Inn-Staustufenbahnen der E.ON-Wasserkraft GmbH
Die E.ON Wasserkraft ist deutschlands größter Erzeuger erneuerbarer Energie. Weiße Kohle, so nannte Technik-Pionier Oskar von Miller den einzigen " Bodenschatz " Bayerns: die Wasserkraft. Mit dem Bau des Walchsee-Kraftwerkes vor 75 Jahren begann auch die Elektrifizierung der Industrie und der Eisenbahn. Nach heute trägt die Wasserkraft dank günstiger Topografie rund 16 % zur Stromversorgung im Freistaat bei, bundesweit lassen sich etwa 4 % des Stroms flüssig erzeugen. Der deutsche Marktführer auf diesem Gebiet heißt E.ON Wasserkraft. Das Unternehmen, mit Sitz in Landshut, betreibt 126 Kraftwerke - im Norden an der Weser, Eder und Leine, im Süden an Inn, Donau, Isar, Lech und Main. Zum Kraftwerkspark gehören vor allem sogenannte Laufwasserkraftwerke, die rund um die Uhr Energie produzieren. Speicher- und Pumpspeicheranlagen können bei Bedarf in Minutenschnelle ans Netz gehen, wenn kurzfristig mehr Energie benötigt wird. Das ist zum Beispiel für den S-Bahnverkehr der Deutschen Bahn AG wichtig, ihre Züge rollen zu einem erheblichen Teil mit Strom der Wasserkraft. Im Verlauf des Inns gibt es in Bayern mehrere solcher Kraftwerke. Der Inn, von seinem Ursprung im Oberengadis bis zum Durchbruch ins Alpenland bei Kufstein folgt er einer mächtigen inneralpinen Talfurche, begleitet von den Erhebungen des Alpenhauptkammes, des Hauptwasserspenders dieses alpinen Flusses. In Bayern durchzieht der Inn das Stammbecken des ehem. Inngletschers das bis in die Nähe von Wasserburg reicht. Mit stark gewundenem Lauf durchbricht er die Endmoräne zwischen Wasserburg und Mühldorf und bildet anschließend die " Traufe " des niederbayerischen Hügellandes. Alz und Salzach werden aufgenommen, bis der Inn bei Passau in die Donau mündet.
Von der Innwerk AG wurden, seit der Gründung im Jahre 1917, sechzehn Wasserkraftwerke für Innwerk sowie für die Österreichisch-Bayerische Kraftwerke AG ( ÖBK ) gebaut. Die Anlagen des Innwerkes ( später Bayernwerk Wasserkraft und heute E.ON Wasserkraft ) können bei einer installierten Leistung von 480 Megawatt jährlich 2,9 Milliarden Kilowattstunden erzeugen. Zusammen mit den Wasserkraftwerken der ÖBK sind am Inn 840 Megawatt installiert, jährlich werden durchschnittlich 4,8 Milliarden Kilowattstunden erzeugt. Der Bau von Wasserkraftwerken dient nicht nur zur Stromversorgung, es wird auch wirksam Hochwasserschutz betrieben. Ein zusätzlicher ökologischer Aspekt der Kraftwerke ist die Reinigungsfunktion des Flußwassers. Die Turbinen brauchen zur Stromerzeugung eine bestimmte Durchlaufmenge an Wasser, durch Treibgut auf dem Inn ( zum Beispiel Holz, Plastik, Glas, Papier oder sonstigem Unrat ), das sich vor den Kraftwerksrechen ablagert, wird die Leistung der Turbinen verringert. Jedes E.ON-Wasserkraftwerk am Inn besitzt für den Abtransport des Schwemmgutes eine Feldbahn. Diese Bahnanlagen sind sehr bescheiden und verfügen nur über wenige hundert Meter Gleisanlagen. Neben einer Lokomotive besitzen die einzelnen Wasserkraftwerke Loren und verfügen teilweise auch über einen Lokschuppen. Jeden Morgen wird das Schwemmgut vor den Rechen abgefangen und in die Loren verladen. Bei Bedarf werden die Loren dann mittels der Lokomotive zu einer Entladestelle ans Ufer gebracht, wo sie abgekippt werden. Insgesamt werden an allen Kraftwerken des Inns jährlich 35.000 m³ Treibzeug geborgen. Nicht jedes Kraftwerk verfügte seit seiner Betriebsaufnahme über eine Lokomotive. Hier wurden früher die Loren von Hand über die Gleisanlagen bewegt. Die Loren besaßen eine handbediente Hydraulikpumpe, mit der sie an der Entladeanlage gekippt werden konnten. Mit dem Erhalt einer Feldbahnlokomotive wurden die Loren so umgebaut, daß sie vom Führerstand der Lok mittels Knopfdruck gekippt werden können.
Die " Innkraftwerkskette " der E.ON Wasserkraft GmbH im einzelnen:
Nußdorf
Die jüngste Staustufe in Nußdorf wurde im Jahre 1982 als sogenanntes Pfeilerkraftwerk in Betrieb genommen. Das Kraftwerk hat eine Leistung von 48 MW, zudem ist die ÖBK zu 47 % an der Kraftwerksanlage beteiligt. Die mit der Eröffnung in Betrieb genommene Feldbahn hat eine Spurweite von 800mm. Die Gleisanlagen umfassen etwa eine Länge von rund 300m ohne Weichen, ein Lokschuppen ist vorhanden. Neben Diema 4494 / 1981 ( DFL 30/1.1, Neulieferung ) sind drei Hydraulikloren vorhanden. Die Lokomotive trägt als Besonderheit eine bayerische Farbgebung.
Diema 4494 / 1981 (12.09.01)
Rosenheim
Südlich von Rosenheim, nahe der Ortschaft Rohrdorf, liegt dieses im Jahre 1960 in Betrieb genommene Staustufenkraftwerk mit einer Leistung von 35 MW. Seit Betriebseröffnung versieht hier Diema 2339 / 1960 ( DS 14, Neulieferung ) mit zwei Hydraulikkipploren den Dienst auf den 800mm-Feldbahngleisen. Insgesamt verfügt das Kraftwerk über 300m Gleis mit einer Weiche und einem Lokschuppen.
Diema 2339 / 1960 (12.09.01)
Feldkirchen
Der Bau von Wasserkraftwerken dient nicht nur zur Stromerzeugung, es wird auch wirksam Hochwasserschutz betrieben. Früher überschwemmten die Hochwasser weite Teile des Rosenheimer Stadtgebietes. Der Bau der Innstufe Feldkirchen im Jahre 1970 führte zur Hochwassersicherheit der Stadt Rosenheim. Das Kraftwerk verfügt über eine Leistung von 38 MW. Auf dem gut 400m langen 800mm-Feldbahnnetz versieht seit Betriebsaufnahme die Diema 3075 / 1969 ( DS 14/5, Neulieferung ) mit 2 Hydraulikloren den Dienst. Neben einem Lokschuppen ( der allerdings nur in den Wintermonaten genutzt wird ) verfügt die Gleisanlage über 2 Weichen, die eine Umfahrmöglichkeit bilden.
Diema 3075 / 1969 (24.05.02)
Wasserburg
Eines mit der ältesten Kraftwerke im Verlauf des Inns ist das Staustufenkraftwerk Wasserburg. Es wurde 1938 fertiggestellt und hat heute eine Leistung von 24 MW. Auch hier wird seit 1966 eine Diema-Lokomotive ( Fabriknummer 2861, DS 20, Neulieferung ) eingesetzt. Das ca. 300m lange 800mm-Schmalspurnetz verfügt über eine Weiche, die Lok ist stets im Freien abgestellt.
Diema 2861 / 1966 (12.09.01)
Teufelsbruck
Auch das Kraftwerk Teufelsbruck kann auf eine ähnlich lange Geschichte zurückblicken, wie Wasserburg. Auch dieses Staustufenkraftwerk wurde 1938 in Betrieb genommen und verfügt heute über eine Leistung von ebenfalls 24 MW. Für den Besuch dieses Kraftwerkes wird ein genaues Kartenmaterial benötigt, da es weitab von größeren Kreis- bzw. Landstraßen liegt. Wer die romantisch in einem Tal gelegene Staustufe erreicht hat, den erwartet auf dem 900mm-Schienennetz die Diema 2939 / 1967 ( DS 20, Neulieferung ) mit 2 Hydraulikloren. Die etwa 300m langen Gleisanlagen besitzen eine Weiche und unmittelbar am Innufer gelegen einen Lokschuppen.
Diema 2939 / 1967 (24.05.02)
Gars am Inn
Nur wenige Kilometer von Teufelsbruck entfernt, liegt in der Nähe des Ortes Gars Bahnhof ( Strecke Mühldorf - Rosenheim ) das Staustufenkraftwerk Gars. Auch dieses Kraftwerk wurde 1938 in Betrieb genommen und arbeitet heute mit einer Leistung von 24 MW. Das 900mm-Feldbahnnetz besitzt eine Länge von rund 300m, verlegt ist eine Weiche. Für die grau lackierte Diema 2628, Baujahr 1963 ( DS 20, Neulieferung ) ist ein Lokschuppen vorhanden. Für den Transport des Treibzeugs stehen 2 Hydraulikloren zur Verfügung.
Diema 2628 / 1963 (24.05.02)
Töging am Inn
Im Jahre 1917 schlossen sich einige Großunternehmen mit dem Deutschen Reich und Bayern zur " Innwerk Bayerische Aluminium AG " zusammen, durch Hilfe des nahegelegenen Inns sollte in Töging ein leistungsstarkes Werk entstehen. Interesse an einer leistungsfähigen Aluminiumindustrie in Deutschland hatte während des 2. Weltkrieges vor allem die Luftfahrt. Am Beginn der energiewirtschaftlichen Erschließung des Inn stand eine große Wasserkraftanlage in Töging zur Energieversorgung des geplanten Aluminiumwerkes. Damals war so eine Anlage - seinerzeit das größte Wasserkraftwerk Europas - nur als Kanalkraftwerk konzipierbar. Sie besteht aus Wehr, Einlaufbauwerk in Jettenbach, einem 20 Km langen Kanal, Wasserschloß und Krafthaus in Töging sowie einem 3 Km langen Unterwasserkanal. Außergewöhnlich waren nicht nur die Größe der Anlage, sondern auch die erforderliche Bauleistung. Bis zum Abschluß der Arbeiten im Jahre 1924 wurden etwa 14 Mio. m³ Erdreich bewegt und 360.000 m³ Beton, 11.000 Tonnen Eisen und Stahl sowie 65.000 Tonnen Zement verarbeitet. 43 Bagger, 115 Lokomotiven mit 2.300 Wagen und bis zu 7.000 Personen waren auf den Baustellen eingesetzt. 1925 wurde das Aluminiumwerk an die Vereinigten Aluminiumwerk AG ( VAW ) des Deutschen Reiches angegliedert und mit dem Ausbau der Innwasserkräfte durch die Innwerk AG die Trennung der Aluminium- und Stromerzeugung ermöglicht. Das Kanalkraftwerk Töging beeindruckt auch heute noch durch seine außergewöhnliche Architektur. Am Ende eines gut 20 Km langen Kanals liegt das Wasserschloß ( hier befindet sich auch die 800mm-Feldbahn ), hier verbreitet sich der Kanal. Entsprechend der Anzahl der Turbinen befinden sich hinter dem Rechen 15 Kammern, die den Einlauf zu 15 Fallrohren bilden, wovon heute aber nur noch 14 in Betrieb sind. Bei einem durchschnittlichen Wasserdurchlauf von 330 m³ pro Sekunde fällt das Wasser in das rund 30 Meter tiefer gelegene Krafthaus. Hier befinden sich 15 Turbinen, acht für Dreh- und sieben für Gleichstrom. Nach dem Durchlauf des Wassers durch die Turbinen erfolgt der Abfluß in den ca. 3 Km langen Unterwasserkanal. Am Ende dieses Unterwasserkanals wird das Wasser wieder in den Lauf des Inns zurückgegeben. Nach der Einstellung der Aluminiumproduktion durch die VAW im Feb. 1996 ( auf dem Gelände entsteht jetzt ein Gewerbepark ) wurden die 7 Gleichstromturbinen im Kraftwerk Töging durch Drehstromturbinen ersetzt.
In Höhe des Wasserschlosses werden zum Transport des Treibgutes 2 Hydraulikloren vorgehalten, die von der grün lackierten Diema 3231, Baujahr 1972 ( DFL 30/1.1, Neulieferung ) befördert werden. Die rund 300m lange Gleisanlage besitzt keine Weiche, dafür aber einen Lokschuppen, den die Diema-Lok nur für ihre Arbeitseinsätze verläßt.
Diema 3231 / 1972 (23.05.02)
Neuötting
Nicht weit von Töging entfernt, liegt das Staustufenkraftwerk von Neuötting. Es ist mit dem Baujahr 1951 allerdings um einiges jünger als das Töginger Kraftwerk und arbeitet auch nur mit einer Leistung von 24 MW. Das 800mm-Feldbahnnetz besitzt eine Länge von rund 300m, ohne Weiche, ein Großteil des Gleises verläuft parallel des Inns. Für die grau lackierte Diema 3699 / 1975 ( DFL 30/1.1, Neulieferung ) ist ein Lokschuppen vorhanden. Für den Transport des Treibzeugs stehen 2 Hydraulikloren zur Verfügung.
Diema 3699 / 1975 (23.05.02)
Perach
Neben Nußdorf ist das Kraftwerk Perach eines der jüngsten Innkraftwerke. Es wurde im Jahre 1977 ebenfalls als sogenanntes Pfeilerkraftwerk in Betrieb genommen. Das Kraftwerk hat eine Leistung von 21 MW. Die mit der Eröffnung in Betrieb genommene Feldbahn hat eine Spurweite von 800mm. Die Gleisanlagen umfassen etwa eine Länge von rund 300m ohne Weichen, ein Lokschuppen ist vorhanden. Als Feldbahnlok fungiert hier ein blauer " Eigenbau " der werkseigenen Werkstatt in Töging. Laut Firmenauskunft soll die Lok Anfang der neunziger Jahre gebaut worden sein, das Fahrgestell soll dabei fertig gekauft worden sein, der Motor ( Deutz ) und die Aufbauten wurden dann selbst gefertigt. Zum Abtransport des Treibgutes stehen auch hier 2 Hydraulikloren zur Verfügung.
Eigenbau der früheren Innwerk AG (23.05.02)
Stammham
Im Jahre 1955 wurde in Stammham in der Nähe des gleichnamigen Ortes ein Staustufenkraftwerk in Betrieb genommen. Das Kraftwerk hat eine Leistung von 23 MW. Wie auch im benachbarten Perach wird hier auf dem 400m langen, 800mm breiten Gleisnetz ein Eigenbau der betriebseigenen Werkstatt aus Töging eingesetzt. Sie ist komplett baugleich wie die Lokomotive aus Perach und ist für den Verschub der 2 Hydraulikloren zuständig.
Eigenbau der früheren Innwerk AG (23.05.02)
Ering
1942 entstand in Ering ein weiteres Staustufenkraftwerk, das heute eine Leistung von 73 MW besitzt. Auf dem Damm der Staustufe befindet sich ein öffentlicher Fußweg, über den man von Ering her kommend auf der gegenüberliegenden Seite nach wenigen Metern österreichisches Gebiet erreicht. Etwas tiefer, unmittelbar vor dem Rechen gelegen, befindet sich die fast normalspurige ( 1370 mm ), ca. 400m lange, Gleisanlage der Staustufe, die auch eine Weiche beinhaltet. Für den Verschub der 3 Hydraulikloren steht Budich 2565 aus dem Jahre 1939 ( DL 12 ) zur Verfügung, die trotz ihrer beinahen Normalspurigkeit eine typische Feldbahnbauart darstellt. Während der Sommermonate ist die Lok stets auf der Staustufe abgestellt, im Winter steht sie in einer gleismäßig angeschlossenen Lagerhalle.
Budich 2565 / 1939 (23.05.02)
Egglfing
Als letztes der 12 E.ON-Innstaustufen-Kraftwerke befindet sich nahe des Kurortes Bad Füssing das Kraftwerk Egglfing. Nach einer Bauzeit von 3 Jahren wurde es 1944 in Betrieb genommen und hat heute eine Leistung von 84 MW. Mit dem Beginn der Bauarbeiten des Kraftwerkes wurde eine normalspurige Anschlußbahn zum Bahnhof Tutting ( Strecke Pocking - Rotthalmünster ) in Betrieb genommen. Sie diente in erster Linie der Zuführung von Baumaterialien, danach wurde sie nur noch sporadisch befahren ( z. B. Wechsel von Transformatoren ), 1966 wurde sie schließlich abgebaut. Zum Befahren dieses Anschlußgleises und für die Rangierarbeiten am Kraftwerk besaß man eine 44 PS starke Dieselverschub-Lokomotive 2603 ( Typ: DVL 44/1435 ) der F.W. Hofmann KG ( Lokomotiv- und Feldbahn-Maschinenbau ), Breslau. Nach dem Abriß des Anschlußgleises wurde die Lok an das benachbarte, heutige GKW-Staustufenkraftwerk Neuhaus / Schärding verkauft, wo sie wenig später einen Motorschaden erlitt. Für den Transport des Treibgutes wird auf der Staustufe noch eine Lokomotive eingesetzt, die ebenfalls normalspurig ist. Es wird hier die etwas sonderbar aussehende, blau lackierte, Windhoff 417, Baujahr 1939 ( LN 18sIII ) eingesetzt. Sie bedient das rund 300m lange Gleisnetz, für den Treibguttransport stehen 2 Hydraulikloren zur Verfügung. Ihre arbeitsfreie Zeit verbringt die Lokomotive in einem Lokschuppen, den sie auch nur zu den Arbeitseinsätzen verläßt.
Windhoff 417 / 1939 (23.05.02)