31.05.2006,
Mittwoch
Heute geht es endlich los in den lang ersehnten USA-Urlaub.
Wir gehen alles ziemlich relaxed an, schließlich wohnen wir
mittlerweile verhältnismäßig nah am Frankfurter Flughafen und
benötigen keinen Zubringerflug mehr wie früher. Im Gegenteil, wir
nutzen sogar den Vorabend Check-in und stellen fest, dass dies ein
echter Vorteil ist.
Nun ja, der Flug an sich verläuft planmäßig und
die Immigration geht zügig voran. Wie immer müssen viele Leutchen
ihre Formulare ergänzen oder neu ausfüllen, aber hier in Denver
stehen jetzt nette Angestellte, die vorher prüfen und nicht mehr so
herrische Bedienstete, die Angst einjagen.
Als wir endlich dran sind
kommen zuerst die Fingerabdrücke (erst linker, dann rechter
Zeigefinger), dann das Foto. Uns werden verhältnismäßig viele Fragen
gestellt (wir sind an den Richtigen geraten, die anderen
Schalterbeamten lassen die Leute viel schneller durch): wo wir hin
wollen, wie lange wir bleiben, Rückflugtickets, ob wir in
Deutschland arbeiten und als was. Aber trotzdem ganz easy und
relaxed alles und schließlich wünscht er uns einen schönen
Aufenthalt.
Bei 'National'
nehmen wir unseren Mietwagen in Empfang, einen weißen Pontiac G6 und
machen uns dann auf zum Hotel, das wir dank unseres Navy-Programms
für's Handy auch gut finden.
01.06.2006,
Donnerstag
Zeitig werden wir wach, machen uns fertig, frühstücken in aller Ruhe und erledigen
unsere "Wir-sind-gut-angekommen-Anrufe".
Danach können wir dann langsam unseren Shopping-Tag starten, der für heute geplant
ist. Auf dem Programm stehen so Sachen wie das 26 Meilen von Denver
entfernte "Outlets at Castle Rock", was uns nicht wirklich überzeugt
und sich unserer Meinung nach nicht lohnt, dann 'Park Meadows', was
wir besser finden und noch einige andere Läden wie z. B. 'Old Navy',
wo wir unser obligatorisches T-Shirt mit USA-Flagge und Jahreszahl
für 5 $ kaufen.
Zwischendrin stärken wir uns bei 'California Pizza Kitchen' und wir wissen
wieder, warum wir diese Pizza so vermisst haben!
Am Ende dieses Tages sind wir ziemlich groggy, denn wieder stellt sich heraus, dass
Einkaufen anstrengender ist als Arbeiten ;-)).
02.06.2006,
Freitag
Wir verlassen Denver in Richtung Salt Lake City und haben eine ca. neunstündige
Fahrt vor uns. Bis auf Tank- und Rest Area-Stops machen wir auch
nicht extra Halt. Bei unserem Shoppingtag gestern sind nämlich ein
paar Lebensmittel abgefallen und so brauchen wir uns nicht großartig
aufhalten.
Habe ich übrigens schon mal erwähnt, dass die Rest Areas in den USA
überwiegend sehr gepflegt sind und man dort zumeist bedenkenlos
anhalten kann. Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel …
Nachdem wir ein wenig im Feierabendverkehr feststecken, gehen wir nach Bezug des
Hotels nur noch in das nebenliegende Denny's, futtern uns voll und
fallen anschließend im Hotel so ungefähr wie die Fliegen um. Wir
haben doch ein wenig Jetlag und unser Kreislauf sackt abends immer
total in den Keller.
03.06.2006, Samstag
Es geht weiter von unserer Übernachtungsstation Salt Lake City nach Reno, Nevada.
Bei der Ausfahrt aus Salt Lake City führt uns unser Weg um den Great Salt
Lake herum und an einer Rest Area kann man bis an leicht dahin fließendes
Salzwasser heran gehen - oder auch rein - wie die Fußwaschstation neben den
Restrooms zeigt. Schon toll anzusehen, obwohl ja eigentlich sehr öde. Es
handelt sich hier um die Bonneville Salt Flats und hinter diesem leicht
dahin fließenden Wasser vor den zu sehenden Bergen, also etwa 7 Meilen
entfernt, liegt der Bonneville Speedway, wo diese wahnsinnigen Geschwindigkeitsrekorde
von über 1000 Stundenkilometern aufgestellt werden/wurden.
Bonneville Salt Flats
In Reno ankommend sind wir übrigens sehr froh, dass wir mal wieder im Vorfeld
die Hotelzimmer gebucht haben. Denn obwohl unser Hotel ein Riesending ist, ist
es komplett ausgebucht. Es liegt halt nahe am Flughafen und außerdem fangen bereits
in einigen Countys die Sommerferien an.
04.06.2006, Sonntag
Wir gönnen uns heute erst mal ein schönes gemütliches Frühstück in unserem
Hotelrestaurant bevor wir in den Tag starten. Unsere Bedienung macht uns
denn auch gleich mit einer Lady bekannt, die jeden Sonntag hier mit ihrem Mann
frühstückt. Sie wohnt schon ewig hier, kommt aber ursprünglich aus Hamburg. Ist
immer wieder witzig, wie sehr Dorf die Welt doch ist…
Gut gestärkt machen wir uns auf Richtung Lake Tahoe und wir trauen unseren Augen
kaum, als wir auf dem Weg dorthin so richtig durch die Berge fahren müssen und
hier mächtig viel Schnee liegt. Na gut, wir sind auf ungefähr 2.900 m Höhe, da
wundert es dann eigentlich doch nicht mehr. Zum Glück sind die Straßen aber
vollkommen freigeräumt. Und man kommt sich schon komisch vor, wenn man aussteigt,
um die Schneehaufen zu fotografieren und dabei kurze Hosen an hat ;-).
Nach gut einer Stunde Fahrtzeit kommen wir am Lake Tahoe an und sind restlos
begeistert: dieses wahnsinnige tiefblaue Wasser ist einfach der Hammer!!!
Der See ist ungefähr 520 km² groß und ca. 500 m tief. Das Wasser ist so klar, dass man
an einigen Stellen Objekte ganz klar sehen kann, die sich über 20 m in der Tiefe befinden.
Lake Tahoe
Lake Tahoe
Lake Tahoe
Lake Tahoe
An einem Aussichtspunkt treffen wir dann auch noch ein deutsches Ehepaar,
mit dem wir uns ziemlich verquatschen und uns tatsächlich einen dicken
Sonnenbrand holen. Aber jedenfalls wissen wir jetzt, dass der Tioga Pass,
über den wir in den nächsten Tagen eigentlich fahren wollen, aufgrund der
Wetterlage bislang gesperrt ist.
Ach ja, und was ebenfalls erwähnenswert ist: wir haben uns nicht ganz so den
idealen Tag ausgesucht, um den Lake Tahoe zu erkunden. Es findet nämlich heute
ein Fahrradrennen statt, das "America's Most Beautiful Bike Ride-Lake Tahoe",
an dem ungefähr 3.000 gemeldete Biker teilnehmen.
Biker also, wohin das Auge blickt. Man kann sich vorstellen, dass das Autofahren
an so einem Tag nicht wirklich Spaß macht. Da das Rennen jährlich stattfindet und
immer ungefähr um die gleiche Zeit (2007 findet es z. B. am 3. Juni statt) sollte
man sich nicht unbedingt diesen Tag für eine Fahrt zum Lake aussuchen (es sei
denn, man hat gaaaanz viel Zeit und auch gaaaaanz starke Nerven).
Ansonsten ist der Lake Tahoe aber unbedingt zu empfehlen!!!
Lake Tahoe
Lake Tahoe
Nachfolgend ein Ausblick auf die Emerald's Bay. Das deutsche Ehepaar hatte uns
vorgeschwärmt, dies wäre der beste Ausblick auf den See. Nun, das fanden wir
nicht ganz, aber es war schon auch nicht schlecht.
Lake Tahoe, Emerald´s Bay
Dadurch, dass uns der See so gut gefällt und uns die Radfahrer gehörig aufhalten,
sind wir erst ziemlich spät wieder in Reno und verzichten daher auf eine
ausgiebige Stadtrundfahrt. Im Großen und Ganzen sind sowieso nur Casinos
zu sehen, was uns nicht so sonderlich interessiert.
05.06.2006, Montag
Nachdem wir erst mal unsere zu hoch ausgestellte Hotelrechnung reklamiert
haben, kann es in Richtung Mono Lake losgehen.
Gegen Mittag sind wir denn auch da und bewundern einen der ältesten Seen
Nordamerikas. Es ist ein alkalischer See vulkanischen Ursprungs mit kuriosen
Mineralsteinformationen, die Tufa genannt werden, schön anzusehen vor der
prächtigen Kulisse der Sierra Nevada-Gipfel.
Man sollte unbedingt das Visitor Center aufsuchen, welches sich ca. 1 km nördlich
von Lee Vining direkt am Highway 395 befindet. Hier kann man viele Fakten über
das empfindliche Ökosystem des Sees erfahren.
Wir fahren zum Südufer, South Tufa, und wandern gemächlich über holzbeplankte Wege
durch die etwas sumpfige Landschaft und genießen den tollen Anblick.
Außerdem haben wir doppeltes Glück: wir sind fast alleine unterwegs - vor
uns ist nur eine Familie, die durch die Landschaft hetzt und nichts wirklich
anschaut - und zum anderen kommt gerade der Ranger in sein Häuschen zurück,
als ich den Umschlag mit der Gebühr einwerfe und gibt uns noch einen Zettel
mit einigen Infos und einer kleinen Landkarte.
Es kostet übrigens 3 $ Fee pro Erwachsener. Man sollte kleine Scheine dabei
haben für den Fall, dass der Ranger nicht vor Ort ist. Dann steckt man nämlich
das Geld in dort vorhandene, zu beschriftende Umschläge, die man in die dafür
vorgesehene Box einwirft. Als Quittung behält man einen Teil des Umschlages,
den man dann für Kontrollzwecke hinter die Windschutzscheibe legt. So kann
dann der Ranger, wenn er wieder kommt, kontrollieren, ob alle gezahlt haben.
Mono Lake
Mono Lake
Mono Lake
Mono Lake
Mono Lake
Nachdem wir hier also ausgiebig umhergewandert sind und den Rundweg hinter
uns haben, machen wir einen kleinen Abstecher zum Navy Beach. Hier halten
wir uns aber nicht lange auf, sondern wir wollen stattdessen lieber den
Panum Crater besichtigen. Hierbei handelt es sich um den jüngsten Vulkan
in dieser Gegend - er ist erst vor 640 Jahren ausgebrochen.
Leider befindet sich am Fuße des Panum Crater keine wirklich informative Hinweistafel.
Wir klettern also ein wenig den Berg rauf und stehen vor der Wahl: Rim
Trail oder Plug Trail. Tja, wir haben ja nicht wirklich so viel Zeit,
dass wir beide Wege ausprobieren können und wissen nicht, welches der
kürzeste Weg nach oben ist. Wir entscheiden uns für den Rim Trail, der nach
rechts abgeht, merken aber schnell, dass der doch einen recht weiten Bogen macht.
Kurzerhand gehen wir wieder zurück und nehmen den Plug Trail und hierbei handelt
es sich wohl um den Hauptweg. Es geht dann bald schön bergan und oben angekommen
findet man lauter Felsbrocken aus Obsidian und Pumice stone (Bimsstein). Lauter
glänzende, blitzende Steine, was leider auf den Fotos gar nicht rüber kommt.
Einen Krater allerdings sehen wir nicht, nur Felsen über Felsen, von denen
einige auch kinderleicht sind, weil sie aus dem Bimsstein sind. Schon wirklich
interessant und einen klasse Ausblick hat man von hier oben ebenfalls. Und damit
die Stimmung auf dem Vulkan so richtig passt, riecht es meiner Meinung nach
obendrein dazu nach Schwefel ;-))).
Panum Crater
Panum Crater
Junge, ist das spät geworden. Und dabei haben wir noch einiges an Fahrt vor
uns. Ursprünglich wollten wir ja jetzt über den Tioga Pass und durch den
Yosemite National Park fahren. Da der Pass wegen der Wetterlage gesperrt
ist, müssen wir aber den Sonora Pass nehmen. Das ist zwar eine total kurvige
Angelegenheit, aber eine gaaaanz tolle Landschaft. Und es hat auch hier noch
ziemlich viel Schnee. Wahnsinn, dass wir immer Sommerurlaub direkt mit
Winterurlaub und ca. 4 m hohen Schneewänden verbinden.
Übernachtet wird dann schließlich und endlich in Modesto.