Artillerie 

Da ich noch keine für die Beschreibung meiner Instrumente passendee Darstellung des Artilleriewesens im Netz gefunden habe, will ich hier kurz einmal aufzeigen, worum es überhaupt geht, wenn man den Standort der Artilleieentfernungsmesser nicht nur in geografischer sondern auch in systematischer Hinsicht versteheen möchte.

Ich war gerade vor einigen Tagen in Ingolstadt, als mich mein latentes militärhistorisches Grundinteresse geradewegs (und das geht dann wirklich ohne Blick nach links oder rechts ;-) in das Militärmuseum im Schloß führte.
Dort gibt es viele Waffen aus dem Mittelalter bis in die Schwarzpulverzeit.
Sehr beeindruckend: Die Zinnfigurendioramen im Turm über die Völkerschlacht bei Leipzig und 7-jähriger Krieg.
Schon auf dem Schloßhof liegen diese mächtigen Bronzerohre, die, mit hohem künstlerischem Aufwand verziert, eher an Kunstgegenstände als an Waffen erinnern. Es ist nicht ganz das, was wir hier unter Artillerie erwarten.
Moderne Hinterladegeschütze finden sich auf der anderen Seite der Donau, im "Reduit Tilly", einem Bestandteil der ehemaligen Stadtbefestigungsanlage aus dem 19. Jahrhundert, die nach dem Bayerischen General Tilly (aus dem 30 jährigen Krieg) benannt wurde.
Dort ist die Sammlung über den ersten Weltkrieg untergebracht.
Übrigens:
In so sehr beeindruckender Darbietung und Liebe zum Detail, daß ein Besuch dieses Museums für jeden, der nach Ingolstadt kommt und sich wenigstens ein bißchen für Militärgeschichte ineressiert, ein unbedingtes Muß darstellt.
Es gibt hier aber noch mehr: Fort No. IV "Prinz Karl", das letzte Fort aus dem 10 km Befestigungsgürtel um die Stadt, das vollständig erhalten ist und um dessen Besichtigungsmöglichkeit und Unterdenkmalschutzstellung sich gerade ein in der Gründung befindlicher Interessenverein kümmert. Dieses Fort ist - wenn überhaupt - zur Zeit nur ausnahmsweise nach vorheriger Absprache mit dem Museumsleiter des militärhistorischen Museums Ingolstadt, Herrn Dr. Eiche (?) oder ebenso ausnahmsweise unter Vermittlung durch die Reservistenarbeitsgemeinschaft Militärgeschichte im Reservistenverband der deutschen Bundeswehr e. V. (Herr E. Liebe) zu betreten, da es zur Zeit munitionsverseucht ist. Dieses Projekt sollte unbedingt beobachtet und unterstützt werden, da es sich um die einzige Anlage dieser Art auf deutschem Boden handelt. In dem Fort arbeitet zur Zeit ein Munitionsdelaborierungsbetrieb - von Denkmalschutz leider keine Spur.....

Ich erwähne dieses nur, da sich auch in Ingolstadt insofern das gleiche Phenomen in wie in Dömitz  (Süd- Mecklenburg) zeigt: Eine völlig unbeschossene Festungsanlage ist aus militärischer Nutzung entlassen worden.
Bei der Festung Dömitz handelt es sich um eine sehr schön erhaltene Festung nach Vauban, ein in Rotklinkerbauweise ausgeführtes Pentagon.
Diese Festung ist übrigens wirklich einen Ausflug wert:
Dort hat der norddeutsche Mundartdichter Fritz Reuter in Festungshaft ("Ut mine Festungstid") eingesessen. In der Festung ist ein kleines heimatkundliches Museum untergebracht, in dem auch über die Sprengstoffabrik Dömitz informiert wird. - Wer sich für Zünd- und Sprengmittel und deren oft wenig veröffentlichte Geschichte interessiert, findet hier also wieder ein kleines Bausteinchen. Die Festung befindet sich in einem ausgezeichneten Zustand. Auch die alten Außenanlagen (Glacis) sind sehr gut zu erkennen, was wohl für Europa in dieser klaren Form wirklich einzigartig sein dürfte. Zwei Bastionen sind mittlerweile (wegen des Vorhandenseins seltener Fledermausarten allerdings nicht in den Wintermonaten!) betretbar. Wer also in die Nähe kommt, muß auch dort hin.

Doch was war die Ursache für die schnelle Außerdienststellung dieser teuren, unbeschädigten Anlagen?

Ich möchte behaupten: Die Erfindung rauchschwacher Nitropulver.

Dies war die ganz entscheidende Erfindung des 19. Jahrhunderts, die das gesamte bisherige Militärwesen zur grundlegenden Umstrukturierung sämtlicher bisher gültiger Gefechtsordnungen veranlaßte; sozusagen alles bisher dagewesene auf den Kopf stellte - und daher zunächst kurz angesprochen werden muß.
Der entscheidende Unterschied der genannten Treibmittel besteht in der Höhe des erzielbaren Verbrennungsdrucks, der bei Schwarzpulver im Bereich von etwa 600 bis 700 bar (erzielbare Mündungsgeschwindigkeit (Vo) max ca. < 400 m/s), bei den Nitropulvern dagegen im Bereich von etwa um und bei 15.000 bar liegt - wobei der Gebrauchsgasdruck bei Geschützen in der Größenordnung von etwa 4000 bis 5000 bar liegt, mit dem sich bei Verwendung "normaler" Vollkalibergeschosse etwa eine Vo von bis zu 1200 m/s erreichen läßt, bei Verwendung von Unterkalibergranaten lassen sich etwa um 1700 m/s erreichen.
(Unterkalibergranaten für die Artillerie sind wie das "Peenemünder Pfeilgeschoß" oder die "Röchling-Speere" im zweiten Weltkrig erprobt worden. Diese Entwicklung hat sich aber wegen der Zunahme der Bedeutung von Artillerieraketensystemen nicht durchgesetzt).
Der ballistische Effekt der neuen Pulver liegt darin, daß mit der Erhöhung der Anfangsgeschwindigkeit des Geschosses die Schußweite der Artilleriesysteme sprunghaft zunahm: Moderne 15 cm Schwarzpulver-Hinterlader hatten noch eine maximale Schußweite von etwa 5500 m. - Bei einer Nitropulvergeladenen Kanone dieses Kalibers liegt die Schußweite im Bereich von etwa 18000 m.
Bei moderner Artilleriemunition mit nachbeschleunigten Granaten konnte die Höchstschußweite auf ca. 40.000 m gesteigert werden, ohne daß damit Einbußen bei der Wirkmasse hinzunehmen sind.

Über Jahrhunderte war das gebräuchliche Treibladungsmittel das Schwarzpulver, einer Mischung, die im wesentlichen aus Kaliumnitrat, Schwefel und Holzkohle besteht - jedes Land hatte da seine besondere Rezeptur - je nach Reinheitsgrad und Herkunft der Komponenten. So galt damals etwa das eidgenössische (schweizerische) Schwarzpulver mit seinem hohen Chilesalpetergehalt als besonders leistungsfähig.
Die Steuerung des Abbrandverhaltens, der Hygroskopizität und die Handhabbarkeit (Vermeidung der Entmischung der Komponenten) wurde durch verschiedene Korngrößen beeinflußt: Die Mischung der Ausgangskomponenten wurde mit Lösungsmitteln (Wasser) vermengt, homogenisiert, zu Kuchen verpreßt, getrocknet und in Pulvermühlen wieder gemahlen. Anschließend wurden die Pulver nach Korngrößen sortiert (Artillerieschwarzpulver haben Korngrößen im Zentimeterbereich - das "Pulver" erinnert also schon mehr an Steinkohle, wie sie für einige Kesselanlagen erforderlich ist) und die Körner poliert um die lebensgefährliche Staubbildung in gewisse Grenzen zu bringen. Man muß dazu immer im Hinterkopf haben, daß Schwarzpulver als solches wegen seiner extrem leichten Entzündbarkeit (bedingt durch die Staubneigung) zu den gefährlichsten Sprengstoffen im weitesten Sinne überhaupt gehört.
Ich kenne diverse Vorderladerschützen, die ihr "Kilo" gleich in einzelne Ladungen portionieren - und das nicht nur aus Gründen der Ladevereinfachung auf dem Schießstand.....
Liest man die Werksgeschichten ehemaliger Pulvermühlen, stellt man fest, daß schwere Explosionsunfälle quasi zum "normalen Alltag" gehörten.

In der Herstellung nicht minder gefährlich war das im ausgehenden 19. Jahrhundert wohl in Frankreich von Vielle erfundene "Nitropulver". (Das erstmalig mit dem Lebel´schen 8-mm-Infanteriegewehr eingeführt wurde, während man im deutschen Reich beispielsweise noch das schwarzpulverbetriebene 11-mm-Infantierigewehr M-71 führte).
Es handelt sich dabei um eine chemische Verbindung - sozusagen um einen Kunststoff -  also nicht mehr wie beim Schwarzpulver nur um eine Mischung. Der Begriff Kunststoff ist hier sehr passend, weil Nitropulver im Grunde tatsächlich eine besondere "Plastiksorte" ist.
Ganz kurz:
Es entsteht durch die "Nitrierung" von Zellulose, einem standardisierten chemischen Prozess, bei dem an die Zuckermoleküle der Zellulose Nitrogruppen angelagert werden, die den für die Verbrennung erforderlichen Sauerstoff bereitstellen. Dabei läßt man höchstkonzentrierte (rauchende! H2SO4 mit ungelöstem SO3 und rotrauchende Salpetersäure) auf den zu nitrierenden Stoff einwirken (ein etwas kniffeliger Prozess, bei dem der Zufluß der "Nitriersäure" und die Temperatur sehr genau gesteuert werden müssen, da die Brühe sonst unter Bildung hochgiftiger nitroser Gase "aufraucht" - auch hier gibt es endlose Unfallchroniken...).
Die so entstehende Nitrozellulose (Schießbaumwolle) wird anschließend gelatiniert, zu einer teigartigen Masse eingetrocknet und zur Homogenisierung gewalzt (auch hier gab es Unfälle ohne Ende). Auf Spaghettipressen (die italienischen Strangpressen sind tatsächlich identisch mit den Strangpressen wie man sie auf alten Photos aus Pulverfabriken sieht) wird die teigige Masse in Stränge verpreßt und dann je nach gewünscher Form weiterverarbeitet und bis zum vollständigen Erhärten getrocknet.
Je nach Gelatinierungsmittel und weiteren Zuschlägen unterscheidet man noch einbasige und mehrbasige Pulver. Einbasige sind die reinen Nitrozellulosepulver, die durch Gelatinierumg mit einer Äther-Alkoholmischung entstehen (wobei das Lösungsmittel wieder entfernt wird); mehrbasige Pulver diejenigen, die etwa mit Trinitroglycerin gelatiniert wurden (man erkennt diese Pulver an ihrer hellbräunlichen, fast orangen Farbe. Dazu gehören insbesondere die in den großkalibrigen Jagdpatronen "Nitro Express" verwendeten englischen Cordite-Pulver sowie die italienischen Pulver. Diese sogenannten "Nitroglycerinpulver" weisen jedoch erhebliche ladungstemperaturabhängige Gasdruckschwankungen auf, so daß sie heute nicht mehr gebräuchlich sind).

Etwas komplizierter sind die Geschützpulver aufgebaut, die je nach Zusammensetzung als Diglykolpulver oder Nitroguanidinpulver firmieren. Das Problem bei Geschützpulvern liegt darin, die Pulverabbrandcharakteristik so zu gestalten, daß ein dem Zweck angemessener Gasdruckverlauf im Rohr entsteht und eine unnötige Beanspruchung des teuren Rohres durch hohe Abbrandtemperaturen vermieden wird (Man nennt diese Pulver daher auch "kalte Pulver").
In Deutschland ist mit der Entwicklung dieser Pulver der Name Max Duttenhofer (Gründer der Köln-Rottweiler Pulvermühle) eng verbunden, der eine Nitro-Pulverfabrik in Düneberg bei Geesthacht (Wehrmachtscode "dbg") östlich von Hamburg, unweit der "Nitrierfabrik" von Alfred Nobel in Krümmel bei Geesthacht (Wehrmachtscode "krl") aufbaute. Letztere stellte neben Nitrozellulose vor allem brisante Sprengstoffe her.
(Man unterscheidet brisante und nicht brisante Sprengstoffe. Kriterium ist die Abbrandcharakteristik: Hier ist die Deflagration von der Detonation zu unterscheiden: Detonation ist ein Umsetzungsprozess, bei dem eine Stoßwelle, die "Detonationsschwade", den Abbrand charakterisiert, während die Deflagration ohne Stoßwelle abläuft. Beide Begriffe sind speziellere Unterbegriffe der "Explosion". Die Detonation muß durch eine Initialladung initiiert werden. Dazu dienen kleine Mengen äußerst gefährlicher Hochbrisanzsprengstoffe, die ihrerseits schon durch Hitze- oder Schlageinwirkung detonieren und ihre Schwade dann an den eigentlichen "Sprengstoff" weiterleiten, der sonst sogar schwer entzündlich sein kann. Also: Treibmittel und Brisanzsprengstoffe explodieren: Brisanzsprengstoffe detonieren, Treibmittel deflagrieren.
Das interessante an der Detonation ist, daß die Schwaden ganz normalen physikalischen Gesetzmäßigkeiten über Wellen unterliegen, also reflektiert und gebrochen werden können. Auf dieser Erkenntnis beruhen besondere Ladungsarten, wie die Hohlladung, die geballte und die gestreckte Ladung, bei denen je nach räumlicher Anordnung und Formgebung des Brisanzsprengstoffes die Wirkrichtung relativ gut gesteuert werden kann. Bei militärischen Sprengstoffen handelt es sich in der Regel um hochbrisante Sprengstoffe, die bekanntesten sind wohl der Kunstdünger Ammoniumnitrat und die "richtigen Nursprengstoffe" Amatol, TNT, Nitroguanidin, Nitropenta, Hexogen und letztlich Oktogen mit seiner enormen Detonationsschwadengeschwindigkeit von etwa 9800 m/s).

Durch die enge Zusammenarbeit mit dem Nobelschen Werk konnten in Düneberg sozusagen "Pulver nach Maß" gefertigt werden, weshalb Düneberg gerade im Zusammenhang mit Pulvern für schwerste Kaliber eine ganz zentrale Bedeutung zukam.

Die Abbrandcharakteristik von Geschütztreibpulvern kann neben der chemischen Zusammensetzung auch durch die Formgebung gesteuert werden: So sind etwa Geschütz"pulver" für große Marinekaliber weniger "Pulver" als vielmehr etwa 1 m lange und ca. 1cm dicke, zähe und widerspenstige "Plastikknüppel", wie man bei Turra (Turra, Axel: Heeresversuchsstelle Hillersleben, 1998)  auf Seite 94 sehr schön erkennen kann.

Aber zurück zur Artillerie.

In keiner anderen Waffengattung ist die Lehre vom geworfenen Körper, die Ballistik, so allgegenwärtig wie bei der Artillerie. Ziel dieser Lehre ist die Vorherbestimmung des Punktes, an dem der ballistische Körper eintreffen wird. Sie umfaßt die Berücksichtigung aller relevanten Größen, die die Flugbahn beeinflussen.

Man unterscheidet:
   1. Rohrballistische (innenballistische) Größen.
      - Fertigungsschwankungen der Treibladungen.
      - Temperaturdifferenzen der Treibladungen.
      - Fertigungsbedingte Gewichtstoleranzen der Granaten (Massenordnungszahl).
      - Verkantungswinkel.
      - Laderaumvolumen in Abhägigkeit von Abnutzung und Erwärmung während des Schießens.
      - Rohrinnenvolumen in Abhängigkeit von Abnutzung und Erwärmung während des Schießens.
   2. Außenballistische Größen.
      - Luftdichte in Abhängigkeit vom Luftdruck.
      - Luftdichte in Abhängigkeit von der Luftfeuchtigkeit.
      - Ballistische Koeffizienten der Granaten (Luftwiderstandswerte).
      - Einwirkungen des Erdschwerefeldes (etwa bei Schießen im Gebirge).
      - Einwirkungen der Erddrehung (Corioliskraft).
      - Einwirkungen von Kreiselkräften bei drallstabilisierten Geschossen.
      - Exzentrizität des Geschosses.
   (3. Zielballistische Größen.
      - Auftreffenergie.
      - Durchschlagsleistung in Abhängigkeit von der Querschnittsbelastung.
      - Dichte des Zieles.)

Neben diesen ballistischen Fragen betreffen das Artilleriewesen geographische Fragen in der Form, daß militärische Planungen auf Landkarten, also Modellvorstellungen von der Oberflächenstruktur der Erde erfolgen. Es liegt daher ständig ein wechselseitiger Transfer zwischen Modell und Wirklichkeit vor, der die Frage nach dem Bezugspunkt aufwirft. Erst in letzter Zeit werden willkürliche Bezugssysteme durch den fortschreitenden Einsatz geostationärer Satelliten und GPS ersetzt.
Die bedeutung der klassischen Verfahren zur Ermittlung von Zielkoordinaten werden zunehmend verdrängt. Insbesondere die starke Zunahme von Verwendung intelligenter Munition ist in diesem Zusammenhang zu nennen.

Derzeit werden von den Landesvermssungsämtern die noch auf den Grundlagen der erste preußischen Landesaufnahme basierenden herkömmlichen Kartenwerke umgezeichnet: Bezugspunkte sind nun nicht mehr Greenwich oder Potsdam sondern der Erdmittelpunkt. Bereits das neue Artilleriesystem der Bundeswehr, die PzH 2000 arbeitet rechnergestützt nach dem neuen Satellitenbezugssystem. Übrigens ist die preußische Landesaufnahme im unmittelbaren Zusammenhang mit der Schaffung schießtechnischer Unterlagen zu sehen. Sie war der historische Beginn des heutigen systematischen Vermessungswesens.

Artillerierohrwaffen sind  Haubitzen (Rohrlänge bis zum 30-fachen des Kalibers und möglicher steiler Richtwinkel) und Kanonen (Rohrlänge größer als 30 Kaliber und gute Eignung für direktes Richten) in Kalibern von etwa 100 bis 200 mm.
(Es gibt natürlich auch die Mischformen: Haubitzkanonen, Kanonenhaubitzen sowie die Geschoßwerfer und Granatwerfer).
Je nach Lafettierung unterscheidet man Selbsfahrlafetten, Panzerhaubitzen (sehr bewegliche, leicht gepanzerte Waffen; in der NVA die russischen 122 mm 2S1 und die 152 mm 2S3; in der Bundeswehr die amerikanische M-109 in der entsprechenden Variante und seit wenigen Jahren das Nachfolgesystem "Panzerhaubitze 2000", beide 155 mm) und Spreizlafettengeschütze. Die Geschoßgewichte bewegen sich bei etwa 150 mm in der Größenordnung von etwa 45 kg und bei 200 mm im Bereich von etwa 100 kg.
Ich nenne hier einmal die Zahlen, um ein Gefühl für die Bedeutung der Kaliberangabe zu vermitteln. Es zeigt sich im Grunde, wie untauglich die Angabe eines Geschoßdurchmessers ist. Besser war da die britische Klassifizierung nach Gewichtsklassen . Als weitest verbreitetes Artilleriekaliber hat sich in der Nato das Kaliber 155 mm durchgesetzt; die alten 203 mm und 175 mm Waffen werden derzeit wohl abgeschafft.

Artillerieschießen ist eigentlich regelmäßig eine "Dreierbeziehung".
Die Gefechtsordnung ist so strukturiert, daß der Artillerie gewisse "Zuständigkeitsbereiche" also Wirkräume zugewiesen werden, die mit den vorhandenen Mitteln "beliefert" werden können.
Artilleriebeobachter (vorgeschobene Beobachter) klären das Gelände auf - bzw. ihnen werden Ziele gemeldet, die von den kämpfenden Verbänden aufgeklärt (Zivilisten würden sagen: "entdeckt") worden sind (target acquisition).
Klassisches Verfahren, klassischer Fall: Trifft  beispielsweise leicht bewaffnete Infanterie auf irgendein befestigtes Ziel (etwa ein gut ausgebauter Unterstand), das sie nicht bekämpfen kann, so fordert sie Artilleriefeuer an (call for fire). Zunächst muß aber festgestellt werden, wohin das Paket geliefert werden soll. Diese Aufgabe kann der Artilleriebeobachter (in der ehemaligen NVA etwa mit seinem OEM-2) vernehmen, indem er die Zielkoordinaten dieses Unterstandes nach dem verwendeten Bezugssystem (Gauss-Krüger Koordinaten) ermittelt und diese an den Feuerleitoffizier meldet.
Der Feuerleitoffizier veranlaßt dann, daß die Schießwerte (dabei werden möglichst alle oben genannten ballistischen Parameter mit berücksichtigt) ermittelt und die Geschütze entsprechend eingerichtet werden.  D. h. daß das Rohr in eine Stellung gebracht wird, die es ermöglicht, ein Geschoß mit einer "passenden Treibladung" genau ins Ziel zu bringen. Diese "Einstellwerte" werden an die Geschützführer weitergegeben, die das entsprechende Richten und die Auslösung des Feuers veranlassen.
Die Artillerie ist also eine Art "Transportunternehmen", das auf Anforderung an jedem Punkt des Gefechtsfeldes in sekundenschnelle ein totales Chaos anrichten kann. Dabei liegt der Vorteil in der kurzen Feuerverzugszeit und den vergleichsweise sehr geringen Kosten. Von der Anforderung des Artilleriefeuers bis zur "Wirkung im Ziel" vergehen bei modernen, automatisierten Systemen oft nur wenige Minuten bis Minutenbruchteile! Und die Treffer liegen im Bereich weniger Meter!

Gerade (6.4.03) sehen wir im Fernsehen die Bilder aus dem Irak. Dort findet gerade ein moderner konventioneller Krieg statt und die USA zeigen einmal, was heute geht. Die Kommentierung der Presse in Deutschland bezüglich zeitlicher Abläufe, ist haarstreubend und zeugt nicht gerade von auch nur annähernder Befassung mit dem Thema.
Anders ließe sich das nervöse Spekulieren um Stillstände auf dem Wege des Vormarsches nicht erklären. Wenn sich etwas "verzögert", dann nur aus Gründen des Schutzes der Zivilbevölkerung.
Denn heute gilt: Aufgeklärt heißt vernichtet! Und: Häuserkampf? - Was für Häuser?
Auch wenn man jedem Volk - durch welches Regime es auch immer gesteuert wird - ein wie auch immer geartetes Selbstverteidigungsrecht zuschreibt, so sollten die Truppen des Iraks die derzeige Situation als Sachzwang auffassen und sich schon aus Verantwortung gegenüber ihren Frauen und Kindern ergeben.


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