Jede Woche samstags nachmittags ging's dann zu Hause im Wohnzimmer etwa eineinhalb Stunden lang richtig zur
Sache. Die intensive und direkte Kritik von Herrn Gulich hat sicherlich viel zu meinem heutigen Können bei-
getragen, war jedoch oft nur schwer erträglich. So wurde zum Beispiel ein Weltklasse-Geiger von ihm gelegentlich
liebevoll als 'alter Murkser' bezeichnet. Herr Gulich war übrigens ursprünglich Klavier- und Violinenspieler und
hat erst später Akkordeon gelernt. Gegen Ende einer Unterrichtsstunde kam meist mein Vater hinzu und meine
Mutter brachte uns etwas zu knabbern und zu trinken. Herr
Gulich hat dann Geschichten und Anekdoten aus der Mann-
heimer Musiker-Szene erzählt, zum Beispiel von Hans
'Dottler' Laib oder vom Alex. Erwähnt sei hier die Story, als
ein bekannter deutscher Akkordeon-Meister mit seiner
neuen Gola beim Südwestfunk vorsprach, um die Zigeuner-
weisen von Sarasate im Rundfunk zu spielen. 'Da haben wir
Geiger, die können das besser als Sie', war die knallharte
Antwort.

1971 bekam ich dann zum fünfzehnten Geburtstag von
meinen Eltern ein neues Akkordeon geschenkt, eine
Hohner Morino 5N, damals das Non plus Ultra. Das
Instrument spiele ich heute noch.

Die nächsten Jahre waren bestimmt durch die jährliche
Teilnahme an Wettbewerben wie 'Jugend musiziert' oder
anderen sogenanntenWertungsspielen für Akkordeon-
Solisten. Zu nennen sind hier zum Beispiel dieStadt-
Meisterschaften von Bensheim oder Ispringen. Um in einer
bestimmten Stufe einen 'Blumentopf' gewinnen zu können,
war jeweils eine etwa einjährige Vorbereitung nötig. Hinzu
kam noch der Probelauf beim Vereinskonzert.
In all den Jahren bzw. Jahrzehnten habe ich jedoch viel gelitten unter dem schlechten Image des Instrumentes
und der Verachtung die häufig der Musik entgegengebracht wird die ich damit spielen kann.