges Glockengeschoß übergeführt, das einen spitzen achtseitigen Turmhelm trägt. Das Langhaus weist zwei Joche auf. Das Gewölbe wird von roten Sandsteinsäulen getragen, deren Kapitelle mit Blattwerk besetzt sind. Die Gewölberippen bestehen aus gelben Verblendsteinen. Die zweibahnigen Spitzbogenfenster zeigen eine Vierpaßbekrönung. Das schmale Querschiff mit Rosette wurde 1963 im Zuge einer Erweiterung abgerissen. Der Architekt Hans-J. Lohmeyer ersetzte es in den Jahren 1963 bis 1965 durch ein breites Querschiff, das schlecht zum übrigen Bau paßt. [125]

Turm St. Anna Hellenthal (Eifel) 1892 erbaute Franz Langenberg die neugotische Pfarrkirche St. Anna in Hellenthal (Eifel). Als die alte Hellenthaler Dorfkirche die große Zahl der Gläubigen nicht mehr aufnehmen konnte, mußte man den Bau einer neuen Kirche ins Auge fassen. Im Jahre 1886 bot sich die Möglichkeit, das Grundstück des früheren Gasthauses Ley zu erwerben. Durch Spenden und Kollekten wuchs alsbald der Kirchenneubaufond heran, so daß unter Inanspruchnahme einer Anleihe im Juli 1892 mit dem Bau begonnen werden konnte. Schon am 4. Oktober 1894 konnte der Kölner Weihbischof Hermann Joseph Schmitz das neue Gotteshaus einweihen. Am 12. und 13. Oktober 1944 verursachte alliierter Artilleriebeschuß schwerste Schäden. Zu Beginn der 50er Jahre wurde ein Kirchenneubau errichtet. Die unbeschädigten Teile der alten Kirche, Turm und Chor, wurden in den neuen Baukörper einbezogen. [126,127]

Witterschlick(Alfter)St.Lambertus89 Er fügte der katholischen Pfarrkirche St. Lambertus in Witterschlick, die 1875 bis 1877 von Jacob Neumann erbaut worden war, Turm und Orgelempore an.

1892 entwarf Franz Langenberg den Turm der Kirche St. Bartholomäus im heutigen Köln-Urbach, der aber erst 1899 gebaut wurde.

Niederkassel StMatthaeus2 Die von Franz Langenberg erbaute katholische Pfarrkirche St. Matthäus in Niederkassel (Rhein-Sieg-Kreis) ist wiederum eine dreischiffige Basilika im Übergangsstil von 30 m lichter Länge und 15,5 m Breite mit Querschiff und einem polygonalen Chor, den fünf Seiten eines Zehnecks, mit fünf großen Rundbogenfenstern, über denen sich zwischen den Rippen des Chorgewölbes noch fünf Vierpaßfenster zeigen, die ihr Licht durch eine Zwerggalerie im Äußeren erhalten. An der Querschiffassade fällt die große Rosette auf. Bei Säulen, Diensten, Vorlagen, Gurtbogen und Rippen treten die gelben Verblendsteine unverputzt in Erscheinung. Die im Äußeren unverputzte Feldbrandsteinkirche ist dadurch abwechslungsreich gestaltet, daß die Portale, die Blendbogen, die Zwerggalerie, die Einfassung der Rosetten, die Abdeckungen, die Wasserschläge und der Rundbogenfries unter der Traufe durch gelbe Ziegel vom braunen Mauerwerk abgesetzt sind. Die Lisenen jedoch, die die Außenwände gliedern, sind in Feldbrandsteinen gemauert. Die Kirche ist an einen mächtigen romanischen Turm aus der Mitte des 12. Jahrhunderts, der mit einer steilen gotisierenden Schieferpyramide gedeckt ist, angegliedert. Die Grundsteinlegung zur neuen Kirche, mit deren Bau im Juni 1893 begonnen wurde, erfolgte am 16. Juli 1893 durch die Weihe des Grundsteines, die Herr Dechant Brenner vornahm. Am 30. Juli 1894 wurde die Kirche durch Weihbischof Dr. Schmitz feierlich konsekriert. [128]

Lengsdorf(Bonn)St.Peter Eine schwierige denkmalpflegerische Aufgabe hatte Franz Langenberg bei der Erweiterung der alten romanischen Pfarrkirche St. Petri Kettenfeier im heutigen Bonn-Lengsdorf, die aus der Zeit zwischen 1230 und 1240 stammt, zu lösen. Da das linke Seitenschiff fehlte, lag es nahe, die Kirche durch den Anbau eines zweiten Seitenschiffes zu vergrößern. Maaßen, der bereits genannte Pfarrer und Historiker, hielt es für anerkennenswert, daß Langenberg die Erweiterung dem Charakter der älteren Bauteile entsprechend ausgeführt habe. "`Das neue Seitenschiff ist vollständig dem alten gleichförmig bis zu dem Kreuzgewölbe und den Muschelfenstern. Wie die älteren Bautheile ist auch das neue Seitenschiff nach außen mit schönen Tuffsteinen verkleidet, wodurch das monumentale Aussehen des Bauwerkes gehoben wird.... Es ist das Verdienst Langenbergs, das Alte respektiert und nach dem Muster des Vorhandenen weitergebaut zu haben. Wir möchten die schöne romanische Kirche auch anderen Architekten als mustergültiges Denkmal mittelalterlicher Kunst zu sorgfältiger Beachtung bei eventuellen Neubauten empfehlen."' Die Bauarbeiten, die 8040 Mark kosteten, wurden im Jahre 1894 beendet. Die Ausführung des Erweiterungsbaues oblag dem Maurermeister Kolvenbach. Für die Lengsdorfer Pfarrkirche entwarf Franz Langenberg auch die beiden Nebenaltäre, den Marien- und den Josephsaltar. [129]

Im Jahre 1891 plante Langenberg eine Restaurierung der Doppelkirche in Schwarzrheindorf, die jedoch erst nach seinem Tode im Jahre 1902 durchgeführt wurde. 1892 leitete er die innere Ausgestaltung der Kapelle des Johanneshospitals. Die Ausführung lag in den Händen eines Meisters Schäfer. [130]

Im selben Jahr legte er den Entwurf für den Hochaltar der Bonner Stiftskirche vor. [131] Zu diesem Altar führt Heinrich Lützeler folgendes aus: Thema: Eucharistie. Mitte: Christus als König und Herz Jesu. Rechter Flügel: Abendmahl Christi mit seinen Jüngern (Matth. 26, 20 - 29). - Darunter: Abram trifft mit dem Priesterfürsten Melchisedek von Salem zusammen. Dieser brachte Brot und Wein aus der Stadt heraus, segnete Abram und gab ihm dann den Zehnten von allem. Melchisedek weist auf Jesus als den vollkommenen und ewigen Hohenpriester voraus (1 Moses 14, 18 - 20; Paulus: Brief an die Hebräer, Kap. 7). Linker Flügel: Emmausmahl (Lukas 24, 13 -35). In Emmaus offenbarte sich Christus am Abend des Auferstehungstages dem Kleophas und einem anderen Jünger. - Darunter: Moses bereitet das Paschamahl (2 Moses 12, 27). Pascha heißt: Vorübergehen, Verschonung. "`Der Herr ging in Ägypten an den Häusern der Israeliten schonend vorbei, während er die Ägypter sterben ließ."' Bei den Juden bezeichnet Pascha das Osterlamm, -mahl und -fest, das Ende März und Anfang April gefeiert wurde. Das Paschalamm durfte nur in Jerusalem im Tempel geschlachtet und unter genau vorgeschriebenen Zeremonien gegessen werden. So beging auch Jesus am Vorabend seines Todes das Paschamahl und setzte dabei nach dem Genuß des Osterlamms das Altarssakrament ein. Im aufgeklappten Zustand zeigt der Altar das Leiden Christi. [132] Ausgeführt wurde der Hochaltar von den Gebrüdern Oor in Roermond und dem Maler Windhausen.

Neben den Gotteshäusern in und um Bonn errichtete Franz Langenberg eine Reihe weiterer Kirchen, davon die meisten im Rheinland.

1893/94 entstand die neugotische Feldbrandsteinkirche St. Hubertus in Schaephuysen bei Moers am Niederrhein. Es ist eine Kirche mit vorgesetztem Turm auf quadratischem Grundriß. Die alte Kirche in Schaephuysen aus dem Jahre 1648 war in der Mitte des vorigen Jahrhunderts baufällig geworden und konnte zudem, da die Zahl der Gemeindemitglieder 1857 auf rund 1000 angewachsen war, die Gläubigen nicht mehr fassen, so daß beim Gottesdienst viele draußen stehen mußten. Die alte Kirche hatte eine Länge von 58, eine Breite von 37 und eine Höhe von 18 Fuß. Statt eines Gewölbes war sie mit einer flachen Decke versehen. Sie lag an der Stelle der Blumenbeete vor der jetzigen Kirche, und zwar mit dem Chor an der Stelle des neugotischen Kirchturmes. Der tatkräftige Pfarrer Schaffers veranlaßte den Kirchenvorstand auf einer Sitzung am 12. März 1857, einen Kirchenbauverein zu gründen. Am dritten Fastensonntag verkündete der Pfarrer diesen Beschluß der Gemeinde. 1859 hatte man schon 2350 Taler gesammelt. In jedem folgenden Vierteljahr bis 1864 bekam man ungefähr 276 Taler dazu. 1864 ließ die Spendenfreudigkeit plötzlich nach. Im selben Jahr erklärte Baron von der Leyen zu Blömersheim, Herr auf Schloß Leyenburg, er sei bereit, jedes Jahr hundert Taler zu geben, wenn die Kollekten wieder aufgenommen würden. Erst nachdem der Baron in den Jahren 1866 und 1867 der Gemeinde bedeutende Geschenke gemacht und sein Angebot von 1865 erneuert hatte. konnte der Pfarrer die Gemeindemitglieder bewegen, wieder mehr für den Kirchenbau zu spenden. Im Jahre 1876 vermachte eine Witwe Teilmans der Gemeinde in ihrem Testament 6000 M für den Kirchenbau. Im Jahre 1888 hatte man 52028 M zusammengespart. Im Jahre 1891 waren es 60000 M, die bis zum Ende des Kirchenbaues noch durch Zinsen und Geschenke auf 70000 M anwachsen sollten; darüberhinaus hatte man bereits 900000 Ziegelsteine. Man mußte jedoch feststellen, daß von diesen Steinen nur 417600 brauchbar waren. Da man aber 870000 brauchte, mußte man noch Ziegelsteine kaufen, und zwar 227900 Mauersteine, 204890 Blendsteine und 19610 Profilsteine. Am 15. Oktober beschloß der Gemeinderat auf Antrag der Kirchengemeinde, den seit der französischen Herrschaft der Zivilgemeinde gehörenden Friedhof für 14 Pfg. pro qm an die Kirchengemeinde zu verkaufen. Am 18. Oktober 1891 erklärte sich der Kirchenvorstand mit dem Preis einverstanden, so daß im Februar 1892 der Friedhof gekauft werden konnte. Da die Fläche des Friedhofes nicht genügte, mußten auch noch Haus und Garten des Webers Glasemaker erworben werden. 1892 waren bei der bischöflichen Behörde die Pläne eingereicht worden. Dort wurden sie eingehend geprüft und genehmigt.

Franz Langenberg beschrieb die Pläne in Form einer Erläuterung: "`Der dargestellte Bau ist eine im Charakter der Backsteinbauten gehaltene Halbhallenkirche, in welchem Stile die mittelalterlichen Kirchen des Niederrheins durchgängig gehalten sind. Als Baumaterial für das Mauerwerk ist am Ort angefertigter Backstein mit sparsamer Verwendung von Sandstein für Gewände, Sturz und Säulen und rheinische Tuffsteine für Gesimse, Wasserschläge und Maßwerk vorgesehen. Für die Dächer soll oberländisches geschnittenes Tannenholz und Moselschiefer verwendet werden. Die Gewölbe sind aus Neuwieder Schwemmsteinen herzustellen. Für den Bodenbelag sind Ehranger Platten in Vorschlag gebracht. Die Kirche hat einen Laienraum von 348 qm. Die Seelenzahl beträgt 1070. Bei katholischen Gemeinden nimmt man an, daß dreiviertel der Einwohner zum Gottesdienst kommen. Es stellt sich also diese Zahl auf 750 - 780. Es würden also in zwei Messen jedesmal 400 Leute kommen. Nach dem Grundriß ergeben sich im Mittelschiff 120 und in den Seitenschiffen 150 Sitzplätze für Erwachsene und 92 für Kinder, zusammen 362. In den Gängen und am Westende bleiben noch 45 qm oder 135 Stehplätze, so daß eine Überfüllung der Kirche nicht leicht möglich ist. Es können in den Seitengängen auch noch 80 Personen stehen. Man rechnet für jeden sitzenden Kirchenbesucher 0,67 qm, für jeden stehenden 0,30 qm."' Am 18. Juni 1893 legte Bischof Hermann Dingelstad von Münster den Grundstein. Nach altem Brauch wurde folgende Urkunde in den Stein eingelassen:

Ad maiorem Dei gloriam et in honorem Sti.Huberti E.C. anno reparatae salutis millesimo octingentesimo nonagesimo tertio die vero XVIII mensis Junii - Summo Pontifice Leone XIII., Germanorum Imperatore et Borussiae rege Guilelmo II.
ab episcopo Monasteriensi Hermanno Dingelstad benedictus est huius templi lapis primarius hicque positus praesentibus multis sacerdotibus et laicis. Decanatui rurali Xantensi praeerat Henricus Schoofs, parochus in Büderich, Parochiae im Schaephuysen Th. W. Neyenhuys -
Templi Architectus Franziskus Langenberg.
Es folgen die Unterschriften und ein Gebet:
Der allmächtige und barmherzige Gott vergelte mit reichem Segen allen Wohltätern, die durch irgendwelche Gabe oder Unterstützung an dem heiligen Werk geholfen haben
Amen

Am 7. Juni 1894 wurde die Kirche durch den Dechanten Schoofs von Büderich eingeweiht. Erst am 3O. Juli 1899 fand die feierliche Konsekration durch den Bischof statt. Die Ausführung des Baues oblag dem Unternehmer Theodor Lümer, St. Tönis. Die Kirche ohne Inneneinrichtung kostete 91955,96 M. Davon erhielt der Architekt und Bauleiter Franz Langenberg 4738,24 M.

1) 4% von der Bausumme 91955,96 M 3678 , 24 M
2) 34 Reisen nach Schaephuysen a 15 M 510 , -
3) für Entwürfe von Kirchenmöbeln 500 , -
4) für Porto und sonstiges 50 , -
       
    4738 , 24 M

Die Ausstattung

Der Hauptaltar ist von Franz Langenberg entworfen und in seinem "`Atelier für Architektur und Kunsthandwerk"' hergestellt worden. Er kostete 5000 M. Der Josephs- und der Marienaltar stammen von Carcramer in Kempen und kosteten zusammen 2400 M. Die Kanzel wurde nach einem Entwurf Johann Adam Rüppels, Franz Langenbergs Schwiegersohn, durch Hachenberg in Mülheim a.Rh. für 1250 M angefertigt. Einen Beichtstuhl für 450 M und die Kommunionbank fertigte Jakob Ophey aus Geldern an. Franz Langenberg lieferte den Glockenstuhl, der 901 M kostete. 12 Wandarme fertigte Johann Fölling, Kleve, für 81,50 M. Die Glasmalereien schuf Dr. H. Oidtmann aus Linnich für 6720 M. Die Turmuhr wurde von der Firma Voortmann in Recklinghausen hergestellt und kostete 1162 M. Der Taufstein der alten Kirche wurde in die neue übernommen .[133]

Grabeskirche2539Aachen In Aachen wurde 1893/94 die große Kirche St. Joseph erbaut, die Franz Langenberg 1890/91 entworfen hatte. Am 23. Juni 1890 übernahm Pfarrektor Hubert Bohn den Pfarrbezirk St. Joseph. Der neuen Gemeinde wies man zunächst die St. Alphonskirche der Redemptoristenpatres zu. Unmittelbar nach Amtsantritt ergriff Rektor Bohn die Initiative zum Bau einer eigenen Pfarrkirche. Zunächst wurde von der Stadt Aachen ein Grundstück in der Größe von 2023 qm für 34485,84 M gekauft. Acht Architekten beteiligten sich an dem Wettbewerb. Franz Langenberg erhielt den Zuschlag. Die Bausumme wurde auf 300000 M angesetzt. Die Pläne gingen im März 1891 nach Köln zum Generalvikariat und wurden im September 1891 genehmigt zurückgesandt. Während das Gesuch im Hinblick auf die Baugenehmigung sich viele Monate bei der zuständigen Baubehörde befand, hatte der Kirchenvorstand von St. Adalbert, der Pfarre, dem das Rektorat St. Joseph untergeordnet war, eine Baukommission in bezug auf die neue Kirche ernannt. Der Architekt Max Keuchen, ein Mitglied des Kirchenvorstandes und Vorsitzender der Baukommission, setzte es durch, daß ihm die Bauleitung übertragen wurde, obwohl Franz Langenberg sich energisch dagegen wehrte. Der Kirchenvorstand lehnte auch aus Kostengründen eine Verkleidung der Kirche in Kohlensandstein ab, wie Franz Langenberg es geplant hatte, obgleich sich der im August 1891 gegründete St.-Joseph-Bauverein bereit erklärte, die Mehrkosten für die Verblendung in Kohlensandstein zu übernehmen. Der Bauunternehmer Daniels führte den Bau aus. Am 25. Februar 1893 begannen die Ausschachtungsarbeiten, die wegen der günstigen Witterung bald zum Abschluß gebracht werden konnten. Am 3. März 1893 begann man schon mit dem Mauerwerk. In das Fundament der Chorabschlußmauer wurde ein großes, altes Grabkreuz gelegt; darauf ließ Rektor Bohn folgende Worte einmeißeln: LAPIS ANGULARIS ECCLESIAE PAROCHIALIS SANCTI JOSEPH 1893

Im Herbst 1893 stand die Kirche samt Turm bis zum Dachfirst fertig da. Im Winter 1893/94 wurden die Gewölbe eingesetzt, im Frühjahr 1894 der Fußboden gelegt, die Fenster eingesetzt und der Hauptaltar aufgestellt. Die innere Ausstattung der Kirche übernahm der Aachener Dombaumeister Professor Buchkremer, der Vater des Weihbischofs. Er zeichnete einen Teil der Altäre, die Kommunionbank, die Kanzel und die Beichtstühle. Der Gocher Bildhauer Ferdinand Langenberg (7. 4. 1849 - 17. 2. 1931) entwarf den Herz-Jesu-Altar und eine Kreuzigungsgruppe mit Altarschrein. Bis zum Jahre 1901 waren alle Altäre fertiggestellt. Am Samstag, dem 20. Oktober 1894, nahm Pfarrer Nottebaum die Segnung der Kirche vor. Am 8. November 1898 konsekrierte Weihbischof Hermann Joseph Schmitz die Kirche. Hubert Bohn, der am 30. April 1898 zum Pfarrer an St. Joseph ernannt worden war, starb am 20. März 1919 im Alter von 69 Jahren. Die neugotische Kirche St. Joseph ist eine Backsteinhalle mit Querschiff und einem Altarraum, der aus fünf Seiten eines Achtecks gebildet ist. Das Kirchengebäude liegt zentral in einem Wohnviertel des späten 19.Jahrhunderts. Auf die Kirche laufen Straßenfluchten zu. Schon von weitem fällt der markante Turm mit dem großen Hauptportal ins Auge. Auf einem dreigeschossigen quadratischen Unterbau erhebt sich ein achteckiges Glockengeschoß, das mehr als ein Drittel des Gesamtturmes ausmacht. Zur Zeit hat der Turm keinen Helm. In einer Schreckensnacht des Jahres 1943 brannten Turmhelm und Dachstuhl nieder. Im Innern fällt auf, daß das Gewölbe unverputzt gelassen ist, so daß die roten Gewölbeziegel sichtbar sind. Im Gegensatz zu den meisten Kirchen Franz Langenbergs zeigt die Querschiffassade keine Rosette, sondern ein vierbahniges Spitzbogenfenster mit reichdetailliertem Maßwerk.

In der Nacht vor Pfingsten 1944 (28. Mai) wurde die Nordseite des Chorraumes von einer Sprengbombe getroffen. Sieben weitere schwere Bomben explodierten in unmittelbarer Nähe der Kirche. In den Jahren 1949 bis 1951 wurden die Kriegsschäden unter Leitung des Aachener Dombaumeisters Dr. Ing. Felix Kreusch beseitigt. Kreusch starb am 4, November 1985. [134]

Froendenberg katholische Kirche IMGP1150 wp Langenbergs Pfarrkirche Unbefleckte Empfängnis Mariens in Fröndenberg (Westfalen) ist im Kriege schwer beschädigt und nach der Kriege verändert wiederaufgebaut worden. Bei dieser Kirche handelt es sich um eine dreischiffige neugotische Hallenkirche mit vorgesetztem Turm und einem Chorpolygon, das fünf Seiten eines Achtecks zeigt.

Die katholischen und evangelischen Christen Fröndenbergs hatten bis zum Bau dieser Kirche die Stiftskirche gemeinsam benutzt. Der katholische Pfarrer Schröder hatte nach zweijähriger Amtszeit erkannt, daß ein Aufblühen der katholischen Gemeinde nur möglich ist, wenn sie eine eigene Kirche besitzt. Im Jahre 1883 begann die Kollekte für den Kirchenbau. Bis zum Jahre 1893 sammelte man 56700 M. Da die Regierung eine Anleihe von 30000 M genehmigte, verfügte die Gemeinde 1893 über eine Summe von 86700 M. Franz Langenberg hatte für den Bau der Kirche ohne Innenausstattung 95000 M errechnet. Das Baukapital wurde nun ergänzt durch eine Schenkung des Bischofs Franz Kaspar von 6000 M und durch den Ertrag einer Kirchenkollekte, die rund 8000 M einbrachte. Als Bauplatz wurde der auf dem Sodenkamp gelegene Garten des Kötters Sodenkamp für 3600 M und eine Baumschule, die der katholischen Schulgemeinde gehörte, für 1800 M angekauft. Die Ausführung des Baues wurde den Gebrüdern Plaßmann aus Soest und Förde übertragen. Am 4. Juni 1893 wurde der Grundstein gelegt. Pfarrer Klagges aus Letmathe hielt die Festpredigt. Am 11. August 1895 fand die feierliche Konsekration des neuen Gotteshauses durch den Bischof Hubertus Simar von Paderborn statt. Franz Langenberg hatte Simar, der an der Bonner Stiftskirche als Kaplan gewirkt hatte, als Angehöriger dieser Gemeinde kennengelernt.

Die Innenausstattung der Kirche konnte erst unter dem Nachfolger des Pfarrers Schröder, dem Pastor Schmallenbach, angeschafft werden.

Der Kunsttischler Johann Gödeke aus Niederhenneborn, Kreis Meschede, lieferte die Kanzel für 2950 M, den Marienaltar, den der Elisabethparamentenverein gestiftet hatte, und einen Beichtstuhl. Die Reliefs der Kanzel schuf der Bildhauer Belke aus Förde, Kreis Olpe. Die Reliefs und die Statue des Marienaltares lieferte Burg aus Gelsenkirchen. Die Ausmalung der Kirche lag in den Händen des Kirchenmalers Schuto aus Bingen. [135]

Langenfeld St. Quirinus 815 Der Bau der katholischen Pfarrkirche St. Quirinus und Jodokus in dem Bauhandwerkerdorf Langenfeld bei Mayen setzte der damalige Pfarrer Jakob Thewes, der 1884 in Langenfeld seinen Einzug hielt, gegen den Widerstand des Trierer Bischofs durch. Er schrieb Bettelbriefe in alle Himmelsrichtungen, nach Bamberg, Budapest, ja sogar nach Buffalo, von wo er von Schwestern 24 Dollar erhielt. Bis zum 25. Juni 1895 waren 22000 M eingegangen, am 19. Dezember 1895 standen 45000 M, am 11. Mai 1896 79000 M zur Verfügung. Diese Kirche Langenbergs, der sogenannte "`Eifeler Dom"', der am 20. August 1894 von der Trierer Behörde als zu groß beanstandet wurde, eine neugotische Hallenkirche mit Querschiff und Chor, der fünf Teile eines Achtecks zeigt, ist die einzige, die der Architekt in heimischem Bruchstein ausführen ließ. Die Steine stammen aus einem in Dorfnähe gelegenen Steinbruch. Es handelt sich um Grauwacke, einem braungrauen Devonschiefer. Erfreulich ist, daß in Langenfeld die ursprüngliche Innenausstattung weitgehend erhalten geblieben ist. Mit dem Bau begann man im Jahre 1894. Am 16. September 1899 wurde die Kirche benediziert und am 10. Mai 1900 durch Weihbischof Ernst Schrod konsekriert. [136]

Zuendorf MariaeGeburt2 Mariae Geburt (Köln-Zündorf) S Die katholische Pfarrkirche Mariä Geburt in Köln-Zündorf ist eine neugotische Backsteinhalle mit axialem vierkantigem Ostturm, einem Querhaus und einem Altarraum, der fünf Seiten eines Zehnecks zeigt, aber durch ein Rechteckjoch in der Breite einer der Polygonseiten erweitert ist, so daß der Langchor sieben Fenster hat, die zweibahnig sind und ein Vierpaßcouronnement aufweisen. Vier große dreibahnige Fenster an jeder der beiden Längsseiten lassen viel Licht in die Kirche hineinfallen. Das Langhaus besteht aus zwei Jochen. Glatte Rundsäulen ohne Dienste aus rotem Sandstein mit vegetabil geschmückten Kapitellen tragen die Gewölbe. Die roten Ziegel der Rippen und Gurtbögen treten unverputzt in Erscheinung. Ralf Johannes Beines findet "`die originellen Schwibbögen als Hauptjochteilungen der Seitenschiffe"' bemerkenswert. In den Querarmen zeigen sich wieder die für Franz Langenberg charakteristischen Rosetten, diesmal mit reichem Maßwerk über fünf Spitzbogenfenstern.

Fialen, Maßwerk, Abdeckungen, Wasserschläge und Portale sind aus rotem Sandstein hergestellt. Der viergeschossige Turm ist bis zum Helmansatz quadratisch hochgeführt, der spitze Helm jedoch bietet acht Seiten dar. Die Ecken des Turmes sind mit kräftigen Strebepfeilern besetzt. Von der neugotischen Ausstattung sind nur noch Reste vorhanden. Die Kirche wurde 1946 und 1961 durch J. Klüver, 1972 durch H.J. Lohmeyer restauriert. Bereits im Jahre 1870 dachte man an den Bau einer neuen Pfarrkirche. Erst am 15. August 1894, am Fest Mariä Himmelfahrt, erfolgte der erste Spatenstich, dem am 19. Mai 1895 die Grundsteinlegung folgte. Zwei Jahre später, am 19. Mai 1897, wurde die Kirche ihrer Bestimmung übergeben. Bei einem Flächenraum von 700 qm ist die Kirche 44 m lang, das Langschiff ist 18,50 m breit. Das Querschiff ist 23,50 m lang bei einer Breite von 9 m. Der Chor hat eine Länge von 8,30 m und eine Breite von 8,70 m. [137]

St. Bartholomäus Meggen 2 Die Pfarrkirche St. Bartholomäus in Meggen (Westfalen), eine neuromanische Basilika mit Querschiff und vorgesetztem Hauptturm, hatte Franz Langenberg bereits 1891 entworfen. Der Grundstein zu dieser Kirche, deren Bau Pfarrer Stratmann energisch betrieb, konnte jedoch erst im Frühjahr 1895 gelegt werden. Am 15. September 1896 wurde die Kirche durch Weihbischof August Gockel eingeweiht. Die Bauleitung oblag Langenbergs Schwiegersohn Johann Adam Rüppel, die Ausführung dem Bauunternehmer Anton Plaßmann (Förde). Diese Kirche hat große Ähnlichkeit mit der Kirche in Niederkassel bei Bonn. In Meggen jedoch flankieren zwei vierkantige Türme den Chor, der fünf Seiten eines Zehnecks zeigt. Im Querschiff fällt wieder die charakteristische Rose auf. Wie in Bonn-Poppelsdorf und Bonn-Dottendorf fällt von oben her Licht durch Fächerfenster ins Mittelschiff. In den Altar der Kirche wurden die Reliquien der hll. Amator und Desideria eingeschlossen. Der Hochaltar und die Kanzel wurden von dem Gewerken Carl Löhr, die Kommunionbank von Direktor Grundhoff gestiftet. [138]

Seitenansicht St. Evergislus Bornheim-Brenig (Rheinland) Innenansicht Pfarrkirche St. Evergislus in Bornheim-Brenig (Rheinland) Chorseite St. Evergislus Bornheim-Brenig (Rheinland) Die von Langenberg geplante Pfarrkirche St. Evergislus in Bornheim-Brenig bei Bonn steht majestätisch auf einer Bergnase des Vorgebirges. Die uralte Breniger Kirche, die 1719 wegen Baufälligkeit erneuert werden mußte, wurde 1894 durch Brand nach einem Blitzeinschlag zerstört. Nur der Turm auf quadratischem Grundriß aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts blieb erhalten, wurde aber mit gelben Verblendern verkleidet und um das Glockengeschoß, welches das durch seinen Wohlklang weithin bekannte Glockengeläut des berühmten Meisters Martin Legros aufnahm, aufgestockt. Jeder Himmelsrichtung wenden sich je zwei Klangarkaden zu. Die neugotische Kirche mit Querschiff, die 1894 bis 1896 gebaut und nach dem Tode Langenbergs von dem Architekten Hermann Ritzefeld aus Beuel vollendet wurde, ist eine Pseudobasilika mit einem Chor, der fünf Teile eines Achtecks aufweist und dem ein Joch vorgeordnet ist. Die sieben zweibahnigen Fenster des Chores und Vorchores sind mit einem Vierpaß gekrönt. Das Maßwerk dieser wie auch der übrigen Fenster ist aus gelben Klinkern hergestellt. Im Gegensatz zu den Chorfenstern weisen die anderen zweibahnigen Fenster einen Kreis als Couronnement auf. An den Querschiffassaden ist ein Rundfenster über zwei hohen Spitzbogenfenstern zu sehen. Das Langhaus hat zwei Joche. Je zwei runde Sandsteinsäulen an jeder Seite mit Laubkapitellen tragen das Kreuzrippengewölbe, dessen Rippen aus gelben Klinkern hergestellt sind. Auch die Gurte sind aus gelben Verblendsteinen gemauert, während die Dienste wie die Rundsäulen aus rotem Sandstein bestehen. In den Seitenschiffen entsprechen jeweils zwei Felder einem Mittelschiffjoch. Je zwei Diagonalrippen steigen hier zum Scheitelpunkt des Scheidbogens an. Franz Langenberg vermeidet so die Nebenstützen zwischen zwei Hauptstützen und erhält so einen durchsichtigen Raum. Dem im Äußeren ohne Verputz gelassenen Feldbrandsteinbau ist dadurch die Eintönigkeit genommen, daß die Portale, das Fenstermaßwerk, die Einfassung der Fenster, die Wasserschläge, die Abdeckungen und das Kaffgesims durch gelbe Verblendsteine vom braunen Mauerwerk abgesetzt sind. Die neugotische Innenausstattung ist weitgehend erhalten geblieben. Selbst das Gesprenge der Altäre ist nicht beseitigt worden. [139]

Die katholische Pfarrkirche St. Margaretha in Olpe bei Kürten (Rheinisch-Bergischer Kreis) wurde von Franz Langenberg unmittelbar vor seinem Tode entworfen. Die alte Pfarrkirche, die 1818 fast vollständig erneuert worden war, genügte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts den Anforderungen nicht mehr, so daß der Kirchenbaumeister August Lange (1834 - 1883), der wie Wiethase ein Schüler Ungewitters war, 1874 Erweiterungs- und Umbaupläne für die alte Kirche entworfen hatte. Im Jahre 1890 legte der Aachener Architekt von Hamm Neubaupläne für das gegenüberliegende Grundstück vor. Der von 1893 bis 1902 in Olpe bei Kürten amtierende Pfarrer Feldhoff ließ dann durch Franz Langenberg Entwürfe zeichnen, die vom Architekten im Januar 1895 eingereicht wurden. Langenberg plante eine dreischiffige neugotische Hallenkirche mit ausgeprägtem Querhaus, axialem Westturm und dreiseiseitigem Chor mit dreibahnigen Maßwerkfenstern. Die Baukosten durften nicht mehr als 75000 Mark betragen. Nach Langenbergs Tode am 21. Februar 1895 bewarb sich dessen ehemaliger Bauführer Hermann Ritzefeld aus Beuel um den Zuschlag. Da dieser aber die Kosten um 45000 M zu niedrig ansetzte, um die Bauleitung zu erhalten, ging die Gemeinde auf ein am 3. März 1895 eingegangenes Angebot des Architekten Eduard Endler (1860 - 1932), eines Hase- und Wiethaseschülers, der sich als Bauführer und Bürochef Wiethases empfahl, ein. Endler überarbeitete den Langenbergschen Entwurf, indem er die Seitenschiffe der Kirche um 0,75 m verbreiterte, die Empore vereinfachte, die Rosetten der Querarme durch vierbahnige Maßwerkfenster ersetzte, den Turm ein wenig erhöhte und die Außenflächen glatter gestaltete. Am 4. April 1896 wurde der Grundstein zur Kirche gelegt, am 10. November 1897 erfolgte die Einweihung. [140]

St. Aegidius Bornheim-Hemmerich SW Chorseite St. Aegidius in Bornheim-Hemmerich Auch der bekannte Hemmericher Pfarrer German Hubert Christian Maaßen, geboren am 18. September 1825 in Haaren bei Aachen, gestorben am 12. Januar 1910 in Bonn, berühmt als Historiker der Pfarreien des Bonner Raumes, beauftragte Franz Langenberg mit der Planung für den Neubau der Hemmericher Kirche St. Aegidius, da die alte Kirche von 1539 baufällig geworden war. Franz Langenberg legte einen Erstentwurf vor, in dem er die künstlerischen Vorstellungen des Pfarrers berücksichtigt hatte. Langenberg konnte den Bau jedoch nicht mehr ausführen, da er vorher starb. Der Langenbergsche Vorentwurf wurde durch den Kölner Kirchenbaumeister Theodor Ross überarbeitet. Nach diesem zweiten Entwurf wurde die Kirche im heutigen Bornheim-Hemmerich in den Jahren 1895 und 1896 gebaut. [141]

Gerhard Franz Langenberg baute nicht nur Klöster und Kirchen in Deutschland, sondern auch im kroatisch-slawonischen Teil des ehemaligen Königreiches Ungarn innerhalb der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn, und zwar im Bistum Djakovo (Djakowar), das damals von dem bedeutenden Bischof Josip Juraj Stroßmayer (1815 - 1905) geleitet wurde. Stroßmayer gehörte auf dem Ersten Vatikanischen Konzil (1869 - 1870) zu den profiliertesten Erscheinungen. Als Politiker verfocht er die Idee des Jugoslawismus, einer Vereinigung aller Slowenen, Kroaten und Serben im Rahmen eines föderativ organisierten Österreich-Ungarns, er gründete die Südslawische Akademie der Wissenschaften und Künste und die Universität in Zagreb (Agram). Vergeblich bemühte er sich um eine Überbrückung des kirchlichen Schismas zwischen Rom und Byzanz. Nach Stroßmayer wurde schon zu Lebzeiten in Zagreb die schönste Promenade benannt. Der kroatisch-slawonische Teil des ehemaligen Königreiches Ungarn gehörte seit 1919 zu Jugoslawien. In Jawanowack erbaute Franz Langenberg 1893 ein Kloster, in Vakdwar und Djakowar Kirchen.

Katedrala Osijek-cerkevSvPetrainPavla Franz Langenbergs Hauptwerk ist der neugotische Dom St. Peter und Paul in Osijek, der Hauptstadt Slawoniens im heutigen Kroatien. Osijek war in römischer Zeit unter dem Namen Mursa (Mursia) Hauptstadt der Provinz Unterpannonien. Bereits im Jahre 335 n. Chr. wurde hier ein Bistum errichtet. Vor dem Ersten Weltkrieg kannte man die Stadt weniger unter dem südslawischen Namen Osijek als unter der ungarischen Bezeichnung Eszek. Die deutschen Bewohner der Stadt schrieben Essek oder Essegg. Die Initiative zum Bau der Kirche St. Peter und Paul ging von Bischof Stroßmayer aus. Osijek war Stroßmayers Vaterstadt. Hier wurde er am 4. Februar 1815 in der Schamatzer Gasse als Sohn des Pferdehändlers Ivan Stroßmayer und der Anna Erdeljak geboren. Stroßmayer, den die Kroaten "`Vater des Vaterlandes"' nannten, starb am 8. April 1905 in Djakovo. Die Seele des Dombaues in Osijek war Prälat Joseph Horvat, der Pfarrer der Osijeker Oberstadt. Schon im Jahre 1866 trug man sich mit dem Gedanken, in Osijek eine neue Kirche zu errichten. Im Jahre 1886, nach dem Tode des Franz Knittl, des damaligen Pfarrers der Osijeker Oberstadt, trat an dessen Stelle der Hausgeistliche des Osijeker Waisenhauses. Der neue Pfarrer Joseph Horvat betrieb jetzt energisch den Kirchenneubau, zumal der Kirchenbaufond mittlerweile eine Höhe von 300000 fl. erreicht hatte. Im Jahre 1890 wurde auf einer außerordentlichen Sitzung des Baukomitees beschlossen, die Kirche in gotischem Stil zu bauen und mit dem Bau zu beginnen, sobald 400000 fl. zur Verfügung stehen. Für die Konkurrenzpläne wurden 3000 fl. als Preise bestimmt und die Herren Dr. Matthias Stefinovic und Julius v. Farago mit der Aufgabe betraut, den Wettbewerb auszuschreiben. Als Termin für das Einreichen der Pläne wurde der 1. März 1891 festgesetzt. In der am 22. Oktober 1892 abgehaltenen Sitzung des Kirchenbaukomitees wurde beschlossen, mit dem Wiener Ingenieur- und Architektenverein wegen eines Wettbewerbs in Verbindung zu treten. Dieser Verein bestimmte drei seiner Mitglieder zu Schiedsrichtern, und zwar den Herrn Dombaumeister Julius Hermann aus Wien, Herrn Victor Luntz, Architekt und Professor an der Wiener Kunstakademie, und den Herrn Architekten Ludwig Wachtler. Julius Hermann, geboren in Wien am 2. Mai 1848, gestorben dort am 1. März 1908, war Friedrich von Schmidts Nachfolger als Dombaumeister an St. Stephan in Wien, Victor Luntz, geboren am 8. März 1840 in Ybbs, gestorben am 12. Oktober 1903 in Wien, baute als Friedrich von Schmidts Schüler mehrere Kirchen in Wien. Von Seiten des Komitees gehörten dem Schiedsrichterkollegium Herr Dr. Isidor Krsnjavi, Sektionschef für Kultus und Unterricht bei der Landesregierung in Zagreb und Herr Ingenieur J. Knoblauch an. Außerdem wurde in der Sitzung beschlossen, für den Bau 400000 fl. zu verwenden. Von dieser Summe sollten der Bau, die Orgel, die Glocken und der Hauptaltar bestritten werden, während die übrige Einrichtung aus freiwilligen Gaben anzuschaffen wäre. Nun wurde in Fachzeitschriften in Wien, Berlin, Budapest und Zagreb ein Wettbewerb ausgeschrieben. Im April 1893 wurde beschlossen, die 32 eingesandten Pläne zur Beurteilung nach Wien zu senden und sie sodann dem Publikum zur Besichtigung auszustellen und dazu den Bischof Stroßmayer und den Magistrat der Stadt einzuladen. Von Seiten des Komitees wurde der Entwurf des Bonner Architekten Franz Langenberg mit dem ersten Preis ausgezeichnet und zur Ausführung angenommen. Der Architekt wurde nach Osijek eingeladen, um mit ihm wegen der Detailpläne in Verhandlung zu treten. Nach Ankunft Langenbergs wurde mit ihm ein Vertrag geschlossen, nachdem er sich verpflichtete, gegen ein Honorar von 20000 fl, alle Detailpläne zu liefern und den Bau selbst oder durch einen Stellvertreter zu leiten. Langenberg verpflichtete sich, wenigstens zweimal im Jahr den Bau zu besichtigen. Die Kirche hatte er in vier Jahren fertigzustellen.

Es wurde beschlossen, im Frühjahr 1894 mit den Arbeiten zu beginnen. Am 19. April 1894 begann man damit, die barocke Kirche St. Peter und Paul abzureißen, denn die neue Kirche sollte an derselben Stelle errichtet werden. Stellvertreter Franz Langenbergs als Bauleiter wurde Herr Paul von Gjurcikovic. Die Ausführung des Bauwerkes übernahm der k. und k. Hofbaumeister Joseph Schmalzhofer aus Wien, dem der örtliche Baumeister Schäfftner mit seinen Polieren Wranka und Sauer zur Seite stand. Der k. und k. Hofbildhauer Eduard Hauser wurde engagiert, die Bildhauer- und Steinmetzarbeiten zu übernehmen. Hauser wurde am 10. November 1840 in Wien geboren und starb dort am 27. Februar 1915. Er schuf auch Skulpturen an den Domen in Olmütz und Brünn sowie am Opernhaus in Wien. Von Seiten des Kirchenbaukomitees wurden die Herren J. N. Teller und Emil Rohrer betraut, den Bau zu beaufsichtigen. Am 4. August 1894 wurden die Erdarbeiten für den Neubau in Angriff genommen. Die Bautätigkeit schritt so rasch fort, daß schon am 7. Oktober 1894 durch Bischof Stroßmayer die feierliche Grundsteinlegung vorgenommen werden konnte. Um 9 Uhr erschien der Bischof in feierlicher Prozession auf dem Bauplatz. Während des Hochamtes wurde eine Haydnmesse gesungen. Der Professor und Religionslehrer an der Osijeker Realschule Dr. Joseph Horvat trug in kroatischer Sprache nachfolgende Denkschrift vor:

"`Zur Zeit des Pontifikates Sr. Heiligkeit des Papstes Leo XIII., während der glücklichen Regierung Sr. kaiserlichen und königlichen apostolischen Majestät Franz Joseph I., Kaisers von Österreich, Königs von Ungarn, Kroatien, Slawonien und Dalmatien usw., unter dem hochwürdigen Metropoliten Dr. Georg Posilovic, Erzbischof von Zagreb, unter der Banal-Regierung des Grafen Karl Khuen - Hedervary, Banus der Königreiche Kroatien, Slawonien und Dalmatien, unter dem berühmten Bischof der vereinigten Diözesen Bosna - Djakowar und Syrmien Dr. Josip Juraj Stroßmayer, unter dem Obergespan des Veröczer Komitates und der Stadt Osijek Dr. Theodor Graf Pejacsevich von Veröcze, unter dem Bürgermeister der königlichen Freistadt Osijek Anton Rotter, als in Osijek- Oberstadt Joseph Horvat als Pfarrer und Dechant des Osijeker Dekanates wirkte, während in der Osijeker Unterstadt Joseph Firinger Beisitzer des geistlichen Stuhles war, wurde durch den hochwürdigsten Bischof Josip Juraj Stroßmayer unter Assistenz des Dr. Angelo Vorsak am 7. Oktober 1894 dieser Grundstein gelegt."'

Bei dem Hammerschlag sagte der Bischof: "`Ich bin schon 80 Jahre alt und wünsche die Einweihung der Kirche noch zu erleben, sollte dies nicht möglich sein, so wünsche ich, daß ihr alle sie erleben möget, im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes."'

Am 21. Februar 1895 erhielt der Pfarrer die telegraphische Nachricht, daß Herr Franz Langenberg, der Architekt der Osijeker Kirche, plötzlich am Schlaganfall verstorben sei. Der Architekt wollte mit dem Orgelbaumeister Johannes Klais nach Osijek (Essegg, Eszek) aufbrechen, doch er fühlte sich nicht wohl. Noch am gleichen Tage starb er überraschend im Beisein seiner Tochter Sibylle. Er wurde auf dem Bonner Nordfriedhof beigesetzt. Am 22. Februar wurde für den Verstorbenen in der Osijeker Kirche St. Rochus ein feierliches Requiem abgehalten, an dem hochgestellte Persönlichkeiten, das Baukomitee und die am Bau Tätigen teilnahmen. Die Bonner Ausgabe der "`Deutschen Reichszeitung"' vom 23. Februar widmete G. Franz Langenberg folgenden Nachruf:

"`Der in Folge eines Schlaganfalls unerwartet verschiedene Herr Baumeister Franz Langenberg hierselbst war noch nicht 52 Jahre alt. Eine reich begabte Natur, genial, voll rastlosen Fleißes fand in ihm ein zu frühes Ende. Der Verewigte hat namentlich auf dem Gebiet des Kirchenbaues Hervorragendes geleistet, und zwar nicht nur in seiner Heimatprovinz Rheinland, sondern weit darüber hinaus. So wird z.B. in Eszek (Slawonien) eine große gothische Kirche erbaut, nachdem Langenberg in einem internationalen Preisausschreiben den ersten Preis davongetragen hat. Der Heimgegangene, ein überzeugungstreuer Katholik, erfreute sich wegen seines liebenswürdigen Wesens großer Beliebtheit R.I.P."'

Am 28. Februar brachte die "`Deutsche Reichszeitung"' folgende Nachricht: "`Welches Ansehen der kürzlich hier verstorbene Herr Architekt Langenberg im Auslande genoß, beweist ein Artikel in der zu Essek erscheinenden Zeitung "`Die Drau"', welche die reiche Begabung des Verewigten rühmt. Er habe es verstanden, sich auch zu Essek durch seine echt deutsche Gradheit, durch seine Liebenswürdigkeit und seinen streng ehrenhaften Charakter hochgeachtet zu machen."'

Am 2. März meldete die "`Deutsche Reichszeitung"': "`Der Kirchenvorstand in Essek (Slawonien) hat beschlossen, den Weiterbau der dortigen Kirche, zu welcher der verstorbene Architekt Langenberg hierselbst den preisgekrönten Entwurf geliefert hatte, dem Langenbergschen Baubureau (dessen Leitung ein tüchtiger Architekt übernommen hat) zu übertragen. Die projectierte Kirche zu Essek wird ein Prachtbau, deren Kosten sich auf 1 Million Mark belaufen."' Die Leitung des Baubüros übernahm Johann Adam Rüppel, der 1896 Langenbergs älteste Tochter Sibylle (Bella) heiratete. Da Rüppel jedoch noch einige rheinische Kirchen Langenbergs zu Ende bauen mußte, verzichtete er auf die Bauleitung in Osijek. Das Baukomitee trat jetzt mit zwei Herren in Verbindung, und zwar mit dem vom Pfarrer empfohlenen heimischen Architekten Joseph v. Vancas und mit dem von den Wiener Preisrichtern vorgeschlagenen k. und k. Baurat Richard Jordan. Von den anwesenden 13 Komiteemitgliedern stimmten sechs für Vancas, sechs für Jordan, Herr Sedlakowich, der Vorsitzende, gab zugunsten des Herrn Jordan den Ausschlag. Der neue Architekt Jordan, der am 6. März 1847 in Wien geboren wurde und dort am 7. Februar 1922 starb, übernahm am 13. April 1895 die Leitung des Baues. Als seinen Stellvertreter nominierte Herr Jordan Herrn Adalbert Bauer, einen gebürtigen Osijeker. Die Ausführung oblag weiterhin dem k. und k. Hofbaumeister Joseph Schmalzhofer und dessen ortsansässigem Stellvertreter Anton Schäfftner. Baurat Jordan hatte sich verpflichtet, sich streng an Langenbergs Pläne zu halten. Am 29. August 1896 waren die Mauern bis zum Traufgesims hochgezogen. Danach wurde durch die Firma Joseph Nepolitzky aus Marburg an der Drau ( Maribor ) mit der Errichtung des Dachstuhles begonnen. Am 17. September 1896 konnte der Klempner Friedrich Elblinger dort mit den Spenglerarbeiten beginnen. Am 22. September begann Herr Elblinger mit seinen Leuten die Arbeiten an der Wasserrinne rund um die Kirche. Am 4. Oktober 1896 begann die Firma Niernsee aus Wien mit den Dachdeckerarbeiten. Am 17. Oktober wurden am Giebel der nördlichen Querhausfassade drei Statuen aufgestellt, und zwar die Standbilder der hl. Anna in der Mitte zwischen der hl. Agnes und der hl. Katharina, die der Bildhauer Johannes Novotny, ein Mitarbeiter Eduard Hausers, schuf. Über dem Seiteneingang an derselben Querschiffassade sind die Symbole der vier Evangelisten zu sehen. Die drei Statuen am Giebel der südlichen Querschiffassade, die den hl. Ilias, den Patron des Bistums, und die heiligen Slawenapostel Cyrill und Method vorstellen, wurden vom Osijeker Bildhauer Flora ausgeführt. Am 11. November 1896 begann man mit dem Einwölben innerhalb der Kirche, und zwar zuerst in den Sakristeien und in den beiden Seitenschiffen. Am 10. April 1897 konnte mit dem Einwölben des Hauptschiffes begonnen werden. am 4. Juni 1897 wurde auf dem Turm die Kreuzblume aufgesetzt. Sie war von Dr. Joseph Stadler, dem Erzbischof von Sarajewo, eingeweiht worden. Am 10. September 1897 wurde von der Wiener Firma Emil Schaner das Zifferblatt am Turme angebracht. Die Firma lieferte auch die Turmuhr zum Betrag von 1800 fl. Am 13. September 1897 begann man mit der Arbeit am Fußboden. Das Material hierzu wurde von der Wiener Firma Wienerberge bezogen. Die Arbeit selbst wurde der Firma Steiskal aus Zagreb übertragen. Am 16. Oktober 1897 wurde mit der Einsetzung der Fenster begonnen. Sie wurden von der Firma Gold aus Wien hergestellt und geliefert. Am 10. und 18. November hatte man den Bau abgenommen und die Arbeiten für gut befunden. Am 10. Dezember 1897 fügte man über dem Hauptportal das Tympanon ein, geschaffen von dem Bildhauer Novotny. Es stellt die Krönung Mariens dar und kostete 900 fl. Die gesamten Bildhauerarbeiten machten den Betrag von 23900 fl. aus. Am 9. April 1898 setzte der Schreinermeister Joseph Metzing aus Osijek die Türen, die er geschaffen hatte, ein. Die Schlosserarbeiten an den Türen und an der Kommunionbank hatte Herr Fabian Pentz übernommen. Dieser schenkte der Pfarre das Glöcklein, das neben der Sakristei hängt. Am 17. Mai 1898 langten aus Ljubljana (Laibach) aus der Gockengießerei Samassa die vier Glocken für den Hauptturm und das Glöcklein für den Dachreiter an. Die vier Kirchturmglocken wiegen 2665 kg, 1552 kg, 740 kg. und 331 kg. Die Dachreiterglocke ist 125 kg schwer und verkündet stets den Tod eines Erdenbürgers. Alle Glocken zusammen kosteten 10020 fl., 28 kr. samt dem von der Firma Ignaz Griedl (Wien) bezogenen eisernen Gestell.

Die Altäre schuf der k.u.k. Hofbildhauer Eduard Hauser nach Langenbergs Entwürfen. Der Hauptaltar ist den Aposteln Petrus und Paulus geweiht. Zwischen den Statuen der Apostel erhebt sich das Standbild des Erlösers. Der Hauptaltar ist ein Geschenk des Bischofs Stroßmayer und kostete 13800 fl. Sein Unterteil besteht aus Groizano-Marmor, das übrige aus Sandstein. Die Figuren sind polychromiert. Der Seitenaltar rechts vom Hauptaltar ist der Muttergottes geweiht. Er besteht ebenfalls aus Stein, der Altartisch aus Carrara-Marmor, das Altarretabel aus Sandstein. Dieser Altar kostete 9800 fl. Der dritte Altar zu Ehren der hl. Theresa kostete 7400 fl. Zwei weitere Nebenaltäre sind dem hl. Joseph und dem hl. Kreuz geweiht. Eduard Hauser schuf auch die Kanzel im Werte von 3000 fl., die der Künstler der Kirche spendete. Auf der Kanzel sind die vier Evangelisten dargestellt. Am 20. Mai 1900 vollzog Bischof Stroßmayer die feierliche Konsekration.

Die Kirche St. Peter und Paul ist nach dem Dom in Djakovo der bedeutendste Kirchenbau in Slawonien. Sie wurde mit einem Kostenaufwand von 1226617 Kronen errichtet. Davon brachten die Landesregierung und die Stadt Osijek 100000 Kronen, ein Stiftungsfond 800000 Kronen, das übrige die Gläubigen durch Spenden auf. [142]

Die Kirche St. Peter und Paul wird in allen Reiseführern als Sehenswürdigkeit genannt. Im Baedeker steht unter Osijek an erster Stelle: "`Am Hauptplatz liegt der neugotische Dom"', in Knaurs "`Kulturführer in Farbe - Jugoslawien"' ist die Kirche abgebildet. In der Bauzeit des Domes hatte Osijek ungefähr 20000 Einwohner, von denen etwas weniger als die Hälfte Deutsche, die übrigen Kroaten waren.

Im Jahre 1991 wurde die Kirche während der Kämpfe zwischen den Serben und den Kroaten stark beschädigt.

Baubeschreibung

Vorbild hinsichtlich des Turmes war für Franz Langenberg der Münsterturm in Freiburg im Breisgau. Der 90 m hohe Turm ist so breit wie das Mittelschiff. Über drei Geschossen auf quadratischem Grundriß folgen zwei achteckige. Im untersten Geschoß fällt das prachtvolle Hauptportal auf, das vielfach zurückgestuft und mit einem Wimperg versehen ist. Das Tympanon stellt die Krönung Mariens dar.

Alle Architekturglieder des Turmes folgen einem einheitlichen Vertikalzug. Die horizontale Gliederung wird überall von den senkrechten Ordnungen der Strebepfeiler und Fialen überschritten. Sehr schlank sind die mit Maßwerk versehenen zweigeteilten Öffnungen des Glockengeschosses, die mit Wimpergen bekrönt sind, die wiederum mit ihrer Spitze eine Maßwerkbalustrade überragen. Eine weitere Balustrade trennt das untere Drittel des steinernen achtseitigen Turmhelmes vom oberen Teil. Die Turmspitze ist mit einer steinernen Kreuzblume gekrönt.

Die dreischiffige Kirche selbst, die im Lichten 57 m lang und im Querhaus 32 m breit ist und eine Innenhöhe von 25 m hat, ist eine neugotische Basilika mit dreischiffigen Querarmen, die an ihren beiden Fassaden jeweils eine Rosette darbieten. Der linke Querarm hat an Stelle eines Portales an der Front des rechten Querarmes unterhalb der Rosette die Grabeskapelle die mit drei Teilen eines Sechsecks in die Kirche hineinragt. Jedes der drei querrechteckigen Joche des Mittelschiffes, die im klassischen Verhältnis 1:2 bemessen sind, sowie des ebensogroßen Vorchorjoches erhalten Licht durch drei Obergadenfenster, die bis zum Stockgesims hinunterreichen. Das mittlere der drei Maßwerkfenster ist 7 m hoch, zweibahnig und mit einem Fünfpaßcouronnement bekrönt, die schmaleren und kleineren einbahnigen Fenster links und rechts daneben haben eine Höhe von 5 m. Der durch einen reichprofilierten Triumphbogen abgetrennte Chor mit seinem 7/12 Schluß, welcher dem des Altenberger Domes ähnelt, ist von achtseitigen Chorflankentürmen begleitet und wird ebenso wie die Längsseiten des Mittelschiffes durch Strebebögen gestützt. Er ist von einem Chorumgang ohne Kapellenkranz umgeben. Die Sakristei links und die Paramentenkammer rechts vom Hauptchor haben Nebenchore mit einem 5/8 Schluß. Alle Gewölbejoche zeigen Kreuzrippengewölbe. In den Seitenschiffen entsprechen jeweils zwei quadratische Felder und zwei zweibahnige Fenster einem Mittelschiffjoch, wobei jeweils zwei Diagonalrippen zum Scheitelpunkt des Scheidbogens ansteigen. Damit fällt die Nebenstütze zwischen den Hauptstützen weg, so daß auch die Beter in den Seitenschiffen besser in die liturgische Handlung am Hauptaltar einbezogen werden können. Links und rechts neben dem axial vorgesetzten Turm führen Nebenportale in die Seitenschiffe. Diese endigen in rechteckigen Nebenchören vor der Sakristei und der Paramentenkammer. Die Stützen im Langhaus sind Rundpfeiler mit Laubkapitellen, denen vier Dienste vorgelegt sind. Drei dieser Dienste fangen die reichprofilierten Scheidbögen und die Rippen der Seitenschiffgewölbe auf. Der dem Mittelschiff zugewandte Dienst durchstößt die Deckplatte des Kapitells und das Stockgesims und unterteilt die Obergadenwand. Die stärkeren Pfeiler der querrechteckigen Vierung sind von acht verschieden dimensionierten Diensten umgeben.

Willy Weyres rechnet Gerhard Franz Langenberg zu den Spezialisten der Jahrhundertwende, die im Gegensatz zu den strengen Neugotikern Vinzenz Statz und Friedrich Freiherr von Schmidt, die um eine Generation älter waren, einem Stilpluralismus huldigten. [143]


Unterabschnitte
next up previous contents index
Weiter: Gerhard Franz Langenbergs Söhne Nach oben: Die Baumeisterfamile Langenberg Zurück: Peter Theodor Langenberg   Inhaltsverzeichnis   Stichwortverzeichnis
Julius Langenberg Sa 1. Jun 15:27:05 CEST 2013