Theodor Fontane: "Unterm Birnbaum"

 

Theodor Fontane beschreibt in seinem Roman „Unterm Birnbaum“ weder die Aufhellung noch die Aufdeckung eines Mordes, sondern den seelischen Kampf des Schuldigen, den das vernichtende Schicksal immer mehr in die Enge treibt.

Mit dem Toten im Garten nimmt das Schicksal seinen Lauf...

Abel Hradscheck ist ein verschuldeter Wirt, der von geschäftlichen Dingen wenig Ahnung hat. Er lebt friedlich mit seiner Frau, Ursel Hradscheck, in dem Oderbruch Tschechin in der Nähe von Frankfurt an der Oder im 19. Jahrhundert. Doch die Liebe der beiden zueinander ist nach jahrelangem gemeinsamen Alltag verblasst. Der Zufall will es, dass er eines Tages in seinem Garten unter dem Birnbaum die Überreste eines französischen Soldaten entdeckt.

Er erfährt, dass der von einer Krakauer Firma Reisende Szulski dieses Mal nicht wie gewöhnlich kommen wird, um weitere Pläne Hradschecks in Empfang zu nehmen, sondern auch, um die Schulden des Wirtes einzutreiben. Doch das Unfassbare geschieht: Der anfangs freundlich aufgenommene Reisende wird von Hradscheck gemeinsam mit seiner Frau ermordet. Die beiden lassen alles wie einen Unfall aussehen, indem sich Ursel als Szulski verkleidet und die Reise mit der Kutsche fortsetzt und den Oderdamm hinunterstößt. Doch trotz allem wendet sich das Schicksal gegen Hradscheck: Er wird tatsächlich des Mordes verdächtigt, doch wegen der durch den Mord hervorgerufenen ungewöhnlichen Beliebtheit Hradschecks bei den Dorfbewohnern und wegen (angeblichen) Beweisen seiner Unschuld wird er wieder freigelassen. Doch dabei bleibt es nicht. Das Schicksal schlägt hart zu: Seine Frau stirbt, denn sie wird von großen Schuldgefühlen geplagt. Vorher hat sie ihn gebeten, Seelenmessen für den Toten zu beantragen. Er jedoch hält sein Versprechen nicht. Ein Bediensteter findet im Wirtskeller einen Knopf des Ermordeten Szulski, aber  die Leiche, die in der Oder vermutet wird, wird nicht gefunden. Dies veranlasst Hradscheck, einen letzten verzweifelten Gedanken zu fassen: Er will die Leiche in die Oder tragen, doch sein Versuch scheitert und er fällt am Ende dem Tod selbst zum Opfer. 

Der Autor:

Theodor Fontane wurde am 30.12.1819 geboren und starb am 20.09.1889. Er ist ein deutscher Schriftsteller hugenottischer Abstammung. Er übte verschiedene Berufe aus. Unter anderem verdiente er sich sein Geld als Theaterkritiker(!). Erst später begann er literarisch mit Gedichten, Balladen und Gesellschaftsromanen. Zu einem seinen größten Werken zählen der Roman „Effi Briest“ und  die Balladen „John Maynard“ und „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“. „Unterm Birnbaum“ stützt sich teilweise auf wahre Begebenheiten (z. B. der Franzose, der im Garten gefunden wird).

 Die Figuren:

Die Figuren sind im Text "Unterm Birnbaum" nicht allzu gefühlsbetont, sie reagieren eher gleichgültig auf den Mord bzw. den „Unfall“, auf den Fund des Soldaten und auf anderweitige Begebenheiten. Dies verleiht dem Roman eine sehr ruhige und eher distanzierte Atmosphäre.

Interpretation:

Man fragt sich sicher, was der französische Soldat mit dem weiteren Geschehen zu tun hat. Meines Erachtens reiften die Mordgedanken in Hradschecks Kopf erst, nachdem er die Überreste des Soldaten in seinem Garten gefunden hat. Er bemerkt, dass ein Toter jahrzehntelang verborgen bleiben konnte, wahrscheinlich nimmt er sich ein „Beispiel“ an dem Toten. In dem Buch erfährt man viel über den Zwang eines Mörders immer weiter zu handeln und wie er sich dabei mehr und mehr in dem Netz aus Lügen und nichtgesetzlichem Handeln verstrickt („Wer A sagt, muss auch B“ sagen!“).

Mein persönlicher Standpunkt :

Meiner Meinung nach ist dieser Roman nicht für meine Altersklasse geeignet, da uns die ganze Atmosphäre nicht bekannt ist. Die Geschichte spielt im 19. Jahrhundert in einem kleinen gewöhnlichen Dorf mit seinen Vor- und Nachzügen und es wird teilweise in Dialekt gesprochen, so dass ich nicht immer alle Textstellen entschlüsseln konnte. Auch war ich sehr überrascht, wie gleichgültig alle (!) Personen auf irgendwelche außergewöhnlichen Begebenheiten reagierten (z. B. auf den angeblichen Unfall des Szulski). Eine weitere Auffälligkeit ist, dass die Handlungen nie eindeutig beschrieben wurden, sondern dass man sich den Tathergang aus den Aussagen der einzelnen Figuren herleiten musste, z.B.  ist nicht eindeutig bewiesen, dass Hradscheck wirklich den Mord begangen hat. Es ist aber aus den Andeutungen der Figuren am einfachsten zu glauben. Ansonsten ist das Buch sehr langatmig, was sehr schade ist, denn die Grundlage des Romans ist ziemlich interessant und auch spannend! Ich würde das Buch jedoch etwas älteren Generationen wärmstens empfehlen!

Laura Beier (8d)                                                                      zurück zur Übersicht