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Seekriegsgeschichte
von Alfred Stenzel Sprache: Deutsch Gebunden - Reprint-Verlag-Leipzig |
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Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815 Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802 von Thomas Siebe Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010 Bei AMAZON bestellen Mehr Infos Beispiel-Seiten Beispiel 1 - Beispiel 2 - Beispiel 3 |
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Am 14. Februar 1797 trafen vor Kap St. Vincent an der portugiesischen Südwestküste 15 englische Linienschiffe auf eine Flotte von 24 spanischen Linienschiffen unter Admiral Jose de Cordoba. Die Engländer unter Admiral Sir John Jervis stießen mit ihrer disziplinierten Schlachtlinie in den schlecht geordneten Haufen der Spanier und trennten zunächst die Vorhut von der Hauptmacht. Danach isolierten Jervis Schiffe durch eine geniales Manöver des späteren Seehelden Nelson und mit Hilfe des Unvermögens der spanischen Kommandanten eine Gruppe von 7 Linienschiffen um das riesige Flaggschiff SANTISIMA TRINIDAD (130), eroberten spektakulär vier feindliche Schlachtschiffe und fügten den Spaniern schwere Verluste zu. Die spanische Niederlage gegen eine deutliche Unterzahl feindlicher Schiffe stellte einen Offenbarungseid der einst stolzen spanischen Marine dar. Auf dieser Seite wird beschrieben, wie es zu dieser Schlacht kam, wie sie verlief und welche Folgen sie hatte.
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Kurzbiographien von Horatio Nelson, Cuthbert Collingwood, Thomas Troubridge, Cayetano Valdes und vielen anderen (Siehe Text). |
![]() Admiral Sir John Jervis |
![]() Admiral Jose de Cordoba |
![]() Seeschlacht.tk |
Zur Vorgeschichte
Die
französische Revolution von 1789 mündete für Frankreich
1792 in militärische Konflikte mit Preußen und
Österreich. Seit dem 1. Februar 1793 lag das
revolutionäre Frankreich dann auch mit England im Krieg und am 7.
März 1793 gesellte sich Spanien zu den militärischen Gegnern
der Revolution.
Während die Kriege gegen die
mitteleuropäischen Mächte vorwiegend zu Land ausgetragen
wurden, lag der Schwerpunkt der spanisch-englisch-französischen
Auseinandersetzung auf See, genauer gesagt: Im Mittelmeer.
Spanien
war jedoch schon seit vielen Jahrzehnten ein
“überdehntes” Riesenreich, ein finanzielles Fass ohne
Boden, mit chronisch leeren Kassen und angehäuften Schuldenbergen, durchwirkt von
Korruption und Misswirtschaft und wirtschaftlich wie sozial am Rande
des Zusammenbruchs. Der Krieg mit Frankreich diente deswegen speziell
dem bewährten Rezept, die innenpolitische Kritik im Kampf gegen
einen äußeren Feind verstummen zu lassen. Außerdem
hoffte man in Madrid auf englisches Geld und Kriegsbeute.
Nach
Anfangserfolgen gegen den Nachbarn erwies sich jedoch vor allem der Landkrieg gegen das
französische Volksheer als eine zähe, verlustreiche und
kostenintensive Affäre, es drohte sogar die Niederlage.
1795
waren für das spanische Reich dann die Grenzen der Belastbarkeit
überschritten. Im Vertrag von Basilea vom 22. Juli 1795
schloss Spanien Frieden mit Frankreich und wurde neutral. Fortan aber
wurde diese unliebsame Neutralität misstrauisch und nervös
von den Briten beobachtet, für die nicht nur wichtige
Marinestützpunkte bedroht waren, sondern für die bei
einem französisch-spanischen Schulterschluss besonders im Mittelmeer und in der
Karibik viel auf dem Spiel stand.
Der britische Druck auf Spanien
wuchs. Damit wurde die wirtschaftliche und soziale Situation des
maroden Staatswesens nicht besser und das spanische Regime
flüchtete sich schließlich in den nächsten Konflikt: Am
8. Oktober 1796 wurde Spanien Verbündeter Frankreichs und
erklärte England den Krieg. Zur gleichen Zeit eilte in Italien ein
noch relativ unbekannter französischer General mit Namen Napoleon
Bonaparte von Sieg zu Sieg, drängte die Österreicher
zurück und zwang die italienischen Königreiche zum Frieden.
Durch
diese Entwicklungen büßte England nun auch noch wichtige Marinebasen
im italienischen Mittelmeerraum ein, die Versorgungssituation für die
verbliebenen Stützpunkte auf Korsika und Elba wurde katastrophal.
Der Oberkommandierende der englischen Mittelmeerflotte,
Admiral Sir John Jervis, mußte seine Schlachtschiffe aus dem
Mittelmeer abziehen und Sorge für die Evakuierung der unhaltbar
gewordenen Stützpunkte tragen. Dieser erstmalige Rückzug der
Royal Navy aus dem Mittelmeer seit über 200 Jahren weitete sich zu
einer strategischen Katastrophe aus, die nun die britische Insel selbst
zu bedrohen schien.
In Frankreich hatte man sich an den permanenten Not- und Alarmzustand bereits gewöhnt. Dort herrschte 1796 mit
dem Direktorium das mehr oder weniger organisierte Chaos.
Innenpolitisch gelang es den Direktoren kaum, das
krisengeschüttelte Land zur Ruhe zu bringen, außenpolitisch
dominierten militärische Rivalitäten und geniale
Alleingänge das Bild, im Falle des erfolgreichen General Bonaparte in Italien nicht einmal zum
Nachteil Frankreichs.
In Brest schien zum Beispiel der
französische Admiral Morard de Galles mit einer Flotte von
Linienschiffen und einer französischen Armee unter General Hoche
nur auf eine Fusion mit der spanischen Flotte und den großen Coup zu warten. Beide Flotten
vereint hätten auf eine dreifache Übermacht gegenüber
verfügbaren englischen Schlachtschiffen zurückgreifen
können.
In England fürchtete man in diesem Fall sogar eine
französisch-spanische Invasion auf die britische Insel.
Diese Befürchtung war allerdings übertrieben, wie die
Geschichte zeigt. Tatsächlich bestand aus Kostengründen
lediglich der Plan General Hoches für eine Truppenlandung in
Irland, um gemeinsam mit den irischen Rebellen die Insel zu erobern und
sich sozusagen im Hinterhof Englands festzusetzen - eine Idee, die
bereits eine weit zurückreichende historische Tradition hatte.
Jervis Häuflein der Aufrechten
Beim
Kommando der englischen Mittelmeerflotte stand man vor dem unlösbaren
Problem, die französische Flotte in Toulon und die spanische
Flotte in Cartagena im Auge zu behalten und an der Fahrt nach Brest zu
hindern. Eine Blockade der Häfen kam ohne Stützpunkte jedoch
nicht in Frage. Admiral Jervis zog also seine Flotte zunächst nach
Gibraltar zurück, um vielleicht am Nadelöhr zum Mittelmeer
eine Art Kontrolle auszuüben.
Doch noch im Dezember 1796
schlüpfte Konteradmiral Villeneuve mit einem Geschwader aus 5
französischen Linienschiffen und 3 Fregatten 14 vor den
Augen von Jervis durch die Meerenge in den Atlantik. Im Januar 1797
verlegte Jervis dann seine Basis nach Lissabon. Hier konnten seine
Schiffe wenigstens dem verbündeten Portugal und dessen Flotte
Unterstützung zu leisten. Der englische Admiral wusste von
Truppeneinschiffungen in Cartagena und auch darum, das Morard de Galles
Flotte im Dezember aus Brest ausgelaufen war.
Jervis
ließ Cadiz,
einen möglichen Treffpunkt der spanischen und französischen
Marinekräfte, von seinen Fregatten
beobachten. Auch schickte er Patrouillen in die Meerenge von
Gibraltar. Der englische Admiral plante sich einer Vereinigung der
beiden
feindlichen Flotten nach Möglichkeit in den Weg zu stellen, und
dies, obwohl
Havarien und Sturm die Mittelmeerflotte vorübergehend auf gerade
einmal 10 Linienschiffe dezimiert hatten.
Das Flaggschiff VICTORY
(100 - Admiral Sir John Jervis) versammelte hinter sich nur noch die
Schlachtschiffe
BRITANNIA (100 - Vizeadmiral Charles Thompson), BARFLEUR (98 -
Vizeadmiral William Waldegrave), BLENHEIM (98 - Thomas Lennox
Frederick), CAPTAIN (74 - Ralph Willet Miller), CULLODEN (74 - Thomas
Troubridge), EGMONT (74 - John Sutton), EXCELLENT (74 - Cuthbert
Collingwood), GOLIATH (74 - Sir Charles Knowles) und DIADEM (64 -
George Henry Towry).
Die englischen Optionen, eine Flotte von 17
(s.u.) oder gar 27 Linienschiffen aus Frankreich oder Spanien
aufzuhalten, waren also eher verzweifelter Natur. Dabei
überschätzte Admiral Jervis aber - wie alle seine
englischen Zeitgenossen - die tatsächliche Gefahr einer Invasion
auf der englischen Insel. Der französische Flottenchef Morard de
Galles hatte mit seinen 17 Linienschiffen zu keinem Zeitpunkt die Fusion
mit den Spaniern gesucht. Dagegen hatte er Ende Dezember
versucht, General Hoches Armee in der Bantry Bay (Irland) zu
landen. In der stürmischen See hatte sich die Flotte jedoch
zerstreut und anhaltendes schlechtes Wetter hatte dann eine Anlandung
von Truppenteilen verhindert. Anfang 1797 war diese Flotte noch nicht
wieder in der Lage, eine Invasion Irlands, geschweige denn Englands, zu
starten.
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Who Was Who in the Napoleonic Wars
von Philip J. Haythornthwaite Sprache: Englisch Gebundene Ausgabe - 320 Seiten - Weidenfeld Military - Erscheinungsdatum: August 1998 Rund 900 Kurzbiographien mit 300 Bildern porträtieren vor allem die Militärs und politischen Protagonisten der napoleonischen Kriege. Inklusive des amerikanisch-englischen Kriegs von 1812. |
Cordobas Flotte bricht auf
Auch die spanische Mittelmeerflotte rührte sich vorerst nicht von ihren
Ankerplätzen in Cartagena. Jedoch hatte sich hier ein für die
spätere Schlacht von Kap St. Vincent bedeutungsvoller Wechsel
vollzogen : Der Oberkommandierende, Vizeadmiral (Teniente General) Juan
de Langara, ein bewährter Kämpe, war inzwischen zum
Marineminister berufen worden. An seine Stelle trat Vizeadmiral
(teniente general) Jose de Cordoba, der als Zweitkommandierender
bis dahin mit Organisations- und Logistikaufgaben betraut
war. Deswegen wußte Cordoba um die Undankbarkeit des neuen Kommandos.
Der äußere Anschein präsentierte dem neuen
Flottenchef zwar eine stolze Armada, doch hatten die leeren Staatskassen
Spaniens auf diesen Schiffen tiefe Versorgungsbreschen bei Munition,
nautischem Bedarf, Lebensmittel und Heuer hinterlassen, die vor allem
in Einbußen bei der Mannschaftsstärke und der Kampfkraft
resultierten.
In Cartagena war eher eine Verschlechterung der Situation
zu erwarten und Madrid genehmigte Cordobas Ersuchen, die Flotte in das
besser versorgte Cadiz zu verlegen. Cordoba hatte zwar zu wenig
Männer, um alle seine Linienschiffe ausreichend zu bemannen,
konnte sich aber nicht dazu entscheiden, deswegen eine Handvoll Schiffe
zurückzulassen. So ließ er Cartagena mit Presskommandos
durchforsten und bekam schließlich gerade genug Männer
zusammen, um mit allen Schiffen in See zu gehen.
Am
1. Februar 1797
liefen die schlecht ausgerüsteten und militärisch schwach
bemannten Schiffe mit Ziel Cadiz aus. Die Flotte war zu diesem
Zeitpunkt noch 27 Linienschiffe stark und wurde von 12 Fregatten und 13
Kanonenbooten begleitet. Außerdem eskortierte die Armada
einige Truppentransporter mit einem Regiment und zwei Bataillionen Soldaten,
eben die Truppen, von deren Einschiffung in Cartagena Jervis Kunde
bekommen hatte. Bald darauf stieß noch ein
größerer Konvoi aus Handelsschiffen dazu, der für Cadiz
bestimmt war und sich unter den Schutz Cordobas stellte. Unter die Schiffe dieses Konvois mischten sich die drei Korvetten SANTA JUSTA (18), SANTA BALBINA (18) und SANTA PAULA (20) und die Fregatte ASUNCION (28), alle vier Schiffe mit einer besonders wertvollen Ladung: Quecksilber, das für die Gewinnung des spanischen Silbers in Südamerika dringend gebraucht wurde. Ein Verlust dieser Schiffe hätte eine unabsehbare Katastrophe für die spanische Kriegswirtschaft bedeutet.
Am
5. Februar 1797,
vor Algeciras, trennte sich das Geschwader von Konteradmiral Domingo de Nava von der Flotte. Die Schlachtschiffe NEPTUNO (80 - Goicocea) ,
BAHAMA (74 - Konteradmiral de Nava) und TERRIBLE (74 - Francisco Javier Uriarte) sowie die Fregatten SANTA BRIGIDA (34 - Antonio Pillon), DOROTEA (34),
CASILDA und GUADELUPE sollten die Kanonenboote
und die Truppentransporter in den Hafen von Algeciras geleiten und Nachschub laden.
Geplant war, das diese Schlachtschiffe mit ihren Ladungen in Cadiz wieder
zur Flotte stoßen sollten, doch lediglich eine der Fregatten, die
SANTA BRIGIDA (34 - Antonio Pillon), fand wieder zur Flotte zurück und sollte
später Zeuge der hier beschriebenen Schlacht werden.
Admiral
Cordoba bekam
in der Zwischenzeit von einem amerikanischen Handelsschiff
leidlich genaue
Informationen über die Stärke und das Operationsgebiet von
Jervis Flotte. Die demnach
dem englischen Admiral verbliebenen und vor Lissabon kreuzenden 9
Linienschiffe 1 machten dem spanischen Admiral jedoch weniger Sorgen.
Der ungewöhnlich starke Ostwind wurde in den nächsten Tagen zu seinem größten
Problem: Cordobas Flotte wurde auf ihrem Weg weit hinaus in den Atlantik
geblasen und konnte Cadiz nicht direkt anlaufen.

Nelsons Reise
Inzwischen
war seit Mitte Dezember 1796 Kommodore Horatio Nelson mit zwei
Fregatten, MINERVE (38) und ROMULUS (38), im Mittelmeer unterwegs, um die
Evakuierung der letzten englischen Stützpunkte zu überwachen
und die Schiffskonvois sicher nach Gibraltar zu bringen. Nachdem er
Elba hatte räumen lassen, nahm Nelson auf seinem Rückweg zu Jervis
Flotte mit seinen Fregatten den Weg entlang der französischen und
spanischen Mittelmeerküste, um für seinen Admiral
Aufklärungsarbeit zu leisten.
Am
3. Februar 1797 mußte der
Kommodore vor Cartagena feststellen, das die spanische Flotte den Hafen
verlassen hatte. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Gibraltar gelangte
Nelson mit der MINERVE (38) am 11. Februar auf die Atlantikseite der
Meerenge, als er plötzlich auf zwei spanische Linienschiffe
stieß, die Jagd auf die englische Fregatte machten. Es
waren die NEPTUNO (80) und die BAHAMA (74), die auf dem Weg nach
Cadiz
waren. Sie verfolgten einige Zeit vergeblich die MINERVE (38),
gaben dann aber die Jagd auf. Wären die beiden spanischen
Linienschiffe hartnäckiger gewesen, hätte ausgerechnet Nelson
sie zur spanischen Flotte geführt und vielleicht die Geschichte
der
Schlacht vor Kap St. Vincent geändert. Stunden später
nämlich, von dichtem Nebel behindert, aber auch gedeckt,
segelte Nelson praktisch mitten hinein in die aus dem Atlantik
zurückstrebende Flotte Cordobas.
Das
Schicksal in Form eines ungewöhnlich starken Levante,
des typischen Ostwindes, hatte bekanntlich die spanische Flotte
in den Tagen
zuvor weit hinaus in den Ozean gedrückt. Deswegen hatte
Admiral
Cordoba seine Flotte mühevoll und in einem hohen Bogen nach
Osten
zurückkreuzen lassen müssen, um so viel Luv wie möglich zur Ansteuerung von
Cadiz zu machen. An Bord der MINERVE (38) waren die
Kommandos der nichtsahnenden Spanier, die durch den Nebel
hallten, gut zu verstehen. Den
Engländern war klar, das es um sie geschehen war, sollten sie
entdeckt werden. Nelson kam aber schließlich unbemerkt und
glücklich durch die Phalanx
aus feindlichen Schlachtschiffen hindurch. Wegen dem Nebel hatten die
Briten zwar die
tatsächliche Stärke der Spanier nicht schätzen
können, ihr Kurs und die Windverhältnisse ließen
aber auf das Ziel Cadiz schließen.
Was
der Nebel vor den Augen des Kommodore ebenfalls verbarg, war eine
weitere englische Fregatte. Es
war die NIGER (32 - Foote), die Fühlung mit den Spaniern bekommen
hatte. Footes Schiff war Tage zuvor einer spanischen Fregatte [ SANTA BRIGIDA (34- Antonio Pillon)
? ] gefolgt. Diese hatte Jervis Kundschafter direkt zur feindlichen Flotte
geführt. Der englische Fregattenkapitän hatte daraufhin umgehend Sir
John Jervis von seinem "Fund" benachrichtigen lassen, konnte zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht sagen, ob
Cordoba auf dem Weg nach Brest oder nach Cadiz war. Der englische
Admiral hatte in der Zwischenzeit Nachrichten von Handelsschiffen, das die
Flotte von 27 Linienschiffen aus Cartagena ausgelaufen war. Weil
Jervis das Ziel Cordobas nicht kannte, er aber um jeden Preis dessen
Vereinigung mit der französische Flotte zu verhindern trachtete,
postierte der englische Admiral seine Schiffe nördlich von Kap St
Vincent, das eine Art nautisches Nadelöhr auf dem Weg nach Frankreich
darstellte.
An diesem Punkt würde die englische Flotte freilich den sich Richtung Cadiz
bewegenden Spaniern kaum begegnen. Nelson, der Jervis und seine Schiffe
vor Lissabon vermutete, setzte Kurs und eilte, seinen Flottenchef
über das Ziel Cordobas zu informieren.
Einige
Stunden, nachdem die MINERVE (38) die Spanier zurückgelassen
hatte, drehte der Wind und Cordobas Schiffe drohten, nach
Nordwesten
abgetrieben zu werden. Der spanische Admiral ließ
Kurs auf das Kap
St. Vincent setzen, um dem zu entgehen und möglichst schnell unter
Land zu kommen. Die NIGER (32 - Foote) stürmte den Spaniern
luvwärts
voraus, um die Chance zu nützen und nach Möglichkeit Jervis
Flotte an den Feind zu
führen.
Am Morgen des 13. Februar 1797 bekam Nelson dann die
englische Flotte in Sicht. Er konnte bei seiner Annäherung inzwischen 15 britische
Linienschiffe zählen, denn Jervis hatte am 6. Februar 1797
Verstärkung von einem Geschwader aus 5 Linienschiffen unter
Konteradmiral Sir William Parker
bekommen. Dies waren Parkers
Flaggschiff PRINCE GEORGE (98), die NAMUR (90 - James Hawkins Whitshed)
, die IRRESISTIBLE (74 - George Martin), die ORION (74 - Sir
James Saumarez) und die COLOSSUS (74 - George Murray). Dafür waren
aber am Morgen des 12. Februar Murrays Schiff und die CULLODEN (74 -
Troubridge) kollidiert, wobei Troubridges Schiff so schwer
beschädigt wurde, das der Kapitän eigentlich Lissabon
hätte anlaufen müssen. Troubridge, der ahnte, das eine
große Schlacht bevorstand, blieb jedoch bei der Flotte und
ließ seine Männer richten, was zu reparieren
möglich war. Als Nelson zur Flotte stieß, meldete Troubridge
sein Schiff schon wieder einsatzbereit, während sich Murray und
die anderen Kommandanten die Augen wegen der "Wiederauferstehung" der
CULLODEN rieben.
Nelson
informierte Admiral Jervis über die Position und die
geschätzte Stärke der spanischen Flotte. Der Kommodore sprach
von mindestens 20 spanischen Linienschiffen und ließ keine
Zweifel über Cordobas Ziel offen. Jervis
war enttäuscht: Nach Lage der Dinge, nämlich nach
der Position des Gegners und dem ihn
treibenden Wind, waren die Spanier für Jervis nicht
mehr in Reichweite, bevor der spanische Admiral Cadiz erreicht
hätte.
Der
englische Oberkommandierende hatte zuvor mehrfach geäußert,
das die Royal Navy und England wegen ihrer maritimen Probleme
unbedingt eine Schlacht brauchten. Jervis war deswegen entschlossen,
auch die
kleinste Chance zu nützen, um Cordoba zu stellen. Der alte
Kämpe hoffte, das der Wind immer noch drehen konnte. Er konnte
noch
nicht ahnen, das ihm das Wetter tatsächlich günstig gesonnen
war.
Es
dauerte nur wenige Stunden, bis Jervis erfuhr, das er doch
noch das zweifelhafte Glück haben sollte, sich auf einen
vermeintlich fast doppelt so starken Gegner zu stürzen:
Die
englischen
Linienschiffe standen am späten Abend des 13. Februar einige
Meilen westlich vor Kap St. Vincent, als die NIGER (32 - Foote)
zur Flotte stieß und
den Windwechsel, den Kurs und die vermutete Stärke der spanischen
Flotte signalisierte. Letztere unterschied sich offensichtlich nicht
signifikant von den veralteten Informationen der Briten. Deswegen
ist es fraglich, ob Kapitän Foote auf seinem schwierigen
Beobachtungsposten jemals die Gelegenheit hatte, alle
Linienschiffe des Gegners zu zählen. Die Briten gingen
offensichtlich auch nach dieser Begegnung mit der NIGER davon aus, das
sie den Kampf mit 27
feindlichen Linienschiffe suchten.
Wie auch immer: Durch die Laune des Windes, Nelsons
Informationen und Footes Einsatz
konnte Jervis den Spaniern nun den Weg abschneiden, während
Cordoba gerade an diesem Ort, soweit nördlich, kaum eine
englische Flotte vermuten konnte, die danach trachtete, ihm den
Weg nach Cadiz zu verlegen.
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Horatio Hornblower, 11 Bände
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Gegner in Sicht
In
der Nacht des 13. Februar 1797 konnte man an Bord der englischen
Schiffe bereits die Signalkanonen der spanischen Flotte hören, die
durch die Dunkelheit hallten. Gegen 2:30 am Morgen des 14. Februar 1797
signalisierte die portugiesische Fregatte CARLOTTA (34 - Campbell) dem
englischen Flaggschiff VICTORY (100 - Sir John Jervis) den
ersten Sichtkontakt mit Cordobas Flotte, keine 15 Meilen mehr entfernt.
Admiral Jervis teilte nun seine Linienschiffe in zwei
kompakte Schlachtreihen auf, während sich die Signal-Fregatten und
anderen kleinen Schiffe auf der Leeseite der Linien anordneten. In
dieser Formation und bei südwestlichem Wind stand die
englische Flotte im Morgengrauen dann rund 25 Meilen südwestlich
vor Kap St. Vincent.
Gegen 6:00 sichtete die CULLODEN (74 - Troubridge)
die ersten Segel in West / Südwest und die bereits über Nacht als Kundschafter tätigen Fregatten
LIVELY (32 - Lord Garlies) und NIGER (32 - Edward James Foote)
bestätigten gegen 6:30, das sich die spanischen
Linienschiffe mit Kurs auf die Küste näherten. Eine
Schlachtlinie konnten sie jedoch noch nicht entdecken. Der Grund: Die
Spanier
segelten ohne jede Schlachtordnung und waren in mehreren Haufen oder
Clustern verstreut, zum Teil sogar durchmischt mit Handelsschiffen.
Die chaotische Marschordnung der Spanier hatte ihre Ursache
in der mangelhaften Mannschaftsstärke und Ausbildung
der spanischen Crews. Nach Tagen widriger Bedingungen hatte
man günstigen Wind bekommen und sich ins Luv des Reiseziels
gearbeitet. Dann hatten die Spanier erneut Gegenwind erhalten, der
drohte, die Früchte ihrer tagelangen Arbeit wieder zunichte zu machen. Da galt es, keine Zeit mit
Flottenmanövern zu vergeuden, sondern so schnell wie möglich
unter Land zu gelangen, um einerseits die Deckung, andererseits
den Wind vom Land her zu nützen. Dabei auch noch in einer
Schlachtordnung zu segeln, hätte die unerfahrenen Crews überfordert und die
Annäherung an Land verzögert.
Für Admiral Cordoba
schien
die englische Flotte schließlich auch keine größere
Bedrohung, soweit er mit ihrem Auftauchen überhaupt rechnete. Immerhin hatte er 10 Tage alte Informationen, die englische
Flotte von Jervis bestehe lediglich aus 9 Schiffen, zähle also
kaum mehr Schiffe als einer der unter Land rückenden spanischen Cluster.
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Wieviele Schiffe ?
Zur
Annäherung zwischen beiden Flotten gibt es eine bekannte Geschichte
über Admiral Jervis, der mit seinem Kapitän Robert Calder
und dem
englisch-kanadischen Kapitän Benjamin Hallowell auf dem Achterdeck
der VICTORY (100 - Sir John Jervis) die Meldungen über
die wachsende Zahl der Gegner verfolgte. Dort soll sich folgender Dialog zwischen Calder und seinem Admiral zugetragen haben.
"8 Linienschiffe gesichtet, Sir John !"
"Gut."
"20 Linienschiffe gesichtet, Sir John !"
"Gut."
"25 Linienschiffe gesichtet, Sir John !"
"Gut."
"27 Linienschiffe gesichtet, Sir John !"
"Genug davon ! Die Würfel sind gefallen und wenn es 50 sind, ich werde mitten hinein steuern !" 6
Dieser
Wortwechsel ist eine etwas irreführende Anekdote, denn weder
war Cordobas Flotte zu diesem Zeitpunkt 27 Linienschiffe stark noch
konnten die englischen Ausgucks zu irgendeinem Zeitpunkt der Schlacht
25 spanische Linienschiffe ausmachen - weil die Briten nur 24 von
ihnen begegneten. Man denke dabei auch noch daran, das am
frühen Morgen noch immer Nebel oder zumindest Nebelbänke die
Sicht behinderten. Diese Geschichte mag aber zeigen, das Jervis und
seine Männer - sei es wegen ihrer veralteten Informationen, sei es
aufgrund der Meldungen der NIGER (32 - Foote) -
einfach 27 feindliche Schlachtschiffe erwarteten. Offensichtlich
ist ja sogar den meisten Chronisten bis heute
entgangen, das sich drei Linienschiffe vor Algeciras von Cordobas
Flotte getrennt hatten und zwei weitere (s.u.) kurz vor der Schlacht
noch außer Sicht der Briten waren.
Die Erwartungshaltung der Briten bezüglich der Zahl von 27 schien aber geradezu suggestiv. Eine
weitere merkwürdige Geschichte als Beispiel:
Jervis schrieb in seinem
ersten Bericht nach der Schlacht, Commander
Lindsay von der englischen Sloop BONNE CITOYEN (20) habe um
10:49 Uhr 25 feindliche Linienschiffe an die VICTORY (100
- Sir
John Jervis) signalisiert. Der Historiker William James verweist auf eine
diesbezügliche Eintragung - allerdings mit der Uhrzeit 11:00 - im Logbuch der
BONNE CITOYEN (20 - Lindsay). Das ist bekanntlich aus gleich drei Gründen eine
äußerst befremdliche Zahl:
Erstens waren, wie
gesagt, nur 24 spanische Linienschiffe in der Nähe, die drei
Schlachtschiffe aus Cadiz waren nicht mehr zu Cordobas
Flotte gestoßen.
Zweitens waren - wie wir noch sehen werden - um 10:49 die nach
Süden gesandten SAN PABLO (74 - Baltasar Cisneros) und die INFANTE
DON PELAYO (74 - Cayetano Valdes) sogar außer Sicht der Spanier.
Wie hätte dann die BONNE CITOYEN (20 - Lindsay) sie sehen können ?
Und
drittens war die VICTORY (100 - Sir John Jervis) um 10:49 , also
kurz
vor dem Beginn der Schlacht, in einer mindestens so guten
Beobachtungsposition wie die Kundschafter-Sloop. Warum sollte
Lindsay dem Flaggschiff dann dieses im Logbuch eingetragene Signal
flaggen ?
Eine Antwort lautet schlicht, das die Briten eine große Zahl von
Linienschiffen, annähernd 27 nämlich, erwarteten. Diese Erwartung machte vermutlich aus so
mancher Fregatte oder sogar einem in den Blick geratenen
Handelsschiff... ein Schlachtschiff !
Ich bezweifele aber, das
Jervis zu irgendeinem
Zeitpunkt mehr als 21 oder 22 feindliche Linienschiffe in
Sicht haben konnte,
während er sich der spanischen Flotte näherte. Zu diesem Zeitpunkt und auch später war der spanische Schiffscluster um das Flaggschiff herum wahrscheinlich auch nur schwer bis auf das Schiff genau zu zählen, so ungeordnet kamen Cordobas Schiffe daher ! Und die Zahl der verstreuten Schiffe der Vorhut zu bestimmen, mag ebenfalls schwierig gewesen sein. Die SAN
ANTONIO (74 - Salvador Medina) an der Spitze von Cordobas Haufen zum Beispiel hatte
sich recht weit von ihrer Flotte entfernt, wie man noch sehen wird.
Die
Beobachtungen der beiden englischen Fregatten
LIVELY (32 - Lord Garlies) und NIGER (32 - Foote) und
nachfolgend die Sichtungen der als
Späher gesandten BONNE CITOYEN (20 - Lindsay) vermittelten dem alten Admiral
aber in jedem
Fall das Bild eines Gegners, der durch seinen ungeordneten Aufmarsch
verwundbar war.
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The Naval History of Great Britain: During the French Revolutionary and Napoleonic Wars
von William James, Andrew Lambert Sprache: Englisch Gebunden - 568 Seiten - Stackpole Books Erscheinungsdatum: März 2003 |
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The Naval Chronicle: |
Die englische Formation
Um
8:15 befahl Jervis seinen Schiffen, die beiden Schlachtlinien enger
zusammenzuschließen. Noch war er sich nicht sicher, ob die
verstreuten Mastspitzen, die man ausmachen konnte, schon zu der angekündigten
Kriegsflotte gehörten. Jervis hatte nicht damit gerechnet, dem
Gegner in derartig aufgelöster Formation zu begegnen. Mit etwas
Verzögerung ließ er gegen 8:20 dann doch das Signal "Klar zum Gefecht"
geben.
Je näher der englische Flottenchef dann dem Gegner kam, desto mehr
verdichtete sich sein Eindruck, das er ungestraft von feindlichen
Breitseiten und Längsbeschuss die höchst lückenhafte
Front des Gegners
durchstoßen konnte. Nach und nach gingen auch die o.g.
Zahlenwerte über die Zahl der feindlichen Schiffe ein. Der Anblick
der chaotischen Regatta, die Cordobas Flotte den englischen Beobachtern
bot, dürfte kaum Ehrfurcht auf den englischen Schiffen
verbreitet haben, dafür aber große Zuversicht.
Um
11:00 waren die Briten keine Meile mehr
von den inzwischen kompakter anlaufenden Spaniern entfernt. Der
englische Admiral ließ den
Befehl signalisieren, sich vor und hinter dem Flaggschiff zu einer
Schlachtlinie zu formen. Jervis konnte eine riesige Lücke in der
Marschordnung der Spanier ausmachen, die sich zwischen Vorhut und
Hauptmacht auftat. Die englische Linie formierte sich innerhalb von
Minuten ohne Probleme.
In dieser Linie stand ausgerechnet die mit Bordmitteln wiederhergestellte CULLODEN (74 -
Troubridge) an der Spitze, gefolgt von BLENHEIM (90 - Frederick),
PRINCE GEORGE (98 - Konteradmiral Parker), ORION (74 - Saumarez),
COLOSSUS (74 - Murray), IRRESISTIBLE (74 - Martin), dem Flaggschiff
VICTORY (100 - Admiral Jervis), EGMONT (74 - Sutton), GOLIATH (74 -
Knowles), BRITANNIA (100- Vizeadmiral Thompson), BARFLEUR (98 -
Vizeadmiral Waldegrave), NAMUR (90 - Whitshed),
CAPTAIN (74 - Kommodore Nelson), DIADEM (64 - Towry) und EXCELLENT (74
- Collingwood).
Des englischen Admirals Plan war elementar. Um 11:30
signalisierte Jervis, das er
beabsichtigte, mit seiner Formation direkt in die spanische Flotte
hinein zu stoßen. Angesichts der noch immer chaotisch aufgestellten feindlichen Formation ging er damit selbst gegen die
zahlenmäßige Übermacht ein
verhältnismäßig geringes Risiko ein. Der krachende
Schulterschlag, den der raue Kapitän Hallowell in seiner Kampfbegeisterung seinem
Admiral verpasste, als dieser den o.g. Befehl gab, war möglicherweise ein größeres
Wagnis.
Der spanische Pulk
Schon am Abend
des 13. Februar hatten Schiffe aus Cordobas Flotte die Mastspitzen des
ein oder anderen englischen Schlachtschiffes gesichtet, jedoch
für Teile eines Konvois gehalten.
Auf Seiten der Spanier war es
am Morgen des 14. Februar bezeichnenderweise ein Linienschiff,
die ORIENTE (74 - Juan Suarez), die gegen 7:00 die ersten Segel
von Jervis Flotte auf der Leeseite bzw. nördlich der Flotte entdeckte und dies über die SAN ISIDRO
(74 - Teodoro Argumosa) an das Flaggschiff SANTISIMA TRINIDAD (130 -
Admiral Cordoba) weitergab. Die ORIENTE (74 - Suarez) hatte
die gesichtete Schiffe aber noch nicht als feindliche Flotte
identifiziert.
Alle acht spanischen Fregatten standen zu diesem
Zeitpunkt auf der Luvseite von Cordobas Flotte. Würde man eine
Metapher bemühen, könnte man auch sagen, die spanische Flotte
blinzelte einäugig und krabbelte sozusagen auf allen Vieren,
während der Gegner aufrechten Schrittes zum Angriff überging. Cordoba nahm
immerhin die Sichtungen der ORIENTE (74 - Suarez) zum
Anlass für einen Versuch, seine Schiffe wieder in eine
militärische Formation zu
bringen oder sie doch zumindest näher zusammenzuschließen.
Er selbst schrieb in seinem Bericht, er habe seiner Flotte befohlen,
sich in drei Linien zu ordnen. Mit Phantasie kann man diese Linien dann
auch im späteren Gefecht erkennen.
Gegen
8:00 hörte man
an
Bord der SANTISIMA TRINIDAD (130 - Admiral Cordoba) durch den
Nebel eine Reihe von Kanonenschüssen, vermeintlich aus Richtung
des südlich stehenden Handelskonvois. Die einzige mögliche
Quelle dieser Breitseiten, die ich finden konnte, war der erfolglose Angriff
einer
ungenannten portugiesischen Fregatte, vielleicht der
CARLOTTA (34 - Campbell) , auf zwei französische Handelsschiffe.
Der ereignete sich aber gar nicht im Süden, sondern im Norden
und zwar vermutlich noch weit hinter der englischen Flotte. Vielleicht führte
hier der Nebel die Spanier in die Irre. Woher die Explosionen
tatsächlich kamen, wurde aber nie
geklärt.
Cordoba
schickte daraufhin jedenfalls die Fregatte MATILDE (34 - Manuel
Vitoria) nach Südwesten und befahl über diesen Boten auch den beiden zur
Nachhut gehörenden Linienschiffen SAN PABLO (74 - Baltasar
Cisneros) und INFANTE DON PELAYO (74 - Cayetano Valdes), den Kurs zu
ändern, um beim Konvoi nach dem Rechten zu sehen 7.
Offensichtlich hatte der spanische Oberkommandierende die
heranrückende Gefahr aus dem Norden noch immer nicht
identifiziert. Seine Reaktion auf einige ferne Breitseiten im Nebel
sollte jedenfalls dazu führen, das zum Zeitpunkt des Beginns der
Schlacht zwei seiner 24 Schlachtschiffe 7 Meilen weit weg
und fast außer Sichtweite sein würden.
Auch
die zur
Vorhut
gehörende SAN ANTONIO (74 - Salvador Medina) war mit einem Duo von mit Quecksilber beladenen Korvetten 3 Meilen voraus und relativ weit ins
Lee der Flotte geraten. Medina
reagierte aber wenigstens umgehend auf den Rückruf
seines Admirals, gefolgt von den wertvollen Schiffen, die im Lee der SAN ANTONIO blieben.
Dessen Anstrengungen, seine verstreute Flotte in Linie zu bringen,
forderten zu diese Zeitpunkt offensichtlich die ganze Aufmerksamkeit der Spanier.
Als Cordoba gegen 10:00 über die SAN FERMIN (74 - Jose
Torres)
und die Fregatte PERLA (34 - Francisco Moyua) die Nachricht von der
wahren Identität der nahenden Flotte erreichte 2, waren aber die Bemühungen, eine oder mehrere
Schlachtreihen zu bilden, entweder fast gänzlich im Sande
verlaufen oder äußerst kläglich umgesetzt worden.
Auf
spanischer Seite heißt es, das der Flaggensignaldienst fast
völlig versagt habe, möglicherweise behindert durch
einige sich auflösende Nebelbänke. Da es jedoch auch
später zu signifikanten Problemen der Nachrichtenübermittlung
kam, geht man aber nicht sehr weit fehl, wenn man das hierachisch
aufgebaute spanische Signalsystem als Ursache wesentlicher Probleme
dieses Tages benennt: Dieses System war immer nur so wirkungsvoll wie
das schwächste Glied in der
Signalkette.
Die immer mehr aufklarende Sicht
enthüllte den Briten eine gänzlich unmilitärische spanische
Aufstellung.
Die Schlachtschiffe bildeten zu diesem
Zeitpunkt - abgesehen von den bereits genannten und distanzierten
Schiffen - zwei Klumpen : Einen größeren, kompakten aus 16
Linienschiffen um das Flaggschiff SANTISIMA TRINIDAD (130 - Admiral
Cordoba) und einen kleineren, verstreuteren Cluster aus 6
Linienschiffen mit der SAN ANTONIO (74 - Salvador Medina), ORIENTE (74
- Suarez), SAN FRANCISCO DE PAULA (74 - Jose Ussel), SAN
FERMIN (74 - Jose Torres), CONDE DE REGLA (112 - Konteradmiral
Fürst Amblimont) und PRINCIPE DE ASTURIAS (112 - Vizeadmiral
Moreno). In die klaffende, ja, einladende Lücke zwischen diesen
beiden Klumpen steuerten nun die 15 Linienschiffe der englischen
line of battle (Siehe Bild 1) . Ohne Jervis Verdienste schmälern zu wollen: Kein englischer Admiral hätte sich diese Chance entgehen lassen.
Cordobas Manöver - die Schlacht beginnt
Der
Kurs des britischen Keils führte vor den Bug der spanischen
Schiffe des Hauptclusters. Cordoba mußte erkennen, das er mit dem
Gros seiner Flotte diese Lücke nicht mehr rechtzeitig würde
schließen können. Jervis Keil drohte, die im Ansatz
entstehende spanische Schlachtlinie zu sprengen und den Gegner bei der Passage der Lücke der
Länge nach und damit höchst wirkungsvoll zu beschießen.
Cordoba
konnte deswegen
seinen Kurs nicht beibehalten und mußte entscheiden, ob er
mit einer allgemeinen Halse nach Norden drehen oder den Bug
seiner Schiffe in südliche Richtung legen sollte, um so auf
Parallelkurs zu den Briten zu gehen. Der Südkurs hätte die
Trennung von der Vorhut manifestiert, möglicherweise zu
Kollisionen geführt und den in Linie angreifenden Briten
zunächst eine zwei bis drei Schiffe tiefe Linie präsentiert,
in der wohl jede englische Kanonenkugel getroffen hätte. Zudem
wären infolge der Wende die englische Schiffe schneller gewesen
und hätten damit mehr Optionen für Manöver gehabt.
Cordoba
traf hier wohl die absolut richtige Entscheidung, als er das Signal zur
allgemeinen Halse gab.
Die Vorhut des spanischen Pulks kam nun dem
englischen Führungsschiff CULLODEN (74 - Troubridge) entgegen und
passierte Troubridges Steuerbordseite in rund 250 Metern Distanz. Beide
Seiten eröffneten das Feuer. Es war 11:30, die Schlacht vor Kap St. Vincent hatte
begonnen.
Schiffe der englischen Vorhut und des spanischen Pulks wechselten einige Breitseiten, wobei die Spanier infolge ihrer nachteilhaften Formation praktisch jede feindliche Kugel, aber auch so manches "freundliche" Geschoss aus den eigenen Reihen schluckten. Die kämpfenden Schiffe waren jedoch auf Gegenkurs und somit war dieses erste Gefecht schnell vorbei.
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Historische Schiffsmodelle von Wolfram zu Mondfeld Sprache: Deutsch Gebundene Ausgabe - 384 Seiten - Orbis Erscheinungsdatum: 1. August 2003 Die Bibel für Modellbauer historischer Schiffe ! |
Die Krise der COLOSSUS
Die spanische Vorhut
Die spanische Vorhut unter dem Kommando von
Vizeadmiral Moreno verhielt sich jedoch anders als Cordobas
Hauptstreitmacht: Moreno ließ die PRINCIPE DE ASTURIAS (112
- Vizeadmiral Moreno) wenden statt halsen und steuerte nach Süden,
gefolgt von drei anderen Schiffen der Vorhut.
Ausnahmen von
dieser Wende waren die weit vorgepreschte SAN ANTONIO (74 -
Medina), mit Westkurs noch immer auf dem Weg zurück zur Flotte,
und die ORIENTE (74 - Suarez).
Während die anderen Schiffe
der Vorhut den Bug nach Süden wendeten, machte die ORIENTE (74
- Suarez) eine Halse und steuerte nach Norden, wobei sie
auf größere Distanz Breitseiten mit der englischen PRINCE
GEORGE (98 - Konteradmiral Parker) wechselte, dann mit anderen
Schlachtschiffen aus der Linie und sogar mit den englischen Fregatten,
die im Lee der Linien von Jervis segelten.
Möglicherweise fiel der
erste Spanier sogar auf Kapitän Suarez Schiff, doch die ORIENTE
(74 - Suarez) entfernte sich bereits vom Ort des beginnenden
Schlacht. Der Grund für den Abschieds-Kurs des 74-Kanonen-Schiffes
ist nicht geklärt. Probleme in der Rigg wie einst bei der
französischen MONTAGNARD (74 - Jean-Baptiste-Francois
Bompart) am Glorious First June werden genannt, wahrscheinlich
war Kapitän Suarez aber auch schlicht desorientiert und sah sich
alsbald von englischen Schiffen, die meisten davon freilich Fregatten,
umringt. So suchte er dann sein Heil in der Flucht dorthin, wo keine
Engländer zu sehen waren.
Die
CONDE DE REGLA (112 - Konteradmiral Fürst
Amblimont) und die PRINCIPE DE ASTURIAS (112 -
Vizeadmiral Moreno) eröffneten währenddessen ebenfalls das
Gefecht und feuerten ihre Breitseiten zunächst auf die CULLODEN
(74 - Troubridge), dann auf die folgenden Feindschiffe in der Linie ab.
Moreno trachtete nach der Wiedervereinigung mit der Flotte und suchte seine
Chance, durch die englische Linie zu stoßen.
Jervis lässt wenden
An
Bord der VICTORY (100 - Sir John Jervis) mußte Admiral Jervis
auf Cordobas Manöver reagieren und ließ das
Signal zur Wende "Schiff für Schiff" setzen, um seine Schiffe herumzuwerfen und die spanische Flotte
zu verfolgen. Um 12:08 wehte das Signal aus und um 12:15 markierte
Troubridge mit der Einleitung des Manövers den Wendepunkt für
die englische Flotte.
Während
die CULLODEN (74 - Troubridge) mit
ihrem Bug durch den Wind ging, war hinter ihr das erste
größere Gefecht entbrannt. Die BLENHEIM (90 -
Frederick), PRINCE GEORGE (98 -
Konteradmiral Parker), ORION (74 - Saumarez) und COLOSSUS
(74- Murray) tauschten Breitseiten mit der auf ihrer
Backbordseite angreifenden PRINCIPE DE ASTURIAS (112 -
Vizeadmiral Moreno) und der CONDE DE REGLA (112 - Konteradmiral
Fürst Amblimont).
Die PURISIMA CONCEPTION
(112 - Vizeadmiral Morales de los Rios), Schlusslicht der nach Norden
strebenden spanischen Hauptmacht und auf der Steuerbordseite der Briten
stehend, nahm die englische Vorhut ebenfalls unter Feuer,
jedoch lediglich auf größere Distanz.
Gleichzeitig schlugen aber die Breitseiten von gleich drei
Engländern - der COLOSSUS (74 - Murray) , der ORION (74 -
Saumarez) und der PRINCE GEORGE (98 - Konteradmiral Parker) -
auf Morales Schiff ein. Was noch keiner ahnen konnte: Für die
PURISIMA CONCEPTION sollte nach diesem Feuerwechsel die Schlacht schon
vorbei sein, allerdings nicht wegen der 8 Toten und 21 Verwundeten, die die englischen Breitseiten forderten.
Während
die englische Vorhut wendete,
folgten ihr parallel Vizeadmiral Moreno und Konteradmiral Fürst
Amblimont mit ihren Schiffen. Die SAN FERMIN (74 - Torres) , FRANCISCO
DE PAULA (74 - Ussel) und die SAN ANTONIO (74 - Medina) kamen
jedoch bei weitem nicht nah genug an die Briten heran, zeitweise waren
auch die
beiden anderen spanischen Schiffe PRINCIPE DE ASTURIAS (112 -
Vizeadmiral Moreno) und CONDE DE REGLA (112 - Konteradmiral Fürst
Amblimont) in der Schusslinie. So konnte die immer weiter ins Lee
fallende Dreier-Gruppe um Kapitän Torres bestenfalls sporadisch und auf
größere Distanz die englischen Schiffe anvisieren. Ob sie
aus der großen Distanz überhaupt auf die Engländer schossen, ist nicht bekannt. Das Trio
segelte jedenfalls einen großen Bogen um den englischen
Wendepunkt, Moreno
und Amblimont dagegen machten einen sehr kleinen Bogen und setzten
erneut zum Angriff an.
Das
erste Schiff aus
der Vorhut, die ORIENTE (74 - Suarez), verabschiedete sich, wie bereits erwähnt,
inzwischen aus der Schlacht, verfolgt und durch Beschuss belästigt
von den englischen Fregatten LIVELY (32 - Lord Garlies), SOUTHAMPTON
(32 - James McNamara) und MINERVE (38 - George Cockburn). Dafür
hörten die Kommandanten der SAN PABLO (74 - Baltasar
Cisneros) und INFANTE DON PELAYO (74 - Cayetano Valdes), die weit
südlich vom Geschehen ihre Misson verfolgten, den Kanonendonner
der ersten Breitseiten und nahmen wieder Kurs auf ihre Flotte. Sie
hatten
einen langen Weg nach Norden vor sich und konnten eigentlich kaum noch
hoffen, in die Schlacht einzugreifen.
Bild 1
Bild 2
Inzwischen
hatte die CULLODEN (74 - Troubridge) erfolgreich gewendet, die
BLENHEIM (90 - Frederick) folgte ihr ohne Probleme, PRINCE
GEORGE (98 - Konteradmiral Parker) und ORION (74 - Saumarez)
taten es Kapitän Frederick gleich.
An Bord der spanischen PRINCIPE DE ASTURIAS (112)
hatte Vizeadmiral Moreno inzwischen realisiert, das Cordobas Schiffe in
Richtung Norden unterwegs waren und unternahm nun den Versuch, mit
seinem Schiff und der ihm folgenden CONDE DE REGLA (112 - Fürst
Amblimont) die englische Linie am Wendepunkt zu behindern oder sogar zu
durchbrechen.
Die englische COLOSSUS (74 - Murray) setzte
gerade zum Wendemanöver an, als sie sich dem heftigen Angriff
der PRINCIPE DE ASTURIAS (112 - Vizeadmiral Moreno)
und der CONDE DE REGLA (112 - Konteradmiral Fürst Amblimont)
gegenüber sah. Die über 100 Kanonen der spanischen
Breitseiten verwüsteten vor allem die Topps von Murrays Schiff und
verhinderten die Wende der COLOSSUS (74 - Murray) , deren
Hilflosigkeit sie zu einer potentiellen Beute der spanischen Vorhut machte.
Saumarez
von der ORION (74) hatte jedoch die
Klemme bemerkt, in der sein Kollege Murray steckte und versuchte,
seinem inzwischen beigedrehten Kameraden mit seinen Steuerbordkanonen
Feuerschutz zu geben. Er konnte aber nicht verhindern, das die PRINCIPE
DE ASTURIAS (112 - Vizeadmiral Moreno) dem mit dem Bug nach
Osten stehenden Havaristen eine schreckliche Breitseite ins Heck
verpasste. Endlich kam aber auch die IRRESISTIBLE (74 - Martin) an den
Wendepunkt und der bedrohten COLOSSUS (74- Murray) zur
Hilfe. Ihr folgte das Flaggschiff von Admiral Jervis,
dass das Duell mit den beiden spanischen Dreideckern aufnahm. Es war
dann auch die VICTORY (100 - Sir John Jervis), deren Breitseiten
schwere Treffer auf den beiden Spaniern erzielten, die vor allem die
Segeleigenschaften der PRINCIPE DE ASTURIAS (112 - Vizeadmiral
Moreno) beeinträchtigten und Moreno dazu zwangen, sein
bemerkenswertes Vorhaben aufzugeben. Der spanische Vizeadmiral hatte
immerhin riskiert, das sich die halbe englische Flotte auf
seine
beiden Schiffe stürzte und bekam auch von den anlaufenden EGMONT
(74 - Sutton) und der GOLIATH (74 - Knowles) noch einige Treffer. Dafür revanchierten sich Morenos beiden Schiffe buchstäblich mit ihren letzten Breitseiten, die durch die Takellagen von Suttons und Knowles Schiffe fetzten und die Geschwindigkeit der beiden englischen Zweidecker deutlich verringerten.
Admiral Jervis hätte an dieser Stelle natürlich versuchen
können, die "Spatzen" PRINCIPE DE ASTURIAS und CONDE DE REGLA zu
nehmen, doch offensichtlich war er hinter der "Taube" Cordoba her. Ob er diesen Weg auch eingeschlagen hätte, wenn er von dem Quecksilber-Konvoi gewußt hätte ? Zwei unglaublich wertvolle Korvetten glitten unter der Deckung der SAN ANTONIO zum Greifen nah vorbei, doch die Briten waren eher auf der Suche nach Truppentransportern. Die englischen Schlachtschiffe blieben jedenfalls in der Linie und verfolgten des spanischen Admirals noch
immer unordentlich lavierenden Haufen.
Cordobas Plan und Nelsons mad-man-Manöver
Die
CULLODEN (74 - Troubridge) hatte sich nach Troubridges perfekter
Wende an die Verfolgung der spanischen Flotte gemacht. Auf der Ostseite
des Pulks erlangte die CULLODEN, obwohl noch zwei Tage zuvor durch die
erwähnte Kollision schwer beschädigt, schnell
Anschluß an den davonstrebenden Feind. Das Schlußlicht in
der Leelinie (Ostseite) der Spanier bildete die SAN ISIDRO (74 -
Argumosa), auf die der Engländer nun das Feuer eröffnete. Die
beiden auf Distanz kämpfenden Schiffe holten schnell
gegenüber den anderen Spaniern auf
und Troubridge schickte sich an, sich auf deren Leeseite neben die
spanische
Flotte zu schieben.
Cordoba
war die Wende der Engländer
natürlich nicht verborgen geblieben. Der spanische Admiral hatte
noch immer das Problem, das seine Schiffe keine ordentliche
Kampfformation gefunden hatten. Die Spanier segelten z.T. drei Reihen
tief - also sozusagen in einer Lee-, Mittel-, und Luvlinie - und
hätten aus dieser Position heraus gegen eine aufschließende
englische Linie
weniger als 50% ihrer Artillerie zum Tragen bringen können. Doch
der spanische Admiral hoffte, sich mit dem nächsten Manöver
endlich zu sanieren. Er befahl nun, “Linie um Linie” 3 zu wenden und damit Schiff für
Schiff wieder auf den alten Nordost-Kurs zu bringen, diesmal aber
mit dem Ziel, seine Flotte zu einer einzigen, kanonenstarrenden
Schlachtlinie zu formen. Mit der Einleitung
des Manövers plante er, nicht nur seine Schiffe zusammen zu halten
und
Zeit für die Formation der Schlachtlinie zu gewinnen, im
Erfolgsfalle hätte Cordoba so den englischen Bemühungen
entgegen
wirken können, die spanische Nachhut in Überzahl
anzugreifen. Die
Spanier hätten auch den Windvorteil nützten können und
nach Lee freie Bahn für einen geordneten Rückzug gehabt.
Wäre Cordoba dieses Manöver also tatsächlich gelungen,
hätte Jervis wahrscheinlich nichts Entscheidendes mehr unternehmen
können.
Cordoba konnte bei seinen Planungen kaum mit
dem genialen Manöver eines ungehorsamen englischen Kommandanten
rechnen. Der spontane Plan, den in diesen Minuten Kommodore Horatio Nelson entwarf, war bis zu diesem Zeitpunkt undenkbar und
blieb in seiner Ausführung in vielerlei Hinsicht einzigartig,
obwohl die Marinegeschichte einige mehr oder weniger gelungene
Nachahmungen dieses mad man maneuver kennt.
Nelson,
dessen CAPTAIN (74) als drittletztes Schiff der englischen Linie noch
einiges an Weg zum Wendepunkt hatte, konnte auf seiner
Steuerbordseite die Entwicklung der spanischen Formation beobachten und
deren Folgen antizipieren. Der spätere Seeheld fasste darauf hin einen vermeintlich
selbstmörderischen Entschluss, der den bis zu diesem Zeitpunkt
unbekannten Kommodore in die Schlagzeilen und später in die
Geschichtsbücher katapultieren sollte. Nelson scherte mit der
CAPTAIN aus der englischen Schlachtlinie aus, wendete über den
Backbordbug, beschrieb eine 230°-Wendung , passierte hinter dem Heck
der DIADEM (64 - Towry) und vor dem Bug der EXCELLENT (74 -
Collingwood) und nahm mit seinem 74-Kanonen-Schiff Kurs genau vor den
Bug der SANTISIMA TRINIDAD (130 - Admiral Cordoba) und der sich um sie
scharenden Drei- und Zweidecker.
Bild 3 |
|
Dieser
Moment in der Schlacht
war nicht nur der Beginn der einzigartigen Karriere Nelsons, die Tat selbst stellt auch einen Wendepunkt in der Taktik der Royal Navy der damaligen Zeit dar.
Dazu verstieß der spätere Seeheld auch noch gegen die ausdrückliche Order ausgerechnet des
Disziplin-Freaks (!) Jervis.
Es ist m.E. die bedeutenste Tat des
Individualisten Nelson: Sein Manöver war gegen die Regel, gegen
den Befehl, schien selbstmördrisch, ja, geradezu verückt und
dumm. Nelson mußte damit rechnen, sein Schiff zu verlieren, seine
Karriere vollkommen zu ruinieren 4 und - bei allem Todesmut - das
Gespött der Royal Navy zu werden. Was wäre gewesen, wenn die Spanier die
CAPTAIN (74 - Kommodore Nelson) sang- und klanglos aus dem Wasser
gefegt hätten und dann die Front gegen Jervis hätten halten
können ? Dann hätte man Nelsons Manöver bestenfalls als
Herostratismus, schlimmstenfalls als geisteskrank gewertet. Nie wieder
später hat Nelson soviel risikiert, konnte Nelson auch noch einmal soviel riskieren.
Es war dieses Manöver, das an diesem Tag die Schlacht entschied. Nelson
handelte dabei wie ein Schachspieler, der zur Erlangung eines vernichtenden
Angriffs gegen die ungeordnete Stellung des Gegners einen Offizier als
Opfer anbot. Nicht einmal der Schlachtplan von Trafalgar kann sich an
Innovationskraft, Kühnheit und Genialität 5 mit diesem
Manöver messen. So gesehen ist dieser Moment der größte
und genialste Augenblick in Nelsons Karriere.
Die
CAPTAIN stieß gegen 12:30 auf einen schwerfällig
manövrierenden spanischen Pulk, dessen Leelinie gerade den Befehl
zum Wenden bestätigt hatte und nun den Bug nach Westen drehte. Der
riesige Vierdecker SANTISIMA TRINIDAD (130 - Admiral Cordoba), die
Dreidecker MEXICANO (112 - Konteradmiral Pedro Cardenas),
SALVADOR DEL MUNDO (112 - Antonio Yepes), SAN JOSE 13 (112 - Konteradmiral
Francisco Javier Winthuysen) und SAN NICOLAS (80 - Thomas Geraldino )
sowie die Zweidecker SOBERANO (74 - Juan Vincente Yanez)
und SAN ISIDRO (74 - Argumosa) fanden aber plötzlich querab
vor ihrem Steuerbordbug ein vergleichsweise eher zierlich gebautes
englisches 74-Kanonen-Schiff, das sich, Feuer und Rauch spuckend, auf
die mächtigen Schlachtschiffe stürzte und so versuchte, sie
abzudrängen. Der überraschte Cordoba hatte in den letzten
Minuten vergeblich
versucht, von den Schiffen der Luvlinie seines Pulks Bestätigungen
für das Signal zum Wenden zu erhalten. Nun sah er sich mit dem
neuen und völlig unerwarteten Problem konfrontiert,
den Zweidecker eines offensichtlich verrückten englischen
Kapitäns aus dem Weg zu räumen.
Nelsons
Ziel
bestand darin, die Spitze der Spanier mitten im Manöver hemmen und
der englischen Linie Zeit zu verschaffen, aufzuschließen.
Außerdem hoffte er nicht zu Unrecht , das die CAPTAIN (74 -
Kommodore Nelson), die sich bald inmitten der
Spanier befand, den Gegner vor die unangenehme Wahl stellen würde,
im Kampf gegen den frechen Angreifer den Beschuss eigener Schiffe in
Kauf zu nehmen. Nelson
mußte trotz aller spanischen Probleme natürlich damit
rechnen, das sein Schiff innerhalb von Minuten zum Wrack geschossen
würde. Und als die SANTISIMA TRINIDAD (130 - Admiral Cordoba),
SAN JOSE (112 - Yepes) und SAN NICOLAS (80 - Geraldino) der
CAPTAIN (74 - Kommodore Nelson) ihre Breitseiten zuwendeten, nahmen sie
in der Tat keine Rücksicht auf die anderen spanische
Schiffe. Doch das Unglaubliche geschah. Die konzentrierte
spanische Kanonade, geführt von der SANTISIMA TRINIDAD (130 -
Admiral Cordoba), blieb zunächst ohne große Folgen für
das englische Schlachtschiff, deren 74 Kanonen der Übermacht
standhielten. Auch wenn auf dem ein oder anderen in Pulverqualm
gehüllten spanischen Schiff - z.B. der SAN JOSE - nicht genug
ausgebildete Mannschaften für die Bedienung aller Kanonen und
Karronaden vorhanden waren, ist es erstaunlich, das nicht zumindest die
Takellage der CAPTAIN größeren Schaden nahm.
Nicht so die CULLODEN (74 - Troubridge),
die längsseits der SAN ISIDRO (74 - Argumosa) und SALVADOR
DEL MUNDO (112 - Yepes) die Linie herauf gekommen war, wobei sie
von den zwei bis drei Schiffen tiefen Reihen des Gegners profitiert
hatte. Die Spanier hatten ihre Feuerkraft gegen Troubridge nicht
entfalten können, während praktisch jede Kugel der CULLODEN
ihr Ziel beim Feind fand - wenn nicht auf dem ersten Gegner der Reihe, dann auf
dem zweiten oder dritten Feindschiff.
Troubridge eilte nun Nelson
zur Hilfe und bekämpfte fast 30 Minuten lang Seite an Seite mit
seinem Freund von der CAPTAIN die gewaltigen spanischen Dreidecker und das Flaggschiff.
Dann erreichte endlich auch die BLENHEIM (90 - Frederick) das
Kampfzentrum und gemeinsam mit der CULLODEN (74 - Troubridge) gelang es
Kapitän Frederick, die SAN ISIDRO (74 - Argumosa) und die SALVADOR DEL MUNDO
(112 - Yepes) lahm zu schießen. Schließlich - gegen 13:00
- kam Kapitän Frederick auch dem von der gewaltigen SANTISIMA TRINIDAD (130 -
Admiral Cordoba) bedrängten Nelson zur Hilfe. Für die
zeitweise von bis zu sechs spanischen Schiffen umringte CAPTAIN (74 -
Kommodore Nelson) zählte natürlich jetzt jede Minute und
jeder eingesparte feindliche Treffer.
Admiral Jervis, der
jetzt den eigentlichen Ort der Schlacht erkannte, signalisierte den
Schlußlichtern seiner Linie, der DIADEM (64 - Towry) und der
EXCELLENT (74 - Collingwood), die Wende sofort einzuleiten und Kurs auf
die CAPTAIN (74 - Kommodore Nelson) zu nehmen, um Nelson zu unterstützen.
Towry und Collingwood
hatten es von ihrem Wendepunkt aus nicht einmal so weit wie die VICTORY
(100 - Sir John Jervis) selbst. Damit begann eine weitere bemerkenswerte Fahrt
an diesem Tag, nämlich Collingwoods Reise an die Spitze der
englischen Linie !
Inzwischen
war es
der COLOSSUS (74- Murray) gelungen, wieder flott zu werden.
Kapitän Murray hatte es geschafft, seinen Zweidecker doch noch zu
wenden und sich
hinter dem Flaggschiff wieder in die Linie einzureihen.
Während
sich die VICTORY (100 - Admiral Jervis) und die COLOSSUS
(74- Murray) auf den Weg ins Zentrum des Kampfes machten,
näherte sich auf ihrer Backbordseite wieder die PRINCIPE DE ASTURIAS (112 - Vizeadmiral
Moreno), geführt und zeitweise wohl auch
geschleppt von der CONDE DE REGLA (112 - Konteradmiral Fürst
Amblimont).
In größerer Entferung von ihren
Landsmännern und nun endgültig zu weit abgetrieben, um in den
Kampf
einzugreifen, segelten die SAN FRANCISCO DE PAULA (74- Ussel),
SAN ANTONIO (74 -
Medina) und SAN FERMIN (74 - Torres).
Moreno erkannte indessen, das die Engländer im Zentrum der Schlacht offenbar ein halbes Dutzend spanischer Schiffe isoliert hatten und nun planten, diese zu "doppeln", also ihre temporäre Überzahl in Duellen "Zwei gegen Einen" einzusetzen. Der spanische Vizeadmiral unternahm alles, was ihm möglich war, um die Engländer
zu behindern und ließ erneut das Feuer auf die COLOSSUS
(74- Murray) eröffnen. Doch die Distanz zu den Briten wuchs wieder,
Morenos noch immer behinderte Schiffe schienen einfach zu langsam, um noch
entscheidend in den Kampf einzugreifen. Außerdem scheint es, das Konteradmiral Fürst Amblimont auf der CONDE DE REGLA (112) zu diesem Zeitpunkt tödlich verwundet wurde.
Vizeadmiral Moreno konnte aber bald neue Hoffnung schöpfen: Aus dem Süden kommend schoben sich weit vor der
PRINCIPE DE ASTURIAS zwei spanische Schiffe in das Sichtfeld
Morenos. Es waren die SAN PABLO (74 - Cisneros) und die INFANTE
DON PELAYO (74 - Valdes), die endlich ihre Flotte wieder in Sicht
hatten, nach Norden eilten und sich in Richtung Zentrum des Geschehens
bewegten. Sie sollten jedoch zu spät auf dem Schlachtfeld erscheinen, um
die Schlacht im Zentrum noch zu wenden.
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Historischer Schiffsmodellbau
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Nelson patentierte Enterbrücke für einen Dreidecker
Ob eine Breitseite der SANTISIMA TRINIDAD (130 - Admiral Cordoba), der SAN NICOLAS (80 - Geraldino) oder schlicht die Zeit den bereits perforierten Vordermast der CAPTAIN fällte, ist unbekannt. Jedenfalls fiel und hing das riesige Holz schließlich binnenbords. Dazu war auch das Steuerrad der CAPTAIN (74) zerschossen worden.
Nelsons
Linienschiff trieb auf die beiden Spanier SAN NICOLAS (80 - Geraldino) und SAN JOSE (112 - Konterdamiral Winthuysen) zu.
Damit wurde eher zufällig als gesteuert Nelsons zweite
große Tat an diesem Tag eingeleitet, wobei in den späteren
Erzählungen - wie in Heldengeschichten üblich - das ein oder
andere Detail der tatsächlichen Ereignisse verfälscht wurde oder in Vergessenheit geriet.
Später
z.B. selten
beachtet: Der größte Teil der Verluste auf den beiden
spanischen Schiffen, die Nelson nun entern sollte, war bereits
in den letzten beschriebenen Minuten des Trommelfeuers englischer
Schiffe entstanden. Auf beiden Schiffen
herrschte in dieser Phase Chaos, auf der SAN NICOLAS war Kapitän
Geraldino verwundet worden , auf der SAN JOSE war Konteradmiral
Winthuysen gefallen. Viele Männer, insbesondere unerfahrene
Crewmitglieder, hatten sich während des Beschusses in
Räume unterhalb der Wasserlinie ihrer Schiffes geflüchtet.
Die englischen Treffer hatten aus der SAN
NICOLAS (80 - Geraldino) sozusagen Treibgut gemacht, doch Nelsons Zweidecker ging es nicht viel besser.
Während
an Bord des Spaniers einige Kanonen wieder besetzt wurden und Geraldino
sein Duell
mit der ebenfalls fast hilflos dümpelnden CAPTAIN (74 - Kommodore
Nelson) wieder aufnahm, trieb die SAN NICOLAS (80 - Geraldino) gleichzeitig in
Richtung der SAN JOSE (112 - Pedro Pineda) .
Diese
war ebenfalls manövrierunfähig und lag noch immer unter dem
Beschuss diverser englischer Schiffe, eingehüllt von undurchdringlichem Pulverdampf. Beide spanischen Schiffe und
auch die CAPTAIN schossen vermutlich minutenlang auf schiere
Rauchwolken, weil sie den Gegner durch den Pulverqualm einfach nicht
mehr sehen konnten. Als Folge davon rammte schließlich die SAN
NICOLAS (80 - Geraldino) ihren Dreidecker-Kollegen, wobei sich ihr Bugspriet
ungefähr in Höhe des Hauptmastes über das Deck der SAN
JOSE (112 - Pedro Pineda) schob.
Trotz
dieser Behinderung feuerten beide Schiffe mit allem,
was möglich war, auf die CAPTAIN (74 - Kommodore Nelson). Diese
hatte ebenfalls ihre Manövrierfähigkeiten
eingebüßt, weil der Vormast noch immer über Bord hing
und das behelfsmäßige Ruder erneut von
spanischen Kugeln beschädigt wurde. Doch Nelson gelang es unter
Aufbietung der letzten Steuerressourcen, die sein verkrüppeltes
Schiff noch bot, sich mit dem Bug am Heck der SAN NICOLAS (80 -
Geraldino) festzusetzen.
Damit war er für die meisten Kanonen der Spanier im toten Winkel,
konnte aber seinerseits nur wenige Rohre zum Tragen bringen.
Und nun begann eines der spektakulärstes Entermanöver
der
Marinegeschichte. Nelson hatte zwar sicher erkannt, wie schwer der
englische Beschuss zuvor die SAN NICOLAS (80 - Geraldino) und ihre 630
Mann starke Crew
mitgenommen haben mußte, doch war die Lage der CAPTAIN (74 -
Kommodore Nelson) gegenüber der SAN NICOLAS (80 - Geraldino) alles
andere als günstig
für einen Enterangriff. Der mußte nach Lage der Schiffe
(Siehe Bild 4) Steuerbord achtern und über das
Heck des Spaniers vorgetragen werden. Eine organisierte Verteidigung
dieser neuralgischen Punkte hätte die englische Kletterattacke
sicher schnell gestoppt. Doch der englische Kommodore hoffte, dass das
Artilleriefeuer seiner Kollegen zuvor bereits große Breschen in
die
Verteidigungskraft der spanischen Crew geschlagen hatte und setzte auch
auf
den Überraschungseffekt.
Tatsächlich kamen die Briten,
angeführt von Kapitän Berry und Leutnant Pearson , der
die Soldaten des 69. Regiments 17 führte, aus dem Pulverdampf
und auch aus der unvorteilhaften Position ihres Schiffes unerwartet. Der Erfolg des Angriffs
läßt sich u.a. aus seiner Frechheit und der
ungenügenden Verteidigung des bereits stark zerschossenen
spanischen Schiffs erklären. Nelson, der persönlich an
der Attacke teilnahm und Kapitän Miller im Kommando der CAPTAIN
zurückließ, nahm zum Beispiel seinen Weg durch ein zerbrochenes
Heckfenster an der Galerie und mußte eine verschlossene
Kajütentür aufbrechen - nicht wirklich der ideale Weg, um ein
Schiff zu erobern.
Auf der Poop stießen die Briten offensichtlich
auch nur auf den Widerstand von Offizieren, unter ihnen Kapitän
Geraldino, der durch eine Kugel oder ein Bajonett fiel. Und
während die Engländer vom Heck her über das Schiff
strömten und auch den letzten Widerstand wegfegten, wurden sie auch schon vom
Heck der an der Backbordseite der SAN NICOLAS liegenden SAN JOSE (112 - Pedro Pineda) unter Feuer
genommen.
Der Dreidecker wiederum lag zu diesem Zeitpunkt auch noch
unter dem Feuer der PRINCE GEORGE (98 - Konteradmiral Parker), so das
Nelson sehr schnell zwei Entscheidungen traf. Er bat Kapitän
Miller um mehr Männer von der CAPTAIN und ließ Parker
signalisieren, er möge das Feuer einstellen. Inzwischen waren die
beiden spanischen Schiffe Seite an Seite getrieben und erleichterte so
den zweiten Enterangriff. Nachdem die PRINCE GEORGE (98 -
Konteradmiral Parker) das Feuer eingestellt hatte, befahl Nelson seinen
Männern, die SAN JOSE (112 - Pedro Pineda) zu entern. Auch dies eine
spektakuläre Entscheidung, denn die Crewstärke eines solchen
Dreideckers betrug in der Regel über 1000 Mann 8.
Nelsons
Männer stießen zwar zu Beginn ihrer
Attacke noch immer auf recht heftigen Widerstand, waren aber kaum
auf das Deck des spanischen Dreideckers gelangt, als bereits ein
spanischer Leutnant Nelson zurief, das Schiff habe die Flagge
gestrichen. Es wird sich wohl nicht endgültig klären
lassen, ob Kapitän Pineda die Feuereinstellung Parkers auf seiner
Backbord-Seite als Aufforderung zur Übergabe auffasste und Nelsons
Männer deswegen so schnell zum Erfolg gelangten oder ob es
tatsächlich der überwältigende Angriff einer unbekannten
Zahl von Männer der CAPTAIN auf der Steuerbord-Seite war,
der den Ausschlag
gab.
Nicht zu rütteln aber ist an dem Unikum der Situation: Nie
zuvor und nie wieder später gelang es einer Entertruppe, über
das Deck eines feindlichen Linienschiffes ein zweites Schlachtschiff
erfolgreich zu entern. Dieses Ereignis erlangte damals mehr Bewunderung
und Berühmtheit als Nelsons schlachtentscheidendes mad man maneuver und ging - mit zeitgemäßem, grimmigem Humor formuliert - als
"Nelson's patent bridge for boarding enemy vessels" in die Geschichte ein.
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Herrscherin der Meere
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Die Schlacht um die SANTISIMA TRINIDAD
Die
EXCELLENT (74 - Collingwood) hatte inzwischen ihren höchst
erfolgreichen Weg fortgesetzt und
hatte in die Schlacht um die SANTISIMA TRINIDAD (130 - Rafael Orozco 9 )
eingegriffen. Cordobas Flaggschiff hatte
nach dem Feuerduell mit der CAPTAIN (74 - Kommodore Nelson) und
später mit der CULLODEN (74 - Troubridge) besonders in dem
Dreidecker
BLENHEIM (90 - Frederick) einen harten Gegner gefunden.
Unterstützt wurde der spanische Vierdecker zu diesem Zeitpunkt nur
von der SOBERANO (74 - Yanez), die auf größere Distanz in
den Kampf eingegriffen hatte. Die an der Spitze der
kämpfenden Schiffe stehende MEXICANO
(112 - Konteradmiral Cardenas) war aber im Begriff, der SANTISIMA TRINIDAD
(130 - Orozco) zur
Hilfe
zu kommen.
Doch zunächst mußte die SANTISIMA TRINIDAD
(130 - Orozco) Collingwoods Angriff über sich ergehen lassen. Und
für das spanische Flaggschiff näherte sich schon die
nächste Gefahr: An der Luvseite der tobenden Schlacht stieß die IRRESISTIBLE (74 -
Martin) nach Norden vor, während die PRINCE GEORGE (98 -
Konteradmiral Parker) ihre Breitseiten nun auf das größte
spanische Schlachtschiff konzentrierte. Die SANTISIMA
TRINIDAD (130 - Orozco) verlor ihren Vormast, dann ihren Besanmast.
Collingwood, der sich rühmen durfte, an diesem Tag mit nahezu
jedem in den Kampf verwickelten Feindschiff Breitseiten
ausgetauscht zu haben, erstickte schließlich die Bemühungen
der MEXICANO (112 - Konteradmiral Cardenas) , Cordoba zu helfen ,
im Keim und begann ein furioses Duell mit Konteradmiral Cardenas
Schiff.
Weil
die SAN ISIDRO (74 - englische Prise) , SALVADOR DEL MUNDO
(112 - englische Prise), SAN NICOLAS (80 - englische Prise) und SAN
JOSE (112 - englische Prise) kapituliert hatten, griffen nun - es war gegen 16:00 -
weitere englische Linienschiffe in die Schlacht um das spanische
Flaggschiff ein. Während die englischen
Fregatten die eroberten Schiffe in Besitz bzw. in Schlepptau nahmen,
sahen sich die MEXICANO (112 - Konteradmiral Cardenas) , SOBERANO (74 - Yanez)
und SANTISIMA
TRINIDAD (130 - Orozco) bald auch noch der ORION
(74 - Saumarez) und der DIADEM (64 - Towry) gegenüber.
Diese beiden Schiffe zusammen mit der BLENHEIM (90 - Frederick)
und der IRRESISTIBLE (74 - Martin) bemühten sich nun, dem
spanischen Flaggschiff den Rest zu geben. MEXICANO
(112 - Konteradmiral Cardenas) und SOBERANO (74 - Yanez)
lagen im Gefecht mit
der EXCELLENT (74 - Collingwood) und der PRINCE GEORGE (98 -
Konteradmiral Parker).
Unter dem Feuer von vier englischen
Linienschiffen sank auf der SANTISIMA TRINIDAD (130 - Orozco ) schließlich die Flagge...18 und
wurde unter der Drohung, man würde sonst auf das spanische
Flaggschiff feuern, umgehend wieder gesetzt ! Das drohende Signal kam
von der DON INFANTE PELAYO (74 - Valdes), die endlich das
Zentrum des Kampfes erreicht hatte, gefolgt von der SAN PABLO (74
- Cisneros). In einigem Abstand zu den anlaufenden Rettern folgten die angeschlagenen
PRINCIPE DE ASTURIAS (112 - Vizeadmiral Moreno) und CONDE DE
REGLA (112 - Jeronimo Bravo).
Valdes und Cisneros
hatten bereits aus der Distanz das Feuer auf die BARFLEUR (98 -
Vizeadmiral Waldegrave) und die CULLODEN (74 - Troubridge) eröffnet, welche sich
schützend vor die CAPTAIN (74 - Kommodore Nelson) und ihre beiden
Prisen gelegt hatten. Valdes, der sicher stellen
wollte, das die SANTISIMA TRINIDAD (130 - Orozco) noch in spanischer
Hand war, setzte das genannte Signal, während seine Kanoniere sich
bereit machten, widrigenfalls auf das Flaggschiff zu schießen.
Doch Kapitän Orozco ließ die spanische Flagge wieder aufziehen und
setzte den Kampf fort.
Ermutigt von der endlich sich wieder auf dem
Rückweg befindlichen Hauptmacht der spanischen Flotte, die unter
Führung der PURISIMA CONCEPTION (112 - Vizeadmiral Morales)
gewendet hatte, stieß Valdes bis zur SANTISIMA TRINIDAD (130 -
Orozco) vor. Im Feuer der englischen Schiffe gelang es der INFANTE DON
PELAYO (74 - Valdes), den Bug der SANTISIMA TRINIDAD herumzuschleppen
und sich dann mit backgestellten Segeln schützend vor das
Flaggschiff zu manövrieren - ein Unternehmen, das den Männern auf dem Vierdecker eine Atempause von dem britischen Eisenhagel gab und ihnen ermöglichte, das Flaggschiff für den Rückzug vorzubereiten.
Alsbald scharten sich in der hereinbrechenden Dämmerung die SAN PABLO
(74 - Cisneros), CONDE DE REGLA (112 - Jeronimo Bravo) und PRINCIPE DE ASTURIAS (112 - Vizeadmiral
Moreno) um den Vierdecker. Das spanische Flaggschiff wurde
schließlich abgeschleppt und doch noch vor dem Zugriff der Engländer gerettet.
Während am Kopf des
Schlachtfeldes noch gekämpft wurde, hatte Admiral Jervis den
Fregatten den Befehl gegeben, die Prisen zu sichern. Die LIVELY (32 - Lord Garlies) und die
BONNE CITOYEN (20 - Lindsay) hatten bereits die SAN ISIDRO (74 - englische
Prise) in Schlepp genommen. Die wenig im Gefecht engagierten
NAMUR (90 - Whitshed), GOLIATH (74 - Knowles) und
EGMONT (74 - Sutton) deckten die SAN ISIDRO (74 - englische
Prise) und SALVADOR DEL MUNDO (112 - englische Prise). Die
VICTORY (100 - Sir John Jervis), die COLOSSUS (74- Murray) und die
BRITANNIA 16 (100 - Vizeadmiral Thompson) lagen schützend vor der SAN
JOSE (112 - englische Prise), SAN NICOLAS (80 - englische Prise) und
der CAPTAIN (74 - Kommodore Nelson).
Mit
der hereinbrechenden
Dunkelheit begannen die Spanier die SANTISIMA TRINIDAD (130 -
Orozco) aus der Kampfzone zu ziehen. An der nördlichen Spitze des Schlachtfeldes
endete das
Duell zwischen MEXICANO (112 - Konteradmiral Cardenas) und
PRINCE GEORGE (98 - Konteradmiral Parker), weil Parker im Nordwesten
den nahenden spanischen Pulk aus Rückkehrern um die PURISIMA CONCEPTION (112
- Vizeadmiral
Morales) ausmachen konnte.
Zwischen der SOBERANO (74 - Yanez) und der DIADEM (64
- Towry) , die inzwischen den Platz der EXCELLENT (74 - Collingwood)
eingenommen hatte, schwiegen gegen 17:00 auch die Kanonen. Alle im
nördlichen Teil des Schlachtfeldes noch schießenden
englischen Schiffe brachen schließlich auf Befehl ihrer Admirals
das Gefecht ab und formten eine schützende Linie
vor dem Zentrum, in dem die eroberten Schiffe schwammen. Die Seeschlacht vor Kap St. Vincent war vorbei.
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Die Bilanz der Schlacht Die hereinbrechende Nacht sah die Engländer trotz des Sieges in hektischer Aktivität. Beigedreht wurden gleichwohl alle Schiffen gefechtsbereit gehalten, Schäden repariert, Verwundete versorgt und Tote vorerst unter Deck gebracht. Nelson erschien an Bord der VICTORY (100 - Admiral Jervis) und wurde vom Oberkommandierenden überschwenglich empfangen. Jervis dankte seinem Untergebenen sozusagen für die Missachtung des Admiral-Befehls und setzte damit den amtlichen Stempel unter die Eigeninitiative des Kommodore. Die Euphorie des alten Admirals war berechtigt: Dank Nelsons Manövers hatte die englische Flotte ja erst die Schiffe um die SANTISIMA TRINIDAD von der Hauptmacht isolieren und doppeln können. Gegen eine zahlenmäßig überlegene Feindflotte von vermuteten 27 Linienschiffen hatte man dann vier spanische Schiffe erobert und dem Gegner schwere Verluste zugefügt. Die Engländer waren diesbezüglich vergleichsweise glimpflich davongekommen: Lediglich 73 Tote und 227 Verwundete gab es auf den 15 englischen Linienschiffen, wobei die CAPTAIN (74 - Kommodore Nelson) mit 24 Toten und 56 Verletzten an der Spitze der Verlustenliste stand. Die BRITANNIA (100 - Vizeadmiral Charles Thompson) und die EGMONT (74 - Sutton) - kaum im Gefecht gewesen - hatten dagegen so gut wie keine Verluste.
Die englische Verlustliste indiziert die mangelnde Kampfkaft
der unterbesetzten spanischen Flotte, zieht man die Größe
und Bewaffnung der spanischen Schiffe in Betracht. Die folgenden
spanischen Zahlen dagegen machen noch nachdenklicher, wenn man bedenkt,
das zwei der englischen Dreidecker und zwei der 74-Kanonen-Schiffe kaum an der Schlacht teilgenommen hatten: Am Morgen des 15. Februar waren Cordoba und Jervis jedenfalls nach wie vor in Sichtweite, doch der Weg der Spanier nach Cadiz war nun um den Preis ihrer vier verlorenen Linienschiffe frei. Jervis auf der anderen Seite lag jetzt im Lee der Spanier und verzichtete bei Tageslicht erst recht auf einen Angriff. Verständlich in Anbetracht seiner 4 Prisen, der noch nicht wieder einsetzbaren CAPTAIN (74 - Ralph Willet Miller 11 ) , der ebenfalls schwer angeschlagenen CULLODEN (74 - Troubridge) und COLOSSUS (74 - Murray) und der englischen Leeposition. Einer englischen Attacke hätte Cordoba diesmal wohl leicht begegnen oder ausweichen können.
Für die Spanier war an einen Angriff auf die
Briten, auch in vermeintlicher Überzahl, nicht zu denken. Nicht
zuletzt zeigten die Erfahrungen des Desaster am Tag zuvor, das die
spanische Schiffsartillerie aus vielen Gründen den englischen
Kanonen nicht gewachsen war. Mangelnde Besatzungsstärke, mangelnde
Erfahrung und schlechte Feuerdisziplin hatten dazu geführt, das viele
Kanonen am Vortag gar nicht oder sehr schlecht bedient worden waren. Noch in der Nacht hatte ein Kriegsrat dem Oberkommandierenden empfohlen, auf eine Fortsetzung der Schlacht zu verzichten
Die spanische Niederlage hatte aber tiefgreifende Konsequenzen in
Spanien, dessen maritimer Stolz und Selbstbewusstsein durch die
Niederlage - freilich zeitverzögert und im Kontext von
Finanzproblemen - schwer getroffen wurden. Dies um so mehr, als die
tatsächliche Schwäche der spanischen Flotte und Ursache der
Niederlage - Ressourcen- und Personalmangel - auch binnen absehbarer
Zeit nicht abgestellt werden konnte. Dafür sah sich die
Mittelmeerflotte bald darauf einer englischen Blockade vor Cadiz
gegenüber, gefolgt von englischen Bombardements des Hafens und der
Schiffe Anfang Juli. Monat um Monat wurde die militärische
Hilflosigkeit der spanischen Marine deutlicher. Eine größere
spanische Flotte sollte erst Jahre später wieder auslaufen... und
vor Kap Trafalgar enden.
Cordoba, sein
Zweitkommandierender Morales de los Rios und 11 Kapitäne 12
der
Schiffe, die nicht ins Gefecht gekommen waren, wurden im Dezember 1797
unter Arrest gestellt. Die Verfahren starteten nach langwierigen Untersuchungen jedoch erst im Mai 1799. Den
Engländern erging es natürlich besser:
Die vier eroberten Schiffe wurden
erst nach Lagos, dann nach Lissabon gebracht und erreichten
schließlich im Oktober Plymouth. Sie wurden in die Royal Navy
übernommen, doch nur die SAN JOSEF (Nun hieß sie
tatsächlich so) ging danach noch auf Feindfahrt. Die SAN
NICOLAS wurde zu einer Gefangenenhulk in Plymouth und die SALVADOR DEL
MUNDO zu einem Wach- und Wohnschiff.
FußnotenUm in den Text zurückzukehren bitte auf die Nummern clicken. 1 = Tatsächlich waren es ja 10 Linienschiffe, doch als der amerikanische Kapitän der englischen Flotte begegnete, war die CULLODEN (74) gerade anderweitig beschäftigt. 2 = Nach William James Naval History signalisieren hier zwei spanische Fregatten, SANTA CATALINA und PRECIOSA. In den spanischen Berichten tauchen diese beiden Schiffe aber gar nicht auf. Es ist zweifelhaft, ob sie überhaupt in der Nähe waren. 3 = Die innere Linie (Leelinie) wird zur Vorhut, die äußere Linie (Luvlinie) wird zur Nachhut. 4 = Sein Leben zu verlieren erscheint bei Nelson dagegen ohne Belang. Spätestens von diesem magischen Moment an wird der Seeheld praktisch alles angreifen, was schwimmt und eine Feindflagge führt. Ein Beispiel dafür sind seine mehrfachen und offensichtlich aussichtslosen Attacken auf Santa Cruz (Teneriffa) im Juli 1797, die ihn am Ende einen Arm kosten. War Nelson ein Adrenalin-Junkie ? Oder in seiner Ehe so unglücklich ? Ein von der Prädestinationslehre infizierter religiöser Fundi ? Ein kampfbesessener Karrierist ? Oder schlicht verrückt ? Wäre er lediglich ein strategisches Genie gewesen, hätte er sich doch auch mit einer Partie Schach zufrieden geben können, oder ? 5 = Nicht nur Genie und Wahnsinn liegen eng beieinander, auch unglaublicher Erfolg und lächerlichstes Versagen.
6 = "There are eight sail of the line, Sir John !" 7 = Dieses Manöver wird in englischen Berichten, z.B. in der Naval History von WilliamJames, ausgelassen. So mutieren diese beiden Schiffe der Nachhut bei James erst zu - ungenannten - Schiffen der Vorhut, später zu zwei der Schiffe, die Cordobas Flotte vor Algeciras verließen. In der Naval History werden also 8 Schiffe durch Jervis Stoß abgeschnitten, tatsächlich waren es aber nur 6 Spanier. 8 = Auf der zwar unterbesetzten SAN JOSE (112 - Konteradmiral Winthuysen) waren es zu Beginn der Schlacht immerhin noch 917 Mann. 9 = Admiral Cordoba hatte zu diesem Zeitpunkt definintiv schon auf die Fregatte DIANA (34 - Juan Jose Varela) gewechselt. Wann aber genau der Transfer geschah, ist mir nicht bekannt. Tatsächlich handelte es sich dabei nicht um eine Flucht. Spanische Flottenchefs hatten die Pflicht, sich aus dem Zentrum einer Schlacht heraus zu halten. Vergleiche hierzu auch die zweite Schlacht vor Algeciras.
10 = Soll heißen: Jervis hatte seinem Bericht vom 16. Februar 1797 zufolge mindestens drei Schiffe mehr und damit 19 unbeschädigte Gegner auf der Rechnung. Vielleicht aber ging er einige Stunden zuvor sogar von über 20 unbeschädigten Feindschiffen aus. In der Nacht zum 15. Februar 1797 waren die Engländer nämlich möglicherweise nicht sicher über die Identität der Schiffe, die die SANTISIMA TRINIDAD herausgehauen hatten. Die DON INFANTE PELAYO (74 - Valdes) und die SAN PABLO (74 - Cisneros) z.B. waren ja zu Beginn der Schlacht nicht in Sichtweite der englischen Flotte, kamen für die kämpfenden Briten wie aus dem Nichts und hätten durchaus Neuankömmlinge sein können. 11 = Nelson hatte seinen Kommodore-Stander zwischenzeitlich auf der IRRESISTIBLE (74 - George Martin) gesetzt.
12 = Verhaftet wurden Gonzalo Vallejo (ATLANTE),
Juan de Aguirre (GLORIOSO), Antonio Boneo (SAN JUAN NEPOMUCENO), Rafael
Maestre (SAN ILDEFONSO), Bruno Ayala ( FIRME), José Butler
(CONQUISTADOR), Salvador de Medina (SAN ANTONIO), Juan Suárez
(ORIENTE), Agustín Villavicencio ( SAN GENARO), Jose Ussel (SAN
FRANCISCO DE PAULA) und Jose Torres (SAN FERMIN). 13 = Das Schiff wurde von den Briten unter dem anglisierten Namen SAN JOSEF geführt und wurde durch Nelsons spektakulären Angriff auch unter diesem falschen Namen berühmt. Bis heute halten viele Chronisten hartnäckig an dem "f" fest. Das ist aber so, als würde man die englische CAPTAIN (74) als CAPITANO (74) verzeichnen. 14 = FORMIDABLE (80), JEAN-JACQUES (74), JEMMAPPES (74), MONT BLANC (74) und TYRANNICIDE (74) plus Fregatten ALCESTE, DIANA und VESTALE.
15 = Zumindest einer der Gegner Cordobas ist dieser Meinung. Am 15. Februar schrieb Kapitän Collingwood von der EXCELLENT (74) folgende Zeilen an Kommodore Nelson: Der größte Lohn gebührt Ihnen und der CULLODEN : Sie entwarfen den Plan für den Angriff, wir waren nur Helfer beim Ruin der Dons ; Wobei, wenn sie gewendet hätten, hätten sie sich schneller vereinigt und die Sache wäre weniger vollkommen gewesen... Natürlich ändert diese Meinung Collingwoods nichts an der chaotischen Formation, in der der spanische Admiral mit seinen Schiffen vor der Küste erschien. Man darf aber die persönliche militärische Niederlage Cordobas als unglücklich bezeichnen, ohne dafür seine Versäumnisse zu entschuldigen. 16 = Die BRITANNIA (100 - Vizeadmiral Thompson) segelte sich angeblich wie "ein Heuschober", war praktisch nicht im Gefecht gewesen und wurde auf dem Weg in die Schlacht von anderen englischen Schiffen überholt. Als sie im Zentrum eintraf, war die Schlacht schon so gut wie zu Ende. 8 Jahre später sollte ein Kapitän mit dem Namen Charles Bullen dem lahmen Schiff mit der Verbrennung drohen. Bullen versuchte verzweifelt, an der Schlacht von Trafalgar teilzunehmen, kam aber - wie gehabt - erst gegen Ende des Kampfes zu einigen Breitseiten. 17 = Die Stationierung eines regulären Infanterieregiments an Bord der englischen Schiffe war zu dieser Zeit nichts Aussergewöhnliches. Bei den 69ern handelte es sich um eine kampferfahrenes Truppe, was 1797 durchaus noch nicht selbstverständlich war. 18 = Es wurde auf diesen Seiten immer wieder erwähnt, das im Verlaufe von Gefechten Flaggen auch infolge des Beschusses niedergingen, was natürlich der Gegner gern als Kapitulation betrachtete und entsprechend reklamierte. Hier ist einmal mehr ein derartig umstrittener Fall. Die Aufforderung von der DON INFANTE PELAYO (74 - Valdes), die spanische Flagge wieder zu setzen, war aber entgegen der Meinung einiger spanischer Historiker keineswegs eine höfliche Frage nach dem Status des Schiffes, sondern durchaus eine hitzige Drohung von Valdes ! 19 = Nelsons Rolle in der Schlacht taucht im offiziellen Bericht gar nicht auf. Der - wie erwähnt - extrem kurze Bericht seines Admirals erwähnt weder das geniale Manöver noch den spektakulären Enterangriff auf die beiden spanischen Dreidecker. Der Presse in London wurden seine Taten zunächst nur gerüchteweise bekannt, schließlich wurde die Öffentlichkeit durch einen - unbekannten - englischen Kapitän in den Gazetten über die Taten der CAPTAIN (74 - Nelson) informiert.
Copyright © 2007 by T. Coladores
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