| Konversion |
Die Beschäftigung mit den optischen Geräten der Nationalen Volksarmee
führt zwangsläufig immer wieder zur Berührung mit den Thema
Militär und Militärgeschichte. Gerade in Deutschland im wahrsten
Sinne des Wortes ein "dunkles" Kapitel.
Es ist allerdings weniger die intellektuelle Befassung - sondern vielmehr
eine emotionale Verarbeitung dessen, was mir heute bei Streifzügen durch
das Land ständig und überall begegnet:
Einer Begrifflichkeit, die ich nie wahrgenommen habe, die allerdings in einigen
Gebieten Deutschlands, vor allem Brandenburgs, immer mehr in den alltäglichen
Sprachschatz rückt: "Konversion".
Gemeint ist damit die Überführung ehemals
militärischer Liegenschaften in zivile Nutzung. (Das hier angelinkte
Projekt ist sehr interessant. Man kann auf umzäunten Wegen den
ältesten deutschen Truppenübungsplatz vor den Toren Berlins bewandern.)
Gerade in den mittlerweile auch schon wieder über 10 Jahre alten "neuen"
Ländern hat die Militärpräsenz während der kommunistischen
Herrschaft dafür gesorgt, daß große Ländereien zivilisationslos
geblieben sind.
Sehr häufig handelt es sich dabei um Flächen, die schon während
des deutschen Militarismus isoliert worden sind, so daß einem erst jetzt
das ganze Ausmaß des Wahnsinns richtig bewußt macht, der sich
im letzten Jahrhundert in unserem Land abgespielt hat.
Hier sind volkswirtschaftliche Mittel in ohnmachtserregenden Dimensionen verbraten
worden - ganz gleich von welcher Seite.
Wohl nirgends sonst auf der Welt hat es eine derartige Militärkonzentration
über Jahrzehnte hinweg gegeben. Und wozu?
Heute scheint alles wie ein böser Spuk verraucht. Verweste Liegenschaften, Stille, Beton, der langsam zuwächst. Es fröstelt einen.
Wo jahrelang tausende Menschen einige ihrer besten Jahre in aufgezwungener Betriebsamkeit vertun mußten, ist heute ein großes Nichts. Ein "Gefahrenpotential" - Rüstungsaltlasten.
Aber ist das wirklich alles?
Dadurch, daß Soldaten laut sind, konnte sich die Tierwelt auf deren
Präsenz einstellen. Man mag es kaum glauben: der stille, unauffällige
Pilzsammler stört in der Natur mehr, als der bis an die Zähne bewaffnete
Kombattant, der sich mit seinem Maschinengewehr und diversen Blechkisten,
Gerödel und Geklapper in einen Schützengraben wirft, um von dort
aus herumzurockern, daß im wahrsten Sinne des Wortes die Heide nur
so wackelt.
"Geordneter Waldbau" und "geordnete Naherholung", die größten Feinde
hochspezialisierter Lebensformen, waren hier kaum möglich. Und so hat
das eine große Chance erhalten, was eben gerade nicht "Kultur" ist:
Die Natur.
Wegen der Munitionsverseuchung ist auch heute das Betreten vieler Flächen
lebensgefährlich. Und so gibt es Rückzugsräume, die besser
"geschützt" sind, als manches Naturschutzgebiet. - Prima!
Glücklicherweise leben wir gerade in einer Zeit, die es uns ermöglicht, vor der Planierraupe das Bewußtsein einzuschalten.
Und so findet, wer sucht:
- Lager
Döberitz vor den Toren Berlins - vom kaiserlichen Gardelager
zur Wiege der deutschen Militärluftfahrt;
- Wünsdorf - Entstehung
der Panzertruppe und gleich zweimal Standort des Oberkommandos einer ganzen
Armee
- Größtes Konversionsprojekt
- Bücherstadt
- Ausstellungen - Themen: Militärgeschichte von Wünsdorf,
Spitzbunkerprojekte (Luftschutz)
- Besichtigung der Bunkeranlage Maybach I und Zeppelin;
Kontakt (Herr Dieter
Kiesslich);
- Kummersdorf
Heereserprobungsstelle für Waffen, Munition und Fahrzeugtechnik: Bürgervereinigung Kummersdorf-Gut
e.V. ;
In Kummersdorf begannen die ersten Gehversuche Wernher
von Brauns, bevor es nach Peenemünde ging. Aber auch die deutsche
Uranforschung hatte hier ihren Ursprung.
- Rechlin,
ehemalige Luftwaffenerprobungsstelle - jetzt mit feinem Museum.
Hier und in der Außenstelle Tarnewitz bei Boltenhagen
an der Ostsee wurde manche avionische Kuriosität getestet.
- Peenemünde - Erprobungsstelle
für V1 und V2. Wohl die bekannteste Erprobungsstelle.
- Prora
auf Rügen - vom KdF-Heim zur NVA-Offiziersschule... Wer einen Besuch
dieser Einrichtung plant, sollte unbedingt vorher einen Besuch im Jagdschloß
Granitz einplanen. Von dessen Turm (Vorsicht: Die Besteigung vermittelt
eine "beeindruckende" Vorstellung von "Raum" und "Tiefe") hat man eine einmalige
Aussicht und in der Totalen schon von weitem einen Eindruck von dem, was
"Prora" heißt.
Unbedingt Fernglas mitnehmen!
- Hainich, ehemaliger Schießplatz,
heute Naturpark. Hier gibt es Fauna und Flora, die man sich in Deutschland
kaum noch vorstellen kann.
Es gibt sicher noch mehrere Beispiele, die ich sukzessive hier erwähnen werde, sowie ich nähere Informationen bekomme.
Wenn Sie interessante Links kennen, lassen Sie es mich bitte wissen - so kann
hier eine interessante Sammlung entstehen!
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