Vielfältige Künstlerei

Was ist Kunst eigentlich ?
Einer Definition folgend versteht man darunter "die Gesamtheit des von Menschen Hervorgebrachten, das nicht durch eine Funktion eindeutig festgelegt oder darin erschöpft ist, zu dessen Voraussetzungen hohes und spezifisches Können gehört und das sich durch seine gesellschaftliche Geltung auszeichnet als Ausdruck von Besonderheit". (Zitat: Meyers großes Taschenlexikon)

Über Geschmack kann man streiten - heißt es.
Marc Chagall (1887 - 1985) gehört für mich mit zu den faszinierendsten Künstlern unseres Jahrhunderts. Seine Werke sind voller Zauber und Phantasie und erinnern in intensiven, leuchtenden Farben an seine Kindheit und Jugend in Witebsk im heutigen Weißrußland. Einige Jahre verbrachte er in St. Petersburg. Anschließend wechselte Chagall zur Swansewa-Schule, wo er bei Leon Bakst studierte, der modernen künstlerischen Ausdruckweisen gegenüber aufgeschlossen war. 1915 heiratete er Bella Rosenfeld, seine große Liebe, die er bereits sechs Jahre zuvor kennengelenrt hatte. Sie hatten gemeinsam eine Tochter - Ida. In Paris gehörten u.a. Robert Delaunay und der Surrealist Andre Bretons zu seinem Bekanntenkreis. Beim Umzug in sein neues Atelier in Paris begegnete Chagall häufiger Picasso. 1944 verursachte der plötzliche Tod seiner Frau Bella eine fast ein Jahr dauernde Schaffenskrise. Einige Jahre später hatte er mit seiner neuen Geliebten und Lebensgefährtin Virginia Haggard einen Sohn, sie verließ ihn jedoch nach fünf Jahren. Schließlich heiratete Chagall ein zweites Mal, Valentina Brodsky. In dieser Zeit begann er mit dem Studium mittelalterlicher Glasmalerei. Das Ehepaar reiste nach Griechenland und Italien, wo sich Chagall mit den dortigen Künstlern auseinandersetzte. Er arbeitete an der Ausgestaltung der Glasfenster verschiedener Kirchen, u.a. der Stephanskirche in Mainz. Es folgten Ausstellungen im Pariser Louvre, Nizza, Berlin, Florenz, London. Schließlich starb der Künstler 1985 im Alter von 97 Jahren in Südfrankreich.
GEMÄLDEGALERIE CHAGALL


Der Kuß Rodin, Der Kuß, 1888-1898

Die Skulpturen des Auguste Rodin (1840 - 1917) suchen für mich in ihrer Vollendung und Schönheit ihresgleichen.

"Die Erotik bei Rodin übernimmt bestimmte Aspekte dieser dekadenten 'Unterwelt', verknüpft das Exzessive aber mit einer persönlichen Auffassung vom Wesen der Moral und einer kraftvollen künstlerischen Vision, die für sich in Anspruch nahm, es mit der großen Tradition der abendländischen Kunst aufzunehmen. Rodins Einblicke in die Sexualität und den menschlichen Körper übersteigen, auch wenn sie das Exotische mit einbeziehen und zuweilen seiner Faszination erliegen, wie seine Aktzeichnungen und -aquarelle reichlich vorführen, jede flüchtige oder auf Effekt bedachte Suche nach dem Spektakulärem."
(Zitat aus: Rodin - Eros und Kreativität, Rainer Crone)
Toilette der Venus - Vergößerung
Rodin, Toilette der Venus, 1885

Skulpturen, von Rodin aus Bronze, Marmor, Gips und Ton gefertigt, besetzen Raum und vermittlen so eine starke physische Präsenz, was andere künstlerische Medien nicht vermögen. Rodins erste lebensgroß modellierte Skulptur ist "Das eherne Zeitalter", 1876 aus Gips gemacht. Menschlichkeit pur zieht den Blick des Betrachters unwiderstehlich an. Diese formvollendete Figur bringt ein - Realität gewordenes - Idealbild des Menschen nahe. Die Figur des jungen Mannes läßt das Streben des Menschen nach Erfüllung und Vollkommenheit gegenwärtig werden. Rodin hat sich bei der Schaffung dieser Skulptur einzig auf die Ausdruckskraft des nackten Körpers verlassen. Er veränderte die Auffassung von Kunst, die jetzt nicht mehr auf die Darstellung einer Sache oder einer Geschichte angewiesen ist, sondern der einem Werk zugrundeliegende Gedanke ergibt sich nun ausschließlich aus der jeweiligen Geformtheit des Werkes.

Rodin, Das eherne Zeitalter, 1876
Das eherne Zeitalter - Ansicht von hinten Das eherne Zeitalter - Ansicht von vorne


Ich mag Maler wie Paul Gauguin (1848 - 1903). "Sie suchten beim Auge, statt im geheimnisvollen Seelengrund". Mit diesem berühmten Satz wollte er sich von den Impressionisten absetzen. Doch vieles verband seine Malerei mit dem Impressionismus, so wurden seine Werke auch auf impressionistischen Ausstellungen gezeigt. Sein Leben war von Unruhe und beständiger Sehnsucht geprägt, die Fragen nach dem Woher und Wohin des Menschen beschäftigten ihn zeitlebens. Einige Zeit verbrachte Gauguin auf See in der Kriegsmarine. Mit 25 Jahren heiratete er die Dänin Mette-Sophie Gaad, mit der er fünf Kinder hatte. Großer Einschnitt in seinem Leben waren seine Reisen nach Tahiti. Diese Reisen prägten nicht nur seinen Malstil, sein ganzen Leben veränderte sich. Große finanzielle Problem ermöglichten keine medizinische Betreuung, die Gauguin dringend nötig gehabt hätte. Ekzeme und eine Herzkrankheit brachten ihm große physische Leiden und Einsamkeit. Er starb im Mai 1903.
Mit Vincent Van Gogh verband Gauguin eine stürmische Freundschaft. Gemeinsam mit Van Gogh eröffnete Gauguin der modernen Malerei den Weg zur abstrakten Kunst und zum Expressionismus. Mich faszinieren in seinen GEMÄLDEN besonders die Weichheit seiner Farben und Linien. Die Gesichter sind schlicht und doch ausdrucksstark und beeindrucken durch eine eigene Lebendigkeit.

Berliner Gemäldegalerie am Kulturforum

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