Anke und Tom Naundorf
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Urlaub in Griechenland
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Vikos-Schlucht
Ungefähr 40 km nördlich von Ioannina liegt die Zagoria, ein Gebiet, daß ein gutes Dutzend Dörfer umfaßt, die sich im Verlauf der griechischen Geschichte aufgrund ihrer Abgelegenheit ein hohes Maß an Autonomie bewahren konnten. Diese Eigenständigkeit ist noch heute an dem spezifischen Baustil erkennbar. Die traditionellen Häuser in den Dörfern sind aus dem Kalkstein der Umgebung gemauert und nicht verputzt. Auch die Dächer sind mit plattigem Kalkstein gedeckt. In dieser Gegend hat sich der sonst allgegenwärtige Baustil mit einem Tragwerk aus gegossenen stahlarmierten Betonpfeilern mit ausgemauerten Ziegelwänden nicht durchgesetzt.

Man erreicht den südlicheren Teil der Zagoria, indem man von der Hauptstraße, die nach Konitsa führt, hinter Karies nach Tsepelovo abbiegt. Die Straße führt jetzt aus dem Flußtal, dem die Hauptstraße folgt, heraus steil an der Bergflanke hinauf, bis sie sich um 180° wendet und in eine höher gelegene Talmulde einbiegt. Hier bekommt man erstmalig einen Eindruck von der relativen Abgeschlossenheit des Gebietes. Für uns verstärkte sich der Eindruck noch, da wir die Strecke bei strömenden Regen bewältigten und die Berge in einer Dunstglocke hingen. Man kann sich gut vorstellen, daß diese Gegend im Winter teilweise schwer erreichbar sein wird.

Wir empfehlen Naturfreunden, die Griechenland nicht nur wegen des Meeres besuchen wollen, in jedem Fall in der Region zu übernachten. Wir hatten das Vergnügen nur für zwei Nächte, haben uns aber geschworen irgendwann für länger zurück zu kommen.
Die Zagoria kann man mit dem Pkw mit kürzeren Fußmärschen erschließen. Größere Wanderungen sind nicht zwingend notwendig, um sich für diese Gegend begeistern zu können. Es ist jedoch möglich Wanderungen zu unternehmen, und wer sich die Zeit dafür nimmt, wird in dieser bizarren Berglandschaft, die von trockenen (im Sommer) Flußtälern durchzogen ist, die von Steinbogenbrücken überspannt sind, auf seine Kosten kommen.

Es gibt wie überall in Griechenland kaum brauchbare Wanderkarten. Die Beschilderung im Gebiet ist jedoch für griechische Verhältnisse vorbildlich. Trotzdem ist es dringend anzuraten, sich vorher Informationen zu beschaffen, weil die Gegend sehr einsam ist und die zu überwindenden Strecken teilweise sehr lang und anstrengend sind. Informationen bekommt man sehr leicht. In Ioannina gibt es ein Reisebüro namens Robinson Reisen (Robinson Travel Agency, Konstantinos Vassiliou, Odos Merarchias 10, Gr-45445 Ioannina, Tel 0030/651/29402 - engisch). Dieses Reisebüro betreibt in Kipi (Richtung Tsepelovo, dann jedoch rechts halten) ein Activity Centre. Das befindet sich gleich am Ortseingang von Kipi auf der rechten Seite (kleines Gebäude mit Holzschild). Sollte hier niemand da sein, sollte man sich nicht scheuen, die im Schaufenster angegebene Rufnummer anzurufen, es kommt dann jemand aus dem Ort herbei. In unserem Fall eine nette junge Frau, die uns zu den Möglichkeiten in der Region umfassend beraten hat (Sprache: englisch). Sie hat uns auch gleich ein Zimmer in einem kleinen Hotel in Vitsa vermittelt (aber dazu später). Angeboten werden hier geführte Wanderungen. Man muß mindestens für drei Personen bezahlen. die Preise für eine Ganztageswanderung liegen bei ca. 50,- DM/Person. Wir werden, wenn es uns wieder in diese Gegend verschlägt, auf jeden Fall die Führung durch die Vikos-Schlucht (8 h) nutzen. Im übrigen kann man derartige Reisen auch von Deutschland aus buchen (nach unserem Wissen bei Viking und Hauser).
Nun zum Hotel. Die Hotels in dieser Gegend sind im allgemeinen schön hergerichtete traditionelle Zagoria-Häuser. Unser Hotel befand sich in Vitsa. Gleich nach dem Ortseingang steht auf der rechten Seite ein großes Holzschild, das zum Hotel Zelina weist. Hier fährt man rechts einen Feldweg entlang, der an einem alten Schafstall zu enden scheint (oh Schreck!). Am Schafstall befindet sich jedoch ein Pfeil, der um eine Wegbiegung weist. Dem Weg folgt man bis zu seinem Ende und ist damit am Hotel angelangt. Wir können das Hotel jedem empfehlen. Die Zimmer waren sehr ordentlich und geräumig. Im Haus fühlt man sich sofort wohl, weil das viele Holz, das hier verbaut wurde und die überall ausliegenden gewebten Teppiche Gemütlichkeit ausstrahlen. Mit 80 bis 100 DM für das Doppelzimmer bezahlt man hier in keinem Fall zuviel. Zum Hotel gehört natürlich eine kleine Taverne, von deren Terasse man einen herrlichen Ausblick auf die Berge hat. Wer hier ißt sollte unbedingt die Alevopita und den angebotenen Rotwein probieren.
Von Vitsa aus kann man wunderschöne Ausflüge machen. Durchquert man Vitsa, kommt man als Nächstes nach Monodendri, einen der Ausgangspunkte für Wanderungen in die Vikos-Schlucht. Bevor man Monodendri erreicht kommt man an eine Weggabelung, an der sowohl nach rechts als auch geradeaus Monodendri beschildert ist. Folgt man dem Weg geradeaus und durchquert Monodendri, ist man auf dem Weg zum Vikos-Balkon. Hinter Monodendri sind noch ca. 7 km unbefestigte Straße (unproblematisch) zurück zulegen, bevor am Ende der Straße ein kleiner Parkplatz den Ausgangspunkt für den ca. 5-minütigen Fußweg (sehr leicht zu bewältigen) darstellt. Der Weg führt zu einem hervorragenden Aussichtspunkt in die fast 1000 m tiefe Schlucht. Eine gewisse Vorsicht ist hier geboten, da der Weg zwar breit genug ist, es aber keine Geländer gibt (wär wohl auch nicht so schön). Insbesondere bei Regenwetter raten wir vom Besuch dieses Ortes ab, weil die Steine des Untergrundes sicher sehr glatt sind, wenn sie naß sind. Wer von hier aus Foto- oder Filmaufnahmen machen will, sollte übrigens am Nachmittag hierher kommen. Dann hat man die Sonne im Rücken.

Folgt man an der oben beschriebenen Weggabelung dem Weg nach rechts, kommt man auch nach Monodendri(Vorsicht mit breiten Fahrzeugen, es geht eng zu). Man kann hier im Ort das Auto abstellen. Es bietet sich ein Abstecher zum kleinen Kloster an, von dem aus man einen wundervollen Blick in die Schlucht hat. Offensichtlich rechnet man hier mit riesigen Touristenscharen (uns sind sie nicht begegnet), zumindest wenn man den breiten gepflasterten Weg sieht. Auffällig sind die senkrecht eingesetzten Steine, die sicher Maultieren besseren Halt geben sollen. Am Beginn des Weges ist ein Schild aufgestellt, daß auf einen Eintrag der Vikos-Schlucht im Guinness-Buch als tiefste Schlucht der Welt hinweist (Bei der Einordnung wurde das Verhältnis aus Schluchttiefe und Schluchtbreite berücksichtigt.).

Nach dem kleinen Kloster, das malerisch am Abhang liegt, führt der Weg an der Schlucht entlang noch etwas weiter zu einem alten Unterschlupf. Vom Ort Monodendri aus kann man auch auf den Schluchtgrund hinab (600 Höhenmeter) steigen. Kommt man vom Kloster muß man linkerhand den richtigen Weg finden. Das ist geglückt, wenn man nach wenigen Metern links einen verkommenen Spielplatz und weiter rechts ein neu errichtetes Amphitheater (1998 in Bau) sieht. Von da an geht es steil in Serpentinen abwärts (schweißtreibend). Man sollte für den Weg je Richtung eine Stunde einplanen. Unten angekommen wird man von Steinmännchen als Wegweiser zwischen den rundgeschliffenen Felsblöcken des (im September) trockenen Flußbettes begrüßt. Von hier kann man (vorausgesetzt man startet früh am Morgen) die Wanderung zu den nördlichen Zagoria-Dörfern (Papingo) durch die Vikos-Schlucht beginnen. Da die Wanderung ca. 8 Stunden dauert und nicht zum Ausgangsort zurück führt, ist es sicher sinnvoll, eine Führung zu nutzen, weil dann die Rückfahrt (ca. 50 km) mit abgesichert ist.

Wenn man mit dem Auto Richtung Kipi unterwegs ist kann man kurz vor Kipi nach links Richtung Vradeto abbiegen. Die Straße erweckt in der Karte den Anschein, recht kurz zu sein. Da sie sich aber in einer scheinbar unendlichen Anzahl von Serpentinen in das höchsgelegenste der Zagoria-Dörfer (ca. 1300 m) schlängelt, ist eine Strecke von mehr als 20 km zu überwinden. Die Fahrt bietet wunderbare Ausblicke. Ab einer gewissen Höhe sind die Berge kahl. In der Ferne sieht man am Hang seltsame Steintreppen, die in Serpentinen aufwärts führen. Nur über diese Treppen waren die Zagoria-Dörfer zu Fuß bzw. mit Maultieren in längst vergangener Zeit erreichbar. Man hat noch heute in dieser Gegend den Eindruck der Abgeschiedenheit doch beim Anblick dieser Wege wird einem der Grund für die Autonomie des Gebietes bewußt. Bei Schnee in den Wintermonaten war die Region monatelang völlig von der Außenwelt abgeschnitten.
Wenige Kilometer vor Vradeto wird aus der Asphaltstraße eine Schotterpiste. Hat man Vradeto passiert, weist ein Schild zum diesseitigen Aussichtspunkt in die Vikos-Schlucht. Noch 2 km. Der Zustand der Piste ließ uns daran zweifeln, ob man diese 2 km noch fahren könne. Da es jedoch schon recht spät war und wir auch geschafft waren, haben wir den Fußmarsch aufs nächste Mal verschoben.
An der Länge des Artikels kann man sicher leicht feststellen, wie sehr uns diese Gegend beeindruckt hat. Es war schade, daß wir nur einen Tag Zeit hatten in diesem Jahr. Wir haben uns fest vorgenommen, die Zagoria später noch einmal zu besuchen. In diesem Jahr stand immerhin mit dem Olymp noch ein weiteres Highlight auf dem Plan.
