Der
Roman „Herr der Fliegen“ wurde im Jahre 1954 von William Golding verfasst.
Sehr gut aus dem Englischen übersetzt wurde er von Herrmann Stiehl.
Infolge eines Flugzeugabsturzes gerät eine Gruppe englischer Schuljungen auf eine unbewohnte Insel im Pazifischen Ozean. Kein Erwachsener überlebt. Der 12jährige Ralph und sein neuer gleichaltriger Freund „Piggy“, ein dicker, unsportlicher, asthmatischer Brillenträger, finden schnell ein großes Muschelhorn. Ralph bläst darauf und nur wenige Minuten später sind alle Kinder mitten in einer Versammlung. Ralph wird zum Anführer gewählt: nicht nur, weil er auf der Muschel geblasen hat, sondern auch seines muskulösen Körpers wegen. Doch schon gibt es ersten Ärger. Jack Merridew, ein Junge mit hässlichem Gesicht und roten Haaren, Leiter einer Chorgruppe, hat es auf Ralphs Chefposition abgesehen...
Nach
einem Erkundungstag steht fest: Sie sind alleine auf einer kleinen grünen
Insel. Das kümmert anfangs jedoch niemanden. Es gibt Früchte, Trinkwasser,
auch wilde Schweine, die nur darauf warten von Jack und seinen „Jägern“,
seinen früheren Chormitgliedern, erlegt zu werden. Doch gerettet werden wollen
alle...
Bald brennt ein großes Signalfeuer auf dem höchsten Berg der Insel. Doch die aufgestellten Regeln werden immer weniger beachtet. So ist das Feuer gerade erloschen, als ein Schiff am Horizont auftaucht, das ihre Rettung hätte sein können. Aber die „Hüter des Feuers“ hatten etwas Besseres zu tun: Gemeinsam mit Jacks Männern haben sie das erste Schwein erlegt.
Ab
diesem Punkt fallen die Schranken der Zivilisation: Die Jäger, vor allem Jack,
haben dazugelernt: Töten ist leicht, töten ist nicht so schlimm, die Möglichkeit
zu töten gibt einem Macht über alles Lebendige. So schrecken sie im
Siegesrausch auch nicht davor zurück, den kleinen Simon, der in ihre Feier
geplatzt kommt, wie ein Schwein zu erlegen... So unzivilisiert sehen sie jetzt
auch aus. Sie laufen bis auf die Kriegsbemalung nackt, sie sind nur noch Wilde.
Das einzige, was Jacks Gruppe noch Respekt einflößt, ist eine mysteriöse
Gestalt auf dem Berg. Um dieses unbekannte „Tier“ zu besänftigen, haben sie
den Kopf eines Schweins geopfert, der in der Hitze bald von unzähligen Fliegen
umschwirrt ist.
Nun
versucht Jack die Kinder mit frisch gebratenem Fleisch auf seine Seite zu
locken. Die Gruppe zerfällt in zwei Parteien: Ralph und Jack. Jack jagt mit den
anderen und Ralph versucht vergeblich, das Feuer in Gang zu halten. Eines Nachts
wird Piggy überfallen und Jacks Jäger rauben seine Brille. Ralph und Piggy
machen sich auf den Weg zu Jacks Festung auf einer Landzunge, um die Brille zurückzufordern.
Sie tragen das Muschelhorn bei sich, das Zeichen früherer Eintracht. Doch
umsonst: Mittels eines losgelösten Felsens zerbricht die letzte Hemmschwelle
der Zivilisation. Die Muschel zerplatzt in tausend Teile und Piggys Körper wird
die Klippe hinuntergeschleudert. Von nun an ist Ralph für Jacks Männer
vogelfrei. Und urplötzlich steht die ganze Insel in Flammen.
William
Golding schreibt in fesselnder, aber auch in erschüttender Weise. Nicht umsonst
wurden seine Bücher mit vielen Literaturpreisen belohnt. 1983 wurde ihm sogar
der Literatur-Nobelpreis verliehen.
Ich
finde den Roman sehr gut, da er auf realistische Weise den Kampf um Macht
beschreibt. Wie der Verfasser der zweiten Seite richtig schreibt, ist „das Beängstigende
an diesem Gleichnis menschlicher Gesellschaft die Tatsache, dass diese Jungen
keineswegs Monstren oder Verbrecher sind. Jeder von ihnen ist in irgendeiner
Jungenklasse der Welt zu finden“.