Der Tachymeterautomat RECOTA

Bevor es inhaltlich losgeht, kann man hier einmal eine beeindruckende Zahl loslassen: Das Recota hat für die NVA einmal 95.500,-- M gekostet (Lit: K 042/3/001 "Materielle Mittel des Militärtopograpischen Dienstes" 1989 S. 9 (Steht wirklich so, ohne "h", da! - Niemand ist unfehlbar...))
Es ist das Nachfolgeinstrument des EOT 2000.
 
Tachymeterautomat Recota Fernrohrlage I. (Hier ist das Okular sichtbar)

Bei dem Recota handelt es sich um ein elektronisches "Schnellmeßinstument" (Tachymeter). Nach Eingabe von atmospärischer Temperatur und Luftdruck, die rechnerisch durch den einbebauten Computer bei jeder Messung berücksichtigt werden, kann man mit diesem Instrument Strecken (Prismen im Ziel erforderlich!) und Winkel messen.
Die Meßgenauigkeit wird mit +/- 0,5 mgon (+/- 1,6´´) für die Richtung und +/- (5 mm + 0,000002xDistanz) (entspr. +/-11 mm auf 3000 m) angegeben.
Die Reichweite liegt bei 3000 m, die Meßzeit bei 9s.

Die Schrägstreckenberechnung und die Berechnung von Koordinaten sowie der vermessungstechnisch relevanten Meßverfahren erfolgen durch Aufruf der jeweiligen Programme im eingebauten Rechner. Sämtliche Daten können auf einem externen Speicher abgelegt und später ausgewertet werden.
Schnittstelle der letzten Recotas:  V.24 / V.28 bzw. RS-232 C für bidirektionalen Datenverkehr.

Die an diesem (älteren) Instrument vorhandene Datenschnittstelle habe ich noch nicht identifiziert.

Verglichen mit heutigen Instrumenten ist das Recota etwas groß und schwer. Was die Meßgenauigkeit anbetrifft, kann es aber noch gut "mithalten".

Für die Streckenmessung ist am Zielpunkt die Aufstellung eines besonderen Prismas erforderlich, da das Recota mit elektromagnetischen Wellen mißt.
Je nach Größe der zu messenden Strecke müssen Halter mit einem Prisma oder mehreren Prismen aufgestellt werden.
Bei diesen Prismen handelt es sich um "Würfelecken", die genau senkrecht reflektieren - auch wenn der eingehende Strahl nicht genau senkrecht auf die Oberfläche trifft.
Mich fasziniert es als Laien immer wieder, wenn ich am hellichten Tage eine ganz schwache Taschenlampe (etwa eine Mag-Lite Solitaire) nehme, mit einem Auge dicht über diese Lampe das Prisma anziele und dann bemerke, wie intensiv dieses Lichtchen wieder reflektiert wird.

Zur Verwendung der Prismen wird folgendes ausgeführt:
1-Prismenreflektor: 0-1000 m.
3-Prismenreflektor: nicht unter 100 m bis 1500 m.
7-Prismenreflektor: nicht unter 200 m bis 2000 m.
21-Prismenreflektor: nicht unter 400 m bis 3000 m. (Zur Beachtung: die Kippachse dieses Reflektors ist 10 cm höher, als die des Recotas und der anderen Reflektoren!)
"Es wird empfohlen, nicht an der Empfindlichkeitsgrenze zu messen, sondern gegebenenfalls schon bei kürzeren Strecken den nächst größeren Reflektorty einzusetzen".

Luftdruck und Lufttemperatur müssen extern (mitgeführtes Thermometer und Dosenbarometer) ermittelt und über die Tastatur eingegeben werden.

Die Anschlußspannung liegt bei 12 V Gleichstrom (11,5 V bis 14 V geglättet - keinesfalls darüber!!) - damit kann man es mit jedem KFZ-Akkumulator betreiben und ist nicht auf kurzlebige NiCd-Elemente angewiesen, wie es bei modernen Instrumenten in der Regel der Fall ist. - Die deswegen nach 2, 3 Jahren oft genau dann nicht funktionieren, wenn es einmal gerade wieder darauf ankommt....
(Akkumulatorengleichspannung ist ideale Gleichspannung.)

Die LCD-Anzeigen in beiden Lagen sind elektrisch beheiz- und beleuchtbar.
Die Beheizbarkeit ist erforderlich, da die LCD-Anzeigen sons bei einem Einsatz unter winterlichen Temperaturen frieren und damit beschädigt würden.
 
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