![]() |
Der Rebell Thomas Cochrane. Seeheld, Radikaler, Revolutionär 1775-1860
von Wolfgang Mayer Sprache: Deutsch Taschenbuch - 360 Seiten |
|
Horatio Hornblower, 11 Bände
|

* 14. Dezember 1775 in Annsfield, Schottland † 31. Oktober 1860 in Kensington, London
Thomas Cochrane wurde 1775 als ältester Sohn von Archibald Cochrane, des neunten Earls von Dundonald geboren. Sein Vater hatte sein Leben vor allem der Chemie gewidmet, was seinen Sohn in seinen späteren Ideen von einer Gaskriegsführung beeinflusst haben mag.
Zunächst sollte der junge Mann zur Armee gehen, sein Vater hatte bereits das Patents eines Captain für ihn erworben. Doch seine Präferenz für die See liess Thomas Cochrane 1793 als Fähnrich zur See gehen. An Bord der HIND (28) unter dem Kommando seines Onkels Alexander Cochrane sammelte er die ersten Erfahrungen.
Auf der Fregatte THETIS (38 - Alexander Cochrane) tat er 1794 bereits Dienst als Leutnant.
Im Mai 1796 bestand Cochrane dann auch das Leutnantsexamen. Als solcher tat er u.a. Dienst auf dem Linienschiff BARFLEUR, wo sich zum ersten Mal die Charakterzüge zeigten, die seiner Karriere später nachhaltig schaden sollten: Leichtsinn wie auch Respektlosigkeit und mangelnde Diplomatie im Umgang mit Vorgesetzten.
1800 erhielt Cochrane die Promotion zum Commander und wurde Befehlshaber der Sloop SPEEDY (14).
Der Februar 1801 sah Cochrane einmal mehr als leichtsinnigen Offizier, als er auf Malta wegen eines nichtigen Anlasses ein Duell gegen einen französisch-royalistischen Offizier focht und seinen Gegner anschoss.
Die SPEEDY aber erwies sich als Schrecken der spanisch-französischen Handelsschifffahrt vor der südspanischen Küste. Am 5. Mai 1801 gelang Cochrane dann ein Coup, des seinesgleichen im damaligen Seekrieg suchte: Mit seinen rund 60 Mann enterte er erfolgreich die spanische Schebecken-Fregatte GAMO (32), die über eine weit überlegene Artillerie und 320 Mann Besatzung verfügte.
Demgegenüber wog der Verlust der SPEEDY wenige Wochen später sekundär: Am 3. Juli 1801 wurde Cochranes Schiff inklusive seines Kapitäns vor Tarifa von einem Linienschiffgeschwader unter Konteradmiral Linois gefangen, Cochrane aber bald darauf ausgetauscht.
Während seiner Gefangenschaft wurde er aber noch Zeuge der ersten Seeschlacht vor Algeciras (6. Juli 1801), die mit einem Desaster für die Briten endete.
Wegen der Eroberung der GAMO avancierte Cochrane im August 1801 zum Kapitän zur See. Cochranes Coup hatte jedoch nicht nur positive Folgen. Üblicherweise wurde bei der Eroberung eines grösseren Feindschiffes nicht nur der Kommandant mit einer Beförderung belohnt, auch sein erster Offizier rückte gewöhnlich in der Rangordnung auf. Der Oberkommandierende Earl St. Vincent jedoch argumentierte, das bei nur drei Mann Verlusten auf britischer Seite eine Promotion des Leutnants von der SPEEDY nicht gerechtfertigt sei. Cochranes Reaktion gegenüber St. Vincent war beleidigend und die Affäre führte zu einer tiefen Verstimmung zwischen Cochrane und dem Sieger der Seeschlacht von Kap St. Vincent. Als Folge von Cochranes Impertinenz bekam er in den folgenden Monaten kein weiteres Kommando.
Mit dem neuen Ausbruch des Kriegs 1803 wurde er dann Kapitän des 22-Kanonen-Schiffs ARAB (22), die sich als alles andere als die Blüte der Schiffsbaukunst herausstellte – eine späte Rache des Earl St. Vincent. 1805 aber konnte Cochrane dann sein Patent an Bord der PALLAS (32) verlesen und hatte damit eine neue und schnelle Fregatte unter seinem Kommando.
Von April bis Mai 1806 bewährte Cochrane sich in drei Erkundungsmissionen vor der Rade de Basques (Basque Roads) und bestand drei z.T. blutige Gefechte mit der französischen Fregatte MINERVE (40 – Joseph Collet). Kurz darauf, im August 1806, bekam er das Kommando über die grössere Fregatte IMPERIEUSE (40).
Ebenfalls 1806 zog Cochrane ins englische Parlament ein und prangerte neben kritischen Äusserungen über die Kriegsführung auch die Korruption in der Royal Navy an. Damit machte sich der undiplomatische und leichtsinnige Kapitän weitere Feinde.
Mit der IMPERIEUSE auf der anderen Seite verzeichnete Cochrane einige kleinere Erfolge: So eroberte er bei Rochefort das Fort Roquette, machte einige Prisen und eroberte im Mittelmeer über 50 mittlere und kleine Kriegs- und Handelschiffe. Dabei attackierte er freilich auch versehentlich ein befreundetes maltesisches Handelsschiff mit dem Resultat von vielen Toten und Verwundeten.
An der spanische Küste nahm Cochrane einige Festungen, zerstörte am Golf von Lyon zahlreiche Signalstationen und sammelte überhaupt Erfahrungen in Marine-Land-Operationen, wobei er mit den Congreve-Raketen auch mit damals hochmodernen militärischen Mitteln experimentierte. Überhaupt propagierte der agile Kapitän allerlei experimentelle Waffen und Taktiken wie Torpedos, Explosionsschiffe, die erwähnten Raketen oder sogar Angriffe mit chemischen Waffen (Gas). Er stiess mit seinen immer neuen Vorstössen aber auf grundsätzlichen Widerstand bei der konservativen Admiralität, die derartige Waffen als „ehrlos“ oder geradezu „verbrecherisch“ betrachtete.
Aber gerade weil Cochranes Haltung in dieser Frage bekannt war, wurde er 1809 vom ersten Seelord Lord Mulgrave mit einer Mission betraut, die der vor Rochefort kommandierende Admiral Lord Gambier aus religiösen Gründen verweigerte. Vor der Ile de Aix ankerte eine auf konventionelle Weise kaum angreifbare französischen Flotte. Schon Kapitän Keats, ein bekannter Stratege, hatte für ein solches Szenario einen Angriff mit Brandern - brennenden Schiffen - vorgeschlagen, ein Vorgehen, das von einem Grossteil der Marineoffiziere als nach den Regeln der Kriegsführung unethisch erachtet wurde. Cochrane hatte derartige Skrupel nicht und erweiterte den Plan sogar um den Einsatz von Explosionsschiffen.
|
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815 Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802 von Thomas Siebe Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010 Bei AMAZON bestellen Mehr Infos Beispiel-Seiten Beispiel 1 - Beispiel 2 - Beispiel 3 |
Am 11. April 1809 startete Cochrane seinen Angriff, der zwar in seiner geplanten Ausführung bereits im Ansatz misslang, jedoch in seinem Effekt auf die französischen Kommandanten geradezu überwältigenden Erfolg hatte. Denn bei Beginn des Angriffs brach in der französischen Flotte eine Panik aus und die meisten französischen Linienschiffe flohen unter Land, wo sie strandeten und zwar so gründlich, das die meisten bis zum Ende des Krieges nicht mehr zum Einsatz kamen.
Doch Cochrane wollte den Feind völlig vernichten und forderte von Admiral Lord Gambier Hilfe an, versuchte sogar, durch waghalsige Vorstösse seinen Vorgesetzten geradezu zur Unterstützung zu nötigen. Aber Gambier, dem am Ende das Ergebnis Recht gab, verweigerte jeden weiteren Angriff auf Schiffe, die ohnehin ausser Gefecht waren.
Cochrane verursachte durch seine heftigen Vorwürfe gegen Gambier eine kriegsgerichtliche Untersuchung gegen den Admiral, der aber ehrenvoll freigesprochen wurde. Cochrane selbst bekam kein neues Kommando.
Seine Versuche im Jahre 1812, seine Innovationen in der Kriegsführung dem englischen Regenten schmackhaft zu machen, wurden von einem Ausschuss, u.a. bestehend aus Lord Exmouth, Lord Keith und dem Raketenerfinder Congreve als „effektiv, aber inhuman“ verworfen.
Ebenfalls 1812 heiratete Cochrane, natürlich nicht standesgemäss und ohne die Zustimmung der Familienoberhäupter, die blutjunge Waise Katherine Barnes. 1818 wurde die Ehe, aus der sechs Kinder entsprangen, auch kirchlich manifestiert.
1813 kehrte Cochrane als Flaggkapitän seines Onkels Vizeadmiral Alexander Cochrane auf See zurück und diente im Krieg gegen die USA.
1814 segelte er nach England zurück. Den Tiefpunkt seines Lebens sollte Cochrane aber genau in diesem Jahr erleben, als im Rahmen eines umfassenden Börsenbetruges besonders Cochranes Verwandte und Freunde profitierten. Obwohl die Beweise mehr als dürftig waren, wurde der Kapitän wegen Börsenbetrugs zu einem Jahr Gefängnis, einer hohen Geldstrafe und dem Pranger verurteilt, wobei er freilich am Ende nur die Strafe zahlen musste. In England war der schwierige Seeheld zu populär, als das man eine völlige Vollstreckung der Strafe hätte wagen können. Härter wog wohl für Cochrane seine unehrenhafte Entlassung aus der Navy und sein Ausschluss aus dem Parlament.
|
|
Patrick O'Brian´s Jack Aubrey
Englischer Titel - Deutscher Titel |
1817 begann für Cochrane eine neue Marinekarriere: Der chilenische Freiheitskämpfer Bernado O'Higgins konnte den Abenteurer als Befehlshaber der neu gebildeten chilenischen Navy gewinnen. Bis 1822 bereitete der neu-chilenischen Vizeadmiral dem spanischen Gegner viele Probleme, u.a. durch die Eroberung Valdivias und die Befreiung Perus, die in der Unabhängigkeit des Landes von Spanien resultierte.
1823 trat der Abenteurer in brasilianische Dienste, diesmal hiess der Gegner Portugal. Ohne viel zu kämpfen gelang es ihm, die Portugiesen im Norden des Landes immer mehr von den Küsten zu verdrängen. Cochrane wurde für seine Verdienste im Unabhängigkeitskampf von König Pedro I von Brailien zum Marquis erhoben.
Doch Cochrane gefiel die Entwicklung im neu gebildeten Königreich nicht. 1825 quittierte er den Dienst und kehrte mit seiner Familie nach England zurück. Sein Name aber bleibt mit den Unabhängigkeitskämpfen Südamerikas untrennbar verbunden.
Von England aus begab sich der Reisende in Sachen Unabhängigkeitskrieg 1827 in die Ägäis, um den Griechen in ihrem Streben nach einem eigenen Staat gegen das Osmanische Reich beizustehen. Ohne freilich viel bewirkt zu haben, kehrte Cochrane Ende 1828 nach England zurück.
1831 erbte Cochrane durch den Tod seines Vaters den Titel eines Peers von England und wurde der zehnte Earl von Dundonald.
1832 empfing er eine königliche Amnestie wegen des angeblichen Börsenbetrugs. Cochrane wurde im Rang eines Konteradmirals wieder in die Royal Navy aufgenommen. 1841 wurde Lord Cochrane Vizeadmiral, 1847 wurde er in den Bath-Orden aufgenommen und mit dieser Massnahme seine Ehre praktisch völlig wiederhergestellt. Von 1847 bis 1851 war er Oberkommandierender für den Bereich Nordamerika und Karibik. Am Ende seines Kommandos 1851 wurde Lord Cochrane zum Admiral befördert.
Das man seinen Kommandostil als zu riskant einschätzte, zeigte sich, als er als Flottenchef für den Einsatz im Krim-Krieg im Gespräch war, aber übergangen wurde. Cochrane verbrachte seine letzten Jahre mit dem Schreiben seiner Autobiographie und starb 1860 während einer Nierenstein-Operation.
Sein abenteuerliches Leben diente vielen Schriftstellern als Vorlage für bekannte marinehistorische Romane. Erzähler wie Kapitän Marryat, C.S. Forester und Patrick O'Brian haben sich von Cochranes Taten inspirieren lassen.
Richard Dale Napoleon is Dead: Lord Cochrane and the Great Stock Exchange Scandal - Sutton Publishing 2006
Thomas Cochrane The Autobiography of a Seaman - Lyons Press 2000
Charles Stephenson The Admiral's Secret Weapon: Lord Dundonald and the Origins of Chemical Warfare - Boydell Press 2006
Ian Grimble Sea Wolf: The Life of Admiral Cochrane - Birlinn 2001
Brian Vale The Audacious Admiral Cochrane: The True Life of A Naval Legend - Conway Maritime Press 2004
|
![]() |
|
![]() |
|
Copyright © 2009 by Thomas Siebe, Tomas Coladores