Rudolf Herfurtner: "Wunderjahre. Hannas Geschichte"

In dem Jugendroman von Rudolf Herfurtner wird beschrieben, wie das Waisenkind Hanna im Alter von elf Jahren zu ihrer ersten Adoptivfamilie kommt und sich dort mit deren Sitten und alltäglichen Gewohnheiten auseinandersetzen muss. 

Der Roman ist mit sehr vielen Gefühlslagen versetzt und dadurch sehr gut nachvollziehbar.  

Es ist später Nachmittag als Hanna nach Hause kommt. Schon als sie den Flur betritt, vernimmt sie eine fremde Frauenstimme. Aber ganz fremd ist die Stimme doch nicht. Hanna betritt das Wohnzimmer. Außer ihren Eltern sitzt dort noch eine Frau. Hanna erkennt sie sofort, es ist die Leiterin aus dem Waisenheim. Und plötzlich wird Hanna traurig. Sie denkt, dass sie wieder zurück in das Heim muss, zu dem Schlafsaal mit 50 Betten und zu dem Zustand, sich selbst überlassen zu sein. 

Alte Erinnerungen steigen in ihr auf. Sie denkt an  damals, als Hannelore und Friedrich Hoffmann sie mitnahmen und die anderen Kinder Wetten abschlossen, wann Hanna wiederkommen würde. Wie würden ihre Eltern jetzt reagieren? Sie rennt in ihr Zimmer im Dach, schmeißt sich auf ihr Bett und fängt an zu weinen. Sie überlegt, was sie falsch gemacht haben könnte? 

Anfangs war es ihr schwergefallen, mit zwei „neuen“ Brüdern, die ihr nicht wirklich Beachtung schenkten und mit einer Mutter, die sich ihr auch nicht richtig öffnete. Nur der Vater hatte immer zu ihr gestanden. Aber erstens war dieser fast nie zu Hause und zweitens war es nun mal nicht ihre richtige Familie. Bernhard, der Älteste, hatte sie zwar im Gegensatz zu ihrem gleichaltrigem Bruder nie verspottet, aber er hatte ihr auch nie richtig Aufmerksamkeit geschenkt. Timo hatte die Aufgabe, Hanna die Stadt zu zeigen, doch da dieser seine neue Schwester nicht besonders gut leiden konnte, ließ er sie mitten in der Stadt alleine und ging lieber in den Wald mit seinem Freund.

So fing alles an für Hanna. Auch in der Schule wurde sie nicht richtig angenommen. Sie war immer das Waisenmädchen. Erst als sie Wonny kennen lernte, wusste sie, was richtige Freundschaft bedeutete. Wonny war ein Mädchen, so alt wie Hanna. Aber Wonny war nicht wie die anderen, sie war eine Schwarze und wurde deshalb ausgeschlossen. Hannas Kontakt zu ihrer Familie wurde erst besser, als sie Timo das Leben rettete.

Hanna trocknet sich die Tränen und fragt sich noch immer, ob die Leiterin wirklich gekommen ist, um sie abzuholen. Da fällt ihr die Geschichte von Clemens wieder ein. Clemens, der verloren gegangene Sohn von Hannelore. Er hat 11 Jahre im Krieg in Russland gelebt, kam dann mit 16 Jahren durch Zufall nach Deutschland und lebte dort dann bei den Hoffmanns und somit auch bei seiner Mutter Hannelore. Er konnte sich nicht in das Familienleben einordnen, lief eines Tages weg und wurde überfahren. Hanna hatte Clemens gemocht, er war zwar scheu wie ein Reh, aber ihr hatte er sich anvertraut. Selbst das lag schon lange zurück.

Plötzlich klopft es und ihre Eltern stehen mit der Leiterin in der Tür. Hannas Erinnerungen verschwinden so schnell, wie sie gekommen sind. Vater Hoffmann spricht in einem feierlichen Ton, dass es nun endlich soweit sei, sie dürften Hanna adoptieren. Nun weint Hanna nicht mehr aus Traurigkeit, sondern aus Erleichterung und Freude. Die Eltern fallen ihrer Tochter um den Hals und alle weinen vor Glück.

Das ganze Buch ist mit so vielen Emotionen versehen, dass man nur mit Hanna mitfühlen kann. Der Titel Wunderjahre mag einem vielleicht am Anfang unpassend vorkommen, liest man jedoch das ganze Buch, so merkt man, dass es keinen Titel gibt, der das Leben von Hanna besser beschreiben könnte. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, doch ich bin mir sicher, dass dieses Buch nicht jedem gefallen würde, allein schon aus dem Grund, weil der Schreibstil etwas verzwickt ist und man einige Stellen noch einmal lesen muss, um sie zu verstehen. Auch Jungs würden bei diesem Buch voll auf ihre Kosten kommen, denn bei Hannas Brüdern geht es viel um Technik und logisches Denken. Nun kann ich nur allen raten das Buch zu lesen, die ein wenig sensibel sind und sich gerne mit Lebensschicksalen auseinandersetzen.

 

Maria Reinhold  (8d)                                                                                               zurück zur Übersicht