Heinrich Böll: "Im Tal der donnernden Hufe"

In der Erzählung "Im Tal der donnernden Hufe" von Heinrich Böll geht es um drei Jugendliche, die pubertäre Probleme haben. Die Geschichte spielt in den fünfziger Jahren des 20.Jahrhunderts an einem heißen Sommertag in der kleinen Stadt „Zischbrum“, die an einem großen Fluss liegt, nämlich dem Rhein.

Der Leser lernt als erstes den Jungen Paul kennen, der sich in einer Kirche befindet und beichten will. Es ist nämlich Samstag, der Beichttag. Eine Reihe von Leuten hat sich in einer Schlange vor dem Beichtstuhl aufgestellt. Paul ist mittendrin, jedoch rückt er nicht nach vorne, sondern läuft an den anderen vorbei, beobachtet sie und beurteilt sie sogar nach dem Geruch, den sie ausströmen. Besonders hat es ihm eine junge Frau angetan, die nach Lavendel riecht. Er muss dabei auch an andere Frauen denken. Dabei ist ihm jedoch nicht wohl, sondern ihn quält sein Gewissen, weil das ständige an "Frauen denken" eine Sünde ist, wie die Kirche sagt. So möchte er sich von der Last befreien. Er beneidet die Betenden, die schon gebeichtet haben und sich nun auf den Sonntag freuen können, wie sein Vater. Dieser nimmt jeden Sonntag Abend, bevor er zum Stammtisch geht, einen große Pistole heraus, nimmt sie auseinander und reinigt sie. Danach versteckt er sie wieder in einem Schubfach. Paul muss an ihn denken. Als die junge Frau die Kirche verlässt, geht er nicht zur Beichte, sondern aus der Kirche, ins Freie. Er hasst sich deswegen , wie schon sooft, doch er kehrt nicht um. Er läuft durch die fast menschenleere Stadt, hört Geräusche vom Fluss, wo gerade ein Ruderwettbewerb stattfindet, bei dem seine Schwester mitmacht und seine Eltern zuschauen. Er geht zu seinem Freund Griff, der auf dem Bett in seinem heißen, unordentlichen Zimmer liegt. Auch er hat Probleme mit dem Leben. Paul verlangt von seinem Freund die Pistole, er will sich töten. Der Freund zögert, stattdessen wirft er ein Glas Marmelade an die Wand, so dass das Chaos im Zimmer noch größer wird. Aber Paul beharrt auf der Pistole. Als der Freund sie holt und sie ihm zeigt, ist Paul enttäuscht, dass sie so klein ist. Er will lieber die große Waffe von seinem Vater holen. Sein Freund hält ihn auf. Erst bittet er ihn, ebenfalls ein Glas Marmelade gegen die Wand zu schmettern, was Paul auch tut. Aber beide fühlen sich von der Last nicht befreit. Sie sprechen über ein Mädchen, das Paul aufgesucht hatte, von dem er aber enttäuscht worden war, weil es sich dumm und albern benahm. Griff fängt an von seiner Abreise am nächsten Tag zu sprechen, von seinem zukünftigen Leben in Lübeck bei seinem Onkel, der ein toller Fischer sein soll, wie er bisher seinem Freund erzählt hat. Doch das ist Prahlerei, er weiß, dass sein Onkel nur eine kleine Marinadenfabrik besitzt. Weil er Angst vor dem Wegfahren hat, fällt im Pauls Erlebnis mit den Pferden ein, das dieser “Im Tal der donnernden Hufe“ gehabt haben will. Pferden, die dort angeblich frei leben. Er möchte sie mit eigenen Augen sehen. Doch Paul hatte nur geprahlt. In Wirklichkeit hatte er in dem Tal nur ein Pferd gesehen. So wissen sie nichts Rechtes mit sich anzufangen, bis Griff die kleine Pistole in ein gefülltes Marmeladenglas versenkt und den Wunsch äußert,  dass Paul die Waffe von seinem Vater holt. Paul ist einverstanden, will sie aber alleine holen.

Griff ist nun auch zum Selbstmord bereit. Bevor Paul geht, sprechen sie von einem Mädchen namens Mirzowa, einem Zettel mit einem Bild und mit Bemerkungen über sie. Beide hatten diesen Zettel von einem Mitschüler erkauft. Es muss etwas Abfälliges drauf stehen, denn Griffs Mutter war empört gewesen, als sie den Zettel zufällig gefunden hatte.

Im zweiten Kapitel lernt der Leser das Mädchen Mirzowa kennen. Es ist bei sich alleine zu Hause. Die Mutter hat die Tochter eingesperrt, damit sie nicht ausreißt, denn sie soll am Abend zu ihrem Vater nach Wien reisen. Das Mädchen hat Langeweile und vertreibt sich die Zeit, indem es sich die nähere und fernere Umgebung mit einem Fernglas betrachtet. Plötzlich hat sie ihren ehemaligen Spielkameraden Paul im Blick, der über die Terrasse in die Wohnung eindringt. Sie sieht sein verzweifeltes Gesicht. Da erinnert sie sich an das Erlebnis, das sie vor einigen Jahren mit ihm hatte. Sie bemerkte, dass er während er mit ihr spielte, ständig auf ihre Brust starrte. Sie dachte sich nichts Böses dabei und zeigte sie ihm. In diesem Moment kam Pauls Mutter dazu und schrie auf, als sie das sah. Da wusste sie, dass es falsch gewesen war. Seitdem wurde abfällig über sie geredet. Sie durfte nicht mehr mit Paul spielen. Während ihre Gedanken kreisen, sieht sie weiter durch das Glas und beobachtet, wie Paul eine Schublade aufbricht und eine Pistole herausholt. Sie ist so erschrocken, dass sie laut seinen Namen ruft.  

Er kommt und klettert zu ihr auf die Veranda. Beide sind sehr verlegen, zeigen aber durch ihre Blicke, dass sie sich mögen. Sie erzählen sich gegenseitig, dass sie beide die Stadt verlassen werden. Sie sagt im, dass sie ihn beobachtet hat. Er berichtet ihr von den Zetteln über sie. Sie weiß davon, klärt ihn aber auf , dass alle Behauptungen nicht wahr seien, auch nicht das gemalte Bild von ihr. Er glaubt ihr, denn der Junge, der den Zettel verfasst hat, ist in seinen Augen ein großer Lügner. Sie ist froh darüber und erzählt ihm, wie sie immer angefeindet wird, ganz gleich welche Sachen sie anzieht. Auch das Männer sie belästigen, ihr schlechte Wörter nachrufen, die sie aber nicht versteht. Sie kann an ihrem Körper nichts Schlechtes entdecken, erfährt jedoch, dass Paul es als Sünde ansieht, wenn man sich in seinen Gedanken zu viel damit beschäftigt. Er fühlt sich als ein sehr sündiger Mensch, der darunter leidet, dass er sich sogar erschießen will. Sie versteht es nicht, denn sie ist nicht katholisch. Doch sie erinnert ihn, dass die Kirche den Selbstmord als die schlimmste Sünde ansieht, deshalb soll er die Pistole wegtun. Sie ist auch traurig, dass er einen Frauenkörper als etwas Sündiges ansieht. Sie ist sogar bereit, ihm die Brust noch einmal zu zeigen, aber er dürfe mit keinem Menschen darüber reden. Er willigt ein, beide haben zunächst Angst voreinander, doch dann finden beide nichts Abstoßendes dabei, sondern empfinden es als etwas Schönes. Beide sind glücklich und wollen sich wiedersehen, wenn sie zurückkehren sollten. Er versprich ihr, bevor er geht, am Abend an der Schranke zu stehen, wenn ihr Zug vorbeifährt und in die Luft zu schießen. Er ist nicht mehr traurig. Wenig später kommt die Mutter des Mädchens. Im Gespräch kommt heraus, dass die Mutter sehr traurig ist , ihre Tochter nach Wien zu schicken. Aber sie meint, es sei besser, um dem Klatsch über sie in der Stadt aus dem Weg zu gehen. Die Mutter bringt ihre Tochter zum Bahnhof. Der Abschied ist ganz kurz, weil die Mutter Angst hat, die Fassung zu verlieren. Paul und sein Freund stehen am Bahnübergang. Er schießt in die Luft. Beide freuen sich und winken sich noch zu, bis der Zug verschwindet.

Im dritten Kapitel sind die beiden Jungen im Wald. Griff hat Angst vor seiner Mutter, er will nicht nach Hause zurückkehren. Sein Freund soll ihn erschießen. Paul lehnt es ab, er selbst denkt nicht mehr an Selbstmord. Er macht den Vorschlag, lieber auf Tennisbälle zu schießen. Ihre Selbstmordpläne haben sie aufgegeben. Griff hat sich entschlossen, schon am Abend nach Lübeck zu fahren und nicht nach Hause zurückzukehren. Er wartet nur noch, bis Paul auf das große Bierplakat zielt und trifft. Paul tut es, aber nicht mehr aus Wut und Verzweiflung, sondern aus Lebensfreude. Er denkt an das Mädchen und an das Versprechen, das er seinem Freund gegeben hat. Dieses Mal trifft er. Er fühlt sich wie befreit, er hat wieder Mut zum Leben und seine Gedanken an Mizowa sieht er nicht mehr als eine Sünde an. Er weiß, dass das Leben noch viel Interessantes und Aufregendes zu bieten hat. Als die aufgeschreckten Passanten einen Polizisten rufen, lässt er sich widerstandslos abführen.  

Heinrich Böll

 

Heinrich Böll ist 1917 in Köln geboren. Nach dem Abitur absolvierte er eine Lehre als Buchhändler. Danach wurde er bald eingezogen und machte den 2.Weltkrieg von Anfang bis Ende mit (1939-1945). Er kehrte danach in seine zerbombte Heimatstadt zurück, wo er bis zu seinem Tode 1985 fast immer lebte. 1972 bekam er den Nobelpreis für Literatur.

 

Böll will in seinen Erzählungen und Romanen den Leser auf Missstände seiner Zeit aufmerksam machen, damit er selbst kritisch die Zustände betrachtet und versucht, sie zu bessern. In seinen Kurzgeschichten und Romanen behandelt er insbesondere die Kriegszeit. In seiner sechsjährigen Soldatenzeit erlebte er soviel Entsetzliches und Schlimmes, dass er nach dem Krieg ein entschiedener Kämpfer gegen den Krieg wurde (ein Pazifist).  

Sein zweites großes  Thema ist dann die Nachkriegszeit. Hier zeigt er in seinen Erzählungen und Romanen, wie schwierig es war, wieder ein normales Leben zu führen. In seinen späteren Werken kritisierte er die Oberflächlichkeit der Menschen, die Ungerechtigkeiten sowie die Heuchelei. Er forderte eine menschliche Gesellschaft, in der alle Menschen die gleichen Rechte haben sollten. Aber er wies nicht nur in seinen Werken auf Gefahren hin, sondern er demonstrierte auch öffentlich gegen Wiederbewaffnung, Autoindustrie und vieles mehr.. Ebenso setze er sich für verfolgte Schriftsteller ein, die ihre Werke aus politischen Gründen nicht veröffentlichen durften oder selbst sogar verfolgt wurden.

Nikolas Kaselow (8d)                                                         zurück zur Übersicht