Planeten kann man grob in zwei Gruppen einteilen:
- Helle Planeten, die mit Details fotografiert werden können
- Lichtschwache Planeten mit kleiner Ausdehnung
Dementsprechend bieten sie unterschiedliche Aufnahmemöglichkeiten
Die hellen Planeten
Zu dieser Gruppe rechne ich Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn. Sie sind auffällig
hell und folglich mit kurzen Belichtungszeiten zu fotografieren. Der Unterschied
zu den bisherigen Motiven ist, dass sie eine sehr geringe Ausdehnung haben und somit
eine maximale Vergrößerung erfordern, damit Details sichtbar werden. Als Aufnahmegerat
ist eine Webcam besser geeignet als eine DSLR, weil sie eine sehr gut Auflösung
hat und man leicht viele Bilder kurz hintereinander schießen kann.
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Merkur |
10" |
26 |
0m |
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Venus |
40" |
104 |
-4m |
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Mars |
20" |
52 |
-1m |
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Jupiter |
50" |
130 |
-2m |
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Saturn mit Ring |
40" |
104 |
0m |
Die Tabelle gibt den Durchmesser eines Planeten in typischer Aufnahmegröße auf einem
Chip mit 5,6 Mikrometer Pixelgröße an (Toucam, Vesta), bei 3 Meter effektiver Brennweite
(also zum Beispiel 1,20 Meter Brennweite und 2,5-fach Barlow)
Eine beliebige Umrechnung von scheinbarer Größe in Bogensekunden und Größe in Pixeln
und umgekehrt kann mit Hilfe dieses Excels erfolgen.
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Aufnahme der Bilder
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Saturn im März 2007 |
Um bei starker Vergrößerung scharfe Bilder zu bekommen, gilt es die Luftunruhe zu
überlisten. Man muss deshalb genau dann eine Aufnahme machen, wenn die Luft für
einen Sekundenbruchteil stillsteht. Nun kann man natürlich nicht warten, bis sie
kurz stillsteht und dann den Auslöser betätigen. Deshalb fotografiert man kontinuierlich
möglichst viele Bilder in kurzen Abständen und sucht am Ende (per Programm) die
besten heraus. Dabei kann man bei einer Webcam entweder einzelne Bilder (Frames)
als Bitmap abspeichern oder eine Videosequenz als AVI aufnehmen. Das Speichern sollte
ohne Komprimierung erfolgen um Qualitätsverluste zu vermeiden. Dann passen etwa
4500 Frames auf 2 Gigabyte. Die Aufnahme kann zum Beispiel mit den Programmen Qcfocus,
Giotto, K3CCDTools oder Fokuspokus erfolgen. Bei der Belichtung der Bilder sollte
man darauf achten, die Verstärkung möglichst gering zu halten und lieber mit etwas
längeren Verschlusszeiten zu arbeiten. Dadurch wird das Rauschen reduziert und man
erhält mehr Details. Außerdem erreicht man bessere Resultate, wenn die Bilder ingesamt
etwas schwächer belichtet sind, man also nur etwa 50% der Maximalhelligkeit einstellt. |
Da die Planeten helle Objekte sind, kann das Webcam-Vorschaubild mit einer Bildfrequenz
von 5 oder 10 Bildern pro Sekunde betrachtet werden. Das Scharfstellen ist somit
ziemlich einfach, besonders wenn man das Vorschaubild etwas vergrößert. Aber aufgrund
der Luftunruhe ist das Bild eben manchmal scharf und manchmal nicht - auch wenn
man gar nicht am Fokusrad dreht. Deshalb kann man nie ganz sicher sein den exakten
Fokuspunkt erwischt zu haben. Die besten Ergebnisse erhält man daher wenn man mehrere
Bildsequenzen aufnimmt und dazwischen den Fokus komplett neu einstellt.
Bildbearbeitung
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Venus am 25.7.2007
1 Prozent von 4500 Frames wurden addiert |
Gleich ob Einzelbilder oder Videosequenz, die Auswertung kann man sehr gut mit Giotto
machen.
- Man läßt Giotto die besten x Prozent der Bilder automatisch heraussuchen. Je nach
Horizontnähe wählt man zwischen 0,5 und 5 Prozent. Giotto berücksichtigt bei der
Auswahl Schärfe und Verzerrung. Anschließend berechnet er das Summenbild als Mittelwert
dieser Bilder.
- Helligkeit, Kontrast und Farbtemperatur einstellen. Oft ist es nützlich die exponentielle
Tonwertkurve anzuwenden, um etwa die Streifen auf Jupiter und Saturn deutlicher
hervortreten zu lassen.
- Zusätzliches Schärfen des Egebnisses. Die Filtergröße und Wirkung sollte man nur
so stark einstellen wie eben notwendig, da man sonst unnatürliche Artefakte an den
Rändern erhält
- Aufgrund der atmosphärischen Brechung des Lichtes sind die Farben rot, grün und
blau des Ergebnisbildes nicht genau übereinander. Man nennt diesen Effekt Dispersion.
Das blaue Licht wird am stärksten gebochen, das rote am wenigsten. Deshalb ist das
blaue Bild gegenüber dem grünen leicht nach oben versetzt und das rote nach unten.
Je näher der Planet am Horizont steht, desto stärker ist der Effekt. Auch diese
Störung kann mit Giotto behoben werden.
Hintergrundinformation: Die maximal sinnvolle Vergrößerung
Durch die Überlagerung der Bilder kann die Unruhe der Atmosphäre weitgehend ausgeschaltet
werden. Trotzdem gibt es eine maximale Vergrößerung, die in der Wellennatur des
Lichtes begründet ist. Abhängig vom Objektivdurchmesser entsteht bei der Abbildung
eines Lichtpunktes ein Beugungsscheibchen mit dem Durchmesser
d = 2 * 1,22 * w * f / D
d = Durchmesser des Scheibchens
f = Brennweite
D = Objektivdurchmesser
w = Wellenlänge des Lichts
Bei zunehmender Brennweite wird das Scheibchen größer. Zwei solche Flecken können
nur unterschieden werden, wenn sie mindestens zwei Pixel Abstand haben. Das bedeutet,
im Grenzfall ist im Bild unten rechts ein Pixel im Tal zwischen den Spitzen und
je eins auf den Maxima. Ein Pixel ist dabei also nur halb so groß wie der Durchmesser
des Scheibchens.
Die maximale sinnvolle Brennweite, die man unter Zuhilfenahme einer Barlowlinse
erreichen sollte ist deshalb:
f = d * D / ( 1,22 * w )
f = d * D / 0,00067 (für grünes Licht)
bei einer Webcam mit 5,6 Mikrometer Pixelgröße und 10 Zoll Öffnung ergibt das 2100
mm. Ein Pixel entspricht dann gerade einer halben Bogensekunde Auflösung und die
beiden Spitzen haben dass eine Bogensekunde Abstand. Man kann vielleicht noch etwas
höher gehen um die Helligheitsabstufungen noch etwas feiner zu erfassen, aber es
bringt eben kaum mehr zusätzliche Details. Es sind einfache keine feineren Details
da - das sagt zumindest die Theorie von der Beugung des Lichts.
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Abbildung von zwei Punkten mit Beugungsmuster |
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