Ein Mensch wie du und ich -
aber doch ein ganz besonderer Mensch, ein wahrer Terraner

Walter im Portrait
© VPM Pabel-Moewig Verlag


Es fällt mir schwer, die richtigen Worte zu finden wenn ein Mensch von uns geht, der einen so viele Jahre des Lebens begleitet hat. Vor 25 Jahren lernte ich die Welt des Perry Rhodan kennen und lieben und diese Verbundenheit hält bis heute an. "Ad Astra" - "Auf zu den Sternen“ und das Streben nach einer geeinten Menschheit waren Leitmotive für Walter Ernsting und sie haben auch mein Leben geprägt. Leider traf ich Walter nie persönlich aber durch seine Werk ist er mir vertraut und ich habe ihn zu schätzen gelernt.

Walter und Gucky"Das Leben endet nie“ lautet der Titel von Utopia Großband 101. Autor ist ein gewisser Clark Darlton. Denn eines ist klar, solange Walter in unseren Herzen weilt, bleibt er unsterblich. In seinen Romanen durchstreifte er das Universum - seine Geschichten mit Gucky, Jumpy, Iltu und all den anderen unvergesslichen Figuren aus dem Perryversum werden für immer in unseren Herzen bleiben und die Erinnerung an ihn bewahren. Ich verneige mich und sage danke für Deine positiven Utopien, Deinen Humor und Deine Menschlichkeit. Danke an den Vater der vielleicht menschlichsten Figur aus dem Perryversum, Gucky. Wenn jemand die Bezeichnung "Terraner" verdient, dann Du.
Deine Reise beginnt gerade erst.

Ad Astra Walter and thank you for the fish!


Einige Sätze zu seinem Leben

Walter Ernsting wurde am 13. Juni 1920 in Koblenz geboren und verbrachte seine Jugendzeit außer in der Stadt am Rhein noch in Lüdenscheid, Essen und Bonn. Nachdem er zum Reichsarbeitsdienst verpflichtet wurde, trat er seinen Dienst bei der Wehrmacht an. Anfangs war er in Norwegen stationiert, dann in Russland. Walter Ernsting geriet aufgrund seiner Abneigung gegen den Nationalsozialismus wiederholt mit Vertretern dieser Ideologie in Konflikt und wurde sogar vors Kriegsgericht gestellt. Nach dem Zusammenbruch der Ostfront geriet er in sowjetische Kriegsgefangenschaft, zuletzt in Karaganda in Sibirien, wo er schwer erkrankte. Dies war die wohl einschneidendste Erfahrung seines Lebens, er träumte während dieser Zeit vom Flug zu den Sternen und erfand eigene Geschichten. Diese Erlebnisse prägten sein weiteres Leben entscheidend.

Nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschft im Jahr 1950 nahm Walter Ernsting eine Beschäftigung als Übersetzer an, was ihn auch in Kontakt mit dem in Deutschland immer populärer werdenen Genre der Science Fiction brachte. Fünf Jahre später trat er eine Stelle als Redakteur beim Erich Pabel Verlag an und gab die SF-Serie "Utopia Großband" heraus.

Walter Ernsting wollte mehr als nur englischsprachichge Werke übersetzen, stieß jedoch mit seinem Vorschlag, eigene Romane in der Utopia-Reihe zu veröffentlichen beim damaligen Cheflektor Kurt Bernhardt auf taube Ohren. Kurzentschlossen legte Walter Ernsting einen selbst verfassten Roman vor, getarnt als Übersetzung eines amerikanischen Schriftstellers mit dem namen 'Clark Darlton'. Der Band trug den Titel "UFO am Nachthimmel" und war der Startpunkt seines Schriftsteller-Pseudonyms, unter dem er berühmt werden sollte. Noch im August des selben Jahres gründete Walter Ernsting zusammen mit Walter Spiegl, Julian Parr und seiner damaligen Ehefrau Waltraud den Science Fiction Club Deutschland und wurde 1. Vorsitzender. Kurz darauf erschien die legendäre Clubzeitschrift "Andromeda".

Der Heftromanmarkt nahm an Bedeutung zu und fünf Jahre später schmiedeten er und der SF-Autor K.H. Scheer Pläne, eine eigene wöchentliche Weltraumserie herauszugeben. Bei diesem Treffen entstand das Grundkonzept und der Name dieser neuen Serie, "Perry Rhodan - Der Erbe des Universums".

Perry Rhodan wurde zu Walter Ernstings Lebenswerk. Sein erster Band war Heft Nummer 2 - "Die dritte Macht" - Band 1622 - "Der Verlorene" - markiert sein Ausscheiden als Autor aus der Serie. Insgesamt waren es nahezu 200 Romane allein für "Perry Rhodan". Kennzeichend für seinen Stil ist unter anderem ein eher lockerer Umgang mit den Vorgaben des Romanexposés. Doch gerade das machte deine Werke zu etwas ganz Besonderem.

Leutnant GuckAus diesem Grund wurde Band 18 "Die Rebellen von Tuglan" einer der Meilensteine der Perry Rhodan-Serie. Obwohl in diesem Roman der Mausbiber Gucky vom Planeten Tramp nur als Nebenfigur vorgesehen war, macht Ernsting Gucky kurzerhand zur Hauptfigur. Von da an war der freche und stets zu Streichen aufgelegte Gucky, ein Multimutant mit den Fähigkeiten zur Telepathie, Telekinese und Teleportation ein ständiger Begleiter der Perry Rhodan-Serie, wurde zum wichtigsten Romancharakter von Walter Ernsting und avancierte blitzschnell zur Lieblingsfigur unter den Lesern.

Mit dem possierlichen und respektlosen, aber hochintelligenten Mausbiber aus dem Volk der Ilts, der mit seinen Streichen seine Freunde gerne zur Weißglut treibt, erschuf Walter Ernsting einen humorvollen Charakter, der durchaus anarchistische Züge vorwies. Gucky, immer zu einem Streich aufgelegt Für viele Jahre blieb er der einzige Teamautor, der Gucky auf unnachahmliche Art und Weise wirklich angemessen charakterisieren konnte. Erst mit Leo Lukas hat die Perry Rhodan Serie wieder einen Autor, der Guckys Wesenszüge hervorragend zu Papier bringt.

Doch nicht nur Gucky ist einer der prägenden Charaktere der Serie, legendäre Figuren wie der Mutant Ernst Ellert und das geheimnisvolle Kugelwesen Harno sind ebenfalls eine Schöpfung Walter Ernstings. Ernst Ellert konnte durch einen Unfall durch die Zeit reisen, und Ernsting schickte seine Figur weit hinaus - bis ans Ende des Universums.

Neben seinen Romanen für "Perry Rhodan" schrieb er auch 32 Bände für die Schwesterserie "Atlan" sowie 24 Tschenbücher, die sogenannten Planetenromane. Seine Werke zeichneten sich stets durch großartige Phantasie, eine überzeugende Menschlichkeit und einen positiven Blick in die Zukunft aus. Er schilderte eine Menschheit ohne Grenzen von Nation und Religion und er träumte von einem Miteinander von Menschen und Außerirdischen.

In den 1970er Jahren trug er einige Romane zur Fantasy-Serie "Dragon" bei und veröffentlichte drei SF-Jugendbücher. Die darin beschriebene sogenannte Paleo-SETI-Hypothese, der Besuch außerirdischer Intelligenzen auf der Erde in der Frühzeit der Menschheit beeinflustte damals auch Autoren wie Erich von Däniken und Peter Krassa.

Auch an Western-Romanan versuchte sich Walter Ernsting unter dem Pseudonym Frank Haller. Die 1974 entstandenen Romane stießen jedoch beim Lektor des Bastei-Verlages auf Ablehnung. weil darin angeblich zu wenig Leichen vorkämen. Doch Ernsting, geprägt durch Erlebnisse während des 2. Weltkrieges, verabscheute Gewalt und verzichtete daher auf weitere Romane in diesem Genre.

1979 schrieb er einen Roman, in dem er eigene Kriegserlebnisse mit Science Fiction aus der Paläo-SETI-Hypothese verbindet. „Der Tag, an dem die Götter starben“ gilt heute als Walter Ernstings wichtigstes Werk.

Herausragende Ereignisse in diesen Jahren waren seine Besuche auf zahlreichen Perry Rhodan-Conventions. Die Fans waren stets durch seinen herzlichen und humorvollen Umgang mt der Perry Rodan Community angetan.

In den 1980er Jahren wurde es etwas stiller um Walter Ernsting. Eine Erkrankung der Lunge, noch aus seinen Jahren in Kriegsgefangenschaft griff zunehmend seine Gesundheit an. Walter reduzierte seine Arbeit als Schriftsteller und siedelte in sein geliebtes Irland um. Da sich die Erkrankung aber verschlimmerte, zog er 1995 zu seoner Familie nach Salzburg, wo bessere Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung standen und er auch seinen Lebensabend verbrachte. Reisen zu Cons waren ihm leider unmöglich geworden, umso mehr freute er sich über Besuche von den Fanclubs aus München und Wien sowie von Kollegen und Freunden. Anlässlich des Jubliäumsbandes Nummer 2000 sandte Walter Ernsting Ende 1999 zum Weltcon in Mainz einen Videogruß, der von den Fans mit langem Applaus honoriert wurde.

Die Informationen basieren zum Teil auf dem Buch "Clark Darlton - Der Mann, der die Zukunft brachte", herausgegeben von Heiko Langhans, Rastatt 2000, VPM Pabel-Moewig Verlag.

Noch im Jahr 2003 begrüßte Walter in einer Videokonferenzschaltung auf dem Garching-Con seine Fans und zeigte sich verwundert über "dieses komische Internet". Man konnte ihn zwar nur auf der Videowand zu sehen aber vielen Fans liefen Tränen der Rührung über die Wangen.

Im gleichen Jahr erwies man Walter eine letzte große Ehre. "Planetoid 15265", im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter gelegen, wurde nach ihm benannt. Weitere Informationen dazu und ein Abbild der Urkunde sind hier zu finden.

Hielt er die letzten Jahre trotz angegriffener Gesundheit tapfer durch, so gingen seine Kräfte nun doch zu Ende. Am 15. Januar 2004 gegen 6 Uhr früh verstarb Walter Ernsting im Alter von 84 Jahren im Salzburger Spital "Barmherzige Brüder". Sein letzter Gruß war das Geleitwort im Jubiläumsband zum Perry Rhodan Con in Wien am 7. und 8. Januar 2005.

Die „Perry Rhodan“-Serie startete 1961. Noch heute erscheint jede Woche ein neues Heft mit einer Auflage von 130000 Exemplaren, derzeit liegt Band 2266 vor. Außerdem werden jedes Jahr vier Hardcover-Bände veröffentlicht. Allein die Auflage der bislang 88 Hardcover liegt bei rund acht Millionen. Momentan arbeiten rund zehn Autoren an den neuen Perry-Rhodan-Publikationen. In ihren besten Zeiten erreichte die jeweils aktuelle Erstauflage der Serie wöchentlich mehr als 200000 Leser. Dazu kommen neben den Hardcover-Bänden auch Taschenbücher, Sonderreihen, Hörspiele, Plüschtiere und Lizenzausgaben in Frankreich, Spanien, Holland, Brasilien, Japan und Amerika.
Terra, Januar 2005

I'll see you, Walter!
Wir werden uns wiedersehen, Walter!
© Johhny Bruck


Walter mit Gucky
© Reinhard Habeck


Andreas Findig, Reinhard Habeck und natürlich Walter
Reinhard Habeck und Andreas Findig zu Besuch bei Walter
© Reinhard Habeck


Walter im Portrait
© Reinhard Habeck


Leutnant Guck
© Johnny Bruck


Ein Teil der Aufnahmen wurde mir freundlicherweise von Reinhard Habeck zur Verfügung gestellt. Dafür möchte ich mich herzlich bedanken!

Copyright der Bilder by Reinhard Habeck, VPM Pabel-Moewig Verlag, Johnny Bruck. Alle Rechte vorbehalten.
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