Zivile Vermessungsgeräte im militärischen Gebrauch

Zu den Instrumenten, die zivil und militärisch in identischer Bauweise genutzt wurden (werden) (lediglich durch ihre grüne Lackierung zu erkennen - oder auch nicht;-)) gehören handelsübliche Vermessungsinstrumente.
Ein wichtiger Unterschied zu den taktischen Geräten ist das regelmäßig bedeutend höhere Genauigkeitsniveau:
Die militärischen Instrumente gelten aus der Sicht des Vermessungsingenieurs als Geräte "niederer Genauigkeit".
Es geht im zivilen Vermessungswesen, das rechtlich verbindliche Lagepunkte zu ermitteln hat, um Millimeter, Minuten und Sekunden (360 Grad = 1296000 Sekunden. In Worten: Eine Sekunde ist der Einemillionzweihundertundsechstausendste Teil eines Kreises). Das lasse man so nebenbei einmal auf sich einwirken.
In der NVA war der gemischte Gebrauch ziviler und taktischer Vermessungstechnik (etwa gleichzeitiges Arbeiten mit Theodolit und Richtkreis) nicht zulässig, damit die Meßverfahren mit den genaueren Instrumenten nicht "verdünnt" werden.

Man muß wissen, daß das militärische Vermessungswesen als Kette redundanter Systeme verstanden werden muß. So man kann, "hängt" man etwa ein Artilleriesystem in das Staatliche Trigonometrische Netz, das laufend von den Vermessungsämtern gepflegt und verdichtet wird.
Die erste systematische Landvermessung überhaupt, war die Preußische Landaufnahme, die einzig dem Zweck diente, brauchbare Unterlagen für das Schießwesen bereitzustellen, da seit der Verwendung von Hinterladegeschützen die Reichweiten erheblich gesteigert worden waren, so daß erstmals im "indirekten Richten" geschossen werden konnte.
- Vorausgesetzt natürlich, man hat ein verläßliches Koordinatensystem.
Kann man aufgrund der Gefechtssituation jedoch keine reguläre Einmessung von Waffe und Beobachter vornehmen, etwa weil es schnell gehen muß, bedient man sich der zweiten Stufe. Jetzt kommen die Instrumente zum Tragen, die aufgrund ihrer Robusten Machart ständig in den Gefechtsfahrzeugen mitgeführt werden können: Die taktischen Instrumente.

Zu den Meßinstrumenten, die im Idealfall eingesetzt werden können, gehören Theodoliten, verschiedene Nivellierintrumente und Tachymeter (die optischen Reduktionstachymeter Redta und Dahlta sowie das elektronische Speichertachymeter Recota). Diese Instrumente müssen zusammen mit den erforderlichen Hilfsmitteln (Zielmarken, Lote) als jeweilige Mittelpunkte ihres Systems verstanden werden.
A propos: "Verstehen" - wer einen groben Überblick über das haben will, was man mit diesen Instrumenten so macht, schaue hier einmal nach.

Wie schon bei den taktischen Entfernungsmeßgeräten angedeutet, gibt es geometrische Streckenmeßverfahren mit der "Basis im Ziel". ("Die schlechten bei Feindkontakt";-)) - wir erinnern uns.
Dabei wird am Zielpunkt die genau bekannte Basis des Dreiecks, die sogen. Basislatte aufgestellt.
Um eine Zielmarkierung kommt man aber auch bei den elektronischen Verfahren nicht herum. Um mit einem Recota eine Strecke zu messen, muß man über dem Zielpunkt ein Prisma aufstellen, das die Form einer Würfelecke hat.
Jeder kennt die Zielmarken, die oft bei Vermessungen auf den Straßen herumstehen.

Durch ein derartiges Prisma wird gewährleistet, das die elektromagnetischen Strahlen des Meßgerätes immer rechtwinklig reflektiert werden - unabhängig davon, ob der Meßstrahl rechtwinklig auf das Prisma aufgetroffen ist. Wer einmal die Gelegenheit hat, mit einem derartigen Prisma herumzuexperimentieren, sollte einmal am hellichten Tag - ruhig aus großer Entfernung - eine ganz schwache Taschenlampe auf das Prisma richten und es währenddessen über die Lampe mit einem Auge anvisieren: Man wird erstaunt sein, mit welcher Intensität man die kleine Lampe wahrnimmt!
 
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