| Das Einheitsdoppelfernrohr EDF |
Wer ein EDF besitzt, das mit der radioaktiven Strichplattenbeleuchtung
ausgestattet ist, sollte diese auf keinen Fall ausbauen. So lange
sich das Tritium-Element im Fernglas befindet und noch funktioniert, ist
dies der sicherste Aufbewahrungsort. Mit jeder Manipulation laufen Sie Gefahr,
eventuelle Risiken zu realisieren - genau das will man ja gerade nicht!
War das DF noch eine klassische
Porro-Bauform, hat man sich - wohl aus Gründen der Gewichtsersparung
- beim EDF der anderen weit verbreiteten Fernglasbauform zugewandt, der des
Dachkantglases. Ich habe hier einmal
die optischen Baugruppen eingescannt.
Das EDF gab es in zwei Ausführungen,
mit (NVA-Nomenklaturnummer: 010400) - und ohne
(NVA-Nomenklaturnummer 010500) (radioaktiver) Strichplattenbeleuchtung
- letzteres offiziell als "EDF 7x40 oB" bezeichnet (A 050/1/501 "Einheitsdoppelfernrohr
7x40 - Instandsetznug" von 1982, S. 7). Die Strichplattenbeleuchtung war nachrüstbar
(a. a. O. S. 26), was allerdings auch den Austausch der Strichplatte bedingte.
Die Strichplatte des EDF oB war mit einem aufgedampften Strichbild versehen,
während das EDF mit einer geätzten Strichplatte versehen war, die
wesentlich teurer ist.
Diese Probleme gibt es bei dem Vorgängermodell, dem DF 7X40 nicht: Dort ist die Strichplattenbeleuchtung immer elektrisch ausgeführt.
Eine zivile Version ohne Strichplatte wird noch von Docter Optic Eisfeld
(gebaut?) und vertrieben, ob es auch noch gebaut wird, entzieht sich derzeit
meiner Kenntnis.. Diese Firma hatte die Fernglasproduktion nach der Ausgliederung
aus dem Zeiss-VEB übernommen.
An den neuen "zivilen" EDF meint man zu erkennen, daß diese noch aus
vorhandenen Teilen für die Armeeproduktion zusammengesetzt worden sind.
Schade, daß man nicht alle Teile verwendet hat..
Die Baujahre der EDF / EDF o. B. können übrigens an der kleinen
Scheibe am Mittelgelenk abgelesen werden, auf der der Seriennummer ein Großbuchstabe
vorangestellt ist, der in verschlüsselter Form die Jahreszahl der Herstellung
preisgibt.
Es bedeuten:
A=1981, B=1982, C=1983, D=1984, E=1985, F=1986, G=1987, H=1988, I=1989, K=1990,
(L=1991, M=1992, N=1993, O=1994, P=1995, R=1996, S=1997,
T=1998, U=1999). Weiter reichen die Angaben
in der DV nicht - Vielleicht schon eine Vorahnung?
Zu Fragen bezüglich der Unterschiede hier ein Erfahrungsbericht über den Vergleich von DF und EDF o. B. von Uwe Petzold.
(Daten den B&N entnommen.)
| EDF 7X40 (EDF o. B.)
Vergroesserung:
7X Geometrische Lichtstaerke:
32,65 Rechts ein 7x40 in ziviler Ausführung, das von der Firma Docter-Optik gebaut wird, die
die Produktionsstätten des ehemaligen Zeiss-Betriebes in Eisfeld
gekauft hat. |
|
Die EDF / EDF oB sind danach ziemlich wasserdicht:
Die Dichtigkeitsprüfung sieht eine Druckbeaufschlagung von 50,7 kPa 0,5 atm vor,
wobei ein Abfall des Druckes nicht zulässig ist.
(Dafür gibt es einen speziellen Abdrückstutzen)
Das heißt theoretisch und auf deutsch: Das
Glas "taucht `was" bis 5 m.... ;-) - Obwohl nur 1 m angegeben wird.
In 1m Tiefe muß das Glas dafür 1 Stunde aushalten
können, wobei das Wasser 10°C bis 15°C unter der Temperatur
des Gerätes liegen muß. (Es entsteht dann im Glas wegen der Abkühlung
ein Unterdruck)
Aber einmal abgesehen davon habe ich ich der A
050/1/501 (S. 34 ff.) noch ganz andere Strapazen gefunden, denen einige
EDF stichprobenartig und turnusmäßig unterworfen wurden:
Fallprüfung, 0,75 m auf Breitseite, gestreckt liegend: 1 Fall.
Vibrationsbelastung 30 - 80 Hz mit Beschleunigung 6 g: 2 Stunden auf Objektiv stehend; 1 Stunde auf Breitseite
liegend, 1 Stunde auf Schmalseite liegend.
Schlagprüfung mit Beschleunigung 15 g, Impulsdauer 5 bis 10 ms: 360 Schläge.
mit Beschleunigung 120 g und einer Impulsdauer von
1 bis 5 ms: 2 Schläge auf Objektiv stehend
, 4 auf Breitseite gestreckt, 4 auf Schmalseite gestreckt.
Kältebeständigkeit: -50°C, Dauer 2 Stunden nach Erreichen dieser Temperatur.
Wärmebeständigkeit: +60°C, Dauer 2 Stunden nach Erreichen dieser Temperatur.
Lagertemperatur:
+80°C, Dauer 1 Stunde nach Erreichen dieser Temperatur (Sinn dieser Übungen
war, festzustellen, ob irgendwo Schmierstoffe austreten, was nicht zulässig
ist).
Zyklische Temperaturprüfung, obere Temperatur +60°C - untere -50°C: 5 Zyklen je 2 Stunden.
Beständigkeit gegenüber Seenebel bei +27°C mit einer Mixtur aus 27 g/l NaCl, 6g/l MgCl2,
1 g/l CaCl2 1 g/l, 1 g/l KCl: 168 Stunden.
Man hatte sich also bemüht, ein ziemlich strapazierfähiges Glas zu gestalten, was nach Inaugenscheinnahme wohl auch sehr gelungen ist, einen aber nicht davon abhalten sollte, pfleglich mit seinem Kleinod umzugehen.
Solche Methoden galten übrigens nicht nur für
das EDF.
Jede taktische Optik wurde ähnlichen Belastungen
unterworfen, um die Ensatztauglichkeit zu überwachen.
Ich habe es hier aber einmal plakativ dargestellt, damit
nicht der Eindruck entsteht, nur moderne Optiken "von heute" seien strapazierbar.
Sollte aber trotzdem einmal etwas passieren, kann ich aus eigener guter Erfahrung (nicht, daß mir ein EDF kaputtgegangen sei; ich hatte einmal ein dejustiertes Dekarem mit einem trüben Prisma erworben, das operiert werden mußte; ein Freund hatte dann auch gleich zwei Aufträge, die perfekt, absolut spurlos und preiswert erledigt wurden) einenFachmann für die Reparatur oder Instandsetzung dieser Gläser empfehlen, der übrigens just in den alten Fertigungsgebäuden sitzt, in denen die "Jenaer" Gläser einst gebaut worden waren:
Fa. Geräteservice und Montage
Harald Ros
Coburger Straße 71
98673 Eisfeld
Tel. 03686 / 37 12 31; Fax. 37 12 30
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