Wilhelm Raabe: "Die schwarze Galeere"

Der Autor Wilhelm Raabe schreibt in seiner geschichtlichen Erzählung „Die schwarze        Galeere“ von Heldentaten und Niederlagen auf See, die zwischen den Niederlanden und  Spanien im sechzehnten Jahrhundert stattgefunden haben.

Im  Jahr 1599 herrscht immer noch Krieg zwischen den Niederlanden und Spanien. Die Spanier haben zwar Antwerpen unter der Führung Don Philipps eingenommen, wie der alte Haudegen Jeronimo seinen Kollegen  im spanischen Fort Liefkenhoek erzählt, aber ein neues Unheil kommt aus Holland auf die spanischen Besetzer zu: Die schwarze Galeere. Sie ist nach den Kenntnissen der italienischen Schiffsbauer gemacht worden, da sie eine Kopie einer genuesischen Galeere ist, die geentert werden konnte. Nun haben die Geusen ( Bettler, wie sich die Niederländer selbst stolz nannten) die besten Seefahrer auf diese Galeere geschickt und versenken alle spanischen Schiffe. Die schwarze Galeere ist so erfolgreich, dass Admiral Friedrich Spinola allen Schiffen und Galeeren, die sich noch im antwerpischen Hafen befinden, befiehlt, am nächsten Tag Jagd auf die schwarze Galeere zu machen, auch dem Kapitän von der Andrea Doria: Antonio Valani und seinem Leutnant: Leone della Rota.

Der Kapitän ist  in die schöne Myga van Bergen verliebt, die aber mit Jan Norris, einem Steuermann auf der schwarzen Galeere, liiert ist. Valani geht mit seinem Leutnant am gleichen Abend noch in ihre Stammkneipe. Dort besprechen sie, wie sie nach ihrer Rückkehr von der Jagd Myga rauben wollen. Als das Jan Norris hört (er sitzt in der Kneipe, um die Kapitäne auszuspionieren), will er zu Myga gehen, er wird aber entdeckt und muss flüchten. Auch Valanie und della Rota nehmen kurzzeitig die Verfolgung auf, brechen dann aber ab, um auch zu Myga zu gehen und für den geplanten Raub alles auszukundschaften. Dafür geben sie eine Hausdurchsuchung vor und gehen mit noch anderen Verfolgern in das Haus von Myga. Dort treffen sie auch Norris an, der sich heftig wehrt und im Kampf  Valani tödlich verwundet. Er wird trotzdem gefangen genommen und mit Myga und Valanie zur Andrea Doria gebracht. Dort flieht er und da Valani tot ist, tritt della Rota sein Erbe an. Gerade als della Rota anfängt sich mit Myga zu unterhalten, wird Alarm geschlagen, denn die schwarze Galeere und einige andere holländische Boote dringen in den Hafen ein und entern die schlafenden  Schiffe. Auf die Andrea Doria dringt auch Norris ein und tötet della Rota. Damit gehört ihm die Andrea Doria und da die anderen Schiffe auch geentert sind, fahren alle Holländer unter Siegesjubel aus dem Hafen. Als sie am Fort Liefkenhoek vorbeikommen, schießen sie eine Kugel ab und töten damit auch den alten Soldaten Jeronimo. Myga und Jan Norris aber kommen unbeschadet nach Hause.

Wilhelm Raabe, geboren 1831 in Eschershausen bei Braunschweig, ist ein Vertreter des deutschen Realismus. Neben der Verarbeitung historischer Stoffe wie in der „Schwarzen Galeere“  kennzeichnet  kleinstädtische, kleinbürgerliche Idylle sein Werk. Dies trifft vor allem auf sein Erstlingswerk „Die Chronik der Sperlingsgasse" (1857) zu. Es macht ihn bekannt. Ein Jahr vor der „Schwarzen Galeere“ entstand „ Der Hungerpastor “, der erste Teil einer Romantrilogie, in der nicht die Erfolgsmenschen im Mittelpunkt stehen, sondern in dem die Einsamen und Unscheinbaren  den wahren Sinn des Lebens finden. Ihnen gehört  die Liebe des Dichters Wilhelm Raabe. Er warnt vor der Bedrohung der Seele durch Geldgier und Selbstsüchtigkeit nach äußeren Schätzen. Güte und Menschlichkeit, Redlichkeit, Schlichtheit  und innere Freiheit  sind ihm die wahren Werten des Lebens. Doch mit Verherrlichung dieser Ideale verliert er sein Lesepublikum. Bei seinem Tode 1910 ist er schon in Vergessenheit geraten.

Die Personen in der Erzählung sind auf spanischer Seite der Kapitän der Andrea Doria, Antonio Vallani, der  die Antwerpenerin Myga van Bergen liebt und sie mit Gewalt entführen will, unterstützt von seinen Leutnant Leone della Rota.  Auf  der Seite derAufständischen  sind  die handelnden  Personen der Steuermann  der schwarzen Galeere Jan Norris  und seine Verlobte , die schöne Myga van Bergen.. Als Verbindungsglied dient der kriegsmüde  spanische Hauptmann Jeronimi. Er warnt vergeblich vor den Kriegsfolgen für beide Seiten, verliert am Ende gar sein Leben. Die Männer sind vom Krieg gezeichnet, Gewalttätigkeit ist ihr Geschäft, auch  in der Liebe. Milde und Menschlichkeit sind ihnen abhanden gekommen. Der Mord an dem Nebenbuhler della Rota ist zugleich auch Rache am politischen Feind. „Gerettet ist die Myga! Gewonnen ist das Schiff!“, ruft Jan Norris.

In der hier vorgestellten Erzählung „ Die schwarze Galeere“ geht es nur vordergründig um einen Glaubenskrieg zwischen  dem katholischen Spanien und den protestantisch gewordenen  Nordprovinzen . Es wird gezeigt, wie die Menschen durch den Krieg in ihrem Tun entstellt werden. Für  Humanität ist  kein  Platz mehr. Es gibt keine Sieger, das Böse ist auf jeder Seite zu finden. Der  Sieg der Niederländer kann am anderen  Tag schon wieder in eine Niederlage münden. Die Erzählung spielt  im Jahre 1599. Es wird noch 10 Jahre dauern, ehe Frieden einkehren kann. Als Quelle liegt der Erzählung Karl Curths „Der Niederländische Revolutionskrieg“  von 1823 zugrunde.

Ich finde, dass diese Erzählung einen guten Einblick in den Krieg zwischen Spanien und den Niederlanden im 16. Jahrhundert gibt und auch für Jugendliche leicht verständlich ist, da die Sprache verständlich ist und einzelne Wörter hinten im Anhang erklärt sind sowie der Hintergrund der Erzählung.

Quellen: Die schwarze Galeere  (Reclam) und Geschichte der deutschen Literatur

Marius Friedrich (8d)                                                                  zurück zur Übersicht