Meine (allerdings etwas Zeiss-Ost- und Zeiss-West-lastige) Empfehlung für binokulare Ferngläser

Meine Augen sind recht gut (bilde ich mir ein). Wohl nicht zuletzt deswegen üben die optischen Militärinstrumente auf mich eine besondere Faszination aus. Aber auch Handferngläser stehen natürlich im Vordergrund des Interesses. Allerdings nicht primär aus der Sicht des Liebhabers, sondern eher aus der Sicht des Nutzers.

Eine Frage in einer Newsgroup: "Hilfe - Welches Glas?" hat mich schon immer irgendwie gereizt. Aber ich bin jetzt zu faul geworden, immer wieder individuell zu antworten. Daher nun das hier.
Ich habe unten meinen Senf zu 7x, 8x, 10x, 15x, 20x und 40x angerührt.

Zur Bauform
Prismenferngläser bestehen aus drei Systemen. Dem Objektiv, dem Prismenumkehrsystem zur Bildaufrichtung (und Seitenberichtigung) sowie dem Okular.
Das Umkehrsystem bietet das auffälligste äußerliche (weil formbestimmende) Unterscheidungsmerkmal für heute gebräuchliche Gläser.
So unterscheidet man die Porro-(1)-Form, die halt so wie ein "klassisches Fernglas" aussieht und die schlanke Dachkantform mit ihren beiden "geraden Rohren". Innerhalb dieser Grundkonstruktionen gibt es noch kleine Unterschiede, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll.

<>Was das soll
Durch die weiter auseinanderliegenden Objektive bei den Porro-Gläsern ist die Plastik (räumliche Abbildungskapazität) DEUTLICH höher als bei einem Dachkant. Man hat beim durchschauen durch ein solches Glas den Vorteil, daß der räumliche Eindruck nicht verloren geht. Das tangiert den Astronomen wenig, der ohnehin keine Chance hat, bei direkter Beobachtung jemals etwas räumlich zu sehen. Dem Tagbeobachter bringt das allerdings eine ganze Menge. Und so hat das immer noch von Zeiss angebotene 7x50 BGA/T auch immer noch seine Berechtigung - auch wenn es scheint, als baue man nur noch Reste ab. Im Militärgebrauch ist das Glas mit Laserschutzausstattung aber hochaktuell.
Man erreicht diese Plastik letztlich nur durch große Bauform mit entsprechender Anforderung an die mechanische Justierhaltigkeit.
Und das kostet und wiegt meist...

Daher vermeiden die Hersteller es wohl auch oft, dieses Merkmal neben "Vergrößerung" und "Lichtstärke" als Auswahlkriterium zu nennen. Für mich als Stereo-Fan ist es aber nicht ganz unwichtig. Trotzdem: Die Porro - Bauform ist wohl im Augenblick nicht mehr ganz der Renner.
Ein weiterer Vorteil dieser Konstruktion ist, daß der Durchmesser der Objektive nicht begrenzt wird. Heißt: Optischer Superleistung in Sachen Austrittspupille ist mit einem Porro-Glas kaum eine Grenze gesetzt. Einige Japanische Hersteller bieten auch Gläser mit recht großen Objektiven an (beispielsweise das 10 x 70 FMT-SX von Fujinon).
Dachkantgläser hingegen haben eng beieinanderliegende Objektive, deren Durchmesser bauformbedingt meist recht klein ist.
Durch den dadurch bedingten geringen Objektivabstand ist die Plastik allerdings gelinde gesagt "bescheiden".
Bei 56 mm Objektivdurchmesser ist hier wohl auch ein mechanischer Grenzbereich erreicht.

Die enger zusammenliegenden Objektive haben aus einem anderen Aspekt  wiederum einen anderen vorteilhaften Effekt: Die eng beieinanderliegenden Objektive verbessern die Verwendbarkeit im extremen Nahbereich.
Eine Eigenschaft, die gerade dem Natur- und Kunstbeobachter (Altarretabel in Kirchen! - oder Insekten) wichtig ist!
Außerdem sind diese "Dachkante" klein und leicht und wohl deshalb auch zur Zeit "en Vogue".
Dabei darf man diese letzteren Eigenschaften nicht in die Ecke stellen. Was nützt einem denn ein Glas, das man nicht mitnimmt, weil es einem zu unhandlich ist?
Und noch ein interessanter Effekt, der kaum ins Bewußtsein tritt:
Die weitere Auseinanderführung der Objektive (bei den Porro-Gläsern) führt zu einem unter Stereoskopikern als "Liliputismus" bekannten Effekt: Objekte wirken größer, wenn die Objektive weiter zusammenliegen. Das hat zur Folge, daß wenn man abwechselnd durch ein 10-faches Dachkant und ein 15-faches Porro blickt, man den subjektiven Eindruck hat, das 15-fache würde gar nicht stärker vergrößern! - Dafür kommt aber das Gezittere hinzu.... :((
Und andersherum ist man bei einem Dachkantglas von dessen "enormer Vergrößerung" tief beeindruckt - ohne jedoch mehr zu sehen...
Vielleicht ist diese "optische Täuschung" ein zusätzlicher Grund für die zunehmende Popularität der Dachkantgläser.
Ein anderer Vorteil der Dachkante liegt darin, daß diese konstruktiv leichter mit Innenfokussierung ausgestattet werden können. Dadurch hat das Glas außen kaum noch bewegliche Teile und kann sehr gut abgedichtet und gegen mechanische Einflüsse resistent gebaut werden.

Allgemeines zu einigen Vergrößerungsklassen

7-fache Vergrößerung

Es handelt sich um regelrechte Landschaftsgläser, die durch auffallend satte Farben und ein ruhiges Bild ganz sicher ihre Liebhaber haben.
Wegen der (auch noch beleuchtbaren! Strichplatte) führe ich auch gerne mein DF 7x40 aus. Aber eigentlich nicht, um etwas zu sehen, sondern um durch dieses Glas zu blicken, was mir persönlich immer wieder Freude macht. - Meine ganz persönliche Spielerei.
Dabei kommt mir dann auch immer wieder die Erkenntnis, daß es sich dabei wirklich um ein Glas handelt, mit dem man ausgezeichnet Panzer beobachten kann - aber keine Vögel....
Gerade habe ich mich einen halben Tag lang ausschließlich damit befaßt, den Unterschied zwischen dem Carl Zeiss Jena 7x50 Jenoptem und dem Zeiss/Hensoldt 7x50 BGA/T wahrzunehmen: Da ist am Tage allerdings keiner zu bemerken. Beide Gläser sind von ihrer Abbildungsleistung (Farbe, Helligkeit, Bildwinkel, Randschärfe, Kontrast) am Tage wirklich gleich gut.
In der Nacht ändert sich das bei einer hellen Lichtquelle im Ziel: Das Jenoptem zeigt störende Reflexionen im System, die bei dem Oberkochener Glas überhaupt nicht auftreten. Es gibt in dieser kritischen Situation zwar auch eine kleine Reflexion - allerdings ist sie nicht störend und kaum wahrnehmbar. Hier ist das Oberkochener Glas deutlich überlegen.
Sonst ist es noch in Hinsicht auf Verarbeitung und Formgebung überlegen: Man hat das Gefühl, ein Stück höchste Qualität in der Hand zu halten. Es faßt sich zum Verlieben angenehm an (fast hätte ich gesagt:"liegt in der Hand wie ein Mops.." - aber das gehört hier jetzt nicht her ;-)).
Bei dem Jenoptem ist der äußeren Verarbeitung nicht so viel Bedeutung beigemessen worden. Manche stört das allerdings nicht. Muß man nicht so sehr auf das Geld achten und und will man das Extreme, liegt man mit dem Oberkochener Glas richtig.
Sonst auf jeden Fall mit dem Jenoptem, das man gebraucht oft sehr günstig bekommen kann.
 
8-fache Vergrößerung
Noch wesentlich billiger und kleiner, fast immer von mir übersehen und kaum gewürdigt: Das 8x30 Deltrintem von Carl Zeiss Jena. Ausgestattet mit den Okularen des Dekarem ist es ein unschlagbar günstiges und optisch hochwertiges Glas für den Tagesgebrauch.

Die 8-fachen Gläser sind eigentlich eine Domäne der Jäger. Das liegt wahrscheinlich daran, daß man es als nicht waidgerecht erachtet, Wild in der Dunkelheit mit Nachtsichtgeräten zu bejagen. Durch das durch den damaligen Reichsjägermeister Hermann Göring geprägte deutsche Bundesjagdgesetz ist die Jagd damit verboten (und das Waffenrecht hat natürlich gleich mitgezogen - in Deutschland sind wir ja Meister, wenn es darum geht, uns selber einen Klotz an den Arsch zu binden). Ob das vor einer Schwarzwildpopulation noch vertretbar ist, die die Jägerschaft kaum noch in den Griff bekommt, ist eine ethisch-politische Frage.

Jedenfalls hat unter anderem das zu einer Nachfrage nach Zielhilfsmitteln geführt, die das vorhandene Dämmerungslicht optimal ausnutzt.
Und bis zu dem erst kürzlich für militärische Zwecke konstruierten 6-24x72 von Zeiss waren Zielfernrohre mit der Kenngröße 8x56 allererste Wahl, wenn es um die dämmerungszeitliche Bejagung von Sauen ging (das wird wegen des Gewichtes und Preises der "Alternative" wohl auch so bleiben).
So lag es dann nahe, auch das Doppelfernrohr mit diesen Kenndaten auszustatten, um sich bei wechselndem Durchblick nicht immer wieder umstellen zu müssen.
Das 8x56 BGA/T, eine Hensoldt Konstruktion, hat sich so zu einem regelrechten Klassiker für die Jagd entwickelt.
Dieses Glas sah ich auch sehr lange als das Maß der Dinge, was Dämmerungsleistung anbetrifft. Bis mich eines Tages ein Freund darauf aufmerksam machte, daß es da von Zeiss doch das Victory 8x56 gibt, das den Klassiker ins Abseits stelle.
"Was redet der da eigentlich?" dachte ich mir....
Das äußere Erscheinungsbild dieses Glases ist, ohne jemandem zu nahe treten zu wollen, wirklich so gehalten, daß es auch Frauen kaufen würden.. Kleiner Tip an Zeiss: Eine rote Gummierung könnte da vielleicht noch die Verkaufszahlen steigern  ;-)
Vom Gewicht her ist es allerdings ein echtes "Männerglas".
Von seiner optischen Leistungsfähigkeit her betrachtet, ist es aber für beide definitiv das neue Maß der Dinge.
So geistert es auch durch die neue Waffenpresse - die es sich natürlich mit den Herstellern nicht verderben darf und daher eigentlich bei allen Tests immer zu lauwarmen tragbaren Ergebnissen kommt. Etwas schwierig wurde das wohl, als man das derzeit aktuelle 8x56 Victory FL testete und nunmehr aufgepaßt werden mußte, daß man es sich mit den anderen Herstellern nicht verscherzt, deren Produkte nicht ganz an diese extreme Helligkeit in der Dämmerung herankommen. Immerhin kam dabei ein "ganz besonders Empfehlenswert" heraus.
Da die neu gestaltete Gummiarmierung endlich wieder vernünftige Griffrillen aufweist und nicht dieses komische Wohnzimmerdesign, liegt es auch wieder vernünftig in der Hand.
Gelegentlich liest man, daß "fehlende Randschärfe" vorliegen solle. Das stimmt in gewisser Hinsicht auch, ist jedoch dem hohen Maß an Lichtstärke geschuldet und  und wenn man sich nicht gerade darauf konzentriert, auch nicht störend.
Man muß immer im Auge behalten, daß es sich bei einem Fernglasobjektiv nicht um ein Kameraobjektiv handelt, das wegen der planen Filmlage ein geebnetes Bild darstellen soll. Die Folge sind dann mehrlinsige Konstruktionen, die Licht schlucken.
Für ein Fernglas sind sie ungeeignet.

Gerade wenn der Jäger etwa in einem Waldrevier mit schlechten Lichtverhältnissen zu kämpfen hat, bietet dieses Glas mit einem objektiven Sehfeld von nominal 135 m auf 1000 m eine für diese Vergrößerungs/Lichtstärkenkombination (die sonst regelmäßig 110 m bietet) einen enormen Vorteil. Umgerechnet auf die Praxis bedeutet das auf 100 m eine Kitzlänge mehr Sehfeld! So ist es besser, den Überblick zu behalten, wenn mehrere Stücke Wild zu beobachten sind - etwa eine Ricke mit Kitz, das zwar immer dicht bei Muttern steht; manchmal aber auch ein Paar Meter Abstand hält. Dumm, wenn man ein Stück aus dem Sehfeld verliert und es dann möglicherweise nicht wiederfindet. 

Auch wenn ich bislang eindeutiger Verfechter 10-facher Gläser für den Allroundgebrauch war, bringt mich diese Überlegung jetzt ins Grübeln - schließlich kann man ja praktisch immer nur ein Glas mit auf den Ansitz nehmen!

Im Juni 2009 hat es sich nun ausgegrübelt. Das Glas wurde für die Dämmerung beschafft. Beruhigend: was man damit nicht sieht, sieht man mit keinem anderen Glas! Danach kommen nur noch die Bildverstärker.

Das 10x40 sieht ab einer gewissen Dunkelheit überhaupt keinen Stich mehr gegen dieses Glas. 

Auch den Astronomen dürfte der Gesichtspunkt "großes Sehhfeld" interessieren, wenn er etwa Sternengruppen betrachten möchte.

Hinsichtlich der Bildhelligkeit und Brillanz der Abbildung stellt das Glas alles in den Schatten, was ich bisher gesehen habe. Und das nicht nur "erahnbar" sondern "offensichtlich"!
Ich habe einmal den Klassiker und das neue Victory in die Hände genommen und je eines vor ein Auge gehalten. Die sich dabei überlagernden Sehfelder machen den Unterschied deutlich: Das neue Victory spielt in einer ganz anderen Liga. Wenn bei der Anschaffung eines Fernglases Geld und Gewicht nicht die limitierenden Faktoren sind, empfehle ich ich jedem, bei der Auswahl mit diesem Glas zu beginnen.
(...und achten Sie dann auch mal auf den leicht bräunlichen Farbstich bei den ebenso kostspieligen und sonst sehr wertig gearbeiteten Leica Gläsern! Das hat mich richtig beleidigt!)
Wenn man oft sagt, "weniger ist mehr", so trifft das in gewisser Hinsicht auf ein 56er Zeiss-Victory voll zu.
Man bekommt eigentlich recht wenig für sein Geld: Diese Gläser vergrößern einfach nur.
Da spiegelt nichts, das trübt nichts, da färbt nichts, da verbiegt nichts - es wird einfach nur vergrößert......

10-fache Vergrößerung
Gläser mit nicht zu großem Objektivdurchmesser sind bei dieser Vergrößerung wirklich die erste Wahl für den Tagesgebrauch. Die Klasse um 10x40 ist vom Gewicht her gut tragbar und von der Abbildungsleistung exzellent.

Wenn man nicht wirklich in dunklen Waldrevieren jagt, würde ich uneingeschränkt dazu empfehlen. Man sollte jedoch unbedingt ein Glas mit Mitteltrieb nehmen. Gerade bei kleinen Singvögeln hat man es sehr oft mit wechselnden Entfernungen zu tun - und spätestens ab einem 10er Glas hat man das Fokussierrad ständig in den Fingern...
Ein Glas mit Einzelokularverstellung (Militärgläser) ist da viel zu langsam! Auf Deutsch: das kann man sich paffen!
Dessen Vorteil besteht lediglich in der größeren mechanischen Belastbarkeit. In zeiten echter Innenfokussierungen hat sich das aber wohl auch erledigt.

Die Auswahlfrage reduziert sich damit auf die Bauform: Dachkant oder Porro?
Die Antwort ist eine Gegenfrage: Muß ich es weit schleppen oder nicht? Oder: Wie wichtig wird mir eine gute Plastik sein?
Dazu ein kostengünstiger Tip:
Schaut doch einmal durch ein (leider wohl nur noch gebraucht erhältliches) 10x50 Dekarem von Carl Zeiss Jena....
Oder wenn es kleiner sein soll - aber dafür etwas teurer sein darf: Eschenbach Farlux SPS 10x42 (damals ca. DM 1100,--).
Dieses Glas verfügt, wie oben schon angedeutet, über einen extremen Naheinstellbereich, der eine zusätzliche Rechtfertigung für die Dachkantbauform abgibt: Ein Porro-Glas würde auf diese kurze Distanz doppeln!
Die Bildqualität ist sonst definitiv nicht zu unterscheiden von der des Zeiss/Hensoldt 10x40 BGA/T.

Meine Wahl war vor etwa 25 Jahren auf das Zeiss/Hensoldt 10x40 BGA/T gefallen.
Der Preis (DM 1079,--) war ein riesen Schmerz damals! Mit 16 hätten andere sich eher ein Moped gekauft - und ich war auch schon "nicht ganz abgeneigt"...
Aber seit dem habe ich uneingeschränkte Freude und Bereicherung durch dieses Glas erfahren. Und das Moped wäre heute schon längst Schrott...
Aber genau dieses Glas ist immer noch das Glas, das ich heute dabei habe, um "ein Fernglas" dabeizuhaben.
Für einen 100kg-Menschen mag es vielleicht etwas pimmelich klingen: Aber in Verbindung mit einem breiten Riemen ist dieses kleine Glas schon das größte, das ich lange mit mir herumschleppen würde!
Was es damals nicht gab, ist das oben angesprochene Farlux SPS 10x42 BG  von Eschenbach.
Würde ich mir heute ein 10x40 kaufen wollen, würde ich dieses Glas mit seinem extremen (das ist bei diesem Glas wirklich auffällig) Naheinstellbereich und seiner dem Zeissglas ansonsten mindestens ebenbürtigen Optik wählen. Wenn man es denn noch bekommt. Der Hersteller hat die Produktion schon wieder eingestellt.
Einmal hatte ich die Möglichkeit, einen Grünspecht aus unter 3 m Nähe damit zu beobachten, der sich einen Ameisenbau vorgenommen hat (wußten Sie, daß die weißen Ameisenlarven zu seinen absoluten Lieblingsspeisen gehören?). Der Specht war über und über von wütenden Ameisen bedeckt! Ein aufregendes Erlebnis, das mir mein Zeiss/Hensoldt so schon nicht hätte verschaffen können. Das ist ein Minus für einen deutlich höheren Preis! Das erscheint mir auch durch die hübschere äußere Form nicht gerechtfertigt.

Zeiss hat jedoch nachgebessert und den neuen kleinen Victory-Gläsern im Nahbereich deutlich auf die Sprünge geholfen.

15-fache Vergrößerung
hat ohne Stativ einfach wenig Sinn.
Die Detailwahrnehmung geht durch das Gewackel sehr häufig unter und das nervt richtig.
- Gerade weil man sieht, was man nicht richtig sehen kann!
Man braucht ein Stativ oder doch zumindest immer irgendeine feste Auflage oder eine Anlehnmöglichkeit.
Und wenn ich denn schon mit so viel Gedöhns losziehe, weiß ich in dieser Vergrößerungsklasse garantiert etwas besseres, als ein Handfernglas....                  (natürlich: OEM-2 ; -)
Dessen 14-fache Vergrößerung ist übrigens das Maximum dessen, was noch bei jeder Witterung sinnvoll genutzt werden kann.

20-fache Vergrößerung
Hier handelt es sich schon um sehr spezielle Gläser.
20x...  ist der Grenzwert für noch sinnvolle Fernbeobachtung bei günstiger Witterung (Thermik!!!!). D. h. kein direkter Sonnenschein.
Interessant ist in dieser Klasse das 20x60 von Zeiss Oberkochen mit der Bildstabilisierung. Das Bild weist die "gewohnte Zeiss-Qualität" auf. Allerdings ist dieses Glas in erster Linie für denjenigen gedacht, der genau weiß, daß er dieses Glas braucht. Wenn man es irgendwo hinschleppen muß, wo man nur zu Fuß hinkommt, dort dann länger bleibt und eine Auflagemöglichkeit hat, ist es ideal. Man muß daran denken, daß es zwar eine Bildstabilisierung hat - man es sich wegen seines Gewichtes aber einfach nicht stundenlang vor die Augen halten kann. Da werden garantiert die Arme lahm!
Kommentar:
Es ist ein binokulares Spektiv, optisch brillant, ein technischer Leckerbissen, der trotz dieser Vergrößerungsleistung den schnellen freihändigen Blick erlaubt - allerdings muß man etwas darauf sparen ;-)

40-fache Vergrößerung
Bei diesen Gläsern handelt es sich um absolute Spezialisten etwa für den ganz genauen Blick, wenn man etwas gesehen hat, das einen nun ganz genau interessiert.
Es handelt sich bei dieser Vergrößerung um den Grenzwert für terrestrische Fernoptiken überhaupt.
"Gutes Wetter" - d. h. kein Sonnenschein und nicht gerade Sommer - ist in jedem Fall erforderlich. Die sinnvolle Nutzung ist daher auf wenige erlesene Tage beschränkt!
Alles was über 40x liegt, geht am Tage im Luftgeflimmer unter. Egal, welches Wetter vorherrscht. Hier beginnt die Domäne der Astrooptiken, deren Kenngröße sich allerdings nicht mehr durch "Vergrößerung" sondern durch "Auflösung" definiert.
Wenn ein Glas im Bereich 40x... denn wirklich Sinn hat, sollte man sich doch einmal das ASEMBI 20 bis 40 x 80/500 von Carl Zeiss Jena bzw. dessen Nachfolger von Docter Optik ansehen, das, wenn man es denn noch irgendwo bekommt, sicher immer noch günstiger sein dürfte, als manche japanische Astrooptik von Miauchi oder Fujinon. Gehen Sie ruhig einmal auf die Homepage und schauen Sie sich dort bei den Astrooptiken einmal die Großferngläser mit 150 mm Objektivdurchmesser an. Diese Gläser definieren den "High End" Bereich des Doppelfernrohres. Mit so einem Fernglas wurde von Yuji Hyakutake der nach ihm benannte Komet entdeckt.

Negativ war mir beim ASEMBI aufgefallen, daß die kürzeste Fokussierweite bei 40-facher Vergrößerung im Bereich von über ca. 150 m beginnt, womit dem Beobachter ein interessanter (nah-) Bereich nicht zugänglich ist.
Damit ist es eingeschränkt auf bestimmte Fernbeobachtungsfälle ( Naturbeobachtungen).
Das führt in aller Regel dazu, daß dieses Glas meist im 20x-Modus "betrieben" wird, in dem es sonst ein sehr gutes Bild liefert, was dem des 20x60 allerdings nicht überlegen ist.
Dafür weist das ASEMBI allerdings ein sehr großes Gewicht auf. Es ist nur von einem Stativ sinnvoll zu betreiben; freihändige Nutzung ist unmöglich - es sei denn, man ist ein muskulöser Österreicher ;-)
Eine mit dem Wagen direkt zu erreichende, windgeschützte Beobachtungsstelle mit OEM-2 und Asembi; im Hintergrund ein Kocher, der Teewasser vorhält, und als objektseitigem Hintergrund etwas Gebirge oder die See mit Schiffsverkehr  - das könnte man tagelang aushalten - und man würde immer wieder irgendwelche Neuigkeiten sehen!

Fazit:
Im Grunde spielt sich die Entscheidung, welches Handfernglas man sich kauft, auf der Ebene (7-) 8- oder 10-fach ab, da derjenige, der eine größere Vergrößerung braucht, ein ausgesprochenes Stativgerät benutzen sollte.
Ist die Vergrößerungsfrage geklärt, ist eine nicht zu unterschätzende Frage die, wie handlich das Glas sein soll, bzw. wie unhandlich es sein darf - denn, was oben schon gesagt wurde:
Was nützt einem ein Fernglas, das zu Hause in der Schublade liegt, weil man sich mit dem dicken Klotz wieder nicht belasten wollte?
Hier bieten in der Tat die modernen und immer häufiger anzutreffenden Dachkantgläser interessante Möglichkeiten.
 
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