Eigenbau einer Fokussier-Skala
Beim Fokussieren eines Teleskops stößt man auf Probleme, mit denen man bei naiver Betrachtungsweise nicht rechnen würde. Eins davon hat mit den begrenzten Fähigkeiten einer Kamera zu tun: Eine Webcam und auch jede andere Kamera kann im Vergleich zum Auge nur geringe Helligkeitsdifferenzen darstellen. Wenn ein Stern scharfgestellt ist, ist er strahlend hell auf dem Vorschaubild zu sehen. Ändert man den Fokus, wird er größer und dunkler, bis er schliesslich gar nicht mehr zu erkennen ist. Bei Verwendung einer Barlowlinse geht das sehr schnell. Der hier interessierende Fall liegt natürlich umgekehrt: Wir wollen einen Stern scharf stellen. Wenn wir aber die Kamera bei einer beliebigen Fokuseinstellung anschliessen, sehen wir möglicherweise nicht einmal einen unscharfen Stern, den wir fokussieren könnten. Man muss mit einer einigermaßen guten Startposition anfangen. Dazu kann man an den Auszug einen Strich als Markierung machen. Und noch einen für "mit Barlow" und einen dritten für die andere Kamera und so weiter. Welcher Strich bedeutet nun was? Das ist keine Lösung. Und es ist auch nicht genau.

Die Fokussierskala am Fokusrad mit einer Nadel als Zeiger (bei 1,25) 

Viel besser ist es, sich die Position des Fokussierrades zu merken. Da das Fokussierrad den Auszug mit einem Zahnrad bewegt, entspricht eine bestimmte Stellung des Rades immer der genau gleichen Stellung des Auszugs. Dazu kann man sich mit einem Office-Programm eine Skala erzeugen und ausdrucken. Die Skala wird um eines der Fokussierräder gewickelt und mit Tesafilm befestigt. Außerdem benötigt man für die Skala noch einen Zeiger. Dafür nimmt man eine Nadel, die man mit Zweikomponentenkleber so befestigt, dass sie dicht über der Skala liegt und nicht über das Fokussierrad hinausreicht (Verletzungsgefahr).

Wie genau kann man damit "blind" fokussieren? Nehmen wir an, man kann den Auszug mit einer Umdrehung 25mm herausfahren und der Durchmesser des Fokussierrades beträgt 4cm. Dann hat das Rad rund 125mm Umfang. Auf der Skala kann man auf einen halben Millimeter genau ablesen. Die Genauigkeit ist dann 25/125/2mm = 0,1mm. Bei Beobachtung mit der Webcam sind die Sterne damit schon ziemlich gut eingestellt und man muss nur noch wenig nachstellen, wodurch viel Zeit für das Fokussieren eingespart werden kann. Auf dem Bild kann man leicht ablesen, dass meine DSLR bei 1,25 scharfgestellt ist. Meine Toucam benötigt dagegen die Einstellung 6,9. Als Gedächtnisstütze dient einfach ein Aufkleber auf dem Tubus, auf dem alle Einstellungen in Großdruck vermerkt sind.

Die abgebildete Skala hat eine Einteilung auf 0,5mm und kann hier als PDF heruntergeladen werden.