Mirjam Pressler: "Stolperschritte"

 

Hauptpersonen:

In dem Jugendroman „Stolperschritte“ von Mirjam Pressler spielt der 15-jährige Thomas die Hauptrolle. Er ist gehbehindert und das Verhältnis zwischen ihm und seiner Mutter ist schlecht, der Vater ist kaum zu Hause. Außerdem hat er noch einen jüngeren Bruder, der durch die schlechte Familienatmosphäre (die strenge Mutter) total verschüchtert ist. Dieser liebt Blumen und ist schlecht in der Schule. Thomas kann die Zwillinge Erika und Petra (Lieblinge der Mutter) nicht ausstehen. Aus seiner Sicht sind sie völlig verzogen. Am besten versteht er sich mit seiner fast 18-jährigen Schwester Elisabeth, da sie ihre Meinung äußert, und dem Urgroßvater, den er immer besucht, wenn er Probleme hat .

Zum Inhalt:

Morgens wird Thomas vom Schulbus (für körperlich Behinderte) abgeholt. Der Fahrer, Wolfgang, ist Zivildienstleistender, mit dem sich Thomas gut versteht. Thomas geht auf ein Gymnasium, das von körperlich Behinderten und Nichtbehinderten besucht wird. Thomas mag die Schule und ist ein guter Schüler, da er außer der Schule keine Termine hat. Er  ist in Uli verliebt, die aber kein Interesse an ihm zeigt. Als Thomas aus der Schule kommt, merkt er sofort, dass etwas nicht stimmt: Er kennt den vorwurfsvollen Blick der Mutter. Sie hat in seinem Tagebuch gelesen. Ab diesem Zeitpunkt ist das Verhältnis zwischen Thomas und seiner Mutter noch schlechter.

An einem Wochenende fährt die Familie (ohne den Vater ) zu Bekannten aufs Land. Thomas, Frieder und Anna (Tochter der Bekannten) machen einen Waldspaziergang. Frieder erzählt über die Pflanzen im Wald, Thomas und Anna sind von seinem Wissen beeindruckt. Er weiß dies alles aus Büchern, die ihm Thomas geschenkt hat. Anna sagt, dass sie sich wünsche, ihre Brüder wären wie Frieder. Als sie zu Hause sind, kommt Frieder in Thomas Zimmer, was sonst nur sehr selten vorkommt. Er erzählt ihm, dass er den Vater mit einer anderen Frau gesehen hat. Thomas ist wütend und erschrocken, aber er beruhigt Frieder, damit dieser nicht glaubt, dass sich die Eltern jetzt trennen müssen. Sie vereinbaren, dass Frieder versucht, etwas über die Frau herauszufinden und Thomas dann mit ihr sprechen wird. Am Freitag fährt Thomas zu seinem Großvater und redet mit ihm über die Freundin des Vaters, über Uli und über den Waldspaziergang. Am nächsten Tag kommt Frieder mit einer Fünf im Aufsatz nach Hause. Die Mutter gibt ihm eine Ohrfeige.

Inzwischen hat Thomas über die Autonummer Name und Adresse der Freundin des Vaters herausgefunden. Thomas übt mit Frieder für das Diktat, das er in einer Woche schreibt. Wenn er dort wieder eine Fünf schreibt, bleibt er sitzen. Elisabeth und Thomas erklären ihm, dass es gar nicht schlimm sei, sitzen zu bleiben. Aber Frieder hat Angst davor, dass die Mutter wieder mit ihm schimpft.  Nach einem Gespräch zwischen Thomas und Uli ist er nicht mehr so begeistert von ihr wie früher. Dagegen wird Susi, eine nette, hilfsbereite Mitschülerin, die wahrscheinlich sitzen bleibt, eine wichtige Gesprächspartnerin für Thomas. Am Tag des Diktates kommt Frieder nach der Schule nicht nach Hause. Der Mutter fällt es erst um drei Uhr auf. Alle machen sich Sorgen um Frieder. Thomas ruft die Nummer von Gabriele Bauernfeind (Freundin des Vaters) an und erreicht dort den Vater, der sofort kommt. Der Vater ruft die Polizei, aber die hat auch keine Neuigkeiten. Am nächsten Morgen in der Schule redet Thomas mit Susi über das Verschwinden seines Bruders, da sie in einer ähnlichen Schulsituation ist. Sie erzählt ihm von ihren Selbstmordgedanken und dass es schlimmere Dinge als Behinderungen gebe,  z.B. wenn man schlecht in der Schule ist. Als Thomas nach Hause kommt, gibt es keine neuen Nachrichten von Frieder, nur dass er im Diktat eine Sechs geschrieben hatte. Dann kommt ein Polizist, der ihnen die Nachricht überbringt, dass sich Frieder erhängt hat. Alle machen sich Vorwürfe und Thomas gibt der Mutter die Schuld, weil sie so streng war. Seit Frieders Tod ist der Vater immer zu Hause und die Familie findet wieder mehr zueinander, so wie es sich Frieder gewünscht hätte. Nach den Ferien gibt Thomas  Susi Nachhilfestunden und sie schreibt daraufhin in der Englischarbeit eine Zwei. Sie gibt sich genau soviel Mühe, wie Frieder sich gegeben hatte. Susi redet mit Thomas, dass er endlich wieder normal mit der Familie reden müsse. Er beschuldige nur die Mutter, damit er ein reines Gewissen  haben könne und sich nicht mit Selbstvorwürfen quälen müsse. Er argumentiert dagegen, dass die Mutter hätte merken müssen, dass Frieder Probleme hatte. Er bezeichnet sie als herzloses Monstrum. Daraufhin erklärt Susi, wenn es die Mutter wirklich nicht gemerkt hat, hätte er sich um Frieder kümmern müssen, da er in Frieders Probleme eingeweiht war.  Durch Gespräche mit Susi und Wolfgang nach Frieders Tod wird Thomas allmählich mehr integriert. Er ist nicht mehr so allein und traut sich trotz seiner Behinderung  in den Schachclub zu gehen.  An Weihnachten ist der Großvater zu Besuch gekommen. Am ersten Weihnachtstag geht Thomas mit seiner Mutter zum Grab. Er weint und drückt seine Mutter - wie seit Ewigkeiten nicht mehr.

Meine persönliche Stellungnahme:

Ich finde das Buch toll, da man sich durch die Beschreibungen alles sehr genau vorstellen kann. Es ist vor allem ein Buch über Gefühle, ohne viel Spannung. Dafür berichtet das Buch sehr wirklichkeitsgetreu: So ähnlich hätte eine solche Geschichte passieren können. Anfangs lebte die Familie in schlechteren Wohnverhältnissen, war aber glücklich. Nach dem Erfolg des Vaters verbesserte sich einiges, aber die Familie driftete auseinander.

Der Titel „Stolperschritte“ beschreibt einerseits die Behinderung von Thomas, andererseits auch das "stolperhafte" wieder Zueinanderfinden von Mutter und Sohn.

Auf der einen Seite wird Thomas Leben mit der Behinderung beschrieben, auf der anderen Seite wird auch verdeutlicht, dass es wichtigere Dinge im Leben gibt, auf die es ankommt. Diese Behinderung sagt gar nichts über den Menschen aus, sondern es wird  verdeutlicht, wie dieser Mensch ohne etwas auskommen muss, das für uns selbstverständlich  ist, über das wir gar nicht nachdenken. Man merkt erst, wie wichtig einem diese Dinge sind, wenn sie einmal nicht mehr vorhanden sind.  Thomas möchte am liebsten laufen können, da dies alle um ihn herum können. Er selbst betrachtet sich anfangs als minderwertig und bezeichnet sich als Krüppel auf Lebenszeit. Die anderen Qualitäten werden ihm erst im Laufe des Lebens, in einigen Gesprächen mit Freunden und Elisabeth bewusst, zum Beispiel, als er mit Susi redet: „Du bist gehbehindert, aber glaube ja nicht, dass dies das Schlimmste ist, dass einem passieren kann. Jeder interessiert sich nur für sich selbst und seine eigenen Schwierigkeiten. Manchmal habe ich das Gefühl, ihr Behinderten denkt, ihr hättet das Leiden gepachtet. Aber  viele Kinder sind schlechter dran als ihr“.

Über die Autorin:

Mirjam Pressler wurde 1940 in Darmstadt geboren. Sie besuchte die Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt am Main. Nach einem Aufenthalt in einem israelischen Kibbutz ist sie als freie Autorin und Übersetzerin in der Nähe von München tätig. Sie wurde mit dem Oldenburger Jugendbuchpreis, dem Zürcher Kinderbuchpreis, als Übersetzerin mit dem Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises u.a. ausgezeichnet.

Stolperschritte ist mit dem Zürcher Kinderbuchpreis „La vache qui lit“ ausgezeichnet und mit einer der drei Medallien im Rahmen des Janusz- Korczak- Preises prämiert.

Felicitas Proksch (8d)                                                                      zurück zur Übersicht