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Scheunenviertel 1902 ist ein seit 1997 existierender
TeBe-Fanclub. Die Gründungsmitglieder stammen aus den Bezirken
Friedrichshain, Marzahn und Prenzlauer Berg, und so lautete der erste
Name des Kollektivs schlicht TeBe-Fans Ostberlin, was
durchaus provokativ gemeint war, denn die zu jener Zeit sorgsam gepflegten
Mythen von den versnobbten, intriganten Westberliner Tennis Borussen
auf der einen Seite und den ehrlichen Ostberliner Arbeitern beim 1.FC
Union auf der anderen Seite sowie die Stilisierung der Rivalität
zwischen TeBe und Union zu einer Art Klassenkampf zwischen gut (Union)
und böse (TeBe), gingen den "Scheunenviertlern" mächtig
auf die Nerven. Man fühlte sich keineswegs qua Herkunft dazu verpflichtet,
in die Wuhlheide zu pilgern, dort trotzig "Ostberlin" zu brüllen
und Verschwörungstheorien zu pflegen, sondern man wollte sich den
Verein seines Herzens nach anderen Kriterien aussuchen, und hier fiel
die Wahl auf TeBe, diesen leicht verschrobenen und völlig aus der
Mode gekommenen Charlottenburger Verein mit der kleinen, aber dafür
erfrischend anderen Fanszene.
Das
Ausmass des Hasses, der TeBe damals in vielen Stadien der Regionalliga
Nordost entgegenschlug, war ziemlich erschreckend. Ebenso wie viele
andere, die gegen Mitte der 90er Jahre TeBe-Spiele miterlebt haben,
wurden auch die Mitglieder unseres Fanclubs durch diese Phase geprägt.
Die schlichte Tatsache, dass der Club -nicht anders als zahlreiche andere
Vereine zuvor und danach auch- sehr viel Geld investierte, um wieder
in den Profifußball zu gelangen, rechtfertigte vor allem in der
Spielzeit 97/98 beispiellose Auswüchse gegen Spieler und Anhänger
des Vereins. Speziell die Kombination aus diesem vorübergehendem
"Reichtum" und den jüdischen Wurzeln des Clubs machte
TeBe zur Zielscheibe für sowohl latenten als auch offenen Antisemitismus,
wie ihn die meisten TeBe-Anhänger vorher nicht für möglich
gehalten hätten, und der sich keinesfalls nur auf die Fankurven
beschränkte. Spätestens hier wurde den meisten TeBe-Fans klar,
dass Fußball keineswegs nur Party und erst recht kein politikfreier
Raum ist. Die Erfahrungen, die Vereine mit jüdischen Wurzeln in
anderen europäischen Ländern machen und die Hassgesänge,
denen sie ausgesetzt sind, bestätigen dies auf erschreckende Weise.
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Um
auf die TeBe-Fans Ostberlin zurückzukommen: Nach mehreren
Umbenennungen gab man sich letztendlich den bis heute beibehaltenen
Namen Scheunenviertel 1902, ein Name, der auch in Hinblick
auf die geschilderten Erfahrungen gewählt wurde, und der gleichzeitig
für verschiedene Dinge steht: Die Jahreszahl natürlich als
Huldigung an die TeBe-Pioniere der ersten Stunde und als Antwort an
jene Ahnungslosen, die allen Ernstes behaupten, TeBe sei ein "Retortenverein".
Und das "Scheunenviertel" einerseits als Verweis darauf, wo
die Ursprünge Tennis Borussias zu Beginn des letzten Jahrhunderts
lagen, nämlich im östlichen Teil der Stadt, und zweitens -noch
viel wichtiger- als klares Bekenntnis zur jüdischen Tradition des
Vereins, denn wie jeder, der sich etwas mit der Historie Berlins auskennt,
weiß, war das Scheunenviertel eines der Zentren des jüdischen
Lebens während der Jahrhundertwende. So ist es kein Wunder, dass
auch das Vereinsleben durch zahlreiche jüdische Mitglieder, Spieler
und Funktionäre geprägt wurde, sowohl in den Anfangsjahren
als auch in den folgenden Jahrzehnten - unterbrochen durch die Jahre
der Naziherrschaft. Und solange es immer noch Dumpfbacken gibt, die
meinen, sie könnten TeBe aufgrund dieser Tradition beleidigen,
solange wird das Scheunenviertel-Kollektiv dagegenhalten und voller
Selbstbewusstsein auf diese Tradition hinweisen!
Auch
wenn der eine oder andere Aktivist z.B. durch berufliche oder Vaterpflichten
gelegentlich etwas kürzer treten muss, mischt das Kollektiv nach wie
vor in Block E und auch in der Abteilung Aktive Fans kräftig mit. In
guten wie in schlechten Zeiten... Forza TeBe!
Das Kollektiv sind: Guido, Ingo, René,
Joerk, Tobi, Endi, Joerg, Bronski, Alex (Ehrenmitglied!!!), Uli, Bungle,
Christoph, Mirko.
Das Kollektiv bei der Planerfüllung
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