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SEESCHLACHT.TK - Das 2. Buch
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815 |
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SEESCHLACHT.TK - Das Buch
Napoleons gefallene Göttinnen |

* 1. Mai 1762 in Port Louis, Frankreich † 2. März 1828 in Toulon, Frankreich
Zacharie Jacques Theodore Allemand wurde am 1. Mai 1762 als Sohn eines Kapitäns der Französisch-Ostindischen-Company in Port Louis geboren.
Seine Laufbahn als Seemann begann bereits im Alter von 12 Jahren, doch erst 1778 meldete er sich als Freiwilliger zur Kriegsmarine und segelte während des Amerikanischen Unabhängigeitskrieges im Geschwader Suffrens im Indischen Ozean. 1783 hatte es der begabte Seemann bis zum Leutnant (petit corpse) gebracht, freilich gegenüber adeligen Offizieren lediglich ein Leutnant zweiter Klasse, denn weder hatte er die Befehlsgewalt eines adeligen Leutnants noch dessen Aufstiegsmöglichkeiten.
1786 verließ er den Indischen Ozean und diente in der Folge auf Schiffen in amerikanischen und karibischen Gewässern. Die Französische Revolution sorgte 1792 und 1793 für einen Karriereschub. Allemand avancierte zunächst zum Leutnant (lieutenant de vaisseau), wurde dann mit Ausbruch des Krieges gegen England Kapitän und schließlich noch 1793 sogar Kommandant eines Fregatten-Geschwaders. Angeführt von seinem Schiff CARMAGNOLE (40) gingen die Fregatten im Kanal auf Prisenjagd.
Am 24. Oktober 1793 gelang es ihm, die erste britische Fregatte des Krieges zu erobern. Allerdings profitierte Allemand bei seinem Fang von einem Duell zwischen der französische Fregatte URANIE (40 - Kapitän Tartue †) mit der englischen Fregatte THAMES (32 - James Cotes). Nach hartem Kampf wurden die beiden schwer angeschlagenen Fregatten getrennt und das Geschwader Allemands, bestehend aus CARMAGNOLE (40), RESOLUE (36), SEMILLANTE (36) und ESPIEGLE (16), konnte die THAMES "aufsammeln" bzw. erobern.
Anfang 1794 lief die CARMAGNOLE (40) bei der Jagd auf ein britisches Handelsschiff auf und mußte zu Reparaturen in die Werft. Vielleicht war Allemand deswegen beim Desaster seines Geschwaders in der Fregatten-Schlacht vor der Ile de Batz am 23. April 1794 nicht dabei.
Dafür wurde er Kommandant des 50-Kanonen-Schiffes EXPERIMENT (50) und führte ein Fregattengeschwader, bestehend aus VENGEANCE (40) und FELICITE (36) sowie den Korvetten MUTINE (14) und EPERVIER zum Handelskrieg an die Westküste Afrikas. Am 28. September 1794 plünderte er den britischen Stützpunkt Sierra Leone und machte reiche Beute. Den Rest des Jahres 1794 attackierte das Geschwader systematisch Stützpunkte und Handelsschiffe der offenbar ungeschützten Küste Westafrikas und erbeutet dabei rund 200 Schiffe.
1795 wurde Allemand Kommandant des Linienschiffs DUQUESNE (74) und gehörte als Kommodore zur Mittelmeerflotte von Konteradmiral Pierre Martin. Die DUQUESNE nahm u.a. an den Seeschlachten vor Genua und Hyeres teil. Doch auch zwischen dem Admiral und dem Kommodore herrschte Krieg: Allemand kritisierte heftig und permanent die Operationen seines Flottenchefs und wäre beinahe vor einem Kriegsgericht gelandet, doch Martins mäßige Erfolge im Mittelmeer führten lediglich zu einer Abkommandierung des streitbaren Kommodore.
Im Geschwader von Konteradmiral Richery verließ Allemand im Herbst 1795 das Mittelmeer und nahm am 8. Oktober 1795 am Geleit-Gefecht vor Kap St. Vincent teil.
Mit einem kleinen Geschwader fügte Allemand bis 1796 der englischen Handelsschifffahrt vor der nordamerikanischen Küste schweren Schaden zu. Doch seine Schiff- und Geschwaderführung erwies sich als brutal und rücksichtslos, insbesondere die Crews hatten unter Allemand zu leiden. Deswegen wurde er im November 1796 bei seiner Ankunft in Brest seines Kommandos enthoben und zunächst aus dem Dienst entlassen.
Erst 1799 findet man Allemand wieder im aktiven Dienst. Als Kommandant des Linienschiffs TYRANNICIDE (74) nahm er am 25. April 1799 an Vizeadmiral Eustache Bruixs Ausbruch aus Brest teil. Bruix Flotte segelte ins Mittelmeer, über Toulon nach Genua und wieder zurück, um im August 1799 ohne nennenswerte Erfolge wieder in Brest anzukommen.
Allemand diente einige Monate unter Vizeadmiral Louis Rene Latouche-Treville, der Bruix ablöste, doch auch mit diesem Vorgesetzten stand der streitbare Kommodore nicht gut. Folgerichtig wurde er 1800 wieder abgelöst.
1801 findet man Allemand als Kommandant der AIGLE (74) in Brest, später auf der MAGNANIME (74) in Rochefort. Am 11. Januar 1805 war er mit seinem Schiff Teil des französischen Geschwaders unter Konteradmiral Edouard-Thomas Missiessy, das der britischen Blockade vor Rochefort entkam und Kurs auf die Karibik nahm. Dort sollte Missiessy u.a. die französischen Truppen auf Santo Domingo unterstützen, britische Besitzungen erobern und sich später mit der aus Europa kommenden Flotte von Villeneuve vereinigen. Der Admiral erledigte seinen Auftrag jedoch nur unvollständig und kehrte mit dem Geschwader am 20. Mai 1805 nach Rochefort zurück (Zu Missiessys und Allemands Fahrten siehe ARMIDE). Der unzufriedene Napoleon ließ Missiessy umgehend ablösen, Kommodore Allemand übernahm das Geschwader.
Am 16. Juli 1805 gelang es Allemand mit seinem Geschwader, die Blockade vor Rochefort zu durchbrechen. Eigentlich sollte er sich mit der aus der Karibik zurückgekehrten Flotte von Villeneuve vereinigen, doch ein Rendevous scheiterte (Siehe auch das Schicksal der DIDON).
Bis zum 23. Dezember 1805 machte Allemand dafür den Atlantik zwischen Nordwest-Afrika und Irland unsicher. Neben zahlreichen Prisen eroberte er am 25. September 1805 auch den britischen Zweidecker CALCUTTA (50 - Daniel Woodriff). Obwohl sein Geschwader von den Briten gejagt wurde, bekamen deren Kampfverbände Allemands Schiffe nie in Sicht, weswegen man seine Schiffe auch das "Unsichtbare Geschwader" oder "Phantomgeschwader" nannte.
Obwohl sich seine Offiziere über Allemands Grobheit beschwerten und auch der Marineminister Decres dem Charakter Allemands ablehnend gegenüberstand, war der rüde Flaggoffizier nach Napoleons Geschmack. Folgerichtig stieg Allemand am 3. Januar 1806 zum Konteradmiral auf.
Im März 1809 wurde Allemand zum Vizeadmiral befördert und löste Konteradmiral Willaumez im Kommando des blockierten Geschwaders in Rochefort ab. Vor dieser Reede hatten sich bereits starke britischen Kräfte unter Admiral Lord Gambier gesammelt und der Angriff stand unmittelbar bevor. Er kam am 12. April 1809 unter Führung von Kapitän Thomas Cochrane, der Brander gegen die vor der Ile d'Aix liegenden französischen Linienschiffe einsetzte. Allemand, der wahrscheinlich auf den Einsatz von Brandern nicht vorbereitet war, brachte sein Flaggschiff OCEAN (120) in der Flussmündung der Charente in Sicherheit, mußte aber mit ansehen, wie sein Offizierskorps in Panik geriet. Obwohl die britischen Pläne an sich scheiterten, sorgte die Desorganisation und Führungsschwäche der französischen Kommandanten für ein Desaster und gipfelte im Auflaufen bzw. der Vernichtung der meisten Linienschiffe des Geschwaders.
Allemands Rolle bei dieser schweren Niederlage ist umstritten und wurde damals gar nicht erst geklärt, offiziell traf den Vizeadmiral kein Vorwurf. Für einige seiner Kapitäne aber bedeutete die Niederlage eine Verurteilung vor dem Kriegsgericht, für einen - Kapitän Lafon von der CALCUTTA - sogar das Todesurteil, pikanterweise an Bord der OCEAN (120) vollstreckt. Unter den Offizieren in Rochefort wuchs Empörung, namentlich Lucas kritisisierte seinen Admiral. Allemand wurde jedoch in ein Kommando der Mittelmeerflotte nach Toulon versetzt und mußte nicht einmal vor dem Kriegsgericht aussagen.
In Toulon legte der Vizeadmiral sich mit dem dortigen Marinepräfekten Emeriau an und wurde nach ständigen Konflikten 1811 in das Kommando der Brester Flotte versetzt. Auch dort erwies sich Allemand als extrem streitlustig und rüde. 1813 verweigerte er eine Versetzung in das Kommando der Flotte in Vlissingen, weil er dort unter dem Oberkommando von Missiessy hätte dienen müssen. Damit war Allemands Karriere im Kaiserreich beendet.
1814 empfing er Anerkennung des wiederentstandenen Königreichs, als er Mitglied und einen Monat lang sogar Präsident der Akademie der Wissenschaften wurde. Der französische König schlug ihn zum Ritter des Ordens Saint Louis.
Widersprüchlich sind die Quellen bezüglich seines Verhaltens während der Hundert-Tage-Herrschaft :
Jaques schreibt, er habe um ein Kommando nachgesucht und sei zurückgewiesen worde. Andere Quellen sprechen davon, man habe ihm ein Kommando angetragen, doch Allemand habe abgelehnt.
Nach dem Kaiserreich versuchte er, den aktiven Dienst wieder aufzunehmen, doch auch die royale Marine wollte ihn nicht. So widmete sich Allemand, der nahe Toulon sein Anwesen gewählt hatte, der Freimaurerei und gründete eine Loge mit sich selbst an der Spitze. Am 2. März 1828 starb Vizeadmiral Zacharie Allemand in Toulon.
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