100 Jahre Siam Geschichte





Über die wahre Herkunft der Siamesen kann bis heute nur spekuliert werden.
Die Legende besagt, dass Siamkatzen bevorzugt am königlichen Hof von Siam, heute Thailand, gehalten wurden und als Tempelkatzen kostbare Gegenstände zu bewachen hatten. Durch das intensive fixieren der Stücke soll es dann zum Schielen gekommen sein. Die Legende besagt weiter, dass siamesische Prinzessinnen Ringe zum aufbewahren über die Schwänze ihrer Katzen steckten und der Knickschwanz ein Herunterrutschen verhinderte.

Die ersten Siamkatzen konnten 1871bei einer Katzenausstellung im Londoner Kristallpalast bewundert werden. Damals sprach man von fremdartigen, exotischen oder unnatürlich alptraumhaften Katzen, die jedoch bald viele Liebhaber fanden. Später unterschied man zwischen den golden Siam mit dunklerer Körperfarbe, heute vergleichbar mit den Tonkanesen und den Royal Cats of Siam, deren Körperfarbe deutlich heller war.

Die siamesische Hauskatze im Zoologischen Garten zu Dresden
aus der Illustrierten Zeitung vom 20. April 1895

Im Zoologischen Garten zu Dresden findet sich seit längerer Zeit ... auch die siamesische Hauskatze (Felis domestica var. Siamensis) von havannabrauner Farbe mit schwarzbraunen hohen Beinen, Ohren und Gesicht. Diese letztere gilt als Seltenheit und erfreut sich großer Beliebtheit. Außer dieser Art kommt in Siam noch eine schwanzlose Abart vor, die sich ebenfalls durch auffallend hohe Beine auszeichnet. Das Pärchen, das der Dresdener Garten besitzt, ist ein Geschenk des inzwischen verstorbenen Consouls Leßler. Unsere Abbildung stellt das männliche Exemplar dar. Am Tage nach ihrer Ankunft befanden sich die Tiere trotz der langen Seereise von Siam ziemlich wohl und ließen sich das ihnen gereichte Futter schmecken. ... Man hofft auf eine Fortpflanzung dieser sehr beliebten, schmucken Katzen. Auszug aus dem Originaltext B. Pittrich


1884 brachte der britische Generalkonsul Mr. Owen Gould das Siamkatzenpaar Pho und Mia aus dem heutigen Thailand mit nach London. Ein anderes Paar jener Zeit waren Suzan und Tiam´o Shian. Auf diese Stammelternpaare sind rund die Hälfte aller in England anzutreffenden Siamkatzen zurück zu führen.
1892 wurde der erste Rassestandard der Royal Cats of Siam niedergeschrieben. Damals galten Knickschwanz und Schielblick noch als Echtheitsmerkmal. 1902 wurde der Standard vom Siam Cat Club überarbeitet. Eine weitere Standardänderung erfolgte 1958 mit dem Ziel der Typverbesserung. Seit dieser Zeit gelten Knickschwanz und Schielblick als Fehler denn man erkannte darin ein Zeichen von Degeneration.

Entweder direkt aus Thailand oder über Großbritannien gelangten die ersten Siamkatzen in die USA. In Deutschland wurden die Siamesen 1927 erstmals in einem Zuchtbuch registriert. Hierbei handelte es sich überwiegend um Importe aus England und Frankreich sowie um Direktimporte aus Thailand.

Ende der 60er Jahre begann die zunehmende Verschlankung der Rasse. Unverbesserliche Züchter, die den Trend nicht mitmachen wollten, verschwanden da sie mit ihren Tieren auf Ausstellungen nicht mehr konkurrenzfähig waren. Viele dieser Züchter drifteten in die "Schwarzzucht" ab d.h. sie züchteten ohne Papiere. Einige andere gründeten eigene Vereine, welche als nicht seriös erachtet wurden, da die Tiere nicht dem gültigen Rassestandard entsprachen.

1989 gründete ich die Interessengemeinschaft Siam alter Typ.
Von einer Katzenzüchterin, die Siamkatzen alten Typs aus Amerika besaß, bekamen wir den Standard Traditional Siamese und Classic Siamese über The Traditional Cat Association. Die Mitglieder unserer IG wandten sich an den Katzenverein Deutsche Edelkatze, der dem Dachverband World Cat Federation (WCF) angehört, mit der Bitte einen Rassestandard in deutscher Sprache zu verfassen.
1990 erhielten wir unseren Standard, der von vielen Vereinen anerkannt und übernommen wurde. Uneinheitlich blieb jedoch die Namensgebung der Siamkatzen des alten Typs. In einigen Vereinen wird sie unter dem Namen Thaikatze, in anderen unter dem viel treffenderem Namen Siam traditionell geführt.

Mit der Anerkennung begann jedoch auch der Kampf in den eigenen Reihen. Wollten wir, den traditionellen Siamtyp, durch Selektion der besten Tiere erhalten, kreuzten einige findige Züchter Britisch Kurzhaar (BKH), Europäisch Kurzhaar (EKH) oder Exotic Kurzhaar (Kurzhaarperser) in der Farbe Colourpoint ein, um eine schnelle Typveränderung zu erreichen. Mit wachsender Beliebtheit und steigender Nachfrage wurden Katzen aus Osteuropa importiert deren Herkunft und Abstammung mehr als fragwürdig ist.

Schon Ende der 70er Jahren importierte der Zoologe Dr. Michael Reimann „Cattery Tha Makhua´s“ neben den Türkisch Angora Katzen auch Siamesen und Korat Katzen nach Braunweiler in seinen Katzenpark. 2001 hieß es erneut "back to the root" oder "der Mythos lebt". Katzen thailändischer Herkunft fanden den Weg über die USA in deutsche Zuchten. Sicherlich findet man auch im asiatischen Raum seriöse Züchter, die nach allen Kriterien selektieren und ihren Babys nur das Beste mit auf den Weg geben, doch sei auch hier zu bedenken das nicht jede Katze mit siamesischem Aussehen eine reinrassige Siamschönheit ist, selbst wenn sie aus dem Mutterland stammte.
Auch in Thailand gibt es Katzenvereine, wie der Cat Fancier´s Club of Thailand (CFCT), der gemäß den CFA Richtlinien und einer internationalen Richterbesetzung Katzenausstellungen z.B. in der MCC Hall The Mall in Bangkok ausrichten. Ein Wichien-Maat aus Thailand hat also durchaus einen anerkannten Stammbaum und nicht nur ein handschriftlich festgehaltenes Abstammungspapier.

Neben dem Halblanghaar Gen das sich weit über den Stammbaum vererben kann (Balinesen, Mandarin, die zur Familie der Siam/OKH gehören), findet man auch den Tonkanesen in der Thaizucht. Hierbei handelt es sich um eine Rasse die aus der Verpaarung Siam x Burma entsteht und nicht reinerbig zu züchten ist und auch nicht zur Rassegruppe der Siam/OKH gehört.

Eine positive Wende wird seit 2003 verzeichnet. Zunehmend suchen deutsche Züchter den Schulterschluss mit englischen Züchterkollegen die den "old Style" Siamesen züchten. Eine kleine Anzahl Zuchttiere bereichern zwischenzeitlich die deutsche Zucht und erweitern den Genpool.
Man hat erkannt das der traditionelle Siamese keine neu kreierte Katzenrasse ist sondern eine Modifikation des Schlanktyps und somit die Schwesterkatze der Siam.
Durch die Rassezugehörigkeit zu Siam/OKH fand auch die Foreign White, ein weißer Siamese, Einzug in die traditionelle Siamesenzuch. Mrs. Pat Turner begann 1962 in England mit einem ernsthaften Zuchtprogramm. Durch strenge Selektion gelang es ihr die vorhandenen Probleme wie z.B. falsche Augenfarbe und Taubheit, um nur einige zu nennen, zu beseitigen. Es ist daher völlig unnötig in der heutigen Zeit Foreign White mit AKH (Andere Kurzhaarkatzen) Ahnen in ein Zuchtprogramm aufzunehmen.

Die Folgen dieser sinnlosen Einkreuzungen können Sie unter Hybriden nachlesen!
Der Liebhaber ist zu Recht verunsichert und fragt: "Was ist eine traditionelle Siamkatze"?
Eine traditionelle Siamkatze ist keine neu kreierte Katzenrasse sondern eine Modifikation des Schlanktyps ohne Fremdeinkreuzungen.







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