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Admiral Lord Nelson |
Vizeadmiral Pierre Villeneuve |
Admiral Villeneuve |
[Clemens stellt die Fragen durchgehend kalt und formal, ohne starke Betonung oder Regung] Vizeadmiral Villeneuve, vor diesem Tribunal soll geprüft werden, ob es zu einer Anklageerhebung wegen Befehlsverweigerung und wegen diverser anderer Versäumnisse angelegentlich Ihres Kommandos 1805 kommen wird. Sie haben 1805 nach dem Tode von Admiral Latouche-Treville das Kommando über die Flotte in Toulon bekommen und wurden vom Kaiser und in dessen Namen vom Marineminister angewiesen, mit Ihren Schiffen aus Toulon auszulaufen und einen bestimmten Plan in die Tat umzusetzen. Schildern Sie uns kurz diesen Plan !
Ich sollte mit meiner Flotte aus Toulon ausbrechen, das von den Schiffen Admiral Nelsons blockiert wurde. Dann sollte ich via Cartagena und Cadiz nach Westindien laufen, um gegebenenfalls auf Martinique Truppen anzulanden. Es wurde erwartet, daß Nelson oder ein anderer englischer Admiral meiner Flotte mit starken Marinekräften folgen würde, worauf die Verteidigung des Ärmelkanals geschwächt wäre. Bei Ankunft der englischen Verfolger in Westsindien wurde von mir erwartet, daß ich mit möglichst großem zeitlichen Vorsprung vor den englischen Schiffen wieder Europa erreichen sollte. Dort sollte ich mich mit weiteren französischen und spanischen Schiffen aus den Häfen Rochefort, Ferrol, La Coruna,Vigo und Brest vereinen und ohne Verzug in den Kanal einlaufen. Mein weiterer Auftrag lautete, alle Gegner, die sich mir in den Weg stellten, zu vernichten und die Invasion des Kaisers nach England zu ermöglichen.
Ihnen ist es dann tatsächlich gelungen, die Blockade Nelsons zu brechen. Sie haben sich mit einem spanischen Geschwader unter Admiral Gravina vereinigt und sind anschließend in Martinique angekommen. Hier hätten Sie nun 12000 Soldaten, die Sie an Bord ihrer Schiffe hatten, anlanden sollen. Warum haben Sie das versäumt, Vizeadmiral Villeneuve ?
[Belehrend] 12000 Mann kann man nicht an einem Tag ausschiffen. Die Anlandung der Truppen war eine den Plänen des Kaisers [betont das Wort] untergeordnete Operation und durfte die Ausführung des eben beschriebenen Planes nicht eine Minute verzögern. Zunächst mußte die militärische Lage in Westindien sondiert werden, grössere englische Flottenverbände hätten in der Nähe sein können. Möglichweise hätte man die Truppen an einem anderen Punkt der Karibik besser verwenden können, wenn es z.B. zu einem Angriff auf Jamaika gekommen wäre. Leider war die Informationslage zu keinem Zeitpunkt klar genug als das ich den Befehl zur Ausschiffung hätte geben können.
Warum haben Sie eigentlich dann während Ihrer Zeit in der Karibik nicht mehr Territorium erobert ? Das kleine Diamond Rock als Beute kann man ja kaum als Eroberung bezeichnen...

Villeneuve: [Kalt und formal] Die Grundlage des vom Kaiser entworfenen Planes waren schnelle Manöver. Ich sollte mit meiner Flotte mit einem möglichst großen zeitlichen Vorsprung vor Nelson wieder in Europa ankommen. Um dies zu gewährleisten mußte ich die Flotte in ständiger Bereitschaft halten. Was mir Böswillige heute als Flucht vor Nelson auslegen, war tatsächlich lediglich die exakte Befolgung der Befehle des Kaisers. Sobald ich die Nachricht von der Ankunft Nelsons in Westindien hatte, bin ich sofort mit meiner Flotte zurückgesegelt, um die Erfüllung des Planes mit größtmöglichem Zeitvorsprung zu gewährleisten.
Aber Nelson war ja lediglich mit einem starken Geschwader in der Karibik. Die Engländer hatten ihre Verteidigung vor dem Kanal nicht, ich sage, noch nicht entblößt. Ihre schnelle Abreise, Herr Vizeadmiral, war deswegen doch sinnlos, ja geradezu kontraproduktiv. Wenn Sie zugewartet hätten oder einen Eroberungsfeldzug in den englischen Besitzungen begonnen hätten, hätten die Briten sicherlich mehr Schiffe abgestellt. Es wäre doch jedenfalls sinnvoller gewesen, Ihre Überlegenheit in Westindien zu nützen und dem zahlenmäßig deutlich unterlegenen Admiral Nelson den Kampf aufzuzwingen.
Sie gehen davon aus, daß ich sicher sein konnte,
dass Nelson nur ein schwaches Geschwader mitgebracht hatte. Heute weiss
man das natürlich besser ! Wie unberechenbar aber Nelson war,
hatte er doch 1798 vor Abukir schon gezeigt, als er uns in Sicherheit
wiegte, als er wieder weg segelte. Und dann ? Einen Monat später
kam doch sein Angriff und das auch noch in der Abenddämmerung.
Damals habe ich gelernt, das man bei Nelson nie allein das in Betracht
ziehen durfte was man für offensichtlich hielt. Man musste das
Unerwartete erwarten ! Sie sagen, ein Angriff auf Nelson wäre
erfolgsversprechend gewesen ? Wer sagt Ihnen denn, daß Nelson sich dann
zum Kampf gestellt hätte ? Weil wir es angesichts seiner
Persönlichkeit erwarten konnten ? Vielleicht wäre es genau
das gewesen, was er beabsichtigte, zum Beispiel um Zeit zu gewinnen !
Nein, ich durfte nicht eigenmächtig sein und die Befehle des
Kaisers ignorieren, die eindeutig sagten, ich müsse zurück
nach Europa, wenn mir britische Kräfte gefolgt wären. Und wer
garantierte mir übrigens, das Nelson nicht doch noch eine Flotte
in der Hinterhand hatte. So übersichtlich war die
militärische Lage nicht und so zuverlässig sind
Informationen, wie gesagt, nicht gewesen. Ich hatte ja nicht einmal
explizite Befehle, englische Besitzungen zu erobern 1 geschweige denn ein
englisches Geschwader in Westindien anzugreifen, mit oder ohne Nelson
an Bord.
Später werden Sie mir ja Eigeninitiative geradezu vorwerfen ! An
diesem Punkt aber werfen Sie mir vor, ich habe es an
Eigenmächtigkeit fehlen lassen und hätte Befehle missachten
sollen !?
Noch einmal: Ich hatte keine exakten Meldungen über die
tatsächliche Stärke des Feindes und das die Engländer
mit wenigen Schiffen in Westindien waren, wer konnte mir das
garantieren ? Stellen Sie sich vor, Trafalgar hätte vor Santo
Domingo oder Martinique stattgefunden, dann hätten Sie wahrlich
das Recht, mir Vorwürfe zu machen !
Ich habe erst später Meldungen bekommen, daß die Engländer
den Ärmelkanal zu keinem Zeitpunkt ohne starke Verteidigung
gelassen haben. Gewissheit darüber hatte ich dann beim Treffen mit
Admiral Calders Flotte am 22. Juli. Damit war der Plan des Kaisers, so
genial er war, aber schon verraten und gescheitert und die
diesbezüglichen Befehle obsolet. Ich denke, Sie sollten nach einem
Verräter im Umkreis Seiner Majestät suchen !
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Gut, kommen wir zur Begegnung mit Admiral Calder. Sie haben zwei Linienschiffe verloren, am nächsten und übernächsten Tag, Calder aber nicht angegriffen. Warum ? Wäre das nicht die Chance gewesen, Calder zu vernichten und dann in den Kanal zu laufen, um die Invasion zu unterstützen ?
[Überrascht] Calder vernichten ? [Verächtlich]
Sie belieben zu scherzen ! Nur meine starke Verteidigungsposition,
meine lange Schlachtlinie hat meine Flotte überhaupt vor der
Vernichtung bewahrt ! Meine Vorteile bei dieser Schlacht lagen in der
abwartenden Position. Deswegen hatte sich Calder am ersten Tag der
Schlacht auch eine blutige Nase geholt. Hätten die Spanier nicht
so elendig versagt, hätten wir drei englische Schiffe erobert
statt zwei zu verlieren, nämlich die WINDSOR CASTLE, die MALTA und die HERO.
Es ist sehr bezeichnend, daß wir nur - und ich betone "nur" -
zwei alte spanische Linienschiffe verloren haben. Bedenken Sie doch das
Material, das ich zur Verfügung hatte ! Schon in Toulon habe
ich immer wieder gewarnt, daß wir mit diesen Besatzungen bei
diesem Ausbildungsstand und mit diesen langsamen Schiffen nie und
nimmer ein längeres Gefecht gegen englische Linienschiffe und ihre
Elitebesatzungen gewinnen könnten. Sie werden im Bureau des
Kaisers einige Depeschen dieses Tenors von mir finden ! Nein, ich habe
das Schlachtfeld behauptet und damit vor Kap Finisterre das Beste aus
der Situation gemacht. Und ich habe gesiegt ! Calder zog ab und ich
konnte mich in Vigo und dann in Ferrol mit den anderen Schiffen
verstärken !
Das haben Sie aber nicht genützt. Sie hatten eindeutigen Befehl, in den Kanal zu laufen, sich mit der Flotte aus Brest zu vereinigen und die Briten zur Schlacht zu stellen !
[Verwundert] Ja, hatte ich eindeutige Befehle ? [Mit
dem Brustton der Überzeugung] Ich meine gerade, nein ! Der
Marineminister, Monsieur Decres, befahl mir das Wohl der Flotte in
jedem Fall als erstes Ziel zu betrachten. Ohne Flotte keine Invasion !
Ja, ja, der Kaiser ließ mir mündlich übermitteln, ich
möge so schnell wie möglich im Kanal angreifen !
Aber: Dem Kaiser entschlüpft doch nie ein überflüssiges
Wort und deswegen, meine Herren, achten Sie doch auf die Worte ! Ihre
Majestät befahl "so schnell wie möglich". Möglich war
ein Angriff aber erst zusammen mit Ganteaume, mit der Flotte aus Brest.
Und die lag nach meinen Informationen noch immer im inneren Hafen, war
weit davon entfernt, der Blockade durch die Briten zu entkommen.
Wir können den Marineminister, was die Befehle angeht, diesbezüglich leider nicht befragen, er ist unabkömmlich [Villeneuve macht eine wegwerfende Handbewegung, als käme es darauf nicht an]. Aber da Sie von Admiral Ganteaumes Flotte sprechen: Warum haben Sie eigentlich nicht dazu beigetragen und haben Ganteaume den Weg freigekämpft ?
[Villeneuve schüttelt leicht den Kopf, zeigt ein
Lächeln] Sie stellen sich das alles so einfach vor ! Verzeihung,
wenn ich das sage, aber: Typisch Infanterie ! Da kann man mal kurz eine
Festung entsetzen oder einen Ausfall machen.
Aber die Wege auf See sind anders, meine Herren! Wissen Sie, wie lange
eine Flotte bei ungünstigem Wind braucht, um aus dem Goulet
herauszukommen ? Wissen Sie, wie lange es dauert, eine Flotte zum
Angriff in Linie zu bringen. Vor Brest haben die Briten
die Position, die ich gegenüber Calder hatte. Diese Schlacht
hätten wir nicht gewinnen können.
Und: Folgendes ist traurig, jedoch Realität. Gegen englische
Schiffe müssen wir zweifach überlegen sein um zu gewinnen.
Ja, hätte ich noch das Geschwader von Allemand gehabt, mit seinen
kampfkräftigen Schiffen. Ja, dann hätte ich es vielleicht
riskiert. Ich habe die DIDON nach dem Geschwader suchen lassen, aber
wie Sie wissen, wurde Milius mit seinem Schiff abgefangen. Die Tage
vergingen und Allemand kam nicht ! Mit jedem Tag kam Nelson näher,
verstärkten sich die Briten und wir wurden schwächer und
bedrohter.
Aber Sie lagen doch sicher in Ferrol und Allemand hätte Sie sicherlich bald gefunden !
Lagen sicher in Ferrol ? Tausende von Seeleuten wollten versorgt werden
! Das ist viel schwieriger, als wenn Sie ein kleines Heer in Biwaks
lagern lassen, das sich immerhin selbst zum Teil aus der Umgebung
verproviantieren kann, indem es herumzieht ! Hier aber
müssen die Schiffe über das Wasser mit Booten versorgt
werden, mit Brennholz, Nahrung und Wasserfässern und vielen
anderen Dingen, die man im Feld gar nicht braucht.
Seeleute wollen beschäftigt sein, sonst werden sie meuterisch. Die
Bevölkerung in Ferrol war nicht gut auf die Franzosen zu sprechen,
besonders, wenn die Seeleute für Wasserknappheit und
Nahrungsmittelengpässe sorgen. Die Lage einer Kriegsflotte in
einem fremden Hafen ist schon für eine Woche schwer genug, aber
ohne absehbares Ende ? Das entwickelte sich in Ferrol zu unhaltbaren
Zuständen ! Was daraus werden kann, haben wir ja in Alexandria
gesehen.
Außerdem mussten viele Schiffe nach dem Gefecht mit Calder repariert
werden. Auch hier waren die spanischen Häfen ungeeignet.
Und vor allem: Die riesige Flotte bot im Hafen ein ideales, ein
unübersehbares, unverfehlbares Ziel für einen Angriff mit
Brandern, mit brennenden Schiffen. Ich bin davon überzeugt, dass
die Briten bereits einen Plan ausarbeiteten, unsere Flotte mit
brennenden Schiffen anzugreifen. Je länger wir in Ferrol oder Vigo
blieben, desto wahrscheinlicher wurde ein solcher Angriff. Und bei
einem Erfolg durfte man sich die Folgen gar nicht vorstellen. Unsere
Verluste von Toulon 1793 wären dagegen dann eher gering
einzuschätzen gewesen, die gesamte Flotte hätte verbrennen
können. Nein, wir waren unterversorgt, wir waren ein weithin
sichtbares Ziel und die Leute wurden auch immer meuterischer, ganz zu
schweigen von den Spaniern, die ohnehin lieber ihren eigenen Krieg
geführt hätten.
Sie haben aber eindeutig gegen die Befehle des Kaisers gehandelt, denn niemand hatte Ihnen befohlen, nach Cadiz zu segeln !
Sehen Sie, ich sagte es schon ! Im Falle von Westindien
bemängeln Sie die fehlende Eigeninitiative. Und nun ? Es war ein
Notstand ! Ich war gezwungen zu handeln, dies war meine Verantwortung !
Ich machte aber einen letzten Versuch, Allemands Geschwader zu treffen
und lief aus. Und was machten die Engländer ? Vor meiner Nase
schleppte die englische Fregatte PHOENIX, gedeckt von einem englischen
Linienschiff, die DIDON davon. Die DIDON, die Allemand hatte finden
sollen. Das war wie ein Hohn, wie ein Zeichen, daß ich mit den
Schiffen aus Rochefort nicht mehr zu rechnen brauchte.
Ich war gerade mühsam aus Ferrol ausgelaufen, sollte ich wirklich
wieder zurück ? Wo konnte ich nun hin ? Der Kanal war nicht
aufgeklärt, ich wusste nicht, was Ganteaume tat, wo er
stand. Die DIDON verloren, möglichweise auch Allemand und Nelson
war nicht weit ! Der Marineminister hatte befohlen, die Flotte zu
sichern. Nein, mir blieb in dieser Situation keine Wahl ! Cadiz war
doch der einzig sichere Hafen !
Warum haben Sie denn keinen französischen Hafen gewählt, z.B. Brest ?
[Entrüstet] Aber ich bitte Sie, meine Herren, Brest
! Habe ich nicht schon bei anderer Gelegenheit erklärt, daß
Flotten, die aus Brest heraus wollen, nautisch gegenüber den auf
See wartenden Schiffen große Nachteile haben ? [Mit Emphase]
Warum kann sich denn Ganteaume nicht aus Brest befreien ? Sollte ich in
diese Falle schlüpfen ? Und dafür vor Brest auch noch
kämpfen ?
Und ein anderer Hafen ? Das hätte doch die Probleme nur verlagert.
In Cadiz hatte man wenigstens Optionen ! Wenn man heraus wollte, konnte
man das fast jederzeit und dann standen einem Mittelmeer oder Atlantik
offen... Cadiz ist schwer zu blockieren, französische Häfen
an der Westküste dagegen... pah ! Da reicht ein Geschwader !
Warum haben Sie dann so lange in Cadiz verweilt ?
[Ruhig] Das war in der Tat vorher nicht zu erwarten. Bitte berücksichtigen Sie, dass ich Befehlshaber einer kombinierten Flotte war. Die Spanier hatten ihren eigenen Kopf, waren querulantisch bis zur Befehlsverweigerung. Manchmal habe ich offene Rebellion auf den spanischen Schiffen befürchtet und daß mir die spanischen Kommandanten nicht mehr folgten... Da musste man diplomatisch sein, da war mit der Brechstange nichts zu machen. Als wir in Cadiz lagen, fühlten die Spanier sich dort einfach sicherer. Sie müssen wissen, der ein oder andere spanische Kapitän ist dort sogar geboren worden, es ist das Zentrum der spanischen Seefahrt. Ich war auf die Kooperation von Admiral Gravina und seinen Offizieren angewiesen !
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Sie wälzen die Verantwortung auf die Spanier ab...
[Entschlossen] Nein ! Die Verantwortung für die Niederlage trage ich allein ! Die Spanier haben gekämpft...
[Clemens unterbricht Villeneuve]... ich meine die Verantwortung für Ihr Verharren in Cadiz ! Sie hatten doch inzwischen Befehl, nach Neapel auszulaufen, um dort die Truppen zu landen !
[Nickt] Wie ich schon sagte, es war eine binationale Flotte. Und vergessen Sie nicht, wir reden hier von Schiffen, nicht von Marschkolonnen. In der Kooperation mit Verbündeten ist es oft schwierig, Interessen zu koordinieren. Und wenn die spanischen Interessen nicht zu den Absichten des Oberkommandierenden passten, hat man in Cadiz als Oberkommandierender Überzeugungsarbeit zu leisten und das dauert seine Zeit. Die Schiffe seeklar zu machen ist eine Sache, die dauern kann. Fragen Sie Admiral Gravina ! Aber kein Zweifel, ich habe den falschen Zeitpunkt gewählt, um auszulaufen.. aus heutiger Sicht. Vielleicht wäre es früher möglich gewesen, aber ich brauchte die Spanier und ich war ehrlich gesagt lange nicht sicher, ob sie mir folgen würden.
In der Schlacht vor Kap Trafalgar sind sie Ihnen aber gefolgt. Admiral Gravina und Kapitän Churucca haben Sie sogar gewarnt, als Nelson sich anschickte, in ihre Schlachtlinie zu stoßen. Warum, Herr Vizeadmiral, haben Sie die Vorhut unter Konteradmiral Dumanoir nicht wenden lassen, als die beiden Angriffskeile der Briten sichtbar waren ?
[Verächtlich] Welche Schlachtlinie ? Ein Riesenkomma war das, was unsere Kommandanten mit diesen schlecht ausgebildeten Besatzungen zustande bringen konnten, aber keine Schlachtlinie... Die VICTORY wäre nie an eine ordentliche Schlachtlinie herangekommen , wo jedes Schiff mit freier Sicht hätte feuern können ! Selbst angesichts der tatsächlichen Formationen, in der wir bis zu drei Schiffe tief standen, hatte Nelson mit seinem Schiff schwere Schäden erlitten, bevor er an unsere Linien heran kam. Nein, wir haben die Schlacht nicht verloren, weil Dumanoir nicht rechtzeitig herangekommen ist, sondern weil die Engländer ihre Schiffe besser manövrieren konnten. Unsere Männer haben todesmutig gekämpft, missverstehen Sie mich nicht ! Aber sie waren eben nur grosse Kämpfer, keine guten Seeleute... Trotzdem hätte Dumanoir, als er umgekehrt war, sich auch durchsetzen müssen ! Er hat ja nicht einmal versucht, durchzubrechen...
Sie haben meine Frage nicht beantwortet, Herr Vizeadmiral. Warum haben Sie den Anregungen und Warnungen des Admiral Gravina nicht beachtet ?
[Nachdenklich] Natürlich, ich habe die Situation falsch eingeschätzt. Wissen Sie, trotz unserer katastrophalen Formation hätte ich nie und nimmer erwartet, daß Nelson und Collingwood unsere Linien überhaupt erreichen geschweige denn noch kampffähig sein würden. Aber Nelson... Selbst sein Tod hat mich überrascht... [Lächelt gequält] genau so wie die Tatsache, daß ich überlebt habe...
Sie geben also zu, dass Sie Dumanoir viel eher den Befehl zum Wenden hätten geben müssen ?
[Zuckt die Schultern] Sicher ! Wie ich schon sagte: Aus heutiger Sicht weiß man es natürlich besser. Aber ich war damals dort und ich mußte entscheiden. Wir alle machen Fehler dieser Art. Sogar Nelson hat Fehler gemacht, zum Beispiel beim Angriff auf Teneriffa, als er seinen Arm verlor. Als Soldat muss man mit Fehlern, selbst mit der Niederlage rechnen. Pech ist kein unverzeihlicher, sondern ein unvermeidlicher Fehler. Ich habe alles getan, was ich konnte.
[Clemens zeigt zum ersten Mal eine Regung, bedauernd] Ich fürchte, daß der Kaiser das anders sieht, Herr Vizeadmiral. Pech kann durchaus ein unverzeihlicher Fehler sein.
Fußnote 1 = T. Coladores weist zu Recht darauf hin, daß Villeneuve sehr wohl Befehle zu diesen Eroberungen hatte. Am 1. Juni 1805 erreichte die am 2. Mai 1805 in Frankreich aufgebrochene Fregatte DIDON unter Kapitän Milius die Insel Martinique und brachte dem Vizeadmiral entsprechende Befehle vom Kaiser. Villeneuve wurde klipp und klar angewiesen, St.-Vincent, Antigua, Grenada und Barbados anzugreifen.
Copyright © 2003 - 2011 by T. Coladores, Pellewserbe & T.Siebe
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