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 Vorab, es ist uns heute schlicht nicht mehr möglich alles so
herzustellen und so zu leben wie unsere Vorfahren dies taten. Das ist auch gut so. Die
meisten Neuzeitmenschen würden vermutlich nur wenige Tage in der Zeit der Wikinger
überleben. Nahrung, Kleidung, Energie, Hygiene ect. aus dem Supermarkt? -
Fehlanzeige!
Um sich der
damaligen Lebensweise zu nähern, reichte es uns nie, ein paar Filme anzuschauen,
ein bischen im Internet zu surfen und vielleicht mal ein Wikingerroman zu
lesen.
Wir leben unser Hobby!
Als jemand mit ernsthaftem Anspruch an sich als Mittelalterdarsteller, sind
wir bereit, diese Lebensweise so weit wie heute möglich nachzuempfinden, auch
über die von uns besuchten Veranstaltungen hinaus. Vieles davon integrieren wir
in unser Alltagsleben.
Besuche in Museen, Informationsreisen an
geschichtsträchtige Orte und das Lesen von einschlägigen Sach- und Fachbüchern zum
Thema ergänzten dies und gehörten für uns selbstverständlich dazu. Dort konnten wir auch
viel Anschauungsmaterial über tatsächlich in der Vergangenheit existierendes finden
und uns dieses zur Vorlage für unsere Darstellung nehmen.
Heute ist es uns möglich diese Museen
(Haithabu, Groß Raden, Gudvangen Viking Town(N), Bork Havn(DK)Turmhügelburg Lütjenburg,
u.a.) zu beleben und so noch weiter zu einem besseren Verständnis des Lebensgefühls unserer
Ahnen zu gelangen. In der experimentellen Archäologie liegt ein
weiterer Schlüssel hierzu. Fundstücke nachzuarbeiten, zu benutzen und so ihren
damaligen Gebrauchswert im wahrsten Sinne zu begreifen haben wir uns zur Aufgabe
gemacht.
Uns ist es heute allerdings nur noch möglich, mit dem wenigen, was uns
heute aus vergangenen Zeiten noch zur Verfügung steht als Vorlage, zu versuchen
ein möglichst authentisches Bild der damaligen Lebensweise nachzuzeichnen. Wir
stellen uns dieser Aufgabe. Dabei setzen wir auch auf unsere Vorstellungskraft und
Fantasie, bleiben aber so gut es geht an belegten, historischen
Tatsachen.
Dies alles raubt Zeit und kostet
Geld, doch es gibt auch viel. Freundschaften und Kontakte mit gleichgesinnten Personen, ein
sich rauslösen aus dem oft hecktischen, neuzeitlichen Alltag, eine gute Lebenseinstellung,
Verständnis und Wissen längst verlohrengeglaubter Fähigkeiten, ein Wikinger
sein und viiiiel Spaß.
Leidenschaft, Zeit und
Investitionsbereitschaft sind Notwendigkeit und Grundvoraussetzung für ein ernsthaftes
Betreiben des Hobbys "Living History". Wer dazu nicht bereit ist, sollte sich nicht in die
Reihen derer stellen wollen, die hierzu nur zu allzu gern bereit sind. Möchtegerndarsteller
gibt es viel zu viele und sie sind Verfälscher einer Wahrheit, die sie mit ihrer
"Verkleidung" selbst vorgeben zu sein.
Von dieser Art Darsteller ( und davon gibt
es viele) möchten wir uns klar abgrenzen und distanzieren. Vor allem von denen, die
inbrünstig vorgeben Ernsthaft eine Darstellung zu betreiben, dabei "Gewandungen" (Wir
sprechen von Trachten) vom Mittelaldi tragen, sich auch nach Jahren nicht
weiterentwickeln wollen und Unwahrheiten, Hollywood- und Halbwissen an
interessierte Besucher weiterreichen. Alles auf dieser Erdenscheibe hat seine Berechtigung,
auch die Spaßfraktion. Aber alles hat auch seinen Platz.
Wahrheit bleibt Wahrheit.
Fasching bleibt Fasching ...
Bild: Rekonstruktion
meines Helms aus der frühen Wikingerzeit (Vendelhelm)
Einige Beispiele der
von uns verwendeten Gegenstände:
Wir können
und wollen auf dieser Seite nur ein paar wenige Dinge aus unserem Gebrauch
abbilden. Alle von uns verwendeten Gegenstände vorzustellen würde den Rahmen hier sprengen
und diese Dinge sollen nur exemplarisch für unsere Bemühungen stehen, unsere
Lagergegenstände dem Besucher so originalgetreu wie möglich zu
präsentieren.
Zudem möchten
wir Euch damit lediglich dazu ermuntern, uns auf einem unserer vielen
Veranstaltungsteilnahmen zu besuchen. Hier könnt Ihr die Wikinger Live und in Farbe
erleben, denn das ist es was wir Euch bieten wollen - Alltag, Handwerk und Lebensweise
unserer Ahnen hautnah zu entdecken und so Geschichte im wahrsten Sinne begreifbar zu
machen.
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Glockenbecher - Fund aus dem Haddebyer Noor bei
Haithabu.
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Mehrere Replikate
dieser Art verwenden wir im Lager. Alle Repliken wurden vom Keramikermeister
Helmut Studer gefertigt
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In diesen
Birkenrindendosen, die schon seit der Steinzeit archäologisch
belegt sind, bewaren wir Mehl ect. auf. Die Tubberware der Wikingerzeit. Leider ist
derzeit kein Museumsfoto vorhanden. |
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Sturzbecher fanden seit dem 5. Jahrhundert in ganz Europa
Verbreitung und nur die wohlhabenden Germanen und Wikinger haben sich ein
solches Glas leisten können. Ein Original findet sich u.a. im Haithabu
Museum.
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Zu besonderen
Gelegenheiten geniessen wir aus unseren Replikaten einen guten Tropfen
selbstgemachten Met.
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Dieses
praktische Kesselgehänge, dessen Original im Museum in Haithabu
zu sehen ist, diente damals dazu, einen an einem Dreibein aufgehängten Kessel über
dem Feuer höhenzuverstellen um ein anbrennen zu verhindern. |
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Unsere Replik wurde extra von
einem befreundeten Schmied (Dank an Norbert von der Norrvarg-Sippe)
nachgeschmiedet.
Lediglich die Länge wurde leicht
an unsere Dreibeinhöhe angepasst, so das die Größe der Ringe nicht ganz dem
Original entspricht.
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Diesen von einem Plattner aus Ribe
(DK) handgearbeitete Topf verwenden wir bei uns im Lager zum
Kochen. Der Topf besteht aus einzelnen Platten, die miteinander vernietet und
nicht verschweißt wurden.
Die Dichtigkeit eines
solchen Topfes wurde, wie schon zur Wikingerzeit, durch einkochen von Hirse,
Haferflocken oder Nudeln erreicht. Der eingekochte Brei setzt sich zwischen die
Platten und dichtet so den Topf ab.
Er hängt an dem oben abgebildeten
Kesselgehänge an einem ebenfalls nach einem Fund in Oseberg gefundenen,
handgeschmiedeten Dreibein.
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Diese Schuhe, die bei uns
Verwendung finden, sind Originalen, die in Haithabu gefunden wurden, zu 100% vom
ausgezeichneten Schuhmachermeister Andreas Helfert auf traditionelle Art in
Haithabu nachgefertigt.
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Wir produzieren fast
keinen neuzeitlichen Müll mehr auf den Veranstaltungen.
Bei uns gehört auf den Märkten auch der
selbstverständliche, weitgehende Verzicht auf Komfort und Luxus des gewohnten Alltagslebens
dazu.
Lebensmittel und
Getränke packen wir schon zu Hause in ambientegerechte Behältnisse um. Getränke die es
nicht gab ( Schnaps, Cola ect.) bleiben zu Hause. Met und Gewürzwein stellen wir
selbst her. Lebensmittel werden frisch verarbeitet und wir nutzen keinerlei Konserven oder
ähnliches. Leider auch immer noch nicht selbsterständlich in einigen
Lagern.
Sichtbare Gegenstände,
die nicht in die dargestellte Zeit passen, wie Getränkeflaschen, Uhren, Handys und
ähnliche immer wieder gesehene Dinge gibt es bei uns nicht. Auch nicht ausserhalb der
Marktzeiten.
Living
History contra Spaßfraktion.
"Das macht ja so gar
keinen Spaß, wenn ihr das alles so Ernst nehmt." Diesen Satz hören wir immer wieder
von den Authentizitätsverweigerern, die sich selbst nicht diese Mühe machen wollen und die
ihren gewohnten Alltagskonsum weiterhin auf den Märkten frönen. Denen können wir nur
antworten: Doch! So macht erst richtig Spaß! Denn nur so ist ein eintauchen in diese
längst vergangenen Zeiten erst wirklich möglich. Es ist uns wichtig, uns und den Besuchern
zu zeigen, das es ohne neuzeitliche Luxusdinge und Hilfsmittel möglich ist, weitgehend so
wie unsere Vorfahren in der Wikingerzeit zu leben. Nicht alles wird dabei jemals
perfekt sein können. Wir stellen allerdings einen hohen Anspruch an uns, unser
Lager und unsere Darstellung.
Uns ist
es heute auch möglich Museen zu bewohnen und so zu beleben. Ein Umstand der weiter zu
einem besseren Verständnis der Lebensweise unserer Ahnen beiträgt. Und Spaß haben wir
reichlich! Wenn uns das keinen Spaß machen würde, würden wir "Star-Wars" oder so was machen
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Bild 1: Leider
immer noch bei Anderen zu sehen. Hier ein besonders abschreckendes Beispiel
eines "Frühstückstisches". Was hat das mit Mittelalter(er)leben zu tun?
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Bild 2: Frühstück im
Svarta Vargar Lager. Ein stimmiges Bild.
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Mehr
Information zum Thema Authentizität:
Einen absolut
lesenswerter Artikel, der wohl allen ernsthaften Darstellern aus der Seele sprechen dürfte,
ist am 1.5.2011 in der Online Ausgabe der huscarl.at erschienen. Treffender kann man die Problematik
zwischen Darstellern der Spaß-Fraktion und der um Authentizität bemühten Living History
Gemeinde wohl nicht formulieren.
Unbedingt lesen
!!!

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