| Anmerkungen zur Nordrichtung |
Die wichtigste Frage eines Artilleriesystems betrifft die nach den Zielkoordinaten.
Das Bedienpersonal von weitreichenden Waffensystemen muß ja irgendwie
wissen, wo es seine Waffen "wirken lassen" soll.
Man muß sich das buchstäblich wie beim "Schiffeversenken" vorstellen - obwohl gerade bei der Marineartillerie wohl in erster Line das Schießen im direkten Richten angewendet wird.
Wenn wir also beim Schiffeversenken sagen: "Torpedo auf A1" meinen wir
damit, daß der "Aal" im linken oberen Feld des Rechenkästchensystems
einschlagen soll.
Man nennt solche Koordinaten "rechtwinklige Koordinaten".
Merkmal dieser rechtwinkligen Koordinaten ist also, daß wir einer
vertikalen Richtung einen Punkt in horizontaler Richtung zuordnen können.
Dieses Verfahren wird vornehmlich auf der Karte angewendet, wo man
leicht ein Gitter aufdrucken kann und dann mit einem sogenannten Planzeiger,
einer kleinen transparenten Skala, die betreffenden Punkte nach Metern
auftragen kann.
Man nennt dann bei der Zielbeschrigung einfach die Nummer der Gitterlinie
und hängt die jeweiligen Meter daran.
Wo Norden ist, ist auf der Karte auch immer "ganz klar": Oben.
In der freien Wildbahn liegt jedoch kein rechtwinkliges Gitter herum, so daß hier dieses Verfahren nicht angewendet werden kann.
Daher bedient man sich einer anderen Methode: Man sagt, der betreffende
Punkt liegt in der oder der Richtung und ist so oder so weit entfernt.
Diese Koordinaten nennt man "Polarkoordinaten".
Die Richtung, die hier gemeint ist, muß jedoch irgendwie "verabredet"
sein, damit der andere auch weiß, worauf sich der Beobachter überhaupt
bezieht.
Es bieten sich zwei Möglichkeiten an: Natürliche und willkürliche,
die sich an irgendwelchen verabredeten Geländemerkmalen orientiert.
Die natürliche Richtung die sich anbietet ist die Nordrichtung. Norden ist aber nicht gleich Norden!
Man unterscheidet:
- Magnetisch-Nord
- Geographisch-Nord
und
- Gitternord
Magnetisch-Nord - Nadelabweichung
ist die durch das Erdmagnetfeld vorgegebene Nordrichtung, nach der
sich die Bussolennadeln ausrichten.
Das Erdmagnetfeld ändert seine Lage ständig, so daß
man zur Vereinheitlichung Korrekturwerte einberechnen muß, die beim
Kartenhandel erhältlich sind (Deklination).
Der Winkel zwischen Gitternord und Magnetisch-Nord nennt sich Nadelabweichung.
Sie ergibt sich algebraisch aus der Differenz zwischen der Mißweisung
und der Meridiankonvergenz.
Geographisch-Nord
ist die Richtung der kürzesten Verbindung auf der Erdoberfläche
vom geographischen Südpol zum geographischen Nordpol.
Gitternord
ist die Nordrichtung der senkrechten, parallel zum Mittelmeridian jedes
Meridianstreifens verlaufenden Gitterlinien des Gauß-Krüger-Koordinatensystems.
Gitternord ist die Ausgangsrichtung für die Vermessung und Orientierung.
Diese Nordrichtungen stehen in einem rechnerischen Verhältnis zueinander, so daß der erfahrene Artillerist jederzeit bei Kenntnis der einen Nordrichtung auf die andere schließen kann. So erhält man ein Grundrichtungssystem, mit dessen Hilfe man jede weitere willkürliche Richtung beschreiben kann.
Man muß hier gerade bei der Thematisierung der Polarkoordinaten
auf diese Unterscheidung eingehen, da es im Rahmen der redundanten Ausrüstung
(verschiedene Systeme, die gleichzeitig dem selben Zweck dienen - also
im Prinzip überzählige, "überflüssige" Systeme zur
Erreichung gesteigerter Betriebssicherheit) verschiedene Verfahren gibt,
die sich unterschiedlicher Phänomene (Naturereignisse) bedienen.
So orientiert sich ein Kompaß etwa am Erdmagnetfeld, während
astronomische Verfahren sich an unterschiedlichen Himmelskörpern
orientieren (Polarstern, Sonne).
Ein Kreiselkompaß orientiert sich dagegen wieder an der Erdrotation.....
und so weiter.
Sicher - der graduelle Unterschied mag zunächst gering erscheinen.
Auf einige Kilometer wirkt sich aber eine kleine Differenz schon um etliche
Meter aus.
Beim Militär sind immer alle Systeme im Einsatz, was einerseits
Abstimmung erfordert, zusätzlich auch eine gegenseitige Kontrolle
bewirkt.
| Home | Katalog | Seitenanfang |