Die Tritium-Strichplattenbeleuchtung
Radiumhaltige Markierungen
- Radioaktivität -

Immer wieder geistert diese mysteriöse Radioaktivität durch diese "russischen" Geräte.... und führt zur allgemeinen Verunsicherung.

Worum geht es?

Bei taktischen Militäroptiken ist es erforderlich, in der Dämmerung oder in der Nacht Bedienelemente oder Strichplattenbilder zu erkennen.

Da elektrische Beleuchtungen oft viel zu hell (Lichttarnung gegenüber Bildverstärkern!) und zu anfällig sind, wurde auf eine interessante physikalische Alternative ausgewichen: Phosphoreszierende anorganische Farbstoffe.

Bekanntester Farbstoff dieser Art ist kristallines (und wegen der extremen Schwerlöslichkeit ungiftiges) Zinksulfid, in dessen Kristallstruktur bestimmte Schwermetallatome eingegliedert sind.

Zinksulfidmoleküle haben dann die Eigenschaft, bei Auftreffen von Licht, Elektronen in einen energetisch angeregten Zustand zu versetzen.

Entfernt man die Lichtquelle, gelangen die Elektronen zeitverzögert wieder in den ursprünglichen Zustand zurück. Dabei wird die zuvor aufgenommene Energie in Form sichtbaren Lichtes abgegeben, man nennt diesen Effekt: Phosphoreszenz.
Dieser Effekt steht im Gegensatz zur Fluoreszenz, bei der die Energieabgabe zeitgleich mit der Lichteinwirkung erfolgt.

Zinksulfid leuchtet aber nicht nur nach, wenn sichtbares Licht darauf trifft. Auch radioaktive Strahlungsquellen (Gamma- und insbesondere Betastrahler) regen die Kristalle zum Leuchten an.
Dieses Phänomen hat man sich lange Zeit bei Leuchtzifferfarben für Uhren zunutze gemacht, indem Radiumverbindungen direkt in den Farbstoff eingemischt wurden. Siehe dazu noch den Hinweis im unteren Hinweisfeld.
Da die dadurch erzeugte Lichtdichte zu gering war, um etwas zu beleuchten, wurde ein anderes Verfahren angewandt:

Ein Hohlkörper, innen mit Zinksulfidfarbe beschichtet, wird evakuiert und danach mit radioaktivem Tritiumgas (Betastrahler, Halbwertzeit 12,32 Jahre, Energie der abgegebenen Elektronen 18,61 keV) gefüllt. Dieser liefert ausreichend viel Licht, um Strichplatten hinreichend zu beleuchten.
 

Achtung!

Die spezifische Gefahr, die von diesen Leuchtelementen ausgeht, besteht darin, daß Tritium wegen der Geruchlosigkeit und des gasförmigen Aggregatzustandes unbemerkt über die Lunge inkorporiert werden kann!
Einmal im Körper angelangt, wird selbst von kleinsten Mengen radioaktiver Substanzen mitunter jahrelang die Zellbildung beeinflußt! Das kann gutgehen - das kann aber auch nicht gutgehen... (Krebs)

Insbesondere Kinder, deren  Zellbildung in vollem Gange ist, sind daher gefährdet!
 

Natürlich kann jeder selbst entscheiden, wie er mit "seiner Restlaufzeit" verfährt...
Bloß ahnungslose Dritte sollte man vielleicht vorher einmal kurz fragen, wie sie es denn damit halten!

Normalerweise sind die Leuchtkörper hermetisch dicht und ungefährlich, da Betastrahlung (= "umherfliegende" Elektronen) relativ gut abgeschirmt werden kann.
So heißt es dann auch in der Vorschrift zum EDF:
"Achtung! Das Tritiumelement der Strichplattenbeleuchtung ist schwach radioaktiv und im eingebauten Zustand nicht gesundheitsschädigend.
Für das EDF 7x40 liegt die Strahlenschutzbauartzulassung SBZ 17 12 80 des SAAS der DDR vor.
Die Einrichtung wurde mustergetreu gefertigt.
Das Öffnen des Gerätes durch den Nutzer ist verboten!
Bei Beleuchtungsausfall ist das Gerät ungeöffnet der Instandsetzung zuzuführen."
Durch Unkenntnis und unsachgemäßen Umgang oder unglückliche Umstände (mechanische Beschädigung und Versprödung von Dichtungsmitteln!) kann es jedoch vorkommen, daß das Gas aus dem Leuchtelement - und später aus dem Gerät austritt.

Mich hat einmal jemand gefragt, ob man dieses Teil nicht ausbauen könne.
Ich habe gesagt, daß das genau das ist, was mach eben nicht machen soll. So lange die Beleuchtung funktioniert, ist alles in Ordnung.
Erst durch das Ausbauen entsteht die Gefahr, das Leuchtelement zu beschädigen - und dann hat man genau das geschafft, was man eigentlich vermeiden wollte.....

Als "sicheres Indiz" für eine mechanische Beschädigung des Leuchtelementes gilt die Beobachtung, daß die Beleuchtung ausgefallen ist.
Das ist ja auch ganz klar, da in dem Augenblick, in dem die Strahlungsquelle weg ist, das Zinksulfid auch nicht mehr angeregt wird.

Dieser Fall wurde daher in der ehemaligen NVA als "außergewöhnliches Ereignis im Zusammenhang mit radioaktiven Stoffen" eingestuft, der gewisse Maßnahmen, wie die Sicherstellung des Gerätes, die abgegrenzte, besonders gesicherte Lagerung und die unverzügliche ärztliche Beobachtung des möglicherweise kontaminierten Bedienpersonals zur Folge hatte....

Man sollte wohl persönlich die Konsequenz daraus ziehen und diese Geräte, wenn sie irgendwo angeboten werden, im eigenen Interesse nicht erwerben, so leid es einem wegen der faszinierenden Technik auch tut. Wie hieß es noch gleich? -
Alle Wünsche werden klein, gegen den, gesund zu sein....?
 

Vorkommen:

Tritiumelemente sind bei

     - einem besonderen Zielfernrohr (kurze Prismenbauform) für die AK47,
     - der Standardbauform des EDF 7x40
     - dem UMG-Pi
 zur Strichplattenbeleuchtung eingesetzt.

Wenigstens die beiden letzten Geräte waren durch gelbe Warnaufkleber mit schwarzem Radioaktivitätssymbol gekennzeichnet. Das russische Zielfernrohr ist meines Wissens in der NVA (die den Umgang mit radioaktiven Stoffen entgegen verbreiteter anderer Auffassung zumindest nach Vorschriftenlage sehr ernst genommen hat!) nicht eingesetzt gewesen - es ist auch nicht gekennzeichnet!

Es kann einem aber vielleicht einmal auf dem Flohmarkt begegnen. Man erkennt es an einem gläsernen Zielstachel, der wie ein Kristall aussieht. Nirgends befindet sich ein Schalter. Und doch: In der Dunkelheit leuchtet der Stachel ganz schwach grünlich (das ist am Tage jedoch kaum zu erkennen).
 


Noch ein Hinweis:

Es gab ein ZVN-64 "Zusatzvisier zum Nachtschießen für MPI-K -KmS und -KM", das mit radioaktiv dotierter Leuchtfarbe (Radium) versehen war - und ganz bestimmt auch andere Visiere dieser Art für die anderen Handwaffen.
Der Sicherheitshinweis in der betreffenden Vorschrift: "Radioaktive Leuchtfarbe darf nicht abgekratzt oder entfernt werden, da sonst Gesundheitsbeschädigungen eintreten"... 
Also ganz sicher - und nicht nur vielleicht - man beachte die Feinheiten in der Formulierung! Kein Wunder: Radiumpräparate wurden immerhin zur Bestrahlungstherapie genutzt, bis man offenbar erkannte, das dieses Verfahren wegen nicht vertretbarer Nebenwirkungen nicht mehr anzuwenden sei. 
Solche Teile kann man sicher daran erkennen, daß sie auch dann, wenn sie tagelang im Dunklen liegen, immer gleichmäßig leuchten.
Undotiertes Zinksulfid hört irgendwann auf zu leuchten, wenn es keine Lichtzufuhr mehr bekommt.
Dabei handelt es sich um eine Zusatzkimme und ein Zusatzkorn - also kein optisches Gerät. Ich möchte aber trotzdem darauf hinweisen, da mir einmal die Anleitung dafür in die Hände gefallen ist. Vorsicht also mit selbstleuchtend bemalten Teilen militärischer Herkunft!

Solche Nachtvisiere gehören schnellstmöglich in Metallverpackung und in den Sondermüll!

Wer noch etwas mehr zum Thema "Radioaktivität" wissen möchte, kann sich auf diesen Seiten, die nicht von mir sind, noch etwas durchklicken:

Hinweise zum Strahlenschutz. Und hier auch noch einmal.
 
 
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