Köln Marathon 11.09.2005

9. Ford Köln Marathon, 11.09.2005

4.30 h in Deutschland. Der Wecker klingelt. Hallo? Wer? Was? Bin ich gemeint? Kann nicht, habe noch gar nicht geschlafen, gerade war doch noch das Höllengewitter. Nach kurzem Kampf bekomme ich zumindest ein Auge soweit geöffnet, um kurz auf den Wecker zu schielen. So früh? Ach ja, mein erster Marathon. Dann schau ich aber mal schnell aus dem Fenster, was denn so das Wetter sagt. Ach du je, die Straßen sind nass, es ist leicht dunstig und nebelig. Naja, vielleicht gibt sich das, der Start ist ja erst auf 9.05 h angesetzt… maaaaaassig Zeit.
Kaffeemaschine angesetzt, geduscht, schnell so was frühstückähnliches hinuntergeschlungen, Sachen gegriffen, ab zum Bahnhof, um 6 h ist Treffpunkt, hat Dirk gesagt, der Zug geht um 6.24 h. Pünktlich treffe ich ein, aber keine mir bekannte Menschenseele ist schon da. Nach ein paar Minuten geht das Handy, Dirk ist dran: Ja, guten Morgen auch. Du, wir kommen ein paar Minuten später, mussten noch mal zurück, weil einer seine Skates, der andere seinen Chip vergessen hat. Wir sind aber pünktlich." ach, ist das schön, dass die Welt nicht perfekt ist. Wir haben es geschafft und saßen alle pünktlich im Zug. Auch "Fan" Angelika hat sich tatsächlich trotz des trüben Wetters nicht abschrecken lassen dabei zu sein.

Vor Ort hatten wir noch reichlich Zeit, die Toiletten aufzusuchen, uns in Ruhe umzuziehen, die Startnummern mit unseren Vornamen darunter anzubringen, zu quasseln, manche noch das ein oder andere Lungenbrötchen zu vernichten, still und heimlich den Wettergott anzubeten (warum hatte eigentlich keiner seine Nummer dabei) und vor allem die Nervosität zu pflegen.
Dann ging es endlich an den Start, die Straßen waren wieder nass, es fieselte leicht. Dann endlich der Startschuss, die Nervosität durfte sich austoben, ab ging die wilde Fahrt durch die Kölner City. Je länger wir fuhren umso mehr Regen setzte ein. Super, mein erster Marathon und dann direkt im Regen. Ich bin noch nie im Regen gefahren, ich will das nicht und überhaupt. Aber alles schmollen brachte nichts, nun war ich unterwegs. Herrje war das teilweise rutschig, also Zähne zusammenbeißen und durch.
Die Strecke selbst war mal kurvenreich, mal stur geradeaus. Wenn eine Kurve kam, lies die nächste in entgegengesetzter Richtung meist nicht lang auf sich warten. Es ging über Straßenbahnschienen, die sorgsam mit dicken Tauen ausgelegt waren, breite Zebrastreifen, kurze Abschnitte mit Pflastersteinen und teils arg frostgeschädigte Straßen. Die Streckenposten riefen schon immer von weitem, wenn ein Hindernis, eine Kurve oder vielleicht auch mal ein breiter Zebrastreifen auf uns wartete, sehr lobenswert.
Die Zahl der Zuschauer war enorm, sie ließen sich durch das Wetter nicht abschrecken und feuerten an, was das Zeug hergab.
"Schau mal, da kommen zwei Mädels. MÄDELS, ZIEHT, IHR SCHAFFT DAS!!!" - "JACKIE, GIB GAAAAAAAAAAAAS"….
Beinahe hätte ich mich da auf die Nase gelegt, so erstaunt war ich, dass jemand wusste, dass Jacqueline wie Jackie ausgesprochen wird *lach*. Schön vorsichtig, aber doch mit so viel Tempo, wie wir rausholen konnte, kamen Corinna und ich ans Ziel. Leider habe ich meine Team-Kollegin kurz vor dem Ziel verloren, aber den Großteil der Strecke hatten wir gemeinsam mit Bravour gemeistert. Dirk, Rainer und Heinrich standen schon da, Kathrin und Herbert waren wohl auch da, aber direkt durchgefahren. Kaum war ich drin, kam auch Corinna reingerollt und somit hatte der Himmel wohl das Zeichen bekommen, seine Pforten ganz zu öffnen. Fluchtartig, nur schnell unsere Medaillen abholend, sind wir Richtung Umkleide, die Nase voll von glatten Straßen und nassen Klamotten.
In der Umkleide war erst einmal eine kleine Wundversorgung notwendig. Außer mir haben noch Kathrin und Herbert kurzfristig nähere Bekanntschaft mit dem Kölner Asphalt gemacht, aber zum Glück haben wir nur ein paar Schürfwunden davongetragen.

Endlich wieder im Zug, stolz wie Oskar, meinen ersten Marathon absolviert zu haben, bemerkte ich, wie ich überhaupt keine Lust mehr auf Müsliriegel, Bananen, Äpfel, Iso-Drinks, Soja-Säftchen und all dies gesunde, energiereiche Zeugs hatte und mir vor meinem geistigen Auge eine große saftige Pizza zuwinkte…. hmmmmmmmmmmm *schmatz*, es gab keine Pizza, denn die Pizzeria hatte um die Zeit noch geschlossen, aber es gab eine groooooooooooße Portion Miracoli, und die Welt war wieder in Ordnung.

Ich freue mich schon jetzt riesig auf den nächsten Marathon, der wohl erst wieder im nächsten Jahr stattfinden wird.

Gruß Jackie, das Team-Schneckchen  

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