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Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815 Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802 von Thomas Siebe Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010 Bei AMAZON bestellen Mehr Infos Beispiel-Seiten Beispiel 1 - Beispiel 2 - Beispiel 3 |
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Der getauschte Tod Das Buch enthält zwei längere und zwei kürzere Erzählungen, |
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Die Geister-Brigg
von Thomas Siebe
© 2006
Homo homini lupus est. (Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf)
Thomas HobbesUnsere Sloop stand rund 600 Meilen südlich von Cabo Verde und rund 300 Meilen westlich vor der Küste Afrikas. Wir waren in eine Flaute geraten und hatten uns angesichts des wolkenlosen Himmels auf eine längere Windstille eingestellt. Nur selten ging ein Lufthauch und die Nachtruhe fiel meiner Crew angesichts der Wärme und der stehenden Luft schwer. Zu Beginn der Morgenwache, also um 4:00, kam immerhin so etwas wie eine leichte Brise auf, die freilich nicht einmal unsere Segel bewegte. Dafür brachte sie von unserer Luvseite her einen immer stärker werdenden üblen Geruch, der die Nachtruhe auf der windzugewandten Seite des Schiffes vollkommen zunichte machte. Mein erster Offizier Leutnant O ́Killy ließ mich schließlich benachrichtigen, das der Gestank immer unerträglicher werde und er um die Gesundheit des Schiffes fürchte. Als ich an Deck kam, erkannte ich diese Pestilenz sofort, denn ich hatte damit bereits bei der Verteidigung von Acre anno 99 Erfahrungen gemacht. Es war der Gestank von Verwesung und Tod, der da mit jedem kleinen Luftzug zu uns herüber wehte. Wir versuchten vergeblich, auf unserer Luvseite etwas zu entdecken. Ich vermutete zunächst einen toten Wal, der irgendwo in der Dunkelheit treiben mochte, dann rief plötzlich einer der Männer aus der Takelage, das er ein Schiff erkennen könne.
Mit der Morgendämmerung konnten wir es dann auch sehen. Es handelte sich um eine Brigg von rund 175 Tonnen, deren Klüver und Vorsegel standen. Der Besanbaum schlug trotz der Flaute gelegentlich leicht aus, offensichtlich war an Bord niemand am Steuer. Die Leute flüsterten bei diesem Anblick sofort, die Brigg sei ein Geisterschiff. Wenigstens erklärte das den faulen Odem, der mit jeder Luftbewegung unsere Nasen peinigte und die Gesundheit meines Schiffes bedrohen konnte. Ich ließ deswegen sofort die großen Ruder ausbringen, um die Sloop aus dem Lee des Totenschiffes zu rudern. Immerhin war die Wahrscheinlichkeit, das an Bord des Geisterschiffes eine Seuche geherrscht hatte, groß. Dies verpflichtete mich als Kommandant eines englischen Kriegsschiffes aber auch, den möglichen Seuchenherd zu inspizieren.
Nachdem wir uns aus dem faulen Wind gerudert hatten, brachten wir also mühevoll unser Schiff in einiger Distanz um das Heck der Brigg herum und konnten ihren Namen auf dem Spiegel lesen. Das Schiff hieß MONKEY und war offensichtlich in einem amerikanischen Hafen zuhause. Während wir die Brigg passierten, erkannten wir an Deck liegend auch schon den ersten toten Körper. Dem Anblick nach lag dieser Mensch dort schon seit längerer Zeit. Entweder hatten die Möwen und Ratten sich bereits ausgiebig an der Leiche zu schaffen gemacht oder der Tote war das Opfer erheblicher Gewalteinwirkung geworden. Jedenfalls bot schon dieser ferne Blick auf die menschlichen Überreste eine grauenhafte Aussicht, was uns an Bord erwarten mochte. Wir näherten uns der MONKEY nun mit dem Wind und setzten rund eine Kabellänge entfernt ein Boot aus. Weil ich davon ausgehen mußte, das eine Seuche die Besatzung der Brigg getötet oder auch vertrieben hatte, wollte ich keinen meiner Männer dazu zwingen, mit mir an Bord zu gehen. Es mußte aber das Logbuch geborgen und das verseuchte Schiff gegebenenfalls versenkt werden. Es fanden sich schließlich vier Freiwillige, die sich gegen ein erhöhtes Prisengeld bereit erklärten, mich zu begleiten. Ich schärfte meinen Männern zuvor ein, eventuell entdeckte Leichen nicht zu berühren, auch sonst möglichst wenig anzurühren und reichlich Gebrauch von dem mit Essig getränkten Tuch zu machen, das wir uns alle vor Mund und Nase hielten, während wir an Deck der MONKEY sprangen.
Zuerst ließen wir das Besansegel herunter und strichen das Vorsegel. Bei dieser Gelegenheit stießen wir auf eine weitere Leiche. Der tote Mann hing im achterlichen Niedergang und es konnte kein Zweifel über die Ursache seines Todes geben, denn das Messer stak noch zwischen seinen Schultern. Bei der weiteren Durchsuchung wurde deutlich, das keine Krankheit die MONKEY zum Totenschiff gemacht hatte. Alle Leichen, die wir fanden, trugen deutliche Zeichen von Gewalteinwirkung. Mittschiffs stießen wir im Laderaum auf vierzehn tote Männer, ausnahmslos Schwarze, die ohne Zweifel in einem erbitterten Kampf gefallen waren. Sie waren zum Teil schrecklich zugerichtet. Einige - so schien es - waren sogar skalpiert worden. Die meisten dieser Männer waren durch Musketen- oder Pistolenkugeln ums Leben gekommen, einige aber auch durch Hieb- oder Stichwaffen getötet worden. Im Vorschiff entdeckten wir unter Deck eine ähnliche Anhäufung von Leichen wie mittschiffs, jedoch fast ausschließlich Weiße. Auch unter ihnen fanden wir auffällig viele Männer, denen das Haar mit der Haut vom Kopf gerissen worden war.
Weil wir schon bei der ersten flüchtigen Durchsuchung auf Geld und allerlei wertvolle oder nützliche Dinge stießen, war der Angriff offensichtlich nicht von außen gekommen, denn warum sollte ein äußerer Feind die Wertgegenstände und das Prisengeld verschmähen ? Offensichtlich hatte also eine Meuterei stattgefunden, doch keines der Beiboote fehlte. Wo waren dann aber die Sieger dieses Gemetzels ? Am Ende unserer ersten flüchtigen Durchsuchung hatten wir alle den selben Verdacht : Die Besatzung der MONKEY hatte sich gegenseitig umgebracht !
Nun, da eine Krankheit als Ursache der Katastrophe ausschied, konnten wir das Schiff in Besitz nehmen und mit einer größeren Zahl von Männern durchsuchen. Die Freude über das Prisengeld war bei meinen Männern allerdings verhalten, denn die MONKEY war uns allen nicht geheuer. Was war an Bord der Brigg geschehen ? Die Antwort auf diese Frage zu finden, konnte ja durchaus auch für uns wichtig sein, weswegen ich unsere Nachforschungen intensivierte. Wir suchten vor allem das Logbuch, das zunächst aber verschollen blieb. Dafür stießen wir weiterhin überall an Bord auf Leichen, selbst in die wassergefüllte Bilge schien sich ein Mann geflüchtet zu haben. Wir fanden schließlich auch die Leiche des Kapitäns, der sich in der kleinen Pulverkammer des Schiffes verschanzt hatte. Man konnte durch die kleine, in die Tür eingelassene Scheibe seinen Körper gut sichtbar zwischen den Pulverfässern liegen sehen. Als wir die Tür öffneten, machte es ein seltsames Geräusch, eine Art Schnappen, das wir uns zunächst nicht erklären konnten. Erst als wir den toten Körper bewegten, erkannten wir mit Entsetzen unter der Leiche eine Pistole, deren Abzug durch einen starken Zwirn mit der Tür verbunden war. Das Schnappen war also der auf den Block niederschnellende Hahn der Waffe gewesen und das wir nicht alle in die Luft geflogen waren, verdankten wir einem unwahrscheinlichen Glücksfall: Die auf dem Feuersteinmechanismus lastende Leiche hatte das Auslösen des Funkens verhindert. Die primitiv, aber effektiv konstruierte Höllenmaschine hatte offensichtlich zur Abschreckung der Meuterer gedient.
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Das verschollene Schiff
von Wilder Perkins
Sprache: Deutsch
Broschiert - 283 Seiten - Goldmann
Erscheinungsdatum:2002
Leutnant Bartholomew Hoare ist der Sherlock Holmes der napoleonischen Ära. Mit dem Handicap einer versagenden Stimme, dafür aber mit einem messerscharfen Verstand ausgerüstet löst Hoare den Fall des verschwundenen Schiffes, während der Autor dem Leser einen wunderbaren Einblick in diese Ära gibt.
Tatsächlich versetzte sogar die entschärfte Falle meine Crew noch in Angst, denn nachdem sich herumgesprochen hatte, das wir nur durch Zufall alle knapp dem Tod entronnen waren, bewegten sich meine Männer nur noch höchst widerstrebend und vorsichtig durch das Schiff. Auch mir schauderte es, doch trotzdem setzte ich die Untersuchung fort: Der Kapitän war blutüberströmt und trug wie seine Crew die Spuren eines Kampfes auf Leben und Tod. Die Verletzungen, die er erlitten hatte, hatten ihn offensichtlich daran gehindert, sein Gefängnis wieder zu verlassen. Am Ende war er wohl seinen zahlreichen Verwundungen erlegen. Sein schrecklich verzerrtes Gesicht deutete darauf hin, das er nicht leicht gestorben sein konnte. In der Pulverkammer fanden wir dann auch endlich das Logbuch der MONKEY, das offensichtlich achtlos auf den Boden geworfen worden war. Ich verlor keine Zeit, es zu lesen, denn an Bord mochten weitere Fallen und Gefahren lauern, wie uns der Vorfall in der Pulverkammer vor Augen geführt hatte.
Bei der MONKEY handelte es sich tatsächlich um ein aus Boston stammendes amerikanisches Schiff, das mit einem portugiesischen Kaperbrief versehen vor den Küsten Südamerikas und Westafrikas Jagd auf französische und spanische Schiffe gemacht hatte. 50 Mann Besatzung waren an Bord gewesen und der Beutezug hatte noch gar nicht recht begonnen, als der Kapitän Mahagonias Brightwell die erste interessante Logbucheintragung machte:
2. September 1805
7. Wache5 Glasen (22:00) - In S/SO Feuerschein, vermutlich brennendes Schiff. Setzen Kurs auf das Feuer. Brightwell
7 Glasen (23:00) - Lichterloh brennender Schoner voraus. Grässliche Schreie waren zu hören, doch wir konnten weder an Bord noch im Wasser Menschen erkennen. Brightwell
3. September 1805
1. Wache3 Glasen (1:00) - Namenloser Schoner gesunken, bisher keine Überlebenden geborgen. Brightwell
5 Glasen (2:00) - Suchten mit Jolle und Gig an der Untergangsstelle nach Überlebenden. Keine Spur von der Besatzung des unbekannten Schiffes. Gott sei ihren armen Seelen gnädig. Brightwell
7 Glasen (3:00) - Ich hörte ein Geräusch hinter dem Hauptmast und fand Seemann Chambers am Fuß des Niedergangs liegen. Er meldete eine dunkle Gestalt, die ihn an den Haaren zu einem Niedergang geschleift habe, um ihn dann rücklings hinunter zu stoßen. Chambers ist betrunken. Der Wachhabende
8 Glasen (3:30) - Der Schiffsjunge Bethlehem meldete, das ein Riemen der Gig zerbrochen im Vorschiff liege. Ich habe die Wache verdoppelt. Brightwell
2. Wache
3 Glasen (5:00) - Der Wachhabende vernahm Schreie und Gepolter im Vorschiff und weckte mich. Wir fanden den Seemann Pownoll Littlewell erschlagen im Bugspriet hängend. Sein Kopf und sein Gesicht waren völlig zerschmettert, Spuren schwerer Schläge fanden sich auch auf Brust und Beinen. Auf dem Vorderdeck lag ein Teil des Riemens aus der Gig. Er war blutig, Gehirnmasse und Haare hafteten an ihm. Alle Mann gepfiffen. Von dem Seemann Tom Childers fehlt jede Spur. Brightwell
6 Glasen (6:30) - Tom Childers wurde tot und praktisch skalpiert in der Jolle liegend aufgefunden. Die Spuren an seinem Hals deuten deutlich daraufhin, das Childers erwürgt wurde. Dann wurde ihm offensichtlich auf höchst brutale Art das Haupthaar ausgerissen. Childers war einer der kräftigsten und schwersten Männer an Bord. Um ihn zu überwältigen, muss man über große Körperkräfte verfügen. Ich habe zunächst Feuerwaffen an die Deckoffiziere ausgeben lassen. Dann stellte ich Nachforschungen an: Sechs Männer der Crew haben für den Vorfall bei 3 Glasen keinen Nachweis über ihren Aufenthaltsort. Von diesen kommen aufgrund ihrer körperlichen Fähigkeiten lediglich Chambers und Chump für die Gewaltakte in Frage. Ich habe beide Männer bis auf weiteres in Eisen legen lassen. Brightwell
4. Wache
5 Glasen (14:00) - Untersuchung der Todesfälle noch ohne Resultat. Beide Verdächtige beteuerten ihre Unschuld. Chambers verwies auf den Unbekannten, der ihn in den Niedergang gestoßen habe. Erneute Durchsuchung des Schiffes. Nichts. Brightwell
5. Wache
4 Glasen - Wir haben die Körper von Pownoll Littlewell und Tom Childers der See übergeben. Gott sei ihren Seelen gnädig. Brightwell
7. Wache
1 Glasen - Streit unter der Besatzung. Thornton behauptete, ein Schwarzer habe ihn angegriffen, indem er ihn heftig am Zopf zu Boden gezogen und dann über das Deck geschleift habe. Deswegen sei dieser Neger offensichtlich für die Morde verantwortlich. Er habe den Angreifer freilich nicht erkennen können. Hosea, der Jamaikaner, behauptete, er habe im Lichte des brennenden Schoners den Teufel, halb Tier, halb Mensch, an Bord klettern sehen und versetzte damit viele Männer in Angst und Schrecken. Nachdem ich interveniert hatte, beruhigten sich die Männer aber wieder. Ich versprach eine erneute und genaue Untersuchung der Morde am nächsten Tag.
4 Glasen - Schüsse und Geschrei im Vorschiff. Der Schiffsjunge Bethlehem berichtete, Bootsmann Murray sei angegriffen worden und habe daraufhin das Feuer eröffnet. Wer der oder die Angreifer waren, konnte der Junge nicht sagen. Als ich ins Vorschiff gehen wollte, wurde auf mich geschossen. Brightwell
6 Glasen - Der Zimmermannsmaat Bergson ist laut Aussage von Murray tot - erwürgt und skalpiert ! Eine Gruppe Seeleute fand ihn vor der Pulverkammer und wollte daraufhin Chambers und Chump befreien. Bootsmann Murray wollte dies verhindern und war schließlich gezwungen, das Feuer auf die Angreifer zu eröffnen. Murray wurde niedergestochen, konnte sich aber schwer verletzt nach achtern retten. Nach seinen Angaben hat er mindestens einen der Angreifer niedergeschossen. Brightwell
4. September 1805
1. Wache1 Glasen (0:00) - Eine Gruppe Meuterer, geführt von Chambers, haben Verhandlungen angeboten. Sie sind mindesten 15 Männer stark und halten den größten Teil des Vorschiffs. Die Schwarzen, an die 20 Mann, haben sich unter der Führung von Chump im Laderaum mittschiffs verbarrikadiert. Chambers bezichtigt Chump und die Schwarzen der Morde, Chump ist sicher, das Chambers und ein Komplize die MONKEY übernehmen wollten, um Sklavenhandel zu treiben. Brightwell
3. Wache
In der Nacht hat es Feuergefechte zwischen oder sogar unter den Meuterergruppen gegeben. Gegen Morgen wurden auch wir blitzartig aus dem Hinterhalt angegriffen. Der 1. Offizier Mr. Pepper wurde durch einen Schlag auf den Kopf so schwer verletzt, das er wenig später starb. Die Attacke dauerte nur Sekunden, dann zogen sich die Meuterer unerkannt wieder zurück.
4. Wache
ca. 14:00 - Eine Handvoll Schwarzer versuchte, die Jolle zu Wasser zu bringen und wurde aus dem Vorschiff unter Feuer genommen, worauf sie sich zurückzogen. Kurz darauf gab es eine Explosion im Vorschiff, danach folgten Schreie und Schüsse, schließlich ein schrecklicher Todesschrei. Dann war Ruhe.
7. Wache
Sonnenuntergang - Ein Mörder ist unter uns ! Der verwundete Bootsmann Murray wurde mitten unter uns lautlos getötet, sein Kopf war völlig verdreht. Auch seiner Leiche wurden große Büschel des Haupthaares ausgerissen. Daraufhin beschuldigte der Seemann Peters den Zahlmeister Thornton, er habe Murray getötet, um in den Besitz von Murrays Pistole zu kommen. Eine Beschuldigung folgte der anderen und plötzlich kam es zu einem Kampf, in dem jeder auf jeden losging. Jemand tötete Thornton durch einen Schuss. Peters gelang es, mich durch einen Stich mit der Pike am Arm zu verletzen. Ich schlug daraufhin den Verräter mit dem Säbel nieder. Ich, Bethlehem und Sanitätsmaat Freyer flüchteten weiter nach achtern und haben uns nun in meiner Kajüte verschanzt. Freyer wurde durch einen Schuss in den rechten Fuß verletzt.
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SEESCHLACHT.TK - Das Buch Napoleons gefallene Göttinnen
Die Geschichte der französischen MINERVE-Fregatten
von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Paperback - 349 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8391-0218-3 Erscheinungsdatum: Mai 2009
Bei AMAZON bestellen Mehr Infos5. September 1805
2. Wache
In der Nacht hörten wir einige Schüsse, immer wieder entsetzliche Schreie und Kampfgeräusche. Jemand versuchte mit großer Gewalt in die Kajüte einzudringen und ließ sich auch durch warnende Rufe nicht davon abbringen, bis ich durch die Tür schoss. Wir hörten ein entsetzliches Geheul, das nichts Menschliches mehr hatte. Dann war Ruhe.
Gegen Mittag - Uns fehlte es an Wasser, Nahrung und Verbandszeug. Also verließen wir vorsichtig die Kajüte, um das Schiff zu inspizieren. Dabei blieb Mr. Freyer nur für eine Sekunde zurück und gelangte aus unserem Blickfeld. Plötzlich hörten wir einen Schrei und eilten sofort zu ihm. Chambers und einer seiner Gefolgsleute beugten sich über unseren erschlagenen Sanitätsmaat. Die Meuterer und wir eröffneten sofort das Feuer. Bethlehem wurde durch den Kopf geschossen, aber ich sah, das auch die beiden Mörder Willows und Chambers von unseren Kugeln niedergestreckt wurden. Zwei weitere Männer drangen von achtern auf mich ein und nach einem kurzen, aussichtslosen Kampf flüchtete ich mich in die Pulverkammer. Dorthin wagten sie es nicht, mir zu folgen und zeigten sich nur gelegentlich am Fenster. Meine Verletzungen sind jedoch schwer und wenn ich das Bewusstsein verlieren sollte, wäre ich unter diesen Umständen wohl zweifellos verloren. Deswegen verband ich den Abzug der Pistole mit der Tür und erklärte den Meuterern mit lauter Stimme, was ich getan hatte und das die MONKEY in die Luft fliegen würde, wenn sie die Tür auch nur einen Spalt weit öffnen würden. Seitdem hat sich niemand mehr am Fenster gezeigt. Meine letzte Hoffnung ist nun ein Schiff, das die MONKEY aufbringt. Gott sei meiner Seele gnädig.
Schreckliche, unmenschliche Schreie hallen durch das Schiff. Jemand ist vor der Tür. Ich sah etwas am Fenster. Ich kann diese Fratze nicht beschreiben. Der Teufel ist an Bord ! Allmächtiger, steh mir bei !
Damit endete die Eintragung des Kapitäns. Insgesamt fanden wir 44 Leichen an Bord der MONKEY. Zwei Männer der ursprünglichen 50 Mann starken Besatzung waren laut Logbuch bereits der See übergeben worden, von den 4 Vermissten mußten wir annehmen, das sie über Bord gegangen waren oder das man ihre Körper ins Meer geworfen hatte. Mit den Zeilen Brightwells war das Gemetzel auf der MONKEY schlüssig beschrieben und man kann sich gut vorstellen, wie das durch die Mordtaten hervorgerufene Misstrauen zu Gewalttaten führte, wie eine Gewalttat die nächste nach sich zog und wie dann Weiße gegen Schwarze kämpften, Offiziere gegen die Crew und schließlich jeder gegen jeden. Was das Tagebuch nicht beantwortete, war die Frage nach dem Mörder der Seeleute Littlewell und Childers, dem Auslöser für die Tragödie. Weil weit über die Hälfte der aufgefunden Leichen ihr Haupthaar zumindest teilweise, wenn nicht sogar ganz eingebüßt hatten, musste der offensichtlich wahnsinnige Mörder das Massaker wohl fast bis zum Ende überlebt haben. Auch hatte der Täter sich vermutlich in der Gruppe um den Kapitän befunden, berücksichtigte man das schreckliche Ende des Bootsmannes Murray.
Wir waren hier bereits gewillt, dem Verdacht des Seemannes Peters zu folgen und den Zahlmeister als Mörder zu betrachten, da förderten meine Männer eine ebenso erstaunliche wie entsetzliche Entdeckung zu Tage. Sie versuchten, die bereits erwähnte Leiche in der Bilge zu bergen, was sich als schwierig erwies, weil der Körper unter Wasser war und sich sehr weit vorne im Bug verkeilt hatte. Als sie schließlich mit einem Haken die Leiche zu fassen bekamen und ans Licht zogen, prallten wir alle vor Schreck zurück. Was wir für den toten Körper eines Mannes gehalten hatten, war tatsächlich der eines großen Affen ! Es war ein menschengroßes Schimpansenmännchen von der Art, wie sie in den Regenwäldern Westafrikas häufig vorkommt. Zweifellos stammte das Tier von dem namenlosen Schoner, dessen Untergang die MONKEY beobachtet hatte. Denn obwohl des Affen Körper schwarz war wie der seiner Artgenossen in den Urwäldern, so hatte doch dieser tote Schimpanse durch das Feuer sein Fell fast völlig verloren. Dafür war er über und über mit Ruß und großflächigen, verkrusteten Brandwunden bedeckt. Doch das Schrecklichste am Anblick des Tierkadavers war, das der Schimpansenmann versucht hatte, seine kahlen und verbrannten Körperpartien mit blonden, roten oder brünetten Haarbüscheln zu bedecken... und wir alle wussten, wem dieses Haar zuvor gehört hatte !
Copyright © Thomas Siebe 2006
Die Vervielfältigung und Publikation, auch auszugsweise, sowie die schriftliche Übersetzung des Textes und deren Vervielfältigung und Publikation, auch auszugsweise, ist nur mit Wissen und ausdrücklicher Genehmigung der Autors gestattet.
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