Der Artillerierichtkreis PAB-2 

"PAB" bedeutet frei übersetzt soviel wie "Periskopische Artillerie-Bussole". - Es paßt sehr gut, weil die russischen Ausdrücke dafür mit unseren fast identisch sind.

Richtkreise sind kleine taktische Standardvermessungsgeräte der Artillerie. - Eine Art optisches Allroundwerkzeug "niederer Genauigkeit", das mit handelsüblichen Vermessungsinstrumenten nicht mithalten kann, dafür aber wesentlich robuster aufgebaut ist und erheblich schneller einsatzbereit gemacht werden kann.
Wegen der unterschiedlichen Genauigkeitsklassen war das gleichzeitige Benutzen ziviler Instrumente mit taktischen Instrumenten verboten.

Der PAB-2 war wohl in allen Armeen des ehemaligen Ostblocks vertreten.
 
Bei dem PAB-2 handelt es sich um den Artillerierichtkreis der NVA, der nach dem RK-1, einer vermutlich deutschen Produktion, eingeführt worden war. (Lit: DV-41/56 - später A 326/1/322: Richtkreis PAB 2a) - von 1968.
Das russische Vorgängermodell könnte der mit einer Kreisbussole ausgestattete "Richtkreis mit Monokular - BMT" gewesen sein (Hinweis auf dieses Gerät finden sich in DV-41/42 Anleitung für die Instandsetzung der Scherenfernrohre und Richtkreise), der noch aus dem zweiten Weltkrieg stammt.

Auf dieser Abbildung ist sehr schön das längliche Bussolengehäuse zu sehen.
Vorne, im runden Fensterchen, ist die Markierung für die Nadelstellung zu erkennen.
Es ist das "Südfenster" (Russ. Jug, wie Jugoslavien; "Norden" heißt so viel wie "ßever", das kyrillische "C", ein scharfes "S" entspricht ungefähr unserem ß, es ist am gegnüberliegenden Fenster zu sehen) .

Tja. Auch darum kommt man nicht herum. Wenn man sich mit dieser russischen Technik befaßt, sollte man das kyrillische Alphabet lernen. 
Man wird erstaunt sein, wie viele Begriffe aus dem russischen Vokabular mit unseren Begriffen fast identisch sind. Man kann so mit sehr wenig Aufwand Texte überfliegen und erkennt manchmal, worum es geht - das ist doch schon ´was - oder?
Wir hatten das ja gerade mit der Bussole..... und auch der Stuhl bleibt ein ßtul.....
 

 

 

Den PAB-2 gibt es in verschiedenen Ausführungen mit verschiedenen umfangreicher Zubehörausstattung.
(Bei dem Modell 2M bestehen beispielsweise die Räder für die Triebe aus rotbraunem Kunststoff und nicht immer ist der PAB 2 in der großen blechernen Transportkiste zusammen mit dem ANB-1 anzutreffen - es gibt ihn auch in einem kleineren Kunststoffbehälter mit Trageriemen).
 

Da der Richtkreis aber nicht nur ein Vermessungs-  sondern auch Beobachtungsgerät ist,  gehört zu seinem Zubehör auch ein Periskopaufsatz, wie er hier abgebildet ist.

Mit diesem Periskopaufsatz konnte aus Stellungen oder Fahrzeugen heraus beobachtet werden.
So hatte etwa der Fahrer der mobilen Artillleriebeobachtungsstelle SPW 60 PB die Möglichkeit, den Richtkreis an einem Schwenkarm zu befestigen, der an der Seitenwand des Spähpanzers in einem Kugelgelenk befestigt war.
Dazu wurde die gesamte Kugelfanne des Dreibeinstatives in diesen Schwenkarm eingeschraubt.

Der "Beifahrer" bediente das OEM-2, das auf einer Spezialvorrichtung aus dem Wannenluk herausgefahren werden konnte.

Dieser Periskopaufsatz ist in einem separaten Köcher aus Blech oder Kunststoff (Varianten) untergebracht.

Winkelmessungen sind bei aufgesetzem Periskop nicht mehr möglich; der Richtkreis dient dann als reines Beobachtungsgerät, wobei natürlich die klassischen Entfernungsschätzverfahren mit Hilfe der Strichplatte weiterhin möglich sind.
 

 

Hier habe ich einmal den Werkzeugsatz zum PAB-2 abgebildet.

Man erkennt leicht, daß schon für dieses relativ einfache Instrument eine ganze Reihe spezieller Schlüssel erforderlich ist, um eine tiefergehende Instandsetzung vorzunehmen.

Eine solche Instandsetzung war natürlich nicht innerhalb der normalen Truppe vorgesehen.
Solche Arbeiten wurden unter Garnisonsbedingungen in besonderen optischen Werkstätten vorgenommen.

Daß solch ein Werkzeugsatz in "Userhände" gelangt, war eigentlich nicht vorgesehen.
Doch ich habe keine Ambitionen, den PAB einmal aufzuschrauben.


 
 
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