Mirjam Pressler: "Kratzer im Lack"

Das Jugendbuch "Kratzer im Lack" von Mirjam Pressler handelt von dem 14jährigen Jungen Herbert, der von seinen Mitschülern ausgeschlossen wird und daraufhin anfängt, Autos zu zerkratzen. Eine weitere Hauptperson ist Frau Kronawitter, eine Kioskbesitzerin und eine Bekannte von Herbert, die im gleichen Haus wohnt wie er. Die Geschichte spielt in Berlin.

Herbert geht auf ein Gymnasium und ist ein sehr guter Schüler, von seinen Mitschülern wird er jedoch oft gehänselt. Er trägt eine große, runde vergoldete Brille, weshalb seine Mitschüler ihn "Ratte mit Brille" nennen. Herberts Vater ist sehr aggressiv und haut öfter mal zu, er arbeitet als Taxifahrer. In der Familie hat er die Hosen an. Die Mutter dagegen ist sehr liebenswert und kümmert sich gut um ihren Sohn.
Herbert hört auf seine Eltern und traut sich nicht, ihnen zu widersprechen, oft bekommt er eine Ohrfeige von seinem Vater. Jeden Morgen vor der Schule geht er in den Kiosk von Frau Kronawitter. Er kauft immer zwei Banjos, die er dann isst, wenn er in der Schule von den anderen geärgert wird.

Frau Kronawitter hat ihren Kiosk nach dem Krieg von ihrem verstorbenen Mann übernommen. Sie musste in ihrem Leben einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen: den Verlust ihres Sohnes. Als er 13 Jahre alt war, hatte er mit Freunden einen Zigarettenautomaten geknackt, war aber aufgrund seines Alters nicht bestraft worden. Der Vater entschied daraufhin, dass der Junge bei einem Onkel aufwachsen solle. Wenige Jahre später stirbt der Sohn, sodass Frau Kronawitter ihn doppelt verliert.

Herbert bekommt eines Abends von seinem Vater ein Klappmesser. Als seine Eltern am gleichen Abend noch ausgehen, beschließt er, einen Spaziergang zu machen, das Klappmesser hat er dabei in seiner Hosentasche. Bekommt er Angst, umgreift er es schnell und drückt es fest an seinen Oberschenkel. Als er vor dem Haus einen roten Wagen sieht, weiß er gleich, dass es sich um den Wagen des männlichen Besuches seiner geschiedenen Nachbarin handelt. Herbert klappt sein Messer aus und zerkratzt das Auto. Er hat ein gutes Gefühl dabei, er fühlt sich stark und lässt alle schrecklichen Gefühle an dem Auto aus, den Hass auf seine Eltern, den Hass auf seine Mitschüler und auch den Hass auf sich selbst. Er weiß nicht, dass Frau Kronawitter mit ihrem Hund vorbeigeht und sieht, wie er das Auto zerkratzt. Sie redet sich ein, ihn nicht gesehen zu haben und beschließt, niemandem etwas zu sagen.

Als Herbert im Bett liegt und über alles nachdenkt, bekommt er ein schlechtes Gewissen. Als er dann noch am nächsten Tag hört, dass die Polizei Nachforschungen anstellt, hat er Angst. Doch da die Polizei nichts herausfindet und kurze Zeit später alles auf sich beruhen lässt, fühlt sich Herbert wieder ermutigt.

Frau Kronawitter dagegen fängt an, über ihr Leben und die Fehler, die sie gemacht hat, nachzudenken. In ihren Gedanken identifiziert sie sich mit Herberts Mutter, ihre Gefühle gegenüber Herbert vermischen sich mit denen gegenüber ihrem eigenen Sohn. Sie nimmt sich vor, mit Herbert über seine Tat zu reden und ihm ins Gewissen zu reden, damit er damit aufhört, Autos zu zerkratzen. Gleichzeitig will sie ihm aber auch versprechen, dass sie zu ihm hält und niemandem etwas von dem Vorfall erzählt.

Eines Morgens geht Herbert wie jeden Morgen mit seinem Klappmesser in der Hosentasche in den Kiosk von Frau Kronawitter, um zwei Banjos zu kaufen. Frau Kronawitter hat sich vorgenommen, ihm ihre Hilfe anzubieten. Als er vor ihr steht, sagt sie, sie wolle ihn etwas fragen, doch dann bricht sie ab und redet nicht weiter. Herbert ahnt, dass sie etwas weiß.

In der Schule ist es schrecklich, er wird wieder gehänselt. Am Nachmittag fährt er mit dem Fahrrad durch Berlin, er begegnet einer schönen Frau und folgt ihr schließlich. Als er am Bahnhof neben einem Fahrrad steht, hat er das Bedürfnis, das Fahrrad zu zerkratzen. Er holt das Messer aus der Hosentasche und zieht es über den Lack. Keiner sieht etwas. Dann fährt er nach Hause und begegnet im Flur Frau Kronawitter. Sie nimmt allen Mut zusammen und sagt, sie wisse, dass Herbert das Auto zerkratzt habe. Sie lädt ihn ein, später zu ihr in die Wohnung zu kommen. Als er kurze Zeit später zu ihr kommt, freut sie sich und denkt, es gebe noch Hoffnung. Doch dann passiert etwas Unfassbares: Herbert holt sein Messer aus der Tasche und sticht auf sie ein.

Wenige Tage später erscheint in der Lokalzeitung folgender Artikel:


Jugendlicher ersticht alte Frau

Die neunundsechzigjährige Ladenbesitzerin Johanna K. wurde am 16. November erstochen in ihrer Wohnung aufgefunden. Die durch das Heulen ihres Hundes herbeigerufenen Nachbarn fanden den vierzehnjährigen Herbert H. mit einem blutigen Messer neben der Leiche.
Bisher ist nicht bekannt, was Herbert H., der im selben Haus wie die Ermordete wohnt, zu dieser Tat veranlasst haben könnte. Ein Raubmord scheidet nach Angaben der Polizei aus. Die Wohnung war unberührt. Herbert H. ist festgenommen und in die Jugendstrafanstalt Stadelheim überführt worden. Er soll in den nächsten Tagen auf seinen Geisteszustand untersucht werden. "Stocksteif hat er dagestanden und nichts gesagt. Weiß wie die Wand war er!", sagt Herr Sedlmeyer, der die Tür aufgebrochen hat, zu unserem Reporter.
Den fassungslosen Eltern ist die Tat ihres Sohnes unbegreiflich: "Er hat doch alles gehabt. Es hat ihm doch an nichts gefehlt. Wir haben alles für ihn getan. Wir haben gearbeitet, damit er es einmal besser haben soll. Zu seinem Geburtstag haben wir ihm ein Rad für 470 DM gekauft." Nach der Aussage eines Lehrers war Herbert H. ein fleißiger, ruhiger Schüler, der zu keinen Klagen Anlass gegeben hat.

Meine persönliche Meinung zum Buch:

Ich finde das Buch sehr gut. Die ersten Kapitel fand ich zuerst eher uninteressant, doch dann wurde es sehr fesselnd, sodass ich das Buch gar nicht beiseite legen konnte. An manchen Stellen ist das Buch sehr einfach geschrieben, an anderen wiederum etwas schwieriger. Das Ende kam für mich sehr unerwartet. Es ist sehr emotional und man kann gut mitfühlen.
Ich denke, das Buch ist für die Altersgruppe ab 13 Jahren geeignet, da man gut nachvollziehen kann, wie Herbert in die Pubertät kommt und sich auch stark mit sexuellen Dingen in seinen Träumen beschäftigt.
Nach dem Lesen ist mir klar geworden, dass der Titel "Kratzer im Lack" zweideutig zu verstehen ist. Einerseits sind die Kratzer im Autolack, andererseits die Kratzer in Herberts Seele gemeint.

Die Autorin:

Mirjam Pressler wurde 1940 in Darmstadt geboren, sie besuchte die Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt und lebt heute als freie Schriftstellerin und Übersetzerin in München. Mirjam Pressler wurde für ihr Übersetzungswerk mit dem Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises 1994 ausgezeichnet.

Sarah Widmer (Klasse 8d)                                                                     zurück zur Übersicht