| Wie schon erwähnt, wurden wir durch die Mailinglisten und das Internet auf die Kinder- und Jugendklinik in Graz aufmerksam. Per E-Mail nahm ich Kontakt zu dem leitenden Professorenehepaar M. Dunitz-Scheer und P. Scheer auf. Schon nach ein paar Tagen wurde mir ein Termin angeboten. Innerhalb eines Monats musste nun meine Krankenkasse von der Notwendigkeit, ausgerechnet nach Österreich zur Sondenentwöhnung zu fahren, überzeugt werden. Das schien die ersten zwei Wochen kaum möglich - keiner war für uns bei der TK zuständig - aber gegen Ende der dritten Woche hatten wir dann die schriftliche Bestätigung der Kostenübernahme für die Sondenentwöhnung.
Sonntag, 25.11.01: Anreise nach Graz Nach 5-stündiger Autofahrt wurden wir sehr herzlich auf der Station 5 empfangen. Marlo und ich bezogen ein Mutter-Kind-Zimmer. Das war für mich der totale Luxus, denn bisher waren wir nur Mehrbettzimmer gewohnt. Steffen blieb noch für die folgenden zwei Tage bei uns und übernachtete in einer Pension in der Nähe der Klinik. Bei der ersten Visite am Montagvormittag wurde vereinbart, ab nächsten morgen Marlos Frühstück zu streichen. So bekam er erst ab mittags etwas über die Sonde. Jeden Morgen wurde Marlo gewogen. Er hatte ein Ausgangsgewicht von 7900g. Am 2. Tag stellten sich uns in der Gruppenbesprechung alle Therapeuten vor und wir erhielten unseren Stundenplan für Logopädie, Ergo - und Physiotherapie. Frau Prof. M. Dunitz-Scheer (MDS) schrieb alles über Marlos bisherigen Verlauf und sein Essverhalten genau auf. Bevor ich Marlo seine Mittagsmahlzeit sondierte, ging es zum Spieleessen, welches eine angehende Psychologin leitete. In einem kleinen Raum stellte sie auf einem Laken am Boden einige Schüsselchen und Teller mit Leckereien hin. Völlig zwanglos und eben spielerisch sollen die Kinder hier auf den Geschmack kommen. Marlo durfte dann mit dem Essen machen was er wollte - matschen im Schokobrei, die Tasse mit Saft umkippen oder sich den Stampf in die Haare schmieren. Wir saßen daneben und gaben ihm einige Anregungen, aber mehr als ein Tropfen Brei vom Finger hat er dabei nicht gegessen. Umso mehr Hunger hatte Marlos Schlafanzug! Der war mit allem Möglichen durchtränkt. Das Ganze wurde per Video aufgezeichnet und später analysiert.
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| Spieleessen | |||||||||||||||
| Nachdem ich Marlo in der Badewanne saubergeschrubbt hatte, sondierte ich ihn. Total geschafft schlief er über zwei Stunden im Kinderwagen beim Spaziergang durch Graz. Der 3. Tag: Um 9.00 Uhr: Physiotherapie auf unserem Zimmer. Danach ging´s zur Ergotherapie. Die anschließende Logopädie-Stunde fiel wegen Müdigkeit aus. Drei Termine am Stück waren einfach zuviel. Marlo brauchte immer noch mal seinen Vormittagsschlaf. Fazit des heutigen Tages: 3 Löffel Hipp-Gemüse und 2 Löffel Vanillepudding! Marlo schlief diese (und auch die folgenden) Nächte äußerst unruhig. Ich wusste aber bald schon den Grund: er bekam seinen ersten Zahn! An unserem 4. Tag konnten wir dann zum ersten Mal zur Logopädie. Die Therapeutin schaute Marlo beim Essen zu und stellte sofort einen massiven Zungenstoß fest. Sie war begeistert von seinem Willen zu Essen, denn er sperrte ja immer den Mund auf, aber dann schob er fast alles wieder mit der Zunge raus. Ein beim Down-Syndrom schon oft beobachtetes Verhalten.
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| Samstagabends konnten wir dann einen ersten Erfolg verbuchen! Mit einem kleinen schmalen Löffelchen - ohne Druck - ganz locker in den Mund hinein - nur die Löffelspitze voll - hatte er ca. 40g Obstbrei gegessen und das Kinn blieb weitgehend sauber! Auch sonntagmorgens und mittags schluckte er wesentlich mehr als bisher. Gewicht: 7600g, zum Frühstück ein wenig Griesbrei, mittags etwas Stampf, dann eine halbe zerdrückte Banane, ein paar Löffel Apfelmus und abends |
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| Da es nun absehbar war, dass wir bald wieder nach Hause durften, kam Steffen am Freitag zu uns in die Klinik gefahren. Das Wochenende verbrachten wir mit Füttern (was sonst?) und Geschenkeeinkaufen im schönen vorweihnachtlichen Graz. | |||||||||||||||
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| Der Papa durfte auch mitmachen! | |||||||||||||||
| Mo, 10.12. Gewicht immer noch 7500g. Doch wir hatten einige Bedenken: "Na ja, nach so kurzer Zeit Esstherapie sollen wir ohne Sonde nach Hause fahren? Was wäre denn, wenn Marlo mal krank wird, scheußliche Medis einnehmen muss und kaum was isst? Und er trinkt ja auch kaum was ... in Erlangen (da wurde die PEG angelegt) hieß es immer: wenn das Kind wieder ausreichen isst und trinkt, lässt man die Sonde noch 2-3 Monate zur Sicherheit drin..." aber Frau Prof. MDS meinte sehr zuversichtlich: "Da müssten wir ja alle so eine PEG haben. Ich kenne kein Kind, das nach 3 Monaten wieder eine Sonde benötigt hätte. Was ein Mensch einmal erlernt (z.B.Radfahren, Klavierspielen und auch Essen), das kann er immer wieder. Aber letztendlich bleibt die Entscheidung bei den Eltern." Wir überlegten noch ein wenig - vielleicht lassen wir ihm vorerst einen Button legen? (ein kleiner "Knopf" am Bauch, an dem ein Schlauch zum Sondieren angeschlossen wird) Mi, 12.12. Gewicht 7650g - es geht wieder aufwärts! |
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| .... und der Marlo auch! | |||||||||||||||
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Do, 13.12. Unser 18. und letzter Tag in Graz! |
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| Frau Prof. MDS gab uns bei der Entlassung noch ein paar wichtige Tipps mit auf den Weg: z.B. Füttern ohne Zwang und auf Marlos Bedürfnisse eingehen. Wenn er nicht mehr will - aufhören! Keine Milliliter-Zählerei mehr, denn das beunruhigt nur. Er wird sich das holen, was er braucht. Einmal wöchentlich sollte Marlo beim Kinderarzt gewogen werden. Gegen Mittag traten wir die Heimreise an. Am nächsten Tag hatte Marlo recht gut gegessen, aber nachts sehr oft geweint. Samstagmorgen sahen wir die Bescherung: eine übergelaufene Windel - durch den Schlafanzug und Schlafsack bis ins Bett - Durchfall - sehr übel riechend. Als Marlo dann den Frühstücksbrei erbrochen hatte, wussten wir, dass etwas nicht stimmte. Wir warteten noch bis nachmittags - doch er behielt nichts im Magen. Also wieder Taschen packen und ab in die Klinik nach Erlangen. Fazit: Rotaviren (Souvenir aus Graz). Drei Tage lang hatte er so gut wie nichts gegessen oder getrunken und hing 4 Tage an der Infusion. Am 5. Tag konnten wir wieder heim .... und in Ruhe Weihnachten feiern! Wir möchten uns an dieser Stelle nochmals herzlichst bei dem gesamten Team der Psychosomatik in der Kinder- und Jugendklinik Graz für den angenehmen Aufenthalt und die liebevolle Betreuung bedanken. Marlo ist ein kleiner Genießer. Er lässt sich Zeit beim Essen. In den ersten zwei Monaten ohne Sonde hat er noch relativ häufig die halbe oder ganze Mahlzeit erbrochen. Erst nach und nach haben wir den scheinbaren Grund dafür gefunden: er hat sich oft verschluckt (sogar an Reiskörnern), also hat er vorerst nur Breie und Püriertes bekommen. Auch das mit dem Aufstoßen funktionierte noch nicht richtig. Ich wusste zudem nie genau, wann er wirklich satt war, denn er hat den Mund immer wieder aufgesperrt, wenn was Essbares kam. Ein Löffel zuviel hat das Fass dann zum Überlaufen gebracht. Die PEG ist weg - und Marlo seitdem viel mobiler geworden. Schon kurz nach Weihnachten rollt er sich deutlich schneller herum. Ende Januar fing er zu robben an. Auch sprachlich tut sich einiges: Er plappert recht viel und Mitte Februar kam das erste gezielte "PAPA"! Die Sondenentwöhnung wurde bei Marlo zum richtigen Zeitpunkt durchgeführt. Den schnellen Erfolg verdanken wir hauptsächlich der Tatsache, dass Marlo schon mit dem Willen zu Essen in Graz gestartet war. Die meisten Sondenkinder können zwar Essen, aber wollen nicht. Bei ihm war es anfangs umgekehrt. Wir können das Grazer Sondenentwöhnungsmodell nur wärmstens weiterempfehlen! ..... in diesem Sinne .... Mahlzeit! |
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