Bericht des Wallonen Fernand Kaisergruber zu den Kämpfen und dem Ausbruch aus dem Kessel von Tscherkassy. Erschienen in dem Buch "Nous N'irons Pas a Touapse". Dank an Dogma für die Übersetzung aus dem Französischen und die Einholung der Genehmigung zur Veröffentlichung. Ich gebe die Aufzeichnungen hier unverändert weiter, also auch mit den Rechtschreibfehlern, da ich nichts aus dem Zusammenhang reißen will.

 

DIE PAROLE HEISST FREIHEIT!

 

 

[...]DIE PAROLE HEISST FREIHEIT!

Kapitel XV

Kurze Zeit nach Überquerung des kleinen Flußes vor Schanderovka, bildete sich
eine kleine Gruppe, die sich nach Freundschaften oder Zweckmäßigkeiten
zusammensetzte. Genannt seien hier die Kameraden Paul, Arthur, Jean und Charles,
vier Freunde aus der Kindheit, die in meinem Viertel wohnten, André, Delreux
sowie noch zwei oder drei andere, an deren Namen ich mich nicht mehr erinnere,
weil sie mir weniger vertraut waren.

Ich habe eben den Kamerad Vinckx gesehen, den ich in Wildflecken kennen gelernt
hatte, in der Zeit als ich Pionier war. Vinckx trug noch immer einen gewaltigen
Verband um Kopf und Hals. Er war kürzlich bei einem Gefecht verwundet worden und
wie durch ein Wunder mit dem Leben davongekommen. Als am Ende des Gefechts seine
Schläfe schmerzte, glaubte er sich während des Angriffs an einem Ast gestoßen zu
haben. Als er die Hand an die schmerzende Stelle führte, waren seine Finger
voller Blut. Ein Kamerad entdeckte einen Einschuß an eben dieser Stelle und
Vinckx wurde zum Verbandsplatz geführt. Dort sah man, daß die Kugel an der
Schädelbasis am Nacken ausgetreten war. Er blieb einige Tage im Lazarett und
sollte anschließend mit anderen Verwundeten evakuiert werden. Da er keine
Schmerzen, sondern nur eine Verspannung wie bei einem steifen Hals verspürte,
zog er es vor bei den Kameraden zu bleiben, als sich mit den anderen Verwundeten
fahren zu lassen. Und das, obwohl eine Kugel seinen Kopf durchschlagen hatte,
zwar nur seitlich, aber trotzdem von der Schläfe bis zur Schädelbasis!

Ich bemühe mich die Ereignisse so zu schildern, wie ich sie erlebt habe,
Ereignisse, die der Erinnerung würdig sind, zumindest für diejenigen, die es
auch erlebt haben.
Verzeihen Sie mir meine Ausdrucksweise auf den folgenden Seiten, aber die
Realität war noch viel schlimmer!

Alle Kameraden, die diesen 17. Februar und die darauf folgenden Tage erlebt
haben, es ist nur noch eine Handvoll davon übrig geblieben, wissen worum es sich
handelt, und besonders diejenigen, die verwundet waren, bewegungsunfähig und
schutzlos dem Schicksal ausgeliefert waren.
So viele Gefühle und Erinnerungen werden wachgerufen und drängen sich in meinem
Kopf, dass es mir schwer fällt sie niederzuschreiben. Das ist wie eine Welle,
die einem den Boden unter den Füßen wegreißt, während man um jeden Preis
versucht nicht zu ertrinken, den Kopf über Wasser zu behalten. Trotzdem weiß
ich, daß für mich alles klar ist, aber ich muß aufpassen alles der Reihe nach zu
berichten. So viele Dinge sind über die folgenden Stunden und Tage zu sagen.
Alles wichtige Dinge für mich, aber auch für diejenigen, die sich für diese
Ereignisse interessieren, die sie selbst erlebt haben, oder die wissen wollen,
wie man als Zwanzigjähriger handelt, wie man in diesem Alter solch dramatische
Momente erlebt. Mein Gedächtnis ist treu, meine Erinnerungen genau, ebenso meine
Aufzeichnungen.

Ich will sie Ihnen, ohne literarische Ambitionen, so übermitteln, wie sie waren,
so wie ich sie erlebt habe.

-1-

Es gibt zwangsläufig viele Anekdoten, kleine erlebte Vorkommnisse, genau
genommen solche, die das alltägliche Leben ausmachen und von denen die Bücher
gewöhnlich nicht sprechen. Doch sind es genau diese, die die Stimmung
widerspiegeln, mehr noch als epische Heldentaten und dennoch sind sie alle
untrennbar miteinander verbunden! Der Ruhm ist nicht alltäglich. Ich schließe
hier diesen kleinen, unumgänglichen Einschub und nehme den Bericht dort wieder
auf, wo ich ihn unterbrochen hatte.

Ich bin also mit acht oder neun Kameraden zusammen, soeben haben wir mit der
letzten Etappe begonnen, die uns in die Freiheit führen soll, zumindest sollte
sie es! Aber zu diesem Zeitpunkt war es bereits zu spät, dies in Frage zu
stellen! Es ist noch immer Nacht, aber die Kälte ist weniger schneidend, evtl.
ist es aber auch das Kampffieber, das uns Herz und Körper wärmt. Von Zeit zu
Zeit einige Schneeflocken, die in kurzen Böen umherfegen. Der Boden ist
gleichmäßig weiß geblieben, obwohl andere vor uns durch den Schnee gestampft
sind. Andere kleine Gruppen, ganz in unserer Nähe, rücken ebenso vor, ohne
sichtbare Ordnung, ohne besondere Taktik, jede von ihnen wird den Umständen
entsprechend improvisieren. Im Laufen entdecke ich plötzlich ein
Sanitätsfahrzeug auf gleicher Höhe mit uns und selbstverständlich sich in
gleicher Richtung bewegend. Unser Weg nähert sich an und ich stelle mit
Erstaunen fest, daß es ein Sanitätsfahrzeug von uns ist und daß unser Zahnarzt,
Untersturmführer Lejeune, ihm zu Fuß folgt. Da wir uns sehr gut kennen,
marschieren wir ein Augenblick plaudernd Seite an Seite und er sagt mir, daß
meine vier Zähne, besser gesagt meine Prothese, im Wagen liegen und bereit sind
die anderen, ihre Halbbrüder also, in meinem Gaumen zu treffen, daß er aber
einen günstigeren Moment abwarten wird, sie mir einzusetzen. Bevor er
Wildflecken verließ, hatte er damit begonnen vier Stiftzähne für mich zu machen.
Alles war seit langem fertig, aber jedes Mal hatte ihn ein anderer Zwischenfall
am Abschluß der Arbeit gehindert. Das ist für uns ein Anlaß zum Scherzen, was
wir nicht einen Moment versäumen auszukosten, weil wir vielleicht schon in
wenigen Augenblicken keine Zeit mehr haben werden darüber zu lachen. Danach
treffe ich wieder auf die Gruppe meiner Kameraden, die nicht im gleichen Tempo
vorrückt. Bisher war alles ruhig und vielleicht bildeten sich schon einige, aber
zu Unrecht, ein, man könne sich so mit einem kleinen Verdauungsspaziergang aus
der Affäre ziehen. Da plötzlich die ersten Schüsse, die sie eines besseren
belehren sollten. Die Schüsse kommen von rechts vor uns und die Granaten
zersplittern mehrere hundert Meter von uns entfernt. Der Tag dämmert langsam und
der Schnee erscheint weniger weiß unter einem Himmel, der durchscheinend wird.
Als sich der Horizont nach und nach erhellt und man die Steppe im Tageslicht
erblickt, erstärken sich die Schüsse und zerreißen die Stille, an die ich mich
gewöhnt hatte. Nach und nach erfaßt man das Grauen der Situation, wir wissen
jetzt, was uns erwartet! Hier öffnen sich die Pforten einer Welt Dantes! Die
Schüsse werden heftiger anhaltend und die Granaten zerbersten nun überall. Immer häufiger
muß man sich zu Boden werfen, weil die Explosionen näher kommen, mit
jedem Augenblick bedrohlicher. Hinter uns taucht ein flaches Fahrzeug auf
Raupenketten auf, daß ein wenig schneller als wir vorankommt. Hinten kauern oder
sitzen vier oder fünf Männer, die bei jedem Stoß aufschrecken. Ich sage mir, daß
wenn wir ihm folgen, werden wir ein wenig schneller vorankommen, deshalb
beschleunigen wir den Schritt und ersuchen auf seiner Höhe zu bleiben.

-2-

Wir haben uns links von dem Raupenfahrzeug platziert, denn die Schüsse kommen
vor allem von rechts. Trotzdem werden wir auf diese Weise nicht weit kommen,
die russische Artillerie nimmt das Raupenfahrzeug als Zielscheibe und die
Granaten fallen dicht und immer näher. Von allen Seiten kracht es und wir halten
es für klüger einen Abstand zwischen uns und dem Fahrzeug zu halten. Um den
Schüssen auszuweichen, beginnt das Raupenfahrzeug zu beschleunigen, was
natürlich auf einem so unebenen Boden, der darüber hinaus von hunderten von
Granateinschlägen übersät ist, heftige Stöße hervorruft. Einer der deutschen
Kameraden hat eben das Gleichgewicht verloren und fällt, kaum fünfzig Meter von
uns entfernt, vom Fahrzeug. Ich kann gut sehen wie eine Kette ihm über Bein oder
Fuß fährt und ich kann es nicht glauben, als dieser Junge sofort wieder
aufsteht, rennt und seinen Platz auf der hinteren Plattform wieder einnimmt als
sei nichts geschehen! Hat er denn nichts gespürt oder wie kam er ohne Verletzung
davon? Ich finde kaum eine Erklärung. Es sei denn der Fuß oder das Bein befanden
sich in dem Moment, als die Kette darüber fuhr, in einem Loch. Während die
Schüsse von allen Seiten fallen, uns zu zahlreichen Haken und Auf- und
Niederwerfen zwingen, haben wir uns zerstreut und wir sind im Moment nur noch zu
dritt. Vergeblich versuchen wir die Gegend abzusuchen, wir sehen unsere anderen
Kameraden nicht mehr. Wieder fällt Schnee, der unsere Suche beeinträchtigt und
wir beschließen, ohne uns weiter aufzuhalten, weiterzugehen. Umgruppierungen
bilden sich beim Marsch und lösen sich wieder auf. Die Gangart einiger
Silhouetten kommt mir seltsam vor. Als wir näher bei ihnen sind, traue ich
meinen Augen nicht! In der Gruppe, bekleidet wie wir, drei oder vier Frauen!
Es war mir gleich aufgefallen, daß das dort nicht Schritte von Männern waren.
Sie tragen die gleichen Uniformen wie wir, die Haare unter die Feldmützen
geschoben. Ich fasse es nicht, zu albern erscheint mir die Situation. Neugierig
erkundige ich mich bei einem von ihnen, der mir erklärt, daß die Frauen zu einer
Theatergruppe gehören, die gerade aus Deutschland angekommen war, um
Vorstellungen zu geben, gerade in dem Moment, als sich der Kreis um uns zu
schließen begann! Welch ein Pech, welch ein Schicksal, werden sie davon kommen?
Dabei marschieren sie hier tapfer, mutig, im Gleichschritt mit den Männern, ohne
jede Panik. Nur ihre zu langen Mäntel, mit den viel zu breiten Schultern, hatten
zunächst meine Aufmerksamkeit geweckt.

Beim Marsch kommt Andrè Bourdouxhe auf mich zu und sagt, daß er mir nicht von
den Fersen weichen wird, so sicher ist er sich, daß ich immer davonkommen werde,
somit auch er davonkommt und Delreux stimmt lächelnd zu. Ich bin mir meiner
selbst nicht so sicher, aber natürlich sage ich kein Wort. Ebenso wie ich,
fragen sie sich nach dem Verbleib der anderen. Wir gehen weiter und nach und
nach hört es auf zu schneien. Sogleich fallen wieder Schüsse seitlich des Weges,
dem wir folgen, zeitweise ein regelrechtes Trommelfeuer! Die Frage stellt sich,
ob es noch Sinn macht weiter zugehen, ob es noch eine Chance gibt hier raus
zukommen. Ja diese Chance muß es geben, der Wille gewinnt wieder Oberhand, man
verdrängt die Augenblicke des Zweifels in sein Innerstes. Wir verschnaufen kurz
und ich nutze die Zeit um diesen feindlichen Horizont zu betrachten.

- 3 -

Nun gut! Was ich nun in aller Ruhe sehen kann, jetzt wo es aufgehört hat zu
schneien, hat etwas, was die abgebrühtesten Naturen vor Schreck erstarren lassen
kann. Rechts wie Links trifft mein Blick auf eine fortlaufende Mauer von
Artilleriegeschützen, flankiert von Munitionsbergen! Die Breite des Durchgangs
mißt an dieser Stelle nur 800 Meter. Ich kann in dieser Steppe, die von frischem
Schnee bedeckt ist, alles klar und bis ins Detail erkennen. Wir befinden uns
höchstens 400 Meter von jeder dieser Mauern entfernt. Dort muß, für unser
Verderben bestimmt, die komplette Skala aller Kaliber liegen, vor allem aber die
Ratsch-Bumm, diese Anti-Panzer- Kanonen, so genannt, weil ihre Granaten uns in
den Pfoten explodieren, noch bevor man den Abschuß gehört hat.

Dutzende von Artilleriegeschossen, aufgereiht entlang dieses Todesganges, für
deren Bereitstellung hier im Kessel von Tscherkassy, die Russen mehr als einen
Monat Zeit hatten. Auf diese kurzen Entfernungen schießen all diese Geschütze im
direkten Beschuß und nehmen selbst einen einzelnen Mann ins Visier. Man sagt
immer, daß zwei Granaten niemals in dasselbe Loch fallen und daß es zu seinem
Schutz genügt, sich flach hinzulegen! Nun gut ! Ich kann versichern, daß diese
Behauptung hiermit widerlegt ist. Ein Granateinschlag bedeckt den an deren, sie
überlagern sich, der Boden ist zerpflügt. Glücklicherweise kommen nicht alle
Geschosse zur gleichen Zeit an. Wir rücken vor unter diesem Eisensturm, der dem
Schneesturm folgt. Mal wird das Feuer schwächer, um dann wieder umso stärker zu
werden. Manchmal konzentriert sich das Feuer vor uns, dann wieder hinter uns,
mal mehr rechts, dann wieder weiter links, aber immer mathematisch genau endet
es damit uns unmittelbar einzukesseln, um uns daraufhin einige Momente der Ruhe
zu gewähren. Wie ist es möglich in solch einer Sintflut aus Feuer und Eisen noch
unversehrt zu sein? Im Augenblick folgen wir einem kleinen Weg, eher einem Pfad,
gespurt von anderen Schritten. Da, zwanzig bis dreißig Meter vor uns, sitzt ein
Mann auf einer kleinen Anhöhe, den Rucksack zwischen den Beinen. Als ich auf
seiner Höhe ankomme, sehe ich, daß es ein Major der Wehrmacht ist, ein Mann in
den Sechzigern, aber vielleicht ist er auch erst fünfzig. Er trägt eine
Jägermütze und ist bekleidet mit einem langen, weiten Übermantel, einem dieser
Wintermäntel, die man über dem Soldatenmantel trägt. Als ich an ihm vorbeigehe,
macht mich die Pistole in seiner Hand stutzig, aber wir grüßen ihn mit einer
Kopfbewegung und gehen unseren Weg weiter. Wir haben noch keine zwanzig Schritte
gemacht, als hinter uns ein Schuß kracht. Ich drehe mich sofort um und sehe den
Major, der sich nicht gerührt zu haben scheint, nur schwankt er ein wenig von
einer Seite zur anderen. Als ich weitergehen will, sehe ich ihn plötzlich nach
vorn von seinem improvisierten Sitz fallen. Verwirrt erfasse ich es, ohne
wirklich nachzudenken und wir gehen eilig zu ihm. Er ruht da, liegt auf dem
Bauch, der Kopf ist auf die Brust gesunken, ein Arm unter ihm verschränkt, der
andere entlang des Körpers neben dem Rucksack. Die Pistole hält er noch in der
Hand. Zweifelsohne, er hat sich umgebracht! Wenn ich darüber nachdenke kann ich
ihn verstehen, aber es erscheint mir so absurd, diese Monate im Feld, diese
Wochen des Eingekesselt seins erlebt zu haben, entkommen zu sein, und heute
aufgeben, zwei Schritte von der Freiheit entfernt! Zumindest auf dem Weg dieses
Wiederauflebens. Dieser Tod ist unnötig, in der Schlacht hätte ich es eher
verstanden. Und vor allem, es ist kein gutes Beispiel. Hätte das
Artilleriefeuer nicht einen momentlang ausgesetzt, wir hätten nichts davon
mitbekommen, hätten nichts gehört, sondern die Augen nur auf unser Schicksal vor
uns gerichtet. Sofort gehen wir weiter, keiner von uns darf sich von dieser Form
der Selbstaufgabe beeindrucken lassen. Wenn wir sterben müssen, dann kämpfend.
Man denkt noch einen Moment daran, dann vergisst man diese Vision, sie
verschwimmt, zu sehr sind wir mit unserem eigenen Überleben beschäftigt!

- 4 -

Dieser Tag erscheint mir wie eine Ewigkeit. So viele Dinge sind geschehen seit
heute Morgen, seit gestern Nacht. So viele Ereignisse in einem Drittel eines
Tages, daß sie für viele andere ausgereicht hätten, die Tage der Langeweile
eines ganzen Lebens auszufüllen. Es ist erst acht Uhr morgens!

Wir marschieren! Immer weiter gegen Westen ! Die Schüsse haben wieder
angefangen, dann sind die Zeiträume dazwischen länger geworden, um wieder
stärker zu werden und sich dann wieder zu entfernen. Vorn links, das heißt
Richtung Süd-West, richtet sich in

etwa 1000 Metern Entfernung von uns eine
Barriere auf. Eine Art Höhenunterschied, wie man sie in Sandgruben findet. Der
Unterschied beträgt meiner Meinung nach etwa 15 bis 20 Meter. Was meinen Blick
in diese Richtung zieht, ist nicht so sehr dieser Höhenunterschied, als vielmehr
vier dunkle Umrisse, die sich am Gipfel abzeichnen. Diese Silhouetten können
niemanden täuschen, aber sind diese Panzer Freund oder Feind? Man hofft immer,
die Unsrigen zu treffen, die uns entgegen marschieren oder fahren. Ich glaube
nicht, daß man an hoher Stelle alle Hoffnung, uns zu retten, aufgegeben hat,
seit General Gille, Kommandeur der Wiking, den Oberbefehl über die
eingeschlossenen Truppen übernommen hat. Der Zweifel ist nur von kurzer Dauer.
In der Tat, die Panzertürme drehen sich einen Augenblick und spucken sogleich
den Tod in unsere Richtung, sie zielen tatsächlich in die Gruppen, die sich in
der Schneise des Durchbruchs bewegen. Wir folgen unserem Weg, indem wir unseren
Marschwinkel etwas nach rechts krümmen.

Wir haben noch keine 200 Meter zurückgelegt, als wir ganz klar eine Gruppe von
fünf oder sechs Männern am Fuße der Böschung sehen, die versuchen sie zu
erklimmen, genau unterhalb der Stelle, die die Panzer sich ausgesucht haben, um
auf uns zu schießen! Ich befürchte einen momentlang, daß sie die Panzer nicht
gesehen haben und sich in den Rachen des Wolfes stürzen wollen, denn da, wo sie
sind, können sie die Panzer nicht sehen. Aber von hier aus kann man sie nicht
mehr warnen! Sehr schnell wird mir klar, daß sie genau wissen was sie tun und
nun schlagen unsere Herzen im Rhythmus ihres Kletterns und Rutschens bis zum
Schießstand. Der Hang ist steil und sie rutschen im Schnee aus, als sie
versuchen den Gipfel zu erreichen. Endlich kann man zwei von ihnen sehen, die
die obere Ebene erreicht haben und zwei weitere, die danach ankommen. Noch bevor
die beiden ganz oben angelangt sind, sehen wir einen der Panzer, der wie von
einem Schluckauf geschüttelt wird und im gleichen Moment zuckt, auf Höhe der
Panzerjäger, eine lange, gelbrote Flamme wie ein Blitz auf. Zum Glück lagen
unsere mit Panzerfäusten bewaffneten Männer in Deckung. In den letzten Tagen war
es unserer Luftwaffe tatsächlich noch gelungen über unseren Stellungen

medizinische Produkte und Munition abzuwerfen, darunter auch diese Panzerfäuste,
die große Furcht unter den russischen Panzerfahrern säen sollten. Ein oder zwei
Minuten später, eher noch weniger, ereilte das gleiche Schicksal zwei weitere
Panzer und der vierte suchte sein Heil in der Flucht unter den lärmenden Rufen
der zuschauenden Kameraden ! Zwei getroffene Panzer brennen jetzt und dichter
Rauch steigt auf. Der dritte versucht einen Rückzug, aber nur auf einer Kette
und dreht sich so ohne weiterzukommen um die eigene Achse, wie ein verletztes
Insekt. Es ist der einzige Panzer, dessen Kuppel sich öffnet und aus der ein
Mann entkommt, der verwundet zu sein scheint und sofort hinter einem Hügel
verschwindet. Niemand wird aus den anderen brennenden Panzern entkommen. Der Tod
eines Feindes bleibt der Tod eines Menschen, aber dieser kurze Kampf stellt für
uns eine Hoffnung mehr dar davonzukommen, eine Ermunterung die Anstrengung
fortzusetzen. Er erfüllt uns das Herz, kommt gerade rechtzeitig, um uns zu
versichern, daß noch alles möglich ist! Vorausgesetzt man glaubt an Kraft, Mut
und Beharrlichkeit.

- 5 -

Leichten Herzens nehmen wir nach diesem Zwischenspiel den Marsch wieder auf. Wir
hatten eine Pause gemacht um nichts von dem Schauspiel zu verpassen, es war als
wären wir bei den Nachrichten, bei der Deutschen Wochenschau, nur realistischer
aber ohne Orchesterbegleitung.
Es muß etwa neun Uhr sein und wir laufen immer noch, aber noch nicht am
Horizont, der uns "Sieg" singen lassen könnte! Manchmal verbreitert sich die
Durchbruchsschneise, um sich danach zusammenzuziehen, aber die Hecke, die die
russische Artillerie bildet, ist immer da, mal entfernter, aber ohne die
geringste Unterbrechung! Wir versuchen uns überwiegend in der Mitte zu halten,
aber je nach Dichte der Schüsse gehen wir im Zickzack. Unter normalen
Bedingungen wäre man vor den Schüssen besser geschützt, wenn man sich den
Geschützen nähert, indem man ihren toten Winkel ausnutzt, aber hier, in direkter
Schusslinie, kommt das nicht in Frage.

Wenn der Hunger meinen Magen quält, ziehe ich einen der in Nova Buda gesammelten
Hühnerknochen aus der Tasche, oder den, den ich als Andenken an das Spanferkel
aufgehoben habe, das unseren Heißhunger in Schanderowka gestillt hat. Jedes Mal
gibt es eine andere Geschmacksrichtung, weil die Knochen, die ich aus der Tasche
ziehe, dann immer bedeckt sind mit Resten von Rohrzucker, Tabakkrümeln, Spuren
einer prunkvolleren Periode, und von Staubpartikeln, die den Boden einer jeden
Tasche auskleiden. Dieser Bodensatz gibt der Mühle Mehl, selbst wenn der
Rohrzucker nach Tabak und der Tabak nach Zucker schmecken. Das Wesentliche ist
den Hunger zu täuschen, etwas zu schlucken, um damit die Magenwände
auszukleiden.

Wir kommen nicht schnell voran, denn die russischen Einschläge kommen näher und
jedes mal muß man sich flach hinlegen, eine möglichst sichere Deckung finden, um
gleich darauf wieder aufzuspringen um einen Durchschlupf oder einen besseren Weg
zu suchen. In genau solch einem Augenblick erwischt mich mein Schicksal...

Nur langsam erwache ich aus meiner Bewußtlosigkeit. Mein Blick trifft auf einen
grauen Himmel, von Wolken dunkel verhangen, aus dem Schneeflocken hervorkommen.
Plötzlich erblicke ich zwei Kameraden, die mich beobachten und ich bin sicher,
daß ich nicht träume. Es sind zwei Kameraden meiner Kompanie, Lux und Dominé.
Sie schauen mich eigenartig an und sprechen, ich sehe es an ihren Lippen - aber
ich höre nichts. Welch seltsamer Eindruck. Sie sehen sich an und sprechen
miteinander, dann drehen sie sich langsam, wie bedauernd, auf dem Absatz um und
entfernen sich, entschwinden meinem Blickfeld. Alles verschwimmt wieder,
zweifellos habe ich wieder das Bewußtsein verloren. Was weckt mich auf? Aus
welchem Schlaf kehre ich wieder zurück? Ich erkenne nur den Horizont, der in
meinem Blickfeld liegt, das heißt auf der Höhe des gefrorenen Steppengrases. Der
Lärm den ich höre, ist ein Motorengeräusch, verstärkt von dem typischen
Panzerkettenlärm. Da erscheint tatsächlich ein Panzer in meinem Sichtfeld, in
dreißig, vierzig oder fünfzig Metern? Schwer zu sagen, aber ich bin in diesem
Moment eher geneigt von dreißig Metern zu sprechen. Er fährt im Zickzack,
scheint umherzuirren irgendetwas zu suchen. Nun kommt er näher und zeigt mir
seine Flanke ... mit dem Sowjetstern!

Was ich dann sah, ließ mich vor Grauen erstarren und gänzlich wach werden. Er
hatte sich als Beute einige am Boden liegende Körper ausgesucht. Hatten die sich
nicht eben noch bewegt?
Er zermalmte sie und drehte auf ihnen, um sicher zu sein auch ganze Arbeit
geleistet zu haben. Ich sah sehr genau das Gesicht eines Mannes, der noch lebte
und dessen Rumpf unter der Panzerkette verschwand. Sein Gesicht wurde ganz rot,
war kurz vorm Platzen, wie wenn ihm das Blut aus allen Poren treten würde! Als
der Panzer sich nochmals drehte sah ich einen Ärmel, der von der Uniform
abgerissen war, der sich zwischen zwei Kettengliedern verklemmt hatte und mit
ihm drehte sich der Arm im Ärmel und am Ende die Hand! Ich sah, wie dieser Arm
mehrere ganze Umdrehungen mit der Kette machte und jedes Mal schlug er dabei an
die Bleche oberhalb der Kette! Ich bewegte mich nicht, hielt den Atem an um
nicht die Aufmerksamkeit

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dieser modernen Hunnen zu erregen. Der Panzer fährt fort, aber etwas weiter
entfernt sehe ich zwei weitere Panzer, die sich ebenso auf die Verwundeten
stürzen, die im Schnee liegen, unbewaffnet, ihrem Schicksal ausgeliefert.
Niemals hatte ich etwas derartiges bei uns gesehen, und konnte diese
blutrünstige Erbitterung nicht verstehen. Wir hatten mit all unserer Energie
gegen ein Regime gekämpft, daß sie uns gerne aufgezwungen hätten, aber niemals
haben wir uns vom Haß leiten lassen. Haß empfanden wir keinem Soldaten
gegenüber, der auf der anderen Seite kämpfte!

Ein wenig später entfernten sich die Panzer und der Lärm verlor sich, aber diese
Bilder habe ich niemals vergessen können! Soeben war ich wieder einmal gut
davongekommen, aber für wie lange? Nun erst wird mir klar, daß ich verwundet
bin. Ich hatte es nicht gleich gemerkt, als ich aus dem Nichts der
Bewußtlosigkeit zu mir kam. Und nun wurde ich zum Zuschauer und Darsteller
meiner eigenen Tragödie.

Ich betrachtete den Schnee in meinem Blickfeld und die Rauheit des Bodens bis in
seine kleinsten Risse. Hunderte von kleinen Hügeln und Grasbüscheln verstellten
meinen Blick auf den traurigen Horizont, der in dichten Nebel eingehüllt war.
Das ist in seinen Proportionen völlig anders als das, was ein stehender Mensch
sieht. Ungläubig versuchte ich nach und nach die Wirklichkeit zu erfassen, und
nicht meine Ängste mit der Realität zu verwechseln. Das klare Denken kehrt
langsam zurück, verschwimmt und kommt noch gewaltiger wieder. In Wellen,
zunächst unsicher, dann immer klarer und nach und nach sehe ich meine Vermutung
bestätigt, daß, so wie ich es befürchtet hatte, der schlimmste Fall eingetreten
ist. Verwundet zu sein und bei Bewußtsein, aber an den Boden "genagelt", auf die
Gnade der anderen angewiesen, auf die Gnade eines wilden und blutrünstigen
Gegners, von dem man sich nicht das geringste Mitgefühl erhoffen darf.

Als ich mich aufrichten wollte, fiel ich direkt wieder in mir zusammen. Es
gelang mir nur mich umzudrehen und mich auf ein Knie zu stützen. Ich stellte
fest, daß mein linkes Bein in einem jämmerlichen Zustand war. Verloren? Ich weiß
es nicht, aber sicher gebrochen. Unmöglich aufzustehen!

Zwei zaghafte Versuche scheiterten. Der geringste Versuch die Beine zu beugen,
ruft heftigste Schmerzen hervor. Das ist also das Schlimmste, denn ich kann mich
nicht mehr bewegen. Eine Verwundung an einem Arm oder an beiden Armen,
vorausgesetzt nicht schlimm zu sein, hätten mir vielleicht erlaubt den Marsch
wieder aufzunehmen, Verwundungen am Körper vielleicht auch. Aber jetzt ? Die
Empfindungen kehren zurück und ich spüre einen Schmerz an der rechten Schläfe.
Mechanisch greife ich mit der Hand danach und ziehe sie ganz klebrig zurück. Was
ein Grauen! Es scheinen Teile des Gehirns zu sein! Ich weiß noch nicht so genau
wie das Gehirn aussieht, ich hatte noch keines gesehen, aber dies hier sieht so
aus, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich kann es nicht fassen, weiß nicht was
ich denken soll. Ein Schauer läuft mir über den Rücken. Wäre es möglich einen
Teil seines Gehirns auf den Fingern zu haben und gleichzeitig bei Bewußtsein zu
sein.

Es ist idiotisch, aber was soll man unter solchen Umständen denken? Einen Moment
lang wage ich sogar nicht die kleinste Bewegung zu machen aus Angst das Leben
entkommen zu lassen!

Plötzlich denke ich daran, daß ich nicht allein war! Wo sind meine Kameraden
hin? Mein Blick sucht sie und ich finde zu meiner Rechten den leblosen Körper
von André Bourdouxhe, den Schädel zermalmt, die Brust voller Blut! Ziemlich
schnell wird mir nun klar, daß es sein Gehirn ist, das mir an der Schläfe und in
den Haaren klebt! Es ist nicht leicht ihn zu erkennen, aber ich weiß, daß er es
ist, er trägt Halbstiefel und Delreux trägt Stiefel und überdies trägt André
stolz die Medaille der "anciens" der Bewegung. Da ich in der Mitte und sie neben
mir marschierten, suche ich Delreux natürlich zu meiner Linken. Er liegt
wirklich da, verrenkt, der Bauch, die Brust von Einschlägen zerrissen, ganz
blutig! Ich verliere heute noch zwei Freunde, zwei gute Kameraden, die, welche
Ironie, bei mir bleiben wollten, weil sie auf meinen guten Stern vertrauten! Sie
sind tot, ich bin davongekommen, zumindest im Moment. Ich bleibe allein!

- 7 -


Jede Menge Gedanken stürmen auf mich ein und wirbeln in meinem Kopf
durcheinander. Eine Unmenge von teils widersprüchlichen Gefühlen, die es zu
sortieren gilt. Ich könnte sagen, daß es eine Frage von Leben und Tod ist, aber
an den Tod darf man nicht denken, wenigstens nicht in dieser Form, es geht darum
zu überleben. Keine Panik ! Nicht die einzige Überlebenschance vertun! Nicht die
einzige Möglichkeit in Frage stellen, die zu überlegen. Ich muß eine
Bestandsaufnahme machen: ich bin am linken Bein verwundet und das Bein ist
gebrochen, da habe ich keine Zweifel. Es ist ein offener Bruch und ein Teil des
Schienbeins tritt offen aus der Wunde. Ich bin auch am rechten Bein und Fuß
verwundet, das ist sicher. Die Löcher in meinen Stiefeln bestätigen es, aber ich
kann den Schweregrad nicht ermessen. Ich glaube am Körper nicht verwundet zu
sein, zumindest nicht schwer, ich fühle nichts, ich sehe nichts. Was den Kopf
angeht, glaube ich nichts zu haben, außer den Fetzen von Andrés Gehirn, die in
meinen Haaren gefrieren.

In meinem Zustand kann ich mich nicht mehr aufrecht halten, geschweige denn
aufrichten. Vor allem darf ich mein Los nicht beklagen. Das ist nicht einmal
Mut, es ist nur Hellsichtigkeit. Später, wenn ich davonkomme, werde ich mir
immer sagen können, daß es Zähigkeit war. Heute schätze ich, daß es
Kaltblütigkeit war. Es gibt so viele Dinge, die ich mir selbst beweisen muß!
Übrigens gibt es keine Zeugen, außer verschreckter, geschäftiger Schatten, die
sich alle auf einen Punkt zu bewegen, der dort unten liegt, irgendwo Richtung
Westen oder Nordwesten. Nicht die Kaltblütigkeit verlieren, ich werde es mir
manchmal wiederholen, um es mir gut einzuprägen.
Anfangs schien es mir, als wolle ich den Dingen nicht sofort ins Auge sehen,
aber ich glaube das kam daher, daß ich das Bewußtsein verloren hatte und meine
Sinne noch nicht beisammen hatte.
Ich mußte mir jedoch zunächst gut zureden, mich meiner selbst versichern, Kräfte
sammeln, um mich danach leichter zu beruhigen. Auf mich selbst gestellt,
fürchtete ich schwach zu werden beim Anblick des Unglücks der anderen, denn um
mich herum war die Hölle immer noch gegenwärtig!

Koste es was es wolle, ich mußte klar sehen, eine Lösung finden. Ich war hilflos
und nur der unbändige Wille, einen Weg in die Freiheit zu finden, erhielt mich
am Leben. Aber im Widerspruch dazu dachte ich auch, daß ich auf gar keinen Fall
lebend in die Hände der Russen fallen dürfte, das hatte ich mir ein für alle
Mal geschworen, nachdem ich diese Grausamkeiten gegenüber den Verwundeten
gesehen hatte.

Bei diesem Gedanken überprüfte ich meine Bewaffnung. Ich hatte immer noch zwei
Handgranaten in meinen Stiefeln und war erstaunt darüber, daß keine losgegangen
war. Meine Pistole steckte im Halfter, aber ich fand meine Maschinenpistole
nicht mehr. Die Waffen werden mich schon beruhigen. Plötzlich erinnere ich mich
vorhin Lux und Dominé gesehen zu haben, die sich über mich beugten. Hatte ich
geträumt? Ich glaube ihre Blicke zu sehen und es scheint mir Angst oder etwas
ähnliches, in ihren Augen zu sein, die Furcht zweier Wesen, in ihrer
körperlichen Unversehrtheit, gegenüber einem toten Kameraden. Denn sie glaubten
mich tot, sie haben es mir später gesagt, sie wussten nicht, daß das Gehirn an
meiner Stirn nicht meines war!
In meine Halbohnmacht getaucht, hatten meine weit geöffneten Augen sie gesehen.
Zunächst waren es nur unscharfe Schatten, aber mein Blick klärte sich und ich
sah ihre Gesichter genau, da ich sie wider erkannte. Ich muß handeln, ich kann
nicht endlos nachdenken...

Wenn es mir gelingt so zu denken, bedeutet dies, daß sich mein Geist klärt, daß
meine Kräfte nach und nach zurückkommen und gleichzeitig der Wille hier
herauszukommen. Ich weiß nicht in welcher Entfernung sich die Freiheit befindet,
deshalb arglos, sage ich mir, daß ich kriechen muß, die Beine hinter mir
herziehen ohne mich darauf zu stützen! Und das mache ich nach einem letzten
Blick auf meine Kameraden, die ich zurücklasse.


- 8 -

Ich habe nur meine Ellbogen um vorwärts zu kommen und bei jedem Rutsch nach vorn
ist es, als risse man mir das linke Bein ab. Das rechte macht mir keine
Probleme, es ist zumindest erträglich. Schnell wurde mir klar, daß ich so nicht
weit kommen würde, aber ich kroch trotzdem fünfzig, hundert vielleicht
zweihundert Meter. Ich mußte mich zehn, zwanzigmal oder wahrscheinlich noch
öfter ausruhen. Die Ellbogen meines gummierten Mantels sind beide
durchlöchert und darunter sogar die Ellbogen der Jacke! Der Boden ist gefroren
und hart, fast überall von Granateinschlägen aufgerissen, von tausenden Kratern
durchlöchert und wirkt wie ein riesiges Sandpapier. Ich halte an, aber wütend
mache ich weiter, jedes Mal werden die Entfernungen kleiner. Aber um
davonzukommen muß man trotzdem alles versuchen!

Ich sehe immer noch Männer, die nach Westen marschieren, in kleinen Gruppen oder
einzeln. Aber wie soll ich sie um Hilfe bitten sich mit einem Verwundeten zu
belasten, der getragen werden muß, wo sie doch schon allein und unversehrt so
geringe Chancen haben davonzukommen?
Ich kann mich nicht entschließen Hilfe zu erbitten. Ich glaube nicht, daß es
Stolz war, ich glaube eher es war Realismus. Derjenige mit dem wir alle seit
Beginn unseres Feldzugs konfrontiert sind. Wie sollten diese ausgehungerten,
erschöpften Soldaten einen Verwundeten Gott weiß wohin mit schleppen? Erneut
kommt mir der Gedanke, daß ich meinem Leben, meinem Leidensweg ein Ende bereiten
sollte und ich taste nach meiner Pistole, meinen Granaten, um mich wieder zu
beruhigen. Ich weiß nicht wie viele Meter ich auf diese Weise noch zurückgelegt
habe, wie viel Flohhüpfer ich noch machte, noch wie viel Zeit es mich kostete.
Ich glaube viereinhalb Stunden von Schanderowka bis zu meiner Verwundung
marschiert zu sein, wie viele Stunden werden es noch bis zur Sicherheit sein?

Ich habe die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, aber ich komme immer langsamer
voran. Ohne Zweifel schwinden meine Kräfte, aber auch die Ellbogen schmerzen und
schwellen immer mehr an. Manchmal überlagern sich Teile des Beinbruchs und
reiben aneinander, die stechenden Schmerzen steigen mir bis in den Kopf!
Unerträglich, aber es muß sein, sonst ist es aus. Die Schmerzen haben mich oft
bis an den Rand der Ohnmacht gebracht. Als ich wieder ein Stück vorwärts
rutsche, ruft mich eine Stimme hinter mir auf deutsch an. Ich halte sogleich
inne und der Mann ist sofort an meiner Seite. Er ist zu Pferd und steigt ab, um
mit mir zu sprechen. Ich bin am Ende meiner Kräfte und sicher zu jung zum
Sterben, und dennoch gibt es so viele andere, denen es genauso geht wie mir. Er
könnte ungefähr 45 Jahre alt sein, oder ist er 15 Jahre jünger, wer weiß das schon bei einem 14 Tage Bart und alldem was wir erlebt haben! Er hat meinen Armspiegel "Wallonien" gesehen und macht mir ein Kompliment. Er weiß, daß
die Truppe viel getan hat und Tapferkeit gezeigt hat.

Er fragt mich, ob ich mich auf dem Pferd halten könne! Das scheint die Rettung
zu sein! Ich sage ja, aber daß ich nicht aufsteigen könne. Er lächelt und sagt,
er wird mir helfen. Sein Lächeln strahlt solch eine Sympathie und Sicherheit
aus, daß ich mir sogleich sage: gerettet! Er ist groß und stark und hievt mich
ohne große Schwierigkeit in den Sattel.
Ich hatte Schmerzen, fürchterliche Schmerzen im Bein und glaubte ohnmächtig zu
werden, aber ich habe nichts gesagt. Er nimmt das Pferd am Zügel und geht neben
mir. Er erzählt mir, daß er zum 46. oder 47. Artillerieregiment der Wehrmacht
gehört, ich weiß es nicht mehr genau. Jetzt sehe ich, daß eine Menge Pferde
durch die Steppe irren, in die eine oder andere Richtung, aber hauptsächlich
nach Westen, als ob sie auch wüssten, daß sich die Freiheit in dieser Richtung
befindet. Ich teile meine Beobachtung dem Artilleristen mit und er sagt mir,
daß den Pferden, die nichts mehr zu ziehen hatten, die Freiheit gegeben worden
war. Kurz darauf sind einige Pferde in unserer Reichweite und mein deutscher
Kamerad fängt ohne große Mühe eins ein. Nachdem er jetzt auch aufsitzt, habe ich
weniger Skrupel zu reiten.

- 9 -

Ich fühle mich gut, selbst wenn mich mein Bein sehr leiden läßt, und suche
ständig nach einer besseren Position auf dem Pferd. Aber bei jedem Stoß, jedem
Schritt ist es, als zöge ein Gewicht mein Bein nach unten. Ich spüre genau den
Bruch in der Mitte des Schienbeins, wo sich das Bein im Rhythmus des
Pferdeschritts von rechts nach links biegt, aber ich schweige. Seit meiner
Verwundung schien es mir, daß man nicht mehr auf uns schoss, oder ist das nur
Einbildung? Ich denke plötzlich daran, denn von neuem höre ich Schüsse und die
Einschläge liegen dicht bei uns.
Auf dem Pferd fühle ich mich verwundbarer als zu Fuß, aber was hilft es?
Die Zielscheibe ist größer und verlockender für die Schützen, aber ich habe
keine andere Wahl! Als eine Granate dicht neben uns explodiert, macht das Pferd
einen Satz, den ich noch lange im Bein spüre. Wir rücken im Zickzack vor, machen
Umwege, wechseln ständig die Richtung, um es den russischen Artilleristen
möglichst schwer zu machen, die sich wie bei einer Rummelplatzschießbude fühlen
müssen. Plötzlich zucke ich zusammen und bekomme eine heftigen Stoß, ein
wahnsinniger Schmerz fährt durch meinen Körper. Das Pferd ist getroffen und
stürzt auf die rechte Flanke. Mein rechter Fuß ist unter dem Sattel eingeklemmt,
das Pferd strampelt noch etwas, aber scheint gelähmt. Mein deutscher Kamerad ist
bereits abgesprungen und nachdem er sich nach mir erkundigt hat, gibt er dem
armen Tier den Gnadenschuß. Er macht mich los und zieht mich zur Seite, fragt
mich ob ich nochmals verwundet worden wäre. Es scheint mir nicht so, ich habe
nichts gefühlt außer beim Sprung und dem Sturz des Pferdes. Ich weiß nicht, wo
das Pferd verwundet ist, es muß auf seiner Verletzung liegen, die ernst sein
muß, wenn man die Blutlache betrachtet, die sich rasch ausbreitet und den Schnee
rot färbt. Mein Kamerad sagt: "Pech". Aber glücklicherweise ist Dir nichts
passiert, wir werden davonkommen. Warte hier einen Moment, ich werde ein anderes
Pferd holen. Und er geht. Ich habe Angst ihn nicht wieder zusehen! Wird er
wieder kommen? Wird ihm nichts geschehen? Aber in weniger als einer
Viertelstunde ist er zurück. Er bringt mir ein weißbraunes Pferd, breiter als
das erste, wohl ein Zugpferd. Er versucht dem toten Pferd den Sattel abzunehmen,
um ihn auf das andere zu legen und ihn festzumachen, aber nicht ohne
Schwierigkeiten, weil der Sattel schlecht auf dieses passt. Als er den Sattel
weggezogen hat, sah ich, daß der Bauch des Pferdes ganz geöffnet war! Sicher
eine Panzerabwehrgranate, denn Maschinenpistolen reißen nicht so große Löcher.
Ich war noch einmal gut davongekommen.

Ein wenig später ritten wir wieder in Richtung Westen. Die Schüsse fallen in
Abständen, fangen wieder an, um sich wieder zu beruhigen. Wir schlängeln uns
durch und folgen den Meandern einer leichten Bodensenke, die auf hundert Metern
ein Minimum an Schutz bietet. Dort halten wir einen Moment an, um zu
verschnaufen und der Junge bietet mir eine Zigarette an. Seit zwei oder drei
Tagen hatte ich keine mehr gesehen. Andere Männer sind auch da, die es uns
gleichtun, an eine kleine Böschung gelehnt. Nach der Zigarette setzen wir
unseren Weg fort. Was wird uns geschehen? Welche Entfernung müssen wir noch
überwinden? Es erscheint mir sehr lang nach meiner Verwundung, um so mehr als
wir nur langsam vorwärts kommen, im Schritt, aber mein Schutzengel will mich
sicher nicht mehr leiden lassen, als es erträglich ist.
Aus den Wolken fällt Schnee auf uns und ein kalter Wind kommt wieder auf. Aber
ich segne diesen Schnee, der einen Schutzvorhang bietet gegen direkten Beschuß.
Solange er fällt, selbst wenn nur ganz leicht, wird man uns nur durch Zufall
treffen können und das ziehe ich vor!
Es muß ungefähr Mittag sein als wir ein Sumpfgebiet erreichen, die Pferde
weigern sich es zu durchqueren und zwingen uns nach Norden zu reiten, einen
weiteren Umweg zu machen.
Über den Sümpfen ist der Boden nicht gefroren. Nachdem wir etwa zehn Minuten
geritten sind, hält mein Kamerad vor mir an und lauscht, auch mein Pferd hält
hinter ihm und auch ich lausche.

- 10 -

Nun höre auch ich Schreie aus den Sümpfen, aber sehr weit entfernt. Wie erstickt
durch den fallenden Schnee. Man kann ungefähr hundert Meter weit sehen, nicht
mehr, eher weniger. Man kann sich noch so anstrengen, man erkennt nichts. Und
dennoch kämpft irgendwo dort ein Mann in diesem Dreck, diesem Schlamm mit seinem
Tod. Mein Kamerad sagt mir, daß man nichts für ihn tun kann. Ich sehe wohl, daß
er genauso entsetzt ist wie ich, aber er hat Recht. Was können wir tun? Er,
allein, und ich verwundet, zu seinen Lasten! Es lief mir kalt den Rücken
herunter, umso mehr - aber vielleicht bin ich verrückt - als ich es rufen hörte:
" Bour-gui-gnons "! Den Tod in der Seele, Gewissensbisse im Herzen, reiten wir
weiter. Fast fünfzig Jahre später denke ich noch daran! Ich habe es nicht
vergessen, noch habe ich versucht es zu vergessen.
Das schlechte Gewissen bleibt, selbst wenn ich überzeugt bin, daß man nichts
unternehmen konnte, daß weder ich noch mein Kamerad in der Lage waren
irgendetwas zu tun. Es schneit nicht mehr, wir reiten seit einer Viertelstunde
als wir wieder auf eine Gruppe von etwa zwanzig Männern stoßen.
Plötzlich beginnt eine Schießerei! Diesmal sind es automatische Waffen,
Maschinengewehre, und die Salven, die von rechts kommen, sind nicht allzu weit
entfernt. Ich lege mich über das Pferd, um mit ihm einen zusammenhängenden
Körper zu bilden, den Kopf auf der Mähne.
Um das Gleichgewicht zu halten, setze ich mich weit nach vorn und kann mich so
an der Mähne halten, den Arm um den Pferdehals geschlungen. Der Geruch des
Pferdes erfüllt meine Nasenflügel und seine Mähne streichelt mir rau die Haut
meiner Wangen. Ich versuche meinen Kopf im Schutz des Pferdehalses zu halten und
gleichzeitig diejenigen zu erspähen, die auf uns schießen. Die Steppe erhebt
sich leicht zu unserer Rechten und ich vermute, daß sich die Schützen auf dem
Gipfel eingegraben haben, der wahrscheinlich ziemlich weit vor uns liegt, 400
oder 500 Meter, aber ich kann es nicht erkennen. Als ich den Horizont absuche,
rauschen neue Salven über uns hinweg - es pfeift von allen Seiten. Ich versuche
mich noch kleiner zu machen, denn es gibt keinen Zweifel, sie zielen auf uns,
wir sind die Zielscheiben! Das ist ein äußerst mieses Gefühl sich so ins Visier
genommen zu fühlen, nicht in der Lage sich zu verteidigen, fast wie ein Krüppel
und nicht einmal fähig dazu sich in Sicherheit zu bringen!

Vom Pferd zu steigen, nicht einmal dazu wäre ich fähig und sich im Schutz des
Pferdes hinzulegen wäre auch keine Lösung. Das würde das Risiko nur verlängern,
sie erwarten uns in jedem Fall. Also entscheiden wir weiter zureiten. Sekunden
später zerreißt eine neue Salve die Luft. Kugeln pfeifen an meinem Kopf vorbei.
Mein Pferd bäumt sich auf und fast wäre ich runter gefallen. Da merke ich, wie
sich alle Muskeln des Pferdes verhärten, ja in Knoten verwandeln.
Mein Kamerad hat es sofort bemerkt und da ist er schon, ergreift den Zügel, um
es zu beruhigen und festzuhalten. Es fällt ihm schwer, er springt ab, ohne mein
Pferd loszulassen. Ich habe einen kleinen Stoß verspürt, nichts Ernstes. Eine
Wärme im rechten Ellbogen, an der Stelle wo mein gummierter Mantel, von der
Rutscherei am Morgen, zerrissen ist. Ich stelle gleich fest, daß es das Blut des
Pferdes ist, das am Hals austritt, in kleinen Rinnsalen, stoßweise, aber
ernstlich! Mein Artillerist zieht mich aus dem Sattel und legt mich am Boden ab,
wie eine muskulöse Krankenschwester es gemacht hätte. Das verhindert nicht die
Stöße, den Schmerz. Ich beiße die Zähne zusammen, um keine Klage entschlüpfen zu
lassen, um einen Retter nicht zu entmutigen.
Alles geschieht unter den Salven, die um uns herum pfeifen. Der Artillerist
tötet auch dieses Pferd mit zwei Pistolenschüssen. Ich liege da im Schnee und
harre der Dinge die da kommen sollen. Am meisten belastet es mich, weder Herr
meines Schicksals, noch in der Lage zu sein, irgendetwas daran ändern zu können.
Ich mache mich also ganz klein. Mein rechter Arm wird steif, die Kälte macht ihn
bewegungsunfähig. Mit der linken Hand massiere ich meinen Unterarm und bin
erstaunt Schmerz zu empfinden. Ich ziehe den Ärmel hoch und glaube es kaum, als
ich eine Kugel entdecke, die in der Mitte des Unterarms steckt. Sie ist kaum ins
Fleisch eingedrungen und ein Drittel guckt noch heraus.

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Ich frage mich was besser ist, sie stecken zulassen oder zu versuchen sie
herauszuziehen? Es blutet kaum, nur ein wenig um die Kugel herum, gerade mal ein
kleiner Kreis. Meine Finger sind zu klamm und kraftlos um sie herauszuziehen.
Ich führe meinen Arm zum Mund und beiße mit den Zähnen auf die Kugel. Sie läßt
sich mühelos und ohne Schmerz herausziehen. Ich sage mir, daß es besser wäre die
Wunde ein wenig bluten zu lassen, um den Schmutz herauszuschwemmen, aber es
kommen nur ein paar Tropfen Blut, die schnell trocknen bzw. gefrieren.

Ich begegne dem fragenden Blick des Artilleristen. Als er die Kugel sieht,
lächelt er erstaunt und schüttelt den Kopf als wolle er sagen: " Du lässt
wirklich nichts aus!" Wir sprechen darüber und kommen zu dem Schluß, daß die
Kugel, die Stück für Stück den Pferdehals durchdrungen hat, Ihren Lauf in meinem
Arm beendet hat, gestoppt durch den Knochen. Alles scheint dies zu bestätigen,
einschließlich der Haltung meiner Arme um den Hals des Tieres. Die Kugel war am
Ende ihrer Bahn. Wenn nicht, wäre der Knochen gebrochen, soviel steht fest. Ich
bin beruhigt, ich habe keine Schmerzen mehr und in zwei, drei Tagen wird nur
noch eine kleine Kruste da sein. Sicher, ich kann die Frage, die ich mir stelle,
nicht beantworten, habe ich Glück oder nicht?
Letztlich glaube ich ja, wenn ich an die Hölle denke, die wir in den vergangenen
Wochen durchlebten. Selbst wenn einige andere ohne Schramme davongekommen sind.
Pech, wenn man zweimal am selben Tag verwundet wird. Aber welch ein Glück
jemanden gefunden zu haben, der mich hier herausgeholt hat und die
Belanglosigkeit dieser zweiten Verwundung.
Verwundungen durch Kugeln sind die "Schönsten", vorausgesetzt sie greifen kein
lebenswichtiges Organ an oder sind explosiv, denn der Feind hat oft solche
verwendet. Damit die Kugeln große Löcher ins Fleisch reißen, wurden sie oftmals
mit der Feile bearbeitet.

Was werden wir nun tun? Mein Schutzengel weiß sich zu helfen, es fehlt ihm vor
allem nicht an Eigensinn. Er nutzt eine Feuerpause um mich auf sein Pferd zu
heben und den Weg fortzusetzen, indem er das Pferd am Zügel führt. Wir gehen
also etwas nach links, um den Schüssen auszuweichen. Von da aus steigt der Weg
ein wenig an, hoffentlich liegen hier auf der Höhe nicht weitere russische
Schützen auf der Lauer. Als wir oben ankommen, hält mein Kamerad an und wir
bestaunen den unerwarteten Anblick, der sich unseren Augen bietet. In der
Steppe, die sich unterhalb von uns ausbreitet, lagern hunderte und aberhunderte
von Männern, aufrecht, liegend, ich weiß nicht auf was sie dort warten. Es gibt
auch einige Fuhrwerke Kettenfahrzeuge, die, ich weiß nicht wie sie durch diese
Sintflut von Feuer und Eisen, durch die auch wir reiten mussten, hindurch
gekommen sind!

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Selbst Pferde sind hier, zwischen all den Männern. Einige liegend, andere
aufrecht und wieder andere im Kreis laufend als ob sie wüssten daß jenseits die
Freiheit liegt. Als wir genauer hinsehen, erkennen wir was all die Überlebenden
an diesen Ort fesselt. Ein breiter Riss teilt die Steppe vor uns in zwei Teile.
Es ist ein tobender Fluß der den Zugang zum anderen Ufer abschneidet. Während
wir näher kommen, an den einzelnen Gruppen vorbeischlängelnd mit Vorsicht vor
den am Boden liegenden, sehe ich Burschen sich in die eiskalte Flut stürzen. Die
Böschung fällt hier an dieser Stelle etwa anderthalb Meter steil ab und der Fluß
brodelt zu unseren Füßen. Wie ich erst jetzt erfahre ist der Name des Flusses
Gniloi Tikitsch. Er ist nicht sonderlich breit, etwa zwanzig bis dreißig Meter
jedoch ist er sehr tief und führt große Eisschollen mit sich. Etwas rechts ist
ein großer Teil des Flusses der noch seine gefrorene Oberfläche behalten hat und
einige Männer wagen sich vorsichtig darauf. Drei oder vier gelangen so trockenen
Fußes ans andere Ufer. Plötzlich höre ich das Geräusch von Hufschlägen und einem
Karren. Ich befinde mich zu diesem Zeitpunkt etwa zwanzig Meter vom Fluß
entfernt. Als der Karren einige Meter vor uns vorbei fährt, erkenne ich darauf
acht oder neun Verwundete kreuz und quer liegen sowie den Wagenlenker mit dem
Blick eines Wahnsinnigen. Er erscheint mir wirklich verrückt denn er treibt
seine Pferde, die im Schritt gehen, in den Galopp. Alle sehen ihn vorbeifahren
und wissen was folgen wird. Und wirklich !
Er fährt seinen Weg, als ob nichts wäre und richtet sein Gespann geradewegs auf
den Fluß zu, an jene Stelle die noch vom Eis bedeckt ist.

Ungläubig sehen alle Umstehenden Pferde und Wagen samt Insassen von der
Uferböschung in den Fluß springen. Natürlich bricht das Eis sofort und ich sehe
eine große Eisscholle sich über das Gespann schieben. Es verschwindet
unmittelbar darauf, verschlungen vom Fluß! Kaum ein, zwei Schreie und alles ist
vorbei. Bereits ein großes Stück entfernt, denn der Fluß ist sehr reisend, sehe
ich noch einige wenige male flüchtig den Kopf eines Pferdes oder einen Körper
zwischen den Eisschollen erscheinen nur um genauso schnell wieder zu
verschwinden, diesmal für immer!
Niemand hatte Gelegenheit etwas zu tun, alles war so schnell gegangen. In den
Blicken denen ich begegne kann ich erkennen, daß auch keiner verstehen kann was
sich vor unseren Augen abgespielt hat. Es ist einfach unglaublich! Jeder
benötigte Zeit sich wieder zu fassen. Man glaubt immer das Schlimmste bereits
gesehen zu haben doch dabei weicht die Grenze des Grauens immer ein weiteres
Stück zurück.

Ich beobachte ein Kettenfahrzeug das sich in Bewegung setzt und für einen Moment
fürchte ich dass der Wahnsinn auch von anderen, Besitz ergriffen hat. Aber nein,
das Fahrzeug rollt ganz langsam in Richtung Fluß und der Fahrer springt wenige
Meter vor der Böschung ab. Das Fahrzeug fällt von der Böschung und verschwindet
unmittelbar, nichts taucht mehr auf. Der Fluß ist noch tiefer als man dachte.
Andere schieben einen Karren an der Stelle wo das Fahrzeug versunken ist in den
Fluß aber die Strömung reißt den Wagen sofort mit. Auf diese Art war also keine
Möglichkeit sich zu behelfen den Fluß zu überqueren, denn das, soviel hatte ich
schnell begriffen, war Absicht hinter alledem.

Zu unserer linken ist ein kleines Wäldchen doch alle Anstrengungen mit Ästen und
durch fällen junger Bäume eine Art Steg zu bauen ist zwecklos, die Strömung
spülte alles davon.

- 13 -

Einige laufen entlang der Böschung Flussaufwärts andere brechen in entgegen
gesetzter Richtung auf, alle in der Hoffnung eine Brücke zu finden oder eine
Planke. Manche kommen zurück ohne etwas gefunden zu haben, andere, die sich zu
weit vorgewagt haben, können nicht mehr wieder kommen. Worauf kann man noch
hoffen?

Ich will mein Leben nicht verlieren, nicht heute, nicht nach all diesen
Anstrengungen, nicht hier. Morgen wenn es sein muss aber auf jeden Fall an einem
anderen Ort nur nicht hier. Der Artillerist, den ich fortan Fritz nennen werde,
da ich immer noch nicht seinen Namen kenne, sucht nicht länger nach möglichen
Auswegen. Er geht und kommt gleich darauf mit einem Pferd wieder. Ich selbst
habe den Sattel nicht verlassen, wie auch, wozu auch?

Er sagt mir, daß wir da nun rüber müssen, dass wir nichts zu erhoffen haben wenn
wir hier bleiben. Wir werden also in den Fluß springen und Fritz erklärt mir die
beste Art wie ich mich festhalten soll, am besten so wie ich es schon zu Anfang
getan hatte in dem ich den Hals des Pferdes umschlang. Er bindet mir die
Steigbügel unterhalb des Pferdebauches zusammen, damit ich mich wenigstens mit
dem rechten Fuß des halbwegs heilen Beines abstützen kann. Während er damit
beschäftigt ist, beobachte ich einen hoch dekorierten Offizier, General Gille,
wie man mir sagt! Ich selbst bin zu weit entfernt um es selbst zu erkennen,
jedoch der Gestalt nach scheint er es zu sein. Er zieht sich in aller Ruhe aus,
als ob nichts wäre, macht ein Bündel aus seinen Kleidern, bindet es mit dem
Gürtel zusammen und wirft es über den Fluß. Das Wasser ist an dieser Stelle
vielleicht weniger breit aber ich sehe nicht ob das Bündel am anderen Ufer
ankommt. Er springt ins Wasser, bekleidet mit seiner Mütze, die auf dem Wasser
schwimmt als er eintaucht. Nachdem er wieder hoch kommt, greift er nach der
Mütze, setzt sie wieder auf und schwimmt ans andere Ufer. Da, ein Mann um die
Sechzig, der nicht zögert in dieses eisige Wasser das dicke Eisschollen
mitführt, zu springen ..., ich weiß nicht warum ich es nicht genauso machen
sollte, verwundet aber zu Pferde.

Im Augenblick des großen Sprunges sträubt sich mein Pferd, wahrscheinlich hat es
Angst vor diesem Fluß. Fritz half mit einigen Stiefeltritten nach, ich halte
mich fest und presse mich mit aller Kraft an das Pferd. Beim zweiten Versuch
geht das Pferd voran und springt unvermittelt ins Wasser. Ich rutsche nach vorn
und fürchte schon Kopf voran im Wasser zu versinken aber mein rechter Steigbügel
hält mich im letzten Moment noch fest. In dem Moment als mein Pferd wieder
auftaucht, glaube ich seitlich weg zurutschen weil mein verwundetes Bein,
unfähig sich zu drehen, den Steigbügel nicht fassen kann. Der Schmerz lässt mich
mit den Zähnen knirschen, ich konnte einen Sturz jedoch noch vermeiden. Ich bin
bis zu den Schultern nass, das Gesicht trieft von Wasser. Bis zum Nabel sitze
ich im Wasser und ich habe das Gefühl als hätte man mir den Rumpf abgesägt.
Diese Kälte ist unglaublich ab ich bin am Leben, zumindest vorläufig!


Wären Müdigkeit und Hunger nicht gewesen, hätte ich es besser verkraftet! Jedoch
unter diesen Bedingungen, in dem Zustand in dem ich mich befand !
Mein Pferd beeilt sich das andere Ufer zu erreichen. Ich drehe mich um und suche
meinen Freund Fritz, der schon auf meiner Höhe ist. Als ich mich umdrehe, sehe
ich einen Burschen der gleich nach mir ins Wasser gesprungen war und sich am
Schwanz meines Pferdes festhält. Jeder hilft sich wie er kann. Mein Pferd müht
sich ab und kämpft gegen die Strömung.

-14-

Seine unkoordinierten Bewegungen verursachen mir große Schmerzen. Die Strömung
presst mein verletztes Bein gegen die Flanke des Pferdes was mir zusätzliche
Schmerzen bereitet aber ich halte durch. Unnütz sich zu beklagen, wozu? Es ist
auch nicht meine Art. Der Blick von Fritz ist ermutigend, er scheint zu sagen:
"Es geht, alles wird gut, wir werden durchkommen!" Als mein Pferd das jenseitige
Ufer erreicht, tut sich ein neues Problem auf. Die Böschung ist steil und bildet
ein Hinternis von etwa Einmeterfünfzig Höhe die zu überwinden dem Pferd nicht
gelingt.

Soweit ich rechts oder links sehen kann, ist keine günstigere Stelle zu
entdecken! Ich leide Höllenqualen bei jedem Sprung mit dem das Pferd versucht
die Böschung zu erklimmen. Jedes Mal rutschen die Vorderbeine wieder ab und
schlagen schwer ins Wasser. Ich werde etwas unruhig, denn ich merke wie das
Pferd zusehends unruhiger wird und ich fürchte dass es Panik bekommt. Während
das Tier umher treibt sehe ich Fritz der ins Wasser springt ohne dabei sein
Reittier loszulassen. Es gelingt ihm die Böschung hochzuziehen und mit Hilfe von
zwei Kameraden, die schon oben sind, hilft er seinem Pferd aus dem Wasser. Sie
kommen zu mir und tun das gleiche für mich und mein Pferd. Ich habe dabei so
heftig die Zähne zusammengebissen und auf meine Lippen gebissen, dass sie ganz
blutig sein müssen. Das Pferd bewegt seine Beine mit solcher Gewalt dass ich
dreimal fürchte ins Wasser zurückzufallen und von der Strömung fortgerissen zu
werden. So nahe vor der Rettung wäre es absurd gewesen umzukommen, im Fluß zu
ertrinken. Für mich gab es keinen Zweifel mehr, die Freiheit musste hier sein!

Sobald das Pferd auf festem Boden Fuß gefaßt hat, helfen die beiden Kameraden,
Fritz mich aus dem Sattel zu heben und auf den Boden zu legen. Das Wasser aus
meinen Kleidern und Stiefeln verdunkelt den Schnee um mich herum. Sie ziehen mir
Mantel und Jacke aus, winden sie aus und ziehen mich schnell wieder an. Danach
tun sie dasselbe mit ihren Kleidern. Währenddessen durchqueren andere Männer
schwimmend den Fluß und ich sehe den Offizier von eben der mit anderen dabei
ist, Taue, Stricke und Kordeln aneinanderzuknoten um sie über den Fluß zu werfen
um damit die Kameraden am Ostufer bei ihrer Rettung behilflich zu sein. Die
Männer setzen mich in den Sattel und ich stelle fest, daß all meine Kleider
gefroren sind, steif und spröde. Ich kann kaum die Ellbogen beugen, die
gefrorene Kleidung macht jede Bewegung unmöglich.
Langsamdurchqueren wir die leichte Steigung, rechts von einem Wäldchen aus
Sträuchern und Büschen um endlich über die Böschung zu gelangen.
Auf einmal sehen wir einen, zwei, drei Panzer! Ein Moment der Angst, der Furcht
vergeht als wir die Unseren erkennen! Es sind zwei Panzer vom Typ Panther und
ein Tiger. Euphorie! Wir sind gerettet, alles ist vorbei, für uns wenigstens,
denn viele befinden sich noch auf Gedeih und Verderb bei den Russen im Kessel.
Wegen dieser drei Panzer schießen die Russen nicht auf diese Unmenge
unbewaffneter Männer am Fluß. Diese drei Panzer mit ihren mächtigen Geschützen
halten sie in Schach aber im Schutz des jenseitigen, zweiten Hügels können die
Russen ein letztes Mal diese Gespenster die ihr Heil suchen, quälen!

Als wir auf der Höhe unserer Panzer ankommen, was für eine Begrüßung.
Umarmungen! Diese Panzer der 1. Panzer Armee betrachten uns mitleidig. Ich werde
später erfahren, dass auch sie ein hartes Stück Arbeit geleistet haben. Sie
haben die russischen Linien auf eine Tiefe von ungefähr 80 Kilometer
durchbrochen um uns zu Hilfe zu kommen jedoch nur einige sind bis hierher
durchgekommen.

- 15 -


Sie sind verstreut in kleine Gruppen entlang des Flußes Gniloi Tikitsch und
bilden Stützpunkte um uns zu helfen. Das Gelände und der Fluß erlaubten es nicht
weiter vorzustoßen. Das Gros der Panzer konnte noch nicht mal bis hierher
kommen, die Geländebeschaffenheit und der Gegner verursachten große
Schwierigkeiten. Es sind Männer der LAH, Männer der "Garde", Leibstandarte A.H.
Plötzlich fühle ich mich in Sicherheit! Fritz fragt sie, wo er mich hinbringen
kann und sie zeigen ihm eine Reihe Katen in 200 bis 300 Meter Entfernung. Dort
sammelt man die Verwundeten nach ihrer Ankunft. Als er mich den Händen eines
Sanitäters anvertraut, will ich ihm Auf Wiedersehen sagen, danke, tausendmal
danke. Ich frage ihn nach Name und Adresse. Er sieht mich an, schüttelt den Kopf
und Sagt: " Nein"! Er sagt mir, dass es ohne jede Bedeutung wäre. "Ich werde
auf jeden Fall später wiederkommen, wir werden uns heute wieder sehen". Ich sehe
ihn an, ohne recht zu verstehen also macht er mir klar, dass er runter, zurück
in den Kessel gehen wird, andere Verwundete suchen.

Für einen Moment blicke ich in dieses Gesicht, von einem Bart zerfurcht,
verzerrt von Müdigkeit, das ernster als eben noch erscheint. Ich sehe es nur
kurz, denn er dreht sich schnell um und ich beobachte ihn beim weggehen. Er
besteigt sein Pferd und hält das andere an den Zügeln. Ich sehe ihn in jene
Richtung verschwinden aus der wir kamen ohne das er sich wieder umdrehte. Ich
kann es nicht fassen, bin verwirrt! In diesem Moment bekäme ich kein Wort
heraus, so sehr schüren mir die Gefühle die Kehle zu, ich beiße die Zähne
zusammen um keine Grimasse zu machen, um mir nichts anmerken zu lassen! Unter
Männern, unter Soldaten sind solche Gefühlsausbrüche nicht angebracht. Man muß
Haltung beweisen, Würde bewahren! Als wir uns die Hand geschüttelt haben, hat er
sehr schnell seine Hand zurückgezogen um sich nicht auch "gehen zu lassen". Ich
habe ihn gut verstanden. Er sagte mir, dass ich für ihn das gleiche getan hätte,
daß es nicht der Ort wäre darüber großes Aufsehen zu machen.

Hier, ein Mann, der heute für mich sein Leben riskiert hat, hundertmal
vielleicht, der seine Pflicht getan hat, sich selbst gegenüber, mir gegenüber.
Niemand hätte von jemandem mehr als seine Pflicht fordern können. Niemand hätte
aber einen Vorwurf machen können hätte er es nicht getan. Und dieser Mann wird
wieder bei Null anfangen! Er wird in diese Hölle zurückkehren während all
diejenigen, die sich noch dort befinden oder sich heute Morgen noch dort
befanden alles tun werden um dort herauszukommen. Um welchen Preis ! So viele
sind tot oder werden noch sterben beim Versuch von dort zu entkommen und er, der
darum weiß, kehrt dorthin zurück in voller Kenntnis der Lage, wissend was ihn
erwartet. Er hat es mit mir erlebt und trotzdem geht er dorthin zurück. Nichts
konnte ihn davon abhalten, er möchte noch andere retten! Es ist unvorstellbar,
wie aus einer der großen griechischen Tragödien! Das ist "Soldatenmut", der Mut
eines Soldaten.

In bin hier, liege auf einer Tragbahre die vor der Kate abgestellt ist und denke
an diesen Mann, den ich niemals zuvor getroffen habe und den ich auch niemals
mehr vergessen werde und sollte ich hundert Jahre leben. Ich schlucke, meine
Kehle ist wie zugeschnürt. Der Sanitäter hat es bemerkt und versucht mich zu
beruhigen in dem er mir sagt, dass Fritz zurückkommen wird. Dabei zieht er meine
Trage ins Innere. Er ist allein und legt mich im ersten der beiden Zimmer, wo
bereits zwei Verwundete waren, ab.


-16-


Meine Uhr ist um etwa 14 Uhr stehen geblieben, das muß die Zeit gewesen, als wir
im Wasser waren. Es muss jetzt also etwa 14_30 Uhr sein. Mir ist kalt, sehr kalt
aber ich habe keine Schmerzen. Ich bin vor allem auch sehr müde. Meine Kleider
die immer noch gefroren sind, werden nur langsam auftauen da in dieser Behausung
kein Feuer brennt. Kurze Zeit später kommt ein Arzt der mich untersucht. Mit
großer Vorsicht schneidet er meine Stiefel auf, das Wasser in ihnen ist zu zwei
Eisgamaschen vom Knöchel bis zur Wade gefroren.
Es ist wie zwei Schienen die mein gebrochenes Bein gehalten haben und deshalb
hatte ich nicht mehr so große Schmerzen nachdem das Wasser in meinen Stiefeln
gefroren war. Das Eis hat eventuell den Schmerz betäubt und andererseits
womöglich eine Infektion verhindert. Der Arzt hat es schwer die Eisschicht zu
durchbrechen, denn er wagt es nicht stärker darauf zu schlagen um mir keine
unnötigen Schmerzen zuzufügen oder die Verletzung zu verschlimmern. Sobald das
Eis entfernt ist, kann ich kann ich zum ersten Mal die Wunde sehen. Ich verstehe
nun meine bisherigen, stechenden Schmerzen. Der Arzt zeigt mir den offenen Bruch
und die Stelle wo der Knochen die Haut durchdrungen hat, was ich zunächst wegen
dem Blut nicht sehen konnte.
Überall waren kleine Wunden zu sehen, rot in der Mitte und blau und weiß von der
Kälte drum herum. Am rechten Fuß blutet der angeschwollene große Zeh, in der
Wade stecken verstreut einzelne Splitter, einer davon sichtbar. Aus dem rechten
Bein zieht der Arzt ohne Schwierigkeiten und ohne mir Schmerzen zu bereiten den
größten Splitter heraus sowie zwei kleinere, unbedeutende Splitter doch gerade
diese bereiteten mir Schmerzen denn sie steckten tiefer. Er entschuldigt sich
mir weh tun zu müssen aber wie er mir sagt, verfügt er über keine
Betäubungsmittel mehr. Er verfügt nur noch über einige Instrumente, Alkohol und
Verbandsmaterial, er hatte in der Nacht viele schwere Fälle. Er desinfiziert die
Wunden, legt Verbände an und mittels einer Stiefelhälfte bastelt er eine Schiene
für mein linkes Bein. Darüber legt er noch einen Verband aus einer Art
Krepppapier, eng gewickelt was ganz gut hält. Er läßt den Sanitäter die Arbeit
beenden und geht, andere Schmerzen zu lindern, andere Wunden zu versorgen. Als
der Sanitäter mit mir fertig ist, geht er in den anderen Raum aus dem ein
Seufzen zu mir dringt. Etwas später kommt er zu mir zurück und sagt leise zu mir
dass dort einer meiner Kameraden liege, sehr schwer verwundet mit sieben
Maschinengewehrkugeln im Bauch. Er bittet mich mit ihm zu sprechen und ihm Mut
zu machen.

Ich sage also die Losung, "Bourguignon!" Keine Antwort. Ich wollte die Stimme
nicht erheben. Nach einem Moment der Stille rufe ich etwas lauter, Bourguignon?"
Aus dem anderen Raum kommt ein Lebenszeichen, "Wer ist da?" Ich nenne also
meinen Namen. " Ah ich freue mich, ich bin Ivan "! Ich erkannte selbst diese
schwache Stimme, es war die eines Kameraden aus der Schreibstube meiner
Kompanie, Ivan Renwart, ich kenne ihn gut. Das letzte Mal hatte ich ihn in
Baibusy gesehen. Ich sehe ihn nicht aber ich höre ihn mühsam atmen bevor er
etwas lebhafter wird. Stoßweise und von Pausen unterbrochen sagt er mir, daß er
nicht mehr lange zu leben hat. Er ist sich der Schwere seiner Verwundung wohl
bewußt und er vertraut mir an, daß er weiß, daß er diese Hütte nicht mehr lebend
verlassen wird. Der Sanitäter, der sicher kein Wort von unserer Unterhaltung auf
französisch verstanden hat, macht mir ein Zeichen der Aufmunterung mit dem Kopf.
Er steht auf und sagt mir beim hinausgehen, daß er später wiederkommen wird. Er
muß woanders Hilfe leiste.


- 17 -

Ivan klagt nicht, aber den Russen entkommen zu sein und daß man ihn hierher
geschleppt hat, verletzt, um in dieser Hütte zu sterben, außerhalb des Kessels,
das kann er nicht verwinden. Er ist 21 Jahre alt wie ich! Seine Stimme ist
schwächer geworden, ich merke, daß er müde ist, erschöpft von den wenigen
Worten. Er darf nicht zuviel sprechen, ich lasse ihn ausruhen. In den folgenden
Stunden wechseln wir nur einige Worte, Es wundert mich, daß die zwei Verwundeten
die an der gegenüberliegenden Wand im Stroh liegen, sich seit eben nicht mehr
bemerkbar machen. Einer von beiden hat sich wie ich noch ein Mal für einen
bewegt und für einen Moment glaube ich den anderen atmen gehört zu haben aber
ich bin mir nicht sicher. Die Nacht ist eben hereingebrochen, es ist
stockfinster und von Zeit zu Zeit höre ich aus der Ferne Geschütze und
Gewehrfeuer. Alles ist also noch nicht vorbei im Kessel!

Etwas später kommt der Sanitäter zurück, nickt mir zu und geht in den anderen
Raum. Er trägt eine Art Kerze die seinen zitternden Schatten auf Decke und Wände
wirft. Danach kommt er zu mir und fragt nach meinem Befinden. Ich fühle mich
nicht zu schlecht, ich habe allerdings Hunger und mir ist kalt aber das sage ich
nicht. Meine Kleider sind immer noch feucht aber aufgetaut. Der Sanitäter sagt
mir leise, daß gleich für meinen Kameraden etwas versuchen werden, daß er aber
nahezu keinerlei Chance hat, nicht einer von zehn kommen durch. Jedenfalls
sagt er, wenn man gar nichts tut stirbt er auf jeden Fall. Das Problem ist die
Anästhesie. Später kommt der Arzt der mich vorhin versorgte, gefolgt von einem
anderen Mann, ebenfalls ein Arzt oder evtl. Sanitäter, ich kann den Dienstgrad
nicht erkennen. Sie zünden andere Kerzen und Karasinkas an und das läßt mich an
Weihnachten denken, ein sehr trauriges Weihnachten. Ich höre, dass man sich
halblaut unterhält, nicht laut genug um etwas zu verstehen. Ivan hat nicht mehr
mit mir gesprochen und hat sich auch sonst seit geraumer Zeit nicht mehr
bemerkbar gemacht jedoch hatte ich einige Male stöhnen gehört. Einen Moment
später schien es mir, daß ich anhand des Schattenspiels sehen konnte wie sie
Ivan niederschlugen. Ich konnte mich täuschen aber diese Einzelheiten ließen es
mich glauben, um so mehr als ich wußte, daß es keinen Tropfen Betäubungsmittel
mehr gab. Während etwa einer halben Stunde stelle ich fieberhafte Aktivitäten
im Nachbarzimmer fest. Ohne zu verstehen, hörte ich kurze Sätze, einsilbige
Worte, dann Stille. Eine Totenstille.

Der Doktor kam dann zu mir und sagte, daß mein Kamerad tot sei. Wie um sich zu
entschuldigen, sagte er mir, daß er alles in seiner Macht stehende versucht habe
aber da es ihm an allem fehlte hat er nicht viele Chancen auf Erfolg gehabt.
Vielleicht hätte mein Freund eine Überlebenschance gehabt wenn er gleich nach
der Verwundung in einem perfekt ausgestatteten Krankenhaus behandelt worden
wäre. Hier jedoch, ohne alles, ohne Glühbirne, ohne Strom war es ein Wagnis. Der
Wissenden, auf sehr kurze Sicht verurteilt, mußte sein Glück versuchen, auf ein
Wunder hoffen aber das Wunder geschah nicht. An diesem finsteren Ort und unter
so dramatischen Bedingungen hat Ivan uns verlassen, am Abend des 17. Februar
1944!

Der Doktor hat seine Hand auf meine Stirn gelegt um meine Temperatur zu fühlen
oder auch nur aus einer Regung heraus, ich werde es nie erfahren. Er ist
erschöpft, man sieht es aber er bleibt entschlossen, ausgestattet mit einem
eisernen Willen, auch das sieht man.

- 18 -

Er verlässt die Hütte gefolgt von seinem Helfer und etwas später vom Sanitäter
er sagte beim gehen, "bis gleich!" Sie haben eine Karasinka dagelassen, auf
einem Bett an der Wand aber die Funzel verbreitet nur ein sehr schwaches Licht.
Ich bleibe allein in diesem finsteren Leichenhaus. Jetzt bin ich sicher, daß
auch die beiden deutschen Kameraden tot sind. Seit langem habe ich nicht die
geringste Bewegung beobachtet oder den geringsten Atemzug wahrgenommen und
sowohl der Arzt als auch der Sanitäter haben sich nicht mehr um sie gekümmert,
sie müssen tot sein.
Ich habe immer noch Hunger und friere aber diese Empfindungen verfliegen vor dem
was mich umgibt. Vor dieser verwüsteten Welt die die meine ist, beschränkt auf
vier Wände. Ich glaube daß das Gefühl von Kälte vor allem daher rührt, daß ich
im Moment alleine bin, allein unter diesen Toten ohne das geringste
Lebenszeichen das meine Einsamkeit ausfüllen könnte.

Ich kann mich nicht bewegen, ich weiß nicht was sich außerhalb der Schwelle
dieses Hauses abspielt. Allein mit drei Toten, auf feuchtem Stroh liegend in
dieser einsamen Baracke, ohne alles selbst ohne eine Feuer um mich etwas zu
wärmen. Aber ich lebe ! Minuten, Stunden verstreichen und schleppen sich langsam
dahin. Es ist verrückt wie lange einem die Zeit unter solchen Umständen
vorkommt! Ich kann nicht schlafen, ich habe keinen Willen dazu, Gott weiß jedoch
wie müde ich bin! Wenn ich nicht meine Furcht im Griff hätte, die Angst hätte
mich seit langem überwältigt. Wer ist noch da der mir sagen könnte daß ich nicht
vergessen wurde?

Von Zeit zu Zeit dringen von draußen Geräusche zu mir. Unverständliches
Gemurmel, wahrscheinlich sind das Männer die sich, dem Kessel entkommen, nach
Südwesen bewegen. Es sind aber nicht mehr viele, die Geräusche werden von Stunde
zu Stunde weniger bis schließlich nichts mehr hindurch dringt. Die Stille wird
mir lang, zu lang und Zweifel, wenn nicht sogar Angst bemächtigen sich meiner.
Wenn man mich nun wirklich vergessen hat? Dieser Abend und dieser Ort beginnen
mir nun noch finsterer vorzukommen. Ich habe noch immer meine Pistole aber ist
das Pulver nicht feucht geworden bei der Flußdurchquerung? Ich weiß nicht warum
aber ich zögere einen Probeschuß abzugeben, zumindest im Augenblick. Meine
Granaten habe ich nicht mehr, ich kann man mich allerdings nicht erinnern wann
ich sie verloren habe.

Ich mußte wohl für einen Augenblick eingenickt sein aber ohne wirklich zu
schlafen als mich plötzlich Kettengeräusche aus meiner Erstarrung reißt gefolgt
von fünft oder sechs Kanonenschüssen. Das ist im Dorf, sich aber nicht weit weg
von hier, denn die Kate hat gezittert.
Ich habe die Einschläge gehört, ein oder zwei, Detonationen anders als jene zu
Beginn. In diesem Moment hat mich die Unruhe besiegt. Keine Panik, diese kenne
ich nicht aber trotzdem Angst, um es ehrlich beim Namen zu nennen. Die Frucht
überrascht zu werden ohne die Zeit zu haben zu reagieren. Die Furcht die aus der
Unkenntnis der Situation entsteht in der ich mich befinde. Einige Minuten später
dringen von draußen, gedämpfte Geräusche zu mir herein. Als sich die Tür öffnet
habe ich keine Zeit Angst zu haben, sofort erkenne ich den Sanitäter von vorhin.
Der Sanitäter ist nicht überrascht mich mit der Pistole in der Hand vorzufinden
und bedeutet mir sie wegzustecken. Wir müssen schnell machen und sofort
aufbrechen. Russische Panzer sind in das Dorf eingedrungen aber von unseren
Panzern überrascht worden, dieses schnell wieder verlassen. Einer der Russen ist
getroffen worden, die anderen sind geflohen. Unsere eigenen Panzer haben
daraufhin nicht weiter geschossen um in der Dunkelheit nicht aus Versehen eigene
Leute zu treffen.

- 19 -

Aus Vorsicht hat der Sanitäter die Karasinka ausgeblasen. Ein Schlitten mit zwei
Pferden hält vor der Hütte und der Fahrer hilft dem Sanitäter mich neben drei
andere Verwundete zu betten. Ich sehe Feuer, am Nordrand brennt ein russischer
Panzer oder auch eine Hütte, ich kann es nicht genau sagen, erfahre aber später,
daß es ein Panzer war. Nach einer Straßenbiegung gleidet der Schlitten fast
lautlos durch die dunkle Nacht. Es gibt kein Feuer mehr das die Straße
erleuchtet.

Zwei Eindrücke bleiben in der Dunkelheit, die strenge Kälte und der Geruch der
Pferde. Kurze Zeit später treffen wir auf andere Schlitten und Panjewagen auf
denen ebenfalls Verwundete wegtransportiert werden um sie vor der Roten Armee zu
retten. Just in diesem Moment beginne ich unsere Situation zu begreifen. Ich,
der sich gerettet glaubte als ich in Lisjanka am anderen Ufer des Gniloi
Tiktisch ankam, verstehe nun, daß es noch viel Mut und Durchhaltevermögen
braucht um davon zu kommen. Ich werde mich noch förmlich ans Leben klammern
müssen um nicht nachzugeben, um nicht aufzugeben! Bei jedem Stoß unterdrückt
einer der Verwundeten seine Schmerzenschreie so gut er kann. Dieser sagt mir als
ich ihn nach seiner Verwundung frage, daß er an Lunge und Schulter verwundet
sei. Es ist ein wahrer Geisterkonvoi der sich durch die Nacht zieht.

Das Thermometer befindet sich im freien Fall, es friert von neuem sehr stark.
Der Schnee knirscht unter den Schritten des Kutschers und der Pferde. Das Stroh
das die Auflagefläche des Schlittens bedeckt ist hart geworden und reicht lange
nicht mehr aus uns zu warm zu halten.
Ohne Unterlass reibe ich meine Füße und Knöchel die Eiswürfeln ähneln. Im
Anschluss daran meine Ohren, die Nase, dann die Hände um wieder bei den Füßen zu
beginnen. Regungslos auf diesem Schlitten fürchtete ich das einzelnen
Körperteile erfrieren könnten und trotz meine Erschöpfung versuchte ich
krampfhaft nicht einzuschlafen. Wach bleiben, nur nicht einschlafen, unter
keinen Umständen auch wenn ich es dringend benötigt hätte und sei es auch nur um
Hunger und Durst zu vergessen.

Nach allem was man ertragen hatte mußte man nun den Kampf gegen den Schlaf
führen, den man doch so nötig hatte der einem aber ein Körperteil kosten könnte.
Wenn man es nicht erlebt hat, kann man sich nicht vorstellen welch Anstrengung
dies kostet. So zieht sich die ganze Nacht, begleitet vom beherrschen der Kälte,
des Hungers, des Dursts der Müdigkeit. Diese Nacht ist lang und will nicht
enden. Der Konvoi hält an, geht weiter, hält wieder an um wiederum weiter zu
gehen. Es ist ein Martyrium für all diese verwundeten Männer die zur
Bewegungslosigkeit verurteilt sind.

Der Morgen graut endlich und erlaubt mir den Umfang des Konvois besser zu
beurteilen. So weit mein Auge reicht sehe ich Karren und Schlitten, vor und
hinter uns. Es sind hunderte! Ich weiß nicht ob dies alles Verwundete sind, ich
nehme es aber an, denn man müßte verrückt sein unter solchen Umständen liegen zu
bleiben wenn man fähig wäre zu laufen.

Am 18. Februar 1944, am frühen Morgen, kommen wir in einem teilweise zerstörten
Dorf an dessen Namen ich nicht kenne. Ein Teil des Konvois zu dem ich gehöre,
hält an und einige Sanitäter gehen von Fahrzeug zu Fahrzeug um nach unserem
Zustand zu sehen.

- 20 -

Einer der Sanitäter sagt uns daß man einige Stunden im Dorf bleiben wird damit
wir uns aufwärmen können und es Ruhe finden. Man lädt einen der Verwundeten von
unserem Schlitten und der Sanitäter stellt fest, daß ein anderer Verwundeter
unterwegs gestorben ist. Uns drei die leben, legen sie in eine Hütte links der
Straße ab, die Mauern sind von Einschüssen durchlöchert. Innen ist es schon voll
aber man macht uns Platz und ich finde dort meinen Kameraden Herbecq wieder der
zu mir herkommt und sich neben mir nieder läßt, Er ist nicht verwundet.

Auf 25 qm befinden sich hier mindestens 30 Männer, die Hälfte davon ist
verwundet. Kein Ofen brennt aber die umgebende Wärme reicht dennoch uns
aufzuwärmen. Ich habe die Knochen in meiner Tasche wieder gefunden und lutsche
die mit dem Tabak und dem Rohrzucker überzogene Oberfläche ab. Zum abnagen ist
schon lange nichts mehr an den Knochen, nicht einmal Knorpel. Meinem Kameraden
wird es von dem Anblick und vom eigenen Hunger schlecht und er geht etwas zu
finden.

Wenig später kommt er mit einigen in Salzlake eingelegten Tomaten wieder und wir
teilen diese mit zwei weiteren Verwundeten. Der leere Magen verträgt diese
Behandlung nicht und ich bekomme Bauchkrämpfe. Ich kann nicht wie andere mich
zum schlimmsten Durchringen und bitte meinen Kameraden mich nach draußen zu
schaffen um den Bedürfnissen Genüge zu tun. Er tut es gerne und hilft mir sogar
mich aufzurichten und tut im Anschluß alles was diese Bedürfnisse erfordern, wie
eine Krankenschwester. Das hätte ich nicht von ihm gedacht! Er kam mir immer
etwas kühl, gleichgültig und distanziert vor und heute entdecke ich einen ganz
anderen Menschen in ihm. Interessant wie man sich manchmal täuscht. Sobald es
möglich ist, schleppt er mich unter großer Vorsicht wieder zurück in die Hütte.

Ich strecke mich aus denn ich möchte schlafe oder mich wenigstens ausruhen, ich
habe eine Woche Schlaf nachzuholen. Ich würde auch gerne für einige Stunden das
Ziehen in meinem Magen vergessen der schon seit so langer Zeit so entsetzlich
leer ist. In einer Woche hat er nicht mehr als 500 g Nahrung erhalten! Er hat
nichts bekommen dass dem Organismus hätte geholfen gegen die starke Kälte und
diese lange Müdigkeit anzukämpfen, dennoch hält der Körper stand, sogar der
Geist bleibt wach und klar. Es ist im Grunde unglaublich, wo ich doch auch noch
zusätzlich verwundet bin und Blut verloren habe, auch wenn die Kälte die Blutung
gestoppt hat. Niemals wird man die Grenzen der menschlichen Widerstandskraft
wirklich kennen, vor allem nicht wenn man fest dazu entschlossen ist zu leben!

Ich konnte schlafen bis mich der Lärm und die Bewegungen in der Hütte aufwecken.
Die unversehrten Männer bereiten sich zum Aufbruch vor und helfen den Sanitätern
die Schlitten und Karren bereit zu machen. Mein Kamerad Herbecq sagt mir Auf
Wiedersehen bevor er sich zu den anderen gesellt die mehr schlecht als recht den
Schutz der sich formierenden Kolonne, übernehmen. In der Tat sind wir immer noch
nicht in Sicherheit. Wir bewegen und noch immer in einem schmalen Gang, auf
Gedeih und Verderb der Artillerie und den russischen Fliegern ausgeliefert. Die
Deckung unserer eigenen Truppen ist sehr dünn und weit verstreut! Der Himmel
ist klarer und breite Aufhellungen lassen zeitweise die Sonne durchscheinen was
für uns eine Gefahr mehr bedeutet für die gegnerische Luftwaffe einen
Glücksfall. Die Kolonne hat sich wieder in Marsch gesetzt. Im Moment liege ich
mich fünf anderen Verwundeten auf einem Karren. Es ist so kalt wie heute Morgen
und die blasse Sonne, die zeitweise auftaucht, kann die Luft nicht aufwärmen.

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Ich versuche eine Position einzunehmen in der ich meine Füße massieren kann um
sie so gut wie möglich warm zu halten da ich fürchte daß sie sonst erfrieren
würden. Die Gefühllosigkeit ist beängstigend und da ich keine Schmerzen mehr
habe, wäre es gefährlich sich gehen zu lassen. Das Problem ist, daß ich das
linke Bein nicht beugen kann und ich mich aufrichten und bücken muß um die Füße
zu erreichen. Keine Haltung ist vollkommen aber ich gehe daran so gut es eben
geht und ändere jedes Mal die Stellung wenn ich ermüde.

Die Kolonne kommt immer noch nicht schnell vorwärts und wie schon in der Nacht
und am Morgen hält sie oft an um danach wieder weiter zu ziehen. Seit mindestens
zwei Stunden sind wir unterwegs, als ein erneuter Halt erfolgt, der sich aber im
Vergleich zu allen anderen ewig hinzieht. Was ist denn los? Von hier kann man
nichts sehen denn die unzähligen Fahrzeuge vor uns, verstellen mir die Sicht.
Die Straße macht eine kleine Steigung deren höchster Punkt einige hundert vor
uns liegt. Im oberen Teil oberen Teil des Weges scheint mir eine ungewöhnliche
Unruhe aufzukommen. Der Halt zog sich mehr als eine Stunde hin und zur
allgemeinen Zufriedenheit setzt man sich schließlich wieder in Bewegung. Dann
überqueren auch wir den kleinen Bergkamm bevor wir auf der anderen Seite wieder
einen leichten Hang herabsteigen.
Eine halbe Stunde ist vergangen seit wir wieder losgegangen sind, als der Konvoi
die Straße nach rechts in die Steppe verläßt. Ich hätte der keine Beachtung
geschenkt, hätte der Karren nicht gerumpelt und erneut Schmerzen hervorgerufen.
Zehn Minuten später verstand ich noch nicht wirklich die Bedeutung des Hakens
und des seltsamen Hakens.

Auf der Straße die wir verlassen hatten, sah ich in einigen hundert Meter
Entfernung auf der linken Seite dunkle Massen im Schnee die sich über ein ganzes
Stück der Straße ausdehnten. Auf diese Entfernung konnte ich keine Einzelheiten
erkennen, umso weniger als ich mir nicht vorstellen konnte was dies wohl sei.
Ich konnte keine Umrisse erkennen, keine vertraute Formen nichts was mir
Aufschluß geben könnte. Nach und nach kam mir jedoch ein Gedanke, ein
Gedanke der seinen Weg nahm, in meinem Geist Gestalt annahm, zunächst noch
ungläubig! Bald bekam ich Gewißheit, ich Begriff die Wirklichkeit in ihrer
ganzen Schrecklichkeit die über jedes Maß hinausging. Diese Art formlose
Schlange ohne scharfe Konturen, ist ein Teil unserer Kolonne, verwandelt in eine
Art Brei!

Wie konnte so etwas geschehen? Sicher nicht die Folge eines Bombardements, man
hätte es gehört. Auch konnte es nicht durch Beschuss passiert sein, solche
Schäden hätte es nicht angerichtet.
Die Erklärung werden wir etwas später durch einen Sanitäter erhalten und durch
andere Männer der Eskorte, die mittlerweile wieder zur Kolonne stoßen und eine
letzte Besichtigung vom Ort des Gemetzels getätigt haben um sicher zu gehen, daß
keine Überlebenden mehr zu finden sind. Sie beschreiben uns den Durchbruch von
sechs russischen Panzern, denen mangels schwerer Waffen keine Verteidigung
entgegengesetzt werden konnte. Nicht eine panzerbrechende Waffe war mehr zur
Hand. Die Panzer haben sich ohne hast genähert, haben die Kolonne der Länge
nach angefallen und kreuz und quer die Karren und Schlitten mit allen
Verwundeten ja sogar mit den Pferden zusammen zermalmt. Einige wenige
Verwundete, die die Kraft hatten sich zu erheben um sich zu retten, wurden von
den Panzern verfolgt und einer nach dem anderen gnadenlos zerquetscht.

- 22 -

Die Panzer haben auf einer Länge von rund 300 Metern alles zerstört bevor sie
wieder kehrt machten und genauso unbehelligt verschwanden wie sie auftauchten.
Einige Panzerfäuste hätten genügt aber leider gab es nur noch einige wenige
Gewehre und Maschinenpistolen und damit konnte man keine Panzer auch nur
beunruhigen!

Es ist schrecklich! Jetzt da ich weiß, was diese vorspringende Masse, die einer
dicken Schlange gleicht, ist, glaube ich Trümmer von Karren und anderen
Fahrzeugen unterscheiden zu können, sicher vermengt mit zermalmten Körpern aber
die kann ich nur erahnen in dieser formlosen Masse. Es ist unglaublich! Um uns
den Anblick zu ersparen hat die Kolonne als den Weg geändert. Was wird man noch
sehen oder erleiden müssen, werden wir denn niemals das Ende des Elends
erreichen, den Gipfel der Grausamkeit? Ein solches Ereignis wird niemand jemals
in seinem Leben vergessen können!

Von neuem reckt sich unsere Kolonne und geht geschäftig und unerschütterlich
vorwärts! Welch hartnäckiger Wille, welch Starrsinn überleben zu wollen ist in
diesem Konvoi versammelt! Die Nacht und somit die Dunkelheit wird bald kommen.
Sie bildet eine Art Komplizenschaft da sie uns etwas mehr Sicherheit verschafft.
Die Nacht und starke Kälte zusammen mit leichtem Nebel, verschlucken unsere
Kolonne. Nur ein oder zwei Fahrzeuge vor und hinter uns bleiben sichtbar und
somit einzig sichtbare Verbindung zu den anderen. Ich mußte wohl eingeschlafen
sein, den alles ich die Augen öffne, hat der Konvoi in einer Siedlung Halt
gemacht. Es muß sich um Buki handeln.

Man transportiert uns in Gebäude die keine Wohnhäuser sind. Zweifelsohne ist es
eine Schule oder ein Verwaltungsgebäude wo man mich auf einem Strohsack ablegt.
Nicht für lange, denn weniger als eine Stunde später, laden uns die Sanitäter
wieder auf die Karren um uns zu Flugzeugen die außerhalb der Stadt in der
Steppe auf uns warten, zu bringen.

Ich habe es jetzt eilig dorthin zu kommen und in ein milderes Klima zu fliegen!
Ich hoffe, ohne jedoch zu sehr daran zu glauben, daß ein glücklicher Ausgang
bevorsteht. Die Kolonne bewegt sich nicht sehr lange und hält mitten in der
Steppe wo ich die Umrisse von drei Transportflugzeugen des Typ JU 52 erahne, die
Mädchen für alles, von Junkers. Maschinen von großer Vielseitigkeit, sicher und
unverwüstlich, werden diese Flugzeuge für nahezu alles verwendet. Diejenigen die
laufen können, gehen zu den Flugzeugen. Wir anderen werden auf Tragbahren von
Sanitätern hingetragen die uns vor den Maschinen abstellen wo in offenen
Seitentüren die Männer einer nach dem anderen verschwinden. Die Männer der
Luftwaffe lassen den Einstieg beschleunigen denn es gibt keine Zeit zu
verlieren. Sie haben den Auftrag schnellstens alle zu evakuieren und werden
mehrere Hin- und Rückflüge machen müssen. Einer von ihnen hebt mich auf und legt
mich auf den Teil einer herab hängenden Tür die als Einstiegsplattform dient.
Ich weiß nicht wie mir geschieht aber in diesem Moment hält sich ein anderer
Verwundeter an mir fest um auf die Plattform zu gelangen. Ich falle dabei schwer
zu Boden während er wie ich glaube es schafft sich hochzuziehen! Ich bin davon
derart überrascht, daß ich ganz aus der Fassung gerate. In diesem Augenblick
erscheint einer der Flieger und sagt daß die Maschine voll sei und schließt die
Eingangstür. Ich glaube er hat mich nicht einmal gesehen. Sobald die Motoren
gestartet sind, entfernt sich das Flugzeug um seinen Flug zu beginnen.


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Ich bleibe in der Ebene zurück, jämmerlich und unendlich allein. Ich höre ohne
aber zu sehen wie die Flugzeuge nacheinander abheben. Als der Lärm verstummt und
die Steppe wieder ihre Ruhe gefunden hat, erscheint mir wieder von neuem alles
feindlich und diese Ruhe wirkt auf mich wie die vollkommene Trostlosigkeit.
Glücklicherweise höre ich Männer sprechen und kann sie herbeirufen. Sie sind
erstaunt mich hier zu finden, ebenso wie einen zweiten Verwundeten, etwas
weiter entfernt, der auch keinen Platz mehr in der Maschine gefunden hat. Ich
verzweifle trotz allem nicht, den je mehr Fußtritte ich vom Schicksal bekomme,
umso mehr klammere ich mich ans Leben. Dennoch ist die Rückfahrt zum
Hauptverbandsplatz sehr bitter. Die Fahrer bringen ein Dutzend Karren mit
Tragbahren und zwei Verwundete mit zurück. Ich will sofort einschlafen um nicht
mehr zu denken, zum Glück hilft mir die Erschöpfung dabei!

Morgens nach dem Erwachen, bringt man uns Kaffee, Brot und Butter. Danach geht
es wieder in die Ebene wo andere Flugzeuge uns erwarten, vielleicht sind es
sogar die gleichen von gestern.
Es sind wohl ein Dutzend von denen wenigstens drei in den Farben des Roten
Kreuzes gekennzeichnet sind. Diesmal habe ich einen Platz gefunden. Wir sind
etwa zwanzig Verwundete die am Boden liegen. Der Start schüttelt uns kräftig
durch aber wir verlassen den Boden schnell.
Die JU 52 die uns davon trägt, ist in dieser Version sehr laut, denn es handelt
sich hierbei um ein Transportmodell, aber was macht es aus, wenn man uns nur
schnell in ein Krankenhaus bringt, zumindest hoffe ich das. Die Hoffnung ist
aber keine Gewissheit, das habe ich in den letzten Tagen oft erfahren, jedes mal
zum Nachteil. Deshalb wiege ich mich nicht in Illusionen um nicht noch mal
enttäuscht zu werden! Sollte es manchmal passiert sein, daß ich anderen etwas
vorgemacht habe, so habe ich doch niemals mir selbst etwas vorgemacht.
Vielleicht verdanke ich diesem Umstand noch am Leben zu sein.

In dem Lärm der mich umgibt, ist jede Unterhaltung unmöglich und vergebens. Ich
würde gerne schlafen und in Deutschland in einem Krankenhaus wieder erwachen!
Wir sind gerade eine viertel Stunde in der Lauft, als wir die Tragödie fühlen
ohne noch den Grund zu kennen. Unsere Maschine beginnt zu schlingern, auf
gleiche Höhe mit den Hügeln abzufallen um danach mit Mühe wieder hochzusteigen
und die Motoren mit voller Kraft durchzustarten. Man fühlt die Anstrengungen der
Maschine bis in die kleinsten Teile aber das Flugzeug hält durch. Diese treuen
JU 52 sind durch alle Prüfungen gegangen. Wir werden mehr und mehr
durchgeschüttelt und ich vergleiche unser Flugzeug mit einem Mann der ins Meer
gefallen ist und nicht schwimmen kann und durch unkontrollierte Bewegungen außer
Atem gerät. Ich weiß nicht was genau passiert aber es ist keine Zweifel möglich,
die Staffel der Hilfsflugzeuge wird angegriffen und hat nichts für ihre
Verteidigung, versteht sich!

Keines unserer Flugzeuge ist bewaffnet. Es gibt keine Fensteröffnungen, wir
können also nichts sehen. Einige wenige Mal erscheinen an der Cockpitkanzel
andere Flugzeuge. Ich glaube ein oder zweimal von unseren Flugzeugen welche zu
erkennen aber ein oder zwei Jäger und diese gehören sicher nicht zu uns, selbst
wenn ich nicht die Zeit hatte ein Unterscheidungsmerkmal zu erkennen. Ich kann
nicht sagen wie lange diese Sarabande dauert aber sie erscheint recht lange.
Ich denke, dass der Flug noch etwa eine halbe Stunde weiter ging aber unter
solchen Umständen ist das schwer zu beurteilen.

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Wir landen schließlich, nachdem wir eine Weile im Kreis geflogen sind damit
einer nach dem anderen landen konnte. Der Flug hat in jedem Fall nicht mehr als
anderthalb vielleicht zwei Stunden gedauert. Ich weiß überhaupt nicht wo wir
sind und niemand ist in der Lage es mir zu sagen. Dagegen erfahre ich aber, daß
drei unserer Flugzeuge abgeschossen wurden, zwei davon waren mit dem Emblem des
Roten Kreuzes ausgestattet! Auf welcher Seite stehen eigentlich die Barbaren?

Ich erfuhr auch, daß sich in einem von ihnen mindestens zwei Burgunder befanden
aber der Sanitäter konnte mir verständlicherweise keine Namen nennen. Er hatte
nur die Armspiegel "Wallonie" erkannt, als er sie ins Flugzeug lud. Als die
Verwundeten aus unserem Flugzeug getragen werden, fand man auch unter ihnen
einen getöteten, getroffen von der Kugel eines russischen Jagdfliegers. Einer
der Männer hatte an Bord einige Einschüsse im Wellblech entdeckt aber nur einer
der Verwundeten wurde glücklicherweise getroffen aber niemand hatte es während
des Fluges bemerkt, ich hatte nicht mal etwa gehört. Auch andere Flugzeuge sind
getroffen worden und man trägt auch dort Tote heraus. Wieder andere bereits
Verwundete wurden nochmals verwundet, man beeilt sich diese direkt zu versorgen.

Krankenwagen und Lastwagen kommen neben die Flugzeuge und man verlädt uns ein
weiteres Mal! Wie oft noch ? Ein oder zwei Stunden später erreichen wir ein
großes Dorf oder kleine Stadt, ich weiß es nicht. Kurz darauf halten die Wagen
an einem Bahnhof von einiger Größe. Es gibt dort mehrere Gleise, wo bereits drei
Züge uns erwarten. Sie bestehen aus Güterwagons, eingerichtet als Sanitätswagen.
Die Waggons sind allerdings länger als jene die man üblicherweise sieht. Ich
finde mich in einem Bett wieder das aus Holzlatten besteht die am Wagon
befestigt sind. Über meinem Bett befinden sich noch zwei weitere Betten,
jeweils immer drei Betten übereinander. In der Mitte steht ein Ofen. Holz und
Briketts liegen herum allerdings brennt der Ofen nicht. Auf der Höhe eines jeden
Bettes gibt es seitlich eine verglaste Luke. Mein Bett hat eine richtige
Matratze, Decken und sogar ein Leintuch!

Einige Sanitäter, unterstützt von russischen Helfern, bringen uns heißen Tee und
dann einen Eintopf, den ich schnell herunter schlinge. Es herrscht immer noch
eine sibirische Kälte und weder Leintücher noch Decken reichen aus mich
aufzuwärmen. Keiner im Waggon ist in der Lage aufzustehen und den Ofen
anzumachen. Nur mit Mühe kann ich einen Russen auf dem Bahnsteig dazu bewegen
sich darum zu kümmern bevor der Zug abfährt. Wenigstens wird er nun einige
Stunden brennen und uns die nötige Wärme spenden. Es muß mehr als acht Tage her
sein seit mich das letzte Mal ein Ofen wärmte. Gott weiß wie kalt es ist und daß
wir es nötig hatten, vor allem nach einer Verwundung und nach Blutverlust und
nachdem wir so wenig zu essen hatten schon seit Wochen, nach all den Gefechten
und den Kämpfen gegen die Elemente des russischen Winters. Trotz der Erschöpfung
und der Eindrücke der letzten Tage will ich nicht gleich einschlafen, ich möchte
diesen Komfort genießen, so gering er auch sein mag, seit so langer Zeit habe
ich keinen mehr gehabt!


- 25 -

Jede Radumdrehung tut mir gut, jeder durchlaufene Meter stärkt meine Seele.
Endlich fühle ich mich in Sicherheit, bereit mich zu entspannen. Langsam läßt
meine Anspannung nach und ich habe das Gefühl mich gehen lassen zu können, die
Waffen für eine Weile abzulegen, Zeit mich wieder zu sammeln. Ich ertappe mich
dabei wie ich mit leiser Stimme vor mich hinsumme, fast ohne es zu selbst zu
merken. Unbewußt weil ich meine Nachbarn nicht stören will oder weil ich mich
schäme meine Freude zu offen zu zeigen? Ja, fast schäme ich mich am Leben zu
sein oder zumindest Freude darüber zu zeigen und sie nicht verbergen zu können!
Aber es ist wahr, ich bin glücklich am Leben zu sein, ich glaube nun daß ich aus
dem Schneider bin. All dies nimmt meine Gedanken in Besitz während ich all die
Lieder die mir in den Sinn kommen, summe, eines nach dem anderen.

Ich bin sehr verwundert, lebend aus einem solchen Gemetzel entkommen zu sein,
festzustellen, daß man eine solche Hölle überleben kann, wo alle feindlichen
Elemente der Natur sich verbünden mit dem Gegner, um uns niederzumachen! Weder
die Russen, noch die Erschöpfung oder die Kälte, noch der Nahrungsmangel hat
uns, mir, etwas anhaben können! Es ist schon verwunderlich welch Resourcen in
uns stecken, die sich in dem Moment zeigen in dem schon alles verloren scheint.
Man hätte aufgeben können, zehnmal, hundertmal, bei jedem Schicksalsschlag! Man
hätte denken können daß alles verloren sei während noch nichts verloren war.
Die vielen Male wo ich andererseits schon glaubte gerettet zu sein, obwohl das
schlimmste noch bevor stand. Dieser Weg zwischen Hoffnung und Verzweiflung, wie
oft mußte man ihn gehen? So oft von irriger Hoffnung, die fast schon Gewissheit
schien, in Verzweiflung zu fallen, die jedes mal lauert wenn ein Ereignis uns in
einen neuen Abgrund stürzt. All dies hat uns nicht verbraucht, hat unsere Nerven
nicht zerbrochen. Das Herz fest in der Hand hielt das Nervenkostüm allem stand!
Ich bin nicht in Panik geraten, ich hatte gelernt einen kühlen Kopf zu bewahren
und niemals meine Kaltblütigkeit zu verlieren. Dies ist, so glaube ich, die
einzige Erklärung für das Überleben der meisten von uns. Von diesem Tag an
stammt eine meiner Hauptlebensregeln. Ich wußte fortan daß mir niemals im Leben
je schlimmeres würde passieren können, nichts würde mich in Zukunft niederwerfen
können. Bei jedem Schicksalsschlag würde ich es mir innerlich wiederholen. Lange
dachte ich darüber nach, dann schlief ich ein.

Die Kälte hat mich dann geweckt, es war allerdings Nacht und ich bin wieder
eingeschlafen. Auch Stöße während einer Verlangsamung oder eines Halts des Zuges
haben mich geweckt aber jedes mal fand ich in den Schlaf zurück. Kein laut im
Wagon selbst, nur die Geräusche der Räder und das Knirschen der der Prellböcke
wenn sie gegeneinander schlagen.

Ein weiterer Halt riss mich dann aus dem Schlaf, Befehle laufen den Zug entlang
und die Türen werden von außen aufgeschoben...

- 26 -  [...]