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Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815 Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802 von Thomas Siebe Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010 Bei AMAZON bestellen Mehr Infos Beispiel-Seiten Beispiel 1 - Beispiel 2 - Beispiel 3 |
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Am 14. September 1795, also 2 Monate nach der Schlacht vor den Hyeres-Inseln, verließ ein französisches Linienschiff-Geschwader unter Konteradmiral Joseph Richery (1757 - 1798) den Hafen von Toulon. Angeführt von Richerys Flaggschiff VICTOIRE (80) sollten die 74-Kanonen-Schiffe BARRAS, JUPITER, BERWICK, RESOLUTION und DUQUESNE sowie die Fregatten EMBUSCADE (32), FELICITE (32) und FRIPONNE (32) die durch die Schlacht vor der Ile de Groix geschwächte Flotte in Brest verstärken. Laut William James hatten sie zuvor jedoch den Auftrag, einige Monate lang den Nordatlantik bzw. die Küste vor Neufundland unsicher zu machen.
Am 22. September 1795 erfuhr Vizeadmiral Hotham vor San Fiorenzo von dem Ausbruch, doch erst am 5. Oktober schickte er ein Geschwader unter Konteradmiral Mann auf der WINDSOR CASTLE (98) zur Verfolgung aus. Es waren neben dem Flaggschiff die 74-Kanonen-Schiffe CUMBERLAND, DEFENCE, TERRIBLE, AUDACIOUS und SATURN sowie die Fregatten BLONDE (28) und CASTOR (32).
Währenddessen hatte am 25. September 1795 in Gibraltar ein aus der Levante kommender Konvoi die Anker gelichtet und sich auf den Weg nach England gemacht.
Die 63 Handelsschiffe wurden von zwei Linienschiffen geleitet, nämlich von der FORTITUDE (74 - Kommodore John Taylor) und der BEDFORD (74 - Augustus Montgomery). Begleitet wurden sie ferner von den Fregatten JUNO (32 - Lord Amelius Beauclerk) und LUTINE (32 - William Haggit) sowie dem 44-Kanonen-Schiff ARGO (44 - Richard Randell Burgess) und der Sloop TISIPHONE (14 - Joseph Turner).
Auch das im Golf von Genua eroberte Linienschiff CENSEUR (74 en flute - John Gore) sollte in diesem Konvoi nach England gebracht werden. Das ehemalige französische Linienschiff segelte unter Hilfsmasten, der Hauptmast war eigentlich für eine Fregatte gedacht. Auch war zumindest ein Artilleriedeck von Kanonen befreit, wieviele Geschütze das Schiff noch führte, ist mir nicht bekannt. Aufgrund der späteren Manöver gehe ich davon aus, dass immerhin ein Deck noch armiert war.
Weil viele der Handelsschiffe bis zur Dämmerung den Hafen noch nicht verlassen hatten, verlor Kommodore Taylor in der folgenden Nacht den Kontakt zur ARGO und zur JUNO sowie ungefähr der Hälfte seines Konvois.
Am 7. Oktober 1795 stand Taylors Konvoi vor Kap St. Vincent an der portugiesischen Küste, als die Briten gegen 9:30 in großer Distanz Segel eines größeren Geschwaders sichteten, das sich im Verlaufe des Morgens rasch näherte. Dies waren die oben erwähnten neun Schiffe von Konteradmiral Richery, der vermutlich Informationen über den Konvoi bekommen hatte, als er rund 2 Wochen zuvor Gibraltar passierte.
Sobald Taylor klar wurde, dass es sich bei den sich Nähernden um sechs feindliche Linienschiffe und ihre Fregatten handelte, formte er mit seinen drei Linienschiffen, also auch der CENSEUR, eine Schlachtlinie und bereitete sich auf eine Schlacht vor. Die CENSEUR hätte er ohne mindestens ein funktionsfähiges Artilleriedeck kaum in diese Linie integriert. Während er diese Abwehrmaßnahme traf, ließ der britische Kommodore den verbliebenen 31 Handelsschiffen des Konvois signalisieren, sich zu zerstreuen, um die Jagd der zahlenmäßig überlegenen Franzosen zu erschweren. In seinem Bericht beklagt sich Taylor, dass dieser Aufforderung nicht, nicht genügend und / oder zu spät Folge geleistet wurde.
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Gegen 1:00 am 8. Oktober 1795 hatten Richerys Schiffe die britische Kampflinie schon fast in Reichweite. Doch da, während sich die Franzosen unaufhaltsam näherten und das Spitzenschiff bereits in Kanonenschussweite kam, verlor die CENSEUR im Rollen der Wellen ihren vorderen Toppmast, was das riesige Linienschiff angesichts ihrer Hilfsmasten, des Windes und des Seegangs praktisch lahmlegte.
Während die ersten französischen Schiffe um 1:50 auf größere Distanz das Feuer auf die CENSEUR eröffneten, befahl Kommodore Taylor seiner einzigen verbliebenen Fregatte, der LUTINE (32 - William Haggit), das angeschlagenen, ehemalige französische Linienschiff in Schlepp zu nehmen. In Übereinstimmung mit Kapitän Augustus Montgomery von der BEDFORD (74) war er zu dem Entschluss gekommen, gegenüber der dreifachen französischen Übermacht das Weite zu suchen.
Am Heck ihrer Schiffe ließen Taylor und Montgomery alles niederlegen und wegsägen, was der Aufstellung weiterer Jagdgeschütze im Weg war, damit sie im anstehenden Jagdgefecht so viele Kanonen wie möglich auf die französischen Jäger richten konnten.
Die Mission der LUTINE jedoch scheiterte bereits im anschwellenden Feuer der französischen Kanonen, Haggit konnte Gores Schiff nicht aus der Schusslinie ziehen.
Der Kapitän der CENSEUR versuchte dennoch, mit seinem nur halb bemannten Schiff, wahrscheinlich ebenfalls halbierten Bewaffnung und - wie Taylor behauptete - sehr wenig Pulver an Bord, Widerstand zu leisten. Die Jagdgeschütze der davonstrebenden BEDFORD und FORTITUDE waren dabei vermutlich eine geringe Unterstützung.
Gegen 2:30, durch französische Kugeln auch um die beiden verbliebenen Toppmasten gebracht und mit dem Pulver am Ende, strich Kapitän Gore die Flagge und die CENSEUR wurde eine Beute Richerys.
Vermutlich aber war sie nicht einmal die wertvollste Beute an diesem Tag, denn die französischen Fregatten begannen, die noch ziemlich eng zusammengedrängten britischen Handelsschiffe Schiff um Schiff zu erobern. Nur eines der 31 Schiffe sollte den Franzosen entkommen.
Die französischen Linienschiffe verfolgten die BEDFORD und die FORTITUDE noch bis 3:30 und wechselten auf Distanz einige Kugeln, um dann aber ebenfalls die Jagd auf die versprengten Handelsschiffe zu eröffnen. Das Gefecht forderte offensichtlich keine nennenswerten Menschenverluste auf britischer Seite, Verluste des französischen Geschwaders sind ebenfalls nicht bekannt.
Konteradmiral Richery brachte anschließend die zurückeroberte CENSEUR und seine 31 Prisen nach Cadiz, wo er am 13. Oktober 1795 im Triumph einlief und gefeiert wurde. Das aus dem Mittelmeer detachierte Geschwader Konteradmiral Manns hatte Richery nicht finden können.
Kommodore Taylor erreichte am 17. Oktober 1795 England, am gleichen Tag wie der Konvoi unter dem Schutz der ARGO und der JUNO. Die 32 Schiffe dieses Konvois waren problemlos nach England durchgekommen.
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