Reisebericht Island

Tag 1:

Nach isländischer Zeit (Uhr zwei Stunden zurückdrehen) landen wir um 8:30 Uhr in Keflavik. Während des Landeanflugs bot sich schon die Möglichkeit einen Blick auf den südlichen Teil der Insel zu werfen und dabei schon ein paar Highlights der kommenden Tour aus der Luft auszumachen, beispielsweise die Gletscherlagune Jökursalon.

Mit dem Mietwagen (3-Türer gab’s keine mehr, so dass wir ohne Aufpreis einen kleinen roten 5-türigen Toyota Yaris bekamen – Kilometerstand: 14km!) machten wir auf dem Weg nach Reykjavik erst einmal einen Abstecher zur Blauen Lagune. Der größte Teil der Lagune ist mittlerweile ein Schwimmbad, das wir uns für den letzten Tag aufheben, aber wir spazieren um die kleineren milchig-blau leuchtenden Seen inmitten einer teilweise mit Moos überzogenen Landschaft. Leider befindet sich am Himmel eine einzige Wolke, aber die verharrt genau über uns. Ich hoffe, dass die blaue Farbe auch ohne Sonnenschein auf den Fotos zu Geltung kommen wird.

Später in Reykjavik begeben wir uns zu Fuß erst mal auf die Erkundung der Stadt. Sehenswert ist die Hallgrimmskirkja, aber die Vorderseite wird leider aufgrund von Renovierungsarbeiten gerade von einem Baugerüst verdeckt. Weiter geht es zum Perlan, einem Gebäude aus Heißwassertanks, die von einer gläsernen Halbkugel bedeckt werden. Das Perlan bietet einen wunderbaren Blick über Reykjavik. Außerdem beinhaltet es das Saga-Museum, in dem wir viel über die Geschichte Islands und der Isländer lernen. Die wichtigsten Szenen der isländischen Geschichte sind hier mit lebensecht wirkenden Figuren nachgestellt. Ein Bummel durch die Innenstadt, zur Skulptur Solfar und entlang des städtischen Sees Tjörnin beendet das Ausflugsprogramm für heute.

Tag 2:

Ein Blick an den Himmel lässt vermuten, dass das Wetter nicht durchgängig sonnig bleiben könnte und so ziehen wir das Freilichtmuseum in unserer Reihenfolge vor. In etwa 20-25 Häusern aus den letzten Jahrhunderten kann man einen Blick auf die Inneneinrichtung und Werkzeuge und damit auch auf die Lebensweise der Isländer früher werfen.

Da wir immer noch aufnahmefähig für die Geschichte Islands sind, geht es gleich weiter ins Nationalmuseum. Da heute Mittwoch ist, kostet es keinen Eintritt (Interessant!). Die historischen Fundstücke sind toll in Szene gesetzt, teilweise findet man auf Computermonitoren noch viel weiterführende Erklärungen, aber irgendwann sind wir mit Infos übersättigt.

Also lieber wieder in die Innenstadt und einen Tee trinken. Rechtzeitig machen wir uns aber auf ins Hotel. Um 18:45 Uhr ist Anstoß zum EM-Halbfinale und wir wollen das Spiel in der Hotelbar verfolgen. Spielerisch ansehnlich ist es nicht unbedingt, aber wenigstens spannend. Die Spannung ist aber kaum auszuhalten, als 10 Minuten vor Spielende keine Live-Bilder mehr zu sehen sind. „Technische Probleme“ – so viel kann man den isländischen Kommentatoren entnehmen, aber mehr verstehen wir nicht. Im Studio laufen dafür jetzt Live-Bilder vom Public Viewing aus Berlin und Istanbul. Plötzlich wird in Berlin gejubelt – scheinbar ein Tor für Deutschland. Ein paar Deutsche an der Hotelbar bemühen sich um eine Bestätigung für das Tor per Handy. In die Bestätigung hinein, dann aber Jubelszenen in Istanbul, scheinbar steht es 2:2 und plötzlich ist auch wieder ein Bild da und aus der Anzeige lässt sich entnehmen, dass wir wirklich zwei Tore verpasst haben. Ein weiteres fällt jedoch noch vor unseren Augen und lässt uns jubeln, aber dann folgt auch schon wieder ein Bildausfall. Die letzten Minuten gibt es nur wieder Public Viewing Live Bilder. Nach gefühlten 10 Minuten (es waren aber wohl nur drei oder vier) jubeln die Menschen in Berlin und wir gehen davon aus, dass wir jetzt im Finale stehen. Müde sind wir nach so einem spannenden Spiel überhaupt nicht, so dass wir uns im Hotel an die Fensterfront setzen und zusehen, wie um 23:56 Uhr die Sonne untergeht. Auch noch eine Stunde später ist es hell – nur die Straßen sind ausgestorben. Sieht schon irgendwie komisch aus. Bis die Sonne aber einige Zeit später wieder aufgeht, wollen wir nicht warten, schließlich geht es morgen auf die große Rundreise um die Insel und da will man ausgeschlafen und fit sein.

Tag 3:

Nach zwei Tagen Reykjavik geht es jetzt endlich raus in die Natur. Bei gemütlichen 90 km/h (mehr sind nicht erlaubt und je nach Straßenverhältnissen auch nicht möglich) kann man den Blick über die Landschaft schweifen lassen. Sehenswert ist die Landschaft allemal mit ihren Bergen, Ebenen und Fjorden, aber manchmal wünscht man sich in diese große Weite hinein doch ein paar Bäume oder Blumen. Blumen gibt es schon hin und wieder, aber dann nur eine Sorte: Lupinen. Ich kenne sie eigentlich in diversen Farben, aber in Island sind sie alle blau-violett. Und dann gibt es noch Wollgras, was aussieht wie Baumwollfussel an Grashalmen.

Unser erstes Ziel für heute ist der Hraunfossar-Wasserfall. Durch seine Höhe oder die Wassermassen beeindruckt er weniger, vielmehr durch die vielen einzelnen Wasserläufe, die unterhalb von sattgrünen Moosteppichen hervorquellen und sich schließlich in einem leuchtend blauen Fluss vereinigen. Aber nicht nur wir genießen den Anblick, sondern auch eine große Zahl von irgendwelchen Mücken. Stiche tragen wir aber keine davon.

Nur wenige Kilometer entfernt halten wir an den Deildartunguhver-Quellen. Hier ergießen sich täglich 16 Millionen Liter kochendes Wasser aus der Erde. Wenn man sich mal überlegt, wie viel Strom man bräuchte, um diese Menge mit einem Wasserkocher zu erhitzen, so ist man beeindruckt. Ein Teil des Wassers wird in die umliegenden Orte gepumpt, der Rest fließt in einen Bach, der sich auf den nächsten Kilometern vor sich hin dampfend seinen Weg durch die Wiesen bahnt. Fische gibt es hier bestimmt keine.

Unsere Fahrt führt schließlich über die Snæfellsnes-Halbinsel nach Helissandur. Unser Hotel liegt am Fuße des schneebedeckten Snæfellsnesjökull, dem Gletschervulkan, der in Jules Vernes „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ vorkommt. An ihm befindet sich dort der Einstieg in die Erde.

Tag 4:

Während jeden Tag meist zwei bis vier Sehenswürdigkeiten auf unserer To-Do-Liste stehen, ist diese heute leer. Der Wasserfall, der in der Nähe von Laugar sein soll, habe ich gestrichen, als ich beim Blick auf die Karte festgestellt habe, dass es hier in Island zwei Laugars gibt. Beim anderen mit dem Wasserfall kommen wir aber erst in drei Tagen vorbei. Auch unseren Zielort Stadur finde ich zweimal auf der Karte, kann den richtigen aber aufgrund der Reiseunterlagen identifizieren. Somit besteht unser heutiges Ziel nur damit zum neuen Hotel zu gelangen. Ein großer Teil der ersten Hälfte geht es jedoch über Schotterstraßen, was die Durchschnittsgeschwindigkeit senkt, aber einem mehr Zeit gibt einen Blick auf die Landschaft zu werfen.

Am frühen Nachmittag kommen wir schon im Zielort an, wobei der Ort aus Hotel, Tankstelle incl. Imbiss, einer kleinen Kirche sowie weiteren 4-5 Häusern besteht. Trotzdem hat es der Ort geschafft in meiner Straßenkarte im Maßstab 1:750000 verzeichnet zu sein. Mich würde interessieren, ab wie viel Häusern ein Ort als Ort zählt. Aber das Vorhandensein eines Hotels oder einer Tankstelle erhöht bestimmt die Chancen in die Straßenkarte aufgenommen zu werden. Wir machen jedenfalls erst mal eine kurze Pause und gönnen uns im Tankstellenimbiss eine warme Abendmahlzeit: Cheeseburger mit Pommes. Wir ignorieren aber die zu den Pommes gereichte Cocktail-Soße und nehmen lieber ganz herkömmlich Ketchup dazu.

Tag 5:

Heute ist ein Ruhetag, d.h. wir bleiben im selben Hotel. Trotzdem verzichten wir nicht aufs Autofahren, sondern nehmen uns die Sehenswürdigkeiten vor, die wir den ausliegenden Infos im Hotel entnehmen konnten. Leider werden wir dabei wohl auf die Sonne verzichten müssen. Da scheint sie in Island im Sommer schon so lange, aber wenn Regenwolken davor hängen, hat man auch nichts davon.

Als wir jedoch den angegebenen Kolugljúfur-Wasserfall mit seiner 1km langen und 20-25m tiefen Schlucht auf der Vatnsnes-Halbinsel erreichen, scheint die Sonne doch. Aber nur, um sich kurz darauf wieder zu verstecken. Im Gegensatz zum ersten Wasserfall vorgestern stürzt hier das Wasser in einem einzigen Strom in die Tiefe. Ein ästhetischer Vergleich der beiden Wasserfälle fällt aber schwer und so wandern wir lieber noch etwas die Schlucht entlang, bevor wir wieder ins Auto einsteigen, um die Vatnsnes-Halbinsel zu umrunden.

Erster Stop ist Borgavirki. Hier handelt es sich um ein rundes Areal von Basaltsäulen, das die Spitze eines Berges bildet. Angeblich war diese Anhöhe auch mal der Wohnsitz einiger Wikinger. Einen prima Ausblick hat man auch, aber wenn es damals hier oben genauso windig war wie heute, hätte ich mir als Wikinger eine andere Bleibe gesucht. Fast hat man das Gefühl, dass man sich gemütlich an den Wind anlehnen könnte, wenn er aber einem von vorne ins Gesicht weht, stört er einen aber schon sehr.

Wir steigen also wieder in unser Auto, ziehen gegen den Widerstand des Windes unsere Türen zu und fahren die Küste entlang bis zu einem großen Felsen am Strand (Hvítserkur), der mit ein wenig Phantasie wie ein Dinosaurier aussieht. Wir genießen den Ausblick auf den „Dinosaurier“ von der Aussichtsplattform auf den Klippen aus, nehmen dann aber auch noch den Trampelpfad nach unten zum Strand. Trotz des Windes und einsetzenden Nieselregens laufen wir noch eine Weile am Strand entlang, als wir plötzlich und unerwartet auf einer Sandbank im Meer einige Seehunde ausmachen. In diesem Moment taucht ein einzelner Seehund nur ein wenig entfernt von uns im Meer auf und beobachtet uns neugierig. Wir schauen genauso neugierig zurück, während er immer wieder untertaucht und jeweils ein Stück näher an uns seinen Kopf wieder aus den Wellen steckt. Bis ganz an den Strand traut er sich aber nicht. Schade. Da der Regen stärker wird, begeben wir uns wieder zum Auto und umfahren den Rest der Halbinsel. Eine Pause lohnt sich bei dem Wetter nicht und so betrachten wir die Landschaft aus dem Auto heraus.

Tag 6:

Heute geht es weiter in den Norden nach Akureyri, der mit 15000 Einwohnern viertgrößten Stadt Islands. Auch heute ist die Zahl der geplanten Sehenswürdigkeiten gering und es findet sich auch kein weiterer Wasserfall, der auf dem Weg liegt. So besuchen wir nur den Museumshof Glaumbær. Dieser besteht aus 13 kleinen, aber miteinander verbundenen Torfhäusern aus dem 19. Jahrhundert. Der Hof selbst war bis 1945 noch bewohnt, wie aus der deutschen Beschreibung hervorgeht. Auch wenn wir wenig Probleme haben, englische Erklärungen in den Museen zu lesen, so freuen wir uns doch darüber, dass während der Reise die Infos des öfteren in isländisch, englisch und deutsch angegeben werden. Beim Einkaufen findet man hier und da sogar Original-Produkte aus Deutschland. In einem Supermarkt sehen wir in der Handarbeitsabteilung ein paar Gummibänder, die neben der deutschen Aufschrift sogar noch den DM-Preis (6,95 DM) angegeben haben. Hoffentlich haben die Gummibänder in den mindestens sechs Jahren, in denen sie dort wohl schon hängen nicht an Elastizität verloren.

Nach unserer Ankunft in Akureyri besuchen wir zuerst das Haus des Schriftstellers Jón Sveinsson, der „Nonni und Manni“ (übrigens die ZDF-Weihnachtsserie von 1988) geschrieben hat und laufen anschließend noch etwas durch die Fußgängerzone. Da Sonntag ist, haben aber nur wenige Geschäfte geöffnet. Um halb sieben finden wir uns zum EM-Finale im Hotel ein. Da sich hier keine Hotelbar oder Gemeinschaftsraum findet, schauen wir auf dem Zimmer. Die ersten zehn Minuten sehen ansprechend aus, aber spätestens mit dem Tor für Spanien sinken die Hoffnungen auf einen Sieg. Da sich die Deutschen aber während des gesamten Spiels keine hochwertigen Torchancen erarbeiten, geht der Sieg für Spanien in Ordnung. Nachdem wir bei der WM 3. waren und jetzt 2. sind, sagt der Trend dann wenigstens einen Sieg zur WM 2010 voraus.

Tag 7:

Heute ist Waltag. So stehen wir früher auf als sonst, um rechtzeitig um halb zehn im 90km entfernten Husavik zu sein. Dort besteigen wir ein kleines Schiff zur etwa 3-stündigen Whale-Watching-Tour. Da es weiterhin sehr windig und bewölkt ist, bekommen wir den Hinweis, dass es sein kann, dass wir ggf. gar keine Wale zu Gesicht bekommen. Wir fahren trotzdem mit raus. In der Broschüre wird mit einer 99%-igen Sichtungsquote geworben und wir werden ja nicht gerade das eine Prozent sein. Zum Glück bekommen wir noch dickere Overalls, die einen warm halten sollen, obwohl sie am Ende durch den Regen durchnässt auch ein wenig in ihrer Funktion als Wärmespender nachlassen.

Das Whale-Watching entwickelt sich dann zu einer Wave-Watching Tour. Über zwei Stunden halten wir Ausschau, sehen aber außer ein paar Möwen und Papageientauchern nur Meer und Wellen. So wie beim EM-Endspiel gestern mit jeder Spielminute die Hoffnung auf den Ausgleich schwand, so sinkt hier jede Minute die Hoffnung auf eine erfolgreiche Sichtung. Dann aber die erste Rückenflosse! Ein Delfin lässt sich kurz blicken und taucht wieder ab. Kurz bevor sich das Schiff auf den Rückweg zum Hafen machen muss, sehen wir doch noch einen Wal. Ein paar Meter vor unserem Schiff sieht man seinen Buckel aus dem Meer ragen. Kurze Zeit später taucht er nochmals auf. Man sieht aber nur noch seine Schwanzflosse im Meer versinken. Nachdem es bei dem Wellengang gar nicht so einfach ist, sich gleichzeitig festzuhalten und den Fotoauslöser zu drücken, gelingt es mir doch den Moment festzuhalten.

Leicht klamm legen wir nach 3 ½ Stunden (hat wohl eine halbe Stunde länger gedauert, weil sie wohl doch nicht ohne Walsichtung zurückkehren wollten) wieder am Hafen an, um im nahegelegenen Walmuseum unser Wissen über Wale aufzufrischen. Neben vielen Bildern und (auch wieder in zusätzlich auf deutsch verfassten) interessanten Infotafeln bestaunen wir die verschiedensten ausgestellten Walskelette. Ein richtig gutes Museum, das an dieser Stelle einfach mal gelobt werden muss.

Anschließend besuchen wir das angeblich einzige Phallusmuseum der Welt, in dem diverse Exemplare von der Spitzmaus (ein paar Millimeter) bis zum Elefant und Wal (beachtliche Größe) ausgestellt sind. Jedoch ist das Museum nicht so spannend wie das Walmuseum vorher und so sind wir recht zügig durch und begeben uns auf die Rückfahrt zum Hotel.

Einen kleinen Schlenker machen wir aber noch und schauen mal wieder an einem Wasserfall vorbei. Der Godafoss ist einer der bekanntesten Wasserfälle Islands. Sein Wasser stürzt auf einer beachtlichen Breite von etwa 30 Metern in die Tiefe. Nachdem alles fotografisch festgehalten ist, geht es schließlich zurück zum Hotel. Ich nutze die Zeit jedoch, um in Akureyri noch ein wenig mit meinem Foto durch den recht großen Botanischen Garten zu schlendern.

Tag 8:

Heute führt uns unser Weg nach Egilstadir im Osten der Insel durch Islands größtes Naturschutzgebiet um den Mývatn-See, der zu deutsch Mückensee heißt. Wir haben Glück, denn Mücken sehen wir keine, obwohl es sich laut Reiseführer wohl meist um harmlose Zuckmücken handeln soll. Vor dem Urlaub hatte ich sogar irgendwo gelesen, dass es dokumentierte Fälle gab, in denen hier Pferde erstickt sind, da die Mücken, angezogen vom ausgeatmeten Kohlendioxid, die Nüstern verstopft haben. Wir können jedoch in Ruhe durchatmen und den See mit seinen vielseitigen Lavaformationen am Ufer betrachten.

Für einen weitreichenden Spaziergang reicht die Zeit jedoch nicht aus und wir begeben uns zu den Dimmuborgir (Dämmerburgen) in der Nähe. Burgen sind dies aber keine, sondern aufragende Lavafelsen, die entstanden, als sich Wasser unter einem Lavasee erhitzte und aufstieg. An diesen Stellen kühlte die Lava ab. Als der Lavasee abfließen konnte blieben die erstarrten Felsen und Wände stehen. Wir wählen die zwei kleinen Rundwege, die zum Glück gut ausgewiesen sind, andernfalls lässt sich hier sonst prima die Orientierung verlieren.

Nur wenige Kilometer weiter auf unserer Route halten wir schon wieder an der nächsten Sehenswürdigkeit: den Solfatarenfeldern von Námaskarð oder auch Hverir. Hier finden sich diverse heiße Quellen. An einigen Stellen tritt einfach heißer Dampf aus Rissen im Boden aus und die umgebenden Steine leuchten schwefelgelb. An anderen Stellen blubbert in kleinen Kratern grauer Schlamm vor sich hin. Manchmal ist er sehr flüssig, manchmal hat er aber die Konsistenz von Pudding. Um die verschiedenen Farben hier fotografisch festzuhalten würde es etwas Sonnenschein bedürfen. Aber gerade über lacht ein kleines Stück blauer Himmel hervor. „Wal gehabt“ würde der Isländer sagen (das haben wir gestern im Walmuseum gelernt). „Wal gehabt“ ist im isländischen gleichbedeutend mit „Glück gehabt“, da die Menschen, an deren Küsten ein Wal strandete genug Nahrung für den entbehrlichen Winter hatten.

Im Anschluss geht es, wie soll es anders sein, noch zu einem weitern Wasserfall. Für die 28km Schotterstraße benötigen wir jedoch ca. 50 Minuten und auf dem Rückweg noch einmal die selbe Zeit. Nicht nur die kleinen und größeren Schottersteine veranlassen uns die Geschwindigkeit zu reduzieren, vor allem die in sehr kurzen Abständen folgende Bodenwellen beeinträchtigen das Fahrverhalten sehr und beanspruchen vor allem die Stoßdämpfer. Dafür erreichen wir aber Europas energiereichsten Wasserfall, was physikalisch auf ein großes Produkt aus Wassermasse und Fallhöhe hindeutet. Der Dettifoss ergießt sich jedenfalls auf einer Breite von 100 Metern 45 Meter in die Tiefe einer langgezogenen und mächtigen Schlucht.

Tag 9:

Heute ist mal wieder ein Ruhetag, so dass wir nicht zum nächsten Hotel weiterfahren müssen. Der Reiseführer rät zu einer Fahrt an die Ostküste mit ihren Fjorden. Die Regenwolken hängen jedoch so tief, dass wir so gut wie gar nichts von der Landschaft sehen und somit direkt Islands größtes Mineralienmuseum ansteuern. Beim Namen des Museums „Petras Steinsammlung“ spekulieren wir schon, ob die Mineralien bei Petra im Wohnzimmer ausgestellt sind. Aber genau so ist es. Bei dem Museum handelt es sich um eine Sammlung einer Einzelperson (Petra), die über Jahre auf eine beachtliche Größe angewachsen ist und neben den Vitrinen im Flur und zwei weiteren Zimmern auch einen großen Teil des Gartens (in dem gerade (am 2.7.) die Tulpen blühen) ausfüllt. Und die Sammlung ist gut besucht. Als wir gehen, stehen plötzlich etwa 15 französische Wohnmobile auf dem Parkplatz und die Insassen kommen uns entgegen. Gut, dass wir die Wohnmobile nicht alle auf der Straße vor uns haben.

Da das Wetter keine Besserung verspricht, verbringen wir den restlichen Tag im Hotel mit Lesen und Karten bzw. Reisetagebuch schreiben.

Tag 10:

Mal sehen, wie viel Zeit heute für die Sehenswürdigkeiten bleibt, denn es liegt mit 460km die längste Etappe vor uns. Das Wetter scheint sich gebessert zu haben und die Sonne lässt sich immer mal wieder blicken als wir aufbrechen. Aber es bewahrheitet sich die Aussage, die ich irgendwo gelesen habe: „In Island ist das Wetter extrem wechselhaft und daher machen Wettervorhersagen auch keinen Sinn“. Als wir über eine etwas höher gelegene Passstraße fahren zieht sich der Himmel zu und es jeweils gerade noch der nächste Begrenzungspfosten am Straßenrand zu erkennen.

Gegen Mittag machen wir einen Stopp in Höfn, wo wir das Gletschermuseum besichtigen und einiges über Europas größten Gletscher, den Vatnajökull lernen, an dessen Fuße wir die nächsten Stunden entlang fahren werden.

Das Highlight des heutigen Tages ist die Gletscherlagune Jökulsárlón, die schon als Drehort für zwei James Bond Filme (Der Mann mit dem goldenen Colt und Stirb an einem anderen Tag,) diente. Vom Gletscher brechen bis zu 15m hohe Eisberge ab, die in verschiedenen Blau- und Weißtönen schimmernd auf dem See umhertreiben. Kleinere Eisberge finden ihren Weg durch den sich aus dem See speisenden Fluss ins direkt danebenliegende Meer, wo sie in der Brandung auf- und abtanzen und schließlich weiter hinaustreiben. Einige kleinere Eisstücke liegen auch am schwarzen Strand und bieten ein kontrastreiches Fotomotiv.

Leider strahlt erst einige Kilometer weiter die Sonne von dem dann strahlend blauen Himmel, so dass wir dann aber wenigstens am Svinafjell noch einmal so nah wie möglich an einen der Gletscherarme heranfahren und An- und Ausblick genießen.

Den obligatorischen Wasserfall streichen wir aber. Den Svartifoss haben wir schon auf mehreren Postkarten gesehen und wir wollen uns nach der langen Fahrtstrecke und in Anbetracht der fortgeschrittenen Zeit die halbstündige Wanderung vom Parkplatz zum Wasserfall nicht zumuten. Morgen gibt es ja wieder zwei neue Wasserfälle.

Tag 11:

Gleich zu Beginn schauen wir in Kirkjubæjarklaustur an ein paar Basaltsäulen vorbei, die ebenerdig abschließen uns aussehen, als ob der Platz gepflastert wurde. Ansonsten geht es heute an mit Moos bewachsenen Lavafeldern und Lupinen vorbei an den südlichsten Ort Islands, nach Vík í Mýrdal. Hier gilt es natürlich einen Abstecher zum schwarzen Sandstrand zu machen, der angeblich zu den zehn schönsten der Welt zählt (hat jedenfalls ein isländisches Magazin mal geschrieben). Zur Rechten bietet sich der Ausblick auf die Steilküste mit vorgelagerten Felszinnen und zum Landesinneren hin sieht man den schneebedeckten Mýrdalsjökull aufragen. Trotz der Schönheit nutzt keiner den Strand zum Baden, obwohl es zum Teil sonnig ist und so warm, dass wir die Jacken beim Spaziergang im Auto lassen. Am Ende des Strandes, dort wo die Steilküste beginnt ziehen Möwen kreischend ihre Bahnen durch die Luft. Als wir jedoch unter ihnen auch Papageientaucher ausmachen beginnt unsere Jagd danach, diese in ausreichender Größe aufs Foto zu bekommen. Wir klettern ein paar im Hang sitzenden Papageientauchern entgegen und schießen mit jedem Meter ein neues Foto.

Nachdem wir mit der Ausbeute der Bilder halbwegs zufrieden sind fahren wir ein paar Kilometer weiter zum Kap Dyrholaey. Auch hier bietet sich ein toller Ausblick auf die Feldküste, vor allem bietet sich aber ein perfekter Ausblick auf die Papageientaucher, die gemütlich und nur einen Meter von uns entfernt an der Klippe sitzen. Da hätten wir uns die Kletterei eben sparen können. Wir freuen uns aber trotzdem über das Fotomotiv und schießen noch eifrig weitere Fotos von den Vögeln.

Im Anschluss geht es, welch Überraschung, zu zwei Wasserfällen. Am Skogafoss herrscht eine richtig sommerliche Atmosphäre. Ein paar Jugendliche picknicken gemütlich auf der Wiese, die Sonne scheint und im Hintergrund ergießt sich der Wasserfall vom Berg herab. Im Gegensatz zu den bisherigen Wasserfällen stehen wir diesmal am unteren Ende und können zusehen, wie das Wasser auf uns zu stürzt.

Der Seljandsfoss ist nicht ganz so groß und führt auch nicht so viel Wasser, so dass wir fast ein wenig enttäuscht sind. Als wir jedoch erkennen, dass man unten einmal um den Wasserfall herumlaufen kann und man sich somit zwischen Felswand und Wasserfall stellen kann, trägt er für uns doch zu Recht die Auszeichnung „Sehenswürdigkeit“.

Tag 12:

Der Himmel ist blau und die Sonne lacht. Genau das richtige Wetter für das Highlight der Reise, für die Sehenswürdigkeit, die jeder mit Island verbindet, die Geysire. Es sind aber nur zwei an der Zahl. Der „große Geysir“ und sein kleinerer Bruder Strokkur. Während der große Geysir Anfang des 19. Jahrhunderts Fontänen bis zu 60 Metern ausspie, folgte eine Zeit der kompletten Inaktivität. Erst ein Erdbeben im Jahr 2000 erweckte ihn wieder zum Leben, aber seine Ausbrüche sind mit wenigen Malen am Tag recht selten und mit etwa 10 Metern reicht er auch nicht mehr an seine ursprüngliche Höhe heran. Glücklicherweise gibt es direkt daneben den Strokkur, der alle paar Minuten sein Wasser bis zu 35 Meter hoch schießt. Mit Spannung stehen wir dort und beobachten, wie sich der Wasserspiegel bewegt, mal ein leichtes Anschwellen, dann doch wieder ein Absinken und dann bildet sich endlich eine Blase aus blauem Wasser, die durch die in ihr aufsteigenden Luftblasen zerrissen wird. Nachschießendes Wasser bildet dann die kurze aber hohe Wasserfontäne. Alles geht so schnell, dass selbst bei der Serienbildfunktion meines Fotos alles in drei oder vier Fotos vorbei ist. Aber spektakulär ist es allemal, so dass wir einer ganzen Reihe von Ausbrüchen zusehen und uns dabei sogar einen leichten Sonnenbrand einfangen (wenn die Sonne mal scheint, dann auch intensiv). Wir betrachten noch Blesi, eine kleine leuchtend blaue Quelle. Die blaue Farbe kommt angeblich von kieselgurhaltigen Wasser.

Als wir uns gerade zum Gehen wenden bricht auch der große Geysir aus. Nicht so hoch, aber etwas länger andauernd. Wir freuen uns jedenfalls darüber, dass wir beide Geysire in Aktion bewundern konnten.

Im Anschluss besuchen wir den letzten Wasserfall unserer Rundreise, den Gullfoss. Gullfoss heißt „goldener Fall“, was sich aber wahrscheinlich auf seinen Anblick in den Abendstunden bezieht. Da die Abendstimmung bei einem mitternächtlichen Sonnenuntergang jedoch erst sehr spät aufkommt, begnügen wir uns damit dem Wasserfall im Mittaglicht zuzuscheuen, wie er sich kaskadenartig über zwei Abhänge in die nachgelagerte Schlucht ergießt.

Den Abschluss des Tages bildet ein Besuch des 55 Meter hohen Kerið Kraters, in dessen Kegel sich ein See gebildet hat. Auf den Rundweg um den gesamten Krater verzichten wir jedoch und genießen einfach den Ausblick vom Kraterrand auf den See.

Tag 13:

Heute geht es zurück nach Reykjavik. Auf dem Weg dorthin legen wir noch einen Zwischenstopp im Þingvellir-Nationalpark ein. Hier trafen sich im Jahre 930 erstmals die Isländer zur Thingversammlung, so dass dieser Ort als historischer Versammlungsplatz als eines der ältesten Parlamente der Welt gilt. Þingvellir liegt zwischen zwei Schluchten, die zur europäischen bzw. amerikanischen Platte gehören und im Jahr ca. 1 cm auseinanderdriften. Ansonsten bietet sich von hier ein schöner Ausblick auf den Þingvallavatn, Islands größten See.

Zurück in Reykjavik machen wir uns einen gemütlichen Nachmittag in einem Cafe und schreiben noch die letzten Urlaubspostkarten, bevor wir am frühen Abend zur blauen Lagune fahren. Während wir am ersten Tag nur die Seen außerhalb des eigentlichen Schwimmbades angeschaut haben, gehen wir diesmal ins Bad und genießen es im 38°C-40°C heißen bläulich milchigen Wasser zu schwimmen oder uns in die Dampfgrotte zu setzen. Irgendeine in der Lagune gewonnene hautpflegende Gesichtsmaske steht überall bereit, so dass wir es auch einmal benutzen und mit weißem Gesicht herumschwimmen, bis die Maske getrocknet ist. Wenn’s schön macht...

Tag 14:

Der letzte Tag in Reykjavik, bevor es morgen wieder nach Hause geht. Wir finden noch ein Kunstmuseum, das wir uns anschauen, sind jedoch vor allem von den Videoinstallationen enttäuscht.

Den Rest des Tages verbringen wir ganz gemütlich im größten Einkaufszentrum der Stadt sowie beim Bummel durch die Innenstadt und an den Tjörnin-See. Das Wetter ist schön und bei 18°C fühlt es sich sogar hier im hohen Norden etwas sommerlich an.