| Allgemeines zu optischen Entfernungsmeßgeräten |
Auslösendes Moment zur Veröffentlichung dieser Homepage waren die Raumbildentfernungsmeßgeräte, die ich hier zunächst einmal systematisch einordnen möchte:
Zur geometrischen Streckenmessung, die auf einer bekannten Basis eines Dreieckes und rechnerischer Anwendung von Winkelfunktionen beruht, kann man sich grundsätzlich zweier Verfahren bedienen:
1. der "Messung mit der Basisim
Ziel" - auch: "Zweistandentfernungsmessung" (Basislatte).
2. der "Messung mit der Basis im Stand"
- auch: "Einstandentfernungsmessung".
Da man in einer Gefechtssituation schlecht ein Meßmittel beim
Gegner aufstellen kann, erfolgen taktische Messungen mit der Basis im
Stand,
mittels optischen Instrumenten, bei denen die geometrische Basis des
Dreiecks
im Gerät selber vorhanden ist. Konstruktiv haben diese Geräte
äußerlich gemein, daß sie mit zwei relativ weit
auseinanderliegenden
Objektiven ausgestattet sind.
Innerhalb des Verfahrens der Einstandentfernungsmessung bedient man
sich zweier Instrumentengruppen:
1. der monokularen
("Jedermann-")
Koinzidenzentfernungsmesser
im
- Schnittbildverfahren
("wie bei Spiegelreflexkamera") Das Bild erscheint "durchgeschnitten"
und
muß "zusammengesetzt" werden
- Kehrbildverfahren
(UMG-Pi) Das selbe Bild steht sich quasi "auf
dem
Kopf" gegenüber . Konturen treffen sich in einem Punkt
- Mischbildverfahren
("wie bei einer Meßsucherkamera") Zwei halbdurchsichtige Bilder
werden
zur Deckung gebracht
2. der binokularen Raumbildentfernungsmesser
(Stereotelemeter)
- mit
beweglicher Meßmarke OEM-2,
EM-61,
EMK-04
- mit unbeweglicher
Meßmarke (Vielzahl von Meßmarken, die sich scheinbar
in die Raumtiefe erstrecken) SDN.
Der Grund für die jeweilige Verwendung dieser unterschiedlichen
Instrumentengruppen liegt in der Verschiedenartigkeit
der zu beobachtenden Objekte.
In Situationen, in denen kontrastreiche, scharfe
Umrisse und Formen angemessen werden müssen, sind die Koinzidenzverfahren
vorzuziehen.
Dient das Meßgerät gleichzeitig der Dauerbeobachtung
und es sollen diffuse, kontrastarme Objekte wie (Spreng)-Wolken
angemessen
werden, versagt die monokulare Technik. (Man kann Trübes nicht
scharfstellen!). Hier bietet sich das Raumbildverfahren
an.
Während mit dem mechanisch aufwendigeren Wandermarkenverfahren
die Ankopplung von mechanischen Rechensystemen
möglich ist, bietet das Festmarkenverfahren eine
etwas
höhere Meßgeschwindigkeit und günstigere
Herstellungskosten.
Bekanntester Vertreter dieser Art ist wohl der aus dem letzten Krieg
stammende Em 1m R 36 (oft "Messbalken" genannt), der zur leichten und
mittleren
Flak gehörte. In der NVA verkörperte das SDN,
ein älteres Instrument sovjetischer Produktion, diese
Geräteklasse.
Doch es geht noch einmal ins Allgemeine:
Oben habe ich den Koinzidenzmessern das Attribut "Jedermann-"
vorangestellt. Damit möchte ich noch auf einen weiteren ganz
wesentlichen
Unterschied in der Handhabbarkeit hinweisen:
Während "jeder Einäugige" noch mit dem Koinzidenzmesser
messen kann, gelingt dies beim Raumbildverfahren nicht mehr.
Das Raumbildverfahren beruht auf der (trainierbaren!) individuellen
Wahrnehmungsfähigkeit
für Raumtiefe, einem Denkprozess, der unter Vergleich zweier
um
den parallaktischen Winkel verschiedenen Bildern desselben Objekts,
ein plastisches Bild in der Vorstellung des Betrachters
entwickelt.
Unbedingte individuelle Voraussetzung
dafür
sind beim Beobachter jedoch zwei möglichst gleichgute Augen, die
keine
Richtungsfehler aufweisen dürfen.
Das bedeutet aus militärischer Sicht, daß ein Verfahren
erforderlich ist, um besonders geeignete Personen
auszusortieren
- und daß diese dann auch noch zeitaufwendig trainiert werden
müssen.
Für die NVA war das Auswahlverfahren in der Dienstvorschrift "A
256/1/015 - Ausbildung von Entfernungsmessern der Artillerie" geregelt.
- Nur jeder 3. Kandidat, der schon mit Akribie vorausgewählten
Probanden,
wurde danach zur E-Meßausbildung überhaupt zugelassen...
Was aus militärischer Sicht nachteilig
erscheint,
ist für den Privatmann, der die individuellen Voraussetzungen und
ein solches Gerät besitzt, ein interessantes Erlebnis - eine
andere
Wahrnehmung der Sinne:
Für ihn wird es möglich,
größere
Geländeabschnitte räumlich zu beobachten. - Stereotelemeter
sind
im wahrsen Sinne des Wortes eine "Stereoanlage für die Augen".
Die Instrumente, die dieses Erlebnis sehr angenehm
vermitteln, sind die von Carl Zeiss Jena entwickelten und gebauten EMK-04,
EM-61
und das
OEM-2, meinem persönlichen
"Lieblingsgerät",
dem ich im Rahmen dieser Darstellung (natürlich) die
größte
Aufmerksamkeit widmen werde.
Eine B-Stelle. Im Vordergrund der Feuerleitrechner und ein Soldat mit
Artilleristischem Rechenschieber.
Im Hintergrund ein Soldat am EM-61.
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