In dem Buch „Es geschah im Nachbarhaus“ von Willi Führmann wird beschrieben, wie im 19. Jahrhundert eine ganze Stadt einer jüdischen Familie den Mord an einem Kind aus der Nachbarschaft aus Vorurteilen heraus unterstellt. Fast alle in der Stadt grenzen sich von der Familie ab. Nur Familie Ulpius steht ihnen noch bei, da sie von der Unschuld der Waldhoffs überzeugt sind.
Die Waldhoffs sind eine Familie wie jede andere, sie sind freundlich, grüßen jeden und führen einen ehrlichen Laden. Doch als plötzlich ein Mord geschieht, erinnern sich alle in der Stadt wieder, dass die Waldhoffs "ja Juden sind". Und wer könnte diesen schrecklichen Mord an dem Jungen begangen haben, wenn nicht ein Jude - so die allgemeine Ansicht? Schnell verbreiten sich die verschiedensten Gerüchte in der kleinen Stadt. Die einen meinen dies, die anderen wollen das gesehen haben und jeder reimt sich etwas zusammen, wie es ihm passt. Freunde und Nachbarn wenden sich immer mehr ab. Die Waldhoffs bekommen keine Aufträge mehr, keiner will ihnen etwas verkaufen und überall wird schlecht über sie geredet. Nur Gerd Märzenich, der Freund von Tochter Ruth, und die Familie Ulpius halten zu den Waldhoffs.
Eines Tages treffen sich alle Juden in des Pfingstens Haus. Sigi Waldhoff bemerkte das heimliche Handeln der anderen. Er wunderte sich, da die Juden in dieser Stadt sonst nur in der Synagoge zusammenzukommen, von der sich allerdings auch einige fernhalten. Die anderen Juden sind von der Unschuld der Waldhoffs überzeugt. So überlegen sie, was man tun könnte, da nun über alle Juden schlecht geredet wird. Sie einigen sich auf eine Geldspende, um den Kriminalkommissar Hundt aus Berlin zu holen, da sie dem Kriminalkommissar aus Düsseldorf nicht trauen.
Am Sedanstag muss die siebte Klasse die Franzosen darstellen, die gegen die Deutschen kämpfen. Karl wird als Napoleon bestimmt und er macht Sigi zu seinem Adjutanten. Nachdem die Deutschen die Schlacht gewonnen haben, beschließt Frau Duttmeier, dass diesmal auch zwei Franzosen ausgezeichnet werden sollen. Doch dann tritt Siegfried Wolter hervor und beklagt sich, dass er keine Auszeichnung haben wolle, die ein Jude auch bekomme. Daraufhin beschweren sich auch seine Eltern: Sie wollten nicht, dass der Sohn eines Mörders bei ihrem Kind in die Klasse geht. Daraufhin wird Sigi bis auf weiteres vom Unterricht ausgeschlossen. Da sein Freund Karl Lehrer werden will, brachte er Sigi vieles bei. Somit verbesserte er sich auch in der Schule, da er den Stoff ja immer zweimal durchnahm. Als Sigi eines Nachmittags zu Karl geht, trifft er auf dem Weg zu ihm ein paar Jungs auf Fahrrädern. Die wollen von ihm wissen, wo die Waldhoffs wohnen. Doch Sigi tut so, als ob er das nicht wüsste. Als die Jungs dann einen in der Nachbarschaft wohnenden Jungen nach den Waldhoffs fragen, ruft der Sigi zu, dass die Jungs zu ihm wollen. Doch Sigi beachtet das nicht weiter und verschwindet schnell in der Hoftür des Ulpius. Auf dem Heimweg trifft er die Jungs wieder, die verärgert sind, da er sie angelogen hat. Sie verprügeln ihn und er ruft um Hilfe, doch keiner will ihm helfen.
Als eines Nachts eine Schar das Haus der Walhoffs in Brand setzt, sehen alle nur zu, außer Herrn Ulpius, der das Feuer löscht. Auch als ein paar Jungs eines Nachts das Haus mit Steinen bewerfen, Fenster dabei kaputt gehen und Frau Walldhoff verletzt wird, lachen alle nur hämisch. Eines Nachmittags gehen Karl und Sigi Rodeln und Hein fordert Sigi heraus. Als die beiden ein Unentschieden fahren, will Hein eine Revanche, doch diesmal von einer höheren und steileren Abfahrt. Am Ende dieser Abfahrt gibt es einen zugefrorenen See. Am Ufer ist er ziemlich stabil, aber zur Mitte hin wird das Eis dünner, man muss sich vorher vom Schlitten werfen, damit man nicht Gefahr läuft einzubrechen. Hein hat einen guten Vorsprung. Auf dem Eis angelangt, wirft Sigi sich ab, doch Hein traut sich nicht und fährt weiter, bis er plötzlich ins Eis einbricht. Alle Kinder schreien, doch keiner tut etwas. Da nimmt Sigi seinen Schlitten und robbt auf das Loch zu, in dem Hein sich befindet. Er hält ihm den Schlitten hin. Hein greift nach dem Schlitten und lässt sich von Sigi herausziehen. Sigi hat Hein das Leben gerettet und zu Weihnachten bekommen die Waldhoffs einen Festbraten von Heins Eltern geschenkt.
Nachdem die Kriminalkommissare Leute vernommen haben und sich ein eigenes Bild der Situation gemacht haben, kommt es ein viertel Jahr nach dem Mord zu einer Festnahme von Herrn Waldhoff. Über Weihnachten kommt er frei und kann zu seiner Familie zurück, um mit ihnen die Feiertage zu verbringen. Doch nicht lange. Kurz danach wird er wieder festgenommen und muss erneut in die Kreisstadt. Nach den Vorfällen entschließen sich Frau Waldhoff, Ruth und Sigi, dass sie zu Bekannten gehen, um dort zu verweilen. Nach ein paar Monaten kommt es zu einer Verhandlung. Die ganze Stadt ist in Aufruhr, denn jeder möchte wissen, welches Urteil fallen wird. Doch wie wird der Richter entscheiden? Werden sie ihn freisprechen? Werden sie den wahren Mörder finden oder waren es doch die Waldhoffs?
Das Buch ist sehr spannend. Der Autor schafft es, die Spannung über den ganzen Text zu erhalten. Die Frage nach dem Täter bleibt bis zum Ende offen. Er zeigt auch, wie Menschen voreilig Urteile fällen, ohne sich selbst ein Bild von der Situation zu machen. Sie gehen ihren Vorurteilen nach und schließen sich der Mehrheit an. Es wird auch gezeigt, wie wichtig es ist, gute Freunde zu haben, denn in solchen Situationen will doch keiner alleine stehen.