Das von
Richard Van Camp geschriebene Jugendbuch „Die ohne Segen sind“ wurde von
Ulrich Plenzdorf ins Deutsche übersetzt und erschien 1996 mit 157 Seiten im
Ravensburger Verlag. Es ist mit dem Preis des Verbandes der Autoren Kanadas
ausgezeichnet worden. Das Buch handelt von dem Dogrib-Indianer Larry Sole, der
die 11. Klasse besucht. Dieser versucht sich von seinen grausamen Erinnerungen,
die ihn verfolgen, loszureißen.
Die Erzählung
spielt in der Stadt in Fort Simmer in Kanada, in die Larry mit seiner Mutter von
Fort Rea hergezogen ist. Dort lebt er in einem ganz guten Verhältnis zu ihr,
sein Vater ist bei dem Brand des früheren Hauses gestorben. Seine Mutter sieht
er nicht sehr oft, obwohl beide im selben Haus wohnen, aber sie studiert und lernt
sehr viel für ihre Examina, da sie Lehrerin werden möchte. In der Schule ist Larry
ein „Underdog“, jemand, den jeder treten kann. Er ist unsterblich in das hübscheste
Mädchen der ganzen Stadt verliebt: Juliet Hope. Nach Larrys Aussage ist sie ein
engelsgleiches Geschöpf, mit Augen so dunkel und grün wie an einem Regentag.
Immer und überall versucht er sie zu betrachten, mit ihr ein Gespräch
anzufangen. Doch das ist am Anfang sehr aussichtslos, da Juliet zu einer ganz
anderen Gruppe gehört, nämlich zu den „Coolen, den Schlägern“. Zu dieser
gehört auch Darcy McMannus, ein fetter draufgängerischer Typ, der alles, was
ihm in die Quere kommt zuschmettert, wenn er unter Alkohol und Drogen steht. Er
ist der gefürchtetste Junge der ganzen Stadt, er hat das Sagen und sogar sein
Vater soll vor ihm Angst haben. Jonny Beck hat auch zu dieser Gruppe gehört,
doch er kann Darcy auf den Tod nicht ausstehen. Die beiden schlagen sich, wo sie
nur können. Jonny ist jemand, der von seiner alkoholsüchtigen
Mutter und seinem Vater, der in Hay River wohnt, im Stich gelassen worden
ist und der ganz alleine seinen jüngeren Bruder erziehen muss. Als Larry und
Jonny sich anfreunden, steigt Larry innerhalb von drei Monaten zu einem von den
angesehensten Typen auf. Durch den Umgang mit Jonny fängt er an zu kiffen und
zu rauchen, außerdem noch zu erfahren, wie es ist, sich in der Stadt
zurechtzufinden. Fast jeder, der dort lebt ist alkoholabhängig und vom Leben
ausgebeutet worden. Dieser Frust der Erwachsenen färbt natürlich auch auf
deren Kinder ab, die dann – genau wie ihre Eltern – zu Alkohol und anderem
greifen. Außerdem ist Jonny noch mit Juliet zusammen und so hat Larry die
Chance, sich mit ihr anzufreunden. Das klappt auch ganz gut, doch Larry möchte
nicht nur der gute Freund sein, der ihr zuhören kann und sie aufmuntert, er möchte
mit ihr zusammen sein. Aber da ist noch etwas anderes, was Larry belastet: Er
selbst sagt, dass der letzte Sommer in Fort Rae der Sommer seiner Kreuzigung
war. Er wollte, das, was passiert ist, nicht, aber keiner hat ihm Beachtung
geschenkt. Er ist ohne Segen, keiner beschützt ihn. Weil er es dann nicht mehr
ausgehalten hat und sich von allen benutzt und schmutzig gefühlt hat und da er
glaubte immer und immer wieder gesündigt zu haben, greift er zu anderen
Mitteln, die sein schmerzhaftes Leiden beenden sollten. Außerdem ist Larry
davon überzeugt, dass er von Juliet durch die körperliche Liebe erlöst werden kann. Ob ihm diese wiederfährt
und zu welchen Mitteln er greift, bleibt dem genialen Ende vorbehalten, das ich
nicht vorwegnehmen möchte. Es ist in Frage zu stellen, ob ihm am Ende das, was
er erreicht hat, genügt. Ich persönlich glaube es nicht, aber er ist auf alle
Fälle „geheilt“, kann sich auf die Zukunft konzentrieren und ein neues
Leben beginnen. Am Ende taucht eine tote, weiße Taube auf. Diese steht für den
inneren Frieden, den er gefunden hat. Er kann all die schlimmen Erinnerungen an
seine Vergangenheit hinter sich lassen. Dass sie stirbt, bedeutet, dass er noch
nicht völlig geheilt ist, was ihm auch völlig bewusst ist. Larry hat den
Menschen, den er am meisten geliebt hat, verloren, was ihm natürlich sehr
wehtut. Am Schluss ist ein Gedicht im Buch zu finden, das seine Gefühlslage
treffend beschreibt:
Noch ist mein Leben
kein Leben
Keiner ist mir zu
eigen
Ich keinem
Erst nach Zeiten
wird ein Mensch da sein
Mich beim Namen
rufen
Nackt im Schnee zu
begrüßen
Im Tod zu betrauern
zu sterben mit mir
Und leben zu
gleich...
Es ist ein
sehr mitreißendes, offenes Ende, sehr traurig und es gibt Wendungen, die man
nicht erwartet hätte.
Ich finde an
diesem Buch wirklich wunderbar, wie der Autor dem Leser uneingeschränkt das
verdammt harte Leben in Fort Simmer nahe bringt. Die Dialoge sind witzig und
spritzig und man hat immer etwas zu lachen und es gibt Momente, in denen es
einem für Larry peinlich ist. Das Ende ist schwer verständlich und erst
nachdem man es zum zweiten Mal gelesen hat, versteht man es richtig. Es hat mir
aber doch überraschend gut gefallen. Das Buch findet wohl eher Anklang bei
Jugendlichen, da es sehr modern geschrieben ist. Ich denke aber, dass es auch für
Erwachsene nicht uninteressant ist.
Nicole
Schmidt (8d)
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